Shirley Temple

Dienstag, 18. Juni 2013

Am Wochenende gab es auf einer Party Cocktails, darunter auch einen alkoholfreien: Shirley Temple. Das weckte Erinnerungen. Erinnerungen an Besuche bei der Verwandtschaft in New York, mit Abendessen beim Chinesen (“Just feed us”, winkte der Onkel etwas großspurig der Bedienung statt einer Bestellung) und Treffen in Cocktailbars.

Manhattan_1980

1980, Manhattan

Nach dem touristischen Erkunden von Manhattan für uns, beziehungsweise dem Arbeitstag für Onkel und Tante, trafen sich alle in der einen oder anderen Bar, bevor das Abendprogramm begann. Also: Tageslicht, wenig Publikum, Shrimps in Teighülle und andere warmgehaltene Snacks. Spritzer für die Erwachsenen, für die Kinder alkoholfreie Cocktails. (An Bier und Wein zu nippen war in meiner Kindheit kein Problem, in den USA-Öffentlichkeit natürlich unmöglich, und Cocktails gingen ohnehin nicht.)

Also kriegten mein Bruder und ich einen Shirley Temple Cocktail. Ginger Ale mit Grenadine und einer Cocktailkirsche, eventuell auch zur Hälfte süße Limo statt Ginger Ale.

shirley_temple

Wer Shirley Temple war, das wussten wir damals schon. Ein Kinderstar der 1930er Jahre, Schwarzweißfilme mit Musik und Tanz, liefen alle immer wieder mal im Fernsehen. Damals, so dass meine Familie aus Veteranen des amerikanischen Films der 1930er bis 1940er Jahre besteht. Shirley Temple, Jahrgang 1928, wurde nach ihrer Karriere eine erfolgreiche Politikerin. Life Achievement Award beim Oscar 2006; sie lebt immer noch.


“Animal Crackers In My Soup”

Ich weiß nicht, wie sich die Filme gehalten haben. Vermutlich nicht so gut, aber wer weiß. Einige Tanzszenen sind heute noch sehenswert:


Shirley Temple und vor allem Bill “Bojangles” Robinson (1935), nachkoloriert

Zum Schluss ein Teaser, Screenshot aus den 8mm-Filmaufnahmen meines Vaters aus unseren USA-Besuchen. Vielleicht darf ich die hier mal ganz zeigen.

manhattan_montage

Aus den Super-8-Filmen meines Vaters

5 Kommentare
Schlagwörter: ,
Kategorien: Fundstücke


Aufsicht im Warteraum

Donnerstag, 6. Juni 2013

Gemischtes:

1. Gestern habe ich Aufsicht bei den mündlichen Abiturprüfungen geführt. Also, nicht direkt bei den Prüfungen, da bin ich erst nächste Woche dran, sondern in einem Aufenthaltsraum, wo Schüler so freundlich sind nach ihrer Prüfung eine Weile zu warten, damit die Prüflinge unmittelbar nach ihnen – wenn sie den den gleichen Schwerpunkt gewählt haben – auch das gleiche Thema erhalten können. Während dieser Wartezeit dürfen die Schüler natürlich kein Handy benutzen, aber lesen oder sich unterhalten. Die Sonne schien, es war der erste schöne Tag, die Fenster offen, die Laune ausgezeichnet. Die Schüler haben sich unterhalten (kinderlose Lehrer hören da immer interessiert mit, Einblick in fremde Welten und so), dann ich mich mit ihnen. Sie waren erkennbar zufrieden mit ihrer Prüfung (ich hoffe, zu Recht) und erkennbar stolz darauf, eine Menge zu wissen – den Schwierigkeitsgrad von Fragen einschätzen und kommentieren zu können, Lösungsstrategien mit dem anderen auszutauschen zu können, Fachbegriffe verwenden zu können, die vom Mitschüler verstanden wurden. Ich selber habe kaum etwas verstanden, war eines meiner schwächeren Fächer, aber es war schön, da zuzuhören.

2. Als ein Beispiel von vielen, vielen Interpretationen bei norberto42 hier seine Analyse von Heines Webern. Kann man Schülern der 9. oder 10. Jahrgangsstufe in Bayern zeigen.

