Fundstücke

Der Lehrer und die Schulleitung

Der Kubiwahn erzählt immer so schön von seinen Rollen in der Schule, als Lehrer und Schulleitungsmitglied. Das wirkt authentisch, und ich halte ihn auch für authentisch. Aber es ist schon eine komische Sache um die Lehrer und die Schulleitung und deren Selbstverständnis.

Für mich ist die Schulleitung so etwas wie ein erweitertes Sekretariat. Die Schulleitung soll mir ermöglichen, meinen Unterricht durchzuführen – so wie ich den laut Lehrplan halten soll und wie ich das als aus- und weitergebildeter Didaktiker kann. Damit ich das kann, organisiert und koordiniert die Schulleitung Stundenplan und Vertretungsstunden, Exkursionen und Fahrten, Räume und Material. Mit den meisten Problemen werde ich alleine fertig, aber es hilft auch, manche davon nach oben delegieren zu können.

Diese Organisationsaufgabe ist gar nicht so einfach. Ich war Studenplaner, im Schulforum, bin Personalrat; da kriegt man zumindesten manche Zusammenhänge und Nöte und Zwänge mit. Dass das nicht jeder weiß, wird mir manchmal dann klar, wenn Kollegen die kuriosesten Vorstellungen davon haben, wie Stundenplan oder Klassenverteilung entstehen und welche geheimen Ränke dahinter vermutet werden. Vielleicht ist das an anderen Schulen tatsächlich so; an meiner stecken da meist vernünftige Dinge dahinter – aber das ist Wahrnehmungssache.

Und außerdem sehe ich die Schulleitung auch als Kontrollinstanz, die aufpasst, ob ich meinen Unterricht – siehe oben – auch sinnvoll und korrekt mache. An diese Funktion denke ich wenig, weil ich darauf achte, korrekt zu arbeiten, aber jemanden zu haben, der zusammen mit mir aufpasst, das ist nicht schlecht.

Schulleitungen kennen vermutlich noch andere Rollen. Sie sehen sich nicht nur als Organisierer, sondern auch als Gestalter der Schule und Umsetzer der Wünsche des Kultusministeriums. Das sind zwei verschiedene Dinge, glaube ich. In Ausübung dieser Funktionen kann ich mir schon vorstellen, dass mir eine Schulleitung lästig fällt, also ihrer aus meiner Sicht eigentliche Aufgaben – mir das Unterrichten zu ermöglichen – nicht nachkommt.
Dabei möchte ich unbedingt Schulleitungen, die Schule gestalten wollen, aber das natürlich im Konsens mit dem Kollegium.
Problematischer ist das mit den Wünschen des Kultusministeriums. An Anweisungen müssen wir uns alle halten, das ist klar. Aber nicht alles ist Anweisung, manches ist auch nur ein “es besteht die Erwartung”, und alles ist natürlich politisch, und manches sinnvoll und manches nicht – ich bin jedenfalls schon mal froh, wenn die Schulleitung trennen kann, was eigener Gestaltungswille ist und was Ausführung der Wünsche des Ministeriums, und nicht das eine für das andere hält.

(Disclaimer: Dieser Blogeintrag hat keinen aktuellen Anlass, und ich habe auch keinen aktuellen Konflikt mit meiner Schulleitung. Ist eher so prinzipiell.)

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Schule (Alltag)

Wie viel Wochen hat ein Schuljahr, die Fortsetzung

Hier hatte ich mal zusammengerechnet, wie viele Wochen ein Schuljahr tatsächlich lang ist. In diesem Schuljahr habe ich gezählt, wie viele Stunde Unterricht ich tatsächlich halte, also wie viel ausfällt aus schulinternen Gründen, durch Feiertage, durch Fortbildungen oder Krankheit.

Der Lehrplan für das bayerische Gymnasium ist ausgelegt für 28 Schulwochen. Die übrige Zeit ist für Projekte und Wiederholung vorgesehen:

Bei den Fachlehrplänen wurde von 28 Wochen (bei Jahrgangsstufe 12 nur von 21 Wochen) Unterricht für die verbindlichen Lernziele und Lerninhalte ausgegangen. Der bei 52 Jahreswochen, abzüglich der Ferienwochen, verbleibende Gestaltungsraum erlaubt nicht nur das für nachhaltiges Lernen und für Leistungserhebungen erforderliche intensive Üben, Wiederholen und Vertiefen, sondern ermöglicht auch Studienfahrten und fächerverknüpfende sowie fächerübergreifende Vorhaben.

