Archive nach Jahr: 2009

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Wichteln 2009

Die letzten Schultage waren ein bisschen anstrenged. Manche Klassen waren teilweise weg, Theaterbesuch, was an sich löblich ist, andererseits den Eindruck verstärkt, dass an den letzten Tagen ohnehin kein Unterricht mehr stattfindet. So hatten meine Schüler mehr als sonst keine Unterlagen dabei. Exen schreibe ich keine, Noten mache ich keine in dieser Zeit – aber planmäßigem Unterricht hätte ich schon gerne.

Die Ferien haben wir trotzdem alle verdient.

Am letzten Tag war nur Gottesdienst, gefolgt von zwei Stunden Klassleiterunterricht – das ist mir eigentlich auch zuviel; eine Stunde reicht. Echte Klassleitergeschäfte kann man an diesem Tag ohnehin nicht machen. Meine 6. Klasse hat gewichtelt, ich war auch dabei. Das Geschenk durfte höchstens 2 Euro kosten und musste für Mädchen und Jungen gleichermaßen geeignet sein. (Dieser Wunsch kam von den Schülern, anscheinend gab’s da mal Probleme.)* Nach dem Austeilen wurde trotzdem rege getauscht. Hier alle Päckchen auf einem Stapel:

So wurde verteilt: Eine Schülerin wählte ein Päckchen aus, eine andere zog einen Namen aus dem Hut.

*Vorschlag von Kollege Z.: Das Geschenk darf gar nichts kosten.

Für eine Öffentlichkeit schreiben: Geniale Idee

Selber darauf gekommen bin ich nicht, aber wenigstens erkenne ich eine gute Idee, wenn ich sie sehe: Kollege Z. im Treppenhaus der Schule, er geht nach oben, ich nach unten, um uns herum wuselnde Schüler, Zeit nur für einen kurzen Zuruf: “Was hältst du davon: Ich lasse jetzt die Schüler in mein Poesiealbum schreiben.”

Und in diesem Moment war alles klar. “Genial”, habe ich noch gerufen, dann war ich schon weiter. Kollege Z. hat jetzt also ein Poesiealbum, ich habe ein Poesiealbum und Kollegin N. auch. Und wir wetteifern, wer am meisten Einträge hat.

Das da oben ist nicht mein Album, sondern das der Kollegin. Meines ist nämlich unterwegs bei Schülern. Das von Kollege Z. auch, aber er ist mir mindestens zwei Schüler voraus. Wenn man auf der anderen Seite des Albums sitzt, dann merkt man erst, wie sehr man darauf wartet, dass die Schreiber ihren Eintrag endlich hinter sich bringen und das Buch wieder abgeben.

Mögliche Spielregeln, alle vom Kollegen: Je nach Jahrgangsstufe und Geschlecht gibt es Punkte für jeden Eintrag, am meisten zählen männliche Mittelstufenschüler. Oder: wenn man von jeder Klasse, die man in einem Jahr unterrichtet, einen Schüler oder eine Schülerin im Album hat, dann darf man das Buch Lehrern zum Eintragen geben. (Auch hier wieder: Physiklehrer zählen doppelt.)

Wir werben gerade noch mehr Lehrer und Lehrerinnen an unserer Schule an. Warum ich die Idee so toll finde: Meine Schüler und Kollegen müssen für eine kleine Öffentlichkeit schreiben und sich präsentieren. Ich habe ein Erinnerungsstück, ich lerne Schüler kennen. Für Schüler ist das eine andere, indirektere Möglichkeit der Rückmeldung. Und es ist insgesamt herrlich und herzlich wenig digital.

“Mehr Bildung in Blogs”

Literatenmelu hat eine Umfrage angeregt unter diesem Namen, und zu gewinnen gibt es auch etwas, und weil mich die Fragen interessieren, mache ich mit. Ob es wirklich mehr Bildung in den Blogs braucht, da bin ich mir nicht sicher. Oder ja: mehr Bildung ist immer gut, aber Diskussion darüber gibt es mir genug.

