Schuljahresanfang 2014/15

(Der Schuljahresbeginn ist eigentlich Anfang August, was Mitte September beginnt, ist lediglich der Unterricht. Aber wir wissen ja alle, wann es wirklich losgeht.)

Heute meine ersten Stunden gehabt. Ach, das freut mich jedesmal. Ich will mich weder mit Heinrich Heine vergleichen noch mit dem Riesen Antäus, der immer wieder neue Kraft erhält, wenn er seine Mutter – Gaia, die Erde – berührt, noch mit sonstigen Riesen, aber ich muss an jedem Schuljahresanfang an ein paar Verse aus dem Anfang von Heines Deutschland. Ein Wintermärchen denken:

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte –
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Ein gewisses Aufwachen bringt der erste Schülerkontakt nach den Sommerferien jedenfalls schon mit sich.

Ansonsten: An zwei Konferenzen teilgenommen. Stundenplan begutachtet, Unterrichtsverteilung, bin sehr zufrieden. Die Leute geben sich aber auch Mühe damit bei uns. Neu: Wir testen gerade das Doppelstundenprinzip, und soweit möglich das Fachraumprinzip – der Idealfall, dass jeder Lehrer einen eigenen Raum kriegt, geht natürlich aus vielen Gründen nicht. Schauen wir mal, was Schüler und Lehrer dazu sagen werden.

Meine Bücherregale

Im Moment kursiert gerade eine Blogparade zum Thema “Meine Bücherregale”, etwa bei Hauptschulblues und Fontanefan. Mein Beitrag ist dieses schon ein paar Jahre altes Foto einiger Regale (Couch und Sessel stehen inzwischen anderswo):

meine_buecherregale

Das sind die Regale mit Belletristik, nach Herkunftsprachen des Originals sortiert – englischsprachig, deutschsprachig, spanischsprachig, sonstige Sprachen. Nur die Reclamhefte haben einen eigenen Bereich gekriegt. Anderswo gibt es noch Regalwände für Comics, für Taschenbuchserien phantastischer Literatur, und – lose nach Gruppen eingeteilt – für Anthologien und Sachbücher aller Art. Für die Schule habe ich gar nicht mehr so viel, drei Meter und fallend. Als Referendar fängt man ja erst mal mit Unmengen von Büchern an. Allerdings liegen bei mir auch am Nachttisch, Arbeitstisch und auf dem Fensterregal erstaunlich dauerhafte Nester von Büchern, mit denen ich gerade – oder jedenfalls bald – irgendwas arbeite.

“Meine Bücherregale” sind gar nicht meine, sondern unsere. Nach wenigen Jahren doppelter Bücherführung haben Frau Rau und ich unsere Bücher zusammengelegt und Dopplungen entfernt. Seit einigen Jahren achten wir darauf, dass wir nicht viel mehr Bücher haben, als in die Regale passen, neue Regale kommen nicht mehr hinzu; zu diesem Zweck wird regelmäßig aussortiert. Ihr wisst doch, diese eine Farm, auf die in amerikanischen Fernsehserien immer die geliebten Haustiere der Familienkinder gebracht werden, um dort in Ruhe ihren Lebensabend zu fristen, so erzählt man es den Kindern jedenfalls… stellt sich heraus, auf dieser Farm wird auch viel gelesen.

