Im Kino gewesen: Black Panther (2018)

Jetzt ist schon wieder was von Marvel im Kino gekommen. Black Panther, hat mir gefallen.

Ach, Marvel. Ich bin ja Fan der ersten Stunde (Foto von 1979 als Beleg), und es war eine schwierige Zeit für Fans. Marvel war in Deutschland der Underdog, DC kannte man. Und auch bei den Filmen gab es erfolgreiche Superman- und Batman-Produktionen (beide Gestalten natürlich DC), und nur sehr unglückliche Marvel-Versuche. Um die Jahrtausendwende änderte sich das plötzlich, es gab richtig gute Marvel-Filme, eine Weile, und dann nicht mehr so gute.

Und vor knapp zehn Jahren kam dann der erste Film des MCU (Marvel Cinematic Universe) heraus, 2008 habe ich Iron Man gesehen und darüber gebloggt. Ich hatte mir nicht viel davon erwartet, der Hulk-Film von 2003 war enttäuschend gewesen, und Iron Man als Figur hatte mich nie besonders interessiert. Und dann war das ein erfrischend originaltreuer Film mit einem vielversprechenden Anhang… und Marvel hat die Versprechungen eingelöst und inzwischen knapp zwanzig Superhelden-Filme gemacht, die alle im gleichen Kosmos und miteinander spielen.

Zugegeben: Citizen Kane war keiner dabei, und auch kein Casablanca. Aber das waren andere Mainstreamfilme auch nicht. Aber die Filme waren mehr oder weniger, und mit der Zeit eher mehr, und teilweise enorm, erfolgreich bei Publikum und Kritik und Fans. Der Immer wieder befürchtete man das Ende der Erfolgsreihe, und immer wieder überraschte Marvel mit etwas Neuem… Während DC, nun Mantel des Schweigens am besten.

Und jetzt schon wieder. Von Black Panther hat ja wohl schon jeder gehört? Kritik lobt, Publikum strömt rein. Ein Unterschied zu bisherigen erfolgreichen Superheldenfilmen, der vor allem in den USA einen großen Unterschied macht: Eigentlich alle wichtigen Rollen sind mit schwarzen Schauspielern besetzt. (Und Musik und Drehbuch und Regie auch.) Der Film spielt weitgehend in Afrika. Wie sehr wäre mir das aufgefallen, wenn das nicht vorher so sehr thematisiert worden wäre? Nur die erste Szene des Films, die in den USA spielt, fühlte sich auffällig an – eben weil sie in den USA spielt. Der Rest ist Afrika, und da sind die Leute halt schwarz. Ganz ohne weißen Retter.

Dabei ist die Perspektive auf die gezeigte Kultur eine mir sehr vertraute. Rider Haggards King Solomon’s Mines habe ich so in Erinnerung – farbenfroh, tanzfreudig, voller Speere und Rituale. Nur dass hier noch Science Fiction dazu kommt, futuristische Technik, futuristische Waffen, Wolkenkratzer, und das mitten in Afrika, vor den neugierigen Augen der Außenwelt verborgen.

Solche Enklaven des Fortschritts kenne ich, zum Beispiel aus meinem geschätzten Lost Horizon von James Hilton: Dort ist es die Stadt Shangri-La in Tibet, mit fortgeschrittener Kultur und moderner Technik, von der keiner ahnt. Hilton dürfte unmittelbar oder mittelbar beeinflusst gewesen sein von Agarttha (Wikipedia), einer geheimnisvollen Stadt in Tibet, die vom französischen Okkultisten Alexandre Saint-Yves d’Alveydre Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben wurde, komplett mit Hohlwelt und geheimen Weltenlenkern. In der Verschwörungsliteratur gibt es noch mehr in der Art. Und bei Marvel auch: In Fantastic Four #47 (1966) tauchte zum ersten Mal die verborgene Stadt Attilan der Inhumans auf, in Fantastic Four #54 (1966) war Prester John der letzte Überlebende der verborgenen Stadt Avalon, in Fantastic Four #52 (1966) erschienen zum ersten Mal das verborgene Land Wakanda und sein Regent T’Challa, der Schwarze Panther. (Das soll jetzt nicht heißen, dass Stan Lee und Jack Kirby zu wenig Fantasie hatten. Zu Prester John kamen die Helden direkt von Wakanda aus, und zwar auf der Suche nach Attilan, hängt doch alles zusammen.)

Wakanda war in den Comics von Anfang an ein ultra-hochtechnisiertes, aber sehr zurückgezogenes Land. Es gaukelt im Film dem Rest der Welt erfolgreich vor, ein ganz normales Drittweltland zu sein. Das ist dann auch ein Thema: Wie sehr soll sich Wakanda weiterhin abschotten, wie sehr an der Lösung der Probleme in der Welt mitarbeiten? Das kommt mir ein wenig so vor wie ein ganzes Land als Superheld: Üblicherweise haben wir den Teenager, der wie ein ganz normaler Teenager wirkt, aber in Wirklichkeit geheime Superkräfte hat, und das weiß nur keiner, weil man sie nicht einsetzt; hier haben wir ein ganzes (schwarzes) Land, das wie ein normales (armes) Land wirkt, aber in Wirklichkeit geheime Superkräfte hat, nur dass das keiner weiß, weil man sie nicht zeigt. Ist das vergleichbares Wunschdenken?

Pluspunkte des Films: Schurken mit sinnvoller Motivation, Frauen mit sinnvollen Rollen. Das gab es bisher zu wenig. Dass die Schauspieler hervorragend sind, die Produktion sorgfältig, mit Liebe zum Detail und zur Vorlage, mit Humor – das ist bei Marvel eigentlich immer so.

