Archive nach Jahr: 2011

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Neal Stephenson, Cryptonomicon

Also gut, dann ist es öffentlich: Ich bin kein richtiger Geek. Ich bin übrigens wirklich kein richtiger Geek. (So wie ich kein richtiger Anglist oder Germanist oder Informatiker bin, kein richtiger Backgammon- oder Rollenspieler oder Filmfan, von allem ein bisschen kann, aber nichts richtig.)
Mir hat Cryptonomicon von Neal Stephenson nämlich nur mäßig gefallen.

Vielleicht bin ich mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen. Großer Hype, Kultbuch für Nerds, Internet, Kryptographie, Science-Fiction-Preise gewonnen; außerdem hatte ich mal ein anderes Buch vom gleichen Autor angelesen, das voller schräger Science-Fiction-Ideen war. Also erwartete ich schon, dass mein Hirn ordentlich durchgeschüttelt werden würde. Und genau das geschah dann nicht, und zwar auf über 1100 Seiten. Die sind es auch, die ich dem Buch vorwerfe. Es liest sich nicht unflott, aber dieselbe Geschichte hätte man in halb so viele Seiten packen können, und man liest das Buch wegen der Geschichte und nicht der gedrechselten Prosa.

Zur Geschichte: das Buch ist keine Science Fiction. Nicht in der heute üblichen Bedeutung, mit der Betonung auf dem zweiten Wort. Es ist allerdings Scíence Fiction, vorne betont, in der ursprünglichen Gernsback’schen Bedeutung: Popularisierung existierender wissenschaftlicher oder ingenieurswissenschaftlicher Konzepte. In diesem Fall sind das Betriebssysteme (ein wenig), Computer und Turingmaschine (überraschend wenig), eine Möglichkeit des Abhörens von Monitorsignalen (sehr detailliert), ein kleines bisschen Bergbau, viel Militärgeschichte und eine ordentliche, aber keinesfalls überwältigende, Menge Kryptographie.
Das Buch ist daneben ein Abenteuer- und Militärroman. Der Klappentext weist Tom Clancy, William Gibson und James Michener als Paten aus. Von Gibson merkt man kaum etwas; an Michener erinnern die Schauplätze, die überzeugende Recherche und das zumindest scheinbar Weitausholende; am wesentlichsten scheint mir der Anteil an Tom-Clancy-Flughafenlesefutter zu sein. Gehobene Flughafenlektüre, so würde ich das Buch bezeichnen.

Es gibt drei Erzählstränge, zwei davon im zweiten Weltkrieg, einen in der Gegenwart, also ganz am Ende des 20. Jahrhunderts. An bestimmten Stellen bricht der eine Erzählstrang ab und der nächste darf wieder mal, das ist gängige Erzähltradition, derer ich ein bisschen müde geworden bin. Vor Jahren habe ich entdeckt, dass solche Bücher gewinnen, wenn man tatsächlich nur einen Strang liest und über den Inhalt der anderen ebenso wenig weiß wie der Protagonist eben dieses Strangs. Oder ich würde die drei Erzählstränge lieber als zusammenhängende Texte lesen, also nicht chronologisch-abwechselnd-quasiparallel, sondern erst Buch 1 mit der einen Geschichte, dann Buch 2 und Buch 3 mit jeweils den anderen Geschichten. (Nur bei den Glass Books of the Dream Eaters bin ich auf die interessante Variante gestoßen, bei der die drei sich abwechselnden Erzählstränge – es sind gerne mal drei – zum einen in sehr langen Blöcken angeordnet sind, also fast wie Miniromane, und sich zum anderen am Ende jeweils mit einem anderen Strang überlappen. Schöner Effekt.)

Schon bald fällt beim Lesen auf, dass viele der Eigennamen aus den 1940er Jahren in der Gegenwart auch auftauchen; es handelt sich also wohl um Nachfahren. Wie genau die jeweils gleichnamigen Personen zusammenhängen, findet man erst später heraus, und das ist ein Argument, das tatsächlich für die Aufteilung in Handlungsstränge spricht. Trotzdem: die ersten 500 Seiten des Buches fühlten sich an wie Exposition. Es musste doch um irgendetwas gehen, dachte ich. Aber nein, das Buch roch wie “nach einer wahren Begebenheit” erzählt, also vermutlich sorgfältig recherchiert, aber eben ziellos. Ein Fokus war für mich erst mit dem Schatz im Silbersee da. (Karl May wird nie als Vorlage für Stephenson genannt, aber wenn nicht er direkt Pate war, dann gibt es wohl gemeinsame Quellen.)

