P-Seminar aus St. Ottilien

Kurt Zobrist von der Sprechstunde schreibt über ein P-Seminar des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums in St. Ottilien, in dem Werbefilme für die Schule produziert wurden. Zwei der drei Filme sind bei Yotube zugänglich:

Lichtblicke, Platz 1:

und

No more Shades of Grey, Platz 2:

Würde mir für meine Schule auch gefallen, so ein Film. Wir hatten mal eine Weile lang eine Film-AG, aber die war nicht zu so etwas zu bewegen. Ich habe mir dann auch gleich mal die Wikipedia-Seite zum Rhabanus-Maurus-Gymnasium angeschaut. Bei dem Satz

schloss bei den Jahrgangsstufentests des bayerischen Kultusministeriums sowie des Bundeswettbewerbs Mathematik wiederholt als eines der besten Gymnasien in Bayern ab.[1][2][3][4]

hätte zwar “[1]” genügt, weil die restlichen Quellen ins Leere laufen, aber trotzdem: wer kann, der kann.

(Meine Schule hat natürlich auch eine Seite bei Wikipedia. Wäre schön, wenn die spannender wäre, aber mir fällt nichts dazu ein.)

Moodle und Facebook, wieder mal

Ich arbeite ja brav mit Moodle in meinen Kursen – hauptsächlich allerdings als Dateiablage. Kommuniziert wird nicht darüber – aber natürlich haben die Schüler eine Facebookgruppe dazu und tauschen sich da aus, ganz so, wie wir das eigentlich wollen. Vermute ich. Denn das läuft natürlich ohne den Lehrer ab. Hoffentlich dürfen wenigstens alle Schüler mitspielen.

Man kann das auch so sehen: Wir erziehen die Jugend zu Selbstständigkeit, indem wir ihnen nur so umständliche Werkzeuge anbieten. Ich käme mir jedenfalls sehr albern vor, wenn ich darum bäte, doch bitte Moodle zu benutzen, damit ich auch mitreden kann.

Nachtrag: Ich habe nachgefragt, es gibt eine gemeinsame Facebook-Gruppe für alle Schüler der Q11, für einzelne Kurse gibt es eher keine.

Computerfähigkeiten der deutschen Jugend, wieder einmal

Letzten Donnerstag wurden die Ergebnisse der ICILS-Studie zum Umgang mit digitalen Medien veröffentlicht. Das Kürzel steht für “International Computer and Information Literacy Study”. Getestet wurden Achtklässler, Deutschland liegt international und innerhalb von Europa im Mittelfeld.

Getestet wurde in der Studie vor allem, wie gut die Schüler mit dem Computer umgehen können, wenn es darum geht, im Web (“Internet”) Informationen zu suchen, zu bewertenund zu benutzen. Es geht also nicht um Informatik und nicht um Programmierung. Hier die offizielle Seite der Studie. Aus den dort angebotenen pdfs stattmt auch dieser Überblick über die angesprochenen Kompetenzen:

icils_kompetenzen

Durchführung der Studie: Am Computer. 15 Minuten Einführung in die Laptops und die Testumgebung, dann 2 von 4 verschiedenen Testeinheiten zu je 30 Minuten. Dazu gehörten Aufgaben mit Multiple Choice etc.; Aufgaben zum Umgang mit Software (Laden, Speichern); und sogenannte Autorenaufgaben:

Bei der Bearbeitung von Aufgaben diesen Aufgabentyps sollen die Schülerin nen und Schüler Informationsprodukte (z.B. Präsentationen) unter der Verwendung von computerbasierten Software-Anwendungen erstellen oder Informationsprodukte nach gegebener Aufgabenstellung verändern. Um den Realitätsbezug dieser Aufgaben zu gewährleisten, ist im Rahmen der Aufgaben bearbeitung teilweise die gleichzeitige Nutzung verschiedener Programme notwendig (z.B. E-Mail-Programme, Internetbrowser, Textverarbeitungsprogramme oder Präsentationssoftware).