Also:

  1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?
    An sehr vieles. Die Klassenzimmer, die Lehrer. Es war eine schöne Zeit, ich habe sehr viel gelernt und gute Noten bekommen. Und das alles ohne viel Anstrengung – ich war fast immer da, passte auf, machte meine Hausaufgaben, schaute mir vor jeder Stunde das Heft an. Das hat gereicht. Deswegen habe ich es auch nicht ganz so mit den neuen Lehrmethoden: Für Schüler wie mich war die alte Schule gut, und Schüler wie mich gibt es heute immer noch. Noten spielten sicher eine große Rolle, aber sie wurden nie hinterfragt, sondern akzeptiert. Lieblingsklasse: die elfte. Schön das Zusammenraufen der einen Vierergruppe mit mir drin (alles Science-Fiction-Leser oder gar Rollenspieler) und der anderen (Rockmusik, Haarschnitte, Zigaretten).
  2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?
    VHS-Videokassetten, Kassettenrekorder. Stift und Papier.
    Gelegentlich auch ein Religions- oder Englischlehrer mit Gitarre. Das zählt als Medium, finde ich: Lieder sind ein Mittel, um Geschichten und Inhalte zu transportieren.
    Overhead-Projektor: vermutlich, auch wenn ich mich an keine einzige Folie erinnern kann.16-mm-Filme: ja, auch, zumindest einer über Neuronen ist mir noch im Gedächtnis geblieben. Kopien und natürlich Umdrucke (für die Jüngeren: gelbliches Papier, riechen nach Alkohol).
    Am Computer gearbeitet, der Tandy. Mehr Erfahrung hatte ich zu Hause mit dem Commodore 64 und davor dem CBM 8032 oder gar PET.
    Selber genutzt habe ich Kopiergeräte und Kopien, auch Matrizen für den Umdruck, beides aber privat. Und natürlich Bücher, denen ich in der Schule aber wenig begegnet bin – in der Bibliothek war ich nur ein einziges Mal, glaube ich. Für die Facharbeit musste ich dort nicht groß recherchieren, meine Privatbibliothek enthielt bereits genug Sekundärliteratur zu Lovecraft.
    Nachtrag: oh ja, und einmal war ich im Sprachlabor!
  3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?
    Hm. Die Ausbildung scheint mir nicht das größte Problem zu sein. Am wichtigsten ist es, den Beruf flexibler zu gestalten, so dass man als ausgebildeteter Lehrer auch mal ein paar Jahre anderes machen kann. Das heißt wohl, den Beamtenstatus abzuschaffen. Und die zentralistische Einstellungspraxis ändern.
    Außerdem ist die Lehrerausbildung in den Bundesländern so verschieden wie der Rest des Bildungswesens; ich glaube auch, dass die Ausbildung je nach Schulart unterschiedlich ist. Schnödes Faktenwissen kann man jedenfalls nie genug haben.
  4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?
    Viel. Sonnenklar. Kann man natürlich auch gut oder schlecht machen, aber Möglichkeiten gibt es viele schöne.
  5. Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?
    Sie können, denke ich. Sowohl als Selbstlernkurs wie auch als Tutorium mit einem menschlichen Partner. Profitieren würden allerdings am meisten die Schüler davon, die sich selbst motivieren können. Die profitieren aber auch am meisten vom herkömmlichen Unterricht.

Mittelalter-Weihnachtsmarkt

Glühwein getrunken, Leuten mit Fellen um die Schulter zugeschaut, Mittelalter-Band mit Schlagzeug und Schalmei zugehört. Sehr kalt, aber warm angezogen, leichtes Schneetreiben. Jetzt wieder im Warmen.

Das deutsche Äquivalent zum “Ye olde worlde shoppe” ist wohl das End-Ypsilon, etwa in “Wildbraterey” und dergleichen. Ich kann gut damit leben, auch mit den ganzen Mittelalterfesten, unhistorisch wie sind. In den USA heißen die Mittelalterfeste übrigens “Ren Faire”, kurz für “Renaissance Faire”. Wunderschön beschrieben in Sandman 73 – der inzwischen mehrere hundert Jahre alte Hob Gadling besucht einen solchen, ist zuerst griesgrämig, dann aber doch versöhnt.