Black Panther erschien zuerst als wiederkehrende Nebenfigur bei den Fantastic Four, später bei den Avengers; 1977 erschien das erste Heft mit seinem Namen auf den Titel, aber schon vorher, 1973, war er der Held der Serie Jungle Action, zumindest in den vielgelobten Heften 6-18. Was genau darin passiert, kann man zum Beispiel bei der Marvel University nachlesen, einem inzwischen abgeschlossenen Blog, das so ziemlich jedes Marvel-Heft des Silver Age ausführlich bespricht: Hier geht es zum September 1973, mit Jungle Action Nr. 6.

(Wir sprechen nicht gerne darüber, aber bei seinem Erscheinen war T’Challa einer der wenigen Marvel-Superhelden mit einem Cape, und zwar einem unkleidsam halblangen.)

Das Internet ist nicht mehr böse

Thomas Knüwer von Indiskretion Ehrensache schreibt anlässlich der Verleihung der Goldenen Blogger, dass sich die Wahrnehmung von Blogs geändert hat: Die Presse beschmäht sie nicht, sondern interessiert sich dafür. Selber fällt mir auf, dass in der Tagesschau regelmäßig von Twitter die Rede ist, mehr noch als von Facebook. (Gut, das liegt an Trump.) Und vor ein paar Tagen war ich auf einer Fortbildung, wo ich mich ins Jahr 2005 zurückversetzt wähnte: Das Internet war plötzlich kein Ort des Bösen mehr, sondern auch ein Ort der Verwirklichung, der Kommunikation und Zusammenarbeit. Das war ja bereits die Sicht der Minderheit, die 2005 im Web war – bevor dann das Internet Massenphänomen wurde und Facebook das Web 2.0 kaputt gemacht hat. Ganz kaputt? Nein, die Urgesteine von damals gab und gibt es immer noch. Und jetzt plötzlich höre ich auf das Fortbildungen für Lehrer und Lehrerinnen und Schulleitungen plötzlich wieder.

Und das kommt wohl so:

1. Die Europäische Union

Es gibt einen Europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (Digital Competence Framework). Über welche digitale Kompetenzen soll ein europäischer Bürger in Zukunft verfüge? In der aktuellen Fassung werden 21 Kompetenzen aufgezählt, eingeteilt in fünf Bereiche:

  1. Informations- und Datenkompetenz
  2. Kommunikation und Kooperation
  3. Erstellung digitaler Inhalte
  4. Sicherheit
  5. Problemlösung

Bemerkenswert vor allem die Kommunikation und Kooperation und das Erstellen digitaler Inhalte.

2. Die Kultusministerkonferenz

Die KMK hat ein Strategiepapier entworfen (Blogeintrag dazu), in dem sich die Länder dazu verpflichten, dass die Schülerinnen und Schüler, die kommendes Schuljahr in die 5. Klasse kommen, Gelegenheit erhalten, eine lange Reihe digitaler Kompetenzen zu erwerben. Hier heißen die Bereiche so:

  1. Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren
  2. Kommunizieren und Kooperieren
  3. Produzieren und Präsentieren
  4. Schützen und sicher Agieren
  5. Problemlösen und Handeln
  6. Analysieren und Reflektieren

Die Kompetenzen gehen dabei von „Digitale Technologien gesundheitsbewusst nutzen“ und „Digitale Technologien für soziales Wohlergehen und Eingliederung nutzen“ über „Digitale Werkzeuge für die Zusammenarbeit bei der Zusammenführung von Informationen, Daten und Ressourcen nutzen“ und „Digitale Werkzeuge bei der gemeinsamen Erarbeitung von Dokumenten nutzen“ bis zu „Mit Hilfe verschiedener digitaler Kommunikationsmöglichkeiten kommunizieren“ oder „Algorithmische Strukturen in genutzten digitalen Tools erkennen und formulieren“.

3. Bayern

Als Teil der Umsetzung dieser Strategien hat sich Bayern einen Kompetenzrahmen zur Medienbildung an bayerischen Schulen gegeben, mit folgenden digitalen Kompetenzen:

  1. Basiskompetenzen
    1. Medienangebote und Informatiksysteme (Hardware-, Software und/oder Netzwerkkomponenten) sach- und zielorientiert handhaben
    2. Funktionsweisen und grundlegende Prinzipien von Medienangeboten und Informatiksystemen durchdringen und zur Bewältigung neuer Herausforderungen einsetzen
    3. Probleme insbesondere in Medienangeboten und Informatiksystemen identifizieren und auch mit Hilfe von Algorithmen lösen
    4. Eigene Kompetenzen im Umgang mit Medienangeboten und Informatiksystemen zur Optimierung entwickeln
  2. Suchen und Verarbeiten
    1. Aufgabenstellungen klären, Informationsbedarfe ableiten und Suchstrategien entwickeln
    2. Mediale Informationsquellen begründet auswählen und gezielt Inhalte entnehmen
    3. Daten und Informationen analysieren, vergleichen, interpretieren und kritisch bewerten
    4. Daten und Informationen zielorientiert speichern, zusammenfassen, strukturieren, modellieren und aufbereiten
  3. Kommunizieren und Kooperieren
    1. Mit Hilfe von Medien situations- und adressatengerecht interagieren
    2. Analoge und digitale Werkzeuge zur effektiven Gestaltung kollaborativer als auch individueller Lernprozesse verwenden und Resultate mit anderen teilen
    3. Medien zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft aktiv und selbstbestimmt nutzen
    4. Umgangsregeln, ethisch-moralische Prinzipien sowie Persönlichkeitsrechte bei digitaler Interaktion und Kooperation berücksichtigen
  4. Produzieren und Präsentieren
    1. Werkzeuge zur Realisierung verschiedener Medienprodukte auswählen und zielgerichtet einsetzen
    2. Medienprodukte unter Berücksichtigung formaler und ästhetischer Gestaltungskriterien und Wirkungsabsichten erstellen
    3. Arbeitsergebnisse unter Einsatz adäquater Präsentationstechniken und medialer Werkzeuge sach- und adressatenbezogen darbieten
    4. Publikationswege erschließen, Medienprodukte unter Wahrung von Persönlichkeits- und Urheberrecht erstellen und veröffentlichen
  5. Analysieren und Reflektieren
    1. Inhalte, Gestaltungsmittel, Strukturen und Wirkungsweisen von Medienangeboten und Informatiksystemen analysieren und bewerten
    2. Interessengeleitete Setzung und Verbreitung medialer Inhalte erkennen und Einfluss der Medien auf Wertvorstellungen, Rollen- und Weltbilder sowie Handlungsweisen hinterfragen
    3. Bedeutung der Medien und digitaler Technologien für die Wirtschaft, Berufs- und Arbeitswelt reflektieren
    4. Potenziale und Risiken der Digitalisierung und des Mediengebrauchs für das Individuum und die Gesellschaft beurteilen