Die Beschreibung der Kompetenzstufen:

  • Kompetenzstufe I: Die unterste Kompetenzstufe umfasst rudimentäre rezeptive Fertigkeiten und sehr einfache Anwendungskompetenzen, wie das Anklicken eines Links oder einer E-Mail. International befinden sich 17.0 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf dieser untersten Kompetenzstufe. In Deutschland liegt der Anteil bei 7.4 Prozent.
  • Kompetenzstufe II: Die Kompetenzstufe II beinhaltet den kompetenten Umgang mit basalen Wissensbeständen sowie sehr einfache Fertigkeiten im Umgang mit Informationen, z.B. eine einfache Bearbeitung von Dokumenten (z.B. das Ausschneiden, Kopieren und Einfügen von Textteilen). International befinden sich 22.7 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf der Kompetenzstufe II. In Deutschland liegt der Anteil bei 21.8 Prozent.
  • Kompetenzstufe III: Schülerinnen und Schüler, die die Kompetenzstufe III erreichen, können angeleitet, also mit Hilfestellungen, Informationen ermitteln, diese bearbeiten sowie einfache Informationsprodukte (wie z.B. einfache Textdokumente) erstellen. International befinden sich 37.6 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf dieser Kompetenzstufe. In Deutschland liegt der Anteil bei 45.3 Prozent.
  • Kompetenzstufe IV: Die Kompetenzstufe IV umfasst das eigenständige Ermitteln und Organisieren von Informationen und das selbstständige Erzeugen von elaborierten Dokumenten und Informationsprodukten. International lassen sich 20.7 Prozent der Schülerinnen und Schüler der vierten Kompetenzstufe zuordnen. In Deutschland liegt der Anteil bei 24.0 Prozent.
  • Kompetenzstufe V: Die oberste Kompetenzstufe beschreibt schließlich sehr elaborierte computer- und informationsbezogene Kompetenzen, zu denen das sichere Bewerten und Organisieren selbstständig ermittelter Informationen sowie das Erzeugen von inhaltlich und formal anspruchsvollen Informationsprodukten gehört. International erreichen 2.0 Prozent der Schülerinnen und Schüler diese höchste
    Kompetenzstufe. In Deutschland liegt der Anteil bei 1.5 Prozent.

Klingt gar nicht so dramatisch, ehrlich gesagt. Mittelfeld halt. In der kurzen Presse-Pdf (die große Fassung mit 328 Seiten war mir zu lang) wird exemplarische eine Aufgabe vom Schiwerigkeitsgrad III gezeigt: Im Prinzip muss man einer Mail, die man gekriegt hat, eine Web-Adresse entnehmen, die nicht als anklickbare URL vorliegt, und in den Browser kopieren oder eintippen und dann zu der Seite gehen. Kriegen 50% der Achtklässler hin.

Ergebnisse, Ausschnitt:

  • Mädchen schneiden weltweit besser ab als Jungen.
  • Von allein lernen digital natives auch nicht den Umgang mit dem Computer, weshalb man den Begriff jetzt endlich mal beerdigen sollte.
  • In Deutschland gibt es ein viel zu kleines Feld von Jugendlichen, das Kompetenzstufe V erreicht (1,5%), und zu viele (7,4% bzw. 21,8%), die nur auf I oder II kommen.
  • Benachteiligt sind: Jugendliche aus unteren und mittleren sozialen Lagen; Schüler, die nicht aufs Gymnasium gehen (sondern auf andere Schularten, Gesamtschulen eingeschlossen)
  • Schulen sind nicht gut mit moderner Technik ausgestattet; Lehrer nicht gut genug geschult – und außerdem sehr skeptisch. Computer werden wenig in der Schule eingesetzt, abgesehen vom Fach Informatik.

