Benotung von Englisch-Schulaufgaben I

Teil Eins:

Die Schulaufgabennoten in Englisch führen gelegentlich zu Missstimmung zwischen Eltern und Lehrer. Ein Elternteil kommt in die Sprechstunde, weil das Kind eine 5 oder 6 gekriegt hat, und hat eine berechtigte Frage: „Ist das nicht zu streng?“ Für die Eltern sieht die Schulaufgabe nämlich ganz ordentlich aus, und außerdem haben sie vielleicht mitbekommen, wie sehr das Kind auf die Schulaufgabe gelernt hat.

Gelegentlich folgen darauf zwei Bemerkungen. Erstens, es wird erklärt, dass es doch sonst üblich sei, bei 50% der Punkten noch eine 4 zu geben, und wieso man das hier nicht eingehalten habe. Zweitens, es wird eine befreundete Lehrkraft zitiert, die sich die Schulaufgabe angeschaut habe und sie für gar nicht so schlecht halte.

Zum ersten Punkt:

Folgendes gilt nur für Gymnasien in Bayern, bei allen anderen Schulen kenne ich mich nicht aus.

Es gibt erstmal für kein Fach und – abgesehen von der Kollegstufe vom Abitur – für keine Jahrgangsstufe irgendwelche Vorgaben und Vorschriften, was den Notenschlüssel betrifft. Das gilt für Mathematik ebenso wie für Englisch. Stattdessen legt jeder Lehrer den Notenschlüssel selbst fest. Das ist dem Kultusministerium sogar so wichtig, dass es in einem Schreiben an die Lehrer betont hat, dass man sich an fest ausgemachte Notenschlüssel nicht halten muss, und seien sie auch von der Fachlehrerkonferenz an der Schule festgelegt.
Denn üblicherweise einigen sich die Fachlehrer (zum Beispiel in Mathematik, Englisch, Französisch) tatsächlich auf einen Richtwert. Das ist aber wirklich nur ein Richtwert. In Englisch gilt in der Unterstufe und im Großteil der Mittelstufe am häufigsten die Faustregel, dass man mit 60% der Punkte gerade noch eine 4 erhält. Das ist aber nur eine Faustregel.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo die Vorstellung herkommt, die Grenze zwischen 4 und 5 müsse bei 50% liegen. Ist das in Mathematik so üblich, oder an anderen Schularten, vielleicht an der Grundschule? Oder war das früher so?

Jetzt zu den Gründen dafür, dass es einen Richtwert gibt, dass man ihn nicht immer einhalten darf, und warum er bei uns bei 60% liegt.

Schulaufgaben sind unterschiedlich schwer. Das liegt am Lehrer, der entweder lieber schwere Schulaufgaben schreibt und sie freundlicher bewertet, oder leichtere, und dafür strenger ist. Das liegt an der Vorbereitung: Manchmal bleibt weniger Zeit, als man will, oder Klassenfahrten kommen dazwischen. Das liegt am Stoff, der ja tatsächlich manchmal schwerer und manchmal leichter ist. Das liegt vor allem auch an der Art der Schulaufgabe: Wenn man nur Wörter in Lücken einsetzen muss, dann hat man weniger Gelegenheit, Fehler zu machen. Wenn man da die Hälfte der Wörter richtig hat, ist das sehr schwach. (Häufig ist das bei Exen so.) Müssen die Schüler dagegen eigene Texte produzieren, machen sie natürlich mehr Fehler. Wenn da die Hälfte der Sätze richtig ist, ist das schon eine viel bessere Leistung.

Man kann es so sehen: Entweder man stellt leichte Aufgaben, dann sind zwei Drittel der Punkte eine schwache Leistung. Was muss man von einem Sekretär halten, der zwei Drittel aller Worte richtig schreibt? Oder von einem, der sogar 90% aller Worte richtig schreibt? Das ist absolut ungenügend. Oder man stellt schwerere Aufgaben, dann kann man auf zwei Drittel der Punkte schon ein bisschen stolzer sein.

Ein strenger Notenschlüssel ist bei leichten Aufgaben also sinnvoll, bei schweren nicht. Wir Lehrer haben uns darauf geeinigt, dass der Schwierigkeitsgrad in der Unterstufe eben so liegen sollte, dass 60% der Punkte eine noch ausreichende Leistung sind.

(Wir hätten auch eine andere Zahl wählen können: Bei 50% wären die Schulaufgaben alle etwas schwerer geworden, bei 70% alle etwas leichter. Der Grund, warum wir uns überhaupt auf eine Zahl geeinigt haben, ist der, dass die Schulaufgaben so vergleichbarer werden und einsichtiger für Eltern und Schüler. So richtig würde das aber wohl nur funktionieren, wenn wir tatsächlich 50% genommen und schwerere Schulaufgaben in Kauf genommen hätten.)

Ist die Schulaufgabe leichter als im Durchschnitt, dann wären 60% noch viel zu gut. Ist sie, aus welchen Gründen auch immer, schwerer als im Durchschnitt geworden, dann wären 60% tatsächlich nicht fair.
Die Frage ist also nicht: „Sind 60% zu streng?“, sondern: „Passen 60% zu den gegebenen Aufgaben?“ Und diese Frage ist auch für Lehrer nicht immer leicht zu beantworten. Erfahrung, Vergleich mit anderen Lehrern, das alles hilft ein bisschen. Vor allem hilft der Vergleich innerhalb der Klasse: Wenn zumindest ein Teil der Schüler bei gegebenem Notenschlüssel gute Leistungen erbracht hat, dann war der Notenschlüssel vermutlich passend. Das heißt nicht, dass immer ein Schnitt von 3,50 oder 3,30 herauskommen muss, mit ein paar Einsern und Sechsen, etwas mehr Zweiern und Fünfern, und einem Haufen Dreier und Vierer – aber bei durchschnittlichen Klassen ist das nun mal das zu erwartende Ergebnis.

Allerdings sind nicht alle Klassen durchschnittlich leistungsfähig. Es gibt besonders starke und und besonders schwache Klassen, auch wenn die meisten Klassen im Mittel liegen. Da gibt es tatsächlich die Versuchung, einen Notendurchschnitt um 3,50 oder 3,30 anzupeilen – aus Gewohnheit sozusagen. Man versucht als Lehrer darauf zu achten, dass das nicht geschieht.

Auf jeden Fall schaut sich der Lehrer die Schulaufgaben im Grenzbereich 4/5 und 5/6 noch einmal insgesamt an, und entscheidet, ob die Note 4, 5 oder 6 hier wirklich passt – im Vergleich zu dem, was man erwarten kann. Erwarten kann hinsichtlich der Schwierigkeit der Aufgaben, hinsichtlich Art und Umfang der Vorbereitung in der Schule, und hinsichtlich dessen, welche Leistungen Schüler in dieser Jahrgangsstufe bringen können. Und nur, wenn die Note 4, 5 oder 6 wirklich passt, dann sollte auf der Schulaufgabe eben diese Note stehen. Lehrer geben keine 5, weil die Punkte das so erzwingen, sondern weil die Leistung nun mal in den Augen des Lehrers insgesamt mangelhaft ist.

(Ich werde in Zukunft einige Schüleraufsätze posten, damit man sieht und vergleichen kann, welche Leistungen von Schüler der einzelnen Jahrgangsstufen zu erwarten sind.)

Zuletzt ist es natürlich möglich, dass bei einem Lehrer oder einer Schulaufgabe Schwierigkeitsgrad und Punkteskala nicht zusammenpassen. Das ist dann tatsächlich ein Fehler des Lehrers. Wenn gar keine gute Noten dabei sind, oder gar keine schlechten, dann sollte man misstrauisch werden: In diesen Fällen bespricht sich der Lehrer rechtzeitig mit anderen Kollegen, dem Fachrespizienten oder gar der Schulleitung (das ist sogar Vorschrift bei uns). Wenn es gute Gründe für diese extremen Ergebnisse gibt, dann sind diese Ergebnisse selbstverständlich zugelassen. Wenn es keine guten Gründe gibt, dann hat der Lehrer tatsächlich etwas falsch gemacht. Dann muss man mit dem Lehrer reden, und wenn das nicht hilft, zur Schulleitung gehen. Das kommt aber sehr selten vor, viel seltener, als Eltern unzufrieden mit einer Schulaufgabe sind.

(Teil Zwei: Morgen.)

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100 Thoughts to “Benotung von Englisch-Schulaufgaben I

  1. Da wünscht man sich doch glatt, dass solche Regeln auch in anderen Bundesländern wie Niedersachsen und Sachsen gelten. Dort legt das nämlich das Kultusministärium fest – zu ungunsten des SChülers!

  2. Na ja, das Schreiben des Kultusministeriums weist letztlich darauf hin, dass auch in Bayern viele Lehrer glauben, sie müssten sich an eventuelle Vorgaben halten.

  3. Das macht mir noch große Kopfschmerzen. Das richtige und faire Benoten von Schülern, stelle ich mir als sehr schwierig vor. Vor allem auch mit Blick auf den „ganzen“ Schüler – ich kann mich an meinen Klassenlehrer erinnern, der gleichzeitig auch Mathe-und Physiklehrer war und mich in einem Schuljahr leicht alleine hätte durchfallen lassen können, aber mir statt einer möglichen Sechs eine Vier in Physik gegeben hat, was mir in einer schwierigen Lebensphase einige zusätzliche Probleme erspart hat.

  4. Als aktiv am Schulleben teilnehmender Schüler in Baden Würrtemberg (jaja, im Moment sind tatsächlich noch Sommerferien, aber ich mein ja nur…), kann ich folgendes dazu sagen:
    Bei uns ist es ebenfalls so, dass der Notenschlüssel frei wählbar ist. Allerdings ist es bei uns tatsächlich üblich, für 50% der Punkte eine 4 zu vergeben. Meistens halten sich die Lehrer da auch dran und stellen dann wohl ihre Aufgaben dementsprechend. Es kommt aber auch oft vor, dass der Notenschlüssel nach oben oder unten verschoben wird. Sogar auch mal im Nachhinein, wenn ein Lehrer merkt, dass er die Arbeit vieleicht zu schwer konzipiert hat, als dass sie auf den geplanten Notenschlüssel passen würde.
    Und damit bin ich auch durchaus zufrieden ;-).

  5. In Schleswigholstein gibt es zumindest in Englisch für den Rechtschreibanteil Vorgabelisten wieviele Fehler auf wieviele Worte welche Note ergibt. Allerdings ist das meistens eine Richttabelle, die nicht Pflicht ist, sondern als Vorbereitung (ab 10. Klasse) fürs Abitur gilt. Diese wird dann jedes Jahr ein wenig härter und im Abitur muss sich die korrigierende Lehrerschaft an den dann aus Kiel festgelegten Abitur-Schnitt halten.

    In den unteren Klassen gibts sowas wie nen mindestschnitt als richtwert…irgendwie schwebt mir da was vor von wegen „nicht mehr als die Hälfte alle Noten darf unter 4 liegen“. Ausnahmen hat der Direx zu bestätigen (wenn die Klasse vollkommen unruhig war inder zeit davor zB)

    Am lustigsten hat das meist mein lieblingsphysiklehrer gemacht. Der hat alle Korrigiert und mit punkten versehen, dann die Tabelle mit den Punktegrenzen für die Noten erstmal nach Schema F (seinem Standard) genommen und danach das ganze ein wenig so angeglichen dass seine „relative Wahrscheinlichkeitsverteilung von Noten“ halbwegs hinkam ;) er lag aber auch gerne über seiner Verteilung, so dass Noten gerne besser waren.
    Allerdings gibt es auch Lehrer die gerne versuchen mit schlechten Noten die „Elite des Gymnasiums“ zu wahren, nun gut der Lehrer war auch etwa 60 und hatte dazu noch recht altertümliche Einstellungen, denn was er sagte war richtig. Naja auch den hab ich überstanden ;)

    gruß
    dmw

  6. Hört sich ja alles gut an doch wir haben seit einiger zeit einen neuen mathelehrer Gymnasium klasse 8. Dieser streicht lediglich am Rand striche und diverse kreuze die am ende noch nicht einmalm zusammengezählt werden.unten steht dann eine note deren zustandekommen ich beim besten willen nicht nachvollziehen kann.Habe keine ahnung was diiese striche und Kreuze bedeuten .da nie unter der arbeit steht bei welcher Fehlerzahl es welche note gibt kann man das ergebnis nur hinnehmen?bei jedem anderen lehrer gab es für aufgaben eine bestimmte Punktzahl und bei fehlern immer noch teilpunkte und unter der arbeit stehtz.b.43 von 60 punkten befriedigend .Da wußte man bei 40 punkten gabs nur noch eine 4 z.B Ich bewundere das grandiose gedächtnis diese lehrer.. renate van de Ven

  7. Gedächtnis braucht’s da nicht, nur Zettelchen… :-) Bei mir steht der Punkteschlüssel auch nicht auf der Arbeit, aber beim Herausgeben schreibe ich ihn an die Tafel. Den sollten die Schüler schon wissen, wenn es Punkte gibt.
    Strich: 1 Punkt, Kreuzchen 1/2 Punkt?
    Ansonsten klingen die Systeme der anderen Lehrer mir schon vertrauter.

    Am sinnvollsten fände ich, wenn in Englisch mehr Aufsätze geschrieben und benotet werden würden, so wie Deutschaufsätze. Ohne Punkte, aber mit Kommentar. Zumindest einmal pro Schuljahr.

  8. Sehr geehrter Herr Rau,
    ich würde gerne wissen, wieviel % Wissen man in der Abiturprüfung in Englisch haben muß
    um noch eine 5 (also einen Punkt) zu erreichen. Frage: Kommt man mit einem Punkt in Englischabiturprüfung Leistungskurs noch durch ,oder hat man nicht bestanden? Und ob es in Ordnung ist ,daß die Englischlehrerin in der 11 Klasse Gymnasium schon so streng benotet ,daß man bei 33% eine 6 bekommt,und deswegen nicht in die 12 Abiturklasse zugelassen wird. Wie ist die Berechnung der Note in Englisch bei 80 Punkten die zu vergeben sind? Es kann doch wohl nicht wahr sein ,daß da jeder Lehrer machen kann,was er will. Natürlich gibt es immer wieder Lieblingsschüler,und das wäre doch sehr ungerecht,wie sollen sich da die Schüler wehren können. Ist doch total ungerecht .Ich finde 50 % eine 4 sehr gerecht. Aber bei einem Wissen von 33% eine 6 ,das versteh ich nicht . Man sollte sich wirklich die Benotungen anderer Länder ansehen ,denen wird Mut gemacht.Können teilweise lang nicht so gut Sprachen,haben aber bessere Noten als unsere Kinder in Bayern. Kein Wunder ,daß man denkt die Deutschen wären nicht gescheit,man macht sich ja in Deutschland selbs dumm,bei solcher Benotung.

  9. Der aktuelle Notenschlüssel schreibt in Bayern tatsächlich bindend vor, dass man mehr als 33% der Punktzahl haben muss, um noch einen Punkt im Abitur zu erhalten.
    (Wieviel Prozent an Wissen das entspricht, und wie man das definiert, ist eine andere, viel schwierigere Frage.)
    Diese Regelung gilt für die Kollegstufe das Abitur im Fach Englisch; in der 11. Klasse muss man sich nicht daran halten, sondern ist frei, einen anderen Notenschlüssel zu wählen. Es ist allerdings üblich und wird angeraten, auch schon in der 11. Klasse diese Prozentwerte anzuwenden. 33% von 80 Punkten heißt, dass man 27 Punkte für 1 Punkt braucht.

    Hier scheint sich der Lehrer also an den üblichen Standard gehalten zu haben. (Ich bin trotzdem dafür, dass jeder Lehrer machen kann, was er will – insofern, als er auch die Schwere der Aufgaben so stellen kann, wie er will. Anders wäre es bei zentral gestellten Tests. Die haben auch viele Vorteile. Aber eine zentral gegebene Skala und ein nicht zentral gestellter Test, oder umgekehrt, das gibt gar keinen Sinn.)
    Dadurch gibt es aber tatsächlich Unterschiede zwischen den Lehrern. Damit die möglichst klein bleiben, vergleicht der Fachbetreuer die Schulaufgabenstellung -und bewertung der verschiedenen Lehrer.

    Der Vergleich mit anderen Ländern ist immer schwierig. Die erste US High School, die ich gefunden habe (eine christliche Schule allerdings: http://www.pcsk12.org/academics/default.asp), hat folgende Prozentwerte:

    A+ 99-100
    A 97-98
    A- 95-96
    B+ 93-94
    B 87-92
    B- 85-86
    C+ 83-84
    C 79-82
    C- 77-78
    D+ 75-76
    D 72-74
    D- 70-71

    Alles unter 70% heißt: nicht bestanden. Tatsächlich kann es aber sein, dass die Aufgaben so leicht sind, dass man dafür tatsächlich bessere Noten kriegt als in Deutschland. Das heißt aber nichts, da ja eh nirgendwo deutsche und amerikanische Noten verglichen werden.