Frau Rau ist sehr viel forscher als ich beim Aussortieren; ich vermute da Psychologisches, allerdings hat sie auch einen E-Reader. Ich lese Texte selber auch gerne digital. In den letzten zwei Wochen habe ich viel Vampir-Kurzprosa gelesen, alles am Rechner. (“Carmilla”; das erste Kapitel von Varney, der Vampir; Polidoris “Der Vampyr” und Byrons Fragment; E.T.A Hoffmann; dessen Vorlage aus Tausendundeiner Nacht.) Allerdings waren das zum Großteil deutsche Übersetzung, die ich auf Papier zum Teil gar nicht besitze, und außerdem habe ich sie alle korrekturgelesen, an neue Rechtschreibung angepasst und korrekte Anführungszeichen und Gedankenstriche gesetzt, damit ich sie an Schüler weitergeben kann. (Nächstes Jahr: W-Seminar zu Horror in Literatur, Film und Spiel.)
Und doch: Ich möchte Bücher lieber auf Papier lesen und – gegebenenfalls – auf Papier behalten. Viele Bücher, die ich auf dem E-Reader gelesen habe, haben mich nicht genug interessiert, so dass ich Papierausgaben gar nicht behalten hätte. Da ist mir das mit dem Reader schon recht. Mindestens zwei allerdings haben mir sehr gut gefallen. Aber sie stehen nicht im Regal, der Reader (ein alter Kindle touch) ist zu fummelig, man kann die beiden Bücher schlecht mit anderen teilen. Sie gehören ja auch Frau Rau und nicht mir, beziehungsweise: Sie gehören Amazon, aber Frau Rau darf sie auf ihrem Reader haben. Also: Neue Bücher möchte ich auf Papier, wenn sie mir gefallen, und digital, wenn nicht. Bei alten Büchern reicht mir oft eine digitale Ausgabe, sofern es sich um ein offenes, zukunftsfähiges Format handelt. Wenn ich schnell eine bestimmte Novelle von E.T.A. Hoffmann lesen möchte, dann natürlich digital; ich brauche auch keine Gesamtausgabe von E.T.A. Hoffmann zu Hause im Regal – das allerdings nur aus Platzgründen; ich würde gerne in einer riesigen Bibliothek leben.
Also: So viele Bücher im Regal wie möglich, aber wenn nicht mehr gehen, dann halt nicht. Mit ein paar tausend Bücher kann man auskommen, so quasi als Mitbewohner, den Rest muss man halt ab und zu besuchen gehen.

Ihr kennt doch alle dieses mnemotechnische Hilfsmittel, mit dem man sich ganz viel Sachen merken kann, indem man die Sachen in einem bekannten Raum verteilt, den man sich vorstellt? Ich merke mir, welche Bücher ich gelesen habe und was in ihnen steht, indem ich sie in einem bekannten Raum verteile, den ich mir nicht nur vorstelle.

Von Reisen ins Aus- oder Inland bringe ich eigentlich nie etwas zurück, keine Glaskugeln, keine Postkarten, keinen jemenitischen Dolch und keinen Schrumpfkopf. (Affe, nicht Mensch. Warum ich trotzdem gerade einen solchen Schrumpfkopf und einen jemenitischen Dolch auf dem Schreibtisch habe, ist vielleicht etwas für später.) Aber bei Reisen in die Gedankenwelt eines Autors freue ich mich über ein kleines Erinnerungs-Mitbringsel: Wie praktisch, dass Bücher ihre eigenen Reisesouvenirs sind.

Gedicht zum Thema:

My days among the Dead are passed;
Around me I behold,
Where’er these casual eyes are cast,
The mighty minds of old:
My never-failing friends are they,
With whom I converse day by day.

With them I take delight in weal
And seek relief in woe;
And while I understand and feel
How much to them I owe,
My cheeks have often been bedew’d
With tears of thoughtful gratitude.

My thoughts are with the dead; with them
I live in long-past years,
Their virtues love, their faults condemn,
Partake their hopes and fears,
And from their lessons seek and find
Instruction with an humble mind.

My hopes are with the dead: anon
My place with them will be,
And I with them shall travel on
Through all Futurity;
Yet leaving here a name, I trust,
That will not perish in the dust.

Robert Southey

Online habe ich das Gedicht unter dem Titel “The Scholar” gefunden; ursprünglich trägt es wohl keinen Titel und so habe ich es auch kennen gelernt, deshalb bleibt das so. Nicht alle Interpreten haben übrigens erkannt, dass es dabei um Bücher geht. — Selber werde ich keinen Platz unter diesen Toten einnehmen, und ich bin auch skeptisch, was “all Futurity” betrifft. Viele meiner Autoren sind sehr, sehr wenig bekannt, und der erste Vampirroman der Weltgeschichte – Ignaz Ferdinand Arnold, Der Vampir, 3 Bände, Schneeberg 1801, falls den einer von euch mal auf dem Dachboden findet – hat schon mal nicht überlebt. Southey war zum Zeitpunkt dessen Erscheinens 27 Jahre alt, aber gut, zeitgenössische Autoren, und gar Romaneschreiber, wird er nicht im Sinn gehabt haben.