(Quelle beim ISB, aber die Links dort sind notorisch kurzlebig.)

Tatsächlich bedeutet “52 Jahreswochen, abzüglich der Ferienwochen” etwa 38 Wochen, so habe ich das damals ausgerechnet. Warum nicht gleich so sagen?
Das erste Halbjahr 2014/15 bestand so ziemlich genau aus 19 Wochen bis zum Zwischenzeugnis (minus 1 Tag), das zweite Halbjahr besteht ebenfalls aus exakt 19 Wochen. Die Ferien sind jeweils abgezogen, die Feiertage nicht, von denen durchaus ein paar mehr im zweiten Halbjahr auf Schultage fallen können als im ersten.

Fazit aus dem 1. Halbjahr: Die Mindestvorgaben aus dem Lehrplan (14 Wochen pro Halbjahr) werden in allen meinen Klassen erfüllt. Mein einstündiges Fach, Freitagnachmittag in der 7. Stunde, kommt dabei am schlechtesten weg – dabei halte ich die Stunde auch am Freitag vor allen Ferien, weil die Schüler auch da Interesse haben.
Außerdem spielt es eine Rolle, an welchem Wochentag die Stunden liegen. Am wenigsten ist im ersten Halbjahr am Montag ausgefallen, am meisten am Freitag, dicht gefolgt von Dienstag, dicht gefolgt von Mittwoch. Am Donnerstag bin ich nicht an der Schule, deshalb ist da natürlich nie etwas ausgefallen bei mir.

Wieviel Prozent auf Krankheit meinerseits, Fortbildung oder Unitätigkeit meinerseits, auf optionale Schulveranstaltungen (Gottesdienst, Konferenzen, Kollegenklausuren) und auf Feiertage entfallen: darf ich hier natürlich nicht sagen. Auch nicht, wie viele Stunden es insgesamt warten. Bleibt die Frage: Habe ich neben den 14 Wochen pro Halbjahr, die ich für den Lehrplan brauche (also 56 Stunden im vierstündigen Fach, 42 im dreistündigen, 28 im zweistündigen und 14 im einstündigen), noch genügend Zeit für “nachhaltiges Lernen und [das] für Leistungserhebungen erforderliche intensive Üben, Wiederholen und Vertiefen [und] fächerverknüpfende sowie fächerübergreifende Vorhaben”? Sagen wir: diese Stundenzahl ist natürlich geringer als die maximale Soll-Stundenzahl (Krankheit, Fortbildung, Gottesdienst, Feiertage, Weihnachtsbasar, Personalausflug, Wandertag), aber durchaus noch okay. Aber einstellig. Echtes intensives Üben, Wiederholen und Vertiefen ist ja eh nicht wirklich vorgesehen.

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Informatik, Spiele

Codefunde, und Programmieranregungen

Zwei Funde aus der letzten Zeit, und beide kurz, quelloffen und verständlich.

1. A Dark Room

Ein minimalistisches Spiel, das mit Maus und später ein wenig Tastatur im Browser bedient wird. Nach den ersten Klicks befindet man sich in vertrauter Atmosphäre, ein textbasiertes City-Building-Spiel also, und doch… man beginnt in einem dark room, und muss erst einmal das Feuer anheizen. Eine Fremde kommt in die Hütte, wärmt sich, und stellt sich als builder heraus, die mit dem gesammelten Holz einfache Dinge bauen kann. Nach und nach kommen weitere Wanderer, eine zweite Hütte wird gebaut.

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Bereits bei den ersten, der interactive fiction nahen Formulierungen ahnt man, dass das irgendwie ein besonderes Spiel ist, und als das stellt es sich auch nach und nach heraus. “The light from the fire spills from the windows, out into the dark.”

Hier kann man das spielen: http://adarkroom.doublespeakgames.com/ Oder man folgt einfach dem Link dort zu GitHub, wo der Code des ganzen Projekts gespeichert ist und zum Beispiel als zip-Paket heruntergeladen werden kann. Das Programm ist in Javascript geschrieben, und es ist interessant, mal in den Quellcode zu schauen.
Außerdem sieht man daran gut, dass auch ein minimalistisches Spiel spannend sein kann. Zugegeben, es wird später noch ein wenig elaborierter. Sehr stimmungsvoll.

