A Ticket to Tranai (“Utopia mit kleinen Fehlern”)

Diese Science-Fiction-Kurzgeschichte von Robert Sheckley geht mir seit Wochen im Kopf herum; Grund sie wieder einmal zu lesen:

In einer Bar erzählt ein alter Raumfahrer Marvin Goodman vom utopischen Planeten Tranai. Goodman, unzufrieden mit dem Leben auf der Erde, der Korruption, seinem wenig erfolgreichen Engagement für alle möglichen sozialen Zwecke, beschließt, dorthin auszuwandern. Der Weg dorthin ist gar nicht leicht; das örtliche Reisebüro rät ihm ab und kann ihn auch nur die Hälfte der Strecke bringen. Aber nach langer Reise erreicht Goodman tatsächlich sein Ziel.

Tranai kennt tatsächlich weder Armut noch Verbrechen, keine Polizei, keine Kriege, hohe Zufriedenheit aller Bürger, und das alles ohne Kommunismus oder Faschismus. Goodman lässt sich nieder, findet eine Arbeitsstelle und heiratet. Ganz zufrieden ist er aber nicht; seine Arbeit als Roboteringenieur besteht vor allem darin, immer mehr Fehler in die Roboter seiner Firma einzubauen – perfekte Technik frustriert den Menschen, der seine Frustration dann an anderen auslässt. Deshalb haben die Maschinen des Planeten oberflächliche Macken (auch wenn sie sonst einwandfrei funktionieren) und fallen bei den erhofften Fußtritten ihrer Besitzer passgenau auseinander – die so ihre Frustration abreagieren können.

Auch sonst stellt sich Tranai nach und nach als weniger paradiesisch aus als erhofft, und als erheblich bizarrer. Goodman ist knapp davor, das – keinesfalls besonders beliebte – Amt des obersten Präsidenten zu übernehmen, als er dann doch lieber und überstürzt zur Erde zurückkehrt. Das mit der Regierung läuft nämlich so: Man verzichtet auf Tranai zwar auf Polizei, Richter, Justizverfahren, aber dafür darf jedes Regierungsmitglied Verbrecher erschießen, wenn sie welche sehen. Fehler kann es keine geben dabei, denn per Definition ist jeder so Erschossene automatisch ein Verbrecher. Das sorgt insgesamt für mehr Sicherheit und weniger Stress als das Verfahren auf der Erde.
Auf der anderen Seite gibt es Kabinen, in denen jeder Bürger per Knopfdruck seine Unzufriedenheit mit bestimmten Regierungsvertretern kundtun kann. Was Goodman erst zum Schluss erfährt: Überschreitet die Anzahl dieser Unzufriedenheitsmeldungen innerhalb der Amtszeit eines Regierungsmitglieds eine bestimmte Grenze, dann explodiert die Amtskette, die jedes Refierungsmitglied ständig um den Hals trägt, und tötet es. “Checks and balances. Just as the people are in our hands, so we are in the people’s hands.” Das funktioniere unerwartet gut.

– Aus solchen Geschichten bestand meine Jugend als Science-Fiction-Leser. Viele davon waren eher in der Tradition von Gullivers Reisen, manchen ging es um natruwissenschaftliche Phänomene, und andere waren tatsächlich nur exotische Abenteuer.
Das mit den Abstimmkabinen und Explosionen könnte man heute bequem über Handys lösen. Auch im Unterricht, oder bei Musikhörern in der Straßenbahn: Drücken genug Leute in der Umgebung auf “Explodieren”, dann wird explodiert.

Semesterbeginn 2014

Ich bin ja jeden Donnerstag an der Uni. Der Tag läuft dann etwa so ab wie gestern: So losfahren, dass ich um 9 Uhr dort bin – auch wieder mit dem Fahrrad, wenn ich mir ein neues gekauft habe. Dann kurze Teambesprechung im Sekretariat, was es an Neuigkeiten gibt und was gerade besonders dringend ist. Danach hat die Kollegin eine Veranstaltung für Studierende Lehramt Realschule, davor der Kollege eine Veranstaltung für Studierende Lehramt Gymnasium. (Ich selber bin im Wintersemester dran.) Vormittags erledige ich verschiedene Aufgaben am Rechner: Wartung von Webseite und Moodlekursen, Planung der nächsten Veranstaltungen, E-Mail erledigen; manchmal schaut jemand zur Sprechstunde vorbei.