    Vieles am Englischunterricht in Bayern gehört geändert, finde ich. Dass die falschen Sachen geprüft werden etwa. Aber der Prozentwert an sich ist es nicht.
    — Über das Nicht-Bestehen entscheidet dann übrigens nicht der Fachlehrer, sondern die Klassenkonferenz. (Und über die Erlaubnis, trotzdem eventuell vorzurücken, dann noch die Lehrerkonferenz.)

  10. Hi
    das mit den noten finde ich voll scheiße!
    Obwohl ich immer eine Eins hatte! *triumphierend*
    Tschau

  11. Es ist ja wirklich einmal interessant, dieses leidige Thema aus der Sicht eines Lehrers zu sehen. Ansich ist die Sache ja nicht schlecht, den Lehrern in der Notenvergabe etwas Freiraum zu lassen. Leider gibt es dem Lehrer aber auch so etwas wie Willkür in die Hand.
    Meine Tochter (9.Klasse Gymnasium) hat zur Zeit einen Lehrer in Englisch der die letzten Jahre als Business-English-Trainer für Firmen gearbeitet hat. Leider vergißt er die meiste Zeit, dass er hier Schüler und keine Manager vor sich hat. Er hat sehr strenge Vorgaben, ist nie zufrieden und schafft es, mit seiner Wunschvorstellung von perfekten Enlischkenntnissen bei seinen Schülern nicht, diese zu motivieren.
    Ein Beispiel, die letzte Extemporale.
    Gleich einmal vorweg, meine Tochter hatte zu wenig gelernt, da sie in dieser Schulstunde ein Englischreferat halten musste und sich voll darauf konzentriert hatte.
    Keine Entschuldigung um nicht trotzdem Vokabeln zu lernen, ich weiß!
    Für das Referat hat sie dann eine 2 bekommen. Für die Ex eine 6, bei 35 von 70 Punkten, also nach Adam Riese 50%.
    Da der Notendurchschnitt der Klasse bei 4,3 lag, gehe ich nicht davon aus, dass es sich um eine besonders leichte Ex gehandelt hat. Ich finde, für das Nichtlernen der Vokabeln hat sie eine 5 verdient, aber dafür, dass sie trotzdem 50% der Ex richtig hatte, finde ich eine 6 sehr hart.
    Sie sagen: „Was muss man von einem Sekretär halten, der zwei Drittel aller Worte richtig schreibt? Oder von einem, der sogar 90% aller Worte richtig schreibt? Das ist absolut ungenügend. “
    Nun dazu möchte ich sagen: Ich war erst vor kurzem in England und ich beherrsche vielleicht noch 1/3 meiner Schulenglischkenntnisse und es war völlig ausreichend.

    Das einzige was ich in den letzten 10 Jahren seit meine Kinder zu Schule gehen, gelernt habe ist, dass es keinen Sinn hat, mit einem LehrerIn über bereits vergebene Noten zu diskutieren, da er/sie diese niemals ändern wird und wenn er/sie noch so unrecht hat.
    Da man von offizieller Seite keine Vorgaben macht, ist doch die Schule zum gewissen Teil ein Lottospiel und der Erfolg unserer Kinder davon abhängig, welchen Lehrer sie erwischen. Meine Kinder haben in dem einen Jahreszeugnis eine 2 in einem Fach und im nächsten Halbjahreszeugnis eine knappe 4 um dann wieder im nächsten Schuljahr eine 2 zu haben. Und ich glaube nicht, dass meine Kinder im Wechsel ständig dümmer und klüger werden.
    Vielleicht sollten auch manche Lehrer einmal das halbvolle Glas sehen und nicht das halbleere!
    Gruß
    Eva-Maria Herrmann

  12. Es gibt bessere und schlechtere Lehrer, wobei nicht jeder Lehr für jeden Schüler gleich gut und gleich schlecht ist. Ja, die aktuelle Praxis lässt dem Lehrer Spielraum, oder öffnet von mir aus auch der Willkür Tür und Tor. Ich finde das aber nicht schlimm, denn erstens nutzen die Lehrer diesen Freiraum nicht zur Willkür. Sie haben ja auch gar keinen Grund dazu.
    Eine Ex an einem Tag zu schreiben, an dem ein Schüler ein Referat hält, ist wohl zulässig – ich würde es allerdings sicher nicht tun, eben weil der Schüler doch genügend mit dem Referat beschäftigt ist.

    Dass es bei 35 von 70 Punkten bei einer Vokabelex eine 6 gibt, halte ich allerdings nicht für Willkür, im Gegenteil. Bei meiner letzten derartigen Ex in der 5. Klasse gab es bei 50% auch eine 6 (Durchschnitt: 2,65), bei meiner letzten in der 10. Klasse ebenso (Durchschnitt: 3,13). Das ist nicht Willkür, sondern üblich.
    Es ist natürlich absolut möglich, dass die Ex zu schwer war. Es kann aber auch sein, dass die Schüler zu schwach oder zu bequem sind. Der Schnitt von 4,3 allein sagt darüber noch nichts aus.

    „Ich war erst vor kurzem in England und ich beherrsche vielleicht noch 1/3 meiner Schulenglischkenntnisse und es war völlig ausreichend.“
    Die Lehrpläne verlangen aber mehr. Auch um der Schüler willen, die mehr leisten können. Daran führt kein Weg vorbei. Natürlich kann man die Ansprüche senken und schon bei weniger Leistung eine bessere Note geben. Dafür spricht auch einiges.
    Aber machen Sie dafür nicht die Lehrer verantwortlich, sondern verlangen Sie eine andere Schulpolitik. Vom Kultusministerium.

    (Dass das mündliche Englisch, das man im Auslang braucht, wenig zu tun hat mit den Inhalten der Lehrpläne hier, ist ein anderes Problem.)

  13. Mein Beispiel über meine Englischkenntnisse hat wohl genauso viel oder wenig mit den Inhalten der Lehrpläne zu tun, wie Ihr Beispiel mit dem Sekretär. Aber lassen wir das Thema.

    Meine Feststellung ist, dass eigentlich so ziemlich alles zulässig ist, es gibt scheinbar tatsächlich relativ wenige Vorgaben für Lehrer was den Umgang mit den Schülern betrifft.
    Was die Ex anbelangt, war es keine reine Vokabelex. Den Notendurchschnitt hier wieder einmal den Schülern anzulasten, die zu schwach oder zu bequem seien, das ist für mich wieder typisch Lehrer und diese Aussage finde ich ziemlich schwach und auch bequem.
    Ich möchte einmal in meinem Leben einem Lehrer begegnen, der offen zu gibt, einen Fehler begangen zu haben. An unserer Schule haben nach einer Studie 70% der Kinder Nachhilfeunterricht. Sind denn wirklich 70% der Schüler zu schwach und zu bequem? Und glauben Sie dass Ihnen der zusätzliche Nachhilfeunterricht Spaß macht? Und doch ist er nötig. Denn es ist natürlich bequemer den Schülern die Schuld zu geben, als fest eingefahrene Lehrmethoden neu zu überdenken. Seien Sie doch ehrlich, viele Lehrer machen seit Jahren den gleichen Trott und weichen auch keinen Zentimeter davon ab. Unsere Gesellschaft hat sich aber in den letzten Jahren weiter entwickelt. Unsere Kinder wachsen in einem völlig anderen Umfeld auf, als wir vor 30 Jahren. Wenn wir uns nicht mit unseren Kindern weiter entwickeln und neue Ideen erproben wie wir mit Ihnen umgehen entgleiten sie uns. Sicher müssen in dieser Hinsicht auch die Lehrpläne überdacht werden.
    Ich bin auch nicht über viele Entscheidungen unseres Kultusministeriums glücklich und weiß, dass Sie als Lehrer sich da fügen müssen. Ich weiß auch, dass zu aller erst die Eltern gefragt sind und die Erziehung unserer Kinder vor allem unsere Aufgabe ist. Ich habe meine Kinder dazu erzogen, selbstständig zu denken, Fehler einzugestehen, Kompromisse zu suchen und Lösungen zu finden und es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie viele Lehrer absolut nicht bereit sind, dies zu respektieren und darauf ein zu gehen.
    Diskussionen werden im Keim erstickt, eigene Lösungswege nicht anerkannt und Fehler nicht eingestanden. Meine Kinder sind frustriert und ich auch. Es kostet mich viel Zeit, meine Kinder zu Hause immer wieder neu zu motivieren. Ich sehe aber auch an ein einigen Ausnahmen (meistens jüngeren Lehrern) dass es anders geht. Vielleicht ist es wirklich so, dass man als Lehrer mit der Zeit abstumpft und aufgibt um seine eigene Seele zu retten. Es gibt bestimmt viele Schüler, die einem den Schulalltag zu Hölle machen, aber lohnt es sich nicht für die anderen zu kämpfen?

  14. Ich kenne ähnliche Sichtweisen von anderen Eltern, glaube aber nicht, dass sie jedesmal gerechtfertigt sind. Eine Ferndiagnose kann ich nicht leisten. Wie soll ich wissen, ob der Kollege zu streng bewertet hat oder nicht? Kreiden Sie mir bitte nicht die eventuellen Fehler anderer Kollegen an. Ich mache genug eigene, gebe die aber auch zu.
    Prinzipiell werden Sie ja wohl einen Durchschnitt von 4,3 für möglich halten. Wenn man nämlich sagte, der Durchschnitt solle sich immer im Bereich 2,5 bis 3,9 bewegen, das wäre dann ja erst recht Willkür und hätte nichts mehr mit den Klassenleistungen zu tun.

    Beruhigt es sie, wenn ich Ihnen sage, dass ich schon Aufgaben gestellt habe, die zu schwer waren, und dann den Punkteschritt angepasst habe?
    Wenn ich Fehler eingestehe, darf ich dann auch eingestehen, dass eine Ex zu gut bewertet war, und nachträglich die Noten verschlechtern? Kaum. Es geht also nicht nur darum, Fehler einzugestehen, sondern wohl hauptsächlich darum, nicht zu schlecht zu benoten.

    Meine Feststellung ist, dass eigentlich so ziemlich alles zulässig ist, es gibt scheinbar tatsächlich relativ wenige Vorgaben für Lehrer was den Umgang mit den Schülern betrifft.

    Für den Umgang mit Schülern gibt es natürlich Vorgaben: Respekt, Höflichkeit, Achtung und so weiter. Da mangelt es manchmal tatsächlich, auf allen Seiten. Daran müsste gearbeitet werden, unbedingt. Das ist ein wichtiges Thema.
    Aber in Ihrem Beispiel geht es nicht um den Umgang, sondern um Noten. Wie sollten denn solche Vorgaben aussehen?
    Ich meine die Frage nur zum Teil rhetorisch. Tatsächlich glaube ich nicht, dass es viele solche konkreten Vorgaben geben kann – aber wenn Sie wirklich einen Vorschlag haben, dann würde mich das freuen. Ich will ihn auch bei der nächsten Fachsitzung vorbringen; mit den Änderungen in der GSO wird eh viel über Notengebung diskutiert werden.
    Eine solche Vorgabe ist sicher: Keine zweite Note in einer Stunde neben einem Referat, also weder Ausfragen noch Ex.
    Eine andere könnte sein: Nicht mehr als 20% der Punkte auf Grundwissen, 80% müssen sich auf den Stoff der letzten Stunden beziehen. Kann man drüber reden.
    Sonst fällt mir nicht viel ein. Wollen Sie eine Vorgabe, dass es ab 50% immer eine 5 gibt? Das halte ich für wenig sinnvoll – dann wird halt geklagt, dass zu schwere Wörter abgefragt werden.
    Oder die Vorgabe, dass Lehrer fair sein sollen? Das ist richtig, aber nichts Konkretes.

  15. Auf keinen Fall wollte ich Ihnen Fehler unterstellen, die manche Ihrer Kollegen machen. Es ist überhaupt nicht meine Art, alle über einen Kamm zu scheren und manchmal habe ich auch schon eine Meinung über einen Lehrer im Laufe des Schuljahres revidiert, womit ich auch keine Problem habe. Mein Urteil über einen Lehrer bilde ich mir stets selbst, auch wenn meine Kinder oder andere Eltern noch so schimpfen. Vielleicht habe ich hier meinem Unmut etwas zu ausschweifend Luft gemacht, dafür möchte ich mich entschuldigen, da Ihre Seite gewiss nicht dafür gedacht ist.

    Vorschläge zur Verbesserung unseres Schulsystems hätte ich viele. Aber Sie haben recht, hier geht es nur um die Benotung.
    Ihre Vorschläge sind schon ein guter Schritt in die richtige Richtung und ich habe mir auch Gedanken gemacht, denn schließlich ist es nicht damit getan alles verbessern zu wollen, aber keine konkreten Vorschläge zu bringen. Dann hätten wir auch die Politik gehen können….

    Wie wäre es denn mit der Schweizer Formel?
    5 : Gesamtpunktzahl x erreichte Punktzahl + 1 = Note

    Die Formel ist zwar nur beim Punkte- und nicht beim Fehlersystem anwendbar, aber immerhin wäre damit schon ein Teil erfasst.
    Hier könnten eventuelle Ungerechtigkeiten nur noch in der Punktevergabe liegen, aber nicht mehr am Notenschlüssel. Zumindest schon eine Verbesserung. Damit hätte der Lehrer immer noch die Freiheit, den Schwierigkeitsgrad, die Gesamtpunktzahl und die Vergabe der einzelnen Punkte selbst zu bestimmen, doch für uns Eltern und die Schüler wäre zumindest eine eindeutige Überprüfung der Notenberechnung anhand von drei feststehenden Faktoren (Formel-Gesamtpunktzahl-erreichte Punktzahl) möglich.
    So wie es jetzt ist, habe ich oftmals nicht einmal den Notenschlüssel und muß hinnehmen, dass 50% richtige Antworten einmal die Note 4 und einmal die Note 6 bedeuten.
    Für mich nicht nachvollziehbar. Auch wenn der Lehrer der Meinung ist, dass es einmal eine schwere und einmal eine leichte Prüfung war. Das liegt doch im Auge des Betrachters, da wie Sie geschrieben hatten, selbst der Notendurchschnitt keine zuverlässige Aussage darüber bietet.
    Was die Fairness betrifft, wäre es schön, diese voraussetzen zu können, ebenso wie Ihre gennnten Vorgaben: Respekt, Höflichkeit, Achtung, etc. etc.
    Leider werden diese selbstverständlichen Eigenschaften im Umgang miteinander heutzutage immer seltener und wie Sie schon richtig feststellten, auf allen Seiten.
    Nur um die Menschheit zu ändern, reicht ein Leben nicht aus.

    Freundliche Grüße und schönes WE
    Eva-Maria Herrmann

  16. Die Formel muss man abwandeln, da in der Schweiz die 6 die beste und die 1 die schlechteste Note ist. Also bedeutet die Formel in Deutschland:
    100% = 1
    80% = 2
    60% = 3
    40% = 4
    20% = 5
    0% = 6

    Wie wird gerundet? 90% gerade noch 1 und 10% gerade noch 5, vermutlich.

    Wissen Sie was, ich versuche es einfach mal mit einer solchen Formel. Ich glaube immer noch nicht, dass sie zu einer weniger willkürlichen Note führt. Zu einer den Leistungen gerechteren Note schon gar nicht, weil dann nach der gestellten Aufgabe gar nichts mehr angepasst werden kann. Andererseits: Vielleicht bemüht man sich als Lehrer dann noch mehr, wirklich angemessene Aufgaben zu stellen.
    Am wichtigsten scheint mir dabei, dass eine solche Formel den Anschein der Willkür entfernt – und das ist auch viel wert, wenn die Eltern dann mehr Vertrauen haben.

    Damit ist aber nur die Hälfte des Problems erledigt. In der Kollegstufe bin ich in Englisch zum Beispiel an eine andere Formel gebunden. Die Grenze zwischen 5 und 6 liegt dort bei den Klausuren bei 33%.
    Genauso könnte ich die amerikanische Formel verwenden, die ich in einem Kommentar weiter oben gegeben habe: Die Grenze zwischen 4 und schlechter als 4 liegt dort bei 70%. Diese Regelung ist für Eltern genauso transparent wie die Schweizer Formel.

