Yearly Archives: 2004

Neulich an der Uni

By | 24.12.2004

Da, wo die TU München in Garching-Hochbrück ist, ist sonst nichts. Man sollte meinen, da kommen nur Studenten und Professoren hin. Wer malt also die Bushaltestellen so schön an, dass man sich als Lehrer gleich heimisch fühlt? Doch bittebitte nicht die Studenten. Oder trifft sich die Landjugend nachts auf dem verlassenen Campus?

Advent, Advent

By | 23.12.2004

Schlimm wird es nur, wenn nicht nur die Kerzen, sondern der ganze Adventskranz brennt.

Ruhig und diszipliniert verließen Schüler und Lehrer gestern morgen das Schulgebäude: Feueralarm. Der letzte Probealarm war erst wenige Wochen her, der Sicherheitsbeauftragte der Schule erklärte kurz im Lehrerzimmer: „Das ist keine Übung“, und einige Schüler und Lehrer sahen sogar das orange Licht der Flammen im Erdgeschoss. Die meisten bekamen allerdings gar nicht mit, dass der Adventskranz im Eingangsbereich zu brennen angefangen hatte, da sie über andere Treppen hinausgingen. Es roch nach Rauch, so dass allen klar war, dass es sich um einen echten Alarm handelte. Trotzdem gab es keine Panik; die Schüler und Lehrer und Angestellten waren ruhig und rasch auf dem Sportgelände.

Dort war das Gewusel allerdings groß. Die Schüler zappelten in der Kälte, keiner wusste genau, was eigentlich los war. Währenddessen löschten der Hausmeister und zwei Lehrer gemeinsam den kleinen Brand. Bald konnten zumindest die Schüler, die im Nebengebäude Unterricht hatten, wieder in die Klassenzimmer zurückkehren. Der Rest der Schüler wartete schließlich in der warmen Turnhalle, hockte auf Trampolinen, spielte Schafkopf auf blauen Sportmatten. Die mittlerweile angerückte Feuerwehr ließ nämlich im Auftrag der Schulleitung vorerst niemanden in das Hauptgebäude: Erst musste sichergestellt werden, dass die Rauchmenge nicht zu groß war. Dazu wurde extra frische Luft in das Gebäude gepumpt, die den Rauch nach und nach verdrängte. Zur ersten Pause konnten dann alle Schüler wieder in die Schule. Frisch gelüftet war auch: Alle Fenster in den Gängen waren geöffnet worden. Verletzt wurde niemand.

An der Uni

By | 21.12.2004

Heute wieder erfolgreich und produktiv an der Uni gewesen. In der Mittagspause eine Breze entknotet, ohne sie zu zerbrechen. Stolz meinen Kommilitonen gezeigt. Überwältigte Reaktionen blieben aus. Fühle mich verkannt.

Wintergrämlichkeit

By | 19.12.2004

Zur Zeit gibt’s leider kaum Einträge. In den Tagen vor der letzten Schulwoche vor den Weihnachtsferien habe ich noch die letzten Schulaufgaben geschrieben, damit ich über die Feiertage was zu tun habe. Manchmal schaffe ich es inzwischen tatsächlich, mir die Ferien, die Herbstferien etwa, frei zu halten. (Dabei verbringe ich natürlich auch einen Teil dieser Zeit damit, mich mit der Schule zu beschäftigen. Irgendwas gibt’s immer.)
Und jetzt, wo der Druck der letzten Schulaufgaben weg ist, hänge ich etwas durch. Dazu das graue Wetter – aber das ist sicher eine Ausflucht: Mit besser Laune könnte ich auch dem Wetter mehr abgewinnen. Eher sind es die ewigen Frustrationen in der Schule. Nichts geht so schnell oder einfach, wie ich möchte. Grrrrrrrrrrr.

Loben

By | 15.12.2004

Der Informatik-Professor, heißt es unter der Hand, sei sehr zufrieden mit uns.
Selbst so als unbestätigte Behauptung ist das wichtiger für mich, als ich dachte. Lob spielt doch eine große Rolle. Ich lobe sicher zu selten in meinem Unterricht. (Wobei sich die Schüler vielleicht tatsächlich nicht ganz so lobenswert verhalten wie unsere Informatikgruppe.)
Allerdings wird man als Lehrer auch wenig gelobt. Von den Schülern alle drei Jahre, von den Eltern einmal, von den Kollegen zweimal im Jahr, von der Schulleitung gar nicht (von Jahresanfangs- und -endfloskeln abgesehen.) Dabei geht es beim Loben gar nicht mal um eine Hackordnung.