Mittags radeln wir dann meist durch den Englischen Garten in die Kantine des Landesamts für Finanzen – ein Skript sammelt die online verfügbaren Speisepläne der in der Nähe liegenden Kantinen ein und stellt sie für Institutsmitarbeiter gesammelt dar. Aber es wird dann doch fast immer das Finanzamt daraus.
Gestern nicht, da hatten wir wenig Zeit und holten nur einen Happen in der Unimensa. Danach gibt es eine Tasse Kaffee in einem Büro und Plauderei mit einer Gruppe von Systembetreuern, die uns Lehrer quasi adoptiert hat. Auch das fiel gestern leider aus, da der Raum für eine Prüfung gebraucht wurde; ich musste selber dann auch noch Beisitz bei einer mündlichen Prüfung machen. Gleich im Anschluss begann die Veranstaltung im Sommersemester, das Praktikum “Informatiksysteme aus fachdidaktischer Sicht”.

Dort lernen die Studierenden, dieses Jahr sind es 16, es kommen vielleicht noch ein oder zwei dazu, welche Software es gibt, die man für die Schule benutzt, und was man damit machen kann. Das beginnt mit Moodle, allein schon mal zur Verwaltung der Veranstaltung, dann eine Auswahl aus den vielen Möglichkeiten, die es gibt. Die Studierenden produzieren einen Screencast für den Einsatz in der Schule, stellen die Software außerdem den Kommilitonen vor und geben diesen Aufgaben dazu. Wenn es klappt, kommt noch ein Besuch bei einem Schul-Systembetreuer dazu, und eine Gruppe von Schülern kommt an die Uni und wird von den Studierenden einen Vormittag lang im Rahmen eines Projekts betreut.
Wenigstens müssen wir für diese Veranstaltung keine Noten geben. Noten geben mag ich nicht.

So um 17 Uhr machen wir uns dann auf den Heimweg.

- Heute geht es allerdings gleich weiter, das jährliche Probestudium für an Informatik interessierten Schülerinnen und Schüler beginnt. Am Freitag und von Montag bis Mittwoch (immerhin in den Osterferien) besuchen angemeldete Schüler drei Vorlesungen und nehmen an einem mehrtägigen praktischen Workshop teil. Dieses Jahr standen zur Wahl 3D-Programmierung in Python, Android-Programmierung, Bioinformatik und Ähnlichkeitssuche in Bilddatenbanken. Einen der Workshops leiten wir, und irgendwie bleibt auch immer etwas von der Organisation an uns hängen.

Die Einladungen fürs Probestudium gehen an alle Gymnasien in Oberbayern und ein paar weitere Schulen; ob sie dann auch alle Informatiklehrer und deren Schüler erreichen, hängt von den Empfängern ab.

Berge wie weiße Elefanten

Bei der Erzähltheorie in der Schule geht es drunter und drüber. Ein Kollege hat mal zusammengestellt, was für die einzelnen Jahrgangsstufen im Lehrplan steht:

  • 5: “Erzähler”
  • 6: “Äußeres und inneres Geschehen, erzähltechnische Mittel”
  • 8: “Innen- und Außenstandpunkt des Erzählers, Erzählperspektive wechseln”
  • 9: “Erzählverhalten”
  • 10: “Erzähltechnik”

Sonst nichts Genaueres. (Keine Erwähnung von Begriffen aus speziellen Theorien, etwa: auktorial, allwissend, homodiegetisch.)
Unser Schulbuch fügt den kaum von einander zu trennenden Begriffen “Erzählperspektive”, “Erzählverhalten” und “Erzähltechnik” noch die “Erzählform” und die “Position” und “Einstellung” des Erzählers hinzu sowie die “Erzählhaltung”. Dazu verschiedene Begriffe, die sich letztlich an einer vereinfachten Erzähltheorie nach Stanzel orientieren.

Kein Wunder, wenn man da durcheinander kommt. Wir versuchen gerade zu einem einheitlichen Modell für unsere Schule zu kommen.

Währenddessen habe ich mit meinen Achtklässlern etwas Hemingway gemacht. Das kam so: Eine Fassung des Stanzel-Modells kennt einen Kreis als Modell, eingeteilt in sechs Bereiche in der Form der bekannten Trivial-Pursuit-Törtchen. Jeder Schüler brachte ein Buch mit, besprach sich mit Mitschülern, und trug den Titel des Buches je nach Erzählertyp dann in das passende Törtchen ein. Wir stellten fest, dass von den sechs möglichen Bereichen eigentlich nur zwei benutzt wurden. (Von den Schülern aufgestellte Theorien: Manche Erzählertypen sind einfach populärer. Zumindest bei Büchern, die Achtklässler so mitbringen.) Außerdem interessierten sich die Schüler plötzlich für den Literaturnobelpreis – wer ihn kriegt und warum und wofür, und ob wir was von einem lesen können.