Vögel im Baum, 2014

Das Bild ist aus drei Einzelbildern entstanden, die ich gestern im Lauf von zwei Minuten gemacht habe. Das alte Astloch scheint die Vögel mächtig zu interessieren.

im_baum_2014

Baumläufer und Kleiber gibt es hier eigentlich immer, aber der Grünspecht ist ein sehr seltener Gast. Er fiel mir zuerst auf der Wiese auf, weil die Silhouette so gar nicht aussah nach einem der üblichen Vögel hier:

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Eichhörnchen turnen gerade sehr viel herum. Das dürfte an dem wilden Walnussbaumliegen, dessen Früchte gerade interessant genug für sie werden.

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11 Fragen

Das Szlauszaf Thomas Hochstein hat zum wiederholten Mal bei dieser Sache mit den 11 Fragen mitgemacht, und weil das schon das dritte Mal ist, nimmt er das mit den Regeln nicht so genau. Ich war auch schon Teilnehmer, glaube ich, deswegen spiele ich jetzt gar nicht richtig mit, aber Thomas’ Fragen, die er allen seinen Lesern freigestellt hat, will ich doch beantworten. Denn sie beziehen sich eher technisch aufs Bloggen, das mag ich, und es sind noch Sommerferien, so dass ich nichts von der Schule zu erzählen habe.

1. Welches Blogsystem nutzt du, und wie hast du dich dafür entschieden?

Wordpress (offiziell: WordPress, und es ist gar nicht so leicht, das WordPress-System “Wordpress” schreiben zu lassen). Angefangen hatte ich vor zwölf Jahren mit Greymatter, weil es dafür keine SQL-Datenbank im Hintergrund brauchte, über die ich damals noch nicht verfügte, und weil ich Greymatter von dem einen Blog, dem ich folgte, bereits kannte. Bald stieg ich auf den damaligen Platzhirsch MovableType um – wie ich darauf kam, weiß ich auch nicht mehr. Als MT nach ein paar Jahren nicht mehr wirklich kostenlos zu benutzen war, stieg ich – wie viele, viele andere MT-Nutzer – auf Wordpress um. Warum MT? Ich weiß es nicht mehr; sah mir einfacher aus als Typo3.

2. Gibt es daran etwas, was du besonders schätzt oder was du vermisst, und wenn ja: was?

Ich schätzte die Einfachheit, die vielen Plugins und die aktive Community. Ganz schlecht ist aber die Verwaltung von Bilddateien.

3. Welche (max. 5) Plugins für dein Blogsystem kannst du empfehlen, und warum?

Für Schulhomepages mit Wordpress: Global Post Password, damit kann man für alle passwortgeschützten Beiträge das gleiche schulöffentlich bekannte Passwort setzen. Limit Login Attempts zur Sicherheit, um Brute-Force-Angriffe auf die Anmeldeseite zu verhindern. Remove Wordpress to WordPress filter, um in Ruhe “Wordpress” mit kleinem “p” schreiben zu können, wenn ich will.
Ansonsten habe ich noch viele Plugins installiert, aber keine sehr dringenden.

4. Hostest du Dein Blog selbst oder nutzt du einen Blogprovider, und: warum?

Selbst gehostet, unbedingt. Ein Provider hat den einen Vorteil, dass das Blog auch einem plötzlichen Ansturm von Anfragen gewachsen ist, wenn man überraschend von einer großen Seite verlinkt wird. Ansonsten will ich selber wissen, wie das System funktioniert, will mich selber um Backups kümmern, will an meinem Blog gestalten können, was ich will. Wenn mein Blog bei WordPress gehostet wäre, könnte ich nie “Wordpress” schreiben.

5. Worüber schreibst du, und wie hat sich die Wahl deines Themas (oder deiner Themen) ergeben?

Das hat sich im Lauf der Jahre geändert und wird sich sicher auch weiter ändern. Ich schreibe manchmal über meine Interessen (Bücher, Essen, Comics, Filme, Musik), meine Erinnerungen, aber vor allem über die Schule. Ergeben hat sich das, weil ich einen Kanal für meine Auslassungen über diese Themen brauchte, in deren Genuss sonst nur S-Bahn-Mitreisende und Frau Rau kamen. Ich schreibe keine Anekdoten aus der Schule, weil mich die nicht interessieren, und immer weniger über Erlebnisse udn Erfahrungen dort, weil die sich dann doch mit den Jahren wiederholen.