2. Tippfelher

Über diesen Tweet bin ich auf das Projekt gestoßen:

Auch hier ist das Projekt bei GitHub gespeichert, und man kann es sich dort anschauen oder herunterladen. Es ist in Python geschrieben, mit dem ich sehr viel vertrauter bin als mit Javascript. Der Hintergrund wird in diesem Blogeintrag erklärt. Die Kurzfassung: Das Programm liest einen Text ein und spuckt ihn mit Tippfehlern versehen wieder aus. Dazu gehören etwa eine fehlende Hochstelltaste bei Großbuchstaben und vertauschte Buchstaben, die auf der Tastatur nebeneinanderliegem. Bei Titel der Textdatei wird nur ein Buchstabe getauscht, wie man an der mitgelieferten Beispieldatei “Kakfa – Die Verwandlung.txt” sieht.

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Fotos

Zoobesuch am Wochenende

Fazit: Kalt, aber schön.

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Erdmännchen trifft auf Hund. Oder umgekehrt.

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Przewalski-Pferde, seit meiner Kindheit im Was-ist-Was-Buch ein Favorit von mir (und seit ich was über Herrn Przewalski gelesen habe):

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Und hier beginnt eine Serie mit den Tigern. Seit relativ kurzer Zeit gibt es in München nämlich wieder welche, zwei sibirische Tiger, die sich noch erst kennenlernen müssen.

So eine Kurve kenne ich eigentlich vom Tiger Hobbes, aber die echten Tiger sehen tatsächlich auch so aus:

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Ohren in verschiedene Richtungen gedreht. Niedlicher weißer Punkt hinten an den schwarzen Ohren:

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Tiger 1 will sich ausruhen:

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Tiger 2 lässt ihn aber nicht:

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Unser alter Freund, der Vielfraß (auf englisch Wolverine) mit einem schon sehr alten Knochen:

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Savannenblick, hat Frau Rau zu Recht gesagt, kann er besser als der Tiger. Zugegeben. Aber sonst?

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Ein Leopard. Der Jaguar hat als einziger Punkte in den schwarzen Ringen des Musters:

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Eine junge Robbe. Hat sich mehrfach Eis vom Beckenrand geholt, um daran zu lutschen:

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Reste des Wolfs-Mittagessens:

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Grooooße Aufregung bei den Flamingos:

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Informatik, Schule (Alltag)

Jugend forscht

Wie in so vieles, bin ich auch da reingerutscht: An meiner Schule gibt es seit Anfang des Schuljahrs einen Wahlunterricht “Jugend forscht”, der von zwei Lehrern betreut wird. Das war zu kurzfristig, um Projekte für diese Runde fertigzustellen (Anmeldung ist Ende November, wenn ich mich richtig erinnere), aber ein anderer Schüler hat dann doch etwas gemacht, und zwar mit Informatik, und weil ich mit dem Schüler auch sehr aktiv in der Homepage-AG zusammenarbeite, und die anderen beiden Lehrer keine Zeit hatten, zum Jugend-forscht-Regionalentscheid zu fahren (weil wichtiger Unterricht), und zumindest an einem der beiden Tage ein Lehrer mitsollte, und mein Unterricht nicht ganz so wichtig ist (weil keine Q12) – genug, sei’s drum, ich war letzten Mittwoch in Ingolstadt beim Regionalentscheid von “Jugend forscht”.

“Jugend forscht” kenne ich seit früher Schulzeit, entweder aus dem Jugendmagazin Stafette oder, wahrscheinlicher, aus den Beiträgen in Schule und wir, einem Heft des Unterrichtsministeriums, das an Schüler verteilt wird. Ich war immer schwer beeindruckt davon, geradezu voller Ehrfurcht. Klang toll, aber weit, weit jenseits dessen, zu dem ich etwa in der Lage gewesen wäre. Vermutlich war das damals kontraproduktiv und unnötig abschreckend, es wurden ja auch immer nur die überregionalen und Bundespreisträger erwähnt. Tatsächlich ist es zumindest heute viel einfacher, bei “Jugend forscht” oder “Schüler experimentieren” (der Juniorfassung davon) mitzumachen, als man denkt. Man kann zwar, muss aber gar nicht etwas Neues erfinden oder erforschen. So hatte ich mir das nämlich immer vorgestellt. Nein, es reicht schon am Anfang, wenn man Experimente anstellt, dokumentiert, vorstellt. Man muss ja nicht gleich einen Preis kriegen.

Jeder Regionalwettbewerb wird von einer Firma ausgerichtet. Bei uns war das in Ingolstadt, einigermaßen komfortabel bei der Audi im Ausbildungszentrum. Warum so weit weg, wo es doch in Ottobrunn in ein paar Tagen auch einen Regionalwettbewerb gibt? (Erzählte mir die ehemalige Schülerin in der S-Bahn.) Vielleicht gibt es so wenig Mathematik/Informatik-Teilnehmer, dass die an einem Ort gesammelt werden? Die anderen Fachgebiete sind: Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Physik und Technik.

