Kochbücher lesen

Neulich in Berlin, in der Pension, stieß ich auf das:

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Mmmmh. Karl-May-Bände, und zwar die guten, exotischen. Mit Winnetou und Old Shatterhand konnte ich nicht gar so viel anfangen, auch wenn ich etliche der Wildwest-Romane mehrfach gelesen habe und mich dabei durchaus vergnügte. Aber die sechs Bände des Orient-Zyklus, die habe ich oft gelesen: Durch die Wüste, Durchs wilde Kurdistan, Von Bagdad nach Stambul, In den Schluchten des Balkan, Durch das Land der Skipetaren, Der Schut. Kurzer Test: “Hadschi Halef Omar ibn Hadschi Abul Abbas ibn Hadschi Dawud Als Gossarah”… na ja, fast: Wikipedia korrigiert einmal meine Rechtschreibung und ändert ein “ibn” in “ben”, damit kann ich leben: Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. (So nennt sich der Begleiter der Hauptfigur, auch wenn die vielen Hadschis im Namen eher Angabe waren als Realität. Wer Karl May gelesen hat, kann das auswendig sagen, auch noch fünfunddreißig Jahre nach der letzten Lektüre.)

In der Pension griff ich zu einem der Bände, die ich noch nicht kannte, Im Lande des Mahdi I: Menschenjäger. Und ich war gleich wieder drin. Fast so schön wie der Stimme des Erzählers auf der Hörspiel-Kassette zu lauschen, wie er – Wilhelm Hauff, Das Gespensterschiff – beginnt mit: “Mein Vater hatte einen kleinen Laden in Balsora” und einem so richtig sonoren “o” in “Balsora”. Jedenfalls liegen die drei Bände des Mahdi jetzt digital auf meinem Nachttisch, das möchte ich bald zu Ende lesen.

Aber eigentlich soll es hier um Kochbücher gehen. Erich Kästner hat ja ein umwerfendes erstes Kapitel oder Vorwort zu Emil und die Detektive geschrieben. Eigentlich habe er ja einen Südseeroman schreiben wollen, eine spannende Szene, in der ein “mit heißen Bratäpfeln geladenes Taschenmesser” eine Rolle spielte, als er plötzlich nicht mehr wusste, wieviel Beine ein Walfisch hat. Aus war es es mit dem Schreiben, denn die Fakten müssen ja stimmen. Und so kam es nie zu Petersilie im Urlaub, dem durchaus interessant klingenden Südseeroman. Der Oberkellner Nietenführ erklärt dem Herrn Kästner darauf, dass man besser über das schreibe, was man kenne. Kästner entgegnet darauf, dass ja trotzdem Schiller erfolgreich über die Schweiz geschrieben habe – und, möchte ich als Leser ergänzen, der Karl May über den Orient und Amerika, obwohl er nie da war. Die Antwort des Oberkellners darauf: “Da hat er eben vorher Kochbücher gelesen [...] Wo alles drinstand.”

Und recht hatte er, der Oberkellner, zumindest was die Kochbücher betrifft.

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Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie. Christian Teubner, Annette Wolter. Gräfe und Unzer 1982.

Irgendwann habe ich angefangen, mich fürs Kochen zu interessieren. Erst kamen die Kochbücher, die ich gelesen habe, und dann die Lust, Dinge auszuprobieren, die ich in den Kochbüchern fand. Ein Favorit war Spezialitäten der Welt. Ich kann gar nicht aufzählen, was ich aus diesem Buch alles gelernt habe – nicht unbedingt über das Kochen, denn das Rezept für die Salzburger Nockerln gibt eine zu hohe Temperatur bei zu kurzer Backzeit vor, und das war natürlich eines der ersten Rezepte, die ich ausprobierte. (Peter Alexander, klar.) Nein, ich lernte viel über Geographie. Die Gerichte sind geographisch angeordnet: Südeuropa, Westeuropa, Nordeuropa, Osteuropa (Polen und Sowjetunion), Mitteleuropa (Deutschland, Schweiz, Österrich, Tschechoslowakei, Ungarn), Balkan, Vorderer Orient, Nordafrika, Schwarzafrika, Nordamerika, Mittelamerika, Südamerika, Südasien (Indien, Sri Lanka), Südostasien, Ostasien, Australien/Ozeanien. Die Titel der Gerichte jeweils auf Deutsch und in der Originalsprache.