    Welche Leistung noch ausreichend ist und welche nicht, diese Entscheidung bleibt weiter beim Lehrer allein, und bei den Richtlinien, an die er sich hält. Wenn wir die Schweizer Formel übernehmen, dann werden unsere Schulaufgaben schwerer, keine Frage. Außer wir verlangen nicht mehr so viel.

    Aber ich werde mir eine Formel geben und sie durchhalten.

  17. Hallo,
    das ganze thema über „die willkür der notenvergabe“ halte ich für völligen blödsinn! es ist doch klar, dass ein lehrer benoten kann wie er will. das ist auch richtig so, und absolut egal, solang er fair bleibt. das problem des schülers liegt ganz woanders begründet, nämlich in der informationsüberflutung. Wenn ich jetzt zum beispiel von mir ausgehe: ich will englisch lernen, schalte den pc ein, suche bei google nach englisch schulaufgabe, finde ein paar 6 klass arbeiten und natürlich diese seite. ich lese sie durch und muss plötzlich feststellen, dass ich schon wieder n haufen zeit verloren habe. und jetzt frage ich sie extrem rhetorisch; ist nicht der ganze müll, den man im internet und den anderen medien findet an der misere schuld? wir schüler werden ständig und überall abgelenkt! das kann man logischerweise nicht unterbinden ( da würden ja alle spieleprogrammierer, medien- und kommunikationsdesigner, usw. arbeitslos werden (-: ). was kann man also machen? alle schüler einsperren, ihnen die pc’s und fernsehere wegnehmen, oder ihnen durch die vorhandenen medien etwas mehr bildung und etwas weniger bullshit zukommen lassen? ich bin für letzteres und dafür, dass man, wenn man bei google „englisch schulaufgabe“ eingibt, man auch englisch schulaufgabe bekommt und nicht so’n käse, der dann auch noch so interessant ist, dass man ihn liest. „scheiß neue welt. früher hattet ihrs viel leichter!“

  18. Mit Interesse habe ich obige Kommentare gelesen. Bedauerlicherweise wird nur die Qualität
    der Schüler beleuchtet – nicht hingegen die Qualität der Lehrer. Grundsätzlich gibt es keine
    guten und schlechten Klassen – es gibt jedoch gute und schlechte Lehrer, geeignete und
    nicht geeignete, solche, die den erforderlichen Lehrstoff jeder Klasse vermitteln können – das sind meist die zu diesem Beruf Geborenen und solche, die am besten den Beruf mangels pädogogischer und psychologischer Kenntnisse wechseln sollten – sie produzieren zwangsläufig schlechte Klassen.
    Höchst interessant wäre eine Pisa-Studie über die Lehrer zu verfassen, die würde das
    schlechte Abschneiden der Schüler erklären !!!

  19. Drei verschiedene Aspekte sehe ich im letzten Kommentar:

    1. Es gibt keine Studien zur Lehrerqualität, und es wäre besser, wenn es sie gäbe.
    – Ja, das stimmt. Ich würde solche Untersuchungen begrüßen, aber beim gegenwärtigen System wird es da kaum etwas geben. Dann müsste man ja auch nach Leistung bezahlen, den Schulen mehr Spielraum bei der Einstellung geben und so weiter.

    2. Das schlechte Pisa-Abschneiden würde durch eine Studie über die Lehrer erklärt.
    – Das ist arg zu kurz gedacht. Kann es nicht auch etwas mit Lehrplänen, Pro-Kopf-Bildungsausgaben, Schulsystem, Klassenstärken zu tun haben? Ganz zu schweigen vom gesellschaftlichen Stellenwert der Bildung.

    3. Grundsätzlich gibt es keine guten und schlechten Klassen.
    – Natürlich gibt es gute und schlechte Klassen, gibt es gute und schlechte Schüler! Man kann nicht allen Schülern alles in gleicher Zeit beibringen. Ich verstehe den Wunsch, Schüler nicht als gut oder schlecht zu sehen. Und es wäre schön, wenn man Schüler nicht als gut oder schlecht bewerten müsste, sondern versuchte, aus allen Schülern das Beste herauszuholen, jeden Schüler nach besten Möglichkeiten zu fördern.
    Das ist auch tatsächlich die Aufgabe des Schulsystems, die es allerdings erschreckend wenig erfüllt. Im gegliederten Schulsystem ist das aber – leider – nicht meine Aufgabe: Ich setze ein gymnasiales Anforderungsmaß, versuche nach besten Möglichkeiten innerhalb dieses Maßes zu lehren oder beim Lernen zu helfen. Dann beurteile ich, ob der Schüler dieses Maß erfüllt, übererfüllt, nicht erfüllt. Ich muss keineswegs solange daran arbeiten oder solange warten, bis jeder Schüler das gleiche Niveau erreicht hat. Ansonsten hieße das, dass bei einem perfekten Lehrer am Schluss jeder die gleiche Note kriegt. (\“Sehr gut\“? \“Befriedigend\“?)

    Ich könnte es mir durchaus auch anders vorstellen. Schreiben Sie Ihrem Kultusminister!

  20. prima dieser \\\“Schlagabtausch\\\“. Die Sicht eines Lehrer einmal zu sehen bzw. zu hören ist recht aufschlussreich und Sie scheinen einer der besseren Lehrer zu sein. Trotzdem finde ich es schade, dass es bei der Vergabe der Noten so gar keine Rahmenbedingungen gibt.

    Meine Tochter ist in der 7. Klasse Gymnasium – und ich könnte mich nach jeder Ex bzw. Schulaufgabe tierisch ärgern. Unsere Schulaufgaben bestehen meist aus 3 – 4 Teilen –
    Fragen zum Text (aus dem Schulbuch), Listening Comprehension, Grammatik, Diktat und/oder Translation. Wobei mancher Teil doppelt und der andere einfach bewerter wird.
    Bisher war es immer so Translation/Grammatik 2:1, dieses Mal wurde das ganze einfach umgedreht. Da nützen jetzt auch die beiden netten Worte \\\“fast ausreichend\\\“ nichts.
    Jedesmal gibt die Benotung Rätsel auf, es werden Punkte in hellrot, in dunkelrot und mit Bleistift vergeben – nachzuvollziehen ist da nichts mehr, weder von den Kindern noch von den Eltern. Wörter mit Mehrfachbedeutung wie z.B. mögen, gernhaben = like / enjoy müssen so übersetzt werden wie es in dem letzten Kapitel stand – ansonsten keine Punkte. Der Notenschlüssel wird in einer affenartigen Geschwindigkeit runtergelesen – die Kinder müssten Steno können um da mitzuhalten, von einer Festlegung der Punktzahl pro Aufgabe will ich garnicht erst rede.
    Steht man zwischen zwei Noten und möchte mit einem Referat – wohlgemerkt in Englisch – seine Note aufbessern, so ist dies nicht erwünscht – es passt ja nicht in den Lehrplan – stört den Unterrichtsablauf – und dann kommen womöglich noch mehr Kinder auf die Idee.
    Aber warum sollte es bei Lehrern anders sein wie woanders, manche sind einfach berufen für diesen Beruf und andere wiederum nicht, nur schade das unsere Kinder das ausbaden müssen.
    In diesem Sinn – viel Spaß noch und ein schönes Wochenende

  21. Danke für das schöne Wochenende. Ich bin selber mit meinen Englischschulaufgaben auch unzufrieden. Überhaupt liegt bei der Notenvergabe (mündlich noch mehr als schriftlich) viel im Argen.

    Zumindest sollte von Anfang an bei jeder Aufgabe die erreichbare Punktezahl angegeben sein (in Bayern Vorschrift, auch wenn es wohl ab und zu vergessen wird), und bei Schulaufgaben mit einzeln benoteten Teilen (Hörverstehen, Wortschatz, Grammatik usw.), die unterschiedlich gewichtet werden, sollte die Gewichtung vorher bekannt sein. Dass das je nach Schulaufgabe anders sein kann, kann ich mir vorstellen; es sollte aber vorher bekannt sein. Der Notenschlüssel gehört an die Tafel, die Notenverteilung unter Umständen nicht (in manchen Bundesländern ist das verboten, in anderen wird das gefordert).

    Noten sollen für Schüler und Eltern transparent sein, das ist schwer. Noten sollten fair sein, das ist auch schwer. Noten sollten Rückmeldung darüber geben, wieviel man kann, und was man verbessern muss.
    In der Praxis dienen Noten aber bei zu vielen Schülern dazu, zu entscheiden, ob man wiederholen muss oder nicht. Das verzerrt alles. Ich wollte noch mehr dazu schreiben, aber dazu muss ich ein paar Tage überlegen.

    (Weniger unzufrieden bin ich mit meinen Deutsch-Schulaufgaben, die ich freier bewerte und nicht nach Punkteschlüssel. Es gibt zwar auch immer wieder Vorschläge, für Deutschaufsätze Punkteskalen einzurichten, ich hatte auch ein Seminar dazu an der Uni, aber das hat mich nicht überzeugt. Dafür muss man mit dem Vorwurf leben, dass Deutschnoten beliebig sind. Das geht meiner Meinung anch vor allem deshalb gut, weil Deutsch kein Fach ist, wegen dem man häufig durchfällt.)

  22. wahnsinn! großes lob, herr rau! ich hab mir eben diesen thread durchgelesen und bin beeindruckt, mit welcher geduld du hier diese allgemeinplätze der teils sehr unreflektierten und sich unendlich wiederholenden lehrerkritik versuchst zu erläutern. respekt!

  23. Wissen Sie was, ich habe 2 Jungs im Gymnasium und sehe wie die mit solchen hirnrissigen und übertriebenen Bewertungen gemobt werden, einer 6. und einer 8. Klasse.

    Herr Rau, wie wird eigentlich Ihre Leistung beurteilt????? Aus der Ecke A14 mit Zulage läßt es sich leicht urteilen. Mir tun unsere Kinder leid.

    Schöne Zeit.

  24. Lieber Herr Mayer, wenn ihr Kinder gemobbt werden, tut mir das leid. (Ich halte allerdings nichts davon, das Wort Mobbing für alle szu verwenden, was einem nicht passt. Wenn es Ihnen um die Notengebung der Lehrer geht, ist das Wort wohl falsch verwendet, so ungerecht oder unliebsam sie auch sein mag.)

    Wenn Ihnen die Bewertungen nicht passen, müssen Sie eine andere Regierung wählen oder sonstwie Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen. Mir gefällt auch nicht alles, was ich mache. Aber ich vertrete nicht nur die Interessen der Schüler oder gar meine eigenen, was ich doch wohl darf, sondern auch die des Staates und halte mich nun mal an Vorschriften und Gesetze. Gefällt ihnen das dreigliedrige Schulsystem mit Gymnasium, Realschule, Hauptschule nicht? Wollen Sie eine länger Übergangsphase? Das Durchfallen abschaffen? Mehr Förderunterricht? Darüber kann man reden, auch mit mir. Aber vor allem bitte auch mit den Zuständigen.

    „Mir tun unsere Kinder leid.“
    Ich richte das meiner derzeitigen 6. Klasse aus. Was die wohl sagen wird?

    „Herr Rau, wie wird eigentlich Ihre Leistung beurteilt?????“
    Durch Besuche der Schulleitung.
    (Allerdings wird sie tatsächlich zu wenig beurteilt. Organisatorische und sonstige Probleme. An mir liegt’s nicht.)

    Bis ich mal A14 werde, das dauert übrigens noch einige Jahre. Soll das überhaupt heißen, dass ich, wenn ich weniger verdienen würde, bessere Noten geben würde oder mich nicht an Vorschriften halten müsste? Verzeihung, das gibt doch keinen Sinn.

  25. Lehrer werden permanent beurteilt. Sie haben ein Universitätstudium absolviert, das in Grundzügen einem doppelten Magisterstudium oder Diplomstudium entspricht. Dazu absolvierten sie zwei Zwischenprüfungen. Dazu kommen noch einmal ca. 30 universitäre Leistungsnachweise und Zeugnisse (Seminarscheine) und eine Examensarbeit. Sie legen das erste Staatsexamen in 13 oder mehr Teilprüfungen ab. Danach werden sie in Theorie und Praxis als Referendare zwei Jahre dauerbeurteilt. Abschließend legen sie das zweite Staatsexamen ab, mit weiteren sechs Prüfungen und einer Examensarbeit.
    Täglich wird man von den Schülern geprüft, mit denen man zusammenarbeiten muss. Sie nutzen viele Wege, um einem mitzuteilen, was sie von der Leistung des Lehrers halten. Kommt der Lehrer gut an, lernen die Schüler etwas. Beurteilt wird man als Lehrer auch in nahezu jeder Sprechstunde und bei jedem Elternabend, denn auch die Eltern bilden sich ein Urteil, loben und kritisieren. Man wäre als Lehrer schlecht beraten, wenn man diese Urteile überhaupt nicht berücksichtigt. Man wäre als Lehrer aber auch schlecht beraten, wenn man nicht auf die Grenzen dieser Rücksicht achtet, weil man sonst irgendwann der Sache (Können die Kinder Englisch – ja oder nein?), den Personen (Welche Note bekommt x, wenn y diese Note für seine Leistung bekommt?) oder der eigenen professionellen Rolle (Sind Lehrer eigentlich so etwas wie Papageien?) nicht mehr gerecht wird. Beurteilt wird man auch von seinen Kollegen und natürlich von der Schulleitung in einem regelmäßigen Turnus.

    Falls man dies übersehen hat: Unsere Haupttätigkeiten bestehen im Lehren und im Überprüfen des Gelehrten bzw. Gelernten. Sie besteht nicht im Geprüft-und-beurteilt werden.
    Ja und dann erlauben sich die Mayers dieser Welt auch noch ein Urteil, wahrscheinlich mit dem Hinweis auf die grausame Welt da draußen, die einen jeden Tag auf die Probe stellt und beurteilt. Mir kommen fast die Tränen…

  26. Nachtrag:

    Es gibt zugegebenermaßen schlechte Lehrer, Schulen, Schüler, Lehrpläne und Schulsysteme usw. You name it, we got it!
    Warum nur beschleicht mich aber bei vielen Äußerungen von Eltern immer wieder mal die Ahnung, dass hier gar nicht von der Schule der Kinder die Rede ist, sondern von der Schulwahrnehmung der Eltern oder gar von ihren eigenen offenen Rechnungen mit der lange zurückliegenden Schulzeit? Ganz selbstverständlich ist auf dieser Seite die Rede von „unseren Schulaufgaben“, ist das ein freudscher Verschreiber, ein Rückbezug auf die regionale Verortung oder vereinnahmt hier nicht jemand einfach eine Rolle?
    Da wird behauptet, dass sich die Gesellschaft in den letzten dreißig Jahren verändert hat und unterstellt, die Schule hätte sich nicht mit verändert. Um das zu widerlegen, reicht ein Vergleich der Schulbücher von heute mit denen von 1976, von den Menschen die heute Schule machen, Schüler wie Lehrer ganz zu schweigen.

  27. beelzebub aus bruck: du sprichst mir aus dem herzen, auch wenn ich studium, die vielen prüfungen und referendariat gar nicht in den vordergrund stellen möchte. viel schmerzhafter empfinde ich immer die pauschalkritik einiger eltern (oder auch kinderloser…), die aufgrund irgendwelcher meldungen und klischees aus medien und möglicherweise negativen erfahrungen mit (sicherlich vorhandenen) schlechteren lehrern völlig unreflektiert über das gesamte berufsfeld schule herziehen. und dabei natürlich kräftig auf die lehrer prügeln. aber ich bin es inzwischen leid, mich immer rechtfertgen zu müssen, dass ich „mittags schon nach hause darf“. also lass ich es einfach.
    in diesem zusammenhang unten zwei beispiele aus einer reihe von studien zur lehrerarbeitszeit.

    voranstellend möchte ich nur kurz folgendes erwähnen: ich will mich nicht beklagen oder, wie gesagt, rechtfertigen. mir macht der beruf wahnsinnig spaß, ich gehe gerne in die schule und ich würde den selben weg jederzeit wieder gehen.

    http://www.uni-bremen.de/campus/campuspress/altpress/03-213.php3

    http://www.brlv.de/Arbeitsbelastung/Arbeitsbelastung.htm studie zur realschule:
    „Bei einer Unterrichtspflichtzeit von gegenwärtig mindestens 24 Unterrichtsstunden sind demzufolge 42,48 Zeitstunden pro Schulwoche für die reine Unterrichtstätigkeit anzusetzen.
    Rechnet man das Arbeitszeitkonto mit ein, dann ergeben sich je Unterrichtswoche
    44,25 Zeitstunden. Im Durchschnitt aller Lehrkräfte (wissenschaftlicher
    und nichtwissenschaftlicher Unterricht) arbeiten Realschullehrkräfte gegenwärtig 26 Unterrichtsstunden. Daraus leitet sich ein Durchschnittswert von 46,02 Zeitstunden je
    Schulwoche für den unmittelbaren Unterricht ab“

  28. Falls man dies übersehen hat: Unsere Haupttätigkeiten bestehen im Lehren und im Überprüfen des Gelehrten bzw. Gelernten. Sie besteht nicht im Geprüft-und-beurteilt werden.
    Ja und dann erlauben sich die Mayers dieser Welt auch noch ein Urteil, wahrscheinlich mit dem Hinweis auf die grausame Welt da draußen, die einen jeden Tag auf die Probe stellt und beurteilt. Mir kommen fast die Tränen…

    Zu diesem Zitat von Beelzebub Bruck:
    Die Mayers dieser Welt werden nicht jeden Tag auf die Probe gestellt, die Probe haben die Mayers längst bestanden. Die Mayers dieser Welt zeigen Verantwortung für Mitarbeiter und Kollegen, das Unternehmen. Die Mayers dieser Welt hatten eine glückliche Schulzeit mit Lehrern die wirklich Grips im Kopf hatten, dafür herzlichen Dank den Leuten, leider gibt es davon nicht mehr viele. Ich habe heute noch große Achtung vor den Menschen, die mir als Respektsperson Lehrer gegenüberstanden. (Man beachte Respektsperson!)
    Vor der Drittklassigkeit unserer Schulen im Jahr 2006 kann ich nur erschrecken, nicht wahr Herr Beelzebub Bruck.

