Abizeitungs-Verriss

Sonntag, 26. Juni 2005

Nach dem offiziellen Teil der Abifeier verabschiedete ich mich von meinen Schülern. Ein paar fragten nach, ob der Sketch zur Verabschiedung in Ordnung gewesen sei (er war es durchaus); keiner kam auf die Idee zu fragen, ob für den Artikel in der Abizeitung das gleiche gilt. Merkwürdige Prioritäten. Es hatten ihn auch nicht aber fast alle Schüler gelesen.
Das kam so: Für jeden LK waren in der Abizeitung zwei Seiten reserviert, die zwei Seiten über die Wienfahrt mit dem LK waren einem Schüler aber zu positiv. Also schrieb der noch eine dritte Seite und zeigte sie einigen der anderen Schüler, aber nicht allen. (So wurde mir das vom Redakteur beim Plaudern mitgeteilt.) Herausgekommen ist das, was da oben steht.

Puh. Natürlich war ich erst mal geschockt, dann erbost. Wieviel davon zutrifft und wieviel nicht, das können die Leser hier nicht beurteilen; ich selber bin erst dabei, herauszusuchen, was ich daraus lernen kann. Da ist schon auch Wahres dran.
Insgesamt gilt für diesen Beitrag jedoch: Er ist dumm unüberlegt und verantwortungslos.

Der Schüler, der diesen Beitrag ins Rollen gebracht hat (und der jedem Gespräch in den letzten Jahren ausgewichen war), sagte freundlich, dass sei gar nicht so harsch gemeint, und ich könne durchaus und jederzeit einen Kommentar oder eine Gegendarstellung im Jahresbericht drucken. Aber er betonte, das Geschriebene sei sein (und seiner Freundin) ehrlicher Eindruck.
Das glaube ich unbedingt. Das zeigt wieder mal das, was ich den Schülern beim Interpretieren zu zeigen versuche: Auf die Absichten des Autors kommt es nicht an, sondern auf das Ergebnis.

Recht haben die Schüler vermutlich tatsächlich damit, dass ich sie mehr respektieren muss. Ein gewisses Maß an Respekt verdient jeder Mensch, jeder Schüler. Unter diesem Maß bin ich hoffentlich nicht geblieben. Fehlende Leistung darf auch kein Grund sein, Schüler weniger zu respektieren. Fehlende Leistungsbereitschaft, fehlender Fleiß, fehlende Zuverlässigkeit? Letztlich auch nicht, und da liegt mein tatsächlicher Fehler. Noten sollten als Feedback reichen.

Den Vorwurf fehlender Leistungsbereitschaft, fehlenden Fleißes, fehlender Zuverlässigkeit müssen sich die Autoren des Textes gefallen lasse. Aber keine Spur von Selbstkritik. Ich erinnere an einen kopfschüttelnden Standardsatz: “Woher wisst ihr denn das alle?”, an ein “Nur dass sie’s gleich wissen, die Effi Briest habe ich nicht gelesen”, an nicht abgebene Übungsaufsätze, an den absoluten Mangel freiwilligen Einsatzes fast aller der Kritiker – anders als ein großer Teil des restlichen Kurses. Woraus sollen die besseren Noten denn da erwachsen?

Klingt so, als wäre alles gut gewesen, bis die Klausurennoten dann nicht so gut ausfielen wie erwartet. Wohlgemerkt, nur bei manchen Schülern – andere hielten ihre Vorjahresnoten oder verbesserten sie sogar. (Das habe ich eben erst nachgeschlagen, damals wusste ich das nicht.) Das waren die Fleißigen, die alle Lektüren gelesen haben und Übungsaufsätze abgegeben haben und anwesend waren.

In Zukunft: Lasst nicht die Unzufriedensten schreiben, wenn die gleichzeitig die mit den schlechtesten Leistungen sind, und überlegt euch, was ihr unterschreibt – schreibt vor allem nicht den Namen von Leuten als Autoren unter den Artikel, die ihn nicht gelesen haben.