Spaghetti mit Pesto, lang bevor das hier aufkam. (Wir erinnern uns: Das Buch stammt aus einer Zeit vor dem Döner in Deutschland, der am Anfang ohnehin noch Gyros hieß, vor Sushi, selbst Jahre vor dem Tex-Mex-Boom ab Mitte der 1980er Jahre. Chinesisch, das gab es.) Bei Spanien habe ich von Migas erfahren und von Nierchen. Portugal: Was Stockfisch ist. Die gebratenen Heringe aus England habe ich einige Jahre später in einer winzigen Jugendherberge dann mal vom Herbergsvater zubereitet gekriegt. Dass die in England ihren Pudding mit Rindernierentalg machen, und überhaupt: was ein Pudding ist. Und Cornish Pasties. Und Treacle Tart. Dass man in Dänemark eine ganze Mandel im süßen Reis versenkte. Was Anchovis sind (Schweden). Borschtsch, Blini. Quarkspeise zu Ostern. Was Kwass ist. Oder, wieder westlicher, eine Wähe. Ein Beuscherl (was man so alles essen kann). Baklawa zum Nachtisch, und Imam Bayildi, das ich später wiedererkennen sollte. Ein Bild von Lammfleischspießen mit Joghurtsauce, nach dem ich immer noch Hunger habe. (Pilaw kannte ich ja schon von Karl May.) Süße orientalische Desserts. Gefilte Fisch, Kreplach, Cholent und “Kihen fin Veisseriben” (Pastinakenkuchen). Manches andere kannte ich schon von libanesische Bekannten meiner Eltern. Jambalaya, das Gericht noch vor Hank Williams oder, später, Jerry Lee Lewis. Als 2014 anlässlich der Weltmeisterschaft in Brasilien das Nationalgericht Feijoada vorgestellt wurde, habe ich gleich das Bild von S. 243 herausgesucht. Dann die Satéspießchen, erste selbstgemachte Erdnusssauce. (Nasi Goreng auf der Seite gegenüber kannte man ja eh schon seit irgendwann vor meiner Zeit.) Sashimi, roher Fisch. Komisch, dabei hieß das in Blade Runner doch Sushi… aber da war Blade Runner nicht ganz exakt.

Jetzt höre ich dann mal auf. Für so eine gesunde Allgemeinbildung und Neugier gegenüber anderen Ländern gibt es jedenfalls wirklich Schlechteres als solche Kochbücher zu lesen.

Empfehlenswert: Die Maisfritters von S. 230, die gewürzten Ananas S. 258.

— Gehört nicht ganz zum Thema, aber in die Zeit: “Zuppa Romana” (1984) von Schrott nach 8.

Ach, Familie

Die letzten Tage war ich in Berlin, anlässlich einer Beerdigung, ein Lehrerkollege und Familienmitglied. Ich kannte ihn nur von wenigen Treffen, aber die Witwe viel besser – wir haben in unserer Kindheit viel zusammen unternommen. Überhaupt hatte ich in meiner Kindheit viel Familie um mich herum. Eltern, zwei Brüder, Großeltern, die Geschwister meiner Mutter (vier davon, die den Krieg überlebt haben), jeweils mit Partnern und Kindern und in alle Welt verstreut. Auf der väterlichen Seite nur ein Tante-Onkel-Paar, aber dafür eine unübersichtlichere, aber große Zahl an entfernteren Verwandten.

Und meine Mutter war zumindest für ihren Teil der Familie ein zentraler Anlaufpunk der Familie, auch weil ihr Vater nebenan lebte. Und so gab es sehr oft Besuch von überall her. Gästebetten, Luftmatratzen. Beerdigungen, Hochzeiten. Gegenbesuche, Weihnachtsplätzchen. Das war schon schön, so rückblickend. Als Kind und Jugendlicher war es das nicht, da war das einfach normal.