Verloren gegangen ist übrigens (aber schon seit Jahrzehnten) das Geheime Wissen der Alten, was den Buchstaben s in der Frakturschrift betrifft. Da gibt es ein langes s (das dem Buchstaben f ähnelt) und ein normales, und die sind nach festen Regeln verteilt. Die genauen Regeln stehen ausführlich vorne im Duden; für die meisten Fälle genügt es zu wissen: das normale s steht nur am Schluss eines Wortes oder Morphems, im Innern eines Wortes oder Wortteils steht ebenso wie am Anfang das lange s. (Oder natürlich ein Großbuchstabe.) Daher auch die Regel: “Trenne nie s-t”, denn dadurch wäre am Schluss einer Zeile das s zu stehen gekommen, das eben nicht für den Schluss eines Wortes oder Morphems gedacht ist.

Filme schauen im LK

Gestern und heute im Deutsch-Leistungskurs Moderne Zeiten angeschaut (Charlie Chaplin 1933-1936). Ich hatte ihn schon lange nicht mehr gesehen und vergessen, wie gut er doch ist. Nämlich sehr gut. Die ersten Sequenzen in der Fabrik erinnern noch an den Expressionismus; die Videoüberwachung am Arbeitsplatz ist sehr vorausschauend; die Kritik des Films an der Entmenschlichung und Entfremdung durch die Arbeit, am Zwang der Effektivität ist damals wie heute zeitgemäß.

Dazu die Depressionszeit, kommunistische Demonstrationen, in die Chaplin versehentlich gerät (ähnlich wie Forrest Gump später unfreiwillig zum Helden wird); eine lustige Szene um den Gefängnisinsassen Chaplin, der sein Essen mit Kokain statt mit Salz würzt; sehr viel akrobatische Einlagen. Chaplin auf Rollschuhen, Chaplin beim Moonwalk, bevor er das Nonsens-Lied singt.

Den Schüler hat der Film auch gefallen. Hat sich gut gehalten.

— Davor gab’s mal das Cabinet des Dr. Caligari als Beispiel für expressionistischen Film. Schlechte Bildqualität, das nächste Mal lieber wieder Metropolis oder Nosferatu.

Und weil der Rechner gerade an war und wir uns als Nächstes an die Dreigroschenoper machen, haben wir bei Youtube den Anfang der Veriflmung von 1931 angeschaut. Mit chinesischen Untertiteln, auf der rechten Bildseite, in senkrechten Zeilen.

Ich freue mich schon darauf, den Schülern die schöne Musik von Kurt Weill zu zeigen. “Songs” heißen die Lieder von Brecht/Weill, das ist wohl das, was vor dreißig und vierzig Jahren “Chanson” hieß. Irgendwie was Besseres als ein einfaches Lied. Aber schon 1931 wurde das bereits parodiert in diesem “Song von den brennenden Zeitfragen”.

(Und ein Weihnachtsgeschenk habe ich heute auch gekriegt von den Schülern. Schön und unerwartet.)

Spaß mit dem Beamer

Weil Weihnachten ist, gibt es jetzt in manchen Pausen in der Aula Besinnliches per Beamer an die Wand. Und weil ich gerne herumspiele, habe ich mal ausprobiert, ob ich meinen kleinen Laptop mit der eingebauten Webcam auch anschließen kann. Es geht:

Kamera auf Pausenhalle, Bild per Beamer an die Wand. Das nächste Mal probiere ich Rückkopplungseffekte aus – wenn ich die Kamera auf die Leinwand richte, auf die projiziert wird, sollte das tolle Effekte geben.
Was ich damit machen will, weiß ich noch nicht. Für Theateraufführungen, so dass sich das Publikum im Hintergrund selber sehen kann? Sicher nicht zur bloßen Unterhaltung der Schüler oder gar zu irgendeiner Form von Überwachung.

(Einziges Problem: Das Verlängerungskabel für den Beamer ist ein VGA-Kabel, ich kann also nur einen Rechner anschließen und nicht unmittelbar eine Videokamera, da die alle einen Cinch-oder S-Video-Ausgang haben dürften. Ich muss mal schauen, wo das Verlängerungskabel hinläuft.)