Interessante oder aktive Frauen gibt es keine im Buch; die Hauptpersonen sind alle im Krieg oder Hacker.
Gerissen hat es mich nur einmal, nämlich dann, als eine der Personen in den 1940er Jahren auf die Insel Qwghlm (Outer Qwghlm, um genau zu sein) versetzt wird – eine Inselgruppe der britischen Inseln, im Nordwesten, mit eigener Kultur, eigener Sprache (nicht Keltisch! nicht Keltisch! wie die Leute aus Qwghlm betonen) und langer Geschichte. Bittewie? Qwghlm taucht ansonsten immer wieder mal auf.

Dafür, dass mir das Buch nur mäßig gefallen hat, sind das viele Wörter geworden. Aber ich will wenigstens einen Blogeintrag davon haben, dass ich die 1100 Seiten gelesen habe. Und wer weiß, vielleicht hinterlässt das Buch ja doch noch Spuren bei mir.

(Als Fußnote zur Recherche: “Wehrmachtnachrichtungenverbindungen” ist kein deutsches Wort, lieber Autor, liebes Lektorat.)

***

Das Buch wurde als “ultimate geek novel” (Jay Clayton, via Wikipedia) bezeichnet. Hm, ja. Da mag etwas dran sein. Und ich bin nun mal kein Geek. Ich mag Science Fiction lieber als Geek Novels. (Und werde die Finger von Stephensons Baroque Cycle lassen, allenfalls noch einmal seine Science Fiction ausprobieren.)

Bislang dachte ich, ich würde – in den Momenten, in denen ich nichts Besseres zu tun habe – die Welt der Geschichten einteilen in Pulp Fiction auf der einen und Literature (/’lɪtərətjʊə/) auf der anderen. Und ich mag beides. Asimov sagt, gute Science Fiction muss auch gute Literatur sein; ich glaube manchmal, gute SF kann keine gute Literatur sein. Aber es gibt wohl eine dritte Art von Geschichten, und bald werde ich dieses Einteilungssystem ohnehin aufgeben müssen: es gibt Beststeller-Thriller-Flughafenliteratur. Sprachlich und von der Charakterisierung her ist die nicht interessant genug, um als Literature durchzugehen; von den Ideen und der schieren Frechheit her nicht kühn genug, um Pulp oder Science Fiction zu sein.

(Gelegentlich tut Genreliteratur so, als wäre sie Literatur, und das kann gut gehen: Raymond Chandler. Gelegentlich tut die Literatur so, als wäre sie Genre, und das kann auch gut gehen: Das Foucaultsche Pendel.)

In diesem Zusammenhang sehr lesenswert der Brief “A Private Letter from Genre to Literature” von Daniel Abraham:

I saw you tonight. You were walking with your cabal from the university to the little bar across the street where the professors and graduate students fraternize. You were in the dark, plain clothes that you think of as elegant. I have always thought they made you look pale. I was at the newsstand. I think that you saw me, but pretended not to. I want to say it didn’t sting.
Please, please, darling let us stop this. This artificial separation between us is painful, it is undignified, and it fools no one. In company, we sneer at each other and make those cold, cutting remarks. And why? You laugh at me for telling the same stories again and again. I call you boring and joyless. Is it wrong, my dear, that I hope the cruel things I say of you cut as deeply as the ones you say of me?

Unbedingt den vollständigen Brief lesen (via January Magazine). Vielleicht muss ich meine Zwei- oder Dreiteilung noch einmal überdenken, der Brief macht einige gelungene Punkte. Kann man den mit Schülern lesen oder überfordert sie die Metaphorik darin?

