Algorithmen: Vielleicht sogar auf Ihrem Computer!

Ich glaube ja, in den Zeitungen steht deshalb so viel Unfug, damit man darüber bloggt oder sich sonstwie darüber aufregt, Nu, heute in der Süddeutschen, im Feuilleton – dezidiert nicht auf der Wissenschafts-Seite – schreibt Andrian Kreye über Algorithmen, “Die neue Weltsprache”. Wir erfahren, dass diese Algorithmen quasi überall sind. Ich vermute, das ist so wie Chemie, die sich heutzutage schon in Lebensmitteln findet, H20 und NaCl und solches Zeug. Google und so, alle arbeiten mit Algorithmen; es fehlt allerdings die Warnung, dass Algorithmen nicht mal vor dem eigenen Computer oder gar Handys zurückschrecken.

Was Algorithmen sind, erklärt Andrian Kreye nicht so richtig, ich denke mal, um das Thema möglichst geheimnisvoll zu machen – schließlich wird eine Feuilleton-Serie für die Zukunft angekündigt. Dabei lernt man das in Bayern in der 7. Klasse. (Zugegeben, das ist keine Garantie, dass da viel hängen bleibt bei den Schülern. Eine Umfrage in meiner 8. war da wenig vielversprechend.)

Auf derselben Seite wird dann zumindest kurz Lovecraft erwähnt, das ist immer okay.

Im Süddeutschen Magazin heute ist ein Beitrag: “Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten? Das Internet beweist das Gegenteil. Eine Auswahl.”
Einverstanden, es gibt dumme Fragen, und das sage ich auch meinen Schülern so, aber die “Internet”-Beispiele sind nicht gut gewählt. Ich habe sie meiner 8. Klasse vorgelesen, und die fand bei den meisten Fragen wie ich, dass das durchaus gute Fragen sind. (Maike Haselmann und Andrea Diener in der FAZ sehen das wohl auch so.)

“Wie viele Tote würde es bei einem Asteroideneinschlag (1 km Durchmesser) geben?” What if lebt von solchen Fragen, aktuell geht es darum, wie lange die Menschheit überleben würde, wenn man sich nur via Kannibalismus ernähren würde.

“Wieso sieht man auf Fotos anders aus als im Spiegel?” Legitime, oft beantwortete Frage, alles andere als dumm.

Zugegeben, einige der Fragen sind wirklich dumm. Andere zeugen von Neugier, Forschergeist, unkonventionellen Sichtweisen.

Tag der Informatiklehrer 2014. Yay!

Heute war der TdI 2014, den ich wie auch die letzten Jahre mitorganisieren geholfen habe. (Insgesamt machen die Organisation vor allem die Lehrstuhlsekretärin und wir drei teilabgeordneten Lehrer am Lehrstuhl, technisch helfen die Systembetreuer uns sehr.) So um die 90 Teilnehmer, ein Vortrag, danach verschiedene Workshops. Organisieren liegt mir nicht, aber ich versuche mir alles aufzuschreiben für die folgenden Jahre. Ich glaube an Checklisten.

Mir hat es nicht nur Vergnügen bereitet heute, sondern Freude. Mein Workshop lief gut, von den anderen habe ich leider nichts mitgekriegt. (Irgendwann wird mir hoffentlich jemand mal eine Einführung in Lego Mindstorms oder App-Programmierung geben; alleine raffe ich mich doch nicht auf.) Freude deshalb, weil es schön ist, andere Informatiklehrer zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Viele davon sehe ich regelmäßig, zwar nur einmal im Jahr, aber immerhin. Das ist schön. Dieses Jahr war der Termin nicht optimal, so dass ein paar ganz regelmäßige Besucher leider nicht konnten.

Am meisten Sorgen bereitet mir übrigens jedes Jahr das Mittagessen. Klingt blöd, ist aber so, weil wir nie genau wissen, wer in welche der drei Gaststätten in der Nähe geht, bei denen wir – genügend? zu viele? – Plätze reserviert haben.

Schön wäre nächstes Jahr ein Workshop, der gleich im Englischen Garten stattfindet. “Rollenspiele im Informatikunterricht” oder “Sortieralgorithmen im Rollenspiel”, irgendwas, was man machen kann, während die Hälfte der Teilnehmer im Schatten auf der Wiese liegt. Der Englische Garten ist so nah und das Wetter war noch an jedem TdI der letzten Jahre richtig schön.

Selber habe ich auch schon eine Idee für einen Workshop nächstes Jahr: “Crypto-Party an der Schule”. Gestern war ich bei einer kleinen Crypto-Party in München, so als Vorbereitung, um zu sehen, ob ich genug darüber weiß, um das mit Schülern machen zu können. Ja, reicht auf jeden Fall – ich weiß nur noch nicht, ob das genügend Schüler an meiner Schule interessiert. Aber das teste ich im Herbst mal.