Und, braucht man das mit dem Computer überhaupt? In einem Zeit-Interview mit einer der Verantwortlichen für die Studie fragt die Zeit dann auch:

ZEIT ONLINE: Ist denn überhaupt bewiesen, dass Schüler mit dem Computer tatsächlich mehr lernen als ohne?
Eickelmann: Da ist die Forschung der vergangenen 20 Jahre recht widersprüchlich. Mal zeigen Studien Lernvorteile durch digitale Medien, mal nicht.

Allerdings geht es nicht nur um Lernvorteile (für andere Fächer), sondern darum, dass man mit dem Computer umgehen können muss. Von den 30% der Schüler auf Stufe I und II sagen die Verantwortlichen für die Studie:

Diese Schülergruppe wird es voraussichtlich schwer haben, erfolgreich am privaten, berufl ichen sowie gesellschaftlichen Leben des 21. Jahrhunderts teilzuhaben.



Etwas Wichtiges fehlt bei dieser Studie, nämlich die Unterscheidung hinsichtlich Bundesländern und Lehrplänen beziehungsweise Fächern. Man sollte doch meinen, dass das Fach Informatik oder Informationstechnologie in der Schule einen Unterschied macht. Oder ist es am Ende gar kontraproduktiv, wie die Nutzung in anderen Fächern anzudeuten scheint?

In Bayern gibt es am Gymnasium für jeden Schüler Informatik in der 6. und 7. Jahrgangsstufe; an der Realschule gibt es Pflichtmodule in Informationstechnologie. Dazu gehören jeweils Textverarbeitung und Präsentationssoftware, Aufbau des Web, Suchen darin, und Erstellen vernetzter Dokumente.
An der Realschule gibt es ja nach Zweig weitere Wahlmodule; am Gymnasium gibt es – aber nur im naturwissenschaftlich-technologischen Zweig – Informatik verpflichtend in der 9. und 10. Jahrgangsstufe, optional bis zum Abitur.

Am letzten Elternsprechabend beklagte eine Schülermutter, dass die Schüler des sprachlichen Zweigs benachteiligt seien – von denen forderte man auch den Umgang mit Moodle, und die hätten doch keine Informatik nach der 7. Klasse mehr gehabt. Ob es da nicht doch eine Möglichkeit gebe.

Stellt sich heraus: Es gibt. In der Kursphase der Oberstufe, also den letzten beiden Jahren vor dem Abitur, können Schulen einen Kurs “Angewandte Informatik” anbieten, zumindest in der 11. Jahrgangsstufe, mit Lehrplan und Klausuren. Der Lehrplan entspricht so ziemlich dem der 9. Jahrgangsstufe am naturwissenschaftlich-technologischen Zweig, deshalb dürfen dessen Schüler den Kurs auch nicht belegen.
Außerdem können Schulen einen Kurs “Informationstechnologie” anbieten. Darüber habe ich bisher gar nichts gefunden, habe aber schon mal nachgefragt. Irgendwann, wenn es genug Informatiklehrer gibt, kann man sich ja vielleicht auch daran machen.

Nachtrag: “Informationstechnologie” ist ein Kurs ohne Lehrplan; vor Kursbeginn wird der Schulleitung eine Lehrplanskizze vorlegt mit Informationen über die Ziele, den Lehrstoff, seine Verteilung über die Ausbildungsabschnitte, die vorgesehenen Hilfsmittel und die Leistungskontrollen. Das kann die Schulleitung dann genehmigen. – Ich fürchte nur, dass an den meisten Schulen gerade mal ein regulärer Informatikkurs stattfinden kann; aus der meist kleinen Anzahl von Schülern aus dem sprachlichem Zweig werden sich wohl nicht genug Interessierte finden.