Also brachte ich eine Hemingway-Geschichte mit, “Hills Like White Elephants”. Glücklicherweise fand ich eine deutsche Übersetzung im Web, und zwar im Archiv der Zeit, wo die Geschichte 1949 erschienen ist. (Die Übersetzung ist etwas veraltet. Der Zeilenumbruch entspricht gar nicht dem meiner Hemingway-Ausgabe.)

In dieser Geschichte ist die Distanz zwischen Erzähler und Geschichte wirklich minimal, der Erzähler kaum als solcher erkennbar; die Personen der Geschichte erlebt man in konsequent durchgehaltener Außenperspektive. Das wollte ich den Schülern mal zeigen.
Schnell mal lesen oder Inhaltsangabe? — Ein Mann und eine junge Frau sitzen in Spanien in einem Café und warten auf der Zug. Sie unterhalten sich, es geht um eine Operation, die der Frau bevorsteht. Der Mann redet die Operation klein, auch wenn die Frau Bedenken zu haben scheint. Hauptsache, danach ist alles wieder wie vorher. Viel Sonnenschein und wenig Kommunikation.

Die Schüler fanden die Geschichte nicht unterhaltsam (wie sollten sie auch), gingen aber großzügig davon aus, dass es schon irgendeinen Grund dafür geben würde, dass ich ihnen ausgerechnet diese Geschichte präsentierte. Spannend war, was sie störte. Erst mal, dass nichts zu passieren scheint. Dann aber auch, dass die junge Frau zwar als Erwachsene behandelt, aber durchweg als “das Mädchen” bezeichnet wird. (Original: “the girl”.) Für meine Schülerinnen und Schüler heißt Mädchen: noch nicht erwachsen, kindlich. Dass eine erwachsene Frau als Mädchen bezeichnet wird, ist ihnen fremd.
Außerdem hielten die Schüler die Geschichte für einen Textausschnitt und wollten wissen, was davor und danach komme – sehr überrascht waren sie, als ich sagte, dass das die vollständige Geschichte ist. (Passt bei 11 Punkt Schriftgröße auf zwei A4-Seiten, jeweils zweispaltig.)

Das Verhältnis der beiden Hauptpersonen haben die Schüler gut verstanden und auch selbstständig am Text belegt. Der Mann drängt die Frau zu irgendeiner Operation, er ist älter, kennt sich besser aus. (Kann Spanisch, kennt die Getränke in der Bar.) Aber um welche Operation es ging, darauf kamen die Schüler nicht. Ich glaube, es war auch nicht so, dass sie sich nicht getraut haben, sondern dass sie es wirklich nicht wussten.

Also habe ich es ihnen erzählt: Es geht um eine Abtreibung. (Haben sie dann auch gleich gesehen.) Dazu musste ich den Schülern erzählen, dass Abtreibungen damals illegal waren. Da sie den Text gründlich gelesen hatten, wiesen sie mich aber gleich auf eine Äußerung hin, nach der die Freundinnen der Hauptpersonen auch alle so eine Operation gehabt hätten. Puh. Also weiter erklären, dass trotz der Illegalität Abtreibungen stattgefunden haben. Entweder beim Arzt, wenn man Geld hatte, oder eben mit anderen, lebensgefährlichen Methoden, und dass das mit ein Grund für die Legalisierung von Abtreibung war. Was für Methoden denn das gewesen seien.

Sagen wir, ich hoffe, ich hatte genug Fingerspitzengefühl.

Sehr interessant fand ich die Interpretation eines Schülers. Die Operation wird nur so beschrieben: “Es wird nur Luft reingelassen, und dann ist alles vollkommen natürlich.” Es könne sich demnach auch um eine Brustvergrößerung handeln.

Captain America 2: The Winter Soldier (deutsch: The Return of the First Avenger)

War ich also neulich im Kino, den neuen Captain America anschauen. Wie er mir gefallen hat? Ganz nett, bunt, habe mich nicht gelangweilt, war okay. Aber wie er mir gefallen hat, interessiert mich weniger als das, was da gerade passiert.

Das war jetzt der neunte Film im Marvel Cinematic Universe, der neunte Film seit 2008. Finanziell ist das eine der erfolgreichsten Filmserien überhaupt. Mehr Geld, vor allem weltweit, hat die Harry-Potter-Serie eingebracht. Star Wars, Star Trek, James Bond, alle weit abgeschlagen – zum Teil, weil es weniger Filme in der Serie gibt, klar, etwa bei den bisher zwei Hunger-Games-Filmen. Die genauen Zahlen (US/weltweit, inflationsbereinigt usw.) gibt es bei Box Office Mojo.

Neun Filme in sieben Jahren. Nummer zehn noch dieses Jahr, nächstes Jahr wieder zwei, übernächstes mindestens einer, und die Grobplanung läuft bereits bis 2028. Auch wenn man letztere Ankündigung nicht so ernst nehmen muss: Das ist eine beeindruckende Leistung. Neun Filme in sieben Jahren, und kein echter Misserfolg dabei.