Ansonsten arbeite ich jetzt erst mal Liegengebliebenes auf: Links, Schulaufgaben-Respizienzen, Blogeinträge, Emails, vielleicht ein bisschen Krankwerden. (Kratzen im Hals.)

Nachtrag: Seit Jahren machen Informatiklehrer ein Programmierprojekt mit Datenbankanbindung in der 11. Jahrgangsstufe, oder glauben zumindest, das machen zu müssen – so hörte man das auf Fortbildungen, so steht das in den Handreichungen und Büchern; im Probeabitur wurde tatsächlich auch abgefragt, welche Schritte man (in Java) durchführen muss, um eine Datenbankabfrage auszuwerten. Im Lehrplan, fand eine Teilnehmerin zu ihrer und unser aller Überraschung am TdI heraus, steht tatsächlich dazu: nicht. “Größere Softwaresysteme” müssen gestaltet werden, beachtet werden muss das “Zusammenspiel der verschiedenen Beschreibungstechniken beim Systementwurf: Datenmodellierung – Ablaufmodellierung – funktionale Modellierung – Objektmodellierung”, Listen, Bäume oder Graphen sollen verwendet werden – aber von Datenbanken steht da tatsächlich nichts.

Abschlussball Tanzkurs 2014

tanzkurs2014

Letzte Woche war wieder Abschlussball. Diesmal konnten leider nicht alle beim Ball mitmachen, weil der Schuljahresendaustausch dann doch zu einem anderen als dem angekündigten Termin stattfand. Und auch Frau Rau konnte nicht mitkommen, weil sie in Österreich Bildungsurlaub machte. Aber eine Kollegin nebst Partner und ein weiterer Kollege machten mit, und wir genossen es, die Schüler so aufgebrezelt und anscheinend sehr vergnügt zu sehen. Ich war erst um eins zu Hause, und das heißt bei mir schon viel.

Dieser eine neue Kollege hat mich wieder mal überrascht. Da bilde ich mir wunder was auf meine Entdeckung von “Allein mit Kai” für den Unterricht ein (Blogeintrag), stellt sich heraus, das hat der im Referendariat auch gemacht und sogar seine zweite Zulassungsarbeit über ein Projekt zu Erzählen und Computerspielen geschrieben.

(Im Oktober veranstaltet unser Elternbeirat einen Tanzball. Da freue ich mich auch drauf; hoffentlich kommen genug Schüler und Eltern und tanzen mit. Und Lehrer auch, aber die wollen schon sehr beworben werden.)

Internet in der 8. Klasse (und dann nur Internet)

Die Schüler haben gekichert, als ich erwähnte, dass ich bei Twitter bin.

(Wie wir darauf kamen: Es ging um Zeitung. Zuerst einfach mal eine Stunde lesen; dann um die einzelnen Ressorts, die Textsorten, den Weg vom Ereignis in die Zeitung; schließlich um gegenwärtige Finanzierung von Zeitungen und ihre Zukunft. Da waren wir dann auch schon beim Internet und alternativen Nachrichtenquellen.)

Was war daran so witzig? Auch Nachfrage wohl einfach, dass social media so gar nicht zu Lehrern passt. Ja, etliche Kollegen sind bei Facebook, aber Twitter ist wieder etwas anderes.
Dann haben wir uns über das Internet unterhalten. (Diese Art Stunde halt. Schuljahresende, ein guter Teil der Schüler eh nicht da.) Warum ich Twitter für cooler halte als Facebook. Was Netzneutralität ist. Warum ich Internet für wichtig halte.

Da habe ich natürlich auch fallen lassen, dass das Internet ein gar so neues Medium nicht ist, wie es in Erörterungs-Aufgabenstellungen meist verkauft wird. Dass ich meine erste Webseite hatte Jahre vor der Geburt der Schüler, dass ich blogge seit vor der Erfindung von Youtube. (Mein Blog erwähne ich in der Schule sonst nicht oft.)

Mehr überrascht als ungläubig kam dann eine Frage, die mir bezeichnend schien: “Kann da jeder einfach so irgendeine Seite ins Internet stellen?” Das hat die Schüler überrascht. Meine Schlussfolgerung: Sie kennen Facebook und Twitter und erinnerten sich sogar noch an Lokalisten und SchuelerVZ. Aber das man einfach so und für gar nicht viel Geld einfach so seine eigene Webadresse haben und mit Inhalt füllen kann, das war den Schülern nicht bewusst.
Ich glaube, vor fünf Jahren war das noch anders. Da hatten die Leute noch Homepages. Da wussten die Schüler eher, dass man auch ohne Soziale Medien, also selber, eine Webseite haben kann. Zugegeben, wer das hatte, wurde belächelt, wer brauchte so etwas schon?

