Thesaurus

David Crystal stellt in seinem Blog den Historical Thesaurus of the Oxford English Dictionary vor. Die Datenbasis dafür ist der Oxford English Dictionary, aber die Information ist gänzlich anders angeordnet, nämlich eben als Thesaurus.

In einem Thesaurus kann man nach Synonymen suchen. So eine Funktion ist zum Beispiel in meinem LibreOffice intergriert (und auch in Open Office und Microsoft Word). Ich habe da mal das Wort “Haus” geschrieben und markiert und dann den Thesaurus um Synonyme dazu gebeten. Der hat etwa zwanzig davon gefunden, und bietet sie mir zur Auswahl an, und zwar nach Aspekten sortiert. Meinte ich Haus unter dem Aspekt “Bau”? Dann schlägt er vor: Behausung, Bude, Eigenheim, Heim, Hütte, Bauwerk, Gebäude. Oder meinte ich Haus unter dem Aspekt “Blutsbande”, etwa wie in “Haus Habsburg”? Vorschläge: Familie, Familienbande, Geblüt, Geschlecht, Mischpoke, Sippe, Stamm.

Ein Thesaurus enthält als zentrale Begriffe also solche Apekte wie “Bau” und “Blutsbande”. Der Historical Thesaurus kennt mehr als 236.000 solcher Kategorien, die sich in Hierarchien befinden. Allein diese Einteilung der (sprachlichen – aber welche gäbe es außer ihr?) Welt in Kategorien ist schon eine spannende Sache. Das macht das Dewey Decimal Systemn für Bibliotheken, das machte 1668 John Wilkins in seinem Essay towards a Real Character and a Philosophical Language, in dem er die Grundlagen einer philosophischen Sprache zu legen versucht, indem er das Wissen um seine Welt klassifiziert, und das macht das moderne Semantische Web.

Den Historical Thesaurus kann man zumindest zur Zeit und zumindest teilweise online befragen. Am einfachsten geht das über “Synonym Search”. Man sucht nach einem Wort, etwa “rosebud”, und kriegt als Ergebnis drei Großkategorien: Animal Kingdom, Society und Plants. Um welches “rosebud” soll es gehen? Um, probieren wir mal Society aus. Dort werden mir wieder drei Bereiche angeboten, ich wähle mal den Bereich, der technisch so heißt: “03.01.04.04.02. ./ 06.06. . .” mit der Bedeutung “members of scouts/guides”. das ist die endgültige Unterkategorie mit eben dem Inhalt: “Bezeichnungen für Mitglieder der Pfadfinder.” Und da finde ich dann, chronologisch geordnet mit dem Jahr des OED-Erstbelegs:

Boy Scout, patrol leader, scoutmaster/scout-master, tenderfoot, captain, (Girl) Guide, lieutenant, sea-scout, Rosebud (1914), Brownie, Sixer, tenderpad, Wolf Cub… na ja, und noch viele Synonyme mehr.

Mäßig spannend, das Ergebnis. David Crystal beschreibt in seinem Blogeintrag, wie er den Thesaurus dazu nutzt, herauszufinden, ob “bottom” schon zu Shakespeare-Zeit die Bedeutung von “Hintern” hatte. Also nach “bottom” suchen, Überkategorie “The Body” wählen, Unterkategorie “buttocks”, und man sieht alle Synonyme von Alteneglisch bis 1968. (Ergebnis: nein, bei Shakespeare gibt es diese Bedeutung noch nicht.) Jedenfalls alle, die das OED kennt. Ich habe nach Pulp-Fiction-Vokabular gesucht, da war nicht alles drin. Und unter “sexual intercourse” ist der Erstbeleg für “(to) shtup” erst 1969? Wird schon stimmen, ich hätte auf älter geschätzt.

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Manchmal sollte man anderen das letzte Wort lassen, selbst wenn sie eine andere Meinung haben als man selber.

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