Auch hier sind es wieder die Bereiche 3 und 4, die mich besonders freuen.


Erfüllt werden soll dieser Kompetenzrahmen unter anderem dadurch, dass sich Schulen ein Medienkonzept geben müssen, das aus einem Mediencurriculum besteht (was davon sollen die Schüler und Schülerinnen wann lernen?), einem Fortbildungsplan (was müssen die Lehrer und Lehrerinnen dazu lernen?) und Absprachen mit dem Sachaufwandsträger (welche Ausstattung ist dafür nötig?). Und darum ging es auf der Fortbildung.

Für mich war die Fortbildung richtig, weil sie vor allem das vorstellte, was ich mir seit Jahren vorstelle, und ich war froh, dass das auch meine Kollegen gehört haben. Zugegeben, ein bisschen hinkt das noch hinterher – Linklisten als Beispiel zur Zusammenarbeit unter Kollegen und Kolleginnen sind ein bisschen altbacken, aber das war auch nicht der Ort für konkrete Vorschläge. Es wurde viel von Mündigkeit und Selbstverwirklichung gesprochen, sehr gut, auch wenn konkrete Vorschläge dann doch zu oft auf „braucht man später im Beruf“ hinausliefen. Nein, das sollte nicht der Kern sein. – Auch vom Aufbau her war die Fortbildung für mich richtig: Vier Nachmittagsstunden, sehr eng getaktet, kurze Vortragsphasen gefolgt von vielen kurzen Gruppenarbeitsphasen, wo die Vertreter der Schulen mal miteinander mussten. Keine expliziten Pausen.

Bei den konkreten Überlegungen für meine Schule fiel mir wieder auf, dass wir dort auf recht hohem Niveau jammern. Wir brauchen, wie alle Schulen, flächendeckende WLAN; sonst haben wir alles. (Andere Kollegen beklagten, dass sie ihre konkreten Apple-Produkte nicht kriegten; wieder andere halten konkrete Microsoft-Software für unabdingbar. Beide irren sich. Abhängigkeit von konkreter Hard- und Software ist schon vom Ansatz her ein Fehler.) Das mit dem WLAN wird sicher teuer und damit ein Problem; ob man das erst für Lehrkräfte oder später auch für Schülerinnen und Schüler öffnet, können die Schulen ja selber entscheiden.

Der nächste Schritt ist also die Erstellung des Mediencurriculums, gefolgt vom restlichen Medienkonzept, gefolgt von der – sicher allmählichen – Implementierung. Ich freue mich darauf und bin gespannt, wie das bei uns laufen wird. Man kann entweder schauen, was der Lehrplan jetzt schon hergibt, und daraus ein Curriculum bauen – dann landet man schnell bei „machen wir eh alles schon“, wobei geflissentlich übersehen wird, was beim Lehrplan am Ende tatsächlich herauskommt.

Ich wünsche mir eher, dass man darauf schaut, was Schüler und Schülerinnen am Ende der 10. oder 11. Jahrgangsstufe können sollen, was sie bisher tatsächlich können, und wie sich das, was sie noch nicht können, am geeignetsten auf die Jahrgangsstufen und Fächer verteilen lässt.

Neu ist für mich der Gedanke, dass es jetzt nicht mehr nur darum geht, wie ein Lehrer oder eine Lehrerin ihren bisherigen Unterricht mit digitalen Mitteln besser machen kann. Vielmehr sind digitale Medien ein eigener Unterrichtsinhalt, den die Schule auf die verschiedenen Fächer verteilen muss. Dabei wird es sicher noch Platz geben für die funktionalen Digitalverweigerer, die auch zur Vielfalt an einer Schule gehören. Aber die Schule als ganze kann sich hoffentlich nicht drücken – es sei denn, das Mediencurriculum geht den Weg der Verkehrserziehung.

(Hier bei Mebis mehr über Medienkonzepte, kann man auch ohne Zugang lesen.)

– Und einen Neffen habe ich bei der Fortbildung auch getroffen, darauf hatte ich gehofft. Der geht auf die Schule dort.

Ach. (KW 5, oder so.)

Am Montag war in Berlin die Verleihung der Goldenen Blogger 2017. Das ist ein Preis, der vor vielen Jahren wohl eigentlich als Parodie angefangen hat und jetzt aber schon etwas Ernstereres ist, jedenfalls freuen sich die Nominierten und Preisträger sehr. Es gibt verschiedene Kategorien, zwei waren mir dieses Jahr besonders wichtig, und in beiden haben meine Favoriten gewonnen: Frau Kaltmamsell vom Blog Vorspeisenplatte als Tagebuch-Blogger des Jahres – ein Urgestein, dieses Blog, das ich schon seit den Anfängen mit großem Interesse verfolge. Und Blogger des Jahres wurde – wie die große Anzahl an Bewunderern erwartet und gehofft hatte – Mademoiselle Readon a.k.a. Marie Sophie von Read on, my Dear. Read On. Frau Rau hat sie schon zweimal getroffen; sie ist wirklich so unwahrscheinlich und großartig wie man meint, eher noch mehr, und sie schreibt so schön und so traurig und so klug und so merkwürdig.