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Neues aus dem Internet:

(1) Lügen für das Leistungsschutzrecht (7) Letztes Jahr hat der Bundestag ein von vielen Seiten kritisiertes “Leistungsschutzrecht” beschlossen, das Google verbietet, Texte aus Zeitungswebseiten in bestimmter Form zu verwenden, wenn nicht dafür gezahlt wird. Jeder weiß hoffentlich, dass jede Zeitungswebseite Google ganz einfach daran hindern kann, ihre Seiten zu verwenden. Machen wir bei unserer Schulhomepage auch so, Google kennt deren Inhalte nicht. Aber die meisten Verlage wollen ja, dass Google ihr Material verwendet, nur zahlen muss es dafür müssen. Im Moment verlangt Google von den Zeitungen die kostenlose Erlaubnis, sonst wird es das Material nicht verwenden. Darüber klagen jetzt die Verlage und vergleichen das mit einer Art Erpressung. Also was jetzt?

(2) Im Mai 2014 hat der europäische Gerichtshof entschieden, dass Google gezwungen werden kann, Suchergebnisse bei bestimmten Fragen nicht anzuzeigen. Und zwar: Wenn eine Person mal etwas Dummes gemacht hat, und das schon einige (wenige) Jahre her ist, und darüber steht etwas auf einer Webseite, dann darf Google auf Antrag (eventuell) diese Seite nicht mehr in den Suchergebnissen anzeigen, wenn nach der Person und der dummen Sache gesucht wird. Beim Guardian ist der erste Artikel herausgefiltert (weil ein Kommentator seinen Kommentar nicht mehr lesen will – nur wenn man nach dessen Namen in Verbindung mit dem Artikel sucht, wird er nicht mehr gezeigt), beim Spiegel auch.
Nachtrag: Die Seite http://hiddenfromgoogle.com/ sammelt solche in der EU von Google nicht mehr gelisteten Seite.

(3) Zu meinen Teenagerjahren haben wir auf die Bundesprüfstelle für jugendgefährende Schriften (heute: Medien, BPjM) geschimpft, weil die uns vor Tanz der Teufel bewahrt haben, indem sie den Film auf den Index setzten. Im Referendariat kam dann Quake heraus, auch gleich indiziert. Inzwischen gehört es auch zu den Aufgaben der BPjM, Webseiten zu indizieren – allerdings ist dieser Index nicht öffentlich, aus naheliegenden Gründen.
Trotzdem soll er verwendet werden können, etwa von meinem Router zu Hause. Da gibt’s eine Einstellung, habe gerade nachgeschaut, dass für “Gäste” in meinem Wlan alle Seiten, die auf diesem Index stehen, gesperrt sind. (Das ist wohl die Standardeinstellung, ich hatte mir das vorher nie angeschaut.) Nun wäre es ziemlich dumm, meinem Router diese Liste im Klartext zukommen zu lassen. Also existiert sie nur in einer verschlüsselten Form, dem sogenannten BPjM-Modul. Verschlüsselt heißt: Aus einem Text (etwa dem Link einer zu indizierenden Webseite) errechnet man nach einer mehr oder weniger öffentlich bekannten Methode einen sogenannten Hash, und den gibt man weiter. Wenn mein Router dann bei aktiviertem Kinder- oder Gästeschutz eine Webseite ausliefern soll, dann errechnet er aus dieser Webseite nach der gleichen Methode den Hashwert und vergleicht ihn mit der Sperrliste.
Aus dem Hashwert kann man nur äußerst schwer auf den ursprünglichen Text (hier: Link) schließen. Wie das geht, ist spannend und schwierig, wie überhaupt Hash-Funktionen eine tolle Sache sind.
Trotzdem hat ein Hacker oder eine Hackerin mit relativ wenig Aufwand einen Großteil der indizierten Links im BPjM-Modul rekonstruiert und veröffentlicht. Steht zum Beispiel hier. Allerdings ist der Link zu der Seite, auf der die entschlüsselte Liste zu finden ist, dort inzwischen nicht mehr zu lesen – Behörden drohen mit Klagen. Den Meinungen von Rechtsanwälten im Web zufolge (siehe Link oben) macht man sich vermutlich nicht strafbar, wenn man auf die Seite mit den entschlüsselten Webseiten-Adressen verlinkt, aber wer will so ein Risiko schon eingehen – Ärger kann man auch so kriegen, wenn die Polizei dann mal vorbeischaut. Und auf der Liste steht auch tatsächlich allerlei Indizierenswertes – Pornographie, Rechtsradikales, Anorexie-Seiten, aber auch: syntaktisch fehlerhafte Links, Irrläufer, alles mögliche. Eine Analyse der gesperrten Seiten wäre schon interessant. Interview mit dem Hacker/der Hackerin.
(Auch google.de sperrt diese Seiten, anders als Google aus anderen Ländern – aber die sperren dann vermutlich einfach anderes.)

(4) Wenn man sich – halbwegs – anonym im WWW bewegen will, oder dubiose Dinge recherchieren will, benutzt man am besten etwas, das Tor heißt. Lange Geschichte. Allerdings: wer Tor benutzt oder sich nur darüber informiert, macht sich des Extremismus verdächtig und landet in einer NSA-Datenbank.