Meine eigene Generation, ich vorneweg, hält es leider nicht so genau mit den Familientreffen. Selbst mit meinen Brüdern steht ich nicht wirklich in engem Kontakt; alle paar Jahre gibt es kleinere Besuche, so wie jetzt anlässlich der Beerdigung, und wir versprechen uns, dass wir uns öfter sehen wollen, und dann wird doch nichts daraus.

Ich mag Familie. Auch wenn man die sich nicht aussuchen kann, oder vielleicht gerade deswegen. Ich muss mal wieder Kurt Vonnegut lesen, Cat’s Cradle, und davon ausgehend Vonneguts Gedanken zu wampeters und granfalloons, die Vonnegut in diesem Roman als Teil der bokonischen Philosophie entworfen hat. Ein granfalloon ist:

a group of people who imagine they have a connection that does not really exist. An example is “Hoosiers”; Hoosiers are people from Indiana, and Hoosiers have no true spiritual destiny in common, so really share little more than a name.

Ich weiß nicht, ob es in Cat’s Cradle war oder wohl doch eher in einem seiner Essays, in dem Vonnegut sich zu Familien äußert und deren Wichtigkeit, und quasi künstliche Familien vorschlägt: Irgendwie ziemlich willkürlich werden Leute in Gruppen zugeteilt, und wenn man Leute aus der gleichen Gruppe trifft, freut man sich, und hilft einander, und ist nicht allen. Wie in Familien, die sucht man sich ja auch nicht aus. — Diese Gruppen dürfen natürlich kein granfalloon sein, das sich ja aufgrund eines falschen karass als Gruppe sieht und die nicht wirklich durch ein karass verbunden sind. Oder doch? Wie gesagt, ich habe mir den Vonnegut wieder mal auf den Nachttisch gelegt.

Wie gesagt: Ich mag das, dass man sich Familien nicht aussucht und ohne gefragt worden zu sein Verwandtschaft hat. Mit Warzen und allem. (Fußnote: Das sagte Oliver Cromwell zu einem, der ihn malen sollte.) Das macht einen selber nicht so wichtig, wenn es Dinge gibt, die man sich nicht aussucht.

Allerdings: Ich habe auch keine echten Gruselgeschichten in der Familie; alles normale, liebe Menschen. Ist wohl tatsächlich nicht immer und überall so.

Nachtrag: Das alternative Familienkonzept findet sich in Vonneguts Slapstick, das als eines der schwächeren seiner Werke gilt. Mir hat es damals gefallen; ich werde mal wieder hineinschauen.

Webfilter für die Schule – Bildung, Erziehung, Aufklärung

An den meisten Schulen dürften Filter installiert sein, damit man verhindern kann, dass Schüler bestimmte Webseiten erreichen. Zumindest in Bayern ist eine Filterung nicht vorgeschrieben, aber irgendwie muss auf jeden Fall überwacht werden, dass Schüler nicht auf ungeeignete Seiten kommen, und so ein Filter unterstützt die Lehrkräfte, die das nicht durch Präsenz oder Unterrichtsorganisation können. Ich bin eher gegen Filterung für meine Schulart – zumindest solange Schüler nicht ohne Aufsicht an Rechner dürfen, dann müsste ich noch einmal darüber nachdenken.

Man kann entweder über eine Whitelist filtern, so dass nur bestimmte Seiten erlaubt und alles andere verboten ist, oder über eine Blacklist, so dass man bestimmte Seiten ausschließt. Kein Systembetreuer kann selber sinnvoll eine Blacklist erstellen, dafür gibt es zentrale Sammlungen von zu sperrenden Seiten. Eine solche ist die der Firma TIME for kids, die Filtersoftware für Schulen vertreibt. Die Firma fasst Seiten zu Kategorien zusammen, so dass man ganze Kategorien sperren oder zulassen lassen. Ein Schüler hat mal geschaut, in welcher Kategorie mein Blog ist: immerhin in “Bildung / Erziehung / Aufklärung”. Ein anderes Blog, für das ich ein bisschen den Admin mache, steht unter “Allgemeine Geschäftstätigkeiten”, was so was von gar nicht passt. Die eigene Schulhomepage ist übrigens “Nicht verfügbar oder zu keiner Kategorie passend.”