Mitstimmen konnte ich nicht, weil ich am Montag bei einem Klassenstammtisch war. Da treffen sich Eltern und der Klassleiter einer Klasse, und sehr gelegentlich auch andere Lehrer auf eine Pizza oder so – oft nur einmal im Jahr, aber ich habe auch schon erlebt, dass es das zwei- oder dreimal gab. Kein Ort, um Probleme zu diskutieren, aber sich mal so ein bisschen abtasten, das ist drin.

Unterricht macht gerade Spaß. Im Englischunterricht der Q11 wiederverwerte ich das Rundschreiben zum Bürgerentscheid, das ich schon für die Erörterung herangezogen habe. Diesmal geht es um die Mediation: Die Argumente der einen beziehungsweise der anderen Seite zusammenfassen, damit eine neu in München lebende EU-Bürgerin, sagen wir: aus Portugal (wir haben eine brasilianische Gastschülerin in der Klasse), beim Bürgerentscheid informiert mitbestimmen kann. Eine echte Kommunikationssituation, und manchen Schülern fällt das schwer.

Die Mediation ist schon okay, aber ich vermisse auch die Übersetzung vom Englischen ins Deutsche. Die gibt es nicht mehr, weil man dazu gut Deutsch können und nicht nur Englisch verstehen muss, und weil sie zu schwer war, behaupte ich mal – aber erstens ist das Übersetzen eine interessante und lehrreiche Erfahrung, und zweitens erfordert sie ein sehr genaues Hinschauen. Dieses genaue Hinschauen gibt es jetzt wohl nur noch im Fach Latein.

Im Informatikunterricht in der 9. Klasse geht es um Datenbanken und SQL. Das ist eine sehr kleine Lerngruppe, also keine ganze Klasse, und wir entwickeln eine Datenbank für ein Rollenspiel. Bis jetzt gibt es die Tabellen „Monster“ und „Waffen“. Diesmal ohne Libre Office Base, und auch ohne SQLite (das schön mit Python zusammenarbeitet, auch mit dieser Gruppe ausprobiert). Stattdessen arbeiten wir gleich mit einer Onlien-Datenbank und damit Mehrbenutzerbetrieb, und mit phpMyAdmin zum Verwalten der Daten. Geht gut, mache ich nie wieder anders. (Ein lokale MySQL-Server wäre schön, wird aber nicht kommen.)

Textverarbeitung mit 6 (ganz stolz waren sie, ein Gedicht bunt formatieren zu können), morgen Fortbildung, Praktikanten in der Q12, Moodle-Mebis in Q11 und Deutsch 10.

Erinnerungen ans Referendariat

Arne Paulsen hat einen schönen Eintrag über seine positiven Erinnerungen ans Referndariat geschrieben, Anlass war die Blogparade dazu von Bob Blume, Thema „Ein wunderbarer Moment im Referendariat“.

Ich will wie Arne auch keinen einzelnen Moment herausgreifen. Ingesamt habe ich die angenehmsten Erinnerungen an das Referendariat. Aber das kann nicht alles gewesen sein: Frau Rau erinnert mich daran, dass ich arg geschimpft habe. Trotzdem, es war eine Zeit voller schöner Erinnerungen – ich war aber auch noch jung und aufnahmefähig.

In Bayern ist man am Gymnasium das erste und letzte halbe Jahr an einer Seminarschule unter Aufsicht von Seminarlehrern, die die Lehrprobe abnehmen und Noten geben und so weiter. Dazwischen ist man ein Jahr an einer Einsatzschule und unterrichtet dort eigenverantwortlich, ohne dass einem jemand groß über die Schulter schaut.

Meine Seminarschule war in Straubing, Niederbayern. Gewohnt habe ich im ehemaligen Priesterseminar, das leer stand, weil – ich habe mich nicht groß damit beschäftigt – es irgendwann mal zu irgendetwas anderem verwendet werden sollte. Aber vorerst gabe es Räumlichkeiten für mich. Sehr hohe, weite Räume, spartanisch eingerichtet. Schade, dass ich keine Fotos davon habe, es war menschenleer und hallte. An der Türe außen hatte ich das hier angebracht:

Türschild "Privatphilosoph"

Damals konnte ich noch abends korrigieren, dann spontan von neun bis elf mit anderen Referendaren und Referendarinnen aufs Volksfest gehen (für das Straubing berühmt ist), und danach weiter korrigieren. Irre. Am Bahnhofskiosk von Straubing entdeckte ich aktuelle amerikanische Marvel-Comics und ich begann wieder zu sammeln, nachdem ich davon zehn Jahre Pause gemacht hatte. Zehn Jahre danach hörte ich übrigens endgültig auf. Meine Lehrprobe verlief mäßig (2-, und hätte auch eine 3 sein können), wie ich überhaupt nie gut bei mündlichen Prüfungen war oder bin.