Für die Marvel-Comics des Silver Age war entscheidend, dass die Helden einander immer wieder mal über den Weg liefen. Klar, sie wohnten auch fast alle in New York. Diese neun Filme spielen auch alle im selben Universum. Das begann mit Jon Favreaus Iron Man (Blogeintrag 2008), der den Ton vorgab für die folgenden Filme: versteckte Hinweise auf andere Helden und Geschichten, und eine Geheimorganisation als Klammer, die die Filme verbindet.

Auch im neuen Captain America gibt es Hinweise auf eine gemeinsame Welt. Fanboys wie ich waren glücklich, in einem Nebensatz den Namen “Stephen Strange” zu hören. Oha! Der fehlte uns noch, und ein (bereits angekündigter) Doctor-Strange-Film könnte toll aussehen. Einen Hulk wird es wohl nicht so schnell mehr geben. Viele Geschichten gibt es nicht, die man vom Hulk erzählen kann – andererseits gilt das noch mehr für Spider-Man, und von dem gibt es auch mehr Filme als nötig. Den Peter-David-Hulk zusammen mit dem Pantheon würde ich schon gerne mal sehen. Und die Rechte für die anderen Helden sind leider beim falschen Studio. Selbst wenn noch weitere Fantastische Vier und X-Men angekündigt sind: Ohne ein gemeinsames Universum sind die Filme nur halb so interessant.

Was mir bei Captain America gefehlt hat: Zivilisten. Die Helden sollten nicht nur in einer gemeinsamen Welt leben, sondern gemeinsam mit normalen Menschen. Aber anscheinend kommt der jüngste Film trotzdem sehr gut an. Und das, obwohl er – laut Kritikern – mit den Formeln für die letzten Filme bricht, etwas radikal Neues versucht. Nu, radikal sieht für mich anders aus, aber ja: das ist ein Techno-Action-Thriller, in dem gelegentlich ein Kostüm-Fetzen auftaucht.
Verstehen werde ich Marvels Strategie nie. Schon vor dem ersten Iron Man stand ich zweifelnd da, und musste mich eines Besseren belehren lassen. Genauso zweifelnd schüttle ich den Kopf für den zehnten Film, diesen Sommer noch, eine Science-Fiction-Geschichte mit Rocket Racoon, einem humanoiden Waschbär. Aber hey, inzwischen traue ich denen alles zu. Was kommt als Nächstes, eine romantische Komödie im Marvel-Universum? Ant-Man und die Wespe (2015) kann ich mir gut als Screwball-Comedy vorstellen. Und danach eine romantische Komödie?

Die Handlung für die nächsten beiden Avengers-Filme steht schon halbwegs fest. Eine Civil-War-Verfilmung, in der sich die Superhelden-Gemeinschaft selbst bekriegt, ist wohl erst mal nicht zu erwarten – da machen die einen Superhelden mit bei der von der Regierung verordneten Zwangs-Registration, die anderen wehren sich dagegen. Zu düster, aber eine gute Möglichkeit, viele Helden unterzubringen.

Ich bin erst mal nur sehr gespannt, wie lange diese Erfolgssträhne für Marvel anhält.


Exkurs 1: Gibt es andere geteilte Filmwelten? Erst mal fällt mir wenig ein. Das wäre ja so, als würden sich Tarzan und Indiana Jones treffen, und ein Nachfahr von Zorro noch dazu. Wirkt etwas beliebig. Dracula, der Werwolf und Frankensteins Monster sind schon mal aufeinander getroffen, wenn nur in der Komödie. Disneys Cartoonfiguren haben ein gemeinsames Universum, und die von Warner Brothers auch. James Bond… das wäre so, als gäbe es viele James-Bond-Filme mit jeweils unterschiedlichen Agenten als Hauptpersonen. Es dürfte schwierig sein, da genügend interessante Figuren zu finden, da es wenige Agenten-Archteypen zu geben scheint. Die Star-Wars-Filme sehe ich eher als Fortsetzungen an und weniger als geteilte Universen.