6. Wie entstehen deine Artikel: Geplant und recherchiert oder eher spontan? Schreibst du lange Berichte oder kurze, knackige Statements?

Inzwischen fast nur geplant und recherchiert. Nachdem es inzwischen andere Möglichkeiten für kurze Statements gibt, sind es eher lange Berichte. Jedenfalls machen die mir selbst am meisten Spaß.

7. Bleibst du in Deinem Blog streng fachlich oder schreibst du auch über Persönliches?

So in der Mitte. Mehr Fachliches als Persönliches, aber auch das Fachliche ist persönlich geprägt.

8. Wertest du die Aufrufe Deines Blogs statistisch aus, und wenn ja, wie?

Ich habe Piwik installiert, schaue aber immer nur phasenweise rein, manchmal wochenlang nicht. Wordpress selber bringt noch eine Auswertung mit, mit der ich aber auch nicht viel arbeite.

9. Wie ist deine Sozialisation im Netz verlaufen, wie hast du es kennengelernt, welche Dienste hast du zuerst genutzt?

An der Uni tauchte etwa 1994 eine Mitteilung auf, dass jetzt jeder einen Zugang zu den Internet-Rechnern im Computerraum kriegen könnte. Also hörte ich mir dort eine Einführung an, schreib fleißig mit und ließ mir Zugangsdaten geben. An einem der Rechner war sogar ein Browser fürs noch ganz frische WWW installiert, ansonsten gab es vor allem E-Mail (mit dem Programm NuPOP, auch für zu Hause – der Datentransport erfolgte mit eigens dafür reservierter Diskette) und Gopher (eine Art Web-Vorläufer). Auf einer Linux-Shell habe ich mir das Usenet angeschaut und ein wenig Telnet getrieben, lud mir RFCs (Nummer 1402, “There’s Gold in them thar Networks!”) herunter und füllte Ordner mit den Ausdrucken.
Gleichzeitig war mein Vater bei Compuserve, später dann bei AOL. In den Jahren zuvor hatte ich schon den einen oder anderen Akustikkoppler bei ihm gesehen (das war eine Art Modem-Vorläufer). Aufgewachsen war ich ohnehin mit Computern. 1998 bastelte ich meine erste Homepage und brachte mir dabei HTML bei. (Und zwar, indem ich den Code anderer Seiten bertrachtete und veränderte. Das geht heute leider nicht mehr so einfach – zuviel JavaScript und CSS drumherum.) An Diensten nutzte ich nur E-Mail, bei AOL, und natürlich FTP für die Homepage. Twitter, Facebook, Flickr, Google kamen dann erst auf, als mein aktuelles Blog schon stand, ich weiß gar nicht, in welcher Reihenfolge ich die ausprobierte.

10. Wie nutzt du das Netz heute?

Zum Recherchieren, zum Bloggen, zur Lektüre – da vor allem Nachrichten-Webseiten und mein RSS-Reader. Ich versuche, bei Blogs auch zu kommentieren. Bei Blogger.com geht das meist gar nicht, jedenfalls solange ich nicht mit meinem Google-Konto unterzeichne. Mein Google-Konto ruht allerdings. Ich kommentiere auch sonst nirgendwo, wo ich mich anmelden muss – nicht bei Facebook, nicht bei Google+. Das ist so ein Dilemma: Wenn man möglichst viele Leute erreichen möchte, kommt man um Google+ und Facebook nicht herum. Ich will ja gar nicht möglichst viele Leute erreichen, deshalb muss ich da nicht hin. Netzpolitisch ist es sicher gut, wenn dort auch kundige Leute präsent sind; und wer irgendwas mit Bildung macht, ist natürlich auf Öffentlichkeit angewiesen – trotzdem finde ich es kurzsichtig, seinen Diskurs diesen Plattformen zu übergeben. Schlimmer ist nur noch noch, am Sterben von RSS beizutragen durch gekürzte RSS-Feeds – ich habe inzwischen ein paar Kollegen, die ihren Feed auf einen Satz beschränkt haben, aus der Blogroll geworfen.
Ich twittere einigermaßen regelmäßig, aber spärlich; meine Tweets werden nach Facebook weitergeleitet, mit dem ich ansonsten nicht arbeite. Aber die Kollegen lesen dort.

