Grenzen der Kompetenzorientierung

Ich lese regelmäßig, dass alles Wissen, das man in Schulen beibringt, ja eh schon im Internet steht. Selbst wenn das vielleicht noch nicht ganz stimmt, dann stimmt es vermutlich bald. Nahegelegt wird mit diesem Satz, dass Schulen nur oder vor allem Wissen beibringen. Das ist sicher nicht so, obwohl man über das Verhältnis Wissen-Kompetenzen streiten kann. Nahegelegt wird außerdem, dass man Wissen nicht braucht, wenn man es eh leicht nachschlagen kann. Das stimmt so sicher auch nicht.

Die Webseite cracked.com lädt regelmäßig Leser dazu ein, zu bestimmten Themen witzige Fotomontagen einzuschicken. Hier ist zum Beispiel eine Reihe zu “13 emails that shed new light on famous scandals.”

http://www.cracked.com/photoplasty_487_13-emails-that-shed-new-light-famous-scandals/

Zugegeben, manche Einträge sind nur mäßig witzig. Gar nicht witzig sind sie, wenn man nicht weiß, worauf sie sich beziehen. Wenn ich zu wenig Ahnung von Daten der Zeitgeschichte und Geschichte habe, kapiere ich die Witze nicht. Ich kapiere auch tatsächlich nicht alle. Da hilft es mir gar nicht, dass diese Informationen online zu finden sind.

Mit jemandem, der nicht über ähnliches Wissen verfügt wie ich, kann ich keine Witze austauschen. Oder Geschichten. Obwohl: das stimmt so nicht ganz; der andere hat ja vielleicht einen ganz anderen Hintergrund und kann mir aus diesem heraus ganz andere Geschichten erzählen. Aber dazu muss er einmal welche kennen.

– Tatsächlich ist meine Schulart, so wie ich sie erlebe, noch zu sehr wissens- und zu wenig kompetenzorientiert. So will es der Lehrplan. Wir bringen den Schülern in der Oberstufe literarische Epochen bei, eine nach der anderen, aber wir bringen ihnen nicht bei, wie sie selber Antworten finden können auf Fragen wie: Wie finde ich die charakteristischen Merkmale einer literarischen Epoche heraus? Wie kann ich sie von anderen Epochen unterscheiden, wie hängt sie mit den Nachbarepochen zusammen? Wie hilft mir das Wissen, ein Werk dieser Epoche verstehen und für mich erschließen zu können? Das kostet Zeit.

36 Gedanken zu “Grenzen der Kompetenzorientierung

  1. DJH on 9.12.2012 at 12:45 sagte:

    Ich vergleiche das gern mit dem Programmieren: Ich muss nicht jeden Befehl, jeden existierenden Funktionsaufruf auswendig wissen, das kann man normalerweise ja auch gar nicht; dafür gibt es dann (hoffentlich) API-Dokumentationen, in denen man das schnell nachlesen kann. Aber wenn ich nicht weiß, wie die Programmiersprache an sich aufgebaut ist, welche Konzepte und Konstrukte dahinter stecken, habe ich keine Chance.

    Was für mich da noch eine große Rolle spielt, ist die Vermittlung des Wissens. Der Lehrer steht ja nicht vorne und liest einen Wikipedia-Artikel nach dem anderen vor (hoffentlich!). Ein Lexikon, ein Film, ein „Medium“ kann mir immer nur das vermitteln, was redaktionell ausgewählt wurde. Ein Mensch macht das zwar erstmal auch, aber man kann sofort Rückfragen stellen, auf interessante Details eingehen oder einfach Verständnisfragen klären. – Leider nutzt man dieses Angebot als Schüler fast zu wenig, ich hab das selbst auch erst am Ende der Schulzeit schätzen gelernt.

  2. Thomas Kuban on 9.12.2012 at 12:54 sagte:

    Ich stimme dir zu, bis auf den Schluss, aber da mag die Realschule sich unterscheiden vom Gymnasium. Denn meine Fragen richten sich weniger auf die Merkmale einer Epoche, sondern auf die Frage, wie Literatur Ausdruck von Menschen sein kann, die sich als Zeitgenossen betrachten. Epochen unterscheiden zu können ist für mich noch keine Kompetenz. Aber das mit den Kompetenzen habe ich noch nie so richtig verstanden.

