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06.12.03

Donnerstag, 4.Dezember 2003

Es ist jetzt Sonnabend und ich komme endlich dazu, den Eintrag für Donnerstag zu machen. Ich haße es eigentlich solche Sachen ewig vor mir her zu schieben, aber es gibt da so nette Dinge, die einem ausgerechnet am Jahresende heimsuchen müßen - Klausuren. Auf keinen Fall möchte ich anfangen mich in irgendeiner Weise aufzuregen, den im Grunde ist es mir ja egal, trotzdem nervt mich das Ganze ein bißchen. Die Frage, die ich mir immer wieder stelle ist, wie jemand so eine Fehlplanung zustande bringen kann und kurz vor Weihnachten jede Woche wenigstens eine Klausur schreiben läßt; zu meinem Bedauern muß ich nämlich feststellen, daß nicht alle Menschen so genial sind wie meine Mama, die in der ersten Dezemberwoche die letzten Geschenke einkauft. Ich nehme an, die meisten Menschen sind eher wie ich, sie haben etwas konkretes im Kopf, allerdings keine Zeit es zu besorgen und wenn man dann kurz vor Heilig Abend losgeht, dann findet man natürlich nicht das, was man sich vorgestellt hat - naja, dann hat man meiner Meinung nach ein Problem.
Aber um wieder zum Thema zurückzukommen, ich glaube es wäre viel sinnvoller, die Klausuren irgendwie vielmehr zu verteilen, ich weiß, daß das schwierig ist, aber schließlich gibt es ja Leute, die dafür bezahlt werden. Liegen nämlich alle Arbeiten auf einem Haufen, dann werden auch die Hausaufgaben mehr, weil man ja mit denen für die nahende Klausur lernen soll - ein Teufelskreis. Aber da man ja bekanntlich fürs Leben und nicht für die Schule lernt, ist dieser leichte Anflug von Streß wohl eher nützlich, denn wie sollen wir den sonst in Zukunft mit fünf Kindern, einem Vollzeitjob, dem Haushalt und sich selbst fertig werden? Ich gebe es zu: Genau genommen werden wir wahrscheinlich nie wieder so eine tolle Zeit haben, wie jetzt in der Schule.

Jetzt, da ich mich besser fühle (und mich plötzlich auf die drei Klausuren nächste Woche freue), kann ich ja noch mal auf den Unterricht am Donnerstag eingehen.
Die ersten Worte El Jefes, nachdem wir den Raum betreten hatten waren ein mitreißendes: "Guten Morgen, ich bin müde.", der arme Kerl hatte also nicht wirklich gut geschlafen und sah ehrlich gesagt auch so aus.

"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust" (V.1112), der Meinung ist jedenfalls Faust und er meint damit zum einen sein von Lebenslust gesteuertes und diesseitsorientiertes Ich und zum anderen, sein jenseitsorientiertes Ich, das ständig darauf aus ist irgend etwas Neues zu lernen. Diese Spannung zwischen dem Irdischen und dem Nichtirdischen ist eines der Leitmotive (gut zu wissen).

Der Rest der Stunde beschäftigte sich vorrangig mit den Ereignissen nach der Wette Fausts und Mephistopheles'.
Zuerst schleppt Mephisto Faust in Auerbachs Keller (der historische Faust soll wirklich einmal dort gewesen sein), wo sie zusammen mit einigen Typen trinken und ihnen Wein aus dem Tisch spendieren. Leider läuft das Ganze eher auf einen Streit hinaus, worauf sie auf einem Weinfaß wegreiten.
Anschließend landen die Beiden in der Hexenküche, wo Faust durch einen Zaubertrank verjüngt werden soll, da ihm andere mögliche Wege zu beschwerlich vorkommen. Wir erfahren, daß die Menschen schon länger nicht mehr an Satan glauben und Mephisto es deswegen vorzieht von der Hexe mit Herr Baron angesprochen zu werden. Seiner Meinung nach glauben die Menschen, der Teufel sei lediglich eine Märchengestalt, was die Welt allerdings auch nicht besser macht, da es im Gegenzug noch genug böse Menschen gibt.
Ob Faust diesen Zaubertrank wirklich trinkt oder nicht ist aus dem Text leider nicht klar zu erkennen, man kann aber davon ausgehen. Bei der Hexe hat Faust außerdem eine Frau in einem Spiegel gesehen, die Schönste, die er je gesehen hat, durch den Zaubertrank soll er diese Frau in der Erstbesten wiedererkennen (das weiß er aber nicht).
Nach El Jefe geht Faust nun, nach der Verabreichung dieses äußerst starken Potenzmittels, ziemlich sexuell geladen auf die Straße und begegnet Margarete, die ihn allerdings eiskalt abblitzen läßt. Mit sehr wollüstigen Gedanken befiehlt er Mephisto, ihm dieses Mädchen so schnell wie möglich zu beschaffen.
Mephistopheles schafft es schließlich ihn in ihr Zimmer zu bringen, wo er ihn allein läßt. Sein Verhalten hat sich nun grundlegend geändert und er begehrt Margarete nun nicht mehr nur rein körperlich, sondern vergöttert sie regelrecht.
Die Frage, ob Margarete nun hübsch oder nicht ganz so schön ist, hat uns zwar eine Zeit lang beschäftigt, wir sind allerdings zu keinem einstimmigen Ergebnis gekommen und es läßt sich wohl auch nicht eindeutig sagen, weil Schönheit ja bekanntlich im Auge des Betrachters liegt.