Was mich wirklich stört, und das jedes Jahr bei jedem Lehrer, ist die Generalabrechnung ohne Gegenwehr. Im Leistungskurs-Blog wollten die Schüler nicht, dass ich (damit nämlich öffentlich) Kritik an ihnen übe. Einverstanden, daran habe ich mich gehalten, auch wenn dort die Möglichkeit zu Rede und Gegenrede gegeben gewesen wäre. Die Abizeitung spricht eine größere Öffentlichkeit an ohne die Möglichkeit der Reaktion darauf. Dass ich die Schüler nicht gut genug vorbereitet hätte und nicht genug Tafelbilder gemacht hätte, höre ich nämlich zum ersten Mal, und das glaube ich auch wirklich nicht. Am Rest ist was dran, das gebe ich knirschend zu.

– Die Tafelbilder und Powerpoint-Handouts (die die Schüler ausgedruckt bekamen), die ich digital habe, habe ich gesammelt und die Schüler können sie hier herunterladen (gezippte pdf, knapp 2 MB). (Aus Urheberrechtsgründen entfernt – und weil’s albern ist.) Wenn ihr sie nicht wiedererkennt, fragt euch warum. Diejenigen, die ich nicht digital habe, schenke ich uns. An der Tafel waren sie jedenfalls.

Trost und Zuspruch bitte unten abgeben. Ich weiß selber, dass ich etwas falsch gemacht habe, wenn manche Schüler so etwas schreiben.

Wenigstens hatte ich einen Unterrichtsbesuch vor zwei Monaten, mit Musterlösung zur Abiaufgabe als Folie und Blatt (auch wenn sich an sie keiner im Abi gehalten hat), in der von all dem aber auch nicht das Geringste zu spüren war.

So, jetzt reicht’s erst mal.


17 Reaktionen auf “Abizeitungs-Verriss”

  1. Ehemalige Schülerin (aus dem letzten GK) sagt:

    Schade das die Abizeitung für sowas missbraucht wird. Klar, man will seine Sicht der Dinge darstellen, aber eigentlich soll die Abizeitung ja mehr ein Andenken für später sein und mal ehrlich, wer interessiert sich in 10-20 Jahren noch dafür, ob es einem damals gelungen ist, den ehemaligen LK-Lehrer so richtig in die Pfanne zu hauen?
    Als ehemalige Schülerin von Herrn Rau (Deutsch-GK) kann ich, wenn natürlich auch nur subjektiv, seinen Unterrichtsstil ganz gut beurteilen. Ok, ich muss zugeben, dass es manchmal schon so rüberkam, dass er uns “klein und unerfahren” hielt, allerdings auch nur dann,wenn wir wirklich keine Ahnung hatten. War dies nicht der Fall, war er mit einer der Ersten der dies anerkannte.
    Auch an mangelnder Vorbereitung hat es uns nicht gefehlt, da Herr Rau schon damals alles Notwenige für Klausur- und Abiturvorbereitung ins Netz gestellt oder für uns kopiert hat. Ob man dieses Angebot dann halt auch genutzt hat, war jedem selbst überlassen. Aber das Material war da. Ausserdem blieb einem natürlich immer auch noch die Möglichkeit, vielleicht mal unaufgefordert und selbständig wichtige Dinge mitzuschreiben!
    Den Vorwurf der “mangelnden Größe” in Bezug auf das Klären von Problemen sowie die nicht objektive Benotung kann ich leider auch nicht ganz nachvollziehen. Denn wenn es dannach gegangen wäre, hätte ich damals aber sehr viel schlechtere Noten haben müssen, da ich mich (und das können die anderen GKler wohl bestätigen) oft mit Herrn Rau gestritten habe und auch schon mal solche Sätze wie: “Ich hab die Verwandlung von Kafka zwar gelesen, aber ich finde sie einfach sch…” losgelassen habe. Und er war dann der letzte der gesagt hat: Na und, darüber disskutiere ich aber nicht. Im Gegenteil, oft war es so, dass eher das Ende der Stunde dem Ganzen ein Ende gesetzt hat.
    Ich will jetzt hier sicherlich nicht behaupten, dass Herr Rau den perfekten Unterricht macht. Auch wir waren nicht immer einverstanden damit und ich glaube den perfekten Unterricht gibt es auch nicht. Aber er hat sich immer unserer Meinung gestellt, öffentlich.
    Und mal ehrlich wer würde eine Gegendarstellung im Jahresbericht noch lesen?