  3. Irgendetwas zu können ist immer eine Kompetenz, aber es gibt sicher wichtigere und unwichtigere Kompetenzen. Ich denke, man hat eine Epoche erst dann begriffen, wenn man weiß, dass andere Epochen die jeweiligen Themen anders gesehen haben.
    – So oder so geht es mir aber darum, dass es eigentlich wichtig wäre zu lernen, wie man sich über solche Dinge selbst einen Überblick beschafft. Dazu braucht man auch Methoden zu überprüfen, ob man etwas begriffen hat. (Gegenbeispiele nennen, Grenzfälle erkennen und diskutieren können.) Das ist aber gar nicht Inhalt des Lehrplans.

    Ja, bei allem Internet ist ein Experte, den man fragen kann, immer noch eine gute Idee. Und beim Programmieren: Ich kann ja gerade nur so viel PHP, um an meinen Templates ein bisschen copy&paste zu machen ohne sie dabei zu zerstören. Mein erster Versuch, Strings zu konkatenieren, schlug fehl; immerhin wusste ich, dass das Konkatenieren hieß und dass es dafür einen Operator geben musste, und dann habe ich ihn auch schnell ergoogelt. (Ein Punkt? Ernsthaft?)

  4. Beelzebub Bruck on 9.12.2012 at 16:59 sagte:

    Vielleicht wäre es hilfreich zu unterscheiden zwischen “kompetent sein in” (Allgemeinbildung?) und “kompetent sein zu” (Wissenschaftsorientierung, Studierfähigkeit).

  5. Sintaura on 9.12.2012 at 22:12 sagte:

    Ich sage gerne “Wissen heisst wissen wo’s steht.” Auf unsere Zeit übertragen heisst das; selbst wenn irgendwo im Internet Antworten stehen, man muss “gutes Wissen” heutzutage von “unnützem” unterscheiden können, was gar nicht immer so einfach ist. Man muss Texte schnell erfassen können und den Inhalt grob einordnen. Man muss das “Geschriebene” in Relation zum Verfasser setzen, erst dann erhält man eine Wertigkeit. Das alles kann und soll eine Schule vermitteln und ich denke das tat sie schon zu meiner Zeit vor 25 Jahren und tut sie auch noch heute.

  6. Ich genieße meinen Ruhestand. Denn komptenzorientierten Unterricht könnte ich – ehemaliger Geschichtsausbilder – niemandem mehr beibringen. Beunruhigend ist, dass auch aktive Kollegen fragen, wie man nach dem hessischen Kerncurriculum Geschichte unterrichte. Meinen Eindruck vom Curriculum habe ich im Weblog “Basedow1764″ aufgeschrieben.

    Als ich Rat bei Andreas Gruschka, Verstehen lehren. Ein Plädoyer für guten Unterricht,einem Reclam-Bändchen, suchte,bekam ich die mich beruhigende Gewissheit, dass ich nicht der einzige bin, der befürchtet, dass mit der Kompetenzorientierung die Fehler von Mengenlehre und Transformationsgrammatik wiederholt werden.

  7. KommentARTroll on 10.12.2012 at 22:16 sagte:

    Diese Fragestellung ist in der Tat eine der spannendsten im Zusammenhang mit der Bildungsdebatte.

    Wie gehen wir mit der Tatsache um, dass sich das Wissen der Welt exponentiell vermehrt?
    Wie gehen wir damit um, dass sich gleichzeitig die Gültigkeit dieses Wissens, oft ebenso schnell relativiert?
    Was ist noch wichtig zu wissen?
    Wie setzen wir dieses Wissen jeweils zueinander in Bezug?

