Abifeier-Disclaimer

Abifeier 2016

Das Abimotto dieses Jahr war: 12 Jahre Druck – endlich Diamanten. (Unter den Abi-Mottos der letzten Jahre noch eines der besseren.) Immerhin vergleichen sich die Schülerinnen und Schüler mit Diamanten, das ist schon in Ordnung. Kann man was damit machen, auch wenn es Steine sind und Ressourcen und Schüler mehr sind als das; Rohdiamanten und so weiter, die man erst noch zum Funkeln bringen muss, diamond in the rough. Positiv war, wie schon letztes Jahr: Zur Verleihung der Zeugnisse zieht nicht mehr jeder Schüler, jede Schülerin einzeln mit einem angespielten Lied ein, sondern die Schüler machen das in (meist) Dreiergruppen […]

Brexit

Morgen stimmt das Vereinigte Königreich darüber ab, ob es in der Europäischen Union bleiben will. Mein Englandbild hat einigermaßen gelitten in den letzten Monaten. Für mich war England immer: Rationalismus, Understatement, Skeptizismus, Agnostik. („Fair play“ dagegen, traditionell mit England assoziiert, habe ich nie groß damit verbunden, vielleicht weil das Klassensystem schon mal dagegen spricht.) Die letzten Monate hatten nicht nur kein fair play, sondern Lügwn, Hysterie, Bauernfängerei und die völlige Abwesenheit von Skepsis gegenüber großspurigen Versprechungen. Meine Prognose: England wird für den Brexit stimmen, mit mehr Abstand als erwartet. Warum: Prognosen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Meine kleine Theorie: Die Entscheidung […]

Die letzten drei Wochen

Zwei Wochen Kolloquium, eine Woche mündliche Prüfungen. Vielleicht später darüber, es ist jedesmal anstrengend und geht an die Seele. Gestern abend war ein bunter Abend an meiner Schule, der eigentlich mal eine Lange Nacht hätte werden sollen, dann aber verschoben werden musste und jetzt eine Nummer kleiner stattfand. Immerhin: Es gab ein gutres Dutzend Veranstaltung in bis zu vier Slots hintereinander, meine eigene Präsentation – über die Geschichte von Marvel- und DC-Superheldencomics – habe ich dreimal gehalten. Viel war nicht los, im Publikum ein Gutteil anderer Lehrer. Bei Friedrich Torberg hätte man von einem Café, bei dem die Belegschaft Geschäftigkeit […]

Evelina in Vauxhall Gardens

Fanny Burney, Evelina

Enttäuscht von den zuletzt gelesenen Werken des 21. Jahrhunderts und angeregt durch einen Besuch im Jane-Austen-Museum in Bath wandte ich mich kürzlich endlich Evelina von Fanny Burney zu. Burney ist noch mehr mit Bath verbunden als Jane Austen, die die Romane ihrer Vorgängerin sehr schätzte. Evelina (1778) ist Burneys erster und bekanntester Roman, vielleicht weil von moderaterem Umfang als ihre späteren Werke; er wurde bereits 1779 ins Deutsche übersetzt und ist als Scan online da und dort zu lesen – weitere Übersetzungen kenne ich nicht. Anglisten haben sicher zumindest von Fanny Burney gehört; in Deutschland kann sie mangels Übersetzung kaum […]

Gedankenaustausch bei Twitter: Deutungsthesen und Schulhomepages

Zwei Gedankenaustausche bei Twitter letzte Woche, der erste zum Thema Aufsatzdidaktik: Schülerinnen und Schüler schreiben in allen Bundesländern Interpretationsaufsätze zu Dramen, Erzählungen, Gedichten. Dazu gehört dann jeweils eine Beschreibung der wichtigsten Phänomene – Erzählverhalten, Figurenkonstellation, Art der Äußerungen, Form, und die bekannten sprachlichen und stilistischen Auffälligkeiten. Das alles soll aber münden in eine eigenständige Deutung des Textes: Was bedeutet das alles denn nun? (Das ist eine ganz andere Frage als die, was der Autor damit wollte, wird aber oft damit verwechselt.) Im Lehrplan heißt das: „Vor dem Hintergrund der Mehrdeutigkeit literarischer Texte entfalten die Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges Textverständnis […]

