Das könnte ich öfter machen; zu jeder Lektüre ein Stillleben mit den wichtigsten Dingen aus dem Buch – Symbolen, Leitmotiven, MacGuffins. Eine Sammlung davon wäre schön, so jeweils als Einstieg zur Besprechung oder Wiederholung.
(Und so haben meine Schüle auch mal Udon- und Ramen-Nudeln gesehen. Und ja, wir lesen das Buch in deutscher Übersetzung.)
Gerade höre ich “Je t’aime” in der Version des Ukulele Orchestra of Great Britain, voller Klamauk und frrrrranzösischen Wörtern, die nicht unbedingt alle immer zum Lied passen. Zwischendurch kommt auch ein gemurmeltes “la plume de ma tante”.
Diese Wörter verfolgen mich mein ganzes Leben begegnen mir immer wieder. Das erste Mal war in Badende Venus (Bathing Beauty, 1944, Esther Williams, Red Skelton). Dort lernt Red Skelton Französisch, oder tut zumindest so, um Esther Williams nahe sein zu können. Und so wiederholt er brav die Sätze aus seinem Schulbuch: “J’ai perdu ma plume dans le jardin de ma tante”, “Ich verlor meine Feder im Garten meiner Tante.”
Oookay. Endlich habe ich einen Hinweis darauf, was es wohl damit auf sich hat. Im Englischen – und wohl auch Amerikanischen, zumindest früher mal – ist das ein Satz, den man von sich gibt, wenn man scherzhaft demonstrieren will, dass man Französisch kann, aber ohne dass man etwas zu sagen hat. Im Französischen lautet das Äquivalent wohl: “My tailor is rich.” (Und das kenne ich auch irgendwoher. Ist das geheime Erkennungszeichen fürs Ungarische wohl: “Mein Luftkissenboot ist voller Aale?”)
Am Freitag war ich mit der 6. Klasse im Kino. Den Schülern hat der Film gefallen, das ist das wichtigste. Ich selber fand ihn routiniert, aber profillos. Schön war es allerdings, die griechischen Götter mal wieder zu sehen. Ich bin auch schon auf die Neuverfilmung von “Kampf der Titanen” dieses Jahr gespannt.
Einige neue Gedanken hat der Film (oder die Buchvorlage) der Mythologie dann doch abgewonnen. Gefallen hat mir “Auntie Em’s Garden Emporium”, ein Laden für Gartenzubehör, also vor allem diese Statuen, die man gerne in großen Gärten aufstellt. Große, weiße, lebensechte Statuen. Da ahnt man schon, wer “Auntie Em” ist.
Auch das Lotusesser-Casino in Las Vegas war eine schöne Umsetzung: man bleibt dort, genießt die tatsächlichen oder eingebildeten Freuden des Lebens und merkt nicht, wie einem die Zeit gestohlen wird. Zuschauer und Helden glauben, dass die Handlung dort wenige Stunden spielt; tatsächlich vergehen einige Tage, bevor die Helden entkommen. Verwundert hat mich nur: Percy entdeckt das Geheimnis der Lotusesser unter anderem dadurch, dass er einen jungen Mann beim Flipperspielen sieht, und zwar einen French-Connection-Flipper. French Connection ist ein Filmklassiker von 1971, und mindestens seit dieser Zeit ist der Mann im Casino und glaubt immer noch, es sei das Jahr 1971. Schock! Aber wer im Publikum kennt denn bitteschön French Connection? Percy will den Film vielleicht mal auf DVD gesehen haben, aber selbst das würde mich wundern. Hätte man da nicht einen Film nehmen können, den das Publikum auch tatsächlich als alt identifizieren kann? Aber vielleicht liegt das Problem ja wirklich darin, dass es für ein, sagen wir, vierzehnjähriges Publikum keinen solchen Film geben kann. Da ist Der weiße Hai genau so alt (und genau so unbekannt?) wie E.T., Terminator oder Matrix?
Immer wieder schön: griechische Götter in New York. Ich muss endlich mal “Das Nachtleben der Götter” von Thorne Smith lesen, da treiben sich die Götter eben auch in New York herum. Das Buch habe ich vor zwanzig Jahren im Regal gesehen, in der schönen Ausgabe der Bibliothek der phantastischen Abenteuer von Fischer, habe es durchgeblättert und nicht mitgenommen. Das reut mich die letzten Jahre immer wieder. Smith kennt man – wenn überhaupt – durch die Topper-Romane beziehungsweise deren Verfilmungen. Auch das “Nachtleben der Götter” ist verfilmt, aber fast unbekannt, eine Kritik bei der Internet Movie Database klingt äußerst interessant, auch wenn sie dem Film nur begrenzt Lob zollt.