Frauenanteil in der Informatik

Vor drei Wochen machte dieser Radiobeitrag von NPR die Runde, When Women Stopped Coding. Kern des Beitrags ist diese Grafik, die den Frauenanteil in medizinischen, juristischen, naturwissenschaftlichen Studiengängen im Verlauf der Jahre darstellt:

informatik_frauenanteil_usa

Man fragt sich: Was ist Anfang der 1980er Jahre passiert, dass der Anteil der Frauen – anders als in den anderen Studiengängen – plötzlich wieder gesunken ist? Die Antwort, die der Radiobeitrag gibt, lautet: Heimcomputer. Vorher waren Rechner eine Sache für Firmen; mit dem Aufkommen der Heimcomputer wurden sie zu etwas, das man zu Hause haben konnte – genauer gesagt: zu einem Spielzeug für Jungs. Und damit waren die Mädchen draußen. Als Beispiele dafür, dass das Spielzeug als Jungs-Spielzeug beworben wird, werden ein paar Werbespots zitiert; ich habe bei Youtube gesucht, welche davon zu finden sind, und kann diese zwei hier anbieten:

(Andere Spots aus der Zeit, die nicht so sehr zur Theorie passen, unterschlage ich hier mal.)

Tatsache ist, dass der Frauenanteil in der IT gering ist. Das gilt für IT-Berufe in Deutschland:

informatik_frauenanteil_berufe

2011 und 2012 lag der Anteil der Frauen, die in IT-Berufe einsteigen, bei 7,5%. Für Studiengänge sieht das ähnlich aus – der Frauenanteil ist allerdings im Steigen begriffen und liegt bei gut 22%, also dem höchsten Wert seit 1977.

informatik_frauenanteil_erstsemester

(Quelle für beide Grafiken)

Für den Anteil an Frauen, die in der Oberstufe am bayerischen Gymnasium Informatik wählen, habe ich leider keine Zahlen; in den Kursen der letzten Jahre waren es zwischen 15% und 25%.


Bleiben für mich drei Fragen:

  1. Warum ist der Frauenanteil – in der Schule, im Beruf – so gering?
  2. Ist das ein Zustand, den zu ändern sich die Gesellschaft bemühen sollte?
  3. Wenn ja, was kann man da machen?

Gute Antworten habe ich auf keine der Fragen. Zumindest will ich aber ein Argument entkräften, dem man gelegentlich begegnet: “Vielleicht wollen die Frauen einfach nichts mit Computern zu tun haben. Es soll doch jeder machen können, was er will, und zu nichts gezwungen werden.”

Klar soll jeder einzelne frei entscheiden können. Aber die Entscheidungen des einzelnen kommen ja nicht aus der Luft, sondern haben eine Vorgeschichte, und die Entscheidungen einer großen Gruppe von Menschen lassen sich an anderen Faktoren festmachen. Ich stelle mir ein gesellschaftliches System wie ein kompliziertes SimCity vor, eine Simulation einer Stadt, mit vielen Knöpfen und Drehreglern:

informatik_frauenanteil_sim

Links unten ist der Frauenanteil in der IT-Branche angegeben. Egal wie groß der ist, er hängt von den Einstellungen der verschiedenen Drehregler ab. Und ja, natürlich basiert der Anteil auf der Menge vieler freier Einzelentscheidungen. Und doch: Wenn man an den Regler im Spiel dreht, ändern sich viele andere Einstellungen, unter anderem auch der Frauenanteil in der IT. Es gibt keinen naturgegebenen Frauenanteil. “Lasst doch die Frauen und Männer machen, was sie wollen” stimmt schon, beantwortet aber nicht die Frage, ob die aktuellen Reglereinstellungen optimal sind oder nicht.

Zugegeben: Nicht alles lässt sich gesellschaftlich regeln. Es gibt Konstanten, die sich nicht ändern lassen. Das ist dann das Biologische. Aber das spielt wohl eine geringe Rolle gegenüber gesellschaftlichen Faktoren – ich kann mir keinen plötzlich eintretenden biologischen Faktor vorstellen, der Anfang der 1980er Jahre dazu geführt haben könnte, dass Frauen nicht mehr IT studieren.

(Ein weiteres Argument von sehr begrenztem Wert ist die Frage, ob es denn nichts Wichtigeres gebe. Gibt es, klar, aber das ist irrelevant.)