  29. Faltsch, Herr Mayer, die Schule, an der ich arbeite, ist nicht drittklassig, sondern in manchen Bereichen wahrscheinlich sogar erstklassig, in einigen verbesserungs- und kritikwürdig und wirklich schlecht vielleicht in gar keinem Bereich. Die Lehrer an dieser Schule zeigen Verantwortung für Schüler, Eltern und Kollegen, das Unternehmen also. Sie arbeiten mit Grips an einer glücklichen Schulzeit, oft für wenig Dank und unterbezahlt. Deshalb wollen auch immer weniger Menschen Lehrer werden. Eine Respektsperson zu sein, hat etwas damit zu tun, ob man Respekt verdient, ihn sich erarbeitet, aber auch damit, ob er der betreffenden Person entgegengebracht wird. Mit höhnischer Unterstellung (A14 + Zulage, s.o.) vermittelt man diese Bereitschaft Respekt entgegenzubringen eher nicht. Und vielleicht liegt darin auch der Grund für die vermeintliche Drittklassigkeit. Wer will sich schon ein Berufsleben lang anhören, was ein Schröder, Müller, Maier und Schmidt von einem halten?

  30. Hallo Herr Bruck,

    ich bin hier in einem internationalen Konzern tätig. Ich selbst bin strategischer Einkaufschef mit einem Volumen von rund 90 Mio. Euro Beschaffung weltweit. Sicherlich würde ich mit A14 mit Zulage nicht arbeiten wollen, aber wissen Sie eigentlich welche Leistungen erforderlich sind um das (A14) Gehalt zu erzielen. Ich selbst arbeite im Schnitt 60 – 70 Stunden die Woche, habe rund 80 Übernachtungen im Flieger und in Hotelbetten pro Jahr. Kollegen, Werkstoffwissenschaftler, Chemiker und Mathematiker stehen mir da in nichts nach. Ich habe hier was über eine Arbeitszeit incl. Arbeit zu Hause von 42 oder 45 Stunden gelesen. Da kommt mir das Grausen, besser das Lachen. Keiner meiner Mitarbeiter, die weniger Einkommen haben wie eben A14, geht unter 45 Stunden heim, plus Heimarbeit am PC. Zudem können die Leute rausgeschmissen werden.

    A14 mit Zulage, Herr Bruck, die Lehrkraft die Leistung bringt soll verdienen und zwar richtig, die Leute haben das verdient. Diese Leute arbeiten mit dem kostbarsten Gut unserer Gesellschaft unseren Kindern. Nur sollte man differenzieren zwischen gut und schlecht, mit der Konsequenz das schlechte Lehrkräfte rausfliegen. Wollen wir wetten wie hoch die Quote wäre, 70 %, 80 %?

    Nur soviel, mein Sohn besucht ein G8, 6 Klasse, mein Großer die 8, selbes Gymnasium. Bis jetzt Ausfallzeit 30 Stunden (6. Klasse), Schwerpunkt Montag. Ich kann Ihnen die Statistik zukommen lassen. Zudem haben dann die Herren Fachlehrer den Notenschlüssel dahingehend verschoben, ab 60 % Note 4 in Englisch, weiter davon betroffen alle Fremdsprachen. So, die 30 Stunden werden aber nicht geschenkt, nein da wird beschleunigt, man will ja den Lehrplan gerecht werden. Ergebnis, man baut zusätzlichen Druck, lehrt schneller. Damit die Geschichte dann ein Bild kriegt wird der Notenschlüssel verschärft, man baut noch mehr Druck auf. Der Druck kommt von Herrschaften, die das Wort Druck sicherlich gut buchstabieren können. Ich wünsche mir manchmal eine Schule zu leiten. Das wäre sicherlich für biedere Lehrkräfte ein neue Erfahrung.

    Exemplarisch letzte Schulaufgabe in Englisch Notenschnitt 3,95. Der STR meinte vor der Klasse, die Kinder wären schlecht, zweifelsfrei er hat recht. Nur stellt sich jetzt die Frage, wer war die Pfeife, die Kinder oder der Lehrer. Ich sag mal, im Schuljargon die Kinder. Meine Meinung, mindestens zu 50 % der Lehrer. Vielleicht sollte sich der Kerle mal selbst hinterfragen. Wird aber nicht passieren, wäre jedenfalls neu, warum auch. Der Kerl ist in 10 Jahren noch immer STR. Sollte mein Kind mal betroffen sein, wird er lernen, dass es Sparringspartner gibt, die einen aus dem Ring hauen und ich werde ihn dann mit allen mir zur Verfügung stehen Möglichkeiten zerlegen. Das wird mein Anwalt erledigen, nicht ich. Dafür ist mir die Zeit zu schade, denn die Zeit verbringe ich mit meinen Kindern, der Familie.

    Ich selbst hab die Schulaufgabe gesehen, mein Englisch ist sicherlich nicht so perfekt wie das eines STR, aber diese Arbeit war hinterfotzig, sie kennen das Wort?
    Der Kerl würde in meinem Bereich keinen Fuß mehr auf den Boden kriegen. Ich denke der hätte keine Zeit mehr über seinen „burn out“ nachzudenken, bzw. die Frühpensionierung. Genau das ist mein Problem, bayerisches Gymnasium, die Schüler sind garantiert keine Idioten, kommen großteils aus sozial hervorragenden Verhältnissen und der Kerl faselt was von schlechten Leistungen der Kinder. Warum hinterfragt sich der Kerl nicht selbst.

    Anmerkung mein Sohn hatte eine 3. Ich war zufrieden mein Sohn glücklich. Nur es gibt auch andere Kinder, die Angst vor der Schule haben, nachts schlecht schlafen, den Druck nicht aushalten können. Wenn Druck, dann für alle.

    Natürlich ist das alles unqualifiziertes Geschwafel, wie kann ich mir es erdreisten wie alle Meiers, Schmidts, Hubers und Müllers den hochangesehen Stand der Lehrer zu kritisieren. Ich hab immer den Eindruck, Kritik ist das was Lehrkräfte am wenigsten vertragen. Nur woher kommt diese Kritik, warum Kritik? Haben Sie das schon mal in Erwägung gezogen warum dieser Berufsstand in unserer Gesellschaft keinen Stellenwert mehr hat. Würden Leute kritisieren wenn kein Grund bestünde, ich jedenfalls nicht, ich wäre glücklich und zufrieden.

    Ich möchte mich jetzt aus der Seite ausblenden, ich werde jetzt in Urlaub gehen und im Januar nach Indien fliegen, geschäftlich. Ich fliege dann, wenn Ihr Berufsstand die letzte Woche der Weihnachtsferien genießt, so wie die Kinder, für die Schüler freue ich mich, denn die Kinder haben 13 Wochen Ferien im Jahr verdient.

  31. Bei mir dürfen Sie übrigens mitreden mit oder ohne Qualifikation; ich schränke da nicht so ein wie Beelzebub.
    Allerdings sind ihre Argumente im letzten Beitrag dürftig. Sie stört der Unterrichtsausfall? Verstehe ich. Hat aber in der Regel nichts mit den Lehrern zu tun. Wenn Sie sagen: „Schwerpunkt Montag“ und damit nahelegen, dass es um verlängerte Wochenende geht, dann halte ich das für lächerlich. Wirklich.
    Dass ab 60% die Note 4 in Englisch gegeben wird, ist in Bayern am Gymnasium die Norm. Das steht oben in diesem Blogbeitrag. Ich bin mir also nicht sicher, ob sie mit Ihrer behaupteten eigenwilligen Verschiebung des Schlüssels durch die Fachlehrer nicht einfach komplett daneben liegen.
    Zum dritten: Dass die Kinder an ihrer Schule „großteils aus sozial hervorragenden Verhältnissen“ kommen, ist schön für sie, aber trotzdem darf der Lehrer „was von schlechten Leistungen der Kinder“ faseln. Das eine hat mit dem anderen in Deutschland leider zuviel zu tun, aber so eindeutig ist der Zusammenhang auch wieder nicht, wie Sie hier implizieren.
    Und so weiter. Aber blenden Sie sich gerne aus aus dieser Seite; Ihren Kindern viel Glück. Wenn Sie in Ihrem ersten Kommentar ein bisschen sachlicher gewesen wären und Ihre Erfahrungen, welcher Art auch immer, nicht unbekannterweise auf mich übertragen, hätten Sie mehr für Ihre Sache getan. Viel Spaß im Urlaub, erholen Sie sich. Beelzebub, Vorschlag zur Güte: Übe dich in Zurückhaltung und Geduld. Manchmal muss man die Leute auch einfach mal reden lassen.

  32. Hallo Her Rau,
    ich konnte es mir nicht verkneifen. Reden lassen ist ein gutes Argument. Wenn ich mir die Seite so ansehe, haben Sie ja massig Zeit dazu.

  33. Ja, also ich finde diese Texte über das Notenvergeben usw. schon interessant, weil man dann wissen kann, welche verschiedenen Lehrer es gibt.Ja also bei uns in den Schulaufgaben da sagen die Lehrer immer: “ Ab der Hälfte der Punktzahl ist es die Note 4″ Auch wenn man einen halben Punkt daneben liegt, hat man die 4. Wieso ist die Hälfte nicht die Note 3??? Es ist doch die Hälte von der 6.Wie kann man dann sagen dass die Hälfte von 6 die Note 4 ist??? Bitte Antwort!!!

  34. „Ab der Hälfte der Punktzahl ist es die Note 4“ – aber nicht in Bayern, im Fach Englisch, außerhalb der Oberstufe, oder?
    Wieso ist die Hälfte nicht die Note 3? Das könnte sie schon sein. Ist die Hälfte denn „befriedigend“? Laut Art. 52 BayEuG steckt das hinter der 3. Bei sehr schweren Aufgaben ist die Hälfte der Punkte sicher befriedigend. Bei sehr leichten Aufgaben nicht. Wie schwer sind eure Aufgaben denn?
    Eine andere Lösung wäre es, vorher festzuschreiben, dass alle Aufgaben so (schwer oder leicht) gestellt werden müssen, dass die Hälfte der Punkte „befriedigend“ ist. Das ändert an euren Noten aber gar nichts, außer, eure Lehrer waren so ungerecht, dass sie befriedigende Leistungen nur mit einer 4 bewertet haben.
    Welche Art Leistung befriedigend und welche ausreichend ist, bereitet manchmal auch dem Fachmann Probleme. Schüler und Eltern mit noch viel weniger Erfahrung dürften dabei noch größere Schwierigkeiten haben, ehrlich gesagt. Schon mal, weil oft der Vergleich fehlt, was andere Schüler und Klassen können. Das geht in beide Richtungen; ich habe zum Beispiel auch einen Schüler, der sich regelmäßig über seine guten Noten wundert, weil er die Aufgaben so leicht und alles so selbstverständlich findet und sich gar nicht vorstellen kann, dass anderen das nicht so geht und das seine Leistung wirklich „sehr gut“ oder „gut“ ist.

  35. Hallo, ich Mutter (2 Kinder) Gym/Rea möchte nachfragen wie das den nun genau mit dem Notenschlüssel ist. Mein Sohn Gym Englisch 7 kl (G8), hat eine Englischlehrer der keine Exen schreibt nur mündliche Noten macht. Leider mag dieser Lehrer meinen Sohn nicht, da der Lehrer der Meinung ist mein Sohn wäre zu ruhig und spricht auch noch dialekt…. Dadurch stellt er ihn in mündlich auf eine 4 und andere Kinder der Klasse stellt er bei der gleichen Abfrage und die gleiche Antwort auf eine 2…..
    In den Schulaufgaben hat dieser Lehrer einen schlechten Notenschlüssel, z.B. von 72 PKT 37,5 eine 5 knapp an der 6, oder von 80 Pkt. 42,5 auch eine 5 (mitte). Von den 21 Schülern in der Klasse haben immer in der Schulaufgabe 11 davon eine 5, der Lehrer behauptet die Schüler können nichts und wären faul…… Mein Sohn bekommt Nachhilfe und die Nachhilfelehrerin fragt sich schon was sie meinen Sohn noch beibringen kann, den so im großen und ganzen kann er es. Was meinen Sie dazu??
    Gruß

  36. Ich kenne die Situation nicht, deshalb kann das, was ich ich dazu meine, nicht sehr wichtig sein.

    Aber trotzdem:
    Der Notenschlüssel ist streng, das kann völlig angemessen sein oder auch nicht.
    Wenn von 21 Schülern immer 11 mangelhafte Leistungen bringen, dann ist das ungewöhnlich. Entweder verlangt der Lehrer zuviel oder die Schüler sind tatsächlich zu schwach. Ob das dann an mangelnder Eignung oder an mangelndem Einsatz liegt, kann ich hier noch weniger beurteilen. Möglich ist alles.

    „Der Lehrer behauptet die Schüler können nichts und wären faul.“ Beides kann den Tatsachen entsprechen, auch wenn man das vorsichtiger formulieren sollte. Wenn sie nichts können, muss man überlegen, woran das liegt: An Faulheit, schlechtem Unterricht oder mangelnder Eignung. Das kann am besten der Lehrer selber beurteilen, den meisten Lehrern traue ich auch dazu, dass sie das können. Aber schlechte Lehrer gibt es auch: Weniger als viele Eltern denken, aber es gibt sie. Allerdings geben schlechte Lehrer meist zu gute Noten, weil sie so ihren schlechten Unterricht verstecken können und Ärger mit Schulleitung und Eltern vermeiden.
    Bei 11 Fünfern von 21 Noten wäre bei uns die Fachbetreuung informiert und hätte entweder ihren Segen gegeben oder den Lehrer gebeten, in Zukunft anders vorzugehen. Die können die Situation nämlich auch eingiermaßenbeurteilen; sie kennen den Lehrer, die Klasse, die Klasse in anderen Fächern.

    „Im Großen und Ganzen kann er es.“ Das ist die schwierigste Problem. Ich habe selber Schüler, die bei mir schlechte Leistungen bringen, obwohl die Eltern sagen, dass sie es im Großen und Ganzen können. Entweder die Eltern oder Nachhilfelehrer irren sich (so einfach ist das Beurteilen nicht), oder die Schüler bringen in der Schulsituation nicht die Leistung, die sie außerhalb bringen, oder Lehrer und Nachhilfelehrer/Eltern haben eine unterschiedliche Auffassung davon, wie „im Großen und Ganzen“ zu benoten ist.
    Gefühlsmäßig würde ich sagen, dass „im Großen und Ganzen“ der Note 4 entspricht: „…wenn die Leistung zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht“. Note 3 wäre: „…wenn die Leistung im Allgemeinen den Anforderungen entspricht.“ (Beides §49 GSO.)

    „Leider mag dieser Lehrer meinen Sohn nicht, da der Lehrer der Meinung ist mein Sohn wäre zu ruhig und spricht auch noch dialekt…“ Das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn ein Lehrer einen Schüler nicht mag (das kommt vor, aber auch nur selten), dann muss das noch lange keinen Einfluss auf die Note haben. Und vor allem mag man doch Menschen nicht aus diesen Gründen. Man unterschätzt sie vielleicht. Auch nur vielleicht. Aber nicht mögen? Das glaube ich nicht.