Halbwegs originell: Percy Jackson hat Legasthenie, ihm verschwimmen die Buchstaben immer vor dem Augen. Die Erklärung: er ist in Folge seiner göttlichen Abstammung nun einmal auf griechische Schrift ausgelegt. Außerdem ist bei ihm ADHS diagnostiziert, und daran finde ich am bemerkenswertesten, dass diese Abkürzung dem Publikum nicht erklärt wird. Kann man davon ausgehen, dass das jedem Zwölfjährigen schon ein Begriff ist?
Am wenigsten gefallen hat mir bei Percy Jackson die Darstellung des Hades und seines Reiches. Die Unterwelt ist kaum von der populären Vorstellung von der christlichen Hölle zu unterscheiden: verdammte Seelen und Feuer überall. Hades erscheint als Feuerdämon, der in die Unterwelt verbannt wurde und deswegen beleidigt ist. Keine Asphodeloswiese, keine Elysischen Felder, kein Lethe. Dabei ist die mythologische Unterwelt doch viel interessanter als dieser Ausschnitt. Und ja, auch bei den Griechen ist einer der Unterweltflüsse ein Fluss aus Feuer, und Hades keiner der geselligsten oder freundlichsten Götter. Aber er ist eben so viel mehr als das. – Möglicherweise ist die Buchvorlage da differenzierter, zumindest lässt diese Karte zur Unterwelt von einer Percy-Jackson-Fanseite das vermuten.
(Am Anfang hat mich auch noch gestört, dass die Film-Persephone sich exakt so verhält, als sei sie aus Desperate Housewives entsprungen. Aber inzwischen gefällt mir das vielleicht sogar.)
Uninteressant fand ich außerdem die Handlung. Zum einen war von Anfang an klar, wer der Schurke ist. Zum anderen ist der Film voller fadenscheiniger MacGuffins. Ein MacGuffin kann ein schönes Symbol sein oder eine plattes Mittel, um die Handlung voranzutreiben. Der große MacGuffin im Film ist der gestohlene Blitz Zeus’, der nur dazu da ist, dass man etwas hat, dem man hinterherjagen kann. Es hätten auch die silbernen Rührlöffel Hestias sein können. Dann gibt es noch drei kleine MacGuffins in Form von blauen Kugeln, weil dem Buch oder Drehbuch sonst kein Grund eingefallen ist, die Helden an drei verschiedene Wir-erleben-ein-Abenteuer-Stationen zu schicken. (Sie brauchen die Kugeln, um aus der Unterwelt herauszukommen.)
Und zum Schluss will ich noch wissen, welche griechische Göttin das gewesen sein soll, die am Schluss im Rat der zwölf Götter so platt gesagt hat: “Krieg kann nicht die Antwort sein.” Die hat dann aber in der Ilias nicht mitgespielt.
Was ist eigentlich mit Chris Columbus passiert? Seine erste Regiearbeit, Adventures in Babysitting, war hervorragend. “Home Alone” war solide, aber alles nach und eingeschlossen “Mrs Doubtfire” war vielleicht erfolgreich, aber nicht interessant, die Harry-Potter-Filme eingeschlossen. – Vielleicht lege ich auch die falschen Kriterien an. Ich mag Kinder- und Jugendbücher und -filme. Bei denen ist aber vor allemn wichtig, dass sie Kindern gefallen. Gibt es überhaupt Kinder-/Jugendfilme, die Erwachsenen und Kindern gefallen? Mir fällt da gleich “Die 5000 Finger des Dr. T” ein, ein vergessenes Schmuckstück* von Kinderfilm, das Kindern kaum gefallen dürfte. Wenn ich es recht überlege, kommt der Film aber auch bei Erwachsenen nicht an… die guten Videos bei Youtube sind leider in Deutschland nicht zu sehen, aber hier ist ein Ausschnitt:
*Erwähnt wird der Film allerdings in Die Rose von Alexandria von Manuel Vázquez Montalbán, auch wenn eine Zuschauerin ihn “langatmig” findet. Wie dieser Film in diesen Krimi gekommen ist, das frage ich mich noch heute.
Über den Unterricht habe ich lange nichts mehr geschrieben. Es läuft harmonisch, die Schüler und ich vertragen uns entweder gut oder zumindest viel besser als vor Weihnachten; sie lernen was und mir macht die Schule Spaß. Heute nachmittag gehe ich mit der 6. Klasse ins Kino Percy Jackson – Diebe im Olymp anschauen. Vorschlag der Schüler, wir machen ja viel griechische Mythen.
Außerdem bat ich höflich um die Erlaubnis für die Veröffentlichung von einigem Material, dass die Schüler erstellt haben. Und das eben nicht nur auf der passwortgeschützten Schulhomepage, sondern auch auf meiner Internetseite. Also musste ich kurz erklären, was ein Blog ist. Das mache ich ja nicht ungern. Eine Schülerin hatte auch schon zu Hause diverse Texte entdeckt, etwa “Wieso Herr Rau seinen Bart abrasierte”. Den mussten wir dann lesen.