  2. Kai sagt:

    Tja, ich beurteile nur aus der Ferne. Aber “keinen Respekt” halte ich für ausgeschlossen. Ich erlebe hier im Blog, wie engagiert du zur Sache gehst und welche Gedanken du dir um Unterricht und Schüler machst. Halte dich an die anderen Stimmen. Ich bin sicher, die gibt es auch im ehemaligen Kurs. Alle kann man nie zufrieden stellen.

    Ich erlebe den Schulalltag auch als Spagat zwischen Ausbildung (sehr strukturiert) und Bildung (eher unstrukturiert). Sehr zufrieden bin ich mit Stunden, in denen die Schüler eigene Gedanken entwickeln, umdenken, über Kunst diskutieren, in denen der Stundenverlauf dynamisch bleibt. Das gefällt aber nur wenigen, da nur wenige ein “Aha-Erlebnis” haben und es sehr mühselig ist, sich auf etwas ganz Neues einzulassen. Die Mehrheit ist zufrieden, wenn ich Epochen in Schlagworten definiere, das an die Tafel schreibe, Aufsatzgliederungen in Musterlösungen austeile und möglichst nicht “warum?” frage.

  3. Thoth sagt:

    Ein Punkt ist so nicht ganz korrekt: wir haben Sie darauf hingewiesen, dass Sie uns zu wenig Tafelbilder gemacht haben. Powerpointpräsentationen sind zwar ganz romantisch (kleiner Insider ;-), aber echte Tafelbilder sind imho doch besser, da die Bilder schrittweiser aufgebaut werden und auch spontan noch Dinge hinzugefügt oder entfernt werden können.
    Aufgrund dieser fehlenden Einträge hatten manche Schüler durchaus Angst vor den Klausuren, da das Austeilen einiger Blätter über Stilmittel relativ wenig ist, wenn dann Grammatiktheorie (ein hochinteressantes Thema, aber leider für Deutschklausuren nicht wirklich relevant) gemacht wird.
    Die Möglichkeit, Übungsaufsätze abzugeben ist in der Tat ziemlich wenig genutzt worden und da sind wir auch selber Schuld, aber vielleicht (und damit meine ich auch “vielleicht”, ich weiß es nämlich nicht so genau) wäre es besser gewesen, die, die abgegen wurden im Unterricht mehr zu besprechen.
    Schülern sind heutzutage Noten nämlich wichtig (im Gegensatz zu der Zeit, als unsere Lehrer noch auf die Schule gingen – nach ihren eigenen Aussagen) und würden deshalb gerne mehr auf ihre Klausuren vorbereitet werden und wenn der Eindruck entsteht, die Vorbereitung war nicht ausreichend und die Note dann auch noch schlecht ausfällt, dann macht sich natürlich Unmut breit.
    Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer war nicht immer optimal, nur haben es irgendwie beide Seiten nicht auf die Reihe gebracht, an diesem Zustand etwas zu ändern, obwohl durchaus Versuche unternommen worden sind (wir sind klärenden Gesprächen nicht aus dem Weg gegangen, wir haben sie sogar gesucht!).