3. Maik Riecken erklärt in seinem Blogeintrag, was Bildung für ihn bedeutet, oder eher: das Verhältnis von Struktur und Inhalt. Ich bin nicht ganz einverstanden mit der Verwendung Metapher, aber das habe ich dort kommentiert.

3 Kommentare
Kategorien: Fundstücke


Datenschutz an Schulen: Muss ich die Software meiner Schüler wirklich löschen?

Mittwoch, 5. Juni 2013

Ich muss ja als Lehrer nach Schuljahresende alle personenbezogenen Schülerdaten von meinem Arbeitsrechner löschen. Noten, Kommentare zu Aufsätzen, Gutachten, Punkteverteilung bei Tests und so weiter.

Wie sehr ich dieser dienstlichen Anweisung nachkomme, wird nicht überprüft. Was ich bisher jedenfalls nicht gelöscht habe, war Software, die meine Schüler geschrieben haben – Strategien zum Stein-Schere-Papier-Projekt etwa, oder die Programmierprojekte in der Q11. Im Programmcode stehen dort aber zumindest manchmal auch die Namen der Autoren, eventuell zusammen mit den Lizenzen, unter denen der Code freigegeben ist.

Darf ich die Programme behalten oder muss ich sie löschen? Ausdrucken wäre natürlich die sicherste Möglichkeit; auf Papier gelten andere Regeln für die Aufbewahrung. Oder muss ich einfach nur die Autoreninformation aus den Programmen löschen? Darf ich laut Lizenz nicht immer.

Fürs Veröffentlichen brauche ich natürlich die Erlaubnis der Schüler. Das ist eine andere Frage, die der Nutzungsrechte, hat mit dem Datenschutz nichts zu tun. Strenggenommen gilt da übrigens:

Soweit im Rahmen der Schule von Schülerinnen und Schülern als Ergebnis pflichtmäßiger Schulveranstaltungen oder von Lehrkräften im Rahmen ihres Dienst- oder Arbeitsverhältnisses Werke geschaffen werden, gehen bestimmte Nutzungsrechte an diesen Werken, wie das Ausstellungsrecht innerhalb der Schule oder die Vervielfältigung in dem für Zwecke der Weiterbildung oder der Qualitätssicherung notwendigen Umfang auf die Schule über. Der Rechtsübergang erfolgt in dem Umfang, wie er zur Erfüllung der zu Grunde liegenden schulischen Zwecke erforderlich ist. Die Einstellung solcher Werke auf der Schul-Homepage ist in der Regel zulässig. Bei Werken von Schülerinnen und Schülern wird allerdings empfohlen, eine Veröffentlichung nicht gegen den Willen der Schülerinnen und Schüler bzw. deren Erziehungsberechtigten vorzunehmen. Die Schule ist nach § 13 UrhG verpflichtet, den Urheber zu nennen, wenn dieser dies wünscht. Gegen seinen Willen darf der Urheber nicht genannt werden.

(Quelle)

Noch kein Kommentar
Schlagwörter:
Kategorien: Informatik


Für die Nachbarn, und so

Freitag, 31. Mai 2013

Ich habe eine neue Ukulele, und zwar eine elektrische. Also nicht nur mit Tonabnehmer, dass man sie verstärken kann, sondern nur damit, und ganz ohne Klangkörper. Der Vorteil: Die Ukulele ist unverstärkt so leise, dass ich auch nachts damit üben kann und auch Frau Rau damit weniger auf die Nerven falle.

ukulele
Rocktile Frame Silent Ukulele

An einen Verstärker habe ich sie noch nie angeschlossen, der übliche 6,3mm-Klinkensteckereingang dafür ist natürlich da. Für zwischendurch kann man auch einfach den Kopfhörer vom Handy anstecken (3,5mm) und kriegt den Sound dann dorthin. Rauscht etwas und erfordert eine Batterie, ist aber praktisch für unterwegs.