Exkurs 2: Das Golden Age der Superheldencomics waren die späten 1930er bis in die späteren 1940er Jahre. Hunderte von Comicserien lösten die Pulp-Hefte der vorhergehenden Generation ab. Eine bescheidener Start für eine neue Serie war eine Auflage von 250.000, erfolgreiche Serien hatten eine Million, Disney Comics bis zu drei Millionen Auflage – Zahlen, die seitdem nie wieder erreicht wurden.
Die Superhelden des Golden Age waren unüberschaubar zahlreich und bunt, die Geschichten simpel. Anfang der 1950er Jahre war dann aus verschiedenen Gründen erst mal Schluss. Das Publikum wanderte ab, die öffentliche Meinung hatte jugendliche Straftäter als Thema und Comics als Ursache entdeckt.
Ende der der 1950er Jahre und Anfang der 1960er Jahre begann dann das Silver Age. DC Comics – der Verlag mit Superman und Batman, die die 1950er mit eher harmlosen Geschichten übberbrückt hatten – kramte die alten Helden heraus, oder zumindest ihre Namen und Fähigkeiten, und verlieh ihnen einen modernern Anstrich. Flash und Green Lantern bekamen neue Kostüme und eine neue Hintergrundgeschichte. Aber vor allem tauchte am Anfang des Silver Age ein neuer Verlag mit alten Wurzeln auf: Marvel. Die brachten Pep in die Szene. In Kooperation mit Zeichnern (allen voran Jack Kirby und Steve Ditko) und anderen Autoren erschuf Stan Lee viele der Marvel-Helden, die wir heute kennen. Und auch Marvel griff aufs Golden Age zurück, wenn auch anders: Captain America, ein Held der frühen 1940er Jahre, wurde wiederbelebt, ebenso Namor, der Submariner. (Von den anderen Golden-Age-Figuren wurden nur gelegentlich ein paar Namen entlehnt: Vision und Human Torch, in den 1970ern dann auch ein paar Nebenfiguren.)
Ein Bronze Age begann in den frühen 1970ern, als die Geschichten ernsthafter und dramatischer wurden. Über das anschließende Dark Age in den frühen 1990ern reden wir am besten nicht. Und jetzt, mit den Filmen, haben wir wieder eine Neu-Erfindung der Helden, mit ähnlichen, aber eben doch frisch angepassten Kräften, Namen, Kostümen und Hintergrundgeschichten.

Berlinfahrt 2014

Letzte Woche war ich in Berlin, politische Bildungsfahrt mit einer 10. Klasse. Mit der Fahrt an sich hatte ich wenig zu tun, es fehlte lediglich eine männliche Begleitperson, und so fuhr ich mit, auch weil die Klasse eine nette Klasse ist. (Dass ich der Meinung bin, dass insgesamt zu viel weggefahren wird, ist ein anderes Thema.) An sich fahre ich nicht sehr gerne weg. Eine Woche ständig unter Menschen, das ist ein bisschen viel für mich.

Aber die Klasse hat sich sehr gut verhalten, und die Kollegin hat die Fahrt sehr gut vorbereitet und durchgeführt. Hier ein Überblick über unser Programm.

Montag

Fahrt mit dem Zug nach Berlin. Ankunft im Hostel (Moabit, zehn Fußminuten vom Bahnhof), dann gleich zum Brandenburger Tor und die Schüler allein Unter den Linden entlang zum Alexanderplatz gehen lassen. Von dort zur East Side Gallery, dann freie Abendgestaltung.

Dienstag

Gleich morgens zum Reichstag, dort eine Führung im Bundestag. Sitzung war leider keine; während der der Sitzungsperiode gibt es alle zwei, drei Wochen eine Woche ohne Sitzungen, während der dann auch Reinigungs- und Wartungsmaßnahmen durchgeführt werden. Aber das weiß man nicht, wenn man – lange vorher – den Termin für die Gruppenführung bucht.

berlin_bundestag

Gelernt: Parlamentsferien sind immer dann, wenn irgendein Bundesland Schulferien hat. Es gibt 41 Stenographen, die – anders als etwa im Europaparlament – nicht mit Stenographiemaschinen schreiben, sondern per Hand, in 10-Minuten-Schichten. (Nicht gesagt wurde uns, dass das, was als Wortlaut der Rede veröffentlicht wird, vorher noch durchgesehen und verbessert wird, also nicht etwa dem echten Wortlaut entspricht.) Mitprotokolliert wird auch das Drumherum, es gibt 8 verschiedene Stufen von Applaus, bis hin zum ¨Tumult¨.
Jeder Besucher sagt: das sieht im Fernsehen größer aus. Die fette Henne, zweieinhalb Tonnen schwer, hängt an nur zwei Seilen. Und die Bundestagsverwaltung sieht sich dezidiert als eigene Institution mit dem Auftrag, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Danach zum Holocaust-Mahnmal. Gerade in einer Gruppe durchzugehen ist interessant: Außen sind die Stelen nicht hoch, man sieht noch die Köpfe der anderen; je weiter man hineingeht, desto mehr verschwinden die anderen, bis man später nur ab und zu zehn Meter vor sich jemanden kurz auftauchen sieht, der in Querrichtung geht und nach zwei Schritten wieder verschwunden ist.