Für jeden Teilnehmer oder jedes Team ist ein Tisch vorbereitet, eine Pinnwand dahinter und ein Stromkabel. (Und es gibt Buttons, zumindest bei Audi, und Mittagessen in der Kantine, Cordon bleu vom Schwein mit Pommes.) Das sieht dann so aus:

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Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe; Gymnasium, Realschule und auch FOSB/BOS waren da. Es war inspirierend und beeindruckend, was ich gesehen habe. Und dabei eben gar nicht so furcheinflößend erfinderisch, siehe oben. So unglaublich weit weg ist da meine Untersuchung zum Bekanntheitsgrad des Worts “Pipette” auch nicht.

Mein Favorit: Eine Untersuchung zur Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen, durchgeführt von Unterstufenschülerinnen. Die Probanden bekamen einen kurzen Film gezeigt mit einer Art Überfall und mussten danach einen Fragenbogen dazu ausfüllen, teils unmittelbar danach, teils eine woche später. Ich habe auch mitgemacht und kläglich versagt. Klar hätte man das noch schön erweitern können: Es gab keine Option für “weiß nicht” oder “bin mir nicht sicher”, und gleichzeitig hätte man wohl auch noch die Art der mehr oder wenigen suggestiven Fragestellung miteinbeziehen können, indem man verschiedene Fragebögen einsetzt.

Schön auch “Ernährung und Training antiker Gladiatoren und ihre Auswirkung auf den menschlichen Körper”, im Selbstversuch, mit Gewichtsmessung und Aufzeichnung der Nebenwirkungen.

(Was würde wohl passieren, wenn man mit einem Beitrag wie diesem zur Kategorisierung von freilebenden Einkaufswagen teilnehmen würde?)

Fürs nächste Mal merken: Kein Jackett anziehen, nicht mal ein legeres, weil einen sonst zu viele Leute für einen der Veranstalter halten. Als Lehrer wirkt man halt so wissend. Apropos Lehrer: Die Begleitlehrer müssen nicht den ganzen Tag blöd herumstehen und quengeln, für sie gab es eine Art Bälleparadies, wo sie die Zeit verbringen durften, bis die eigentliche Wettbewerbsarbeit herum war. Sprich: Es gab eine kleine Fortbildung, so richtig mit Schein, auch wenn ihr doch etwas von Aufbewahrung anhaftete. Aber Kaffee, Gebäck und sogar Obst. (Die Trauben waren lecker.)

Ganz kurz konnte ich der Lehrzeit die Hands schütteln, der als Juror beteiligt war. Peinlich aber, dass ich meine Nichte übersehen habe, die auch mit einem Projekt dabei war. Aber wer rechnet denn auch damit, Verwandte zu treffen.

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Ich wünsche mir ja seit langem so etwas für die, sagen wir, zehnte Klasse: Einen Tag in der Aula, in dem jeder Schüler oder jede Schülergruppe ein Projekt vorstellt. Eher naturwissenshaftlich-technisch, aber wenn etwas vorzeigbar Sprachliches dabei ist, dann auch das. 40 Tische für die Stände müssten reichen, dazu Stromversorgung.

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Schule (Alltag)

Bibliotheksbesuch mit dem W-Seminar

Anfang der Woche war ich mit den Teilnehmern des W-Seminars in der Bibliothek in München. Online und auf Papier haben wir schon einiges gemacht, aber um einen eigenen Benutzerausweis zu kriegen, muss man mit den richtigen Formularen selber in die Bibliothek. Das Treffen an der Münchner Stadtbibliothek am Gasteig war schon mal schwierig – ich wartete in bitterer Kälte, während die Schüler in der S-Bahn nicht vorankamen (“Personen im Gleisbereich”).

Und dieses dämliche Moodle… Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung ist ja schön und gut, aber einige Schüler haben jetzt erst festgestellt, dass sie keine Mails (mehr) kriegen, und zwar vor allem die mit den Angaben, was sie zur Anmeldung brauchen. Es gibt tausend Möglichkeiten, keine Mails zu kriegen, und ich als Lehrer kriege das nicht mit. Im Prinzip ist es aber schon sinnvoll, dass Schüler selbst entscheiden können, was sie an Mail kriegen und was nicht. Aber lästig und unübersichtlich.
Aber dann hat es doch einigermaßen geklappt, und einige Schüler müssen dann halt alleine noch mal in die Bibliothek.

