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31.01.05

Ibolitisch 2

Baemu súti falla kúr
Mostin arasiban taégna.
Kiu tende vossagúr:
Flagedárad ássa.

Du solltest sofort folgen,
wenn ein Freund den rechten Weg verlässt.
Wende ihm nie den Rücken zu:
Es erwischt jeden einmal.

Soll man dem Freund auf den falschen Weg folgen, oder ihn zurück auf den rechten Weg bringen? Beides scheint – gemäß dem Text – möglich, doch wenn es später heißt, dass man dem Freund nie den Rücken zukehren soll, ist man auch nicht schlauer. Ist diese Irreführung vom Autor beabsichtigt, oder sind wir heute einfach nicht mehr in der Lage, die Feinheiten des Ibolithischen in all seinen differenzierten Nuancen zu deuten. Oder liegt es an der Übersetzung, dass vossagúr sich vielleicht nicht auf das zuwenden des Rückens, sondern eher auf ein kameradschaftliches auf den Rücken klopfen bezieht. In dem Fall ist es klar: Rette deinen Freund, bevor es ihn zu sehr auf den falschen Pfad gezogen hat. Schließlich erwischt es jeden einmal, weshalb du später auch auf die Hilfe deines Freundes angewiesen sein wirst. Wenn du deinen Freund natürlich auf die dunkle Seite ziehen lässt, dann kann er dir später natürlich nicht helfen. Oder sollst du gleich deinen Freund begleiten und später, wenn es dich auch erwischt hat von deinem Freund weiter auf die dunklen Pfade führen lassen?

Vielleicht ist diese Mehrdeutigkeit aber noch mehr beabsichtigt, schließlich gab es einmal in der ibolithischen Geschichte zwei Könige, die vollkommen unterschiedliche Weltanschauungen vertraten und um die Gunst des Volkes buhlten. Der Verfasser dieses Werkes könnte in dieser schwierigen Zeit versucht haben sein Gedicht so zu verfassen, dass er damit niemandem auf die Füße tritt. Das könnte vielleicht sogar seinen Kopf gerettet haben. Komisch nur, dass uns weitere Zeugnisse dieses Autors fehlen. Vielleicht hat jemand sein Ränkespiel durchschaut und ihn – nun komplett ohne Verbündete – nach alter ibolithischer Tradition vom höchsten Turm der Stadt gestoßen.

Interpretation: Maxi Fischer


Bäume seitens fliegend der Berge
Instrumente sickern in das düstere Tal
Können kann vermitteln:
was nun liegt im Verborgenen


Das Gedicht umspannt das Thema der Musik. Mit dem Vers: „ Instrumente sickern in das düstere Tal“ versucht die Autorin die Tiefgründigkeit der Musik darzustellen. Das düstere Tal wirkt unendlich weit und unergründlich. Das sind elementare Eigenschaften der Musik. Es wird niemals möglich sein die unzähligen Fassetten der Musik vollständig zu ergründen. Das macht sie so interessant und spannend. Mit Musik ist alles möglich: „Bäume seitens fliegen der Berge.“ Die natürlichen Regeln und Gesetze werden in der Musik aus den Angeln gehoben. Fliegende Bäume sind jedoch im Reich der Musik keine Besonderheit. Es ist alles möglich. Dies wird unterstützt durch den Satzbau. Die Grammatik spielt keine Rolle. Alle Regeln sind abgeschafft. Diese Eigenschaft der Musik wird auf diese Weise in Textform übertragen. So wird das Werk wie eine Melodie empfunden. Die letzten beiden Verse beschreiben die Möglichkeiten der Musik. Mit diesem Medium wird es möglich unergründliche, fremde Sphären zu erforschen. Wer sich von der Musik mitreißen lässt in das zunächst düstere Tal, eröffnet sich den Weg in neue, verborgene Weiten. Wie die Instrumente sickert man allmählich weiter und kommt dem Kern immer Näher. Erreichen kann man ihn jedoch nie. Es gibt keinen tatsächlichen Kern der Musik. Jeder definiert auf seinem Weg zu ihm, seinen eigenen, spezifischen Kern. Da der Weg ebenfalls unendlich ist kann man so verschiedene Kerne erleben. So bleibt die Musik für immer faszinierend, letztendlich unergründlich.

Interpetation: Nico Boenisch


Bären suchen eifrig nach Wasser,
nach einem Trunk aus dem reissenden Fluss.
Vögel fliegen weit,
und flattern auf den Bäumen.

Regina Bals, die begabte und stets kreative Autorin, hat auch bei dieser Übersetzung wieder großes, fundiertes Wissen bewiesen. Der Vierzeiler, der 1955 auf einer Steintafel entdeckt wurde, konnte nach Jahren des Unwissens endlich übersetzt werden. Regina Bals beschäftigte sich über Jahre, mit der bis dahin noch unbekannten Sprache und entschlüsselte den Code aus früheren Zeiten.
Interessant dabei ist, dass uns durch diese Nachricht eine Situation der Tierwelt beschrieben wird. Die Menschen waren damals schon sehr auf Tiere angewiesen. In den ersten Zeilen wird uns gezeigt, dass die Bären damals lebensnotwendig waren. Sie dienten wegen ihrem Fleisch und ihrem Fell, aber vor allem, weil sie eine Begabung dafür haben Wasser aufzuspüren. Das Wasser war hier aber nicht nur zum Trinken wichtig, sondern auch um sich mit dem Fischfang zu ernähren.
Vögel waren für die Menschheit schon immer interessant, da sie eine Fähigkeit besitzen, die wir nicht besaßen: das Fliegen. Sie bewegen sich so unbeschwingt von Baum zu Baum, dass es begeistern muss.
Die Übersetzung von Regina Bals, hat uns nicht nur eine neue Sprache eröffnet, sondern vor allem neue Erkenntnisse über das frühere Zusammenleben von Tier und Mensch. Soziobiologen rissen sich schon kurz nach der Veröffentlichung um ein Forschungsprojekt. Wie gestern bekannt wurde, werden die ersten Untersuchungen an das Institut für Soziobiologie in München gegeben.