    Was ich Ihnen rate: Sprechen Sie mit dem Lehrer in der Sprechstunde. Wenn Sie danach unzufrieden sind, sprechen Sie mit dem Klassenlehrer.

  37. Wenn man sich den Leistubgsdruck anschaut, wenn man vergleicht wie das zu meiner Schulzeit war und wenn man von Lehrern gesagt bekommt: „wir haben mehr Stunden vorgeschrieben bekommen – darum schreiben wir weniger Leistungsnachweise“ dann frage ich mich ob unser Schulsystem überhaupt noch richtig ist. Abgesehen davon, mit Geld steck ich mein Kind in eine Schule die mir angenehm ist und am Ende die Noten bringt um einen guten Start zu bekommen. Von persönlichen Vorlieben der Lehrer mag ich gar nicht sprechen weil die gabe es immer schon. Ein weiter Punkt der bei mir zu völliger Unverständnis führt ist der regionale unterschied. Gute Noten im Norden berechtigen zum studieren im Süden. Ein Bekannte ist von Bayern in die Nähe von Berlin gezogen und die Kinder sind in jedem Fach um 2 Stufen besser.
    Ich würde zumindest eine jährliche bundesweite Aufgaben in jedem Fach bevorzugen weil dies auch den Lehrern zeigen würde wo sie stehen. Der Spielraum soll zwar da sein aber nicht einseitig verteilt

  38. „wir haben mehr Stunden vorgeschrieben bekommen – darum schreiben wir weniger Leistungsnachweise“
    Ein realistischer, aber wenig publikumswirksamer Grund. Es gibt viel bessere Gründe dafür, weniger zu prüfen.

    „Von persönlichen Vorlieben der Lehrer mag ich gar nicht sprechen weil die gabe es immer schon.“ Es ist ein durch nichts begründetes Vorurteil, dass sich persönliche Vorlieben, die nichts mit der Leistung zu tun haben, in der Note merklich niederschlagen.

  39. Also ich würde mir schon feste Vorgaben auch in Bayern wünschen. Denn wenn mein Sohn mit einer 6 in Latein heimkommt und über 60 Prozent richtig hat, kann ich das nicht mehr nachvollziehen. Ebenso, wenn der andere Sohn in der Grundschule 100 Malaufgaben in der Mathematik in nur 7 Minuten lösen muss und schon ab 12 Fehlern eine 6 bekommt, finde ich das weder sinnvoll, noch pädagogisch. Solchen Lehrern gehört meiner Meinung nach ein Rahmen gesteckt. Sie sind offensichtlich nicht in der Lage einen fairen Notenschlüssel zu kreieren.

  40. Ich weiß nicht, ob feste Vorgaben der richtige Weg sind, will es aber nicht ausschließen. Im Abitur kann ich auch damit leben, zum Vor- oder Nachteil der Schüler.

    Wenn ein Lehrer seine pädagogische Freiheit missbraucht, kann er das mit festen Vorgaben ebenso machen, indem er die Aufgaben im Test entsprechend schwer oder leicht stellt. Mit oder ohne Punkteskala braucht es eine gewisse Kontrolle, auch wenn die pädagogische Freiheit sehr wichtig ist.

    Diese Kontrolle findet statt durch den informellen Druck der Kollegen und durch die Rückmeldung der Fachbetreuer. Beides aber nur in mäßigem Ausmaß, das stimmt. Schulen sind nicht hierarchisch aufgebaut, da hat kaum einer kaum einem anderen etwas zu sagen. Das ist ein Dilemma. Ich suche mir selber nämlich auch gerne aus, von wem ich mir etwas sagen lasse.

  41. Hallo Herr Rau,

    bei der Diskussion zum Notenspiegel in og. Angelegenheit fällt mir folgende wichtige Frage ein:

    Wie ist eine Probe in der 4. Klasse Grundschule (Bayern) zu bewerten, an der ein Kind teilnimmt, das die beiden Tage vor der Probe entschuldigt wegen Krankheit gefehlt hat, und in der Aufgaben vorkommen, die während dieser Fehlzeit im Unterricht behandelt wurden?

    Unterstellt, eine neue Probe für nur dieses Kind zu schreiben, wäre zu viel Aufwand (o.ä.): Kann/Darf/Muss der Lehrer die Aufgaben, die das Kind nicht wissen konnte, bei der Benotung außen vor lassen?

    Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus.

    Mit herzlichen Grüßen,
    Ihre A. Avonda

  42. Hallo Herr oder Frau Avonda,

    am Gymnasium wäre das meiner Sicht nach so, dass die Probe neu geschrieben werden müsste. Eventuell könnte der Lehrer sich durchmogeln und nur den Teil werten/mitschreiben lassen, der erwartet werden kann – wie legal das wäre, weiß ich nicht, ich würde das also allenfalls dann versuchen, wenn es nicht um Vorrücken oder Ähnliches geht.

    Allerdings, und das soll ein großes Allerdings sein, würde ich in meinen Fächern in den zwei Stunden vor der Schulaufgabe ohnehin nichts im Unterricht machen, was für die Schulaufgabe wichtig wäre. Sicher keinen neuen Stoff. Vielleicht (in Englisch etwa) neue Übungen zum bereits bekannten Stoff. Ich weiß nicht, was es in der Grundschule heißt, dass „Aufgaben vorkommen, die während dieser Fehlzeit im Unterricht behandelt wurden“. Vorkommen und Behandeln kann in vielen Formen geschehen – sicher auch in einer solchen Form, die das Mitschreiben dann wenig sinnvoll macht. Also: Der Lehrer muss nicht, kann und darf vielleicht.

    Ich bin wirklich der falsche Ansprechpartner. Richtig Rat geben kann nur die Lehrkraft an der Schule oder die Schulleitung. Ich kenne mich da gar nicht aus, meine Meinung ist nicht viel wert. Aber schauen Sie doch mal zu http://www.schulthemen.de – das ist ein Forum zur Schule, in dem sich Lehrer verschiedener Schularten und Eltern austauschen, mal freundlicher, mal heftiger. Da macht die Ferndiagnose etwas mehr Sinn als bei mir, weil sich da vielleicht ein Grundschullehrer meldet – aber auch nur etwas mehr, weil eine Ferndiagnose einfach zu schwer ist.

    Viele Grüße,
    Thomas Rau

  43. was ist das ? ich hab nichts verstanden ich will die lösungen für unsere englisch probe wissen und nicht soo ein schmarn anschauen ich glaub ich spinn wohl :@

  44. Unsere Tochter hatte in Latein in der Unterstufe 6. Klasse in Bayern in einer Ex eine 6 bekommen. Sie hatte von 19 Vokabeln 11 richtig. Dies finde ich als Vater nicht gerecht, zumal in allen anderen Fächern bei 60 % noch eine 4 gegeben wird. Warum besteht dieser Unterschied zu anderen Fächern? Nach Rücksprache mit der Lehrkraft bekam ich nur die Antwort dass ihm das egal sei, was andere Lehrer in anderen Fächern tun. Außerdem wird in der anstehenden Schulaufgabe in Latein bei 60 Punkten insgesamt nur eine 3 erreicht, wer nicht mehr als 6 Fehler hat. Ist dies nicht völlig überzogen? Wo ist hier ein pädagogischer Ansatz die Schüler gleich in der ersten Ex /SchA zu demoralisieren, obwohl sie lernbereit sind? Wie ist Ihre Meinung dazu? Danke im Voraus.

  45. Meine Meinung hat nicht viel zu bedeuten, weil Ferndiagnosen kaum sinnvoll sind, aber Sie kriegen Sie gerne.

    Ja, in der ersten Ex in einem neuen Fach sollte man lernbereite Schüler nicht demotivieren. (Allerdings kann ich nicht beurteilen, wie lernbereit die Schüler sind.)
    Bei einer Ex mit einem Schwierigkeitsgrad, wie ich sie so stelle, wären 11 von 19 sehr wahrscheinlich kein „ungenügend“. Ich weiß aber nicht, wie schwer die Vokabeln in der Ex waren. Dass bei einer einfachen Vokabelabfrage strenger gerechnet wird als bei anderen Aufgabenformen, ist allerdings normal und sinnvoll.

    Die Schulaufgabenbewertung habe ich nicht ganz verstanden. Bei 60 zu erreichenden Punkten soll die Fehlerzahl eine Schwelle für die Benotung sein? Das wäre ungewöhnlich. Man hat doch die Punkte, um Punkte zählen zu können und nicht Fehler, schon mal weil die schwer zu zählen sind.
    Ist es so, dass man, wenn man 6 Punkte weniger als die erreichbaren 60 hat, nur eine 3 kriegt? Das klingt streng, da müsste die Schulaufgabe sehr einfach sein.

    Die wichtigste Frage sollte aber sein: Woran liegt es, dass nur 11 von 19 richtig waren? War die Aufgabe zu schwer (Vergleich mit Rest der Klasse denkbar)? Hat der Schüler nicht gelernt oder das falsche gelernt? Die letzte Frage muss man zuerst klären.

  46. Eigentlich wollte ich mich ja zurückhalten – aber Herr Beelzebub Sie sind wirklich zu lustig mit Ihren Aussagen. Das Lehrerstudium entspricht einem Diplomstudiengang. Ich denke, Sie haben das als Witz gemeint. Es bereitet auf eine vollkommen andere Sache vor, als ein Diplomstudiengang.

  47. @1000Sunny: Falls Herr Beelzebub lustig war, dann ist das rund zwei Jahre her. Ansonsten schrieb er von einer Entsprechung „in den Grundzügen“. Dass das angestrebte Berufsbild ein anderes ist, hat er nicht bestritten, wenn ich mich nicht irre. Ob das Studium auf die „Sache“ tatsächlich „vorbereitet“, ist wieder eine ganz andere Frage.

  48. Stimmt – Herr Beelzebubs Witze sind zeitlos :) Inzwischen wird ja auf Bachelor/Master umgestellt. Da werden die Karten neu gemischt.

  49. Hallo Blogger!

    Zum Thema „fester Notenschlüssel“: Die Schulleiterkonferenz (Hauptschule, Bayern) hat für unseren Landkreis vor etwa einem halben Jahr einen festen „verbindlichen“ Notenschlüssel für sämtliche Unterrichtsfächer „beschlossen“, angeblich, da sich in letzer Zeit vermehrt verärgerte Eltern beim Schulamt beschwerten, dass der eine Lehrer die Note X bei einer bestimmten Punktezahl (in Prozent) vergibt, ein anderer bei einer anderen Prozentzahl.

    Wir sind dazu „verplichtet“, diesen beschlossenen und starren Notenschlüssel umzusetzen.
    Das Ergebnis ist, dass bei nahezu jeder Probe Noten herauskommen, die der Leistung des Schülers in keinster Weise gerecht werden. Der Spielraum bzgl. Punkteverteilung fällt für den Lehrer komplett weg. Dieses neue System hat zur Folge, dass insbesondere die Noten 1,2,5 und 6 wegbrechen und die Noten 3 und 4 stark gehäuft auftreten. Der Grund, ein derartiges System zu installieren, liegt meiner Meinung einerseits eher darin, der „Vorgabe“ des ehemaligen Kultusministers Schneider Rechnung zu tragen, dass möglichst jeder Schüler die Schule mit einem Abschluss verlassen soll (geht ja auch ganz leicht, wenn es nur noch wenige 5´er und 6´er gibt), andererseits dem „Übertrittswahn“ in die Realschule und teilweise ins Gymnasium entgegenzuwirken (auch kein Problem, wenns merklich weniger 1´er und 2´er gibt).

    Letztendlich hatte ich bei nahezu jeder Probe das Gefühl, diverse Schüler einfach zu gut oder zu schlecht zu bewerten. Mir war klar, dass ich „von oben“ dazu „genötigt“ werde, meine Schüler unfair zu benoten. Sicherlich hätte ich dem (zumindest ein wenig) mit einem angepassten Schwierigkeitsgrad der Proben etwas entgegenwirken können, doch das kann nicht der Sinn der Sache sein.

    Nach einer etwa einmonatigen „Erprobungszeit“ des vorgegebenen Notenschlüssels war mir klar, dass ich derartige Noten nicht vertreten kann und nicht vertreten möchte und habe diesbezüglich Rechtsauskunft beim BLLV eingeholt. Das Ergebnis war eindeutig: Der vorgegebene Notenschlüssel hat absolut keine rechtsbindende Kraft, sondern ist eher als Empfehlung zu sehen (auch wenn es uns Lehrern ganz anders verkauft wurde).
    Meine persönliche Konsequenz habe ich daraus mit sofortiger Wirkung gezogen, indem ich nun wieder mein „altes System“ verwende, in dem Glauben, dass meine Schüler nun wieder die Noten erhalten, die sie auch verdienen. Weder Schüler, noch Eltern haben sich diesbezüglich bei mir beschwert.

    Wie man wohl (ein)sieht, beinhaltet ein fester Notenschlüssel durchaus Tücken.
    Daneben sei es erwähnt, dass es durch die freie Gestaltung des Notenschlüssels keinesfalls zur „Willkür“ seitens eines Lehrers kommen muss. Viel wichtiger ist es, dass ein konkreter Lehrer mit dieser Freiheit FAIR umzugehen weiß.

    Viele Grüße
    Tom

  50. Sehr geehrter Herr Rau,

    auf der Suche nach erhellenden Ausführungen zum Notenschlüssel bin ich auf Ihre Seite gestossen. Meine Suchbegriffe waren:
    punkte notenschlüssel gymnasium bayern englisch

    Auch ich bin fälschlicherweise von dieser ominösen 50% Regelung ausgegangen. Sie stellen ein paar Fragen dazu, die ich mir auch stelle. Haben Sie denn schon Antworten darauf gefunden?

    Erst später habe ich bemerkt, dass mir die Schule sehr bekannt vorkommt.

    Viele Grüße!

  51. Ich habe natürlich gleich neugierig die E-Mail-Adresse nachgeschlagen… hat mir aber nicht viel gesagt. Ehrlich gesagt, viele Fragen habe ich dazu gar nicht mehr; die Antworten stehen alle oben. Ich kann mit 50% leben, dann werden die Schulaufgaben halt schwerer.

    Wichtig ist, dass die Eltern wissen, warum die Lehrer sich für 50% oder 60% entscheiden – und dass sie Vertrauen haben, dass die Lehrer das richtig machen. Dazu gehört aber auch, dass die Lehrer tatsächlich überlegt entscheiden.

  52. Ich hätte auch die eMail-Adresse nachgeschlagen.

    Aber ich kenne nur die Schule, Sie kenne ich (noch) nicht. Das hängt davon ab, wie lange meine Kinder noch auf dieser Schule sein werden.

    Ich bin eine Mutter, die immer recht solidarisch mit den Lehrern ist; zum einen weil ein paar meiner Freundinnen Lehrerinnen geworden sind, auch mein Cousin; zum anderen weil ich selbst überwiegend positive Erfahrungen sowohl als Schülerin als auch als Mutter gemacht habe und sehr zur Gelassenheit neige.

    Allerdings habe ich jetzt wider Erwarten die Erfahrung gemacht, dass mich die Gymnasialzeit meiner Kinder streßt. Zum Leidwesen meiner Kinder war ich eine sehr gute Schülerin und ihre Einstellung und Arbeitshaltung unterscheidet sich etwas von meiner.

    Viele Grüße

  53. Ich hoffe, der Stress lässt bald mal nach. Die Arbeitshaltung macht tatsächlich viel aus. Dazu kommt sicher auch Stress durchs System, vielleicht manchmal auch durch die Lehrer. Ich wünsche Ihnen jedenfalls alles Gute.

  54. Eine lustige Seite ist das hier.

    Motto hier: Der Lehrer hat immer Recht und der Notenschlüssel ist generell gerecht. Und schlechte Lehrer gibt es nur anderswo.

    Dass in Bayern doppelt so viele Schüler wiederholen müssen wie in BW, wundert mich jetzt nicht mehr.
    Dass in Hamburg wesentlich mehr (fast 50% mehr?) Schüler das Abitur machen und erfolgreich(!) studieren, wundert mich nun ebenfalls nicht mehr.
    Dumm wird man nicht geboren, dumm wird man gemacht. Zumindest in Bayern.

    Von den unfehlbare Göttern des bayerischen Notenschlüssels, die zwar Jammern, dass das G8 an allem Schuld hätte, aber mehrheitlich unfähig sind, Doppelstunden vernünftig zu halten, hören wir immer dass der Druck allein durch das G8 käme.
    Wenn wir aber hier versichert bekommen, dass die Notenhoheit allein bei der Herrn Lehrerin liegt, dann frage man sich, ist die Herr Lehrerin zu doof zur qualifizierten Selbstreflektion?