(5) Nächsten Dienstag wäre in München eine Cryptoparty. Da kriegt man als Laie erklärt, wie man Mails verschlüsselt, Tor benutzt, Festplatten verschlüsselt (was wir als Lehrer ja tun müssen). Ob ich das als Fortbildung angerechnet kriege, wenn ich hingehe? — Tatsächlich weiß ich schon das meiste, aber falls ich mal in der Schule eine Cryptoparty machen möchte, sollte ich das auf jeden Fall vorher mal mitmachen. (Zeitpunkt ist aber ungünstig für mich, vorher Konferenzen, am nächsten Tag Mitorganisator einer Fortbildungsveranstaltung.)

Then came the churches, then came the schools
Then came the lawyers, and then came the rules
Then came the trains and the trucks with their loads
And the dirty old track was the telegraph road

Cheerleader Noir

abbott_dare_meDare Me von Megan Abbott spielt an einer amerikanischen High School unter den Cheerleadern dort. Eine neue Trainerin stellt ehrgeizige Ansprüche an das Team, sie wird von den meisten verehrt, bei anderen führt das zu Eifersucht; Gerangel um begehrte Positionen im Team gibt es ohnehin. Und Gezicke.

Das Buch ist ein Krimi. Kein Krimi der englischen Landhausschule – Mord als Puzzle in Landhaus, Flugzeug, Orientexpress, auf dem Nildampfer oder einer winzigen Insel -, sondern ein Krimi amerikanischer Tradition. Mean streets, Verbrechen und Korruption und Verfall überall, niemandem kann man trauen. Diese Art Krimi entstand aus der Pulp-Literatur, Carrol John Daly war 1922 wohl der erste hard-boiled Autor; der bekannteste der frühen Generation ist Dashiell Hammett: Bei ihm gibt es den moralisch ambivalenten, aber letztlich doch ehrenhaften Privatdetektiv, der sich in dieser schmutzigen Welt bewegt und in ihr besteht (auch wenn er nicht das Mädchen kriegt). Eine halbe Generation später schafft Raymond Chandler die klassische, geradezu ritterliche Version davon. (“But down these mean streets a man must go who is not himself mean, who is neither tarnished nor afraid.”) Und bei Cornell Woolrich und James M. Cain gibt es gar keinen Lichtblick mehr, nur Abgründe und mehr oder weniger normale Menschen, die daran scheitern. Danach landen wir bei Mickey Spillane und den 1950er Jahren, worüber wir nicht reden wollen.

“Noir” heißt diese klassische Richtung, nach dem film noir, der viele dieser Romane als Grundlage hat. Typischerweise gehören dazu Schlapphüte und Neonlicht, Dunkelheit und Regen, verführerische Frauen, Verrat und Kooperation, Großstadt. Häufig eine mehr oder weniger gescheiterte, positive Detektivgestalt, aber oft genug nicht einmal das (James M. Cain: The Postman Always Rings Twice; Double Indemnity). Aber noir war im amerikanischen Raum schon früh produktiv und ist es noch immer, einer der besten klassischen Filme, “Out of the Past”, spielt draußen auf dem Land bei hellem Tageslicht. “Blade Runner” und “Radioactive Dreams” machen Science Fiction daraus, “Who Censored Roger Rabbit?” spielt im Cartoonfigurenmilieu, die Abenteuer von Bug Maldoon spielen unter den Insekten im Vorgarten. (Ein Sonderfall ist “Bugsy Malone”, eher Gangsterfilm als noir, alle Rollen gespielt von Kindern und Jugendlichen mit Durchschnittsalter zwölf. Trailer.) Und dann ist da “Brick” (Wikipedia) aus dem Jahr 2005, spielt an einer High School unter Teenagern und jungen Erwachsenen und ist noir bis ins Mark.

Dare Me ist cheerleader noir, eher wie bei James M. Cain, also ohne Lichtgestalt. Kein Neonlicht, kein Regen, keine Hüte; aber eine bedrohliche Atmosphäre, Fragen von Leidenschaft, Vertrauen und Verrat. Die erste Hälfte des Buches ist ungemein dicht. Man ahnt, dass eine Katastrophe geschehen wird, weiß aber nicht genau, aus welcher Richtung sie kommen wird. Die Cheerleader sind ein Gemisch von Naivität, Unschuld, Erfahrung, Berechnung und Kaltschnäuzigkeit, bei dem man sich als älterer Herr etwas voyeuristisch vorkommt, als würde man Tagebücher lesen. Jungs, Männer, Lehrer, Drogen, Diäten, Brechmittel. Trotzdem: Hundertfünfzig Seiten bedrohliche Atmosphäre, ohne dass wirklich etwas passiert, das ist etwas zu viel. — In der zweiten Hälfte ist die Katastrophe dann geschehen, wer und warum und was genau, das stellt sich dann erst heraus. Das Finale war mir etwas zu, hm, ja, undramatisch.