Letzter Schultag 2011

War schön. Meine Kollegin, die Klassleiterin der Klasse, hat das Wichteln sehr gut organisiert. Mit übertrieben großem Oh und Ah wurden die Geschenke unter der verhüllenden Decke herausgezogen – aber Übertreibung ist in Ordnung, alle haben mitgemacht, den Schenker zu erraten versucht und die Geschenke zum Bestaunen herumgereicht. (Kunststück, man muss ja auch neunzig Minuten herumkriegen.) Und es waren schöne Geschenke dabei – und die unvermeidlichen quadratischen Kaugummipackungen, die die jungen Leuten jetzt so haben.
Danach gab es Musikstücke auf Gitarren und Geige und eine vorgelesene Weihnachtsgeschichte.

 

Weil ich gestern das Fotogerät dabei hatte, hier ein paar Bilder der Poster, die ich hier mal vorgestellt und auf dem DIN-A-1-Drucker endlich ausgedruckt habe:

 
Mmmmh, Poster drucken, gleich mal schauen, was als Nächstes drankommt.

Danach noch ein bisschen im Lehrerzimmer Abschied feiern, Fotos machen der halbgegessenen Semmeln und offenen Joghutpackungen, die sonst bis zur zweiten Januarwoche herumgelegen wären. Vielleicht wird daraus mal ein Poster? Das Bild mit der Zweitverwendung eines Kühlpacks veröffentliche ich lieber nicht, ich sag nur: Untersetzer für Sachen, die noch nicht lange genug im Kühlschrank waren.

Jetzt erst mal etwas Weihnachtsruhe. Frohes Fest zusammen!

(In Ermangelung eines geübten Weihnachtsstückes ein paar Takte Cripple Creek auf der Ukulele:

Noch nicht ganz sauber, aber ich bin ja auch noch Lerner, deshalb auch das große rote L an der Seite in meinem Blog. Die Tabulatur dafür gibt es übrigens hier und sie ist gar nicht so schwer.)

Letzte Schulwoche 2011, Notizen

Aus meinem spärlichen Unterricht habe ich wenig zu berichten. Der Deutschunterricht fehlt mir, da hatte ich Spielraum für Projekte, da gab es mehr vorzuzeigen. Informatik macht schon auch viel Spaß und deutlich weniger Arbeit, aber in den 9. Klassen unterrichte ich das Fach zum ersten Mal, da halte ich mich eher ans Buch. Die 10. Klasse mache ich jetzt zum vierten Mal und scheine endlich eine Reihenfolge gefunden zu haben, mit der ich zufrieden bin und die die Schüler nicht zu sehr abschreckt.

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In der letzten Woche mache ich regulär Unterricht, wenn auch nie mit allen Schülern – Konzertproben, Nachholtermine, unerklärte Abwesenheiten. Videofilme und Plätzchen und Lieder gibt es am Freitag, das reicht. Karaoke mit Youtube, denke ich.

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Weihnachten: Zwei ehemalige Schüler haben sich per Mail gemeldet und erzählen vom Studium. (Informatik beziehungsweise Filmhochschule.) Freut mich.

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Habe heute erfolgreich eine Schülerin entsetzt, die meine neue Brille des Ray-Ban-Tums zieh; ich leugnete und verwies auf eine andere, ähnlich bekannte Marke – bei der der Optiker so nett war, mir das Logo abzufeilen. Dann habe ich den Schülern das Konzept des Sponsoring erklärt: den neuen Kindle Touch gibt es für 100 Dollar mit “Special Offers & Sponsored Screensavers”, also Reklame, oder ohne Reklame für 140 Dollar. Skifahrer kriegen Geld dafür, dass Markennamen auf Ihrern Anzügen prangen. Da werde ich doch nicht kostenlos Werbung laufen für eine Marke.
(Ansonsten: Bin ich in der Midlife-Krise, weil ich im letzten halben Jahr mit Bart experimentiert und jetzt eine neue Brille habe? Ist ein Motorrad der nächste Schritt?)