(Hm. Alle anderen selbst gehosteten Lehrerblogs, die ich getestet habe, gehören zu “Allgemeine Geschäftstätigkeiten”, nur die Sachen bei Blogspot oder WordPress.com kommen in die Blog-Kategorie.)

Unter http://www.cobion.de/support/techsupport/urlcheck/url-report-tfk.asp kann man die Kategorie einer URL überprüfen und Änderungsvorschläge machen. Aber macht mir nicht meine schöne Bildungswertung kaputt!

(Dass ich niemandem verrate, wo mein privater Proxy ist, mit dem ich den Filter umgehen, uh, könnte, ist eh klar.)

Wandertag in der Glyptothek

Mit dem Deutsch-Leistungskurs bin ich regelmäßig in die Glyptothek gegangen, zum Thema Klassik, vielleicht auch zu einem abendlichen Vortrag. (Dann fällt auch nichts aus für die Kollegen.) Seit Jahren war ich nicht mehr dort, aber heute war Wandertag der Q11, ich ging mit dem Kunstkurs mit, und der ging tatsächlich dorthin. Ich durfte meine Sprüchlein zu archaischer, klassischer und hellenistischer Plastik loswerden, aber hauptsächlich ging es darum, dass die Schüler zeichneten. Diesen archaischen Jüngling etwa:

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Und ich musste auch mitzeichnen. Hier mein Ergebnis:

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Bin so mittel zufrieden. Die Schülerergebnisse, das freut mich, waren besser als meins, aber mit den Füßen und dem linken Arm hatten wir allen Probleme. Îch werde jedenfalls nicht den Beruf wechseln.

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So ein archaischer Jüngling heißt Kuros (Plural Kuroi). Der hat ein feines Lächeln im Gesicht, aber keine individuellen Züge, will heißen: die sehen irgendwie alle gleich aus. So ein Kuros steht ganz gerade da, ein Fuß etwas weiter vorn, aber Schultern und Körper ganz gerade.

Die Klassik arbeitet dagegen mit Spielbein und Standbein, da ist ein Knick in Hüfte und Schulter. Die Züge sind aber auch nicht individuell, sondern idealisiert. Ein paar Schüler haben auch so etwas gezeichnet:

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Und danach gibt es die hellenistische Epoche – realistischer, mit Kleidung, mit individuellen Charakterzügen. Das ist die Zeit, von der die deutsche Klassik so schwärmt. In der Glyptothek gibt es den berühmten Barberinischen Faun, ohne Bocksfüße, aber sehr lasziv. Daneben gibt es hier noch die trunkene Alte und einen Knaben mit der Gans.

Wolf Haas. Brennerova

haas_brennerova Von Wolf Haas lese ich alles. Am meisten freue ich mich darüber, wenn es kein Krimi vom Brenner ist, aber zur Not nehme ich auch den, das lohnt sich auch immer.

Brennerova ist schwärzer, als ich die früheren Brenner-Krimis in Erinnerung habe. Dort ging es jeweils um Nebenerwerbsverbrecher sozusagen, die Hauptsächlich dann doch in anderen Branchen tätig waren. Hier gibt es dagegen gleich die richtig bösen Jungs. Und der Brenner, der kommt mir mehr wie ein richtiger Detektiv vor – vielleicht liegt das nur daran, dass der Brenner bald von einer faszinierenden Frau den Auftrag kriegt, ihre kleine Schwester zu suchen, die im Sündenbabel verloren gegangen ist. Bei kleinen Schwestern denke ich doch immer gleich an Raymond Chandlers Die kleine Schwester, den fünften Roman um den Privatdetektiv Philip Marlowe.