    Da kann ich doch nur sagen, lieber Frau Lehrer, liebe Herr Lehrerin, nehmen Sie sich und Ihre Notenkompetenz selbst etwas weniger wichtig, nehmen Sie den von Ihnen verursachten Notenirrsinn selbst aus dem System, dann haben auch Sie wieder mehr Spass an datt Janze und die bayerischen Kinderchen müssen nicht ständig zum Psychodoc. Und erfolgreicher wird das bayerische Bildungssystem auch damit. Nicht wie jetzt nur vorletzter Platz bei der Akademisierung und in den Mintfächern.
    Aber ich hätte das ja fast vergessen. Wenn die Bayern weniger Doofe hätten, dann würden weniger das C wählen.

  55. Mein Sohn hat heute seine Englisch-ex rausbekommen (seine erste) und hatte von 15 punkten 7 erreicht. Ich weiß selber das es viel zu wenig ist. Aber trotzdem…… ist es normal dafür eine 6 zu kassieren?
    LG Sonja

  56. Zumindest ist es nicht besonders unnormal. Vermutlich ist es häufiger, erst mit 6 von 15 Punkten eine 6 zu geben, aber wenn das mal einen Punkt strenger ist, ist das nicht ungewöhnlich. Kommt auf den Schwierigkeitsgrad an.

  57. Danke :-) Hab nachgefragt…… und alle Stehgreifaufgaben in Englisch werden in 10%-Schritten bewertet.

  58. Hallo Herr Rau,
    mein Sohn (7.Kl. / Gym. / Bayern) verpasste wg. Krankheit 2 Englisch-Stunden, war am Do noch krank, am Fr, schrieben sie eine Ex. Sohnemann sollte nun bei der Abgabe entscheiden, ob er eine Benotung wünschte. Es fühlte sich sicher, kreuzte JA an und bekam eine „4“. Traurig berichtete er, dass sein Lehrer die 4 nicht zurücknehmen wolle, da er sich ja FÜR eine Benotung entschieden habe. (Andere Lehrer benoten übrigens erst und fragen krank gewesenen Schüler anschließend, ob sie die Note haben wollen – was wir für wesentlich fairer halten.)
    Weiter argumentiet der L., dass unser Sohn den Stoff ja hätte lernen können, da Kinder ihm ja die Hausaufgaben gebracht hätten – nur, wenn jamnd krank ist, braucht er doch NACH der Krankheit ausreichend Zeit, den Stoff nachzuarbeiten.
    Frage: Darf der L. die Benotung aufrecht erhalten?
    Gruß
    Karl

  59. Da würde ich an der Schule nachfragen. So wie ich die Schulordnung lese, darf man nicht an einer Ex teilnehmen, wenn man in der Stunde vorher nicht da war. Punkt.
    Die meisten Schulen haben aber solche Regelungen, dass man freiwillig mitschreiben darf (gezwungen darf man sicher nicht werden) und die Note eventuell doch gilt. Manchmal muss man sich vorher entscheiden, manchmal nicht.

    Wichtig ist jedenfalls, dass den Schülern die Regelung transparent ist, dass sie wissen, was sie bedeutet. *Wenn* vorher bekannt ist, dass man nicht mitschreiben muss, und *wenn* klar ist, dass die Note dann so oder so gilt, dann sollte man die Note auch akzeptieren, finde ich. Sonst hätte man sich darauf nicht einlassen sollen.
    Deshalb mache ich selber so ein Angebot nie, auch weil ein Schüler nicht unbedingt einschätzen kann, wieviel er kann oder nicht; krank ist krank. Viele meiner Kollegen machen das anders, und das führt dann zu Problemen.

  60. Grüß Gott Herr Rau,
    interessiert habe ich Ihre Ausführungen gelesen und kann viele Erklärungen nachvollziehen. Bei uns ist nach der 1. Englisch-Schulaufgabe in der 8. Klasse folgende Frage aufgetaucht:
    Der Lehrer hat die selbe Schulaufgabe in seinen 8. Klassen geschrieben, allerdings hat er die Bewertung abhängig von der Qualität der jeweiligen Klasse unterschiedlich durchgeführt. Er verwendet dafür kein Punktesystem, sondern orientiert sich an den Fehlern und bewertet die einzelnen Bereiche (Hörverstehen, Leseverstehen, etc.) in Teilnoten und vergibt daraus die Gesamtnote. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, aber ich frage mich, ob es rechtens ist, hierfür unterschiedliche Maßstäbe in den einzelnen Klassen anzuwenden. Beispiel Leseverstehen:
    Man überprüft, wie viele Fehler hat der „schlechteste“ Schüler der Klasse, das entspricht dann der maximalen Fehlerzahl und daraus leitet sich der Notenschlüssel ab. D.h. in einer leistungsstarken Klasse wiegen die Fehler stärker als in einer leistungsschwachen Klasse bei ein und derselben Schulaufgabe. Genauso wurde es mir auf Nachfrage von dem betreffenden Lehrer bestätigt. Ist so etwas tatsächlich rechtens und zu begründen? Ich dachte die Leistung des einzelnen Schülers wird gemessen, da muss es doch unerheblich sein, in welcher Klasse er das Ergebnis erzielt hat. Die Wissensvermittlung durch den selben Lehrer sollte ja schließlich in allen seinen Klassen gleich sein. Ich würde mich über Ihre Meinung dazu freuen.

  61. Meine Meinung ist natürlich nur eine Meinung, aber ich teile sie gerne. So wie ich das sehe, darf man – auch wenn ich das mal anders gelesen habe – durchaus unterschiedliche Punkteschritte für die gleiche Prüfung bei verschiedenen Klassen verwenden. Weil die eine Klasse gründlicher vorbereitet wurde als die andere, oder die Schwerpunkte anders waren – das kann ja selbst beim gleichen Lehrer passieren, weil die Anzahl der Stunden vor der Prüfung oft unterschiedlich ist. Das kann dann auch methode und testtheoretisch sinnvoll sein. Weil man als Lehrer aber sehr große Schwierigkeiten haben wird, das zu erklären, zu begründen und nachzuweisen, würde ich mich nie darauf einlassen. Notfalls nehme ich eher in Kauf, die etwas weniger gut vorbereitete Klasse zu benachteiligen, indem ich denselben Punkteschritt verwende.

    Gar nicht legitim ist es jedenfalls, eine Leistung relativ zu den Mitschülern zu benoten. Benotet wird relativ zu den Erwartungen des Lehrplans, und nur dazu. (Jedenfalls sofern der im Vorjahr erfüllt wurde, was eigentlich der Fall sein sollte.) In einer guten Klasse muss die gleiche Leistung die gleiche Bewertung kriegen wie in einer schlechten. Dass das in der Praxis nicht immer ganz so ist: klar. Aber so systematisch darf das eigentlich nicht sein, da müsste eigentlich eindickes Feigenblatt drüber.

  62. Vielen lieben Dank für Ihre prompte Antwort. Sie hat mich in meiner Ansicht bestärkt, mal an höherer Stelle in der Schule nachzufragen…..

  63. Erklären würde ich das als Lehrer übrigens so: (1) Alle Klassen sind gleich. (Hört man immer wieder gern, auch von Eltern. Zum Beweis Zeugnisnoten vom letzten Schuljahr heranziehen.) (2) Eine Klasse macht beim gleichen Test weniger Fehler als eine andere. (3) Daraus folgt, dass diese Klasse zum Zeitpunkt des Tests besser vorbereitet war. (Weniger ausgefallene Stunden etc.) Deshalb darf und muss man (4) aus Gründen der Gerechtigkeit strengere Kriterien anwenden. Und schon habe ich mich wieder an einer allgemeinen und nicht an der Klassennorm orientiert. Ist auch logisch und so, wenn man (1) akzeptiert.

  64. Danke für Ihre informativen Ausführungen. Ich halte den Notenspiegel in Englisch für vollkommen überzogen und komplett demotivierend gerade für Schüler die sich mit der Fremdsprache in der 5. Klasse schwer tun oder gar nicht mit dem Lehrer/der Lehrerin klar kommen, denn das muss hier auch mal erwähnt werden: wir wissen aus eigener Schullaufbahnerfahrung, dass Noten höchst lehrerabhängig sind. Es gibt Mädchenlehrer oder natürlich auch Jungenlehrer – dies ist schon traurig genug. Und es gibt sehr wenig gute Sprachenlehrer – beispielsweise. Dies berücksichtigt sollte man als Lehrer etwas vorsichtiger sein mit der Bewertung, schon gar in der 5. Klasse!!! Der Schaden, den man damit anrichtet, ist nicht. zu vergessen!

  65. „wir wissen aus eigener Schullaufbahnerfahrung“ Ich glaube, da täuscht man sich oft. Das fängt bereits bei den Noten an: wie oft hört man als Lehrer von Eltern oder Schülern, dass die Noten im Vorjahr doch ganz anders waren, und wenn man dann mal nachschaut, dann stimmt das gar nicht. Wenn schon da die Wahrnehmung trügt, wie sehr erst bei der Zuschreibung von Ursachen für Noten?

  66. Das mag oft stimmen, aber in diesem konkreten Fall muss ich Sie enttäuschen – auch dieses Vorurteil kann widerlegt werden. Aber Sie werden mir doch kaum widersprechen, dass es zwischen verschiedenen Lehrern und Schülern einmal mehr, einmal weniger Antipathie oder auch Sympathie gibt und dies sich dann auch in den Noten zeigt. Und aufgrunddessen man doch vor allem in der 5. Klasse etwas gnädiger benoten könnte. Oder ist es etwa die Absicht, zu demotivieren?

  67. Mir ist wichtiger, daß sich die Kinderchen überhaupt trauen auf Englisch zu kommunizieren. Kollegin Streng quält die Parallelklasse vor allem schriftlich. Meine Arbeiten fallen im Schnitt eine Note besser aus als ihre. Sie kackt mehr Korinthen, für mich zählt mehr die aktive Anwendung. Das korrekte kommt mit der Zeit dann von selbst. So kennt man das ja auch vom Spracherwerb der eigenen Kinder. Da habe haben wir doch auch schon lange gelernt, daß durch Bestrafung kaum schnellere Fortschritte zu erzielen sind und sprechen haben wir alle gelernt, auch ganz ohne Bestrafung. Schlechte Noten stellen aus Schülersicht einen Akt der Bestrafung dar. Ich halte schlechte Noten für kontraproduktiv.

  68. Es gibt schlechte Noten, ganz schlechte Noten und weniger schlechte Noten. Schlechter als 4 gibt es bei mir kaum. Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, Schüler auszusortieren. Wenn man bedenkt, dass jede/r 5. Pubertäre schwere psychische Probleme bekommt und weiter 12% verhaltensauffällig werden, daß sich das danach aber fast immer wieder einrenkt, dann muss ich da nicht noch zusätzlich Druck reingeben. Einstein wurde in der Pubertät in Bayern vom Gymnasium verwiesen und Liszt wäre hier auch gescheitert, sieht man in seiner Biographie bei dieser Phase genauer hin.

  69. Als ehemaliger Referendar des früheren Luitpold-Gymnasiums in München, dessen Schüler Albert Einstein bis zu seinem 15. Lebensjahr gewesen, halte ich es für meine Pflicht mit der ewigen Hochbegabtenlegende vom „durchgefallenen“ kleinen Albert aufzuräumen. Albert Einstein verließ das Luitpold-Gymnasium, nicht wegen schlechter Noten, sondern wegen disziplinarischer Auseinandersetzungen und um seiner Familie zu folgen, die München bereits vor ihm verlassen hatte.
    Ich frage mich schon seit längerem, wer die unsinnige These in die Welt gesetzt hat, dass Gymnasien dazu erfunden wurden, Genies herauszufiltern oder gar hervorzubringen… Dazu fehlen doch sogar den Neurowissenschaftlern belastbare Verfahren.

  70. So oder so: aus dem Einstein ist ja dann doch was geworden.

    >Mir ist wichtiger, daß sich die Kinderchen überhaupt trauen auf Englisch zu kommunizieren. Kollegin Streng quält die Parallelklasse vor allem schriftlich.

    Mündlich ist deutlich wichtiger als schriftlich, und zwar gerade im Anfangsunterricht, das sehe ich auch so. Mit Noten hat das aber nichts zu tun, ich kann auch schriftlich zu gute Noten verteilen.

    >Meine Arbeiten fallen im Schnitt eine Note besser aus als ihre. Sie kackt mehr Korinthen, für mich zählt mehr die aktive Anwendung. Das korrekte kommt mit der Zeit dann von selbst.

    Das ist die wichtige Frage. Wenn man sich die Kinder zwei Jahre später ansieht: Können die von der strengen Kollegin dann besser Englisch oder nicht? Wenn nicht, dann gibt es tatsächlich keinen Grund, strenger zu sein.

    (Natürlich sollen die Kinder nicht nur Englisch lernen, sondern noch vieles andere. Aber eine Aussage darüber zu treffen, wo am Schluss glücklichere oder bessere oder mutigere Menschen herauskommen, halte ich ich für vermessen.)

  71. Einstein ist am bayerischen Gymnasium gescheitert, denn er musste es verlassen. Oder das bayerische Gymnasium ist an Einstein gescheitert, denn er wurde in der Pubertät von der Schule aussortiert.
    Ich teile Ihre Meinung, dass es Unsinn ist, Genies herauszufiltern. Deshalb lehne ich diese Selektion durch Kollegin Streng auch ab, die meint, angebliche Idioten aussortieren zu können, nur weil die Kinderchen nicht von ihren Eltern in den Ferien zum Sprachkurs nach England geschickt werden und sie deshalb etwas schlechter in Englisch sind, als die anderen. Verhalten und Noten in der Mittelstufe sagen nichts aus. Kürzlich hat mir Kollegin Selbstreflexion erzählt, sie hätte eine ehemalige Schülerin getroffen, von der sie in der Mittelstufe dachte, „Die schafft das Abitur nie!“. Jetzt studierte sie als Jahrgangsbeste. So kann man sich täuschen, meinte sie. Diese Arroganz so früh über die Laufbahn von Jugendlichen entscheiden zu wollen finde ich armselig. Jeder Gärtner weiss, dass er junge Pflanzen möglichst behütet aufziehen sollte, um am Ende gesunde und ertragreiche Pflanzen zu bekommen. Die bayerische Gymnasialpädagogik ist noch nicht so weit. Die Erfolgsbilanz von Kollegin Streng ist schlecht. Die Erfolgsbilanz des bayerischen G8 ist schlecht. Wir sollten aufhören unsere Schüler damit zu quälen, dass sie in kurzer Zeit zuviel lernen müssen und kaum mehr Zeit für Wiederholungen haben. In Latein ist das besonders schlimm. Und das bei einem Fach, das so gut wie keinen direkten Nutzen mehr hat. Ob da alle Vokabeln ein Jahr früher oder später durchgenommen sind, das spielt doch wirklich keine Rolle. Oder ob man sich mit den Fällen ein Jahr länger Zeit lässt, was spielt das für eine Rolle. Dieser Lateinstress der an allen Schulen gemacht wird, die ich kenne, der ist mir unverständlich. Die haben keine Zeit für einen ordentlichen Unterricht mit genügende Wiederholungen und das obwohl sie teilweise fünf Wochenstunden und zusätzlich Intensivierungsstunden unterrichten. Ich habe den Eindruck unsere Lateinkollegen wollen so ihre eigene Bedeutungslosigkeit ausblenden. Englisch hat einen sofort erkennbaren Nutzen und selbst hier ist es doch so, dass trotz der vielen Zeit, die wir mit unseren Schülern hier verbringen, die meisten das erst richtig bei einem Auslandsaufenthalt lernen und nicht bei Kollegin Streng und ihren stundenlangen schriftlichen Übungen, denn mit der jeweils aktuellen Klasse ist englische Konversation immer nicht möglich.

  72. Überhaupt finde ich Englisch total überbewertet. Die Mehrheit der Menschen spricht Chinesisch oder Hindi, Arabisch oder Spanisch als Mutter- oder Zweitsprache. Man sollte im Zeitalter der Globalisierung am Gymnasium keine sterbenden europäischen Sprachen unterrichten. Es wird Zeit, dass die Englischlehrer endlich die Bedeutungslosigkeit ihres Faches einsehen, vor allem die Bedeutungslosigkeit der mündlichen Kommunikation, die doch vor allem in simuliertem Geschwätz besteht…

    Bevor wir uns weiterverrennen: falsche Behauptungen werden nicht wahr, weil man sie wiederholt (Zwar nicht von Einstein, aber doch ein gängiger Grundsatz aller Wissenschaft).
    Zeitmangel am verkürzten Gymnasium ist fürwahr ein Problem, es ist besonders schlimm im Fach X (bitte Zutreffendes einsetzen).
    Und bitte kein Rousseau’sches Gärtnern mehr, die theoretische Anthropologie des 18. Jahrhunderts und die dazugehörige Praxis waren bis weit ins 20. Jahrhundert nun wirklich zwei Paar Stiefel, selbst in der Reformpädagogik.