  4. Herr Rau sagt:

    Thoth – an die zu wenigen Tafelbilder kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Wann soll das gewesen sein? Schriftlich (im Blog) gibt’s jedenfalls nie etwas dazu. Ich weiß nur, dass ihr entsetzt wart, als ihr euch die Romantikepoche erst mal selbst mit dem Buch erarbeiten solltet – danach habe ich euch dann alles zusammengefasst und erklärt. Du hast ja auch immer Übungsaufsätze abgegeben unde detailliert korrigiert zurückgekriegt (soll ich mal einen posten?), und warst anwesend: Bei welchen der sechs Klausuren fühltest du dich nicht vorbereitet: Iphigenie, Faust, Erörterung, Romantik, Lyrik der Jahrhundertwende/Expressionismus oder Effi Briest? (Lass mal, jetzt ist’s ja auch egal.) Und nein, einige zogen Schmollen den klärenden Gesprächen vor. Du nicht, klar.

    Immerhin, die cthulhoiden Hausschuhe sind hübsch:

  5. Stolle sagt:

    Die Hausschuhe schon, aber die Beine, die drin stecken……

    Scherz beiseite:
    alle Jahre wieder, dieser problematische Umgang mit den Abschieden und den Abrechungen.
    Kann man sich davor schützen?
    Muss man das?
    Soll es einem egal sein?
    Hat man etwas und wenn ja: was genau falsch gemacht, wenn man/frau dieses über sich lesen muss?
    Ist so was der Reflex auf vorangegangene Jahre des sich “Unterdrückt- Fühlens”?
    Wieviel an offener – symmetrsicher Kommunikation ist möglich – und wünschenswert?
    Muss ich auf jede noch so blinde Frage eine verständnisvolle Reaktion zeigen?
    Darf mir der Kragen platzen?
    Und wünsche ich mir nicht manchmal, dass über solche Verrisse meine Mutmaßungen über den Unterrichtsstil der KolegInnen bestätigt werden?
    Und empfinde deswegen klammheimliche Freude?
    Welche Rückmeldeschleifen braucht es?

    Und eins zum VorvorSchluß: dass Schüler den Tafelanschrieb der Powerpoint-Präsentation vorziehen….tsss,tssss.
    Manchmal traut man seinen Augen/Ohren nicht.

    Und nun zum VorSchluß: die Krise ist die Chance, lieber Kollege Rau! Blöder Spruch, total abgenutzt, trotzdem nicht falsch. Ich bin sicher, Sie lernen draus.

    Und zuguterletzt: danke, dass Sie ihre Gefühlslage veröffentlicht haben.

  6. Die Abizeitung ist die erste wirkliche Prüfung auf Verantwortlichkeit bei den S (Schülerinnen und Schülern), denn hier können sie meist vollkommen unbeobachtet und unkontrolliert das schreiben, was sie wollen. In bedauerlich vielen Fällen werden sie aber der Verantwortung, die hiermit verbunden ist, nicht gerecht: sie erkennen nicht die Bedeutung eines bleibenden, öffentlichen Textes im Unterschied zum gesprochenen Wort unter Betroffenen.

    Dass dies immer wieder Lehrer trifft, ist klar. Und du weißt, dass du ein deutlich überdurchschnittlich engagierter und interessierter Lehrer bist – wenn du trotzdem noch was aus der Kritik lernen kannst, freu dich darüber.

    Häufig trifft es jedoch auch Mit-S, die in ihrer Abizeitung dann bescheinigt bekommen, dass sie persönlich, menschlich, sozial Loser seien, dass sie schon auf Rollen festgelegt werden, dass sie kritisiert werden für vermeintlich unsolidarisches Verhalten etc. – das finde ich dann wirklich bitter.