1. Warum ist der Frauenanteil – in der Schule, im Beruf – so gering?

Die kurze Antwort: Weil so wenige Frauen in die IT wollen. Die lange Antwort würde erklären, warum so wenige wollen. Das liegt ja an den Systemeinstellungen, wie in meinem SimCity-Beispiel. Und da habe ich allenfalls nur Vermutungen. Mit der Schule hat das ein bisschen was zu tun, aber das meiste dürften außerschulische Faktoren sein: Fehlende Vorbilder, traditionelle Rollenmodelle, Software von Männern für Männer.

2. Ist das ein Zustand, den zu ändern sich die Gesellschaft bemühen sollte?

Ja. Wenn Informatik allgemeinbildend ist und ihre Inhalte allgegenwärtig sind, und das behaupte ich mal, dann sollte man nicht einen Großteil der Bevölkerung davon ausschließen beziehungsweise sich ausschließen lassen.
Vorteile für die Welt der Softwareentwicklung: Ob gemischte Teams produktiver sind oder ob Frauen mehr Sozialkompetenz in die Firmen bringen, weiß ich nicht, da bin ich skeptisch. Grundsätzlich ist Vielfalt aber vermutlich ein Vorteil, weil sie neue Gesichtspunkte einbringt, wie auch immer die genau aussehen.
Zu Gamergate sag ich jetzt mal nichts, weil ich das nur am Rande mitkriege und ich nicht weiß, wie da szu meinem Thema passt.

3. Wenn ja, was kann man da machen?

Im Informatikunterricht nicht viel. Ein Pflichtfach Informatik einführen, wie es Bayern ja schon teilweise gemacht hat. Geeignete Themen wählen, auch wenn das nicht heißt, dass Mädchen keine Fußballfelder zeichnen sollen, sondern Puppenstuben… sagen wir: man sollte sich als Informatiklehrer essen bewusst sein, dass die Mädchen gefördert werden müssen. Wie man das macht, hängt vom Einzelfall ab. Ich bin ja schon froh, wenn die Prämisse, dass man die Mädchen nicht ausschließen soll, akzeptiert wird.

Bleibt die Frage, was das optimale Ergebnis ist. Wenn jeder Mensch sich frei für das entscheiden kann, was er will, klar – aber ganz frei sind diese Entscheidungen ja nicht. Müssen es 50% Frauen in der Informatik sein? Was tun eigentlich die Sprachen mit eine deutlich höheren Frauenanteil, müssen die sich anstrengen, Männer anzuwerben??

Ältere Blogeinträge dazu:

Den ganzen Tag inner Schule und doch kaum Unterricht

Doppelstunde Informatik, Oberstufe: Kein neuer Stoff, aber Hausaufgabe war es gewesen, alleine die restlichen Teilaufgaben des Projekts zu programmieren, die im Buch grob beschrieben sind und auf den bisherigen Teilaufgaben aufbauen. Maximal eine Dreiviertelstunde. Ein paar hatten alle Methoden, einige ein paar, andere sind gar nicht weit gekommen. In der Doppelstunde konnten dann alle aufholen; wer fertig war, lief ähnlich wie ich selber herum und wartete darauf, dass jemand Hilfe brauchte. (Oder begann gleich mit der nächsten Aufgabe.)

Zum ersten Mal arbeite ich halbwegs konsequent mit Testmethoden, wie es sie in der profesionellen Softwareentwicklung häufig gibt.
Die Schüler sollen Methoden einer Liste programmieren, also etwas vorne oder hinten oder sortiert einfügen oder aus der Liste entfernen. Dazu habe ich vorher Testmethoden angelegt; die Programmierumgebung BlueJ bringt das gleich mit. Die Testmethoden spielen möglichst viele Fälle durch, auch die Sonderfälle, und innerhalb der Methoden ist das zu erwartende Ergebnis notiert. Im Idealfall schreibt man sogar zuerst diese Testmethoden und beginnt dann erst das eigentliche Programmieren. Jedenfalls kann man am Schluss die eigene Liste mit den selbst geschriebenen Methoden durch die 18 einzelnen Tests jagen und kriegt eine Rückmeldung darüber, welche Tests bestanden sind:

bluej_liste_test
(Alle Tests bestanden.)