Nach regnerischer Mittagspause ins Mauermuseum am Checkpoint Charlie. Für die Führung hatten wir einen Zeitzeugen erwischt, der die Inhalte – Geschichte des Checkpoint Charlie und der Fluchtmöglichkeiten in den Westen – sehr anschaulich vermitteln konnte. (Selber Deserteur der Nationalen Volksarmee, dann Fluchthelfer im Westen. Zum Schluss hat er noch eine Kopie des Mordauftrags gegen ihn aus den Stasi-Unterlagen verteilt. “Die zur Liquidierung des Objekts beuaftragten GM [Geheime Mitarbeiter] sind äußerst zuverlässig und besitzen die politischen sowie fachlichen Voraussetzungen um den ihnen übertragenen Auftrag durchzuführen.”)

Es folgte in kurzer Abstecher in das Asisi Panorama zum geteilten Berlin. Ein riesiges fotorealistisches Panorama zeigt einen Blick auf die Grenze, den Todesstreifen, Ausschnitte aus Ost- und Westberlin, als stünde man auf einem Baugerüst im Westen und blickte hinüber.

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Im Eingangsbereich konnten Besucher aufschreiben, was für sie Freiheit bedeutet. Unsere Schüler trugen gleich mal den Namen unserer Schule ein, aber ich weiß nicht, ob sie das richtig verstanden haben.

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Dann eine kleine Pause bis zum Abendprogramm: Kabarett in der Distel. Ausgezeichnet! Kabarett, auch politisches Kabarett, ist für mich immer mit Gesang verbunden. Und gesungen wurde reichlich. Dabei war das ganze zugänglich und auch die Schüler mochten das Programm sehr.

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Mittwoch

So voll wie am Dienstag sollte das Programm nicht mehr werden. Morgens ging es in die Dauerausstellung “GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung” im Tränenpalast. Das ist die ehemalige Ausreisehalle am Bahnhof Friedrichstraße, einer Grenzübergangsstelle. Empfehlenswert. Für Schülergruppen gibt es eine Art Quiz in Form eines Notizheftchens mit Aufgaben.

Danach die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Das ist ein Bau, spät im zweiten Weltkrieg errichtet, das danach den Russen als Untersuchungsgefängnis diente, einige Jahre später an die DDR übergeben und später wiederum erweitert wurde. Dort waren vor allem politische Gefangene untergebracht.

Mittagspause, dann Jüdisches Museum Berlin. Unsere Gruppe wurde geteilt, es gab jeweils eine Führung.

Zum Abschluss des Tagesprogramms optional eine Currywurst bei Konnopke am Prenzlauer Berg. Gepriesen als beste Currywurst Berlins. Hm, ja. Für eine Currywurst war das Gericht dann auch tatsächlich gut, aber es war halt immer noch eine Currywurst, und damit eher nicht mein Geschmack. Die Wurst ist immer so langweilig.

Donnerstag

Gleich am Anfang zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, dann den Kufürstendamm entlang spazieren bis zum Museum Story of Berlin: Überblick über Geschichte Berlins. Für die Schüler interessant auch die 1950er und 1960er Jahre. Komische Telefone, eine Jukebox, unverständliche Slogans. (“Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.”)
Optional Kaufhaus des Westens, dann eine lange Mittagspause. Ich war beim Chinesen (kalte Rinderinnereien in Scheiben in scharfer Sauce, danach eine kleine Portion gedämpfte Auberginen mit Hackfleisch). Danach einfach nur in der Sonne gesessen und Pause gemacht.

Nachmittags dann eine Führung der Berliner Unterwelten. Das ist ein Verein, der sich mit der Unterwelt Berlins beschäftigt und dazu verschiedene Führungen anbietet, etwa Tour M: Mauerdurchbrüche. Unteriridische Fluchtmöglichkeiten waren: a) eigene Tunnels, b) das Tunnelsystem der U-Bahn, da die West-U-Bahnen durch Ostberlin fuhren, wo natürlich alle Zugänge, soweit möglich, unbenutzbar gemacht wurden und c) das gemeinsame Kanalisationssystem. Wir liefen zuerst durch die alte U-Bahn-Station, umgebaut zum Luftschutzbunker. Die Leuchtfarbe an der Wand stammt noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Als der Führer das Licht ausknipste und sagte: “Wer von euch eine Taschenlampe dabei hat, der kann ja mal…” konnte er kaum ahnen, dass wir zwei ausgewiesene Taschenlampenträger mit uns führten. (“Ist doch praktisch. Kann man immer mal brauchen.”)

Noch kurz zum Mauerpark, dann war wieder freie Abendgestaltung. Alle wieder früh und müde im Hostel.