11. Wie viel Privates gibst du im Netz preis – wie sieht bspw. dein Umgang mit privaten Fotos aus?

Unwissentlich gebe ich allein mit dem Smartphone Unmengen privater Daten preis. Bewusst: wohl so mittelviel. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass alles, was im Web ist, öffentlich ist. Ich stelle nicht viel private Fotos online, eigentlich nur Profilfotos für die Webseite. Ich mache aber auch nicht viele Fotos.

Schulentwicklungsprogramm und Erziehungspartnerschaft

Mit der letzten Änderung des BayEUG vom Sommer 2013 muss jede Schule so etwas haben. Nämlich einmal das hier:

Art. 2, Abs. 4, Satz 4: In einem Schulentwicklungsprogramm bündelt die Schule die kurz- und mittelfristigen Entwicklungsziele und Maßnahmen der Schulgemeinschaft unter Berücksichtigung der Zielvereinbarungen gemäß Art. 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Art. 113c Abs. 4 [=externe Evaluation]; dieses überprüft sie regelmäßig und aktualisiert es, soweit erforderlich.

Und zweitens das:

Art. 74. Abs. 1, Satz 2: In einem schulspezifischen Konzept zur Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Erziehungsberechtigten erarbeitet die Schule die Ausgestaltung der Zusammenarbeit; hierbei kann von den Regelungen der Schulordnungen zur Zusammenarbeit der Schule mit den Erziehungsberechtigten abgewichen werden.

(Das Konzept zur Erziehungspartnerschaft wird von der Schule erstellt; der Elternbeirat muss nicht zustimmen.)

Ich habe mal im Web gesucht, welche Schulen so ein Programm oder Konzept haben und auch online zur Verfügung stellen. Nicht viele. Vermutlich sind viele Schulen so diskret wie meine, dass sie Suchmaschinen grundsätzlich aussperren. Das geht nämlich – wenn man nicht möchte, dass Google auf eine Seite geht, dann geht Google da auch nicht hin. (Da macht man sich als Betreuer der Homepage tatsächlich etwas weniger Sorgen bei der Frage, ob man irgendwas online stellen darf oder nicht.)

Chicken Tikka Masala

Curries koche ich sporadisch seit über zwanzig Jahren. Ich habe diverse Rezepte, diverse Kochbücher ausprobiert; nie systematisch oder wirklich ernsthaft, aber doch in ordentlichem Unfang. Die Ergebnisse waren mäßig bis gut, teilweise auch sehr lecker – aber nie kamen sie an das heran, was ich aus England kannte. (Anders als die Rezepte für Samosas und Dals übrigens.) Doch jetzt habe ich ein Rezept, das funktioniert.

Der Fundort: “How to make the perfect chicken tikka masala” von Felicity Cloake beim Guardian online. Das Rezept ist Teil einer Kolumne von Cloake; in jeder Folge stellt sie ein Gericht (oder auch mal einen Cocktail) vor und fasst zusammen, wie verschiedene Autoren es zubereiten. Nach dem Ausprobieren und Vergleichen der Rezepte bietet Cloake dann ihre perfekte Lösung an. Das Format finde ich sehr interessant, weil man neben dem eigentlichen Rezept auch gleich Varianten kennenlernt.

Chicken Tikka Masala ist das wohl beliebteste Currygericht Englands. Und dort ist es auch entstanden: Den Gästen war wohl das traditionelle Chicken Tikka (=gegrillte Hühnerspieße) zu trocken, also improvisierten die Köche noch eine tomatenbasierte Sauce dazu.

Hier meine übersetzte Version des Rezepts. Überrascht daran hat mich, dass fast nur Gewürze gebraucht werden, die ich ohnehin im Haus habe. Die Vorgehensweise: Man mariniert zuerst das Fleisch über Nacht und grillt es dann. Kurz davor macht man die Sauce, in die dann die Fleischstücke gekippt werden.