Lake Wobegon

By | 9.12.2004

„That’s the news from Lake Wobegon, Minnesota, where all the women are strong and all the men are good looking and all the children are above average.“

So endet jede Geschichte aus Lake Wobegon, der Kleinstadt in Minnesota, am Mikrophon erzählt von Garrison Keillor.
Seit 1974, mit einem oder zwei Jahren Pause Ende der 80er Jahre, gibt es jede Woche im öffentlichen amerikanischen Radio die Sendung A Prairie Home Companion. Zwei Stunden gibt es dann Live-Bands, Gesang, Kunstpfeifer, eine Reihe von erfundenen Werbespots, die Abenteuer von Privatdetektiv Guy Noir und vieles andere, was zu einem bunten Abend gehört, eben auch den Geschichten aus Lake Wobegon, der Höhepunkt der Sendung.
Die Hälfte des Jahres über wird aus St. Paul, Minnesota gesendet, die andere Hälfte der Shows wird in verschiedenen anderen Städten in Minnesota aufgezeichnet – alles live und vor Publikum. Am 3. März 2001 wurde sogar aus Berlin, Deutschland, ausgestrahlt – mit Max Raabe und den Berlin Comedian Harmonists. Die Stimmung von A Prairie Home Companion balanciert dabei zwischen altmodischer Einfachheit und einer liebevollen Parodie eben dieser Einfachheit.

Die Geschichten aus Lake Wobegon sind wunderbar. „It has been a quiet week in Lake Wobegon, my home town“ beginnen die Monologe, zehn bis zwanzig Minuten lang, erzählt von einem ehemaligen Sohn der Stadt, der den Absprung ins Anderswo geschafft, aber noch engen Kontakt zur Heimatstadt hat: Lake Wobegon kriegt man nicht mehr aus dem Blut. Mal streiten sich wie immer Herr und Frau Krebsbach, mal meldet sich der junge Tollefson am College an und wird dabei von der ganzen peinlichen Verwandschaft begleitet. Mal geht es um Earls beständig wachsenden Haufen von Jutesäcken, der anwächst zum größten Haufen von Jutesäcken in Minnesota und der zur heilkräftigen Pilgerstätte wird (vergleiche das Größte Garnknäuel in Minnesota). Pastor Ingqkvist gönnt sich nie einen Urlaub in Florida; Mütter spielen mit dem Gedanken, die Konzert-Tickets des Sohnes zu verbrennen (um die er unter größen Entbehrungen stundenlang angestanden ist), weil Rockmusik Teenager ins Verderben führt. Mal rückt die ganze Kleinstadt aus, um eine Lebende Flagge auf dem Marktplatz darzustellen: Ein Händler für Baseballkappen hat ihnen rote, blaue und weiße Kappen verkauft, und mit denen auf dem Kopf bilden sie die Flagge der USA nach. Nur dass immer ein paar abspringen, um sich das Schauspiel von oben anzusehen, und dann jeder warten muss, bis alle mal die Gelegenheit hatten, nach oben zu gehen. Zwischendrin immer wieder wortkarge „Norwegian Bachelor Farmers“, ein eigener Menschenschlag.

Themen der Geschichten sind Kindheit, Generationenkonflikte, Arbeit, Nachbarn, Männer und Frauen, Heimat, Toleranz, Religion. Ein paar Geschichten sind sentimental, viele poetisch, fast alle heiter, einige dazu noch besinnlich. Viele haben einen absurden Einschlag – hier zeigt sich die Verwandschaft zum tall tale, der Lügengeschichte der amerikanischen Pionierzeit.
Diese Geschichten fangen harmlos an und steigern sich ins Absurde. Im Laufe einer durchweg glaubwürdigen Geschichte findet man sich plötzlich in einer Situation, wo ein Pastor und Leiter eines Feriencamps an einem improvisierten Drachen auf Wasserkiern hinter einem Boot hergezogen wird und in die Luft steigen soll, aber hinfällt und nicht loslässt, und ihm die Badehose nach unten auf die Knöchel gezogen wird, und dann hebt der Drachen ab in die Luft, und er hängt hilflos in der Luft, bis das Boot eine Kurve macht und der Drachen Richtung rettendes Land gezogen wird und langsam sinkt und der Pastor geradezu auf eine Brombeerhecke zusteuert, aber noch rechtzeitig davor landet und die Landung natürlich abfedern möchte, indem er er mitläuft, aber er hat ja immer noch die Badehose um die Knöchel.

