In den Ferien getrieben 1: Unterrichtsverteilung anschauen

Donnerstag, 2. September 2010

Etwas technischer heute, gerne zu überspringen.

Eine Aufgabe der Personalräte ist es, einen Blick auf die Unterrichtsverteilung für das kommende Schuljahr zu werfen. Dies geschieht für den Fall, dass man Vorschläge hat, wie sich noch etwas verbessern lässt; für den Fall, dass man Bedenken vorbringen möchte; für den Fall, dass etwas übersehen wurde. Die endültige Entscheidung liegt natürlich bei der Schulleitung.
Dieses Jahr habe ich mir die Verteilung besonders gründlich angeschaut, um währenddessen Notizen zu machen. Denn Ende des kommenden Schuljahres werden nämlich die Personalräte neu gewählt, und eventuellen Nachfolgern will ich Unterlagen hinterlassen können, worauf man achten muss. (Ich weiß nicht, ob ich wieder kandidieren werde.) Ein paar dieser Notizen will ich auch hier festhalten.

An allen Schulen, die ich kenne, geben Lehrer in mehr oder weniger organisierter Form Wünsche ab, welche Klassen oder Jahrgangsstufen sie im kommenden Jahr unterrichten wollen. Die Bio- und Chemielehrer – zwei Fachschaften, die aus nicht allzu vielen Lehrern bestehen, die noch dazu zum Großteil diese beiden Fächer unterrichten – können fast ihren ganzen Unterricht verplanen. Bei Fachschaften wie Deutsch geht das kaum, weil die Deutschlehrer als weiteres Fach Geschichte oder Erkunde haben, Sport oder Latein, Englisch oder Französisch, und manchmal auch Informatik. Das lässt sich nicht alles vorher verplanen. Trotzdem, einige Wünsche werden mehr oder weniger gebündelt abgegeben, und die Schulleitung hält sich mehr oder weniger an diese Vorschläge. Unsere Schulleitung, einmal will ich sie loben, nimmt diese Wünsche sehr ernst und versucht, sie so gut es geht zu erfüllen.

Wenn ich als Personalrat die Verteilung anschaue, achte ich unter andererm auf folgende Punkte. Eigentlich überflüssig zu erwähnen: auch die Schulleitung hat sich natürlich Gedanken um genau diese Punkte gemacht. Aber noch mal aus einer anderen Perspektive drüberschauen kann nicht schaden.

  • Wofür gibt es wieviele Anrechnungsstunden? Manche davon sind vorgeschrieben (etwa für die Personalräte: bei 50-99 Beschäftigten an der Schule insgesamt 2, bei 100-149 Beschäftigten insgesamt 3 Anrechnungsstunden), andere sind Spielraum für die Schulleitung, mit dem sie Zusatzaufgaben abgleichen kann. Fest ist auch die Stundenzahl für den Stellvertreter, die Mitarbeiter im Direktorat und die Oberstufenkoordinatoren: bei 1261-1320 Schülern sind das 40 Stunden, die auf diesen Personenkreis verteilt werden.
  • Sind manche Lehrer nur in einem ihrer meist zwei Fächer eingesetzt? Haben Lehrer viel arbeitsintensive Klassen, also Deutsch oder – in geringerem Maß – Physik?
  • Intensivierungsstunden und Wahlunterrichte: wie sind die verteilt?
  • Bietet sich ein Tausch von Lehrern an? Manchmal ist ein Lehrer mit zwei verschiedenen Fächern in zwei verschiedenen Klassen derselben Jahrgangsstufe eingesetzt. Ist es da sinnvoll, zu tauschen, so dass er beide Fächer in derselben Klasse unterrichtet? (Manchmal ja, manchmal nein.) Gibt es schwierige Klassen, in denen nur unerfahrene Kollegen sitzen?
  • Unterrichtet auch jeder Lehrer so viel, wie muss? (Oder bei Teizeitlehrern: will.)

