Digilern 2012, Zweiter Tag

By | 10.3.2012

Am Anfang zwei Keynotes, dann Workshops oder Gespräche. Gabi Reinmann begann mit der Bedeutung mediengestützter Wissensprozesse bei Lehrenden und deren Bedeutung für den Unterricht. Zum Schluss das Resümee, dass man unter Lehrern
(1) vor fünf Jahren noch hören konnte „Ich bin nicht im Netz“;
(2) heute hören kann „Ich bin nicht in Facebook“
(3) es interessant sein wird, was sich in weiteren fünf etabliert haben wird.

Ich mag Vorträge, habe ich wieder einmal festgestellt. Diesmal habe ich zum ersten Mal die Versuchung erfahren, während des Vortrags zu twittern. (Siehe auch das Twitter-Debakel von Bielefeld bei Telepolis.) Nachdem ich sonst kein fleißiger Twitterer bin, wird das an der Situation gelegen haben: Vortrag + Rechner + Leute um einen herum, weniger echter Mitteilungsdrang als die Freude am heimlichen Weiterreichen von Zettelchen, einfach weil man es kann. Unhöflich oder nicht? Stört es die eigene Konzentration auf den Vortrag oder nicht? Ist auf der Re:publica sicher etwas anderes als auf einem Lehrerkongress, aber tendenziell wohl ja und wahrscheinlich. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Achim Lebert (der Schulleiter des Gymnasiums Ottobrunn) stellte in seinem Vortrag am Beispiel von Ottobrunn vor, wie man eine Schule verändern kann, welche Vorbilder es dafür gibt und auf welche Schwierigkeiten man gefasst sein muss. Der Tenor: ein Lehrer muss in seiner Klasse anfangen, dann mehrere in einer Klasse, dann mehrere in einer Jahrgangsstufe. Und man braucht eine Vision, ein Ziel, ein Konzept, wo man hin will. Auch dann sind die Schwierigkeiten groß, es wird nicht alles klappen, kann sich am Schluss aber lohnen.

Voraussetzung: mehr Freiheit, als das Kultusministerium Schulen lässt. Als Modusschule nutzt Ottobrunn etwa die Gelegenheit, nur 3 Schulaufgaben statt 4 im Jahr zu schreiben. Die Schüler – Ottobrunn führt regelmäßig Befragungen durch – mögen das. Andere Besonderheiten in Ottobrunn, in bestimmten Jahrgangsstufen: Klassenleiterstunden in 5/6, Doppelstundenprinzip, Portfolioarbeit, 3 Lerntage pro Jahr. Und Laptops in den 8. Klassen, die sich als geeignet herausgestellt haben, dem pubertären Durchhänger in dieser Jahrgangsstufe entgegen zu wirken.

Von all dem könnte man lernen. Ottobrunn hat selber gelernt von der New Line Learning Academy in Maidstone, Kent, England. Ein Ausgangspunkt dieser Schule: die Schule muss ein Ort zum Wohlfühlen sein, muss schön und einladend sein. Und zwar ganz konkret in der Architektur und Gestaltung. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Auflösung des Klassenzimmers als Lernort. Stattdessen gibt es einen zentralen großen Raum, die learning plaza. Dort arbeiten verschiedene Gruppen gleichzeitig (Foto, das leider nur einen Teil darstellt.)

Von einer Freundin weiß ich, dass in Diedorf bei Augsburg gerade ein neues Gymnasium gebaut wird, und zwar nach einem ähnlichen Konzept. (Zeitungsbericht, mehr auf die Schnelle nicht gefunden.) Pro Jahrgangsstufe gibt es einen großen Gemeinschaftsraum, davon abgehend kleinere Räume, falls man sich doch mal zurückziehen möchte. Aber auch die sind ganz ohne Türen, stattdessen offen. Unterstützung beim Neu- und Umbau bietet das Projekt LernLandSchaft („gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“). Einen Eindruck gewinnt man bei einer Google-Bildersuche nach „Lernlandschaften“.

Auch für das zukünftige Gymnasium in Diedorf gibt es eine Schule als Vorbild, diesmal in Deutschland. Ich habe vergessen, welche das war, werde das hier ergänzen, sobald ich nachgefragt habe.

— Das alles hat mit Laptops wenig zu tun, sondern damit, Schulen gewinnend und einladend zu gestalten, und mit mehr Selbstständigkeit und Freiheit für Schüler. Und dabei möchte ich Laptops als Hilfe sehen. Das eigene Laptop ist Werkzeugkasten und tragbare Bibliothek in einem, wenn das nur als Schreibwerkzeug und individuelle Tafel genutzt wird („macht jetzt alle diese Aufgabe in Moodle/Geogebra“), dann ist das Vergeudung.

(Danach Plaudern mit Herrn Holze und Kubiwahn/tommdidomm und anderen. Am Tag davor Karl Kirst. Literatenmelu verpasst, hoffentlich heute. Ivo Schwalbe noch nicht gesehen, nur gehört. Heute mache ich es aber nicht so lange, hbae Kopfschmerzen. Drei Tage Kongress sind schon anstrengend. Falls sich wer Sorgen macht: es fallen bei mir nur zwei Stunden Oberstufe aus, die Heimarbeit gekriegt haben, und ich gehe auch am Samstag auf die Fortbildung, so there.)

9 thoughts on “Digilern 2012, Zweiter Tag

  1. Thomas Kuban

    Das Projekt „LernLandSchaft“ steht Besuchergruppen auch offen. Ich war vor einigen Wochen dort im Rahmen einer Konrektorenfortbildung. Man kann, wenn ich mich recht entsinne, auch das Gebäude dort vor Ort für Seminare buchen. Wir standen damals mit offenen Mündern da und haben es uns angeschaut. Karin Doberer ist dazu eine witzige und spannende Referentin.

  2. kecks

    …ich find‘ das wunderbar. Laborschule Bielefeld meets Bayerisches Gymnasium. Erstaunlich. Aber toll!

  3. Hokey

    In Oettingen macht man ja gerade Ähnliches! Finde ich toll, ich wünschte mir so etwas auch für meine Schule.

  4. Pingback: kubiwahn » 2 Tage #digilern

  5. Ivo

    „noch nicht gesehen, nur gehört“: Bei der Vorstellung, oder? Ich saß beim Vortrag vom SL aus Ottobrunn hinter dir. Ich bin schüchtern. Meinen großen Auftritt hatte ich erst heute, als es an die Bekanntgabe der Gewinner der Laptops ging :)

  6. Herr Rau Post author

    Ja, Ivo, bei der Vorstellung, habe aber kein Gesicht dazu erwischt. (Apropos: Thomas, dein Gesicht kenne ich natürlich vom Gravatar, das war’s.)

    Glückwunsch zum Gewinn. Ich habe mich, erschöpft und mit nur mäßig schlechtem Gewissen, nach dem Mittagessen verdrückt. Schüchtern bin ich auch. Hier im Blog schwinge ich große Reden klar, aber in Gruppen gehe ich immer davon aus, dass alle viel Wichtigeres und Interessanteres zu sagen haben als ich.

    Zugegeben, in manchen Gruppen ändert sich das nach ein paar Wochen des Kennenlernens.

  7. Pingback: Digilern in Ottobrunn | Herr Holze

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