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Lehrer werden mehr oder weniger bekanntlich alle vier Jahre beurteilt. Für den aktuellen Beurteilungszeitraum (2011-2014) gilt das nicht mehr nur für die verbeamteten Lehrer bis zu einer bestimmten Altersgrenze, sondern diesmal eben für alle. Eine Feedbackkultur und Personalgespräche wären deutlich sinnvoller, zumal völlig unklar ist, welche Rolle diese Beurteilungen etwa für angestellte Lehrer haben. Außerdem wurden die Notenstufe wieder mal geändert. Es sind weiterhin 7, aber die Bezeichungen sind teilweise neu:

HQ in allen Belangen von herausragender Qualität
BG erfüllt Anforderung besonders gut
UB übersteigt die Anforderungen
VE entspricht voll den Anforderungen (früher: entspricht)
HM wird Anforderungen in hohem Maße gerecht (früher: im Wesentlichen)
MA weist Mängel auf
IU insgesamt unzureichende Leistungen

Ich nehme mal an, dass die Stufe 5 attraktiver gemacht werden soll, da die jetzt schöner klingt. “Wird Anforderungen in hohem Maße gerecht” ist nämlich schlecht, weil eben nur hoch und nicht voll oder überdrüber.

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Ich hätte gerne einen internen Referatslehrplan an meiner Schule. Welches Fach in welcher Jahrgangstufe für Referate zuständig ist, und welche Kriterien wichtig sind. Am liebsten hätte ich es ja, wenn jeder Schüler ein Portfolio hätte und mir etwa in der 10. Klasse zeigen könnte, was er in den letzten Jahren alles an schönen Sachen gemacht hat. Scheitert an fehlender Kontinuität der Lehrer, fürchte ich, und am mangelnden Interesse der Schüler an solch einer Dokumentation.

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Der Unterricht in der Deutsch-Oberstufe ist sehr an den literaturgeschichtlichen Epochen orientiert ist. Sollte man da nicht in der Q11 den Schülern beibringen, wie man sich das nötige Wissen um eine Epoche selbstständig aneignet (lehrergeführt durch Klassik, Romantik, Realismus) und wie man überprüfen kann, ob man genug von einer Epoche weiß, um über sie sinnvoll reden zu können? Dann könnte man in der Q12 von den Schülern verlangen, das an neuen Epochen (Naturalismus, Expressionismus) dann auch selber zu tun. Der Lehrplan sieht das nicht vor und lässt wenig Zeit dazu, und Zeit würde das brauchen.

Specht im Winter, 2011

Specht beim Picken:

Specht von vorn:

Specht von hinten:

Fenster sind etwas Wunderbares. Wenn es die nicht gäbe, müsste ich glatt öfter hinausgehen.

Handys an Schulen

Am Anfang des Jahrtausends gab es große Sorgen um Schüler und ihre Handys und was sie damit anstellten. Angeblich gab es epidemische Gewalt an Schulen, die mit dem Handy gefilmt und ins Internet gestellt wurde. (Oder waren es pornographische Bilder, die getauscht wurden?)
Vor diesem Hintergrund sah sich die bayerische Regierung an der Reihe, Handlungsfähigkeit zu zeigen, und erließ ein Gesetz.

BayEUG 56 (5)
1 Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sind Mobilfunktelefone und sonstige digitale Speichermedien, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, auszuschalten. 2 Die unterrichtende oder die außerhalb des Unterrichts Aufsicht führende Lehrkraft kann Ausnahmen gestatten. 3 Bei Zuwiderhandlung kann ein Mobilfunktelefon oder ein sonstiges digitales Speichermedium vorübergehend einbehalten werden.

Die offizielle Begründung lautete, dass damit rechtliche Sicherheit für Lehrkräfte geschaffen werden sollte. Denn schon vorher durfte man Schülern Gegenstände, die geeignet waren, den Unterricht zu stören, oder mit denen der Unterricht gestört wurde, abnehmen, irgendwie jedenfalls. Aber galt das auch für Handys? Um das sicherzustellen, so hieß es, wurde dieses Gesetz ergänzt. In der spektakuläreren Presse und im unpräzisen Sprachgebrauch wurde daraus ein Handy-Verbot, kann man von mir aus ja sagen, solange klar ist, dass es nicht wirklich um ein solches geht.

Seit diesem Zeitpunkt dürfen unsere Schüler kein Handys mehr auf dem Schulgelände anschalten. Das wird auch einigermaßen konsequent eingehalten, da die Lehrer einigermaßen konsequent darauf achten.

Wie soll man das mit den Handys (und damit später auch mal ihren großen Brüdern, den Tablets) handhaben?