    Ich habe mich damit abgefunden, dass es S gibt, die meinen, L (Lehrerinnen und Lehrer) seien, da sie ja für ihren Job bezahlt werden, so eine Art Bildungsdienstpersonal und daher grundsätzlich mit dem größtmöglichen Neureichen-Dünkel zu behandeln spätestens dann, wenn die L ihnen über die Bildungsabschlusshürde geholfen haben, möglichst aber auch schon vorher. Das hat eine Menge mit dem grundsätzlichen Denken über Lernen und Lehren zu tun, das bei vielen S vollkommen falsch geprägt ist. Und eine Menge mit nicht vorhandenem Verantwortungsgefühl für sich selbst und andere.

    Sei’s drum: nimm’s nicht zu schwer.

  7. Florian Seelig sagt:

    Vielleicht hab ich jetzt nich das recht mich hier einzumischen, aber ich möchte doch auch, aus meiner persönlichen Perspektive, dazu etwas äussern.
    Das den Artikel keiner gelesen haben soll, ausser einigen wenigen undden Autoren, kann ich mir nicht vorstellen. Der steht im Forum im Internen bereich des LK-Deutsch, wo alle stufeninternen Zugang haben, die lehrer aber nicht unbedingt. Und da der Deutsch-LK im Forum als ganzes recht aktiv sind, kommen für mich nur 3 Leute in Frage, die ihn ganz sichernicht gelesen haben, von 10. Demzufolge stimmt es bestimmt nicht, dass keiner etwas davon wusste.
    Zur Vorbereitung kann ich nicht so viel sagen, ausser, dass der LK des öfteren davon überrascht war, wie genau die Grundkurse die Bücher besprochen hatten (das ist mirvorallem bei FAust 1 aufgefallen) und wie wenig der Lk angeblich da gemacht hat. ( ich möchte aber darauf hinweisen, dass das ja 1,5 Jahre her ist und ich das aus der Erinnerung schreibe von daher ist meineAussage vieleicth etwas zu zugespitzt.)
    Zum Thema Respekt: Ich hatte sie in der Mittelstufe 8 und 9 Klasse. Ich war kein guter Schüler und hab mich wenig bemüht. Das haben sie mir auch oft egsagt und sie haben mich auchöftersdarauf hingewiesen etwas mehr zu tun. Am ende der 9. bekam ich eine 6 von ihnen und den Satz dazu werd ich nie vergessen: Es ist gut für dich,dass du durchfällst. Das ist schon hart, für nen Schüler. Aus heutiger Sicht muss ich ihnen zwar recht geben, wobei es eben Gründe gab, weshalb ich so, zugegebnermaßen, Faul war. was von ihnen auch etwas respektlos war, war ihr verhalten in meinem Colloquium. Sie haben mehrmals gegähnt, ohne vorgehaltener Hand, bzw. gaben sich recht gelangweilt, jedenfalls kam es bei mir so herüber. Ich hab dann einfach so getan, als wären sie garnicht da, wenn ich sie beachtet hätte, wäre ich wohl nervös geworden und hätte die Prüfung verhaun.

    Ich möchte die Schuld an der Kritik an ihrem Unterricht nicht ihnen auflasten, denn in einer Gemeinschaft, wie ein LK eine ist, gibt immer mehrere, die Schuld tragen, oft sind es alle.

    Ich möchte ocht versuchen ihnen einen Rat zu geben für die zukunft, bitte verstehn sie das jetzt nicht als Anmaßend, oder als unverschämt.
    Vielleicht sollten sich öfter nach dem warum Fragen, ich hab immer das gefühl gehabt, sie sehen die schwächen der Leute, nehmen sie auch ernst und haben, wie in meinem Fall, versucht etwas daran zu ändern, auf ihre Art. Aber nach den Hintergründen haben sie nicht gefragt. Im Lk ist das auch zugegebener maßen schwierig, aber vielleicht hätten sie dort fragen können, was die schüler denn von ihnen erwarten. Klar, man kann als Lehrer nicht den Psychologen spielen, aber ich denke, dass man als Lehrer schon viel Einfluß auf die Problemlösung von Schülern haben kann. Und bei den meisten Schülern ist es eben keine chronische Unlust, desinteresse oder Faulheit, sondern es stehen persönliche Gründe dahinter, nach denen man Fragen kann, wenn es einem wichtig ist, dass ein Schüler bessere Leistungen erbringt. Vielleicht sind diese Ansichten etwas illusorisch, aber Idealebracuht man doch, oder?