Der Klang ist so mäßig. Elektrisch oder leise halt; ich vermisse schon den Klang einer richtigen Ukulele. Und die A-Saite (die höchste also), die ich bei meinen Schlagtechniken besonders oft brauche, klingt irgendwie dünner als bei meinen anderen Ukulelen.

Von Anfang an hat mich die Ukulele an etwas erinnert, aber ich kam nicht darauf. Ein großer Flaschenöffner? Ein Schlüssel? Dann wusste ich es: Den Zodiac Key des Superschurken Scorpio, bald danach auch der ganzen Superschurkenkartells Zodiac. Hier einer davon aus Avengers Nr. 72:

ukulele_zodiac ukulele_zodiac_original

7 Kommentare
Schlagwörter: ,
Kategorien: Fundstücke


Informatik als Schulfach?

Donnerstag, 30. Mai 2013

Der Haltungsturner beklagt, dass seine Kinder kein Schulfach Informatik haben. Er hält Smartboards und Tablets und Suchstrategien im Web für wichtig und wünscht sich mehr davon, bemerkt aber, dass das nichts mit Informatikunterricht zu tun hat.

Manche der Kommentatoren dort, wenn ich sie denn recht verstanden habe, sehen eher die Notwendigkeit für eine neue Art Medienerziehung. Dass die jungen Leute mit einem Wiki umgehen können. Sachen suchen können im Web.

Das halte ich alles auch für wichtig. Das sind moderne Arbeitstechniken, die man beherrschen sollte. Dafür ein eigenes Fach “Medienkunde” einzurichten, wie es gelegentlich gefordert wird, halte ich für überflüssig. Diese Techniken müssen – und werden früher oder später auch – Einzug in die anderen Fächer finden, oder eben auch nicht, wenn sie sie als doch nicht so notwendig herausstellen sollten.

– Obwohl: Könnte man nicht ein eigenes Fach “Kompetenzkunde” einführen, in dem all diese Kompetenzen gepackt werden, so dass die anderen Fächer nichts mehr davon hören müssen? Denn darum geht es doch, wenn man Informatik und Medienkunde/Lernen 2.0 gegenüberstellt: Das zweite betrifft Techniken, das erste Wissen in einem klassischen Schulfach.

So ein Schulfach Informatik gibt es nicht in allen Ländern, als Pflichtfach noch viel weniger. In Bayern haben alle Schüler am Gymnasium in der 6. und 7. Jahrgangsstufe Informatik, und im technologischen Zweig verpflichtend in 9 und 10 mit der Option, das in 11 und 12 weiter zu belegen. (An den Realschulen gibt es leider weniger Informatik, weniger als vor den letzten Reformen.)

Würde ich anderen Ländern raten, auch ein Schulfach Informatik einzuführen, das heißt: mehr oder weniger als Pflichtfach? Ja, würde ich. — Man kann natürlich gegen Schulfächer an sich sein. Warum muss jeder so viel Mathe lernen, warum so viel Deutsch, warum muss beides sogar verpflichtend im Abitur geprüft werden, wie es zur Zeit der Fall ist? Warum kann nicht jeder das lernen, was er will? – Das ist ein anderes, auch sehr interessantes Thema. Aber hier geht es erst mal um Schulfächer, das heißt um Pflichtunterricht zumindest für einen Teil der Schüler, je nach gewähltem Zweig.

1. Ist Informatik wichtig genug für die Schule?

Klar. (Kann man je nach Schulart noch differenzieren, wenn man möchte.) Es gibt allgemeinbildende Aspekte der Informatik; kann ich auf Wunsch zusammenstellen aus Hubwieser, Didaktik der Informatik und ähnlichen Büchern. Außerdem hilft sie, sich in der digitalen Welt zurecht zu finden und sie bewerten zu können, und das ist die Welt um uns herum. Nebenbei ist es noch ein kreatives und praktisches Fach, von denen es zu wenige gibt, und der deutschen Wirtschaft kann es auch nicht schaden.