Die letzte Frage ist aus den Unterlagen gar nicht so leicht zu entscheiden. Da steht nämlich zum Beispiel (erfundene Zahlen):

Rau vz 24: 6a E 4, 6a E2, ..., bUw Sga 1 (20 Stunden)

Das bedeutet:

  1. Ich arbeite Vollzeit und habe eine Unterrichtspflichtzeit UPZ von 24 Stunden. Die UPZ hängt allein vom Alter ab: bis zum 50. Lebensjahr 24 Stunden, bis zum 60. Lebensjahr 23 1/2 Stunden, darüber 23 Stunden pro Woche.
    Bei den Fächen Kunst, Musik, Sport in Unter- und Mittelstufe muss man in Bayern mehr unterrichten: 28 bzw. 27 1/2 bzw. 27 Stunden. Wenn man zugleich in einem anderen Fach eingesetzt ist, reduziert sich das wiederum, so dass die UPZ auch mal 25 (27) sein kann, also 25 Stunden statt ursprünglich 27. Weiterhin gibt es Sonderregeln für Schwerbehinderung. Die 23 1/2 Stunden bedeuten: im einen Jahr 24, im anderen 23 Stunden, abwechselnd.
  2. Ich bin in der Klasse 6a im Fach E mit 2 und im Fach E2 mit 2 Stunden eingesetzt. E ist Englisch, und E2… Intensivierungsstunde Englisch.
  3. Ich unterichte das Fach Sga mit 1 Stunde, und das ist ein bUwbesonderer Unterricht wissenschaftlich. Wahluntericht Schulgarten, auf Deutsch. Es gibt auch noch bUp und bUf, und manche Wahlunterrichtsbezeichnungen, die sich kaum erschließen lassen. Nachfragen bei erfahrenen Kollegen.
  4. Ich bin in 20 Stunden eingesetzt. Moment, habe ich nicht eine UPZ von 24? Ja, aber nicht eingerechnet sind Anrechnungsstunden, die muss man von der UPZ abziehen. Nicht eingerechnet ist eventuell eine Teilabordnung an eine andere Schule, die muss man auch abziehen. Nicht eingerechnet ist – je nach Alter – eine Stunde Arbeitszeitkonto AZK, die muss man dazuzählen. Oder ab 2011/12 abziehen, zumindest bei manchen Kollegen. Nicht eingerechnet ist zuletzt die Altersermäßigung: ab dem 58. muss man eine Stunde weniger unterrichten, ab dem 60. sind es zwei Stunden, ab dem 62. drei Stunden. Außer man spart sich diese Altersermäßigung im Blockmodell auf.
    Kompliziert? Hier als Grafik:

    (Quelle)

Erstellt wird die Unterrichtsverteilung mit einem notorischen Programm. Die Suite heißt WinSV, das Schülerverwaltungsmodul WinSD und das Lehrermodul WinLD. Ich schimpfe oft über das Programm. Aber immerhin stellt Bayern seinen Schulen ein solches Programm zu Verfügung; andere Bundesländer haben gar keines oder eines, das mehr Ärger bringt als Nutzen. Seit vielen Jahren ist der Nachfolger von WinSV angekündigt. Wenn genügend Leute daran glauben, wird er kommen, so heißt es.

Wenn die Personalräte sich die Unterrichtsverteilung angeschaut haben und Fragen offen sind, gehen sie zur Schulleitung und sprechen darüber. Echte Fehler kommen dabei kaum vor, meistens fehlen nur Informationen, um bestimmte Punkte einordnen zu können.

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Überblick über Listen in Java (und andere Collections)

Dienstag, 31. August 2010

Im Stoff der 11. Klasse sind Listen Thema, genauer: einfach verkettete Listen. Die Klassen und Methoden dazu erstellen die Schüler in liebevoller Handarbeit selber, und das ist auch sinnvoll, weil sie dann wissen, wie solche Listen prinzipiell funktionieren.