    Ich möchte nochmal klar sagen, dass ich sie nicht attackieren will, oder ähnliches, für harrsche Formulierungen entschuldige ich mich auch gleich hier( und für die schlechte Rechtschreibung auch, ich hab grad etwas Zeitdruck, aber es war mir wichtig zum Thema etwas zu sagen)
    Liebe Grüße,
    Flo

  8. Herr Rau sagt:

    Ist schon okay, Florian. Das mit dem Gähnen im Abitur tut mir leid. Vielleicht warst du aber auch selber etwas voreingenommen – schließlich hast du ja schon davor gestöhnt, als du erfahren hast, dass ich ein Prüfer bin (hat man mir jedenfalls erzählt). Aber mit dem Ergebnis bist du doch wohl zufrieden?

  9. Florian Seelig sagt:

    Ja, muss ich zugeben, dass ich voreingenommen war und ich weiß auch, dass es nicht richtig ist, wegen etwas, dass vor 5 Jahren war, vorneingenommen zu sein. Das stöhnen war auf jeden Fall die falsche Reaktion von mir,als ich erfahren hab, dass sie Beisitzer sind. Vielleicht wäre die richtige Reaktion so gewesen: Endlich kann ich dem Herrn Rau zeigen, dass ich doch Interesse an Schule hab. (Auch wenn das jetzt etwas lächerlich oder schleimig klingt, ich mein das wirklich ernst.) Leider war ich nicht fähig, die positive Seite, die ihre Anwesehnheit hatte, zu erkennen, sondern nur die scheibar Negative, die ich aus der Vergangenheit geglaubt habe herauslesen zu können.
    Ich war von dem Ergebnis ehrlichgesagt positiv überrascht! Damit hab ich nicht im geringsten gerechnet. Nicht, weil ich dachte, sie würden etwas negativ einwirken, sondern weil ich davon überzeugt war, dass ich nicht gut war. Das Ergebnis war auf jden Fall ein Selbstvertrauensschub für mich.

  10. erpel sagt:

    Ich wollte nur einmal sagen:
    Dieser Eintrag hat mir deutlicher als je zuvor gezeigt dass es sehr von Vorteil wäre wenn man als Schüler die andere Seite, die der Lehrer, besser kennt. Es ist unglaublich faszinierend als jetzt Ex-Schüler mal zu überlegen was würde wohl in einem blog stehn welches von einem meiner Lehrer geführt wird?
    Vielen Dank für dieses Blog. Und für die Einblicke in eine doch sonst häufig sehr verschlossene Welt: Das Innere eines Lehrers.