Außerdem hat der Brenner jetzt so etwas wie eine Sekretärin, so wie Sam Spade (Effie Perrine) und Perry Mason (Della Street). Nicht in dem Sinn, dass er überhaupt arbeitet, oder ihr ein Gehalt zahlt, aber doch so, dass sie ihn immer wieder dazu überredet, einen Fall anzunehmen, den er sonst vielleicht abgelehnt hätte.

Die Handlung ist etwas weit hergeholt, aber das stört mich nicht. Fährt der Brenner halt mal schnell nach Moskau und anderswohin. Sonst sage ich mal nichts dazu. Ein paar schön schräge Szenen gibt es, und ein Ochsenbild direkt aus dem Zen-Buddhismus – aber vielleicht ist das Tier auch nur für ein wirklich kalauerndes Wortspiel ganz zum Schluss da.

Mein Computer ist für mich…

Bob Blume nimmt an einer (SPD-nahen) Blogparade zu Digitalen Themen teil. Man soll dabei Sätze zu Ende schreiben. Der zweite davon beginnt:

Mein Computer ist für mich…

Der Satz scheint davon auszugehen, dass ich nur einen Computer habe. Ich habe aber zwei, einen großen Laptop (2013) und ein kleines Laptop für unterwegs. Das große Laptop enthält verschiedene virtualisierte Computer, aber die zählen wohl nicht.

Ein alter Laptop (2005) steht auch noch ungenutzt im Regal. Macht drei.
Mein Android-Tablet, sind schon vier.
Der Arduino für die Schule. Fünf.
In der Uni gibt es auch noch einen Rechner, den ich als meinen betrachte.

Wobei… der Fernseher ist auch ein Computer, so richtig mit Internet. Der DVD-/Festplattenrekorder (ein Relikt) auch.

Die neue Küche piept nicht nur gerne mal, sondern ist auch voller Computer: Der Kühlschrank ist ein Computer, der Backofen, die Waschmaschine, die Spülmaschine auch. Bei den Kochplatten bin ich mir nicht sicher. Die Küchenwaage ist wohl keiner, aber sicher bin ich mir auch da nicht.

Was ist überhaupt ein Computer? Ein Ding, das rechnen und sich Sachen merken kann, und das man programmieren kann. Sekundär ist, wie leicht ich auf diese Rechen- und Programmiermöglichkeit Zugang habe. Am einfachsten geht das, wenn ich mit einem normierten Stecker eine Tastatur und einen Bildschirm anschließen kann, und wenn das Betriebssystem auf dem Computer dann eine nützliche Ausgabe über den Monitor liefert und Eingaben über die Tastatur annimmt. Wenn nicht… na, dann muss man vielleicht andere Geräte anklemmen und ein bisschen löten, aber ein Computer ist das trotzdem.

Halt, einen habe ich noch! Mein Drucker ist selbstverständlich auch ein Computer. Der Beweis: Man kann auf ihm Doom laufen lassen. (Video hier.) Das ist eine keinesfalls notwendige, aber absolut hinreichende Bedingung dafür, dass irgend etwas ein Computer ist. Tatsächlich ist das wohl mit die erste Spielerei, die irgendein Stück Hardware über sich ergehen lassen muss: Kann man darauf Doom laufen lassen?

Und mein Router ist ja auch ein Computer, fällt mir gerade ein.

Jeder USB-Stick – und überhaupt jedes USB-Gerät – ist auch ein eigener Computer. (Soll ich wirklich anfangen, die zu zählen?) Auf jedem USB-Stick ist ein Bereich, der dafür sorgt, dass der Stick etwas tut, wenn der USB-Stick eingesteckt wird, nämlich mindestens eine Verbindugn zwischen den Geräten herzustellen. An diesen Bereich kommt man als Nutzer normalerweise nicht ran. Aber vor einiger Zeit haben Entwickler gezeigt, dass das prinzipiell doch geht, und dass man in diesen Bereich auch Schadsoftware einspielen kann, der dann auf dem Rechner, in den der Stick eingesteckt wird, alles mögliche machen kann. Siehe WIRED, ganz aktuelle Sache.