Ich vertrug mich mit den anderen Referendarinnen und Referendaren, war mit dem Deutsch-Seminarlehrer sehr zufrieden (wir hielten viel von einander), mit der Englisch-Seminarlehrerin habe ich es ausgehalten. Aber meiner Erinnerung ist nicht unbedingt zu trauen. Frau Rau hat mich darauf hingewiesen, wie sehr auch ich damals geklagt habe. Und ja, ich hatte verdrängt, wie viel Zeit das alles gekostet hatte. Nach den ersten zwei Wochen musste ich zwei Stunden pro Woche Unterricht halten, einmal Deutsch, einmal Englisch, und diese Vorbereitung kostete mich die ganze Woche. Danach war ich auf sieben Stunden, und das füllte dann die Woche völlig. Heute weiß ich gar nicht mehr so recht, was so viel Zeit gekostet hat – das Auswählen und Vergleichen der vielen Möglichkeiten, die ich vor mir sah? Das Korrigieren hat auch viel Zeit gekostet, mehr als heute – aber auch deshalb, weil ich früher mehr eingesammelt und korrigiert habe als heute.

Danach kam das Jahr im Zweigschuleinsatz, Marktoberdorf. Mit den Klassen kam ich weiterhin sofort zurecht, ich ging jedenfalls immer sehr gerne in den Unterricht. Aber im ersten Halbjahr war ich nicht glücklich, auch wenn ich das vermutlich nicht wusste. Ich war weg von Frau Rau, hauste in einem fast lichtlosen Zimmer, und kannte niemanden. Nun ja. Das zweite Halbjahr war besser, da wohnte ich direkt in der Schule – die Schule hatte ein Heim, ich zwei Stunden Heimdienst (statt Unterricht), ich wohnte dort und hockte viel mit den anderen Lehrern und Lehrerinnen zusammen. Wir kochten auch immer wieder mal gemeinsam. Im Heim gab es auch viele (ältere) russische Schüler, „Kontingentflüchtlinge“ war die offizielle Bezeichnung. Mit denen habe ich gelegentlich Schach gespielt, abends, und auch mal gewonnen. (In meiner Jugend war ich eine sehr kleine Weile im Schachverein.)

Ansonsten sind da viele kleine Erinnerungen, aber keine Anekdoten. Routine. Eine Schachtel am Tag habe ich damals geraucht. Auch im Lehrerzimmer, jedenfalls in dessen offenem Nebenraum – an meiner neuen Schule, gleich nach dem Referendariat, an der ich jetzt noch bin, wurde auch im Lehrerzimmer geraucht. Aber schon lange vor dem Umzug ins neue Schulgebäude wurde das abgeschafft, und schon davor hatte ich das Rauchen ohnehin aufgegeben.

(Unbeendet gebliebener Artikel, Aber hey, sonst wird das nicht mehr so bald was mit dem Bloggen.)

Orangenmarmelade 2018

Diesmal habe ich etwas früher an das jährliche Ritual gedacht und Orangenmarmelade gemacht:

Gläser mit Orangenmarmelade

Nach etwa zwanzig Jahren sind mir dann auch die Aufkleber für die Gläser ausgegangen. Gekauft habe ich die Packung jedenfalls noch in Augsburg, ganz sicher noch in DM bezahlt:

Aufkleberpackung mit Preisetikett
Aufkleberpackung, spätes 20. Jahrhundert

Zweckform Vielzweck-Etiketten No. 3327, 486 St. zu 50 x 19 mm. Heute „Avery Zweckform“, gleiche Nummer, gleiches Format, im Versandladen für 4,15 Euro. Damals kostete die Packung, bei Karstadt gekauft, sicher nicht der günstigste Ort, 8,95 DM. Und da sage einer, alles sei teurer geworden!

Es geht mir gut: Weihnachtsferien 2017 und was gerade im Unterricht läuft

Die Weihnachtsferien heißen übrigens offiziell Weihnachtsferien, während die Faschingsferien offiziell in Bayern Frühlingsferien heißen (und gar nicht Winterferien, wie ich bis eben dachte). Und die Herbstferien sind namentlich gar keine.

Ich war bei den Eltern und bei den Schwiegereltern, bei der Schwagerfamilie; habe viel gegessen und ein wenig gekocht; mittelviel gelesen. (Dicke Bücher.) Ich war im Bayerischen Nationalmuseum und habe dort eine allegorische gotische Statue der Grammatik gesehen. Außerdem war ich im Zoo.

Orang Utan im Zoo

Und ich habe endlich ein wenig Arbeit aufgeholt. Seit Anfang des Schuljahres hatte ich das Gefühl, nur von einem Übungsaufsatz zum nächsten, von einer Schulaufgabe zur Klausur zu hetzen. Zu kurz kam das Bloggen und das Basteln für den Unterricht, denn Kochen und Lesen sind mir noch wichtiger. Aber in den Ferien habe ich nicht nur viel korrigiert, so dass ich jetzt vor einer kurzen Verschnaufpause stehe, sondern auch Muße zum Bildungsbasteln gefunden. Das neue Schuljahr fing dann auch mit bisher durchweg schönen Stunden an:

  • Englisch, Q11: In der Doppelstunde das Kommunikationsmodell von Roman Jakobson gemacht und gleich an Harold-Pinter-Sketch ausprobiert. Ähnlich wie das Modell von Schulz von Thun basiert Jakobsons auf Bühlers Organon-Modell; es gibt sechs Aspekte bei der Kommunikation und jedem ist eine Funktion zugewiesen, die mal mehr, mal weniger im Vordergrund steht. David Lodge hat das mit Harold Pinters „Last to go“ in einem Aufsatz durchexerziert; dieser sehr kurze Sketch besteht fast nur aus phatischen Äußerungen, und das haben die Schülerinnen und Schüler auch schnell herausgefunden. Damit gewinnt das Modell auch hoffentlich etwas Erkenntniswert für sie.
  • Q12, W-Seminar Englisch: Da laufen wie überall gerade die Präsentationen der Seminararbeiten.
  • Deutsch, 10: Da muss immer noch eine Schülerin oder ein Schüler jede Stunde eröffnen. Diesmal ging es um Verschwörungstheorien, immer schön. Ansonsten die restlichen Erörterungs-Übungsaufsätze zurückgegeben – einen Teil hatte ich handschriftlich erhalten und korrigiert, einen Teil als .odt-Datei und mit der Überarbeitungsfunktion korrigiert, einen anderen Teil als pdf, und den hatte ich auf dem Tablet mit dem Stift kommentiert. Insgesamt verhältnismäßig erfreuliche Ergebnisse.
  • Informatik, 9: Den Lehrplan aus der Ferne streifend das Python-Zwischenspiel fortgesetzt. Das zieht und bringt so viel mehr als Tabellenkalkulation und Datenbanken. Die einen gestalten mit Visual Python Trickfilme, die anderen machen das, was ich auch getan hätte. Rollenspielsystem programmieren. Alles weitgehend ohne meine Anleitung, weil Material.
  • Informatik, Q12: Spectre und Meltdown bieten sich ja gerade wunderbar an, wenn man bei Prozessen und Threads ist; später, beim Prozessor, kann man noch einmal darauf zurückkommen. Sonst wenig aufregender, hoffentlich brauchbarer Unterricht, auch durch die Praktikanten. In den Ferien einigge Erklärvideos zu Threads erstellt, das hier ist der erste:
  • Informatik 7: Ex herausgegeben, mit dem Wiki begonnen. Ins Internet schreiben kommt immer noch an, ich hatte befürchtet, dass das inzwischen auch nur als eine Art Facebookeintrag gesehen wird.
  • Deutsch, 6: Für die Klasse hatte ich in den Ferien einen Mebis-Kurs mit Grammatik-Übungen erstellt. In der Klasse teilte ich dann Mebis-Zugänge aus (unerlaubt, das hole ich dann später nach, wenn die Schülerinnen und Schüler das Arbeiten mit Mebis für sinnvoll halten – ich wollte die Eltern nicht schon wieder mit einem Rundschreiben belästigen) und die Klasse probierte die Aufgaben nach Belieben durch. Dazu gab es ein Feedback-Blatt, gebastelt aus einem Screenshot, bei dem die SuS bis nächste Woche angeben sollen, welche Aufgaben ihnen hilfreich erschienen und welche nicht:

    Screenshot Mebis-Auswertung

    Die Aufgaben selber hatte ich zum Teil mit Mebis-eigenen Mitteln in Form von H5P-Übungen erzeugt, deutlich brauchbarer als die ursprünglichen Moodle-Aufgabenmodule selber; teils waren die Übungen bei LearningApps.org erstellt, auch um das mal mehr auszuprobieren:

    Einen Video gab’s natürlich auch:

    Bin schon auf das Feedback gespannt.

Bücher 2017

Meine gelesenen Bücher 2017. Zu einigen habe ich etwas gebloggt, zu anderen einen Podcast gemacht. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen. Ingesamt wieder etwas mehr gelesen, aber lange nicht so viel wie früher. Zum Kochen und Lesen komme ich jedenfalls einigermaßen.

Ein prägendes Buch war diesmal nicht dabei. Lean on Pete ist mir vielleicht am ehesten nachgegangen. Ein Meisterwerk ist immer noch Remains of the Day, aber das hatte ich auch so noch in Erinnerung. 10 Bücher von Frauen, 37 von Männern, Rest so nicht zuordenbar. 18 Bücher wiedergelesen, 35 neu. 8 Nonfiction.

  1. J. C. Wezel, Belphegor
  2. Stephen King, The Bazaar of Bad Dreams
  3. Martin Amis, Time‘s Arrow
  4. Andre Norton, Bannkreis des Bösen°
  5. Penelope Fitzgerald, The Bookshop
  6. Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel (und hier
  7. Stefan Zweig, Schachnovelle°
  8. Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker°
  9. Karl May, Im Lande des Mahdi II: Menschenjäger
  10. Karl May, Im Lande des Mahdi III
  11. Slightly Foxed No. 53
  12. Karl May, Durch die Wüste°
  13. Bruder des Schwertes (Terra Fantasy 10)°
  14. Karl May, Durchs wilde Kurdistan°
  15. Karl May, Von Bagdad nach Stambul°
  16. Kenneth Robeson, The Man of Bronze°
  17. Willy Vlautin, Lean on Pete
  18. Andreas Eschbach, Ein König für Deutschland
  19. Philip K. Dick, Do Androids Dream Of Electric Sheep?°
  20. Philip K. Dick, Time Out of Joint
  21. Hartmut Laufhütte (Hrsg.), Deutsche Balladen
  22. Slightly Foxed No. 54
  23. Dorothy Hartley, Food in England
  24. William Goldman, Die Brautprinzessin°
  25. Isabel Abedi, Whisper
  26. Thomas Pynchon, The Crying of Lot 49
  27. Fritz J. Raddatz (Hrsg.), ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher
  28. Ursula K. Le Guin, The Left Hand of Darkness°
  29. Helen Macdonald, H is for Hawk
  30. Peter Bichsel, Über das Wetter reden
  31. Robert E. Howard, Degen der Gerechtigkeit°
  32. Johannes Schiltberger, Als Sklave im Osmanischen Reich und bei den Tataren, 1394-1427
  33. Robert E. Howard, The Complete Chronicles of Conan
  34. Robert E. Howard, The Best of Robert E. Howard, Vol. 1
  35. Abbé Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (und hier)
  36. Rudyard Kipling, Captains Courageous
  37. Michael Moorcock, Ritter des schwarzen Juwels°
  38. Zadie Smith, Swing Time
  39. Charles Dickens, The Pickwick Papers°
  40. Slightly Foxed No. 55
  41. Frank Schwieger, Ich, Zeus und die Bande vom Olymp
  42. Diana Knodel, Philipp Knodel, Einfach Programmieren für Kinder
  43. Robert E. Howard, The Best of Robert E. Howard, Vol. 2
  44. Arthur Bloch, Murphy’s Law°
  45. Naomi Alderman, The Power
  46. Robert Anton Wilson, Masken der Illuminaten°
  47. Oscar Wilde, The Importance of Being Earnest°
  48. Kazuo Ishiguro, The Remains of the Day°
  49. Swantje Ehlers (Hrsg.); Das Lesebuch. Zur Theorie und Praxis des Lesebuchs im Deutschunterricht
  50. Slightly Foxed No. 56
  51. Robert Menasse, Die Hauptstadt
  52. Ruth Klüger, Katastrophen
  53. Paul Hühnerfeld, Der Kampf um Troja