El Jefe versprach uns am Ende der Stunde noch, daß er am Montag ausgeschlafen und gut gelaunt in die Schule kommen will. Ich hoffe inständig, daß er da nicht der Einzige ist, weil wir am Montag nämlich unsere Klausur zurückkriegen.

Einen schönen Nikolaus wünsch' ich noch!

Ein Beitrag von Jacqueline am 06.12.03 12:39
Comments

Grenzen der Diskurs- und Konfliktfähigkeit


Bezüglich des Problems im ersten Abschnitt (Thema Klausuren) besteht offenkundig ein gewisses Defizit in der Frustrationstoleranz, das muss sich wohl erarbeiten.
Zweitens sollte man rechnen können, auch im Deutsch LK (Zahl der Klausuren eines Kollegiaten, Gesamtspektrum des Kursangebots, der klausurbaren Wochen und in Relation zum gültigen Stundenplan ermitteln. Oder wie wär's mit einer LK-KLausur am Samstag, ist schließlich auch ein Werktag, oder?)
Drittens sollte man sich hüten über die Bezahlung eines Berufstandes zu schreiben, wenn man jeweils nur einen sehr kleinen Ausschnitt, häufig den auch nur sehr verzerrt wahrnehmen kann. (Ja, man kann schon was über Lehrer sagen, aber so nicht.)Insbesondere bei der inkriminierten Berufsgruppe könnte es sonst derzeit zu breit angelegten rhetorischen Tiefausläufern kommen, die im Extremfall zum Zusammenbruch der Kommunikation führen. Das wäre kontraproduktiv, oda ned?

Posted by: Enterre le diable at 07.12.03 19:20

Lieber Kollege, ich kenn ihn ja auch, den Reflex zur Verteidigung unseres Berufsstandes - aber so Unrecht hat die Jacqueline jetzt insgesamt auch wieder nicht... Die angesprochene Rechenaufgabe hat übrigens keiner von uns je gemacht, nehme ich an. Eine Klausur am Samstag würde am angesprochenen Problem auch nichts ändern, n'est-ce pas?

Posted by: El Jefe at 07.12.03 19:35

Die Klausur am Samstag ist übrigens an der FH - wie ich vor kurzem erfahren habe - bereits Realität :-(
Welche Vorteile das bringen soll, hat sich mir bislang noch nicht erschlossen.
Aber es wird ja sowieso ständig alles besser, bloß sehen wir's noch nicht so richtig ein. Wenn wir dann alle bis zum siebzigsten Lebensjahr arbeiten und die sieben Jahrgänge Gymnasiasten vormittags und nachmittags von Montag bis Samstag unterrichten, merken wir erst, wie schön das ist.
Darauf einen Glühwein :-)

Posted by: rip at 07.12.03 22:23

Nach El Jefe geht Faust nun, nach der Verabreichung dieses äußerst starken Potenzmittels, ziemlich sexuell geladen auf die Straße und begegnet Margarete, die ihn allerdings eiskalt abblitzen läßt.

eindeutig zweideutig ;o)

Posted by: Rike at 08.12.03 14:39

Lieber Herr "Enterre le diable" oder "Enter the Devil" oder wie auch immer!
Ich weiß zwar nicht wer sie sind, jedoch bitte ich darum nicht so auf unsere Jacqueline loszugehen. Immerhin hatten wir bisher elf Jahre Zeit um uns ein Bild von Lehrern zu machen, und das Resultat vieler ist: auf Schüler wird häufig keine Rücksicht genommen.Wir haben nunmal wahnsinnig viel zu tun mit der Schule und gerade vor dem Abitur möchte man es besonders gewissenhaft tun. Jedoch an dem, was uns zur Zeit aufgeladen wird, haben wir alle schwer zu beißen. Es wird doch mal noch erlaubt sein, seine Müdigkeit hier zum Ausdruck zu bringen. Schaffen tun wir das Ganze hier alle, aber ein bisschen meckern ist erlaubt ohne dass sich jemand gleich angegriffen fühlen muss.

Posted by: Corisun at 10.12.03 20:38