    Es sollte von Vorneherein klar sein, dass Lehrer im öffentlichen Schulsystem unbequeme Entscheidungen über die Schullaufbahn von Kindern treffen müssen. Davor zu kneifen und die Drecksarbeit (und sie ist wirklich kein schönes Geschäft, das wird ja wohl jeder Lehrer zugeben) anderen zu überlassen, schreit nach einem Versetzungsgesuch an eine von diesen besseren Privatschulen, wo man sich dergleichen Luxus (bei schlechter Bezahlung der Lehrer) erlauben kann, weil die pubertären Eskapaden und das Scheckbuch der Eltern endlich mal so richtig ernst genommen werden.

    Ging’s hier nicht mal um die Schwierigkeiten der Bewertung von Schülerleistungen in schriftlichen Englischprüfungen?

  73. Sie unterrichten vermutlich nicht Geographie. Heutzutage spricht jeder 5. Mensch Englisch. Laut Prognosen wird es in 50 Jahren wohl jeder 2. sein.
    Nur dass das Englisch, das diese Menschen sprechen nicht das richtige? britische Englisch ist, RP (received pronunciation) oder auch BBC Englisch genannt. Das spricht schon heute so gut wie keiner.
    Und es gibt eine Stadt in den USA, die ungefähr so groß ist wie Hannover, in der Standard American Englisch gesprochen wird. Aber nirgendwo sonst in den 50 Staaten.
    Der gemeine bayerische Englischlehrer ist noch immer der Meinung, das britische Englisch sei das beste Englisch. Bayerische Englischlehrer sind europazentriert, konservativ und die Sprache und Kultur, die sie vermitteln sollen, ist ihnen selbst fremd. Mit diesem Halbwissen drangsaliert auch Kollegin Streng unsere Schüler und nimmt ihnen jede Freude an der Sprache und alle Neugierde auf andere Kulturen und die Kommunikation mit ihnen.
    Das schätze ich ja so an unserem bayerischen gymnasialen Schulsystem und dessen systemkonformen Verfechtern, dass sie sich zwar gerne als Herr über die Zukunft unserer Schüler und selbst von Kollegen aufmanteln, aber ihre eigenen verbrieften Aufgaben und Pflichten nicht kennen, die da lauten, die Schüler nach ihren Fähigkeiten und Begabungen zu fördern und nicht auszusortieren und daraufhin auszubilden und zu befähigen, lebenslang zu lernen.
    Aber wie sollen Menschen, die das selbst nicht können, solche wie Kollegin Streng, die zwar eine halbes Jahr lang den Spezialkursus, „t:aeitsch, Oxford 18. Jahrhundert“ für bayerische Gymnasialbeamtinnen, belegt hat, sich ansonsten nur am Inhalt des Lehrbuches entlang hangelt und ganz nervös wird, wenn sie davon spontan abweichen soll, wie sollen also diese Kollegen und Kolleginnen unsere Schüler denn dazu befähigen?

    Hier noch ein kleiner kollegialer Tipp am Rande. Spätestens seit der NSU-Affaire spricht es sich herum, daß der bayerische Staatsapparat bei rechtsradikalen Auswüchsen mit einer gewissen Taub- und Blindheit gesegnet ist. Sollten Sie aber solche klassenkämpferischen linken Parolen wie hier, unter ihrem Klarnamen verbreiten, tritt automatisch immer noch der bayerische Radikalenerlass und das daran gekoppelte Berufsverbot in Aktion. Denn kein bayerischer Lehrer wird und kann gezwungen werden, die Söhne und Töchter Besserverdienender so zu diskreditieren, dass sie ihr Abitur auf der Privatschule machen müssen. Drecksarbeit an Pubertären, wenn ich diesen Terminus höre, dann muss ich weinen. Um die Schüler, um die Eltern, um das Kollegium und um das bayerische Schulsystem.

  74. So, meine lieben Diskussionsteilnehmer. Sie könnten sich überlegen, ihr Gespräch eher unter diesem Blogeintrag fortzuführen: https://www.herr-rau.de/wordpress/2013/02/ueber-das-notengeben-querulante-lehrer.htm – das nur als Empfehlung. Eine andere Strategie, die ich selber verfolge, besteht darin, einmal alles zu sagen, was ich zum Thema zu sagen habe, und mich dann nicht mehr zu wiederholen oder auf Seitenthemen abzuweichen, nur um das letzte Wort zu behalten. Funktioniert für mich; your mileage may vary.

    Liss, aus Beelzebubs Sicht – die ich in diesem Fall teile – ist es Drecksarbeit, schlechte Noten zu vergeben. Keiner macht es gerne; für diese harte Arbeit werden wir bezahlt. Wer prinzipiell keine schlechten Noten vergibt, drückt sich vor dieser Arbeit. Die Metapher ist keinesfalls despektierlich gemeint, liegt manchen Lehrern – darunter auch wieder mir – aber näher als das Bild vom Schüler als Pflänzlein: was für die Gärtnerei gilt, kann für Schule gelten oder nicht. Beide haben einfach nichts miteinander zu tun.

    Beelzebub, ich verstehe Liss Sicht so, dass eventuelle mangelhafte Leistungen in der 5. Jahrgangsstufe nicht so schlimm sind, da sich die in späteren Jahren legen werden. Ich halte das prinzipiell für möglich und kann mir ein Schulsystem ohne Noten vorstellen. Aber wir sind nicht in diesem System und – wenn es schon um dienstliche Vorgaben geht – verpflichtet, mangelhafte Leistungen mit mangelhaft zu bewerten.

    Liss sagt allerdings, dass die Schüler gar nicht mangelhaft sind, sondern im Folgejahr besser als die von Frau Streng. Dann spricht das tatsächlich für die Methode von Liss. Ich weiß nicht, was Frau Streng dazu sagen würde, und ob das überhaupt verallgemeinbar ist. Denn es gibt auch strenge Lehrer, die sich nicht ans Buch klammern und die die Rolle von RP einschätzen können (war doch schon im Studium vor zwanzig Jahren klar). Frau Streng scheint eine schlechte Lehrerin zu sein, aber das muss nichts damit zu tun haben, dass sie die Note „mangelhaft“ verteilt.

    Liss, es ist tatsächlich die Pflicht der Schule, die Schüler nach ihren Fähigkeiten und Begabungen zu fördern. Das heißt aber nicht, dass alle am Gymnasium sein müssen. Wenn es die wäre (es also eine Gesamtschule bis zur 9. Klasse gäbe), würden wir da auch unser Bestes geben. Aber zur Zeit besteht unsere Pflicht darin, alle Schüler gezielt zu fördern, die sich aufgrund ihrer Begabung, ihrer Einsatzfreude, ihres Leistungsvermögens und ihrer Leistungsbereitschaft für ein Studium und für herausgehobene berufliche Aufgaben eignen. Die berechtigte Frage ist, ab wann und von wem man das sagen kann.

    Laut Lehrplan sollen Schüler am Gymnasium „geistig besonders beweglich und phantasievoll sein, gern und schnell, zielstrebig und differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen und dabei zunehmend die Fähigkeit zu Abstraktion und flexiblem Denken, zu eigenständiger Problemlösung und zur zielgerichteten Zusammenarbeit in der Gruppe entwickeln.“

    Aber ab wann kann man diese Merkmale ausmachen? Bei manchen schon in der Grundschule, keine Frage. Bei anderen später.

  75. Hallo Herr Rau –
    liebe Diskussionsteilnehmer,
    ich habe die Diskussion um einen existierenden bzw. gerechten Notenschlüssel aufmerksam verfolgt. Ich will mich hier nicht streiten, wo die Grenze zu einer 4 bei Englisch / Französich liegt.
    Für mich ist es absolut unverständlich, dass man einem Schüler eine 6 gibt, wenn er Schüler weniger als ca. 35% der Punkte erzielt hat. Somit erhält der Schüler, welcher gar nichts richtig gemacht oder gar ein leeres Blatt abgegeben hat, genauso eine „6“ wie ein Schüler, der eben ca. 30% gewußt hat. Und damit raubt man einem Schüler jede Motivation oder Chance, noch eine 4 im Zeugnis zu bekommen. Wo bleibt hier bitte die Gerechtigkeit ?
    So macht man meiner Meinung nach Jugendliche kaputt !!

  76. Ich denke nicht, dass es so schlimm ist, @Arnulf. Gerade in der 5. Jahrgangsstufe gibt es wenig 6er, und wenn, dann ist das ein ernstzunehmendes Signal. Wo soll man die Grenze ziehen? Bei fünf Prozent? Zehn? Wer unter dem Wert ist, hat auf jeden Fall große Lücken. Dass dadurch Jugendliche kaputt gehen, halte ich für überdramatisch, das liegt sicher nicht an solchen Details. – In Deutsch ist das zugegeben leichter, da zählt man keine Punkte, sondern vergibt eine 6 nach anderen Kriterien.

  77. „Laut Lehrplan sollen Schüler am Gymnasium “geistig besonders beweglich und phantasievoll sein, gern und schnell, zielstrebig und differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen und dabei zunehmend die Fähigkeit zu Abstraktion und flexiblem Denken, zu eigenständiger Problemlösung und zur zielgerichteten Zusammenarbeit in der Gruppe entwickeln.”

    Ob das die Mehrzahl der Kolleginnen und Kollegen erfüllt?

    Wenn ich liss richtig verstanden hab, war die Kritik am Umgang mit der Pubertät das Problem.
    Drecksarbeit will ich das für mich auf keinen Fall bezeichnet haben, da hab ich auch ein Problem mit.

  78. @Arnulf
    Ein Auto, das zu 35% fährt, ein Arzt, dessen Patienten eine fündfdreißigprozentige Überlebenschance bei der Operation haben, ein Lehrer, der nur 35% seiner Schüler ins Ziel bringt, ein Flugzeug, das nur zu 35% sicher landet, eine Lasagne, die nur zu 35% Prozent Rindfleisch enthält…
    Wieso sollten wir intelligenten Kindern beibringen, dass 35% ausreichen?
    @anderl Und natürlich erfüllen wird die Kriterien. Mehrfach. Es gefällt nur nicht jedem gleich gut, wie wir das tun.

  79. Schade, dass mein Argument, obwohl recht klar ausgedrückt, offenbar nicht nachvollziehbar ist. Ein ganzes Drittel der Punktzahl nicht weiter zu differenzieren ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung und wird einer Leistungsbeurteilung der Schüler nicht gerecht. Länder wie Frankreich, Schweiz, USA machen das anders, denn die unterscheiden mit ihrem Notenschlüssel zwischen schlechten und ganz schlechten Leistungen.
    In Bayern wird die Leistung eines vollkommen ahnungslosen oder beim Spicken erwischten Schülers mit der eines Schülers gleichgesetzt, der einige Aufgaben (30%) richtig gelöst hat.
    Das finde ich sollte nicht sein. Und wenn Lehrer in Bayern schon die Freiheit haben, Notenschlüssel nach eigenen Vorstellungen zu setzen, dann sollten sie keine SECHS bei mehr als etwa 10% Punkten geben. Ich gebe Nachhilfe bei einem Schüler, der in Französich auf einer 6 steht. Wir werden ihn bestimmt auf eine 5 bringen und hätte er nicht diese 6 bekommen, könnte er bestimmt am Jahresende auf einer 4 stehen. Und dann denke ich, sieht er wieder eine Perspektive und das Fach macht ihm wieder Spaß.
    @ Beelzebub: Den Vergleich mit 35% beim Auto etc. hier anzuführen ist völlig am Thema vorbei + spricht nicht für besondere Intelligenz !!

  80. Nachvollziehen kann ich das Argument schon, es war klar ausgedrückt. Aber ich teile Ihre Meinung nicht. In den USA kriegt man übrigens in den Klassen 3-5 mit unter 65% ein F, also ein ungenügend, und die Noten A-D verteilen sich auf 100-65% der Leistung. Auch hier kann der genaue Wert schwanken, aber die Größenordnung ist bei allen Schulen, die ich gefunden habe, gleich.

    Dafür sind die Aufgaben natürlich leichter als bei uns. Wenn man mit 10% bereits eine 5 kriegen soll, muss man die Aufgaben schwerer machen.

  81. Meine Schulzeit auf dem Gymnasium ist schon länger (30 Jahre) her und offenbar wurden die Anforderungen an die Schüler extrem hochgeschraubt.
    Ich – der natürlich kein Maßstab bin – fand die Französich Schulaufgaben, auf die ich mich bezog, ziemlich schwierig.
    Zumal der Lehrer davon ausging, dass der Schüler nicht nur alle gelernten Vokabeln und Grammatikregeln parat hat, sondern auch über den Inhalt der im Schulbuch durchgenommenen Stories genau „reflektiert“ hat.
    Offenbar ist das Gymnasium zu einer Eliteschule geworden und der Sprung von der Grundschule zum Gymnasium ist extrem hoch ?!
    Der Aspekt, wonach der Lehrer den Stoff vielleicht besser hätte vermitteln sollen, wurde bei dieser Diskussion ausser acht gelasssen, denn möglicherweise machen es sich manche Lehrer schon etwas zu einfach ?
    Seis drum – insgesamt muss ich mein Weltbild vom Gymnasium stark korrigieren.
    Ich habe wieder einmal dazu gelernt – danke für das feedback !

  82. Gern geschehen… Um den Aspekt, ob die Aufgaben zu schwer waren oder der Lehrer zu schlecht, kann es hier nicht gehen. Beides kommt vor, lässt sich aber hier nicht beurteilen. Der Klassenschnitt kann ein Hinweis darauf sein, wie schwer die Prüfung war, muss es aber nicht. Am wichtigsten ist die Frage, *warum* der Schüler eine ungenügende Leistung erbracht hat – um die ging es hier auch noch nicht. Aber das lässt sich hier ebenso wenig beantworten.

    In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Schüler, die aufs Gymnasium übertreten, von 31% auf 42% erhöht. Davor dürfte der Prozentsatz noch geringer gewesen sein, ich glaube also nicht, dass das Gymnasium zu einer Eliteschule wird.

  83. Herr Rau, die Übertrittsquote von der Grundschule zum Gymnasium alleine sagt doch nur dann etwas über einen „Elitestatus“ aus wenn man auch weiss, wieviele Schüler davon bis zum Abitur bleiben ?!
    Aber Sie haben recht – es gibt sehr viele weitere Aspekte, die zur Leistungsbeurteilung eines Schülers wichtig sind, obgleich die Leistung nie objektiv zu „messen“ sein wird.
    Für Eltern ist es schon sehr schwierig zu beurteilen, ob ihr Kind:
    o fürs Gymnasium geeignet ist oder nicht
    o nur einen Durchhänger hat + einen Anstoß braucht
    o auf einer Realschule besser zu seinem Berufsziel kommt
    Oft wissen die kids selber gar nicht, was sie später machen wollen.

    Kann man überhaupt schon in der 6. / 7. Klasse feststellen, ob
    ein Schüler am Gymnasium fehl am Platze ist ??
    Ich habe an mir festgestellt, dass der Lehrer einen gigantischen Einfluß auf die Lernbereitschaft hat.
    Als ich einen amerikanischen Englischlehrer bekam, war ich plötzlich hochmotiviert, diese Sprache exakt zu erlernen und voll im Unterricht mitzuarbeiten.
    Auch hatte ich in der Schule eine Phase, wo ich überhaupt keinen Bock hatte zu lernen oder gar selbständig über den Schulstoff zu reflektieren.
    Vorm Abitur und beim Studium war das hingegen ganz anders.
    Ich denke die Eltern sind zu wenig objektiv, um ihr Kind richtig einzustufen und die Lehrer zeitlich überfordert, dies relativ treffsicher zu tun.
    Wie wird aus Ihrer Erfahrung in der Schule motiviert oder muss der Gymnasiast sich selber motivieren ?
    Schöne Grüße !

