Vom Schweigen

Die Schüler der Tendai-Schule pflegten schon die Meditation, bevor Zen nach Japan kam. Vier von ihnen, die sehr gute Freunde waren, versprachen einander, sieben Tage lang Schweigen zu bewahren.
Den ersten Tag verbrachten allen schweigend. Sie meditierten einträchtig, aber als der Abend anbrach und die Öllampen nicht mehr genug Licht verbreiteten, rief einer der Schüler zu einem Diener: “Kümmere dich um die Lampen.”
Der zweite Schüler erinnerte den ersten überrascht: “Wir sollten doch still bleiben!”
“Ihr zwei seid dumm,” sagte der dritte, “warum redet ihr denn?”
“Ha,” erklärte der vierte, “ich bin der einzige, der nicht geredet hat.”

Nach Paul Reps, Zen Flesh, Zen Bones (deutsch: Ohne Worte – ohne Schweigen). Ein sehr schönes Buch übrigens; wenn man irgendwoher schon mal eine kleine Einführung in den Zen-Buddhismus gekriegt hat, ist das der beste nächste Schritt. (Na ja, finde ich, aber was weiß ich schon über Zen-Literatur. Von den fünf, sechs Büchern, die ich dazu gelesen habe, war es jedenfalls das hilfsreichste.)

Die Anekdote oben fällt mir bei manchen Diskussionen in Blogs oder Foren ein. Wie man sieht, befinde ich mich auf der Stufe des vierten Schülers, bin aber noch nicht weiter.

7 Gedanken zu “Vom Schweigen

  1. ke on 3.3.2010 at 22:28 sagte:

    Diesen schönen Blogeintrag mit sehr schöner Pointe sollte man schweigend genießen. D’oh! ;)

  2. Stefan on 3.3.2010 at 22:39 sagte:

    nein. ich sag nix.

  3. Nein… ich… auch nicht. *mund zuhalt* :-)

  4. Markus on 4.3.2010 at 19:25 sagte:

    Ich sage was: ich wusste, dass du was zu dem Thema in deinem Blog schreibst. ;)

    Markus

  5. :-)

  6. Pingback: Vom Schweigen. « …ein Halbtagsblog…

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Manchmal sollte man anderen das letzte Wort lassen, selbst wenn sie eine andere Meinung haben als man selber.

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