Interpretation: Nina Rüttermann


Der vorliegende überlieferte Text aus ist einer der einzigen Hinweise auf die untergegangene ibolitische Kultur. Forscher vermuteten schon lange, dass diese Kultur, über die fast nichts bekannt ist, an einer Verschwörung zu Grunde ging. Dieses Schriftstück liefert den letzten Hinweis. Scheinbar in Eile Hingekritzelt, überliefert ein Schreiber offensichtlich die letzten Stunden der Kultur: „Beamtentum sollte hart fallen“ schreibt er. Ein fluch über die Verschwörer? Tatsächlich gehen Fachkreise davon aus, dass eine Intrige der obersten Staatsdiener den T’charad – den damaligen Herrscher – zu Fall brachte. Offenbar fürchteten die Verschwörer eine Verbannung: „meistens tatsächlich anderswo“ schreibt der Autor. War es eine Zeit politischen Umbruchs? Heute wird davon ausgegangen, dass die Herrscher in anderen Ländern zu dieser Zeit aufgrund von Unruhen die Politische Führung wieder alleine übernehmen wollten und versuchten, alle höheren Staatsdiener zu verhaften. Sie wollten ihre ins wanken gekommene Macht wieder sichern. Der T’charad jedoch war dabei offensichtlich nicht erfolgreich. Bekannt ist bisher nur, dass der Stadtstaat von den Ardaniern verlassen vorgefunden und neu besiedelt wurde. Was war geschehen? Darüber liefert das Schriftstück keine konkreten Hinweise. „Keiner tat Beobachtungen“ ist geschrieben. Es schien also ein schleichender Prozess gewesen zu sein. Aufgrund dieser Tatsache und der Verwünschung von Beamten kann von einer Verschwörung ausgegangen werden. Alles Weitere bleibt nur Vermutung. „flüchteten alle“ ist der letzte Satz. War es ein gelegtes Feuer? Oder gezielte Exekutionen der Führungselite? Es muss etwas gewesen sein, was die Bevölkerung zur Flucht trieb – oder das Leben kostete. Offen bleibt, wer der Autor ist. Zu den Verschwörern kann er aufgrund seiner Verwünschung nicht gehören. Er war jedoch Schreiber. Schreiben konnten zu damaliger Zeit nur Angehörige des Herrscherhauses oder Staatsdiener. War er ein Überlebender des Herrscherhauses? Da bis jetzt keine weiteren Überlieferungen gefunden wurden wird dieser Vorfall wohl ein Dunkles Kapitel der Frühgeschichte bleiben.

Interpretation: Regina Bals (die Übersetzungscheint nicht erhalten zu sein)


Basti sieht falsche Kugeln
Meist sind es aber Tangenten.
Kai denkt vor allem:
Vergiss es doch.


Eine Gedichtinterpretation zu erstellen ist immer ein Versuch die Intentionen des dichtenden Dichters zu erraten und belegen zu können.
Bei dieser Interpretation kommt sogar noch eine Schwierigkeit dazu: das Gedicht ist eine Übersetzung.

Das Gedicht besteht insgesamt aus vier Versen, wobei keine einheitliche Metrik vorhanden ist.
Die ersten beiden Verse sprechen über Basti, der Tangenten für Kugeln hält. Die letzten beiden Verse sprechen von Kai, welcher die Aktivitäten von Basti für nicht wirklich wichtig hält.
Ein Titel hat das Gedicht nicht, wobei dabei zu sagen ist, dass der codierte Text auch kein Titel hat.

Ganz nüchtern betrachtet, denkt der Leser beim Lesen der ersten beiden Verse, dass es sich um Mathematik handelt, genauer gesagt um Bereiche aus der Geometrie. In den letzten beiden Versen tauchen jedoch keine Begriffe aus der Mathematik auf.
Zwei Namen begleiten den Leser durch das Gedicht, anfangs Basti und am Ende dann Kai. Auffallend ist dabei, dass beide Namen mit -i- enden. Die Erklärung dafür findet sich in dem ursprünglich ibolitischen Text: Die beiden Namen sollen hierbei an súti und kiu erinnern.
Nach längerem Nachdenken kommt auf die Fährte, dass die Wörter in dem Gedicht nacheinander mit den gleichen Buchstaben beginnen wie die im originalen Text.
Dass bringt einen auch darauf, dass das Gedicht nicht wirklich einen zusammenhängenden Text mit Aussage darstellt und daher nicht interpretiert werden kann.

Übersetzung und Interpretation: Caro Schlierf

Ein Beitrag von El Jefe am 31.01.05 16:14
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