  84. So ganz am Thema vorbei ist das nicht und Aussagen über meine Intelligenz aufgrund eines Blogbeitrags passen hier auch nicht her, wir diskutieren auch nicht über Ihre. Sie selbst stellten die Frage, warum Leistungen, die nur 35% der Anforderungen erreichen als ungnügend bewertet werden. Lassen Sie doch einmal 65 Prozent einer Übersetzung oder „mediation“ weg z.B. indem sie nur jedes dritte Wort übertragen und fragen Sie sich dann, ob das noch annähernd den Sinn des Textes wiedergibt. Stellen Sie sich irgendeine Prüfung vor, in der Sie nur jede dritte Frage richtig beantworten können. Da würden Sie in jedem Fall (im Gymnasium) als durchgefallen gelten müssen.
    Die Note 6 ist allermeistens keine Motivationsnote und im Fall einer Schulaufgabe eine mühselige Last, die man durch ein ganzes Schuljahr schleppt. Sie ist auch eine Notwendigkeit, weil sie Schülern und Eltern zeigt, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat. Ihr eigenes Beispiel scheint mir das zu bestätigen.

  85. Herr Beelzebub, es lag nicht in meiner Absicht, Sie zu beleidigen -sorry !
    Wenn man aber (zumal als Lehrer) bei einem so ernsten Thema mit unrealistischen Vergleichen kommt, dann kann mir schon mal eine derartige Äusserung über Intelligenz rausrutschen. Auch oder gerade Lehrer sollten nicht provozieren!
    Provoziert habe nicht ich – ich bemühe mich immer, sachlich zu bleiben.
    Ich bleibe dabei: die Benotung von Schulaufgaben kann nicht mit der Ausfallsicherheit in kritischen Anlagen, OPs etc. verglichen werden – das ist grober Unfug!
    Hier geht es um (junge) Menschen, um Leistungstests und die Frage, wie man diese Jugendlichen zum Lernen motivieren kann.
    Ihr heisst doch auch „Lehrer“ und nicht ….
    Wie man mit Schülern der Unterstufe umgehen kann, hat die charmante Lissi geschildert und für sich eine pragmatische Lösung gefunden – Hut ab vor dieser Lehrerin!!

  86. Unsere Befürchtung ist eben nur, Anrulf, dass Liss eine pragmatische Lösung *für sich* gefunden hat – dass darunter aber Schüler und Lehrer in den Folgejahre leiden. Liss sagt, dass das nicht so ist. Mehr kann ich von hier aus nicht beurteilen.

    Ich weiß nicht, wie viele Schüler bis zum Abitur bleiben: der Prozentsatz eines Jahrgangs, der Abitur am Gymnasium macht, ist jedenfalls deutlich höher als vor zehn Jahren. Die Durchfallquoten sinken konsequent. Gute und schlechte Lehrer gibt es, und strukturelle Probleme auch – aber schwerer geworden ist das Gymnasium für Schüler sicher nicht.

    >Kann man überhaupt schon in der 6. / 7. Klasse feststellen, ob
    ein Schüler am Gymnasium fehl am Platze ist ??

    Man kann erkennen, wer richtig ist. Andersherum nicht. Deswegen scheitern Schüler meist erst später.

    >Wie wird aus Ihrer Erfahrung in der Schule motiviert oder muss der Gymnasiast sich selber motivieren ?

    Hier steht etwas dazu: https://www.herr-rau.de/wordpress/2012/10/wie-motiviert-man-unmotivierte-fragt-fontanefan.htm – der Blogeintrag ist leider von einem Kommentartroll gekapert worden. Muss ich bei Gelegenheit mal löschen, habe da noch keine konsequente Linie gefunden.

  87. Ich halte es nicht für groben Unfug, Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern vor Augen zu führen, dass Handeln bzw. Nicht-Handeln z.B. im Fall geringer oder fehlender Unterrichtsbeteiligung, fehlender häuslicher Vorbereitung oder mangelnder Begabung Konsequenzen hat. Es werden diese Schüler (und beileibe nicht nur die guten): Fahrzeugingenieure, Ärzte, Piloten, Lehrer und Lebensmittelingenieure. Mag sein, dass es auch ausreicht, wenn man erst als junger Erwachsener lernt, dass 35% eben nicht reichen. Aber dazu muss man dann ja auch nicht aufs Gymnasium gehen.

    Bestimmte Teile der Gesellschaft verlangen deswegen einen Paradigmenwechsel, die anderen wandern aus: in (Elite-)Privatschulen, in Auslandsschulen oder andere Schulformen wie die FOS/BOS und Meisterschulen, die ebenfalls zum Universitätsstudium führen können. Privatschulen gefallen mir nicht, weil ich dahinter soziale Ungerechtigkeiten vermute, mit dem anderen kann ich leben. Ich vermute, dass wir erst dann am Gymnasium wieder Ruhe haben werden, wenn es sich in der Bevölkerung herumgesprochen hat, dass es auch andere Wege zum Ziel gibt. Bis dahin müssen die wirklich für das Gymnasium geeigneten Schüler eben aushalten, mit Mitschülern die Schulbank zu drücken, die nur ein instrumentelles oder gar kein Interesse an Fremdsprachen, Musik, Kunst, Literatur, Theater und naturwissenschaftlicher Forschung haben.

    Für Paradigmenwechsel, die das Lernen der 35%-Regel in unserer Gesellschaft zu einer Erwachsenenveranstaltung machen, sind politische Mehrheiten notwendig. Die sorgen dann für ein anderes Schulsystem, aber das hat Herr Rau ja auch schon angesprochen.

  88. Meine Herren (Rau und Beelzebub) – danke für Ihre detaillierten Ausführungen. Was Sie hier nun anführen, ist für mich sehr überraschend und so nicht bekannt gewesen.
    Somit wäre das Gymnasium eine Institutuion zur Förderung hochbegabter und für Sprachen, Kunst UND Naturwissenschaft extrem zu begeisternde Menschen.
    Also doch eine Eliteschule, wie ich eingangs mal vermutete, Sie aber nicht bestätigten.
    P.S.: ob es derartig vielseitig Begabte (Sprachen + Naturwissenschaft) überhaupt gibt?
    Mir war das so nicht bekannt und ich glaube, das geht auch vielen Eltern so! Sie betrachten sogar schwache, überforderte Schüler indirekt als „unerwünschte Bremser“ ?!
    P.S.: Um, wie Sie sagten, Jugendlichen und Eltern zu Auge zu führen, dass ….. hätte statt einer 6 auch eine 5 gereicht. Das würde ich als pädagogisch angemessener ansehen!!
    Das nur, um auf mein Grundproblem zurückzukommen.

    Da ich glaube, dass dies alles nicht Ihre persönliche Meinung ist, sondern vom Bayerischen Kultusministium o.ä. vorgegeben wurde wäre es nett, wenn Sie hier 1-2 Links zum Nachlesen nennen könnten??
    Das wäre dann für die von den schlechten Noten ihrer Sprösslinge enttäuschten Eltern und für mich als Nachhilfelehrer wichtig.
    Fraglich ist auch, ob diese Erwartungen, die man an Gymnasiasten stellt, den Eltern beim Übertrittsgespräch geschildert wurden?

  89. Arnulf, ich bin etwas enttäuscht, dass Sie mich mit Beelzebub und dem Kultusministerium in einen Topf werfen. Ich habe mich sehr um differenzierte Aussagen bemüht. Wie kann das Gymnasium eine Eliterschule sein, wenn immer mehr Schüler das Gymnasium besuchen und auch erfolgreich verlassen? Das steht oben alles nun wirklich schon ausführlich. Den Gedanken, aus pädagogischen Gründen auf die Note 6 zu verzichten, ohne das publik zu machen („Liebe Eltern, liebe Kinder, die Note 6 verteile ich nicht, eine 5 ist also das schlechtestmögliche“), halte ich für absurd. Natürlich muss die 6 für ungenügende Leistung stehen und nicht für „haben die Punkte halt so ergeben“. Die Note 6 abzuschaffen und ein fünfstufiges System einzuführen oder auf Noten ganz zu verzichten: Klar. Ist vielleicht sinnvoll. Ist aber nicht so.

    Meine Zitate stammen alle aus dem Lehrplan: http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26350
    Ich kann auch mit anderen Lehrplänen leben, aber zur Zeit gilt dieser.

  90. Ja, ja – wir sind alle nicht perfekt und besitzen ein paar Unzulänglichkeiten. Ich habe sehr wohl erkannt, dass Sie sich um differenzierte Aussagen bemühen und dafür bin ich auch dankbar. Ebenso will ich hier niemanden diskreditieren oder pauschal in „einen Topf“ werfen. Ich bin ja auch nicht pikiert, dass Sie mich leider falsch interpretiert haben, denn:
    Ich habe an keiner Stelle gefordert, auf die 6 zu verzichten.
    Wir BEIDE reden ein klein wenig aneinander vorbei :-)
    Jedenfalls besten Dank für den Quell-Hinweis, ich werde ihn mir zu Gemüte führen.
    Sicher lassen diese Maximen im Lehrplan dem Lehrer noch einen gewissen + wichtigen Interpretations-Spielraum …

  91. Was ist falsch an Interesse, Anstrengungsbereitschaft und Begabung als Bedingungen für den Besuch eines Gymnasiums? Schüler, die kein oder nur ein instrumentelles Interesse an den Inhalten des Gymnasiums haben, sind Schüler, die praktisch kaum intrinsische Lernmotivation mitbringen. Interesse und Anstrengungsbereitschaft können viel wettmachen, wenn es an Begabung fehlt. Irgendeine Kombination dieser drei Faktoren wird wohl aber nur dann ans Ziel führen, wenn nicht einer davon gegen Null tendiert.

    Ob man das Ergebnis ungenügender Leistungen 5,6 oder wie in der Oberstufe Null Punkte nennt, ist doch völlig nebensächlich.
    Früher gab es nur fünf Notenstufen, dann war halt die 5 eine Katastrophe, wenn man eine daraus gemacht hat.

    Hinsichtlich der Fächer Sprachen (tatsächlich mehrere!), Kunst und Naturwissenschaften (auch hier mehrere!)habe ich nur aufgezählt, was das Gymnasium dem Wesen nach von anderen Schularten unterscheidet. Wenn sich das Gymnasium nicht von anderen Schularten unterscheiden darf, wozu brauchen wir es dann noch?

    Übrigens: Man kann nach 33 Jahren Erfahrungen mit dem Gymnasium als (keineswegs guter) Schüler, Lehrer und Vater eines Sohnes, der gerade auf sein G8-Abitur losteuert (ebenfalls keineswegs ein Überflieger) auf ein paar grundlegende Erkenntnisse kommen, ohne dass das Ministerium immer gleich die Schere im Kopf ansetzt.

  92. Mit diesen Ausführungen haben Sie absolut recht + ich kann Ihnen nur beipflichten.
    Die Problematik kommt hauptsächlich daher, dass viele Eltern ihr Kind gerne aufs Gymnasium schicken, obwohl die Kinder nicht alle Voraussetzungen klar erfüllen. Vielleicht kommt es auch daher, dass Eltern ihrem Kind nichts verbauen wollen und hoffen, dass ihre Entscheidung richtg ist. Vielleicht muss man sich aber auch zu früh entscheiden? Das Ganze geht dann sehr zulasten des Schülers. Einer offenen, fundierten Beratung VOR einem geplanten Übertritt zum Gymnsaium kommt da eine große Bedeutung zu. Ich weiss auch nicht, ob es die so gibt …

  93. Was es gibt (an unserer Schule):

    VORHER

    Zuerst erhalten die Eltern in Bayern ein Übertrittsgutachten, das nicht nur Noten enthält, sondern auch ein meist sehr aussagekräftiges Wortgutachten, das von der Grundcshullehrerin erstellt wurde, die das Kind in der Regel schon zwei Jahre unterrichtet hat.

    Dann gibt es an unserer Schule einen Elterninformationsabend (4.3. 2013) für Schülereltern, die ihr Kind zu uns schicken wollen. Er besteht aus Vorträgen der Schulleitung, von Schulpsychologen und weiteren Mitarbeitern der lernunterstützenden Strukturen an unserer Schule.

    Am 12.3. 2013 findet dann ein sogenannter „Schnuppernachmittag“ statt, an dem Grundschüler und Eltern sich einen Einblick in das Unterrichtsgeschehen in den einzelnen Fächern verschaffen können. Am beliebtesten sind dabei die Fächer Physik, Chemie, Sport und Informatik, weil das die Kinder am meisten interessiert, vielleicht noch die Fremdsprachen. Für die entscheidenden Fächer in der Unterstufe, z.B. Mathematik und Deutsch, nehmen sich Eltern und Schüler weniger Zeit, weil man das ja aus der Grundschule kennt…

    Dann gibt es noch die Möglichkeit mit Vertretern der Schule eigene Gesprächs- und Beratungstermine zu vereinbaren, bevor man sein Kind anmeldet, bei denen auf individuelle Fragestellungen eingegangen werden kann.

    Anfang Mai ist dann die Einschreibung, bei der man wieder Lehrern und Schulleitungsmitgliedern begegnet, die man fragen könnte, wenn noch Unklarheiten bestehen. Auch danach kann man jederzeit einen Termin vereinbaren und das Gespräch mit den Lehrern am Gymnasium suchen. Wir haben reguläre Sprechzeiten, aber fast jeder Lehrer wird nach Termin-Alternativen suchen, wenn es da nicht passt.

    NACHHER

    Zu Beginn des nächsten Schuljahres, wenn die Kinder dann schon ein paar Wochen bei uns sind, findet ein weiterer Elterninformationsabend statt, bei dem erneut Schulleitung und pädagogisch-psychologisch ausgebildete Kräfte zur Verfügung stehen. Anschließend findet ein Klassenelternabend statt, bei dem der Klassenleiter klassenspezifische Themen anspricht, zudem stellen sich bei dieser Gelegenheit die meisten Fachlehrer auch persönlich vor. Diese Elternabende finden für alle Klassen von der 5. bis zur 10. Jahrgangsstufe statt.

    Auch danach gibt es Sprechstunden und Elternsprechabende.
    Die Erfahrung lehrt aber, dass die meisten Eltern, die man gerne mal gesprochen hätte, eine Extraeinladung brauchen.

  94. Ich bin jetzt ebenfalls etwas enttäuscht. Wer sich über die Blümchenanalogie von liss mokiert, sollte besser nicht im Gegenzug eine Autoanalogie bemühen.

    Der Lehrplan sagt unter der Überschrift:Über 1.2 Unterricht und Lebensbezug:
    „Im Unterricht werden die Kernbereiche der jeweiligen Fächer mit ihren unterschiedlichen Erkenntnisansätzen anschaulich und fundiert vermittelt. Die Lehrkräfte gestalten, auch im Hinblick auf den Anwendungsbezug, die Lernsituationen methodisch vielfältig und der Komplexität der Lerngegenstände angemessen. Dabei behalten die Lehrkräfte stets den Bezug zur Lebenswirklichkeit der Schüler im Auge, um Gelerntes auch erfahrbar zu machen. Sie fördern damit die Lernmotivation der Schüler und helfen ihnen, sich Wissen zunehmend eigenständig zu erschließen und damit verbundene Fertigkeiten nachhaltig anzueignen. Die Schüler erhalten im Unterricht immer wieder die Möglichkeit, die Effizienz ihres individuellen und gruppenorientierten Lernverhaltens zu erfahren sowie kritisch zu überprüfen. Bei der Aneignung erfolgreicher Lernstrategien werden sie von den Lehrkräften beraten und unterstützt.“

    Was ist falsch daran, wenn sich liss das zueigen macht und die Pubertät als Lebenswirklichkeit der Schüler im Auge hat und auch bei der Unterrichtsgestaltung und Notengebung mit berücksichtigt?

    An einem der Gymnasien, an denen ich war, war das Motto der Direktorin, das sie allen Lehrern immer wieder eingetrichtert hat: „Wir gehen davon aus, daß alle Schüler, die den Übertritt erreicht haben, auch das Potential haben, das Abitur zu schaffen. Unsere Pflicht ist es also, alles dafür zu tun, dass sie dieses Ziel erreichen.“
    Die Schule war auch für den deutschen Schulpreis nominiert.Sie war sehr erfolgreich mit dieser Einstellung.

    „In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Schüler, die aufs Gymnasium übertreten, von 31% auf 42% erhöht. Davor dürfte der Prozentsatz noch geringer gewesen sein, ich glaube also nicht, dass das Gymnasium zu einer Eliteschule wird.“
    Daß das Gymnasium eine Eliteschule ist, glaube ich auch nicht. Der BLLV schrieb kürzlich, daß in Bayern 50% der Gymnasiasten im G8 entweder Wiederholen oder das Gymnasium ganz verlassen. Bei dem Link zur Diskussion über Motivation wird behauptet, daß 40% der Gymnasiasten in Bayern am Gymnasium scheitern. Das ist ein sehr hoher Anteil und ein Pilot, der nur 60% seiner Passagiere ans Ziel bringt und von diesen 60% einen Grossteil zeimlich zerfleddert, der müßte seine Lizenz abgeben.

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