Freitag

Heimfahrt.

– Das Programm insgesamt war sehr auf Sozialkunde/DDR zugeschnitten. Kein Pergamonmuseum, kein Naturhistorisches Museum, nichts über Leben in Ostdeutschland heute. Aber es waren nur gut drei Tage, und die waren ohnehin voll.

Mein erstes WordPress-Plugin: Gedichte mit Zeilennummern

Aus Gründen möchte ich gerne auch im Browser Gedichte zum Bearbeiten anbieten. Dazu gehören aber Zeilennummern. Diese Nummern will ich aber nicht von Hand schreiben müssen, dafür gibt es Computer. Zeilennummern sind gar nicht so einfach.

Ich möchte Text einfach aus der Webseite herauskopieren können, um ihn weiterzuverarbeiten; ich möchte ebenso einfach Text in WordPress anlegen können, der dann als zeilennummerierter Text ausgegeben wird. WordPress macht automatisch Zeilenumbrüche, wenn man Enter drückt, und einen neuen Absatz, wenn man eine Leerzeile lässt – das soll erhalten bleiben beim Kopierexport ins Textverarbeitungsprogramm.

  • Möglichkeit 1: Vor jede fünfte Zeile wird eine Nummer geschrieben, vor jede andere Zeile ein paar Leerzeichen, leere Zeilen werden nicht mitgezählt. Das ist dann aber schlecht, wenn jemand das Gedicht herauskopieren und bearbeiten möchte: dann muss man die Leerzeichen und Zeilennummern von Hand entfernen.
  • Möglichkeit 2: Man packt jede Zeile in ein eigenes Listenelement und lässt dieses per CSS hochzählen. Aber das Herauskopieren geht auch dann nicht so einfach: Zumindest bei meinem Browser kann man den Text herauskopieren, hat beim Einfügen ins Textverarbeitungsprogramm aber noch Listenartefakte. Unklar ist mir außerdem, wie ich die Grenzen zwischen Strophen markieren soll.
  • Möglichkeit 3: Eine zweispaltige Tabelle, links die automatisch erzeugten Zeilennummern, rechts der Text. So funktionieren die meisten Syntax-Highlighter-Plugins, und dafür habe ich mich dann auch entschieden. Schwierig ist allerdings, dass ich nicht mit vorformatiertem Text (mit dem pre-Tag) arbeiten möchte, sondern mit normal formatiertem Text, also mit Zeilenumbrüchen (br-Tag) und Absätzen (p-Tag).

Herausgekommen ist mein erstes WordPress-Plugin: line-numbers-for-poems. Es ist bestimmt noch nicht sehr effizient, und nicht mit sehr großen Texten getestet, aber es tut, was es soll:






5


Unter Wasser Bläschen machen

Kinder, ein Rätsel! Hört mich an!
Wer es herausbekommt, kriegt Geld! – Wie kann
Man unter Wasser Bläschen machen?

Das müsst ihr versuchen – unbedingt! -
In der Badewanne. Und wenn es gelingt,
Werdet ihr lachen.

Joachim Ringelnatz

Geschrieben wird das im Wodpress-Backend so:

[poem][title]Unter Wasser Bläschen machen[/title]

Kinder, ein Rätsel! Hört mich an!
Wer es herausbekommt, kriegt Geld! – Wie kann
Man unter Wasser Bläschen machen?

Das müsst ihr versuchen – unbedingt! -
In der Badewanne. Und wenn es gelingt,
Werdet ihr lachen.

[author]Joachim Ringelnatz[/author]
[/poem]

Das Gedicht kann man halbwegs einfach kopieren und ins Textverarbeitungsprogramm einfügen, ohne dass die Zeilennummern mitgehen. Das Design steckt in der begleitenden CSS-Datei zum Plugin, probeweise ist der Titel immer fett und der Autor kursiv.
Ob vor oder nach dem author-Shortcode eine Leerzeile kommt, ist egal, ebenso, ob der title-Shortcode (oder der Text selber) unmittelbar nach dem poem-Shortcode steht oder in der Zeile darunter. Und das war ein hartes Stück Arbeit; was allerdings die Zählung immer noch durcheinanderbringt: wenn der Text mit zwei Zeilenumbrüchen hintereinander anfängt.