Aber natürlich bringt die Programmiersprache Java bereits verschiedene Listen-Klassen mit, die wichtigsten sind Vector, ArrayList, LinkedList. Die letzte davon ist der Schülerliste recht nahe. Man kann schnell neue Elemente zu einer LinkedList hinzufügen oder welche entfernen, dafür dauert es etwas länger, das – sagen wir – zwölfte Element der Liste herauszusuchen. Bei den anderen beiden Klassen geht das effektiver, dafür dauert das Einfügen und Entfernen länger. (Warum das so ist, weiß ein Schüler nach der 11. Klasse, warum das wichtig ist, nach der 12.)

Im Programmierprojekt der elften Klassen – ich werde noch davon erzählen – sollen die Schüler auch solche Listen verwenden, laut Lehrplankommentar die selbst angefertigten. Das haben wir uns geschenkt, stattdessen habe ich den Schülern gezeigt, wie die entsprechenden Java-Klassen funktionieren, und die Schüler haben damit gearbeitet.

Als Überblick für die Schüler und gleichzeitig als ein Einblick in den Aufbau von Java habe ich diese Grafik erstellt:

Schön sieht man die Zusammenhänge zwischen Vererbung, Schnittstellen (rot) und abstrakten Klassen (grün). ArrayList, Vector und LinkedList erben manche Methoden von der abstrakten Oberklasse AbstractList (die wiederum von AbstractCollection erbt), angesprochen werden können die Listenklassen über die gemeinsame Schnittstelle List.
Die Klasse LinkedList kann dabei auch über das Interface Queue angesprochen werden, ebenso wie die Klasse PriorityQueue, obwohl beide von ganz anderen Klassen abstammen.

Erstellt habe ich die Grafik mit dem offenen UML-Editor StarUML. Hier ist die Quelldatei dafür, falls jemand an der Grafik weiterbasteln möchte.

Fußnote: Alle Listen in Java implementieren die Schnittstelle Collection, ebenso wie Mengen und Warteschlangen. Alle Collections, aber nicht nur die, implementieren ihrerseits die Schnittstelle Iterable – das heißt, sie sind jeweils ein Haufen von Elementen, die man der Reihe nach durchgehen kann. Das geht zum Beispiel mit der eleganten for-each-Schleife:

for (Listenelement l : liste) {
  l.aktionAusfuehren();
}

Man liest sie so: Für jedes Element l in der Sammlung namens liste, tue Folgendes: lass l eine bestimmte Methode ausführen.
Vielleicht ist das auch was für die Schüler der 10. Klasse, die mit Arrays und Zählschleifen große Probleme haben.

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Gelesen: Ben Goldacre, Bad Science

Dienstag, 31. August 2010

Ich liebe die Terminologie der exakten Wissenschaft, Physik oder Mathematik. Wo gibt es in den Geisteswissenschaften solche Begriffe wie “Bonferroni’s correction for multiple comparisons”? Diesen schönen Begriff aus der Statistik habe ich aus Bad Science von Ben Goldacre.

In dem Buch zeigt Goldacre, welcher Schindluder mit echter Medizin, alternativer Behandlung und vor allem wissenschaftlich-medizinischer Berichterstattung in den Medien getrieben wird. Er hat gar nicht so viel dagegen, wenn Verbaucher Entscheidungen treffen, die er nicht nachvollziehen kann – aber die Verbraucher sollen wissen, was sie tun, und nicht auf irreführende oder falsche Informationen hereinfallen.
Deswegen sind die Themen Goldacres: was eine gute wissenschaftliche Arbeit ausmacht, wie man sie richtig liest und interpretiert, und wie und warum das in der Presse oft nicht geschieht. Sein Credo, glaube ich: wissenschaftliche Untersuchungen müssen öffentlich sein. Sie müssen in der Fachpresse (auch online) veröffentlicht werden, damit andere Wissenschaftler (und auch Laien) sie kritisch würdigen können, damit Versuchsaufbau und -durchführungen hinterfragt und wiederholt werden können. Eine unveröffentlichte Studie ist nichts wert.