    Gelungene Bildung scheint mir in diesem Zusammenhang dann, nicht nur die einzelnen Fakten aufzählen zu können, was leider am einfachsten zu benoten ist, sondern diese vermeintlichen “Fakten” in einem grösseren Zusammenhang verorten zu können und daraus ein plausibles temporäres Weltbild generieren zu können.

    Deshalb ist für mich die reine Faktensammlung wenig zielführend. Wenn wir bei der Kompetenz als Sachverstandsdefinition bleiben, dann gehört unabdingbar die Fähigkeit, sich Fakten zusammenzusuchen und in Relation zum Umfeld zu bewerten, zusammen.

  8. Ja, Sintaura, Quellen finden und beurteilen gehört auch dazu. Macht man eher zu wenig in der Schule, denke ich. Ist in den Geisteswissenschaften und Sprachen möglich; in Mathe und Physik vielleicht schwieriger – da gibt es zwar auch genug Quellen mit Sinn und Unsinn drin, aber in der Schule geht es eher um, ja, Formeln und Rechnen.

  9. Ich bin eher ein Freund der Kompetenzorientierung, Basedow1764, so wie ich sie verstehe, und wenn sie zusammen mit Wissen das Ziel ist. Unsäglich ist das Wort natürlich deshalb, weil es mir als billiges Schlagwort vom Kultusministerium um die Ohren geschlagen wird – allerdings ist Bayern da zurückhaltender als andere Länder. Trotzdem reicht es nicht, das Wort fallen zu lassen; man muss auch schauen, ob es zum Lehrplan passt.

  10. Lernen wir für die Schule oder lernen wir für das Leben? Hilft “Rechnen zu können” wirklich beim Umgang mit Geld? Und was ist dabei die Aufgabe der Schule?

  11. Verena on 11.12.2012 at 14:34 sagte:

    Ich mag an der Kompetenzorientierung nur das Wort nicht – und die Kleingeisterei in der Umsetzung. Wir haben neulich ungefähr 30 Methodenkompetenzpäckchen auf den Deutschlehrplan verteilt – eher willkürlich, würde ich mal sagen. “Orientierung” stelle ich mir im Wegweiserstil vor, also so knapp und allgemein-verständlich wie möglich: Lesen – Schreiben – Sprechen – Zuhören – Verstehen – Handeln – Gestalten, das wär’s dann eigentlich. Und ob ich die Kompetenz “Lesen” an einem historischen Quellentext, einem ZEIT-Artikel oder einem Bibeltext weiterentwickle, ist dann nicht so wichtig wie die Frage, welche Inhalte welchen Schüler am ehesten motivieren, sich anzustrengen. Wir, naja, die meisten jedenfalls, bemühen uns nur dann wirklich darum eine neue Kompetenz erwerben, sprich etwas zu lernen, wenn wir ein eigenen Ziel damit verfolgen, weil das ja doch auch immer Durststrecken, Frustrationen, Misserfolge dabei gibt. Beim Gehen lernen war das noch einfach! Für Schüler ist das Ziel inzwischen weitgehend, eine gute Note zu bekommen. Das ist allerdings auf Dauer kein wirklich motivierendes Ziel.

  12. Tommdidomm on 11.12.2012 at 14:44 sagte:

    Beim letzten muss ich auch noch mal einhaken. Der Gedanke, dass jede Kompetenz so eingeführt werden muss, dass man sie evaluieren kann, in einem Test abprüfbar machen kann. Vieles aber aus dem Deutschunterricht kann ich aber durch standardisierte Tests nicht abfragen: den mündliche Bereich zb, der doch eine große Rolle spielt, Textverständnis in einem Bereich Jenseits der Inhaltszusammenfassung, Einfühlungsvermögen in literarische Figuren und Beziehungskonstellationen.
    Und ohne das landen wir doch eben immer noch bei den Exen, die nach den Epochenstunden zwangsläufig bei vielen folgen. Alternativ Diktate zum Fehelrzählen.

    Wie bedeutsam das ist, was man in der Schule lernt, ist ja leider eine alte Diskussion. Ich mene, man sollte immer mehr wissen als man braucht, logisch, aber, selbst bei meine. Fächern, bin ich nicht immer überzeugt,ob das jetzt alles wirklich so wichtig ist.