(Bücher 2016.)
(Bücher 2015.)
(Bücher 2014.)
(Bücher 2013.)
(Bücher 2012.)
(Bücher 2011.)
(Bücher 2010.)
(Bücher 2009.)

Erzeuger-Verbraucher-Videos

Kurzer Rückblick vorweg: Anstrengender Dezember; schönes Wichteln mit der 10. Klasse (Geschenke gab’s erst dann, wenn man gesagt hat, was man Gutes oder Schönes getan hat, auf das man stolz sein kann, wobei Noten nicht zählen – gar nicht so einfach für manche Leute, mich eingeschlossen); besonders gefreut hat mich auch ein gebastelter Stern aus meiner 6. Klasse. Danach Familienfeiern allüberall, viel gegessen. Geschenke machen kann ich nicht, oder mache ich mir nicht genug Mühe damit.


Wieder mal ein paar Videos erstellt, diesmal für die 12. Klasse Informatik, Synchronisierung von Threads in Java. Ein Threads ist ein Programm, das gleichzeitig neben anderen solchen Programmen laufen kann, was sinnvoll ist, weil damit vieles schneller geht. Manchmal müssen die Threads sich aber noch absprechen.

Ich bin noch auf der Suche nach dem geeigneten Werkzeug zum Erstellen solcher Videos. Open Source soll es sein. Zuerst habe ich wieder Pröäsentationssoftware genommen und abgefilmt, aber das gefällt mir nicht. Am liebsten wäre mir ein Programm, mit dem ich wie auf einem Schreibtisch Bildchen hin- und herschieben kann – das habe ich nur bei Smartboard-Software gefunden, und hier habe ich die offene Variante OpenBoard benutzt. Was mir noch fehlt, ist die Möglichkeit, mit einfachen Skripten zu bestimmen, was etwa bei einem Doppelklick auf ein Objekt geschehen soll – ersetzen der Grafik durch eine andere, vergrößérn, verkleinern, solche Sachen. Aber an sich mag ich das, so fast schon analog Objekte zu bewegen und das dann abzufilmen.

Alle Videos:

Synchronisation mit Monitoren 1 (OpenBoard)
Synchronisation mit Monitoren 2 (OpenBoard)

Synchronisation mit Monitoren 1 (Impress)
Synchronisation mit Monitoren 2 (Impress)

Lebenszeichen: Griechische Sagen, Who’s on First, Oscar Wilde, schnell mal das meiste notiert, was los war

Ich schmettere derzeit jedem Kollegen, der über zuviel Vertretung oder fehlendes Wissen bei den Schülerinnen und Schülern klagt, ein frohes: „Schule muss mehr sein als Unterricht!“ entgegen. Meine Hoffnung, dass die Kollegen dabei einen Zusammenhang herstellen (oder mir wenigstens widersprechen), wurde bisher noch nicht durch eine eindeutige Reaktion als eine begründete bestätigt.

Das mit dem „mehr als Unterricht“ höre ich etwas zu oft im Moment.

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Griechische Sagen: Kommen sehr gut bei der 6. Klasse an, aber die wollen wirklich sehr viel wissen, da reicht mein sehr solides Halbwissen nicht ganz aus. Hier meine Diagramme dazu:

theogonie1

theogonie2

Aber natürlich fehlt immer noch was: Was war mit der Mutter von Prometheus? — Mir kommt es dabei vor allem darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler das als ein gewachsenes Flickwerk verstehen, dass nie unbedingt jemand an all das gleichzeitig geglaubt hat. Dass Aphrodite nicht die Tochter von Zeus ist, oder doch schon, auch, dass es jedenfalls mindestens zwei Mythen gibt, die sich widersprechen, und dass Aphrodite nach dem anderen Mythos aus dem Geschlechtsteil des Uranos stammt, als das ins Meer fiel, nachdem Kronos es abgeschnitten hatte.

Ich zeigte diesmal gleich am Anfang das Kamishibai, und die Schüler und Schülerinnen spielten mit meinem Bildern zum Urteil des Paris (ganz unten hier) gleich etwas, das fast schon ein bisschen Powerpoint-Karaoke ist, erzählten also die gerade gelesene und gesehene Geschichte unvorbereitet mit den Bildern nach. Ging gut.

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The Importance of Being Earnest: Mit der Q11 gelesen. Oll, aber gut. Mit Psychologietests Persönlichkeitsprofile der Charaktere festgestellt und spätestens da festgestellt, dass die eigentlich alle eher keine netten Menschen sind. Danach kurz Inszenierungsmöglichkeiten verglichen – eigentlich wollte ich nur Ausschnitte aus dem Film von 2002 zeigen, aber der war dann so interessant, dass wir den ganz ansagen. Die Inszenierung erinnert mich sehr an die Jeeves-und-Wooster-Serie mit Stephen Fry und Hugh Laurie, ist nur etwas besser. Firth ist solide, Rupert Everett vor allem in der ersten Hälfte brillant, Judi Dench ist Judi Dench, und Frances O’Connor als Gwendolyn ist sa-gen-haft mit hingehauchter Verführung. Hier eine Fassung von 1986 zum Vergleich, man achte auf das „That makes me so nervous“:

Und hier 2002:

(Später lässt sich Gwendolyn den Namen „Ernest“ auf ihren Po tätowieren.)