Zwei Stellen wollte ich mir merken, wo wenn nicht hier im Blog? Zum einer der Unterschied zwischen den Ergebnissen einer Studie und den Schlussfolgerungen daraus. Goldacre nennt einen Times-Artikel, der das durcheinanderbringt. Eine Studie zeigte, dass Personen mit jüngeren Geschwistern seltener an der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose erkanken. Die Times dazu: “Laut der Studie ist MS ist wahrscheinlicher, wenn ein Kind während einer kritischen Entwicklungsphase keinen Ansteckungen durch jüngere Geschwister ausgesetzt ist.” Das ist aber nicht das Ergebnis der Studie – das ist eine Erklärung des Ergebnisses, eine Hypothese, die vielleicht zutreffen mag. Aber die Studie hat nur gezeigt, dass jüngere Geschwister, aus welchen Gründen auch immer, irgendwie gegen die Entwicklung von Multipler Sklerose helfen.

Über der anderen Stelle steht das folgende Zitat aus Robert M. Pirsig, Zen and the Art of Motorcycle Maintenance:

The real purpose of the scientific method is to make sure nature hasn’t misled you into thinking you know something you actually don’t know.

Es gibt optische Illusionen, deren Wirkung man sich nicht entziehen kann:


(Quelle: Fibonacci, CC-BY-SA 3.0)

Die Linien sind parallel, und wir wissen, dass sie parallel sind, aber sie sehen trotzdem nicht parallel aus und werden das auch nie tun. Dass sie parallel sind, kann man dadurch zeigen, dass man ein Lineal nimmt und anlegt, die Linien misst.

Genauso wie es optische Illusionen gibt, gibt es auch kognitive Illusionen – Zusammenhänge, die sich dem Verstand aufdrängen, die logisch erscheinen, die intuitiv einsichtig erscheinen, aber trotzdem falsch sind. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ist voll davon. Damit man nicht darauf reinfällt, muss man methodisch vorgehen und messen – das Lineal anlegen, die wissenschaftliche Untersuchung durchführen.
Der Mensch ist hervorragend darin, Muster zu erkennen. Das war ein großer evolutionärer Vorteil. Allerdings geht das soweit, dass man auch Muster erkennt, wo keine sind. Goldacre beschreibt mehrere Versuche mit Zufallsdaten, die von Menschen interpretiert werden – und auch bei dieser zufälligen Reihe kann der Mensch nicht anders, als Muster zu erkennen.

Ingesamt: schönes Buch, ein bisschen zu lang, ein paar Stellen wiederholen sich. Vielleicht hätte ein Lektor noch einmal drübergehen sollen. Trotzdem spannend.

Nachtrag: Bin eben auf einen aktuellen Blogartikel hingewiesen worden: “Wie Wissenschaft funktioniert”. An aktuellem Beispiel wird klar, wie wichtig das Veröffentlichen von Studien ist, wie wichtig die Methodik ist, und wie sehr Studien der Überprüfung bedürfen.

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In Unterwäsche durchs Schulgebäude rocken

Mittwoch, 25. August 2010

Das werde ich natürlich nicht, auch wenn es die Tradition erfordert. Welche Tradition? höre ich meinen Leser fragen. Wenn man allein zu Hause ist, in einem Haus, über das man sonst nicht die Verfügungsgewalt hat, dann muss man die Hose ausziehen und Luftgitarre spielend durch die Zimmer tanzen.

Das weiß ich aus einer Episode von Die Nanny, als der Butler alleine in der Wohnung ist. (Video.) Auch eine Simpson-Episode gibt es, in der Bart allein zu Hause ist und in allen Zimmern Gitarre spielt. Hugh Grant in Love Actually behält seine Hose an, tanzt aber auch. Und an eine Folge Alf glaube ich mich auch dunkel zu erinnern.

Gibt es für diese Szenen einen gemeinsamen Vorläufer, sind das alles Zitate einer Quelle? Ich weiß es noch nicht.