Technisches:

Das Plugin funktioniert so, dass es auf einen sogenannten Shortcode im Blogeintrag reagiert und diesen durch etwas anderes ersetzt, auch unter Berücksichtigung des Textes, der sich ursprünglich innerhalb der Shortcode-Grenzen befunden hat.
In meinem Fall wird dieser Text genommen, und a) in die rechte Spalte einer Tabelle geschrieben und b) zeilenweise durchgegangen, ob die Zeile mit einem Zeilenumbruch schließt oder einem Absatzende, damit parallel dazu die entsprechend hochgezählten und ebenso mit einem Zeilenumbruch oder einem Absatzende formatierten Zeilennummern in die linke Spalte geschrieben werden. Die Zeilennummern sollen ja bündig zum Text sein, und Absätze sind gerne mal so formatiert, dass sie mehr Abstand haben als eifnache Zeilenumbrüche.

Das klingt kompliziert, aber eigentlich sind solche Shortcode-Plugins bei WordPress ganz einfach. Hier die offizielle Seite dazu, und hier ein einfaches Tutorial.

Und danke an @texttheater für die Tipps bei Twitter. Wenn ich das Plugin ein paarmal überarbeitet habe, stelle ich es gerne bei WordPress ein. Ich kann PHP nur so radebrechen und kenne mich wenig aus bei WordPress, deshalb gibt es sicher noch einiges bei der Effizienz zu verbessern. Im Moment bin ich erst mal froh, dass das funktioniert.

Babyeinhorn-Rodeo

Die Rechner-Beamer-Kombination in meinem Klassenzimmer funktioniert endlich wieder! Da habe ich gleich mal einen Haufen Clips gezeigt, angefangen mit diesem:

Stilmittelanalyse: Neben den Neologismus beziehungsweise Wortspiel “Zartcore”, das den Schülern zuerst aufgefallen ist, lebt die Werbung vor allem von den Vergleichen. Dabei wird jeweils dieser Keks verglichen mit Rodeoreiten auf Baby-Einhörnen beziehungsweise Stagediving in der Oper. (Im Text ist auch noch von Klippenspringen mit Schwimmflügeln die Rede, das hat es aber nicht in die endgültige Fassung gebracht.)
Die Basis des Vergleichs: Da werden jeweils zwei Dinge in Beziehung gesetzt, die sich augenscheinlich widersprechen, aber doch verwandt sind: Einhörner/Rodeo (Reiten), Stagediving/Oper (Musikveranstaltung) und Klippenspringen/Schwimmflügel (Schwimmen). Oder eben harte Schokolade und weiches Karamell.

Ich habe mal eine schöne Metapher in einem Idee-Kaffee-Werbespot vorgestellt, der ist bei Youtube inzwischen aber nicht mehr anzuschauen. Also gleich immer alles herunterladen, was man für die Schule brauchen könnte; die Frage. ob man das dann zeigen darf, kann man später klären.

Zuvor war es um Goethes Maifest gegangen, und manche Schüler interpretierten das angesprochene Mädchen im Gedicht gleich als personifizierten Frühling selber. Kann man machen, muss man nicht, und macht die Interpretation nicht besser. Manchmal ist eine Mauer einfach eine Mauer und ein Mädchen einfach ein Mädchen. Allerdings kann das Mädchen natürlich zusätzlich für etwas anderes stehen, etwa den Frühling: Dann ist es ein Symbol. So wie hier:

Was da am Schluss hochfliegt, ist einfach eine Taube. Das “ist” nicht die Seele des Sterbenden oder seine gewonnene Freiheit im Tod oder was auch immer – aber sie kann natürlich gerne symbolisch dafür stehen.

(Blade Runner kannten die jungen Leute natürlich nicht; ich hatte vorher kurz die Handlung zusammengefasst.)

Danach Hefteintrag zu Symbolen (“Gegenstände, Orte oder Personen”, “oft gesellschaftlich festgelegt, können aber auch nur für ein Werk oder einen Künstler”) und Sammlung von in unserer Gesellschaft verbreiteten Symbolen, und von Symbolen anderer Kulturen.
Auf die Frage, ob es Symbole gibt, die typisch für einen Autor sind, fielen mir die Bären beim frühen John Irving ein, aber den kennt von den Schülern auch keiner. Deshalb suchten wir dann eher Symbole in Filmen, und das fiel den Schülern sehr leicht. Das hat mich überrascht, ich dachte, die schauen nicht so genau hin. (Kurzer Abstecher zur Filmmusik, aber das ist ein weites Feld.)

Filmische Symbole gibt es viele, etwa das brennende Kaminfeuer für die brennende Leidenschaft (hier als Parodie am Schluss des Ausschnitts) und die Einfahrt des Zugs in den Tunnel bei der Liebesszene (North by Northwest etwa). Ich fange gerade erst an, solche Szenen zu sammeln.

Und zur Metapher “Datenautobahn” muss man sich natürlich die Eurocats (1996) anschauen – wobei das Surfen auf der Datenautobahn schon ein eher wirres Bild ist. Das ist jetzt 18 Jahre her, und noch immer ist das Internet ein “neues” Medium.