2. Ist Informatik so wichtig, dass dafür andere Fächer – zumindest in manchen Zweigen – zurückstehen müssen?

Das ist schon schwieriger. Bei Einführung des Faches Informatik in Bayern mussten notgedrungen andere Fächer Stunden abgeben. Nicht unbedingt die Fächer, die ich mir ausgesucht hätte. Aber das muss man diskutieren, und da gibt natürlich kein Fach gerne Stunden ab, weil sich jedes Fach für das wichtigste hält und die eigenen Lehrpläne dementsprechend aufgeblasen sind. Selbst Sport rühmt sich explizit der Förderung von Studierfähigkeit und ist nötig für einen verantwortungsvollen Umgamg mit Natur und Umwelt.

3. Kann der Mathelehrer nicht nebenbei ein bisschen Informatik machen?

Nein, wirklich nicht. So war das zu meiner Schulzeit, außerdem noch mit einem ganz anderen Schulinformatikansatz, als er heute verfolgt wird. Aber nein, bitte nicht; nicht wenn es wirklich um Informatik gehen soll.

4. Kann der Informatiklehrer nicht nebenbei ein bisschen was mit Wikis machen?

Damit komme ich zurück zum Wunsch, die Schüler sollten mit dem Web arbeiten lernen. Sollten sie wirklich. Im Informatikunterricht können und sollen Schüler lernen, wie das Internet aufgebaut ist, welche Protokolle es gibt, was Client-Server-Modell heißt. Aber wie man sucht und findet im Web, ein Wiki benutzt, sich in der Weböffentlichkeit verhält, das gehört eigentlich nicht zur Informatik, das gehört in jedes Fach. Informatiklehrer bieten sich lediglich dafür an, weil Schüler im Informatikunterricht zur Zeit noch eher Zugang zu Rechnern haben als in anderen Fächern, und weil Informatiklehrer keine Scheu vor Rechnern haben. Ansonsten sind Informatiklehrer nicht wesentlich netzaffiner als andere Lehrer, glaube ich. Auf Informatik-Fortbildungen treffe ich jedenfalls auf die gleiche Menge Skepsis, was Facebook, Twitter, Blogs, neue Lernmethoden betrifft.
Also: Ja, er kann, aber auch nicht besser als andere.

Exkurs: Wozu programmieren?

Informatik ist mehr als Programmieren, aber Programmieren sollte Teil des Informatikunterrrichts an Schulen sein. Das ist keine so selbstverständliche Forderung, wie es vielleicht klingt. In einer Mailingliste hat der Informatiklehrer Karl-Heinrich Meyberg seine Antworten geteilt auf die Schülerfrage, warum sie Programmieren lernen sollen (“Braucht man das später?”), und mit seiner Erlaubnis veröffentliche ich sie hier:

Nein, das Programmieren braucht ihr später nicht, es sei denn, ihr wollt oder müsst Computer programmieren.
Warum sollte man dann aber das Programmieren lernen?

  1. Man lernt, Problemstellungen zu durchdringen und Lösungen für Probleme zu finden.
  2. Man lernt, dass ein Programm (oder Rezept oder …) nur das macht, was man programmiert hat. Fehler treten unmittelbar (oder manchmal auch nach längerem Testen – wie im alltäglichen Leben) zu Tage und können berichtigt werden.
  3. Man lernt, dass (fast) jede Suche nach Lösungen mit vielen Fehlern verbunden ist.
  4. Man lernt, dass “Fehler-Machen” nicht schlimm ist, sondern wichtiger Bestandteil des Lernens und Forschens ist.
  5. Man lernt, dass es manchmal sinnvoll ist, ein komplexes Problem in immer kleinere Teilprobleme zu zerlegen, die dann relativ einfach gelöst werden können (top-down).
  6. Man lernt aber auch, dass es manchmal sinnvoll ist, vorhandene Grundbausteine zu komplexen Gebilden zusammenzusetzen (bottom-up).
  7. Man lernt, dass es sinnvoll ist, jeden Gedankenschritt zu testen und bei komplexen Denkschritten auch zu dokumentieren.
  8. Man lernt, zur Lösung eines Problems nicht nur einen einzelnen Weg zu suchen, sondern alle (so weit es geht) Wege zu beachten.
  9. Man lernt, wichtige Teilergebnisse in Modulen zusammenzufassen und bei Gelegenheit (wenn es angebracht ist) wieder zu verwerten.
  10. Noch viel mehr kann man beim Programmieren lernen, aber wichtig ist neben dem Lernen auch zu erleben, wie glücklich-stolz-froh-zufrieden-… man sein kann, wenn man trotz aller Schwierigkeiten, die sich einem in den Weg stellen, ein Problem selbst bewältigt hat. Das stärkt das Selbstbewusstsein und macht Mut, auch andere schwierige Probleme (auch außerhalb der Informatik) anzugehen.