Jedenfalls bin ich diese Woche allein zu Haus – allein im Schulgebäude. Die Schulleitung macht auch mal Ferien, und so gibt es in einigen Wochen des Jahres nur eine Vertretung. Diese Woche bin ich dran. Zugegeben, das Sekretariat ist auch besetzt, also geht das mit den ohne Hosen sowieso nicht. Und außerdem muss ich den größten Teil der Zeit nur telefonisch erreichbar sein, nur heute bin ich tatsächlich in der Schule. Falls was Wichtiges ist.

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Es waren zwei dunkle und stürmische Nächte: Wuthering Heights und Cold Comfort Farm

Montag, 23. August 2010

Nicht zuletzt wegen des Ukulele Orchestra of Great Britain mit seiner Version von Kate Bushs “Wuthering Heights” hatte ich mir vorgenommen, das Buch noch einmal zu lesen. Von der ersten Lektüre vor zwanzig Jahren ist nicht mehr viel hängengeblieben.

(Wer’s immer noch nicht kennt: hier die UOGB-Version.)

Die erste Hälfte des Buches hat mir sehr gut gefallen, der Anfang ist hervorragend. Ein Herr Lockwood, der Erzähler, sucht die Einsamkeit (unglückliche Liebe, Unzufriedenheit mit seinem Leben) und hat sich dazu ein Haus gemietet, bei dessen Vermieter er einen Anstandsbesuch macht. Lockwood freut sich, endlich jemanden gefunden zu haben, der ein zurückgezogenes Leben noch mehr liebt als er selber, und beschließt, diesen tollen Herrn Heathcliff öfter zu besuchen. Dieser Heathcliff ist ein Gentleman, aber mürrisch bis grob, das Haus unordentlich, draußen stürmt es. An Personal gibt es den alten Joseph, ein religiöser Eiferer, wenn auch kein sehr eifriger.

Kurze Zeit später unternimmt Lockwood seinen zweiten Besuch. Nach einigem vergeblichen Klopfen lässt ihn Joseph – in kaum verständlichem, aber vermutlich authentischen Dialekt sprechend – auch nicht hinein. Es schneit, und endlich erbarmt sich ein rustikaler junger Mann und führt ihn im einen Raum mit einer jungen Frau. Auch da ist nicht viel mit gesellschaftlich anerkannten Formen der Höflichkeit, er kriegt nicht mal einen Tee. Heathcliff kommt, wortkarg, und die drei Leute – junge Frau, junger Mann, Heathcliff – giften sich alle gegenseitig in wechselnden Kombinationen an. Lockwood hat immer noch keine Ahnung, wer das eigentlich ist, vorgestellt wird niemand. Und als es Abend wird und der Schneefall immer heftiger, da will man ihn vor die Tür schicken. Eine Haushälterin führt ihn dann doch heimlich in ein Zimmer, das Heathcliff sonst eigentlich stets verschlossen hält. Dort findet Lockwood auf dem Fensterbrett den Namen Catherine in verschiedenen Varianten – Catherine Linton, Catherine Heathcliff, Catherine Earnshaw. Außerdem findet er einige alte Bücher dieser Catherine, mit Randbemerkungen, die eine Art Tagebuch darstellen. Fasziniert liest Lockwood diese Passagen. Als er schließlich einschläft, weckt ihn ein Alptraum: vor dem Fenster steht die geisterhafte Gestalt Catherines und will hereingelassen werden. Mit einem Schrei wacht Lockwood auf, Heathcliff kommt herein, wird bleich, als er von Catherine hört und stürzt zum Fenster.

Am nächsten Tag flieht Lockwood in sein eigenes Haus und lässt sich von seiner Haushälterin die Geschichte des merkwürdigen Haushalts um Heathcliff erzählen, und diese Erzählung macht den Großteil des Romans auf. (Die letzten Kapitel schließen dann wieder an diesen Rahmen an.)