Ich bin – kurze Googelei – beileibe nicht der erste, dem dieser Verkaufsautomat am Eingang auffällt:

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Dabei ist es gar nicht sehr laut in der Bibliothek, sehr angenehme Atmosphäre. Die Stadtbibliothek ist hauptsächlich eine Freihandbibliothek, das heißt, es gibt Regale mit Büchern drin, und man kann als Benutzer in diesen Regalen stöbern. Genau deshalb wollte ich zuerst mit den Schülern in eine solche Bibliothek, weil das halt doch ein schönes Gefühl ist und einen die Bücher links und rechts vom gesuchten auch auf Ideen bringen. Viele Bücher stehen natürlich im Magazin (man muss Schülern erklären, was das ist, sonst halten die das für eine Zeitschrift), aus dem man sich Sachen kommen lassen kann – dauert am Gasteig nur eine halbe Stunde.

Zwischen den Büchern gibt es viele Arbeitsplätze, daneben spezielle Lesebereiche, wo es besonders leise sein muss. Die Plätze werden genutzt, es gibt nur gelegentlich leere, und an vielen Tischen sitzen Grüppchen von drei, vier jungen Menschen (Schülern, denke ich mal), die miteinander reden. Beim Vorbeilaufen an einem Tisch habe ich “zoon politikon” aufgeschnappt, Respekt.

Ein Bibliotheksgast isst eine Banane, das darf man zwar nicht, aber es sagt keiner was. Es gibt genügend Rechner für alle, und Leute nutzen Tablet, Laptop oder einfach das Handy für alles mögliche. Junge Leute mit Handy, und ich muss es ihnen nicht verbieten, wie schön. Äußerst angenehme Atmosphäre insgesamt, Temperatur auch gerade richtig und nicht zu warm.

Danach habe ich einen Teil der Schüler noch zur Bayerischen Staatsbibliothek geführt, wo sie sich Ausweise haben geben lassen. Mit denen kommt man nicht nur an den StaBi-Bestand, sondern vor allem an ein paar mehr Onlinequellen, und kann mit ihnen auch Bücher an den LMU-Bibliotheken ausleihen. (LMU und StaBi/BSB arbeiten zusammen, die TU nicht, fragt mich nicht, wie das kommt.)

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Fundstücke

Mein Mediencenter, mit und ohne Raspberry Pi

Es kommt immer wieder mal vor, dass ich Filme, die ich nur als Datei auf meinem Computer habe, auf dem Fernseher ansehen möchte. Zum Beispiel lade ich mir gerne Beiträge des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aus deren Mediatheken herunter (Tatortreiniger, Gernstl), entweder weil ich sie verpasst habe oder weil ich sie so in besserer Qualität erhalte als mit meinem alten Festplattenrekorder. Das Herunterladen ist zwar eigentlich nicht vorgesehen, aber mit Hilfsprogrammen geht das trotzdem.

Wenn ich die Filmdateien auf den Fernsehschirm kriegen möchte, habe ich mehrere Möglichkeiten:

1. PC am Fernseher

Ich verbinde meinen Computer mit dem Fernseher. Der Computer, ein Laptop, hat unter anderem einen HDMI-Ausgang, und der Fernseher hat eine Reihe von HDMI-Eingängen. Ein HDMI-Kabel überträgt digital, also verlustfrei, Bild und Ton gleichzeitig.
Das geht sehr gut und mit allen möglichen Formaten, aber es ist lästig, den Laptop jedesmal zum Fernseher tragen zu müssen.

2. USB-Stick am Fernseher

Ich kopiere die Filmdatei auf einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte und stecke diesen in den Fernseher, denn moderne Fernseher haben auch einen USB-Eingang. In diesem Fall übersetzt der Computer im Fernseher die Filmdatei in einen Film und zeigt diesen. Allerdings ist der Fernseher-Computer und die Software darauf nicht sehr gut, so dass er viele Filmdateien (wenn sie von einem Standard-mp4-Format abweichen) gar nicht erst in Film umformen kann.