Stress in der Schule

Herr Mess lädt zu einer Blogparade ein zum Thema Stress als Lehrer und präsentiert zwei Fragen: Welche Situationen im Schulalltag empfindest du persönlich als belastend? Welche Strategien hast du dir zurecht gelegt, um mit derartigen Situationen zurecht zu kommen? Zur zweiten Frage: Da habe ich schon mal etwas geschrieben: Wie ich mir meine Arbeitskraft erhalte, und das gilt eigentlich alles immer noch. Zur ersten Frage: a) Ich empfinde wenige Situationen als belastend. Am belastendsten ist für mich immer noch alles Neue, da bin ich nicht gut; an der Schule gibt es kaum mehr Neues für mich. (An der Uni gibt […]

Rede- und andere Wendungen aus England

Nach zwei Wochen England bin ich wieder zu Hause. Schön war’s, sehr schön, Bilder kommen, wenn ich dazu Zeit finde. Der Höhepunkt waren für mich die fünf Tage Wandern auf dem Cotswold Way, die südliche Hälfte davon, jeden Tag so 20-25 Kilometer, das Gepäck von B&B zu B&B chauffiert. Dass ich das erst so spät machen muss! Damit hätte ich schon vor ein paar Jahren anfangen können. Redewendungen aufgeschnappt: „hardly touched the sides“ – die Landlady im Bed & Breakfast, nachdem sie mein cooked breakfast serviert hatte und mein Teller vielleicht unziemlich wenige Augenblicke später leer war „the sun always […]

Pflichtfach Informatik

(Älterer Eintrag, einst verworfen, jetzt doch veröffentlicht, auch weil Maik übers Pflichtfach gebloggt hat.) Die Aufregung um ein neu eingeführtes Zentralabitur in einzelnen Bundesländern, die man gelegentlich bei Twitter mitkriegt, ist für mich aus Bayern nicht leicht nachvollziehbar. Wir habe das seit Jahrzehnten; die Gewohnheit erzeugt Akzeptanz. Dabei habe ich zum Beispiel am diesjährigen Informatik-Abitur schon auch etwas auszusetzen. Da gab es eine Aufgaben zu einer „Datenbankabfrage (z.B. in SQL)“ und eine zum Implementierung einer solchen in einer objektorientierten Sprache, letztlich Java. Im Lehrplan der 11./12. Jahrgangsstufe tauchen weder Datenbanken noch SQL auf. SQL ist Stoff der 9. Klasse, in […]

The Good Old Days

Ich bin ja gerade in England und habe fünf volle Tage schönsten Wanderns in den Cotswolds hinter mir. Zuerst wollte ich regelmäßig davon bloggen, aber das machte Frau Rau viel besser als ich; und ich hatte mehr Vergnügen daran, abends dazusitzen, aus den Fenstern zu schauen, zu lesen – keinesfalls erschöpft, aber ein bisschen überwältigt. Einen bebilderten Blogeintrag dazu hole ich nach, wenn ich wieder in Deutschland bin. (Danach beginnt gleich die Kolloquiumswoche; einen Großteil der Abiturkorrekturen habe ich mit ziemlichem Aufwand vorher korrigieren können, aber ein bisschen was steht noch aus.) Beim abendlichen Fernsehen hier entdeckte ich eine Sendung, […]

Tag 1

Wunderbares Wanderwetter. Wichtig sind dennoch die regelmäßigen Pausen: Mit dem anvisierten Pub auf dem Weg weniger Glück gehabt. Real Ale und traditionell und so, aber dann war überraschend geschlossen, weil alle im Fußballstadion waren. Dann lieber ein gesichtsloser Kettenpub, der den müden Wanderer wenigstens tränkt und nährt. Am Spätnachmittag in Middleyard angekommen, Füße ausgestreckt, in die Ferne gesehen.