Hier die Webseite von Karl-Heinrich Meyberg mit Materialien zu seinem Unterricht.

7 Kommentare
Schlagwörter: ,
Kategorien: Informatik


Der Digi-Comp II

Mittwoch, 22. Mai 2013

Unsere Fachschaft Informatik hat sich – mit Geld vom Elternbeirat – den Digi-Comp II gekauft:

digi-comp

Das ist ein Computer, ganz aus Holz. Also gut: Es ist kein Computer, sondern ein Rechner, der vor allem multiplizieren und addieren kann. Aber das mit dem Holz stimmt. Betrieben wird er mit kleinen Metallmurmeln.

Im Prinzip kann der Digi-Comp Rechnungen vom Typ x * y + z ausführen, also etwa: 5 * 3 + 20 (gibt 35).
Wenn man nur addieren will, rechnet man einfach x * 1 * z, also etwa: 5 * 1 + 20 (gibt 25); wenn man nur multiplizieren will, setzt man z auf 0.

Diese drei Werte x, y und z stellt man am Rechner in den drei Registern ein:

digi-comp_register

Im Moment ist links 1+2+0 eingestellt, also 3.
In der Mitte steht 0+0+0+8, also 8.
Und im rechten Register stehen lauter Nullen, also 0.
Der Rechner ist also bereit, 3*8+0 zu rechnen.

Das rechte Register heißt auch Akkumulator. In dem wird nach und nach hochgezählt, bis am Schluss das richtige Ergebnis dort angezeigt wird. Gerechnet wird nämlich nach folgendem Prinzip:

Aus der Eingabeeinstellung:
 3 * 8 + 0
wird nach vier Kugeldurchgängen:
 2 * 8 + 8
wird nach weiteren vier Kugeldurchgängen:
 1 * 8 + 16
wird nach weiteren vier Kugeldurchgängen:
 0 * 8 + 24
- und dann bleibt der Rechner stehen. Das Ergebnis – 24 – kann man im Akkumulator ablesen.

Das Herzstück der Maschine sind drei Flipflops oben, an denen eine herunterrollende Kugel am Anfang vorbei muss. Je nach deren Einstellung gibt es vier Wege, die die Kugel nehmen kann:

digi-comp_zyklus

  • Im Startzustand nimmt die Kugel den schwarzen Weg; sie verringert dabei das linke Register um 1 und erhöht das Akkumulator-Register um – ja, das hängt vom Schalter M4 ab, der für das vierte Bit (also 0 oder 8) des Multiplikanden steht: der leitet die Kugel entweder zum Ausgang weiter oder lässt sie weiter zum Akkumulator rollen, den sie dann um 8 erhöht (weil sie an der Stelle eingeleitet wird, wo das vierte Bit im Akkumulator steht).
  • Danach haben die Flipflops eine andere Stellung, die nächste Kugel nimmt den rosafarbenen Weg; sie erhöht das Akkumulator-Register um – ja, das hängt vom Schalter M2 ab, der für das zweite Bit (also 0 oder 2) des Multiplikanden steht: der leitet die Kugel entweder zum Ausgang weiter oder lässt sie weiter zum Akkumulator rollen, den sie dann um 2 erhöht (weil sie an der Stelle eingeleitet wird, wo das zweite Bit im Akkumulator steht).
  • Danach haben die Flipflops eine andere Stellung, die nächste Kugel nimmt den blauen Weg; sie erhöht das Akkumulator-Register um 0 oder 4, je nach dem entsprechenden Bit im Multiplikand.
  • Danach haben die Flipflops eine andere Stellung, die nächste Kugel nimmt den grünen Weg; sie erhöht das Akkumulator-Register um 0 oder 1, je nach dem entsprechenden Bit im Multiplikand.
  • Danach haben die Flipflops wieder die Ausgangsstellung. Wenn der Multiplikator, also das linke Register, auf 0 steht, ist die Rechnung beendet und die Kugeln rollen direkt durch nach unten.