3. Der Router als Medienserver, Übertragung durch WLAN

Ich kopiere die Filmdatei auf eine USB-Festplatte, die an meinem WLAN-Router hängt. Diesen Router kann man, wie viele andere auch, als Medienserver nutzen. Dabei stellte der Router-Medienserver Mediendateien, also etwa Musik und Filme, allen anderen Geräten im lokalen Netzwerk zur Verfügung, die solch einen Dienst nutzen können. Mein Fernseher ist so ein Gerät. (Das WLAN-Radio in der Küche auch, ebenso wie mein Tablet oder mein Laptop.) Der Fernseher ist übrigens an das WLAN angeschlossen, das Modell bringt diese Funktionalität zwar noch nicht mit, das lässt sich mit einem USB-WLAN-Stick aber nachrüsten.
Ein Vorteil eines solchen Medienservers ist unter anderem, dass die Datei sozusagen in Häppchen übertragen wird. Man muss also nicht darauf warten, bis der ganze 1 Gigabyte große Film auf dem Fernseher oder dem Tablet angekommen ist, wie es bei einem eingebundenen Netzlaufwerk wäre, sondern kann gleich zu gucken beginnen.
Der Nachteil ist, dass hier wieder wie bei 2. der Fernseher für die Entschlüsselung der Mediendatei zuständig ist. Der Router kann andere Formate als mp4 zwar an den Fernseher streamen, aber der schwachbrüstige Fernseher kann sie nicht alle übersetzen. Außerdem setzt der Fernseher auch bei bekannten Formaten gelegentlich aus. Möglicherweise ist mein WLAN nicht stark genug.

Zwischenschritt: Ich verstärke also mein WLAN durch einen Repeater. Allerdings darf das durch den Repeater aufgebaute WLAN nicht den gleichen Namen tragen wie das alte WLAN, weil das den Fernseher durcheinanderbringt. Also erhält das Repeater-WLAN einen anderen, eindeutigen Namen, und der Fernseher ist mit diesem verbunden, und der Repeater mit dem alten WLAN.

4. Der PC als Medienserver, Übertragung durch WLAN

Ich kann meinen Windows-Rechner selber als Medienserver nutzen, bräuchte also den Router gar nicht, um Medien an den Fernseher zu schicken. Allerdings ist der Router permanent angeschaltet und der Windows-Rechner nicht. Ansonsten ist fast alles wie bei 3.

Fußnote: Ich kann mit dem Tablet den Router-Medienserver steuern und die Bilder an den Fernseher schicken. Oder die Dateien auf dem Tablet an den Fernseher schicken, oder an alle anderen vergleichbaren Geräte, also zum Beispiel das Küchenradio oder den Computer.

5. Steuerung von Chromecast-Stick durch Chrome-Browser, WLAN

Im Fernseher ist auch noch Platz für einen Chromecast-Stick. Das ist ein kleiner Stick, der in einen freien HDMI-Steckplatz des Fernsehers gesteckt und mit dem WLAN verbunden wird. Dann kann man fast alles, was in einem Chrome-Browser gezeigt werden kann – Webseiten, aber auch Videodateien, weil ein Browser auch ein Abspielgerät für viele Formate ist – an den Fernseher übertragen. Der Nachteil: Das WLAN muss wie in allen Fällen gut genug sein, um auch HD-Filme übertragen zu können, und die gelegentlich bei Maxdome geliehenen Filme können nicht übertragen werden. das würde nur funktionieren, wenn ich ein Maxdome-Abonnement hätte. Wenn ich einen Film bei Maxdome ausleihe, muss ich also auf a) zurückgreifen.

Fußnote: Der Fernseher hat eine eingebaute Maxdome-App. Aber da stottert das Bild sehr bald. Schwaches WLAN und schwacher Fernseher-Computer?

Ergänzung: Unter dem Fernseher steht ein DVD-Festplattenrekorder älterer Bauart. Der hat keinen HDMI-Ausgang, so dass er über analoge Cinch-Cabel mit dem entsprechenden Eingang des Fernsehers verbunden ist. Wenn ich DVDs anschauen möchte, nutze ich diesen.