Dank Lake Wobegon weiß ich, wo Minnesota liegt. („Lake Wobegon put Minnesota on the map for me. “ Das kann ich auf Deutsch nicht so gut ausdrücken.) Was wissen wir über Minnesota?
Bei der Fernsehserie Golden Girls kam die dümmliche der alten Damen aus Minnesota. Fargo, der Film der Brüder Coen, spielt in North Dakota, gleich westlich von Minnesota und nicht so verschieden davon.
Im Mittleren Westen der USA, wozu auch Minnesota gehört, wird Getreide angebaut, die Leute wählen republikanisch und stehen für uramerikanische Werte wie Hilfsbereitschaft, Religiösität, Anständigkeit, Ehrlichkeit, Genügsamkeit, Fleiß. Die Zeit ist dort ein bisschen stehen geblieben.
Andere Aspekte sind Intoleranz, religiöser Fundamentalismus, Arbeitslosigkeit, ein schlechtes Bildungssystem, keine Perspektiven für junge Menschen.
Minnesota hat allerdings in der letzten Präsidentschaftswahl knapp demokratisch gewählt; Minnesota ist ganz im Norden des mittleren Westens, die Winter sind kalt und schneereich, ganz typisch für den Mittleren Westen ist es nicht. Besiedelt wurde es von Deutschen und wortkargen Norwegern, viele der Familien in Lake Wobegon tragen noch deutsche oder norwegische Wurzeln. All die positiven Werte des Mittleren Westens sieht man in Lake Wobegon mit einem Körnchen Salz: Die Leute sind freundlich und hilfsbereit und ehrlich; aber sie schwindeln auch manchmal und sind ein bisschen neidisch und ungeduldig und genervt. Ihre Religion und ihre konversative Haltung sind aber ebenso gebrochen durch Menschlichkeit, Toleranz und gegenseitigen Respekt und Anerkennung. Geradezu subversiv, das ganze.

Bei Cornelsen gab’s mal eine Audiokassette mit vier Geschichten aus Lake Wobegon (Cornelsen Audio Library: Garrison Keillor, News from Lake Wobegon. 1995), zusammen mit Text, Fragen zum Text und Worterklärungen; zur Zeit ist sie, glaube ich, allerdings vergriffen. In allen vier Geschichten geht es um Kindheit oder Erwachsenwerden, in der Hoffnung, dass das die Schüler am meisten anspricht. Ich hab’s auch schon im Quasi-Sprachlabor (als unser Computerraum noch Audiodateien abspielen konnte) ausprobiert, es kam ganz gut an.

Ein bisschen kann man die Geschichten mit Hanns Dieter Hüschs Geschichten vom Niederrhein vergleichbar, aber sie sind wesentlich elaborierter und noch etwas liebevoller. Ein noch besserer Vergleich sind die Geschichten um Don Camillo und Peppone: Auch dort ist die Dickschädeligkeit der beiden Gegenspieler gebrochen durch Anerkennung und Menschlichkeit. So radikal, wie sie tun, sind weder der Katholik noch der Kommunist.
(Weitere Kleinstädte gibt es natürlich in den Fernsehserien Northern Exposure/Ausgerechnet Alaska und Twin Peaks. Ersteres mochte ich damals sehr, aber die Bewohner dort sind etwas zu heiter und schräg. Hier fehlt der trockene Relaismus von Lake Wobegon.)

Ein guter Startpunkt zum Reinhören ist die CD News from Lake Wobegon: Spring für 12 Euro.

Ein Leckerbissen für Fans ist die DVD zum 30. Jahr Ausstrahlung von A Prairie Home Companion: NTSC-Format, aber regionalcodefrei.

Auf der Homepage von A Prairie Home Companion kann man sich nach Möglichkeiten erkundigen, die Show zu hören, auch online.

Lesen kann man einige der Geschichten unter anderem in der Sammlung Lake Wobegon Days. Das macht immer noch Spaß, aber von Keillor vorgetragen sind die Geschichten nochmal um Längen besser.

Nachträge:

Funktioniert das auch bei Männern?

By | 8.12.2004

Gestern Abend in der Fernsehwerbung: Damenbinden, mit denen man sich noch frisch fühlt, auch wenn man die halbe Nacht unterwegs war.
Das will ich auch haben.

(Nebenbei: Die Musterfrau, die die halbe Nacht unterwegs war, kommt nach Hause, als es bereits hell ist. Was hat sie also in der anderen Hälfte der Nacht gemacht?)

Informatik-Klausur

By | 7.12.2004

Heute Informatik-Klausur geschrieben. Zwar nur zur Probe; die eigentlichen Prüfungen zum 1. Staatsexamen sind erst in zehn Monaten oder so. Ich war jede Stunde da, habe immer aufgepasst, die Hausaufgaben gemacht, meine Unterlagen dabei gehabt, selbstständig mitgeschrieben, und mir vor der Stunde eine Minute lang die Aufzeichnungen vom letzten Mal angeschaut. Dann klappt’s auch mit der Klausur. Aber erklär das mal einem Schüler.

Themen: Erreichbarkeitsgraph eines Petri-Netzes (mit Aushungern und Verklemmung); Synchronisieren und Erzeugen von Threads unter Java; Modellieren und Kontrollieren von nebenläufigen Aktionen durch Semaphore; funktionales Programmieren in Assembler; Seitenersetzungsstrategien (verschiedene Kachel-Seite-Zuordnungsmöglichkeiten).