Danach Besprechung mit dem Referendar, den ich betreue, Schulaufgaben und Exen anschauen.

Danach Besprechung mit den Oberstufen-Deutschkollegen wegen der jahrgangsgemeinsamen Klausur nächste Woche – Erwartungshorizont anlegen, die Texte durchgehen. Die Zusammenarbeit lohnt sich; auch die Lehrer der 10. Jahrgangsstufe haben letztes Jahr eng zusammengearbeitet, so dass jetzt fast alle Elftklässler auf einem einheitlichen Stand sind. Da sind die Kurse ja bunt zusammengewürfelt.

Danach Besprechung in der Personalratssitzung. Fühlte mich an meine WG-Erfahrungen erinnert, ich sag nur: Küchenreinigung.

Nach der sechsten Stunde dann Mebis/Moodle-Fortbildung für Kollegen.

Richard Matheson, I Am Legend

Von Fredric Brown stammt diese berühmte Kürzestgeschichte:

The last man on Earth sat alone in a room. There was a knock on the door…

(Wikipedia hat mehr dazu, auch zu Browns Vorlage. Die Zeilen sind nur der Auftakt einer sich anschließenden Kurzgeschichte, die aber weit weniger bekannt ist als eben dieser Anfang. Hier eine Idee für den kreativen Umgang damit im Englischunterricht.)

Ich kann nicht anders, als diese Kürzestgeschichte als Stammvater von Richard Mathesons I Am Legend zu betrachten. Das Buch kenne ich als Horror- und SF-Klassiker, 1954 erschienen, mehrfach verfilmt, aber ich hatte es nie gelesen – ich glaube, als junger Teenager stellte ich es mir zu gruslig vor, vor allem die Charlton-Heston-Verfilmung. Die Postapokalypse ging uns in den 80ern noch richtig nahe.

Der Ausgangspunkt: Robert Neville ist – jedenfalls soweit er weiß – der letzte Mensch auf der Erde. Tagsüber pflegt er seinen Generator, organisiert Benzin und Lebensmittel, repariert sein zu einer kleinen Festung ausgebautes Haus und sucht seine Umgebung ab. Nachts kauert er verbarrikadiert im Haus und hört den Vampiren zu, die draußen auf ihn warten, an die Türen klopfen, ihn zum Herauskommen verleiten wollen, um das Blut des letzten Menschen auf der Erde zu trinken. Das ist der zweite Stammvater der Geschichte: Der Vampirgedanke zu Ende gedacht – was machen die Vampire, wenn sie alle Menschen gebissen haben und keiner mehr da ist?

Neville nennt die Wesen da draußen Vampire. Sie fürchten Knoblauch und Kruzifix, ruhen tagsüber bewegungslos im Dunkel und sterben im Licht, können durch normale Schusswaffen nicht aufgehalten werden und zerfallen nach einem Holzblock durch das Herz. Klassische Vampire in vieler Hinsicht.
Allerdings stellt Matheson eine naturwissenschaftliche, diesseitige Erklärung für den Vampirismus zur Verfügung. Ein Bakterium ist es, dass Menschen zu Vampiren werden lässt; wenige Jahre vor Beginn der Handlung hat diese Seuche nach und nach die ganze Welt ergriffen. Neville versucht das zu erforschen, nicht völlig systematisch, und ohne viel wissenschaftliches Vorwissen, aber er hat ja Zeit und Bibliotheken. Das mit dem Kruzifix, schließt er, ist Aberglaube – christliche Vampire bilden sich nur ein, dass Ihnen das etwas ausmacht. Das mit dem Schlaf und dem Licht und der teilweisen Unverwundbarkeit liegt an den Folgen des Bakteriums, dass sich Vampire im Spiegel nicht sehen an hystersicher (eingebildeter) Blindheit. Für den Knoblauch findet Neville, wenn ich mich richtig erinnere, keine Erklärung; synthetisches Knoblauchöl hat jedenfalls keine Wirkung. Einige der Erklärungen sind überzeugender als andere, aber Neville ist ja auch kein Spezialist, und Matheson hütet sich, ein erzählerisches Machtwort zu sprechen und mehr zu erklären, als sich Neville zusammenreimt.