Die vier Kugeldurchgänge braucht es deshalb, weil bei jeder Kugel nur ein Bit des Multiplikanden zum entsprechenden Bit des Akkumulators dazugezählt wird, und das Multplikanden-Register ist 4 Bit groß. Erst nach vier Kugeln ist der volle Registerinhalt zum Akkumulator addiert worden.

digi-comp

Division und SUbtraktion sind durch Berechnung des Zweierkomplements möglich, für das es eine Einstellung gibt. Außerdem kann man die Anzahl der durchrollenden Kugeln berechnen lassen (pro Kugel wird der Akkumulator um 1 hochgezählt, die anderen Register spielen keine Rolle). Sehr spannend ist auch einfach nur das binäre Hochzählen, wie der Übertrag da mechansich gelöst ist. Ein schönes Spielzeug.

Mehr über den Digi-Comp II steht hier. Angefangen hat er als Lernmittel aus den 1960er Jahren, seit einem halben Jahr gibt es einen etwas modernisierten Nachbau davon – leider ist es recht umständlich und teuer, sich den aus den USA zu besorgen.

Beispielrechnung 3 x 11:

4 Kommentare
Schlagwörter: ,
Kategorien: Informatik


Wie viel Programmieren muss ich für die Oberstufe können?

Montag, 20. Mai 2013

Eigentlich geht es in der Informatik gar nicht so ums Programmieren. Auch in der Schule nicht. Aber wenn man nicht programmieren kann, macht einem die Oberstufe keinen Spaß – ob man eine Algorithmus verstanden hat, zeigt sich oft erst beim Programmieren, und wenn man die Konzepte, die man so lernt, ausprobieren möchte, kommt man am Programmieren nicht vorbei. Die Programmierung ist die größte Quelle für Frustration im Informatikunterricht der Oberstufe. Deshalb habe ich hier zusammengestellt, was ein Zehntklässler programmieren können muss, um sich in der Oberstufe wohl fühlen zu können. So viel ist es gar nicht, Felder habe ich sogar ausgelassen.

1. Klassendiagramme in eine Programmiersprache umsetzen können.

Setze folgendes Klassendiagramm in zwei Klassen in einer Programmiersprache um. Achte dabei darauf, die im Diagramm verlangten Konstruktoren zu formulieren. In ihnen werden jeweils die Attributwerte auf die übergebenen Werte gesetzt. – Ein neues Raumschiff soll dabei standardmäßig und automatisch ein Crewmitglied namens “Floyd” mit Geschicklichkeit 12 haben.

programmierung_raumschiff

2. Struktogramme lesen und in eine Programmiersprache umsetzen können.

Ergänze bei der Klasse Raumschiff die Methode

void geschwindigkeitAendern(int geschwindigkeitNeu)

nach folgendem Struktogramm:

programmierung_geschwindigkeitAendern

3. Pseudocode lesen und in Programmiersprache umsetzen können; Zählschleifen.

Setze folgenden Pseudocode in eine Java-Methode um. Achte dabei auf die Einrückungen, sie geben an, wann eine Zählschleife oder Bedingung zu Ende ist. Die Methode testet für jede ganze Zahl >1, ob es eine kleinere Zahl (mindestens 2) gibt, durch die man sie restlos teilen kann. Wenn ja, handelt es sich bei der ursprünglichen Zahl um keine Primzahl; wenn keine solche Zahl gefunden wird, dann schon.

boolean istPrimzahl(int a):
  wenn a kleiner als 2 ist:
      gib false zurück
  zähle die Variable i von 2 bis einschließlich a-1 hinauf:
      wenn a%i gleich 0 ist:
            gib false zurück
  gib true zurück
14 Kommentare
Schlagwörter:
Kategorien: Informatik