Was mache ich denn so nach der Schule?

Fragte heute ein Kollege in gegebenem Zusammenhang, und so ganz unrecht hat er mit der Frage nicht. Es ist schon so, dass ich im Lauf der Jahre immer irgendwelche Jobs gemacht habe, manche ein Jahr lang, manche fünf Jahre, und gerade auf einen Anruf wegen einer neuen kleinen Aufgabe warte. Ich war in einer Arbeitsgruppe, die sich mit VERA befasst hat, war beteiligt am Englisch-Jahrgangsstufentest, war in einem Moodleteam, und zur Zeit bin ich mit 1/3 meiner Stunden an der LMU als eine Schnittstelle zwischen Schule und Universität.

Dabei macht mir das Unterrichten Spaß. Aber andere Sachen reizen mich auch, vermutlich, weil ich neugierig bin und mich einen Tick unterbeschäftigt fühle. (Darf man das so öffentlich sagen?) Kurzfristig habe ich auch sogar über eine Doktorarbeit nachgedacht, Didaktik der Informatik, bin im Moment aber wieder davon abgekommen – so unterbeschäftigt bin ich dann auch wieder nicht. Für die Karriere bringt das alles übrigens nichts*, aber man fühlt sich etwas unabhängiger und kriegt interessante Einblicke in Zusammenhänge und sieht, wie andere Schulen arbeiten. Wenn ich davon ausgehe, dass ich noch fünfundzwanzig Jahre Deutsch, Englisch und Informatik in den Klassen 5 bis 12 unterrichte, brauche ich zwischendrin soviel Abwechslung, wie ich kriegen kann.

Also, gestern nachmittag war ich jedenfalls Zweitprüfer bei einer mündlichen Staatsexamensprüfung an der TU München. Die aktuellen Lehrer kennen das ja noch aus ihren Studientagen; aber nach der neuen modularisierten Lehramtsprüfungsordnung – nach der die neuen Studenten schon ihr Studium beginnen, die ersten zu Prüfenden dürften in zwei, drei Semestern soweit sein – gibt es dann nur noch schriftliche Prüfungen. Je Fach zwei fachwissenschaftliche Klausuren und eine zur Fachdidaktik (drei Stunden). Mündliche Prüfungen (und damit Lehrer-Zweitprüfer) gibt es im Fachstudium dann gar keine mehr; nach dem erziehungswissenschaftlichen Bereich habe ich mich allerdings nicht erkundigt.
Danach habe ich zwei Stunden mit einem meiner Gegenstücke an der TU geplaudert, einem dort teilabgeordneten Lehrer. Man will ja auch Kontakt halten. Lief sehr nett.
Heute stehen Gedanken über einen geplanten Fortbildungstag an, und noch eine letzte Redaktion des Textes zu einem Flyers über das Lerhamts-Informatikstudium an der LMU.

Zählt mein Basteln an Inform 7? In einem mittelkühnen Experiment soll eine Studentengruppe ein kleines Projekt dazu mit Schülern durchführen. Gestern kam mein erstes seriöses Buch zum Thema an, Creating Interactive Fiction with Inform 7 von Aaron A. Reed, so richtig in einem seriösen akademischen Verlag erschienen. Außerdem will ich das bei der nächsten Fortbildungsgelegenheit als ein Thema anbieten. Bei den Zehntklässlern kommt es gut an, ich weiß nur noch nicht, ob genug Informatik drin steckt.

Ansonsten mache ich dann noch Zweitkorrektur in Deutsch und Informatik (dort aber nur ein Schüler); habe Exen herumliegen und eine Klausur, und für eine erkrankte Kollegin habe ich die Schreibarbeit einer Deutsch-Schulaufgabenkorrektur übernommen.

*Ich würde ja auch karriererförderliche Jobs annehmen, aber davon gibt es nicht viele, und wenige, die mich reizen oder für die ich, ehrlich gesagt, so richtig geeignet bin.


Zum Schluss noch ein Webfundstück aus Twitter: Schottische Neunjährige bloggt über das unzureichende Schulkantinenessen, bis der zuständige Gemeinderat Änderungen zugesteht. Fünf Einträge reichen. Power of the Web? Instrumentalisierung von Kindern? Druck der Öffentlichkeit? Mir gefällt’s jedenfalls.

Lesenswert auch Gedanken zu werbefinanzierten Webauftritten, allen voran beim sozialen Netzwerk Facebook. Der Tenor: Die Preise, die Facebook für Werbung pro Person gezahlt bekommt, sinken kontinuierlich. Werbung wird immer weniger wert. Ein Plus macht man, solange der Preisverlust ausgeglichen wird durch stetig wachsende Mitgliederzahlen.

5 Gedanken zu “Was mache ich denn so nach der Schule?

  1. Bernhard on 23.5.2012 at 19:05 sagte:

    Hallo, Thomas,
    den Blog der Neunjährigen habe ich auch vorhin angeschaut. Ähm – Deine Meinung als Fachmann? Mir klingt das ein bißchen zu gut geschrieben, als dass sie’s allein gemacht hat…
    Aber meine Kinderkompetenz hab ich irgendwann Mitte der Achtziger verloren…
    Im Übrigen erscheint mir der Zeitverlauf ein bißchen komisch. Zwei Tage gebloggt, dann kommt die Schulkommission und danach gibt’s auch gleich besseres Essen.
    Aber vielleicht habe ich das auch zu schlampig gelesen, hab ja nur mal kurz drübergeschaut..
    Grüße, Bernhard.

  2. Kleine Ergänzung: Mündliche Prüfungen gibt es im Staatsexamen nach neuer LPO (2008) nur noch für die Fremdsprachen (Sprachbeherrschung+Landeskunde); in den Erziehungswissenschaften fallen sie auch weg, da gibt es nur einen schriftlichen Teil im Hauptgebiet (müssten drei Stunden sein) und die übrigen Leistungen werden bereits im Studium abgeprüft.

  3. Bei dem Kantinenblog haben sicher Erwachsene geholfen, in welchem Ausmaß, kann ich selber schwer schätzen, Bernhard. Ich kenne jedenfalls aus Bayern Fälle, in denen junge Schüler tatsächlich eher sock puppets für ihre Eltern waren. Ob Eltern oder Schüler: ich warte ja schon darauf, dass auch bei uns mal richtig aus der Schule geplaudert wird.

    Danke für die Ergänzung, RuNDohneu. Stimmt, die Prüfungen im Sprachenzentrum hatte ich ganz vergessen, die gab es bei mir (in Augsburg) auch schon.

  4. > Gestern kam mein erstes seriöses Buch zum Thema an, Creating
    > Interactive Fiction with Inform 7 von Aaron A. Reed, so richtig in
    > einem seriösen akademischen Verlag erschienen.

    Das klingt spannend. Können wir mit einer Rezension des Buches in naher Zukunft rechnen? Lohnt sich die Anschaffung auf den ersten Blick?

  5. Auf den ersten Blick gut, ob das Buch aber mehr bringt als die Inform-Doku oder das Inform-Handbook, das will ich noch nicht sagen. Es ist halt ein Buch und kriegt deshalb schon mal Bonuspunkte. In einzelnen Kapitel wird nach und nach ein Spiel entwickelt (den Quellcode gibt es jeweils hier, eine Rezension da). Aber das Buch bringt mich auf weitere Bücher, erzähltheoretische eher als programmtechnische (und schon gar nicht informatische).

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