Ich fand das Buch ausgezeichnet. Es ist kurz, die Situation klaustrophobisch und bedrückend, man leidet unter der Ungewissheit ebenso wie die Hauptperson. Revolutionär, möchte ich sagen, ist der konsequent naturwissenschaftliche Erklärungsansatz – und revolutionär auch das, was letztlich daraus wurde: Die Vampire aus I Am Legend sind der Grundstein für die modernen Zombies. Es ist schon fast alles da, was später Geschichten dann weiter entwickeln: Intelligente Zombies; schlurfende, geistlose Zombies; die epidemische Verbreitung mit einem mikroskopischen biologischen Erreger; die Apokalypse; das Gegenüberstehen einer kleinen Gruppe von Menschen gegen eine größere Armee von Untoten; überraschende Wendungen.
Zombie-Geschichten gab es vorher auch schon, etwa die Filme White Zombie (1932) und I Walked with a Zombie (1943). Aber da waren Zombies noch einzelne, aus dem Grab auferstandene Tote, gesteuert durch Voodoo-Magie in der Karibik, die weder menschliche Opfer suchen (wie Vampire) noch ansteckend sind (wie Vampire). Den modernen Zombie gibt es erst nach Matheson, behaupte ich mal; die Liste der Zombie-Filme bei Wikipedia ist umfangreich, aber der moderne Zombie-Film beginnt erst Ende der 1960er Jahre – ob tatsächlich erst mit “Night of the Living Dead”, das müsste mal ein Schüler im W-Seminar untersuchen.

(Besonders gut am Buch: Einige Punkte, die ich hier ausgelassen habe. Weniger gut am Buch: Mathesons Angewohnheit, Neville ständig irgendwelchen Whisky veschütten zu lassen. Ein- oder zweimal reichen. Auch Nevilles sexuelle Frustration hätte sich nach einigen Jahren des Zölibats langsam legen können.)

Der Guardian brachte vor zwei Wochen eine Liste der Top 10 vampire books, viele der üblichen Verdächtigen sind dabei, aber I Am Legend fehlt. Das gehört aber unbedingt auf eine solche Liste.

KW 45

Aus der Schule nicht viel Neues. Aber Spaß macht es schon – ich habe drei Klassen in der Q11 dieses Jahr, Informatik und Deutsch. Am Elternsprechabend werden nicht viele Eltern bei mir auftauchen, vermute ich mal. Leider hatte ich dann keine Zeit, am Freitag eine Ex (in Bayern: unangekündigte schriftliche Prüfung) für Informatik vorzubereiten. Ich hatte in der Stunde zuvor nämlich den Eindruck, dass die Schüler den Stoff, ein sehr zentrales Kapitel, gut verstanden hatten. Das bildet man sich als Lehrer aber schnell ein, deswegen lohnt sich gerade dann eine Überprüfung. Aber, wie gesagt, keine Zeit.