6. Raspberry Pi am Fernseher (mit WLAN oder lokalen Dateien)

Ich lege mir einen Raspberry Pi zu. Das ist ein sehr kleiner Computer, nicht sehr leistungsfähigkeit, aber billig und eben klein. (Siehe Anhang.) Ich verbinde seinen HDMI-Ausgang mit einem freien HDMI-Eingang des Fernsehers. Damit werden ja Bild und Ton übertragen. Ich könnte den Raspberry per USB-Kabel an den Fernseher anschließen, damit er dadurch mit Strom versorgt wird, aber da ich möchte, dass er auch dann an ist, wenn der Fernseher aus ist, erhält er doch seine eigene Stromversorgung über ein Netzkabel. Auf dem Raspberry ist als Betriebssystem ein Linux, das speziell für den Einsatz als Medienserver entwickelt worden ist. Die Fernsteuerung des Fernsehers ist völlig ausreichend, um dieses Linux zu bedienen. (Das HDMI-Kabel sorgt nämlich dafür, dass die Signale, die der Fernseher von der Fernsteuerung empfängt, automatisch an den Raspberry weitergeleitet werden. Das ist aber nicht bei allen HDMI-Kabeln so, bei den billigen klappt das oft nicht.)
Am Raspberry steckt ein USB-Stick mit Filmdateien, die kann der Raspberry abspielen und als Monitor dazu den Fernseher benutzen. So kann ich auch die exotischeren Dateiformate abspielen.
Ich kann aber Filme nicht nur vom USB-Stick aus anschauen, sondern mir mit dem Raspberry Filme von einem Medienserver (dem Router, oder dem Computer) schicken lassen und sie wiedergeben. Oder ich kann den Raspberry selber zu einem Medienserver machen.
Es ist sehr komfortabel, den Fernseher anzuschalten, mit der Fernsteuerung den Raspberry auszuwählen sich dort Filme auszusuchen. Nachteile: Das Übertragen vom Medienserver-Router erfordert bei HD-Filmen ein starkes WLAN, geht also bei mir nicht gut, deswegen der USB-Stick. Mit einem FTP-Programm schicke ich neue Dateien darauf. (Wie ich eine externe Festplatte an den Raspberry anschließe, habe ich noch nicht herausgefunden, ich habe aber nur welche ohne eigene Stromversorgung, und die kann der Raspberry nicht mitversorgen.)

Fußnote: Auch der Raspberry wird mit dem Repeater-WLAN verbunden. Auch hier muss es, wie oben erwähnt, anders heißen als das Router-WLAN. Außerdem muss ich beim Eingeben des Passwortes aufpassen: Das Linux, das ich verwende hat eine rein grafische Benutzeroberfläche, eine Tastatur ist üblicherweise nicht angeschlossen. Wenn ich doch eine anstecke, um mein WLAN-Passwort einmal komfortabel einzugeben, merke ich am nicht funktionierenden Passwort, dass wohl ein amerikanisches Tastaturlayout eingestellt ist.

Ergänzung: Der Raspberry hat nicht nur einen HDMI-, sondern auch einen zusätzlichen Audioausgang, 3,5mm-Miniklinke. Den verbinde ich mit der Stereoanlage. Der Raspberry kann auch als Empfänger für iTunes-Signale dienen, so dass von jedem iTunes im lokalen Netz aus die Dateien abgespielt und an die Stereoanlage geschickt werden können. Allerdings ist die Tonqualität nicht besonders gut und reicht mir für Musik nicht aus. Also besorge ich mir ein kleines Gerät, dass vom HDMI-Signal aus das Audiosignal splittet und auf einen Miniklinke-Ausgang legt. Das eigentliche HDMI-Signal mit Bild und Ton geht weiter an den Fernseher, aber zusätzlich hängt die Stereoanlage am kleinen Audioausgang. Jetzt kann ich wieder mit iTunes die Stereoanlage steuern. Allerdings geht jetzt automatisch erst mal der Fernseher an, wenn ich das mache.

Anhang: Der Raspberry.

Ein neuer, blanker Raspberry kostet um die 30 Euro, es gibt in auch in Sets mit verschieden viel Zusatzmaterial, die kosten dann etwa 60 Euro, je nachdem. Zusatzmaterial, das man braucht:

  1. Ein kleines Plastikgehäuse für den Raspberry, durchsichtig oder nicht; alternativ selbst gebastelt
  2. ein HDMI-Kabel (sollte “CEC” beim Kauf draufstehen – für die Fernsteuerung)
  3. für die Stromversorgung ein Kabel mit diesem kleinen Handy-Ministecker (Micro-USB) am einen und USB+Netzteiladapter am anderen Ende
  4. ein WLAN-Adapter: steckt man in einen freien USB-Platz
  5. eine Speicherkarte, je nach Raspberry-Modell eine herkömmliche oder eine MicroSD-Karte, mindestens 8 GB groß, und vor allem “Class 10″, also sehr schnell.