1. Das Fleisch

  • Huhn für vier Personen, oder 800 Gramm Lammschulter, oder so
  • 2 Zitronen
  • 150ml Joghurt
  • 1 Esslöffel pürierter Ingwer
  • 3 Zehen Knoblauch, gepresst
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1½ Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel
  • 1 Esslöffel Garam Masala
  • 1 Esslöffel Paprika (edelsüß, geräuchert – z.B. spanischen Pimentón de la Vera dulce, aber anderer geht sicher auch)

Das Fleisch in Stücke schneiden und im Saft zweier Zitronen eine halbe Stunde marinieren. (Traditionell Huhn, ich nehme lieber Lamm.) Danach die restlichen Zutaten dazu, gut mischen, und über Nacht im Kühlschrank lassen. Den Ingwer kann man reiben oder erstaunlich gut im Mörser zermantschen.

2. Die Sauce

  • 6 grüne Kardamomkapsel
  • 1 schwarze Kardamomkapsel
  • 4 Nelken
  • 2cm Zimtstange (oder eher: etwas weniger an gemahlenem Zimt)
  • 2 Esslöffel Ghee oder Butterschmalz (oder ein neutrales Öl)
  • 2 kleine Zwiebeln, gehackt
  • 2 Esslöffel Ingwer, gerieben oder im Mörser zerstoßen
  • 8 Knoblauchzehen, gepresst oder zerstoßen
  • 400g gehackte Tomaten (=eine kleine Dose)
  • 1 Esslöffel Tomatenmark
  • 50ml Sahne
  • 2 kleine grüne Chilies, halbiert und entkernt
  • 1 Teelöffel Zucker
  • 1 Teelöffel Paprika
  • ½ Teelöffel Bockshornkleeblätter, gemahlen
  • 1 Teelöffel Garam Masala
  • 1 Esslöffel Zitronensaft (oder auch nicht)
  • ein paar Korianderblätter zum Dekorieren

Zuerst mahlt man sich mit dem Mörser die Nelken, die Samen aus den Kardamomkapseln und den Zimt. (Ich habe ohnehin immer nur gemahlenen Zimt genommen statt eines Stücks Stange. Und das war das erste Mal, dass ich schwarzen Kardamom verwendet habe – der ist größer als der grüne, weicher, und riecht geradezu geräuchert.)

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Dann kann man schon mal den Ingwer zerquetschen.

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Den Knoblauch pressen und die Zwiebeln hacken. (In meinen Bildern ist das jeweils etwas mehr als im Rezept, weil ich ich eine größere Menge gemacht habe.)

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Die Zwiebeln in dem Ghee oder Butterschmalz anbraten, bis sie weich und golden sind.

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Dann Knoblauch und Ingwer dazu und ein paar Minuten mitbraten. Dabei viel umrühren, das bleibt leicht an der Pfanne hängen.

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Zuletzt die vorbereiteten Gewürze – Nelken, Zimt, Kardamom – dazu und auch noch eine Minute mitbraten. Weiter umrühren.

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Dann das Tomatenmark, die gehackten Tomaten und 300 ml Wasser dazu geben. Zum Kochen bringen und dann auf niedriger Stufe etwas köcheln lassen, bis sich das Öl oben etwas absetzt.

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Mit dem Pürierstab pürieren. Im Bild erst mal nur die rechte Hälfte, aber eigentlich schon alles:

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Währenddessen oder auch erst jetzt spießt man die marinierten Fleischstücke auf Spieße auf, damit man sie beim Grillen leichter umdrehen kann. Serviert werden die Spieße ja gar nicht als solche. (Auf dem Bild sind die Fleischstücke etwas zu eng aneinander. Kann man nichts machen.)

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Der Grill sollte so heiß wie möglich sein, das Fleisch braucht schon sieben, acht Minuten auf jeder Seite. Darf ruhig ein paar dunkle Spitzen haben. Foto gibt es leider keines davon.