Spätestens jetzt müsste man sich eigenlich fragen, was ein Computer eigentlich ist. Einen Computer kann man sich wie ein großes Patiencespiel vorstellen, mit vielen Karten. Mit dem Computer kann man alles berechnen, was überhaupt berechenbar ist. Mit einem etwas stupiden Patiencespiel auch: Es gibt einen Haufen Karten und dazu einen überraschend kleinen Satz von Spielregeln. Dann bringt man die Karten in eine Ausgangsposition und fängt an zu spielen. Irgendwann geht die Patience dann meist nicht mehr weiter, und aus der Lage der Karten – alle aufgebraucht? alle offen? wo verteilt? – kann man dann das Ergebnis der Berechnung ablesen, und zwar jeder beliebigen Berechnung. Das geht alles mit dem jeweils identischen kleinen Satz an Spielregeln. Wenn man das elektronisch macht und nicht mit Patiencekarten, dann ist das ein Computer.

Irgendwann stelle ich vielleicht diese Computer-Patience-Regeln vor. Eine beliebte Variante davon heißt “Turing-Maschine”.
Wenn ich vorher weiß, wie viele Karten beziehungsweise wie viel Platz auf dem Schreibtisch ich höchstens brauche, dann kann ich damit eine ganze Menge berechnen, aber doch nicht alles. Wenn ich nicht vorhersagen kann, wieviel Schreibtischplatz ich höchstens brauche, dann geht aber wirklich alles, was geht. Das heißt dann “turing-vollständig”. Manches geht dann zwar noch immer nicht, aber das gilt dann auch für den Elektronik-Computer.

Hier ist eine Liste von Programmen und Spielen von Zeug, die sich zufälligerweise als turing-vollständig herausgestellt haben: Accidentally Turing-Complete. Ziemlich technisch, aber das Kartenspiel Magic: The Gathering kenne ich halbwegs. Ja, innerhalb des Spiels kann man einen Computer simulieren und beliebige Berechnungen durchführen (Cory Doctorow dazu).

Varnde Guot

Ich bin sehr begrenzt multitaskingfähig. Lesen, Fernsehen und sich unterhalten, das geht gleichzeitig, jedenfalls bei vielen Inhalten. Information aufnehmen kann ich gut, solange ich mit nichts anderem beschäftigt bin.
Allerdings reicht es schon, mir eine Zwiebel oder Gurke zum Schnippeln zu geben: Sobald ich etwas mit den Händen machen muss – außer Tippen vermutlich – kann ich kaum einem Gespräch folgen oder Fragen beantworten.

Varnde guot, das ist – sagen wir mal – mittelhochdeutsch für “bewegliche Güter”, also Mobilien, also Möbel. Die neuen Küchenmöbel haben mich vom Bloggen abgehalten, weil ich mit der neuen Küche beschäftigt war, und ganz und gar nicht multitaskingfähig bin, wenn ich so etwas im Kopf habe. Also: Frau Rau und ich haben eine neue Küche. Die alte haben wir vor fünfzehn Jahren von den Vormietern übernommen. Zum Umzug haben wir uns keine neuen Möbel gekauft, sondern die alten mitgenommen – bei Frau Rau aus Kinder- und anderen Tagen, bei mir eine Kredenz von meinem Großvater, Sessel der Großmutter einer Freundin, Sessel einer Tante, Kronleuchter derselben Tante. Aus der ersten gemeinsamen Wohnung brachten wir Stühle und einen Tisch, Betten und diverse Regale mit. In den letzten fünfzehn Jahren haben wir uns ein Sofa angeschafft und eine von diesen kleinen neuen Design-Stereoanlagen, die etwa ein Sechstel Platz wegnimmt von dem, was früher Boxen, Verstärker, Plattenspieler, CD-Spieler brauchten. Und Bücherregale, das war’s dann aber auch.