Ich habe den Anfang so ausführlich wiedergegeben, weil man daraus ein tolles Textadventure machen könnte. Man kann auch interactive fiction dazu sagen. Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich das mal.

Die zweite Hälfte hat mich weniger interessiert. Lohnenswert ist vielleicht der Vergleich mit den dysfunktionalen Familien des deutschen Naturalismus. Aber während dort das bekannte Milieu Ursache für deren Niedergang ist, treibt bei Wuthering Heights der Ansturm von unbeherrschbaren Gefühlen und vor allem die kalt kalkulierende Rachsucht Heathcliffs, der darin den Grafen von Monte Christo übertrifft, die Menschen in den Untergang. Aber irgendwann reicht es dann auch; als Catherine weg ist, verliert das Buch für mich an Schwung.

Eine Person ist mir beim Lesen besonders aufgefallen: Ellen/Nellie, die Erzählerin des größten Teils der Geschichte. Sie war mir nicht sehr sympathisch, oder eher: ihr Verhalten an einigen Stellen der Handlung gehört kritisiert, und mir fehlte eine Instanz, die diese Kritik ausübte. Lockwood – der Zuhörer, dem sie die Geschichte erzählt – ist für diese Aufgabe viel zu unreflektierend.
Ellie überbringt Briefchen, ermöglicht Stelldicheine, erzählt Geheimnisse oder hält Wissen zurück und sorgt generell dafür, dass die Handlung vorankommt. Natürlich kann sie nie etwas dafür und hätte auch nie anders handeln können. (Wieviel Spielraum hat man als Dienstbote?) Außerdem ist es erzähltechnisch sehr praktisch, wenn die Erzählerfigur bei allen entscheidenden Stellen dabei ist. Aber bei Wikipedia habe ich den Aufsatz “The Villain in Wuthering Heights” von James Hafley (1958) gefunden, in dem argumentiert wird, dass Nellie/Ellen tatsächlich die planvoll handelnde und manipulierende Schurkin des Romans ist.


Schon während der Lektüre hatte ich mich auf das Buch gefreut, das ich als Nächstes lesen würde: Cold Comfort Farm von Stella Gibbons.

Kennengelernt hatte ich das Buch über die BBC-Fernsehverfilmung von 1995 (Kate Beckinsale, Stephen Fry, Joanna Lumley, Ian McKellen, Miriam Margolyes). Sehr sehenswert. Das Buch ist 1932 entstanden als eine Art Parodie auf das damals wohl verbreitete Loam-and-Lovechild-Genre: düstere Geschichten um heruntergekommene Bauernhöfe, religiösen Wahn, sexuell ungebremste Knechte, schwangere Mägde. D.H. Lawrence gehört auch irgendwie in diese Ecke, nicht dass ich schon mal etwas von ihm gelesen hätte. Aber auch als Parodie auf manche Aspekte von Wuthering Heights lässt sich das Buch lesen.

Die Handlung: Die junge Flora Poste muss bei Verwandten unterkommen und schreibt dazu alle in Frage kommenden an. Das Angebot der Starkadder-Familie in Sussex klingt am besten, auch wenn das einen zutiefst heruntergekommenden Bauernhof bedeutet. Die Leute heißen Seth und Adam und Reuben, sind wortkarg, oversexed oder religiös eifernd; beherrscht wird die Großfamilie von einer lange unsichtbar bleibenden Matriarchin mit einem Geheimnis (sah als Kind “something nasty in the woodshed”). Die Familienverhältnisse sind undurchsichtig. Flora ist dort erst einmal nur “Robert Poste’s child”, der eine alte Schuld zu begleichen ist.

Von Tee am Nachmittag hat man dort noch nie gehört. Flora analysiert ihre erste Begegnung mit Judith Starkadder so: “For the first time a Starkadder looked upon a civilized being.” In der Küche gibt es einen großen unappetitlichen Topf Porridge für alle:

The porridge gave an ominous leering heave; it might almost have been endowed with life, so uncannily did its movements keep pace with the human passions that throbbed above it.