3. Und jetzt zusammen

Die Sauce wieder heiß machen, den Rest Marinade vom Fleisch reinkippen, ebenso die restliche Zutaten (Chilies, Zucker, Sahne, Garam Masala, Bockshornkleeblätter, Paprika, optional – bei mir eher nicht – Zitronensaft) und das Fleisch:

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— Exkurs zum Bockshornklee: Bockshornkleesamen habe ich schon öfter verwendet, die Blätter waren mir aber neu. Im Laden gibt es die gerebelt, die kann man auch so in die Sauce geben, aber wenn man die Blättert etwas in der Pfanne röstet, kann man sie im Mörser leicht zu Pulver zermahlen.

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Die Bockshornkleeblätter riechen übrigens sehr ähnlich wie der verwandte Schabzigerklee, den ich von Frau Rau als Brotgewürz kenne. —

So sieht das dann aus, mit etwas Dal an der Seite. Das Foto ist ehrlich gesagt von den Resten, am Kochabend habe ich am Ende gar nichts mehr fotographiert. Mit Fladenbrot essen.

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Derberer Humor

Was ein roast ist, weiß ich seit 1982, als ich das Comic-Heft Fantastic Four Roast #1 las:

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(Titelbild: Fred Hembeck und Terry Austin)

Das ist eine festliche Veranstaltung zu Ehren eines Gastes, der während dieser Veranstaltung von Gastrednern durch den Kakao gezogen wird.

Berühmt sind die Roasts des Friars Club in New York. Zum ersten Mal habe ich, glaube ich, in einem Buch über Vaudeville davon gelesen. Von 1998-2002 wurden die Roasts vom Kabelkanal Comedy Central übertragen; seit 2003 produziert der Kanal eigene solche Veranstaltungen – jeweils behutsam fürs Fernsehen zurechtgeschnitten. Auf Youtube kann man etliche dieser Sendungen sehen, hier ist ein vorzeigbarer Zusammenschnitt aus dem Roast von Charlie Sheen:

Die Witze der Festredner – alles bekannte Komiker und Schauspieler – sind teilweise ziemlich derb. Also nix mit Gürtellinie oder so. Ich verstehe nicht alle, weil ich behütet aufgewachsen bin und viele Witze mehr Wissen um damaliges amerikanisches Prominenten-Tagesgeschehen erfordert, als ich habe – aber doch die meisten. Die Gastredner ziehen auch über einander her, und am Schluss erhält der Ehrengast Gelegenheit zu einer ausführlichen Replik.

In einem Interview wird Sarah Silverman zu einem Austausch beim James-Franco-Roast befragt, als sie sich über Jonah Hill lustig machte und der sich darauf revanchierte. Wie man sich da fühlt und so. (Wie viel von so etwas eventuell doch scripted ist, kann ich nicht beurteilen.) Ich wundere mich, dass das das deutsche Privatfernsehen das Konzept noch nicht für sich entdeckt hat.

Berühmt geworden ist der Friars Club Roast von 2001 zu Ehren von Hugh Hefner. Das war wenige Wochen nach den Attentaten auf Washington und New York, nach den Twin Towers. Der Komiker Gilbert Gottfried machte die ersten Witze darüber. Das kam wohl nicht gut an beim Publikum. Hier ein Zeitungsbericht über die Veranstaltung. Aber Gottfried gelang es, die Gunst des Publikums wieder zu gewinnen, die Stimmung wieder herzustellen, indem er “The Aristocrats” erzählte, bis einzelne Leute auf dem Boden lagen vor Lachen.

“The Aristocrats” – kann man alles nachlesen im Internet – ist ein Witz mit einer langen Tradition, den sich Komiker gegenseitig erzählen. Auf der Bühne, vor Publikum, hat er eigentlich nichts zu suchen und wird auch nicht aufgeführt. Der ist mehr so eine Insidersache. Eigentlich ist er nur das Skelett für eine zu improvisierende Handlung. Er beginnt damit, dass eine Künstlerfamilie – meist Vater, Mutter, Kinder, Hund – einem Agenten eine Vaudeville-Nummer ankündigt. Dann folgt die improvisierte, nicht festgelegte Beschreibung der Nummer, die möglichst tabubrechend ist, voller Sex und Gewalt und Fäkalien, Inzest, Vergewaltigung, Mord. Am Schluss fragt der Agent: “Und wie heißt diese Nummer?”, worauf die Antwort – tadaa! – stolz lautet: “The Aristocrats!” (Anfang der Doku bei Youtube.)