The Meaning of Liff

By | 15.3.2005

Im Leben gibt es Tausende von Erfahrungen, Gefühlen, Situationen und sogar Gegenständen, die uns allen vertraut, bis heute jedoch nicht bezeichnet sind. Andererseits ist die Welt voll von unbenutzten Wörtern, die während ihres gesamten Daseins nichts weiter tun, als auf Schildern herumzuhängen und auf irgendwelche Orte zu deuten. Wir betrachten es daher als unsere Aufgabe, diese Wörter von den Wegweisern herunterzuholen und […] dem Rest der Welt in den Mund zu legen, damit sie endlich ihren beitrag zu alltäglichen Unterhaltungen leisten, nützliche, wertvolle Mitglieder der Sprachfamilie werden und eine sinnvolle gesellschaftliche Aufgabe übernehmen.
— Douglas Adams, John Lloyd, Malibu, 1982*

Dieser lobenswerten Aufgabe hat sich eine meiner 11. Klassen angeschlossen. Dabei geht es darum, bestimmte Sachen, für die es noch kein Wort gibt, aber eines geben sollte, mit passenden Wörtern, die man aus dem Atlas holt, zu verbinden.
Einige der Ergebnisse sind etwas platt, andere sogar ein bisschen sinnvoll. Die meisten sind von Schülern, manche von mir; ich fürchte, man merkt das.

Aktjubinsk, das
Nacktzeichnung eines jungen Menschen, in der seine Bisexualität zum Ausdruck kommt.

Ardennen (Pl.)
Schüler, die (grundlos) am Ende des Schuljahres Lateinbücher verbrennen.

Atlanta, die
Schutzheilige aller Erdkundelehrer

Chattanooga, die
Schülerinnentyp, der während der Stunde über den Lehrer, die Lehrerin oder Klassenkameraden lästert.

Chimborazo, der
Lehrertyp, der leicht die Geduld verliert und losschimpft.

Corleone, der
(umgangssprachlich) Sizilianer ohne die typische große Nase.

Dreckenach, der
Schüler, der seinen Abfall vom Boden aufheben soll, und mit den Worten reagiert: „Dafür werden doch die Putzfrauen bezahlt.“ Dreckenachs sind meist in der Mittelstufe zu finden. Auch in übertragener Bedeutung: Jeder Mensch mit noch geringer geistigen Reife.

Golf von Aden, der
Auto eines ehemaligen Bochumer Fußballspielers.

Harare, das
Der morgendliche Kampf mit den Haaren.

Hitzacker, der
Ein Feld, das sich innerhalb eines Gewächshauses oder in den Tropen befindet.

Hodeida, das
Falsche Fröhlichkeit, mit der Lehrer in die 6. Stunde kommen. Typisch bei einem >Revillagigedo.

Islamabad, das
Waschgelegenheit für Lamas.

Itz, das
Fiktives Schlafgeräusch bei Comicfiguren.

Kakau, der
Ein Schüler, der immer, wenn er mit etwas Neuem konfrontiert wird, erst mal sagt: „Was is’n des für’n Scheiß“. In jeder Klasse gibt es mindestens einen Kakau.

Kuba!
Kindlicher Ausdruck für den typischen Kuhgestank.

Marzahn, der
Menschliches Beißwerkzeug, das zum Zerbeißen von Autodrähten geeignet ist.

Möpti, das
Sehr behaartes, durch Überzüchtung nicht mehr definierbares, zum Hausputz verwendbares Haustier.

Nikko, das
(von Nik-K.O.) Der Vorgang und das Vergnügen dabei, mit Steinen gefüllte Kuscheltiere auf Boygroups zu schmeißen.

Oelde, die/der
Langweiliger Mensch.

Ouaddane, die
Anderes Wort für Klatschtante.

Potsdam!
Lehrerausruf, wenn wieder mal kein Schüler seine Bücher dabei hat.