In Informatik in der 11. Klasse hält die Praktikantin bald eine Stunde. Spannend. Mit Deutsch und vor allem Englisch habe ich ja viel Erfahrung aus Unterricht und Universität, aber bei Informatik erfinde ich sehr viel selbst.
Die Doppelstunden in Informatik in der 10. Klasse sind eine gute Idee, Nachmittag hin oder her. Endlich teile ich mehr Zeit ein für einen erklärenden Lehrervortrag am Anfang, und der ist eine gute Idee. Danach können die Schüler besser alleine arbeiten.
In Informatik in der 7. Klasse habe ich mit Robot Karol begonnen. Das geht bisher wie von selber, ich weiß jetzt aber auch besser als die vielen letzten Male, wo ich damit hinwill.
Leistungskurs Deutsch: Da sitzt einem das ganze letzte Semester über der Notenschluss und das Abitur im Nacken und die Zeit rennt davon. Ich muss eilig Noten machen. Trotzdem war noch, als Übertrag vom letzten Semester, Zeit für eine Sequenz, in der die Schüler in drei Gruppen kurze Szenen schrieben und auf der Bühne in der Aula aufführten. Das erste Stück war sehr modern, aufwendig choreographiert, mit viel Schminke und Ganzkörperkostümen. Das zweite, eine Parodie auf Kafkas Verwandlung, war etwas konventioneller, aber in metrisch korrekten Reimversen verfasst. Die Schulleitung hat wohl über die Brüstung gelinst, sich aber nicht zu uns ins Publikum gesetzt… schade, hätte gleich ein Unterrichtsbesuch sein können… jetzt überlege ich nur noch, unter welchem Vorwand ich mal eine ganze Klasse in die Aula verfrachten und dort eine öffentliche Unterrichtsstunde halten kann. Einfach so, weil lustig.
26 Multiple-Choice-Fragen, die man in 20 Minuten beantworten soll. Die ersten fünf oder sechs Fragen habe ich mir angeschaut, dann genervt aufgehört. Bis auf eine waren alle Fragen rechnerspezifisch (nur PC-Tastatur, nicht Apple), betriebssystemspezifisch (nur Windows, nicht Linux) und programmspezifisch (nur Word, nicht Open Office). Die Terminologie war durchwegs Microsoft, etwa wenn es um den Einzug der ersten Zeile eines Absatzes geht, was bei Open Office “Erste Zeile” heißt und bei Word “Sondereinzug/Hängender Einzug”.
“IKT-Fertigkeiten als Erfolgskriterium auf dem Arbeitsmarkt” steht oben drüber, dahinter steckt Microsoft. Es handelt sich um einen Arbeitsmarkt, der Leute braucht, die mit Word umgehen können. Das ist sicher für viele Berufe sehr wichtig. Aber wenn man Open Office benutzt oder wenn Microsoft wieder mal, wie bei Office 2007, die Knöpfe, auf die man drücken muss, anderswo platziert (was durchaus sinnvoll sein kann), dann brauchen Leute mit dieser Art von IKT-Fertigkeiten Fortbildungsmaßnahmen. Ich stelle mir unter einer informationstechnologischen Grundbildungen anderes vor. Nicht: was muss ich drücken, wenn ich das Euro-Zeichen haben will, sondern: was bewirkt die Taste “Alt Gr”. Nicht: wie heißt die Einstellung für diese Art der Absatzformatierung, sondern: was gibt es für Möglichkeiten, Absätze zu formatieren.
Ähnliche Töne hier: Experten warnen: IT-Unterricht eher armselig: “Nur die Hälfte aller Top-Jobs in der IT- und Telekom-Branche seien von jemandem besetzt, der in seinem Tätigkeitsfeld auch einen Abschluss habe.” Bu-hu. Stimmt, der einzige Programmierer, den ich kenne, hat einen Abschluss in Geschichte. Ist das so schlimm?
Eigentlich sind doch junge Leute von Computern, Internet, Handys und IT begeistert. Wo liegt das Problem? Es kann doch nur daran liegen, wie die IT von den Lehrern vermittelt wird. Langweilig. Angestaubt. Mit Highlights wie Word oder Excel.
Wenn Word oder Excel oder überhaupt das Lernen von Programmoberflächen Inhalte sind, dann ist das tatsächlich wenig hilfreich oder inspirierend. Aber die zitierte Argumentation von David Clarke, Chef der British Computer Society, ist doch etwas zu simpel. Genauso gut könnte man sagen, dass junge Leute von Musik und Filmen begeistert sind und deshalb quasi automatisch gut in Musik sein müssten, ein Instrument spielen oder Drehbücher verfassen können müssten. Es liegt nur am langweiligen Musikunterricht.
Dass junge Leute von Facebook und Handys begeistert sind, hat nun nämlich gar nichts mit Informatik-Grundbildung zu tun. Eher mit Klingeltönen.
Genug Altherrengebrummel für heute. Morgen mittag habe ich Zeit und Luft, da erzähle ich dann wieder was vom Schulalltag.