Wenn diese Passage etwas arg lyrisch klingt, so ist das Absicht. Stella Gibbons erklärt in einer ausführlichen, von vorn bis hinten erfundenen Widmung, das System: wie im Baedeker-Reiseführer die Sehenswürdigkeiten eigens markiert sind, so hat auch Gibbons die besonders lesenswerten (lies: kitschig-lyrischen) Passagen des Romans mit ein bis drei Sternchen markiert.

Flora krempelt jedenfalls die Ärmel hoch und bringt das 20. Jahrhundert auf die Farm. (Tatsächlich spielt der Roman zwanzig Jahre in der Zukunft, nach einem britisch-nicaraguanischen Krieg, aber bis auf ein paar kleine Seitenhiebe spielt das für die Handlung keine Rolle.) Erst mal kümmert sie sich um Meriam, eine Dienstmagd, die jeden Frühling aufs neue ein Kind kriegt, weil sie den Sommernächten nicht widerstehen kann. “‘Tes the hand of Nature, and we women cannot escape it.” Flora klärt Meriam über Empfängnisverhütung auf. Dann nimmt sie sich den düsteren, wildromantischen, finster-attraktiven Seth vor und bringt ihn beim Film unter. Und so löst sie nach und nach die Probleme dieser pittoresken Familie.

Sehr lustig.

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Fotos aus dem Urlaub

Sonntag, 22. August 2010

Das bekannte Seebad in Südengland, wie üblich. Erholt. Viel gegessen, ein bisschen gelesen, iPad auf Urlaubstauglichkeit getestet. (Bericht folgt.) Und zwei schicke Jacken gekauft. Eine eher albern als schick, aber das wird mich nicht davon abhalten, sie in der Schule zu tragen.

Ein ruhiges Eckchen der Strandpromenade:

Ab 6 Uhr grillen am Strand erlaubt:

Ein kleiner Pavillon, das Licht nicht nachbearbeitet:

Tageswanderung:

Das Wappentier der Familie:

Wandern in England halt:

Erste, noch nicht ausgereifte Experimente mit Tilt-Shift-Simulation:

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Griechische Sagen mit dem Kamishibai, der Rest

Montag, 16. August 2010

Hier noch ein paar Reste zum letzten Beitrag. Die Videos darf ich zwar nicht zeigen, aber hier sind immerhin die Grafiken zu drei weiteren Schüler-Sagen und zu meiner Demoversion, anhand derer ich das Prinzip Kamishibai vorgeführt habe.

– In der Sage von Persephone verliert Demeter, Göttin der Fruchtbarkeit, ihre Tochter Persephone an Hades, den Gott der Unterwelt. Nach dem Rat Zeus’ soll Persephone daraufhin zwei Drittel des Jahres in der Unterwelt bei Hades bleiben, ein Drittel an der Oberfläche mit ihrer Mutter verbringen.












– Europa:











– Herkules’ Aufgabe, den Stier von Kreta zu fangen:











– Der Beginn des trojanischen Kriegs. Auf die Hochzeit von Peleus und Thetis wird Eris, Göttin der Zwietracht, nicht eingeladen. Sie wirft deshalb einen goldenen Apfel in die Runde, der der schönsten Göttin gehören soll. Hera, Athene und Aphrodite streiten sich darum und versprechen jeweils Paris, der die Entscheidung treffen soll, Belohnung für den Wahl, dass er sich für sie entscheidet. Paris gibt den Apfel Aphrodite, die ihm Helena, die schönste Frau der Welt, versprochen hat. Leider ist Helena schon mit Menelaos verheiratet – der für sie mit den anderen Griechen in den Krieg ziehen wird:














Als pdf herunterzuladen:

Vor ein paar Tagen habe ich Hörbuchfassungen von Aesops Sagen gehört. Die sind vielleicht noch geeigneter für Schüler, da kürzer und vertrauter.

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