    Philipp

  11. Lisa Rosa sagt:

    Ach herrje! Wie ich das kenne! Also noch ein 11. Posting zum Trost:
    Ich sehe an dem “Abiturverriss”, dass die Schüler viel gelernt haben und auch noch Vergnügen dabei hatten im Unterricht – gesehen als Kommunikation über das Material, mit dem ihr euch gemeinsam beschäftigt habt. Insofern ist die “pädagogische Veranstaltung” LK Deutsch doch durchaus gelungen. Immerhin! Mehr kann man nämlich kaum erreichen. Nicht zur Zeit bei diesen Systemtrukturen. Die Kritik der Schüler fängt nämlich genau an dem Punkt an, wo die Veranstaltung Schule etwas anderes geworden ist als Lernen: Beim Prüfen, d.h. beim Evaluieren von etwas, was systembedingt eher weniger mit dem, was gelernt wurde, zu tun hat. Sch… Benoterei und Bewerterei! Den Schülern bleibt im System Schule aber gar nichts anderes übrig, als die Noten wichtiger zu nehmen, als das, was man vielleicht den Bildungsvorgang nennen könnte. Und da sie die Paradoxien des Systemdefizits nicht durchschauen, feedbacken sie ihr Leiden an den Widersprüchen, die nicht sie und auch nicht der Lehrer “gemacht” hat, an den Lehrer. Sie müssen das personalisieren. Was sollen sie sonst tun? Aber Du, der Lehrer, kannst das Systemdefizit durchschauen und mußt Dir nicht jeden, jedenfalls nicht diesen Stiefel anziehen! Mir halfen in solchen traurigen Situationen immer: Luhmanns Aufsätze zum Erziehungssystem. Inzwischen gibt es sie alle gesammelt von Dieter Lenzen herausgegeben: Niklas Luhmann, Schriften zur Pädagogik, FfM 2004. Darin zu lesen hilft, sich gedanklich aus der Situation als Beteiligter herauszubegeben und einen Beobachterstatus einzunehmen. Und was es da zu beobachten gibt – ach herrje!

  12. Thoth sagt:

    Naja, meine Klausurvorbereitung hat schon gepasst (bis auf bei der zweiten, aber egal), aber ich weiß selbst, dass ich nicht der richtige Maßstab für einige andere Schüler bin, die gerne besser über Gliederungen und das, was man von ihnen eigentlich erwartet wüssten. Ich schreibe ihnen ja auch, was sie wollen, nur müssen sie das sagen. Jaja, wir sollen nicht schreiben, was sie wollen, sondern was interessant ist usw., aber Schüler denken in erster Linie praktisch: “was muss ich tun, um eine gute Note zu bekommen?” Wenn dann als Antwort kommt: “Noten sind nicht so wichtig.” Dann steht man halt erstmal in der Gegend.

    Übungsaufsätze von mir können sie gerne hier reinstellen, aber ich bezweifle, dass das was bringt, ich habe die Korrekturen immer gründlich durchgesehen und habe manchen Sachen zugestimmt und mir manchmal gedacht “sorry, aber ich werds trotzdem so machen, weil…”.

    Wegen der Abizeitung: Wir sind uns unsere Verantwortung denke ich schon bewusst, nur ist das eben für Schüler die letzte Möglichkeit, mal ihre eigene Meinung kundzutun. Solange noch Schule ist, geht das meistens nicht, weil der Lehrer eben am längeren Hebel sitzt und danach ist auch nciht mehr viel Zeit. Eine Möglichkeit der Gegenwehr wäre zwar wünschenswert, aber wohl schwer realisierbar. Außerdem haben gedruckte Buchstaben imho auch Vorteile gegenüber gesprochenen Worten – man kann sich genauer überlegen, was man wie sagen will und einem rutschen nicht so leicht Dinge einfach raus.

    @Stolle: Für mich sind Computer in erster Linie Spielzeuge, mit denen man lustige Sachen wie zocken und programmieren machen kann. Zum arbeiten sind sie nur sehr selten unersetzbar und oft geht es auch ohne.

  13. Tanja sagt:

    Ich finde die Diskussion, auf die du dich hier einlässt 1A. Chapeau!

    Ich verteile jeweils Ende Lehre farbige Karten, auf die die Schülerinnen und Schüler völlig frei und auch anonym ihre Meinung schreiben können, eine Seite ist für Positives, eine für Negatives, sie müssen nicht beide Seiten benützen.

    Dieses Jahr schrieb mir (zum ersten Mal) jemand: “Ich habe mich manchmal nicht getraut, Fragen zu stellen, weil ich das Gefühl hatte, sie finden die Fragen unpassend und dumm.” Etliche kritisierten die Verwendung von Fachwörtern, und einige meine unklare Fragestellung in Tests.