– Ich sehe drei Möglichkeiten: zum einen den Verzicht auf Handys an Schulen. Das ist der aktuelle Zustand. Man kann das störungsfreie Arbeiten als Vorteil sehen. Die NY Times brachte vor einiger Zeit einen Artikel über eine Waldorfschule im kalifornischen Silicon Valley, im Herzen der amerikanischen Computerindustrie, die ohne Computer und Handys auskommt – und das, obwohl drei Viertel der Eltern der Schüler aus der Hi-Tech-Welt kommen. (Waldorfschulen gibt es in allen Varianten, ich weiß nichts über diese konkrete Schule. Die Theorie und Philosophie der Antroposophie ist jedenfalls Unsinn, mit Atlantis und so.)

Es ist selbstverständlich, dass an staatlichen Schulen Lehrer und Schüler unterschiedliche Rechte und Pflichten haben. Deshalb habe ich gar kein Problem damit, dass Lehrer manche Dinge dürfen, die Schüler nicht dürfen. Trotzdem nehme ich beim Betreten des Schulgeländes immer meine Kopfhörer aus dem Ohr. Solange es keinen wichtigen Grund gibt für Lehrer, privat ihren MP3-Player oder ihr Handy vor Schülern zu nutzen, sollten sie darauf verzichten.

Wenn man das so möchte, muss man das auch durchsetzen. Da hilft es nichts, einen Schüler zu ermahnen und ihn zu bitten, das Handy wegzustecken. Wenn man sich nach und nach von jedem der hundert Lehrer an einer Schule ermahnen lässt, hält man das eine ganze Weile durch. Ein Vorschlag: Handy abnehmen, Besitzer notieren, an einer zentralen Stelle abgeben und abholen lassen. So kann die Schule mitzählen, wie oft bestimmte Schüler sich an die Regeln nicht halten.

– Die zweite Möglichkeit: Handys ganz freigeben, jedenfalls außerhalb des Unterrichts. Wer in der Pause lieber bei Facebook ist oder Musik hört, soll das tun. Das BayEUG erlaubt das nur sehr vielleicht. Die Aufsicht führende Lehrkraft darf das erlauben, könnte man daraus die Möglichkeit einer pauschalen Erlaubnis ableiten?
Ich will allerdings nicht, dass die Schüler vormittags bei Facebook posten oder sich von ihren Mitschülern abstöpseln. Das begründe ich hier nicht ausführlich, sondern mal extra oder auf Nachfrage.
Trotzdem: Man könnte mit der SMV verhandeln. Die sorgt dafür, dass das Schulgebäude einigermaßen sauber bleibt (wir reden nicht von Putzen, sondern davon, Müll nicht auf den Boden zu werfen), dafür gibt es Vergünstigungen – etwa die Erlaubnis, in der Mittagspause im Aufenthaltsraum oder von mir aus überall Handys und Laptops privat zu nutzen.

– Drittens: Man könnte Handys, Notebooks, digitale Speichermedien mehr im Unterricht nutzen, denn im Unterricht genutzt werden dürfen sie ja. Braucht es dazu die explizite Erlaubnis der Lehrkraft? Oder könnte ein Schüler einfach sein Handy zücken, um in Wikipedia nachzuschlagen, solange das etwas mit dem Unterricht zu tun hat und nicht stört?
Edushift beschreibt in einem Blogeintrag eine Situation aus dem Unterricht, wie Schüler ihr Notebook ganz alltäglich und sinnvoll im Unterricht nutzen. Und das könnte man sich mit dem Handy ganz ähnlich vorstellen.

Allerdings müssten die Schüler das auch wollen und man müsste das als Lehrkraft verlangen können. Entweder die Schule stellt die Geräte oder jeder Schüler bringt sein eigenes Gerät mit – in ein paar Jahren ist das vielleicht sogar machbar.
Andernfalls ist das ein tolles Werkzeug, das manche Schüler nutzen wollen und andere nicht, und das manche nutzen können und andere nicht, und auf das sich der Lehrer nicht verlassen darf. Aber vielleicht reicht das?

Dass man nicht groß kontrollieren kann, was ein Schüler mit dem Handy im Unterricht macht, ist dabei, wenn eines nicht wäre, kein großes Problem. Wenn der Schüler im Heft kritzelt, weiß ich ja auch nicht, was er da kritzelt. Das große Problem ist nur: der Schüler sollte möglichst nicht per Mikrofon das Klassenzimmergeschehen nach draußen senden…

Ich würde das Handy jedenfalls öfter im Unterricht nutzen, wenn ich wüsste, wozu.