Putzkau, der
Schüler, der als Strafarbeit Kaugummis von der Bank kratzen muss.

Radevormwald!
Ausruf eines verzweifelten Autofahrers, der kurz vor einem Waldstück mit hoher Geschwindigkeit in eine Radarfalle geraten ist.

Reconquista, die
Wiederholte Frage, die im Chor aufgesagt wird.

Revillagigedo, der
Lehrertyp, der in der 6. Stunde mit geheuchelter Fröhlichkeit und Energie die Schüler zu motivieren versucht. Siehe auch >Hodeida.

Sauerseifen (Vb.)
Auswaschen einer weißen Hose, nachdem man zuvor betrunken in den Schlamm gefallen ist.

Tampico, das
Italienischer Ausdruck für ein Trampeltier von Mensch.

Verstenbergsgreuth, der
Mensch, der sich nicht entscheiden kann, spielt überraschend gut Fußball

Vichy™
Putzfirma kleinwüchsiger Franzosen.

Waldbröhl, das
Umgangssprachlich für Echo.

Wausau, die
Unhöflicher Ausdruck für eine besonders attraktive Frau, der alle Männer nachpfeifen.

Wumme, die
Bedienung in einem bayrischen Lokal, in dem es nur Leberkäs und Weißwürste gibt.

Zapala, der/die
Schülertyp, der in der 6. Stunde schon immer vorzeitig zusammenpackt. Kann in Extremfällen zum >Zapata führen.

Zapata, das
Wenn der Lehrer die Schüler am Ende der Stunde noch einmal alle Hefte herausnehmen lässt, um etwas aufzuschreiben, obwohl sie bereits viele Schüler weggepackt haben; wird vor allem bei gehäuftem Auftreten von >Zapalas verordnet.

* Douglas Adams, John Lloyd, Sven Böttcher. Der tiefere Sinn des Labenz. Das Wörterbuch der bisher ungenannten Gegenstände und Gefühle. – Nach Die letzten ihrer Art Douglas Adams‘ bestes Buch. Schön übersetzt; die Ausgabe enthält außerdem den englischen Originaltext.

10 thoughts on “The Meaning of Liff

  1. A. Gohlke

    Die „Atlanta“ find ich gut! Jetzt hab ich endlich einen konkreten Namen, an den ich meine Stoßgebete senden kann.
    :-)

  2. Frau Rau

    Hodeida! Mein definitiver Favorit. Durchaus auch die falsche Fröhlichkeit, mit der Roland-Berger-Knechte Personalkürzungen verordnen.

  3. Sophie

    Ich find Nikko am coolsten! Bringt einen auf super Ideeen! (oder doch nur mit 2 „e“s? hm egal…)
    Hehehehe *böse-grins* *hände-hinterhältig-reib* Nungut… *wieder-aufricht*

  4. Gaby

    Eine „Wumme“ hat mit Weißwürscht, Leberkas und Schweinshax’n nix zu tun.

    Die Wumme ist ein angeheitertes weibliches Wesen, das zum ersten Mal einen Feuerwerkskörper vom Stapel lässt.

  5. Herr Rau Post author

    Wumme… das werden dann immer ganz lustige Abende mit so einer Wumme, kann ich mir gut vorstellen.

  6. Katharina

    Mein Favorit: der Kakau. Und das zugrundeliegende Naturgesetz – es lässt sich auch auf Firmen und in großen Firmen auf Abteilungen und auff Vereine und andere Organisationen 1:1 übertragen. Jetzt hab ich endlich ein Wort für dieses Phänomen.
    (Frage: Stimmt die Betonung so: Kákau?)

  7. PatSchoo

    Ich habe gerade Tränen gelacht:-)

  8. Anni

    ich fand den „Wöbti“ am besten :-D

  9. rip

    @Anni: Bemerkenswert. Wo es den doch gar nicht gab :-)

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