Die Hauptfigur Addy, zwischen ihrer besten Freundin Beth (manipulatives Alphamädchen), und der Trainerin (genauso manipulativ) hin- und hergerissen. Es fehlt nicht an Western-Metaphorik, aber viele Sätze könnten in jedem hard-boilded Krimi stehen oder aus dem Off eines Films kommen:

Her tears come and I fight off the urge to slap those swollen jowls of her. I fight it off because she’s about to give me gold, and she doesn’t even know it. She thinks her gossip, her petty grievances are significant, but they are tiny pinholes. The things around them, though, the fabric of Beth’s lies and fictions, they are the gold. (S. 277)

Was mir noch aufgefallen ist:

Die Autorin lässt Beth Nietzsche zitieren (“When you gaze into the Abyss [...], the Abyss gazes into you”, S. 210), Shakespeare (“We happy few, we band of bitches” S. 218, auch 292) und Goethe (“We are never deceived; we deceive ourselves”, S. 247), jeweils unmarkiert. Soll das heißen, dass Beth die Sätze als Zitat spricht, dass sie also irgendwo Nietzsche aufgeschnappt hat? Kann ich mir nicht vorstellen. Drei der vier Stellen sind außerdem Beth von der Ich-Erzählerin Addy zugeschriebene Zitate. Kennt Addy Nietzsche? Oder sind das – wahrscheinlicher – keine Zitate der Personen, sondern einfach hyperdramatische Sätze, die einfach gut zum aufgeputschten Drama passen, vor allem natürlich für die, die sie erkennen? Schließlich benutzt das Buch ja auch Noir-Motive, um die Cheerleaderhandlung mit Drama aufzuladen.

(Dass ich die Zitate als Zitate erkennt habe, liegt übrigens an meiner Wissenskompetenz. Wenn ich Henry V nicht kennen würde, wäre mir das vielleicht nicht aufgefallen. Da hätte mir jede andere Kompetenzkompetenz nicht viel geholfen, weil ich ja nicht auf gut Glück bei jedem Satz bei Google überprüfen kann, ob das vielleicht ein Zitat von anderswoher ist. Andererseits: Gibt es einen Mehrwert, wenn ich eine Stelle als Zitat erkenne, oder reicht, wenn ich die Sprache als episch aufgeladen erkenne?)

Ein echter Fehler ist aber auf S. 281 “pixilated” statt “pixelated”. Nur Letzteres hat mit Pixeln zu tun, ersteres kenne ich aus “Mr Deeds Goes to Town” von Frank Capra (screwball comedy, 1936), wo Gary Cooper in einer dramatischen Zeugenaussage vor Gericht so beschrieben wird: etwas verrückt nämlich, von den pixies, Kobolden, verwirrt. Gern geschehen, man ist ja Lehrer.

Weiterführendes Material:

  • Ein alter Blogeintrag zu Noir-Filmen.
  • Ein halber Blogeintrag zu Dashiell Hammett.
  • Ein Hinweis auf das amerikanische Taschenbuch-Genre der jugendlichen Gang-Mitglieder der 1950er Jahre, gerne auch Mädchengangs; die Google-Bildersuche zu Buchumschlägen verrät einem alles.
  • Und natürlich darf wohl keine Besprechung des Romans ohne einen Hinweis auf “Bring It On” auskommen, ein Film aus dem Jahr 2000 (Regie: Peyton Reed, von dem wir auch “Down With Love” kennen und bald den Marvel-Ant-Man, nachdem Edgar Wright nicht mehr wollte). Eine Sportkomödie unter Cheerleadern: Das Team von Kirsten Dunst fliegt fast aus der Meisterschafts-Vorrunde, weil sie unwissentlich mit einer geklauten Choreographie gearbeitet haben, also müssen neue Nummern her. Das alles solide und humorvoll gemacht. (Die zahllosen DVD-Fortsetzungen des Films sind wohl uninteressant.)
    Reinschnuppern bei Youtube:
    - Der neue Choreograph
    - End Credits

Abiturrede 2014

(Nachgetragen, hier mein kurzer Bericht der Abifeier. Einige Stellen sind Insiderwitze, die ich nicht verstanden habe; wie bei allen Reden kommt es sehr auf den Vortrag und vor allem die konkrete Situation an – was mit einem etwas anderen Publikum vielleicht nicht funktioniert hätte, funktionierte hier gut.)

Sehr geehrte Anwesende,

dass ich nun hier als Repräsentant der Stufe vor Ihnen stehe, ist wohl überraschend, sowohl für Mitglieder der Stufe, als auch für einige Lehrer und nicht zuletzt für mich selbst.
Warum soll ich, soll jemand mit meinen Deutschnoten eine Rede schreiben und vortragen?
Ich bin in der Stufe weder besonders engagiert, noch halte ich mich komplett raus.
Ich bin kein schlechter Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Ich bin nicht der fleißigste Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Ich bin nicht der größte Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Und ich kann zwar Einiges, aber ein [Name gestrichen] bin ich nicht.