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Weil der Kollege S. gefragt hat, wie das an meiner Schule gehandhabt wird, habe ich hier meine Gedanken zusammengetragen, in der Hoffnung auf Ergänzungen, wie das anderswo geregelt wird. Die Verwendung des Wortes “Leitmedienwechsel” ist dabei optional.

Zustandsautomaten in der 10. Klasse

Erst etwas Theorie, später gibt es etwas zu sehen.

In der 10. Klasse entwirft und programmiert man einfache Zustandsautomaten. Die sehen auf dem Papier gerne mal so aus:

Der Automat (hier ein Fahrstuhl) kann sich in verschiedenen Zuständen befinden. Er beginnt im Zustand Erdgeschoss (deshalb zeigt da ein Pfeil hin). Es gibt noch zwei weitere Zustände, Keller und 1. Stock. Der Automat kann seinen Zustand ändern, das sind die Pfeile zwischen den Zuständen. Wenn der Automat im Zustand “Erdgeschoss” ist und die Aktion “Pfeil nach oben drücken” eintritt, dann springt der Automat in den Zustand “1. Stock”.

Es geht aber auch noch komplizierter:

In diesem Automaten geht es um ein Marsmännchen, das im Zustand Mars (Nr. 4) beginnt. Je nach Aktion (j für Jupiter, p für Pluto, w für Weltall und so weiter) springt das Marsmännchen in einen neuen Zustand, wenn dieser Zustandsübergang laut Diagramm möglich ist.
Allerdings gibt es noch zwei Feinheiten:
1. Für manche Zustandsübergänge gibt es eine Bedingung, die erfüllt sein muss. Diese Bedingungen sind in rot angegeben. Das Marsmännchen hat nämlich eine gewisse Sprungkraft, am Anfang 10. Vom Mars zum Jupiter springen kann es nur, wenn (neben der auslösenden Aktion j) seine Kraft mindestens 1 beträgt, sonst wird nichts daraus.
2. Und zuletzt gibt es manchmal, in dunkelgrün angegeben, noch weitere Aktionen, die neben dem Zustandsübergang ausgelöst werden. Im Fall vom Sprung von Mars zu Jupiter steht da etwa, dass sich die Kraft um 1 verringert, beim Sprung vom Weltall (Nr. 7) zum Mars (Nr. 4) sind es sogar 5 Punkte. Manche Reisen sind allerdings umsonst. Auftanken kann man nur auf dem Mond, wenn man den erreicht, wir die Kraft wieder auf 10 gesetzt. Wenn man irgendwo auf einem Planeten festsitzt und nicht genug Kraft hat um wegzukommen, ja, dann hat man Pech gehabt.

Einfacher ist das, wenn man es ausprobiert (Java-Applet, läuft also nicht überall):

Möglich sind die Eingaben: j, p, w (für Weltall), e, n (für Neumond), m und s – aber natürlich führen nicht alle immer zu einem Zustandsübergang.

Programmiert und gezeichnet haben den Marsmännchen-Automaten (abgesehen von der Ausgabe in einem Fenster, dazu später mehr) zwei Schülerinnen aus der 10. Klasse. Entstanden sind aber auch noch andere Automaten:

Weitere Automaten:

Programmiert haben die Schüler dabei nur den Automaten, und da vor allem die Zustandsübergangsmethode. Um die grafische Ausgabe habe ich mich gekümmert, und zwar so (siehe Eintrag zu MVC):


(Das ist kein Klassendiagramm, sondern die BlueJ-Oberfläche, gibt aber einen Eindruck der Verhältnisse wieder.)