Vorlesewettbewerb 2009 (des Börsenvereins des deutschen Buchhandels)

Traditionell nehmen unsere 6. Klassen jedes Jahr am Vorlesewettbewerb teil. Diesmal war es an mir, für die Organisation und Durchführung zu sorgen. Das Geheimwissen darum, wie man dabei vorgeht, wird ebenso traditionell von Druidenmund zu Druidenohr weitergegeben; ich habe in diesem Jahr aber meine Erfahrungen in Form einer Checkliste zusammengestellt, damit sich der Kollege im nächsten Jahr daran orientieren kann. Vielleicht hilft es ja.

Checkliste Vorlesewettbewerb:

  1. Bei www.vorlesewettbewerb.de die Informationsbroschüre und die Urkundenvorlagen herunterladen. Das Datum für die Meldung des Schulsiegers notieren (um die Mitte Dezember).
  2. Deutschlehrer der 6. Klassen darauf vorbereiten, dass sie in den nächsten Wochen einen Klassensieger ermitteln müssen.
  3. Einen Termin festlegen für die Schul-Endausscheidung, etwa in der ersten/zweiten Dezemberwoche. Am besten in der 5. und 6. Stunde zu einem Termin, an dem möglichst viele 6. Klassen Deutsch haben oder möglichst viele Deutschlehrer der 6. Klassen Zeit haben.
  4. Den Termin bei Schulleitung (Herr S.) buchen. In der Aula, Bestuhlung für 200 Schüler, Vorhänge unten, Mikrofon, Tische und Stühle für je 1 Schüler pro Klasse.
  5. Dem Stundenplanteam (Frau O.) den Termin mitteilen. Welche Lehrer sollen trotz entgegenstehendem Unterricht teilnehmen?
  6. Die Deutschlehrer der 6. Klassen vom Termin informieren: bis dahin muss jeder Lehrer einen Klassensieger ermittelt haben. Vorschläge für Kriterien gibt es in der Broschüre.
  7. Die Schulleitung (Frau H.) über den Termin informieren (Jurymitglied).
  8. Zwei Wochen vor dem Termin: Alle Lehrer der 5./6. Stunde an diesem Termin darauf hinweisen (am besten schriftlich), dass ihr Unterricht ausfallen wird und dass sie als Aufsicht gebraucht werden: Kein Essen, kein Trinken; Taschen und Jacken im Klassenzimmer lassen, wenn Stundenplan nicht dagegen spricht. (Briefvorlage ist vorhanden.)
  9. Die Jury bestimmen und ansprechen: Schulleitung, Deutschlehrer der 6. Klassen (soweit zeitlich möglich), Vorjahresgewinner.
  10. Buchpreise einkaufen: ein gebundenes Buch für den Gewinner, Taschenbücher für die anderen.
  11. Urkunden ausdrucken und ausfüllen.
  12. Bewertungsbogen für die Juroren (aus der Broschüre) mit den Namen der Klassensieger versehen und Kopien für Jurymitglieder anlegen.
  13. Aufsicht führende Lehrer daran erinnern, was sie alles beachten sollten.
  14. Ein Buch auswählen als unvorbereitete Lektüre zur Ergänzung der selbstgewählten Textstelle: jeweils fortlaufend Abschnitte markieren, 1-2 Seiten, für jeden teilnehmenden Schüler einen Abschnitt.
  15. Stehpult aus Klassenzimmer ausleihen und auf die Bühne stellen.
  16. Jemanden dazu bringen, ein paar Fotos zu knipsen,
  17. Durchführung: Schüler lesen der Reihe nach vor; dann kurze Pause; dann Lesen des unvorbereiteten Texts; während der Beratung der Jury liest ein anwesender Deutschlehrer weiter aus dem Text vor.
  18. Melden des Gewinners bei www.vorlesewettbewerb.de bis zum angegebenen Termin.

Weitere Möglichkeiten, noch nicht in Liste aufgenommen: Dekorieren der Bühne. Schreiben eines Beitrags für Homepage und Jahresbericht.

So, jetzt habe ich diese Checkliste. Schön wäre es, wenn es für andere Vorgänge an unserer Schule (keinesfalls nur aus dem Fach Deutsch) ähnliche Anleitungen gäbe, am besten regelmäßig aktualisiert. Allerdings braucht es dann auch das Wissen darum, dass und wo solche Beschreibungen von Prozessen abgelegt sind. Wenn das wieder nur von Druidenmund zu Druidenohr geht, ist nur wenig gewonnen.