Die alte Küche gab nach und nach auf. Der Wasserhahn tropfte, wenn man ihn nicht in genau der richtigen Stellung platzierte. Die Waschmaschine leckte und wollte bei jedem Durchgang gekippt werden; dann tropfte sie nicht mehr, stand aber schräg und musste beim Schleudern umarmt werden, um nicht fortzuwandern. Die Spülmaschine tat ihren Dienst, aber das Oberteil des Drehknopfs zum Einschalten war abgebrochen und die Manipulation des Restknopfs erforderte Fingerspitzengefühl (und trockene Finger). Außerdem brach der obere Spülkorb regelmäßig weg. Und wir sind hier alle keine Reparierer in diesem Haus. So richtig gefallen hatte uns die Küche eh nie.

Also entschlossen wir uns zu einer neuen Küche. Hätte eigentlich in den Sommerferien sein sollen, aber das hat sich dann doch alle sum ein paar Wochen verschoben. Erst kam alles raus, bis auf die Bodenfliesen. Am nervenaufreibendsten war das Legen der neuen Steckdosenleitungen. Laut! Laut! Laut! (Die armen Nachbarn.) Verputzen, Streichen, Liefern und Aufbauen der neuen Möbel. Nein, da hatte ich keinen Nerv zum Bloggen.

Jetzt steht sie aber schon fast ganz. Ist schon ein bisschen eine Luxusküche, aber wir kochen ja beide gern. Spül- und Waschmaschine nicht ganz auf Augenhöhe, aber doch recht weit oben. Und ruhig! Und trocken! Herd auf auf Augenhöfe. Mit ziemlich heiß und mit Dampfeinspritzung, dann muss man beim Brotbacken nicht die Tasse Wasser in den Ofen kippen. Und ein Kühlschrank, größer als ich! Und Platz! Ein eigenes Fach für die selten gebrauchten Küchenutensilien, und ein zweites für die noch seltener gebrauchten. (Ganz erstaunlich, was sich da so ansammelt. Aber meine mexikanische Tortillapresse möchte ich trotzdem nicht missen.)

Varnde guot, das heißt nicht wirklich bewegliche Gütter. Ich habe oben geschwindelt. Varnde guot sind eher: dahinfahrende, weltliche, temporale Güter (statt spiritueller). Ich habe ja als Bücherfreund und Comic-Sammler besonders viel davon. Aber ich bin mir dessen Vergänglichkeit sehr bewusst. Wenn ich mal tot bin, was passiert dann mit meinen Comics und Büchern? Wo sich doch jetzt schon keiner mehr für James Branch Cabell interessiert.
In den Ferien war ich in der Wohnung einer verstorbenen alten Freundin der Familie. Eine Wohnung (ich war früher öfter dort) voller Kuriositäten. Reisemitbringsel der letzten vierzig Jahren, aus Afrika und Asien, vor allem. Statuen und Ausgestopftes, Briefmarken und Geldscheine, Eintrittskarten und Reiseführer, Stammesabzeichnen und Touristennepp, Bumerangs und Dolche und Blasrohre, Poster und Autogramme. Und keine Erben. Wertvoll ist nichts davon, denke ich. Aber so schön, so bunt. Ich habe mir drei, vier Sachen ausbedungen als Erinnerungsstücke – eher deshalb, um die Illusion wahren zu können, um weiter Komplize bei der gesellschaftlichen Verschwörung zu sein, dass das, was die Verstorbene und ich, und überhaupt alle, so tun und lassen und anhäufen, temporal oder spirituell, einen Sinn hat. Ich leide nicht an meinem Nihilismus, ich bin ein glücklicher Mensch, eben weil ich augenzwinkernd mitmache bei dem Spiel, so zu tun, als wäre irgend etwas wichtig. Und damit es wichtig ist, was Leute in ihren Wohnungen ansammeln, muss man wenigstens ein oder zwei Teile mitnehmen.

Ach ja, Schule. Zum Personalausflug letzte Woche stieß ich erst zum Abendessen, vorher waren die Handwerker da. Drei Kurse habe ich vor allem, das W-Seminar zum Thema Horror, einen Infomatikkurs in der Q11 und einen Deutschkurs. Machen alle Spaß bisher.