  • Das Marsmännchen (oder was auch immer) hat eine Methode aktionEmpfangen(char). Je nach empfangener Aktion, abgekürzt durch einen einzelnen Buchstaben, ändert es seinen Zustand und teilt das daraufhin der Welt mit. Das Marsmännchen erbt nämlich vom Automaten auch die Sende-Fähigkeit.
  • Das Sekretariat (das auch ein Empfänger ist) empfängt die Nachricht über den neuen Zustand und wählt, dem Zustand entsprechend, eine neue Grafik aus, die dargestellt werden soll. Das ist die einzige Klasse, in der Schüler etwas schreiben müssen: die Namen der Grafiken.
  • Die Hauptarbeit der Darstellung übernimmt das Fenster. Der Fensterboss ist nur dazu da, damit man ein- und dasselbe Programm sowohl als Applet (also in einer Webseite) wie auch als eigenes Programm ausführen kann. Das Fenster stellt Textfelder und Knöpfe zur Verfügung. Wenn ein Knopf gedrückt wird, die Information und eventuell der Inhalt des Textfelds an die Steuerung.
  • Die Steuerung wertet die Eingabe aus. Standardmäßig werden nur Eingaben angenommen, die 1 Zeichen lang sind; alles andere führt zu einer Rückmeldung, dass etwas nicht stimmt. Dieses eine Zeichen wird dann an den Automaten, also das Marsmännchen, weitergeleitet, das daraufhin eventuell seinen Zustand ändert – und immer so weiter. (Man könnte die Steuerung auch zu einem echten Übersetzer machen: dann müsste der Benutzer ganze Wörter eintippen, also etwa “Gehe zum Jupiter”, und die Steuerung würde das in ein ‘j’ übersetzen und das an den Automaten schicken.

Auf Interfaces (und Beobachtermuster) und Zustandsmodellierung mit eigenen Klassen habe ich verzichtet. Es reicht, wenn die Schüler in der 10. ein bisschen hineinschnuppern. Herunterladen kann man das BlueJ-Projekt hier (neue Version), es ist aber sehr spärlich kommentiert (auch die readme.txt lesen!), und im Fall des Fensters auch eher schlampig. GUIs interessieren mich wenig.
Wenn es nur um einfache Automaten ginge, könnte man den Schülern auch eine Benutzeroberfläche schreiben, wo sie nur ihre Bildernamen speichern und die Übergänge mit Mausklicks auswählen müssen, aber es geht ja auch darum, Programmierung zu üben.
Zustandsautomaten kann man immer mal brauchen. Aus einem Kommentar beim Kollegen embee habe den Hinweis auf die Rolle von Zustandsautomaten bei Comptuerspielen.

Wichtig war mir ansonsten auch, dass die Schüler ihr Produkt in einem kleinen Video vorstellen, auch wenn ich die nicht alle hier veröffentlichen darf.

Meine Marvel-Sammlung 1979

Wir schreiben das Jahr 1979, gegen Ende des Jahres, und ich breite meine Marvel-Sammlung vor mir aus:

Ich sehe sehr selbstzufrieden aus (“smug”). Man sagt mir nach, manchmal schaute ich heute noch so. Damals war ich 12, am Anfang der 6. Klasse, wenn die Foto-Datierung meines Vater stimmt. Die Comics sind das Ergebnis eines Jahres Sammelleidenschaft.

Links sieht man eine Reihe von Marvel-Superbänden. In diesen Bänden wurden nicht verkaufte Hefte des Verlags, jeweils drei Stück, zusammengebunden und billiger verkauft. Leute wie ich trennten die dann später mit scharfen Messern aus den Bänden heraus, um sie als Einzelhefte zu haben.
Die mittlere Reihe enthält meine Hefte der Serie Die Fantastischen Vier, rechts daneben Die Spinne und darüber die Rächer. Ganz rechts sind die amerikanischen Comics, denen ich meine Englischkenntnisse verdanke, und einige andere Hefte.

Kaum zu glauben, das waren tatsächlich alle meine Hefte. Heute sind es viele Kartons voll. Damals wie heute liebevoll in Listen erfasst.

Schon zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme nicht sehr wichtig, aber der Vollständigkeit halber angeführt, waren drei Spider-Man-Miniaturfahrzeuge und, schon wichtiger, ein Spider-Man-Jojo. An das Malbuch vorne, wenn es denn eines ist, kann ich mich gar nicht erinnern. Die stehende Plastikfigur hinten konnte man abnehmen und mit klebriger blauer Knetmasse an die Wand kleben, die hängende hatte einen Nylonfaden im Arm und konnte daran auf- und abklettern.