Ich bin so eine Art Mittelding in einer Stufe, die sich aus vielen unterschiedlichen Charakteren zusammensetzt, und vielleicht qualifiziert mich das als Repräsentant, denn wir waren und sind eine Stufe aus vielen Gegensätzen und unterschiedlichen Typen – Typen und Persönlichkeiten, die durch zwölf Jahre Schulzeit zu dem wurden, was sie sind. Diese Jahre haben uns geprägt, wie es vermutlich keine andere Zeit in unserem Leben wieder tun wird.

Vor zwölf Jahren… beziehungsweise dreizehn Jahren… obwohl, bei manchen hat’s auch vierzehn Jahre gedauert, ich werde hier aber keine Namen nennen. Jedenfalls wurden wir damals in einem riesigen Labyrinth ausgesetzt, als Proviant wurde uns lediglich eine Tüte voller ungesunder Süßigkeiten mitgegeben, die nicht einmal einen Tag gehalten hat. Vielen Dank dafür!
An diesem Tag standen wir am Anfang unserer schulischen und persönlichen Entwicklung. Ein langer Weg, auch wenn es mir im Nachhinein viel kürzer vorkommt als es tatsächlich war.

Die Grundschulzeit zum Beispiel ist schon zu großen Teilen aus meiner Erinnerung verschwunden, diese ersten vier Jahre, an deren Ende wir uns mit Erreichen des Gymnasiums wie die Größten fühlten, nur um uns dort am untersten Ende der Nahrungskette wiederzufinden.
Und von da an begann der lange Weg durch das Labyrinth hin zum Abitur. Schon früh standen wir an der ersten wichtigen Kreuzung und mussten uns zwischen Latein und Französisch entscheiden, wobei natürlich galt: Latinam linguam sapientes eligunt!
Auch auf unserem weiteren Weg hatten wir einige Hürden zu überwinden. Beispielsweise mit dem Umzug in ein neues Schulgebäude und hier muss ich [der Schulleiterin] widersprechen, denn das neue Gebäude war für mich eher ein Labyrinth als das alte. Ich habe länger gebraucht, um das System mit Buchstaben und Zahlen zu verstehen, als ich es hier öffentlich zugeben möchte.
Und nicht zuletzt hatten wir auch mit uns selbst zu kämpfen, denn je älter wir wurden desto mehr ließ unsere Motivation nach… und unser Interesse… und unser Fleiß… und nicht zu vergessen: Auch unsere Aufmerksamkeit. Ich möchte mich hier kurz bei allen Lehren entschuldigen, die das zu ertragen hatten.
Und je mehr Salat wir aßen, desto mehr schrumpfte unser Bizeps, aber das gehört nicht hierher.

Wie auch immer, mit dem Erreichen der 11. Klasse rafften wir uns nochmals auf und gingen mit frischer Kraft ans Werk. Voller Tatendrang begannen wir zu lernen und ich bin mir sicher, dass das die meisten auch ganze 4 ½ Wochen durchgezogen haben. Danach… na ja, aber darüber will ich lieber erst gar nicht sprechen, lieber möchte ich sagen, dass die letzen Meter im Labyrinth, die Oberstufe also, wohl die beste Zeit unserer Schullaufbahn war.
Ein besseres Verhältnis zu Lehrern, endlich ein eigener Raum zur Entspannung, der jedoch durch Umzüge und zunehmende Vermüllung immer weniger Platz zur Entspannung bot, mit 18 schließlich die Möglichkeit, Entschuldigungen selbst zu unterschreiben und nicht zuletzt ein durch großartige Studienfahrten gestärktes Gemeinschaftsgefühl, all dies trug dazu bei, dass diese zwei Jahre trotz Klausuren- und Abiturstress zu einer unvergesslichen Zeit wurde. Manchen hat es sogar so gut gefallen, dass sie gleich drei Jahre daraus gemacht haben.

Und diese ganzen Jahre, nicht nur die letzten zwei, haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind und an dieser Stelle möchte ich kurz einigen Menschen danken, die uns auf diesem Weg geholfen haben.
Natürlich unseren Lehrern, die es nicht immer leicht hatten und besonders [der Oberstufenbetreuerin], die uns in den letzten zwei Jahren viel hinterher laufen musste. Und es soll hier auch ein Dank an das übrige Schulpersonal, das einen reibungslosen Schulalltag ermöglichte und uns regelmäßig mit frischen Leberkassemmeln versorgte. Und auch die Menschen außerhalb des Schullebens haben ihren Anteil daran, dass wir alle heute hier sind. Familie, Freunde oder auch der der Fußballtrainer und Geigenlehrer haben uns auf diesem Weg der schulischen und persönlichen Entwicklung begleitet. Vielen Dank!