Auch an der Uni läuft das Semster gut. Die zweite Runde Vorlesung Fachdidaktik macht schon sehr viel weniger Arbeit als beim ersten Mal. Man beginnt erst mal damit, das Datum auf der Masterfolie auszuwechseln… nein, ich stelle schon auch die Reihenfolge um, lass manches weg, ergänze neuen Kram, und habe mir vor allem mehr Zeits fürs Wiederholen vorgenommen. Vorlesung und Übung in einem, sozusagen. So einen richtigen Vortrag halte ich ohnehin nicht durch, dafür bin ich auch nicht gut genug.
Aber schon erstaunlich: In der Schule fange ich eigentlich jedes Jahr von vorne an, ohne zu wissen, was als Lektüre drankommen wird, ohne feste Reihenfolge. Bei Deutsch (bis zur Oberstufe) und auch Informatik (in der 10. Jahrgangsstufe) gibt es keine Reihenfolge, die durch den Stoff vorgegeben ist. Vielleicht sollte ich das in der Schule auch mehr durchorganisieren.

In der FAZ steht etwas zu Das Gymnasium – Ruine einer Utopie? Das meiste kann ich unterschreiben. Ob das allerdings schlecht ist, dass das Abitur immer leichter und immer besser benotet wird, das weiß ich nicht.

Bei Frau Streng ist der LehrplanPlus angekommen, aber sie schreibt vorerst nichts dazu. Klingt aber nicht enthusiasmiert. In einer Pressemitteilung zur “Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums” werden die “vier Säulen” vorgestellt, auf denen es fußt:

  1. Es gibt “neue pädagogische Spielräume” – man kann jetzt in Doppelstunden unterrichten, oder auch nur halbjahresweise (und dann halt doppelt so viel Stunden im Halbjahr). Doppelstunden gelten gerade als Allheilmittel, ich bin selber auch dafür, aber sowohl das mit den Doppelstunden als auch das mit dem Epochenunterricht ist seit vielen, vielen Jahren möglich.
  2. Der Lehrplan PLUS kommt. “Auf kleinteiliges, detailliertes Abfragewissen wird dabei verzichtet; Ziel ist vielmehr der Erwerb eines intelligenten, anschlussfähigen Wissens, das der Einzelne selbstständig erweitern kann.” Auch das überzeugt mich sehr wenig. In meinen Fächern – Deutsch, Englisch, Informatik – ging es noch nie um kleinteiliges, detailliertes Abfragewissen. (Außer bei Vokabeln im Englischunterricht. Aber die will man uns doch nicht auch noch nehmen?) Es geht immer schon darum, dass Schüler Texte verstehen und erstellen können, und dass sie modellieren und programmieren und strukturieren können. Siehe FAZ oben: das Zauberwort von der “Entschlackung der Lehrpläne” ist Unfug.
    Allerdings: so richtig zufrieden bin ich mit den Fähigkeiten zum Umganbg mit Texten nicht. Im letzten Kontaktbrief Deutsch (aus dem ISB, sozusagen dem pädagogischen Arm des Ministeriums; Link zur Zeit nicht möglich, da Server nicht läuft) steht auch, dass Schüler mehr schreiben sollen. Das sehe ich auch so, aber das muss dann halt auch jemand lesen.
  3. “Lehrerbildung.” Keine Ahnung, was damit gemeint ist. Steht auch nicht wirklich was dazu in der Pressemitteilung. Gibt es da nicht irgendwelche Pressemappen, die an Lehrer- oder Bildungsblogger gehen?
  4. Mittelstufe Plus: Nachdem beim Flexijahr kaum Schüler mitmachen, sollen Schulen jetzt – parallel zu regulären Klassen – weitere Klassen einrichten können, in denen die Mittelstufe in 4 statt in 3 Jahren durchlaufen wird. Bedarf für ein zusätzliches Jahr haben laut Schulministerium “etwa ein Viertel der Schülerinnen und Schüler”, mögliche Gründe dafür sind: “z. B. auch wegen eines Auslandsaufenthalts, inner- oder außerschulischen Engagements, musischer oder künstlerischer Betätigung”. Andere Gründe werden keine genannt. Die Realität dürfte anders aussehen.

Ansonsten am Freitag erstes Treffen der Pilot-Medienscouts an unserer Schule.

Nachtrag: Frau Streng ergänzt, welche Unterschiede der neue Lehrplan PLUS für die bayerischen Grundschulen macht. (Spoiler: Wenig.)