    Ich war und bin so frustriert, dass ich damit praktisch alle meine persönlichen Zeile nicht erreicht zu haben scheine, dass ich den ganzen Kartenstapel erst einmal zur Seite gelegt habe.

    Ich warte jetzt die Ergebnisse der offizielle Unterrichtsbefragung ab, in der mich sämtliche Klassen beurteilen. Hast du nicht auch so etwas zum Vergleich? Als Relation zu diesem Artikel?

  14. Gerold sagt:

    Vorneweg: Ich finde es sehr mutig, dass Sie das hier öffentlich diskutieren.

    “Recht haben die Schüler vermutlich tatsächlich damit, dass ich sie mehr respektieren muss. Ein gewisses Maß an Respekt verdient jeder Mensch, jeder Schüler. Unter diesem Maß bin ich hoffentlich nicht geblieben.”

    Ja was denn nun? Und ich lese hier auch ein paar Mal “klein und unerfahren”. Kann es sein, dass Ihr “gewisses Maß” ein anderes ist, als das einiger Ihrer Schüler? Wenn das so ist, dann ist es doch in Ordnung, dass diese Schüler ihr Maß anlegen, sobald sie die Gelegenheit dazu haben.

    Sie haben ja auch Fans unter Ihren Schülern, Herr Rau. Und die kriegen Sie nur, wenn Sie auch “Feinde” akzeptieren.

  15. Herr Rau sagt:

    Chronistenpflicht und Therapie. Und ich will ja Transparenz und Öffentlichkeit. An alle: Danke schön. (An Stolle: ja, ja, und ja.)

  16. croco sagt:

    Das ist wohl immer der Tag der Tage in der Schule: welcher Kollege wird dieses Jahr in der Abiturzeitung abgewatscht?
    Und über die Jahre erkenne ich ein System. Es trifft die engagiertesten Lehrer und es schreiben die Schüler, die schlechte Leistungen erbracht haben. Mir scheint , dass man nachträglich die Lehrer für das Scheitern verantwortlich macht. Wen sonst? Und der Mut, schon früher etwas zu sagen, fehlt.
    So bekommt das Ganze den Charakter einer Abrechnung.
    Das finde ich sehr schade!

  17. Herr Rau sagt:

    Croco, danke, und im Prinzip magst du recht haben. (Auch wenn viele Schüler zufrieden sind und ich bei meinem letzten LK, allerdings Englisch, gelobt wurde.) Ich bin engagiert, und die besonders und auch mit ihren Leistungen unzufriedenen Schüler haben den Text geschrieben. Aber unterschrieben haben auch die meisten anderen, und damit stehen sie im Prinzip hinter den Aussagen. Ja, nicht alle haben den Artikel zu sehen gekriegt, und sicher nicht die Schülerin, die am meisten für mich gesprochen hätte, die aber kein Internet hat. Und die abfallenden Noten können nur für einen kleinen Teil des Kurses gelten; insgesamt hatte der LK stets überdruchschnittliche Noten. Aber ich habe halt auch viel falsch gemacht. Nicht genug, um so abgewatscht zu werden, finde ich – aber da diskutiere ich gerade mit den Schülern per E-Mail, das ist dann doch zu privat. Der Punkt ist, dass die meisten Schüler ihren Text gar nicht so schlimm finden, wie das Lehrer tun, und meine Gefühle deswegen auch nicht verstehen.
    Genug davon, ich will jetzt nur noch meine Wunden lecken und dann nachdenken, was ich anders machen kann. Bald schließe ich auch die Kommentarfunktion.

    Letzter Nachtrag: Die Schüler wissen echt nicht, was sie da geschrieben haben. Schulleitung, Personalrat, Briefe von Kollegen an die Schulleitung, Kollegstufenleiter sollen versuchen, durch bessere Aufklärung solche Entgleisungen zu verhindern. Eigentlich sollen für Diskursfähigkeit ja die Deutschlehrer suchen, aber gerade da habe ich wohl versagt. :-(