Es tut mir sehr leid aber es ist noch nicht ganz vorbei, ein bisschen müssen Sie mich noch aushalten, denn ich möchte noch kurz ein paar Gedanken darüber verlieren was uns nun erwartet.
Unser Abimotto beschreibt uns als Verwirrte, als Suchende, die nun endlich an ihr Ziel gelangt sind. Doch sind wir wirklich am Ziel? Im eigentlichen Labyrinth sind wir noch weit vom Ziel entfernt, wir glauben gerade dem Labyrinth entkommen zu sein, aber wir befinden uns noch mittendrin und noch dazu an einer äußerst wichtigen Kreuzung. Wir können nun entscheiden, was wir mit diesem Zeugnis anfangen, und dabei stehen uns viele Wege offen. Das Großartige an dieser Kreuzung ist, dass es keinen falschen Weg gibt. Der Weg, den wir nehmen ist nicht falsch solange wir ihn selbst wählen. Einige behaupten, der beste und einzig richtige Weg mit Abitur wäre Studium, Beruf, Rente und schließlich tot umfallen. Aber das ist nicht wahr, wir haben nun die Freiheit vollkommen selbstständig über unsere Zukunft zu entscheiden, und was wir mit unserem Abitur machen, ist uns allein, jedem einzelnen überlassen.
Wir können Rap-Star, Perlentaucher oder sogar Lehrer werden. Wenn es das ist was wir wollen, dann ist es das Beste, was wir aus unserem Abitur machen können. Und ich möchte jeden auffordern, diese Entscheidung für sich zu treffen und sich nicht von anderen reinreden zu lassen.

Ihr habt die Wahl, nutzt sie!
Vielen Dank!

Ernest Cline, Ready Player One

Von Gary Larson gibt es einen Cartoon. “Hopeful Parents” steht darunter, und man sieht ein eher dümmlich aussehendes Kind mit einer Spielekonsole gebannt vor dem Bildschirm sitzen, während die dahinter stehenden, stolz zusehenden Eltern eine Vision von zukünftigen Stellenanzeigen haben: “Nintendo Expert Needed. $50,000 salary + bonus” und “Looking for good Mario Brothers Player $100,000 plus your own car.”

Dieser Cartoon könnte der Ausgangspunkt von Ready Player One von Ernest Cline gewesen sein. Wie müsste eine Welt beschaffen sein, in der es wirklich etwas bringt, Computerspiele spielen zu können? Und noch einen Schritt weiter: Wie müsste eine Welt beschaffen sein, in der es einen zum Helden macht, sich in japanischen und amerikanischen Fernsehserien der 1980er Jahre auszukennen, und in den Büchern, Filmen, Musikgruppen und Spielen dieser Zeit? Die Antwort gibt der Plot dieses Buches.

(Das ist übrigens durchaus meine Zeit. Gut, mit Japan habe ich nicht viel zu tun gehabt. Aber viele der zitierten Fernsehserien, Computer und Spiele – etwa: Joust, Centipede, Family Ties, Pacman, D&D, TRS-80, K.I.T.T., Wargames – kenne ich. Mir war lang vor den Spielfiguren klar, worauf sich der geheimnisvolle Hinweise auf eine “trophy case” beziehen muss. Mich wundert aber, dass sich das alles in einem 2011 erschienenen Jugend-Science-Fiction-Roman findet. Dass meine Generation das kennt und gerne daran erinnert wird, klar, aber dass auch junge Leute da durch wollen?)

Ready Player One spielt in den 2040er Jahren, in einer mäßig dystopischen Zukunft. Böse Konzerne kontrollieren nicht alles, aber doch eine Menge. Viele Menschen halten sich einen großen Teil ihrer Zeit in der OASIS auf – eine Art Kreuzung aus World of Warcraft und Second Life kombiniert mit der Allgegenwart von Facebook; ein Spiel und eine Simulation zugleich. Auch Schulunterricht kann gleich ganz dort stattfinden – auf einem Schulplaneten ohne Magie und Kampfmöglichkeit, versteht sich.
Der Erfinder und Programmierer dieser Spiel-Simulation, eine verschrobene Kreuzung aus Steve Jobs und Bill Gates, steinreich, Fan der 1980er Jahre, stirbt einige Jahre vor Beginn der Handlung. Er hinterlässt ein Testament: In der OASIS hat er ein Easter Egg versteckt, eine Überraschung; wer es findet, erbt sein gesamtes Vermögen und die Kontrolle über die OASIS. Es gibt eine erste verrätselte Spur, der Rest liegt in der Hand der Spieler.
Aber das Rätsel ist schwer, erst mal kommt niemand voran. Nach anfänglichem weltweiten und allgemeinen Enthusiasmus ist es nur noch die Subkuktur der easter egg hunters oder gunters, die die Suche noch nicht aufgegeben hat.
Einer von ihnen – Wade, alias Parzival, jugendliche Hauptperson des Romans – löst das erste Rätsel und damit eine weltweite Sensation aus. Ein böser Konzern setzt eine Armee von tausenden von bezahlten Spielern ein, um ihm und seinen Mitstreitern – oder Konkurrenten – zuvorzukommen und schreckt auch vor Verbrechen bis hin zum Mord in der realen Welt nicht zurück, um dieses Ziel zu erreichen.
Die Schnitzeljagd, die letztlich zum versteckten Easter Egg führt, erfordert alles Wissen, das die Spieler um die Populärkultur der 1980er Jahre angesammelt haben, und all ihre Fähigkeiten im Spielen von Computerspielen dieser Zeit.