Der Raspberry ist ein Computer mit einem HDMI-Ausgang (Bild und Ton digital, für moderne Fernseher und Monitore und neuere Beamer), einem Miniklinken-Audioausgang mit schlechter Qualität, einer Anzahl von USB-Steckplätzen, einem Ethernet-Eingang, und Platz für eine SD- oder MicroSD-Karte. (Außerdem gibt es wie beim Arduino freie Kontakte, an die man Sensoren oder Elektromotoren anschließen kann, wenn man sich eine kleine Maschine bauen möchte.) Was der Raspberry nicht hat: eine Festplatte. Und wer mit Maus oder Tastatur arbeiten möchte, muss die an einen freien USB-Platz anstecken – mein kleiner USB-Empfänger für drahtlose Maus und Tastatur funktioniert problemlos.

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Mein Raspberry ist das Modell B+. (Inzwischen gibt es auch schon ein neueres Modell, auf dem auch Windows 10 laufen soll.) Das hat 4 USB-Plätze und benutzt eine MicroSD-Karte. Auf der Karte ist das Betriebssystem, wenn man also mehrere Betriebssysteme ausprobieren möchte, kann man auf jede Karte eines speichern und muss dann nur die Karte austauschen. Das ist so, als würde man beim Rechner die gesamte Festplatte tauschen, geht aber natürlich viel einfacher. Weil mir das immer noch zu umständlich ist, habe ich eine 16 GB große Karte, auf der ich gleich drei verschiedene Betriebssysteme parallel installiert habe. Das geht so (Anleitung hier):

  1. Man lädt mit seinem Rechner das NOOBS-Pkaet herunter. Das ist eine zip-Datei.
  2. Die Datei entpackt man und kopiert deren Inhalt einfach auf die SD-Karte. (Eventuell hat man die Karte vorher sauber mit einem eigenen Programm formatiert.)
  3. Das war’s. Die Karte steckt man in den Raspberry Pi.
  4. Den Raspberry verbindet man mit Maus, Tastatur und Monitor und, wichtig, dem LAN (also mit Ethernet-Kabel). Nur wenn der Raspberry im Internet ist, zeigt NOOBS all seine Möglichkeiten.
  5. Dann schaltet man den Raspberry an. Es erscheint das NOOBS-Menü mit allen Betriebssystemen, die man installieren kann (wenn man offline ist, sind das nur ganz wenige, sonst mehr). Da wählt man dann eines oder mehrere aus. Ich habe mich entschieden für:
    • Raspbian: Das ist ein debianbasiertes Linux. Da kann man dann zum Beispiel BlueJ installieren, oder sonst arbeiten wie mit einem herkömmlichen Linux.
    • RaspBMC: Das ist ein Linux, das für den Einsatz am Fernseher und als Medienserver gedacht ist. Es gibt keine Kommandozeile, alles wird mit der TV-Fernsteuerung eingegeben.
    • Raspbian Boot to Scratch: Ein modifiziertes Raspbian, das nach dem Start sofort das Programm Scratch anzeigt. Das wird im Informatikunterricht viel verwendet, mit der Maus kann man sich Programme zusammenklicken. Damit könnte ich jetzt auch steuern

Völlig komfortabel ist dieser Bootloader nicht: Ich kann ihn nicht mit der Fernsteuerung steuern, muss also jedesmal, wenn ich mit einem anderen Betriebssystem als dem letzten starten möchte (den das merkt er sich glücklicherweise), eine Tastatur anstecken. Aber für die meisten Betriebssystemne brauche ich das ohnehin.

Wenn ich Dateien auf den Raspberry beziehungsweise den angesteckten USB-Stick bringen möchte, mache ich das mit FTP. Wenn ich am Linux-System irgendetwas ändern möchte, mache ich das mit SSH-Zugang mit dem Program PuTTY. (Benutzername: pi, Passwort: raspberry.)

Leider kann ich mich den Linux-Systemen kein Maxdome sehen. Und mit RaspBMC kann ich tatsächlich nur Mediendateien wiedergeben, es gibt keine Webbrowser und kein Email-Programm. (Es gibt aber Plugins, um einfach auf Filme der Mediatheken oder von Youtube und so weiter zuzugreifen.)

Fazit: Am einfachsten könnte ich Filme anschauen, wenn ich sie auf einen Stick kopiere und den in Fernseher stecke. Aber wer will sich schon von einem Fernseher abhängig machen und auf bestimmte Formate reduzieren lassen, wenn man auch herumspielen kann? Am befriedigsten ist das Verwenden von RaspMBC. Das hat allerdings keinen Webbrowser, und wenn ich auf den Medienserver zurückgreifen will, muss mein WLAN besser werden. Und für Leihvideos aus dem Web habe ich noch gar keine komfortable Lösung.

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