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Früher waren vielleicht die Lehrer cool, die mit der Zigarette ins Klassenzimmer kamen, was schon zu meiner Schulzeit extrem selten vorkam, selber gehe ich wenigstens ab und zu mit der vollen Kaffeetasse in den Unterricht. (Essen und Trinken – außer Wasser – ist Schülern und Schülerinnen im Unterricht verboten.) Aber die Teetasse mit Teebeutel drin, die ich beim Kollegen sah, ist noch cooler.

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Später dann mal in der Q11 die ersten paar Takte des Klassikers „Who’s on First“ (Youtube) gezeigt, dann ausgeteilt und eine Audioversion dazu hören lassen. Dass das ein immer noch sehr lebendiges amerikanisches Kulturgut ist, sieht man auch an der Fassung von Jimmy Fallon mit Billy Crystal und Jerry Seinfeld. Immerhin kennen ein paar Schüler Jimmy Fallon, die anderen, na ja, nicht mehr so.

Danach probierten die Schülerinnen und Schüler den paarweisen Vortrag in Ausschnitten. Ein Klassenzimmer voller Leute, die gleichzeitig und durcheinander „Who’s on First“ üben, das ist schön.

Einstieg in die Erörterung: Mit Liegestützen zum Bürgerentscheid

Ich habe ja oft genug geschrieben, dass ich mit der Erörterung hadere. Aber gut, auf ein Neues!

Vor vier Wochen gab es einen Bürgerentscheid in München, abgestimmt wurde über folgende Frage:

Sind Sie dafür, dass der Block 2 (Steinkohlekraftwerk) des Heizkraftwerks Nord bis spätestens 31.12.2022 stillgelegt wird?

Zusammen mit den Unterlagen zum Bürgerentscheid kam ein kleines vierseitiges Heftchen, in dem die Vertreter des Bürgerentscheids auf der einen sowie der Stadtrat auf der anderen Seite Stellung zu dem Entscheid nahmen – Pro und Kontra, These und Antithese. Diese Texte lasen die Schülerinnen und Schüler und mussten sich danach ohne größere Diskussion für eine Seite entscheiden. Also mit Ja stimmen, mit Nein, oder gar nicht erst zum Entscheid gehen – denn diese Möglichkeit sollte es auch geben. Dass bei Klassensprecherwahlen die Wahlbeteiligung immer 100% ist, irritiert mich ja jedesmal, also konnte, wer nicht wollte, einfach nicht abstimmen. Im Gegenteil, um die Mühsal des Wahlvorgangs wenigstens ein bisschen zu simulieren, musste jeder, der abstimmen wollte, zehn Liegestütze oder zwanzig Kniebeugen machen.

Trotzdem lag die Wahlbeteiligung bei 95% (München: um die 18%, glaube ich), das Quorum wurde damit erreicht (München: 10%, kleinere Städte: 20%), mit 55% stimmte eine knappe Mehrheit für Ja (München: 60%).

Danach begann die eigentliche Diskussion, zusammen mit einer Betrachtung der beiden Stellungnahmen: Welche Seite war überzeugender? Die Ja-Seite hat mehr, aber kürzere Punkte; die Nein-Seite wenige, ausgeführtere Argumente. Quellen gab es da keine, bei der Ja-Seite schon – andererseits waren die Belege dort nicht sehr relevant oder nicht von unparteiischen Organisationen. Die Ja-Seite war je nach Sichtweise entweder umfassend oder zu wenig konkret.

Daran schloss sich die Lektüre eines an sich nur mäßigen Kommentars der Süddeutschen Zeitung (Münchenteil) an, dessen Tenor war, dass Bürgerentscheide mit ihren Ja-Nein-Entscheidungen nicht das richtige Instrument für komplexe Probleme wie dieses seien. Und schon waren wir bei dem, was früher die dialektische Erörterung war, die vor sechseinhalb Jahren und anderthalb Lehrplänen zum letzten Mal in der Wildbahn beobachtet wurde. (Abitur 2011: „Erörtern Sie ausgehend von einer sorgfältigen Klärung des Zitats Hegels, inwiefern das von ihm diagnostizierte Problem auch auf den heutigen Kulturbetrieb zutrifft, und zeigen Sie Lösungsmöglichkeiten auf!“)

Inzwischen gibt es nur noch die antithetische Erörterung, oder das antithetische Erörtern, oder das Erörtern von Sachverhalten – aber die Wörter „dialektisch“ oder „Synthese“ stehen nicht mehr im Lehrplan. Dennoch schnappen die Schülerinnen und Schüler sie beim einen oder anderen Lehrer auf und wollen sie erklärt haben. Also bitte: Synthese heißt hier, dass man sich nicht abhängig machen soll von den Optionen, die einem der Aufgabensteller gibt, sondern die Möglichkeit haben soll, einen dritten, besseren Vorschlag darzubieten. Im Schulbuch steht das unter „Fazit“, was zu leicht auf eine oberflächliche Zusammenfassung des zuvor Geschriebenen oder einen exakt in der Mitte platzierten Kompromiss hinausführt.

(Download der Broschüre, notdürftig eingescannt.)

Für den Übungsaufsatz gibt es natürlich ein anderes Thema, mehr aus der Lebenswelt der Schüler. Ich glaube aber, dieser Ausflug in die Lebenswelt Münchner Bürger hat ihnen auch etwas gebracht.