– Ich habe das Buch als ungekürztes englischen Hörbuch gehört. Das hat sich so ergeben; an sich bin ich mit Hörbüchern nie sehr warm geworden, und ich höre sicher weniger konzentriert zu und verpasse mehr, als wenn ich das Buch direkt lesen würde. Deshalb mache ich das auch nur bei Büchern, die mich nicht so brennend interessieren. Aber vielleicht tue ich dem Buch einach unrecht, weil es es als Hörbuch einfach schwer hatte.

Ready Player One kam mir ziemlich lang vor. Auf viele Details hätte ich gerne verzichtet. Gleichzeitig lässt das Buch auch viel aus. Typisch sind Sätze wie: “I performed a few final tasks related to my escape plan, then logged out of the IOI intranet for the last time.” Was waren das für “final tasks”? Spielt keine Rolle. Dann bitte gleich weglassen.
Die jugendlichen Helden sind ziemlich klischeehaft. Der erste Kuss, zu dem es ganz am Schluss kommt, ist genau so, wie man ihn sich immer vorgestellt hat:

It felt just like all those songs and poems had promised it would. It
felt wonderful. Like being struck by lightning.

Auch sonst ist das Geheimnis jedes Hackers: wahre Liebe. Wenig überraschend, aber keinesfalls genügend vorbereitet, kommt auch am Schluss die Erkenntnis, dass die reale Welt vielleicht doch besser ist als die virtuelle.

Und doch, ich habe das Buch bis zum Ende angehört, und das nicht ungern. Ich höre einfach gerne Geschichten um Computerspiele und die 1980er. Der Roman ist voller bekannter Topoi. Wie bei Frau Holle geht der Held in eine Höhle (“cave”), steckt ein ausgestecktes Pacman-Spiel ein (“spiel mich, spiel mich”) und wird daraufhinreicht belohnt, während seine bösen Parallelfiguren leer ausgehen.

Aufgefallen ist mir eine Paralle zum Film Matrix. Und das geht ganz ohne Aliens oder Maschinen, die die Menschen gegen ihren Willen und ohne dass sie es wissen dazu zwingen, in eienr computergenerierten virtuellen Welt zu leben. Das machen die freiwillig. Einen Retter gibt es da wie dort, und Superfähigkeiten, die man sich einfach hinzuladen kann. Zugegeben, in der OASIS sind es eher magische Artefakte, aber das läuft auf das gleiche hinaus.

Interessant war das Finale: Eine große Schlacht, mit den gesammelten gunters, einem Großteil der aktiven Spieler also, gegen die gesammelten Spielfiguren des Bösen, alle auf einen Planeten, alle aufeinander drauf. So ähnlich wie die Schlacht um Helms Klamm im Herrn der Ringe. Aber die Schlacht ist um eine weitere Ebene vom Leser entfernt, und ihm deshalb viel näher. Beim Herrn der Ringe muss man sich in die Elben und Zwerge und Orks hineinversetzen, um in der Schlacht mitzufiebern; in Ready Player One muss man sich gar nicht groß in die tausenden teilnehmende Spieler versetzen, man erlebt ja ohnehin nur ihre Spielfiguren. Die namenlosen Spieler machen stellvertretend für uns bei der Schlacht mit, und sich mit einem solchen Computerspieler zu identifizieren, das fällt leicht. Ganz früher spielten Abenteuer in fernen Ländern; als die rar wurden, spielten sie im Weltraum; wenn der immer bekannter wird, muss man sie in virtuellen Welten spielen lassen. Dort kann man wieder problemlos Schwert und Laser schwingen, und ohne echte Tote. Und Geschichten geschehen ja auch tatsächlich dort, siehe diese Aufstellung der 7 Biggest Dick Moves in the History of Online Gaming. (Weitere Geschichten hier, hier, hier.)

(Eine andere Art der Virtualisierung wird auf der Büchereite der FAZ beschrieben: Traumüberwachung im Jugendbuch. Anscheinend gibt es gerade einen Schwung Jugendbücher, in denen Träume eine wichtige Rolle spielen, in denen man die Träume anderer auslesen oder manipulieren oder gemeinsam träumen kann. Die Analogie zur virtuellen Computerwelt fällt der FAZ auf; in ein paar Jahren brauchen wir vielleicht den Umweg über Träume nicht mehr, sondern können gleich über Technik schreiben.)

– Übrigens hat der Autor mit dem Erscheinen der Taschenbuchausgabe offenbart, dass es auch im Roman selber ein Easter Egg gibt. Wie im Buch gab es eine Webseite dazu, eine Bestenliste, und am Schluss einen DeLorean zu gewinnen. Die Rätsel wurden inzwischen gelöst, der Preis vergeben; ich war nur nicht interessiert genug, mich über die Details des Easter Eggs zu informieren.