  13. Wir lernen fürs Leben und nicht für die Schule, aber bei dieser Frage sind sich eh alle einig; konkret muss man fragen, was man in der Schule fürs Leben lernen soll. Mir dejavüt es gerade mächtig; vielleicht habe ich das schon mal in einem Kommentar hier geschrieben: Man soll lernen, was man braucht um a) ein glückliches Leben zu führen. So weit das einem einzelnen möglich ist; zumindest laut Annie Hall von Woody Allen sind dumme Menschen glücklicher – aber wenn man klugen Menschen nichts beibringt, werden sie dadurch ja nicht dumm, also müssen sie lernen, mit ihrer Benachteiligung zu leben. — Allerdings kann man auch als Soziopath oder krasser Egoist glücklich sein; deshalb reicht Glücklichsein als Ziel nicht. Schüler müssen auch b) Werte vermittelt bekommen (wie die legitimiert sind: andere, interessante Frage) und die Möglichkeit, als Mitglied einer Gemeinschaft diese voranzubringen und zu gestalten.

    Hochgestochen, ich weiß, aber ich fange gerne mit den Prämissen an. Dann kommt die nächste Ebene: Things You Really Need to Learn von Stephen Downes. Und darunter kommen dann die Fächer, die dazu beitragen oder die Wissen vermitteln. Da gibt es sicher etwas zu verbessern.

    Ich glaube schon, dass “Rechnen können” beim Umgang mit Geld hilft. Abschätzen und vorausschauen natürlich auch.

    Was dabei die Aufgabe der Schule, was die der Eltern, was die der Gesellschaft und was die des Individuums ist: andere, interessante Frage. It takes a village to raise a child.

    Was ich übrigens gar nicht glaube, ist dass das Kind dieser Bildung nicht bedarf, dass es von allein zu dem wird, was es im besten Fall werden kann.

  14. Verena erwähnt es ja: Schüler lernen durchaus vorrangig für die Schule bzw. um eine gute Note zu bekommen. Die Frage lautet ja außerhalb der Schule bisweilen nicht oder viel zu spät: Und was hast Du gelernt? sondern: Welche Note hast Du erzielt?

    Ich erinnere aus meiner Schulzeit (und ich kann als kinderloser Nichtpädagoge letztlich nur davon sprechen) noch gut, dass sich mir – insbsondere in den ungeliebten Fächern – nicht erschloss, WOZU ich bestimmte Dinge lerne: Vektorrechnung z.B. Es gab bei aller Theorie selten einen Hinweis auf praktische Anwendung im Alltag. Wobei ich unter “praktische Anwendung im Alltag” auch Gebiete verstehe, die später vielleicht nicht jeder beherrschen will oder muss, z.B. Wertpapiergeschäft oder Bauplanung. Man sieht, ich weiß immer noch nicht, wohin Vektorrechnung im Leben eigentlich führt ;)

  15. Verena on 11.12.2012 at 21:50 sagte:

    Das ist eine schöne Liste von Herrn Downes (aus Moncton, New Brunswick.. oh, Canada .-)!) Schade, dass in unseren Curricula dafür kein Platz ist! Ich tät’ Faust, Prozess und sogar Kleist dafür opfern, oder jedenfalls würde ich die dann gerne nur mit DEN Schülern besprechen, die sich vorstellen können, dass Kleistlektüre eventuell dazu beitragen könnte, kreativ zu sein? gesund zu leben ( in dem Fall dann eher als Negativ-Beispiel)? Sinnstiftendes finden? Jede Kompetenz, die sie dann nämlich erwerben, wenn sie von mir aus nur einem Kleistsatz verstehen, ist dann eben ein eher zufälliges Nebenprodukt auf dem Weg zu ihrem Ziel – und das muss nicht immer so explizit ausgesprochen sein, wie Seminarleiter das gern hätten, aber doch zumindest Ergebnis eines individuellen Entscheidungsprozesses (Kleist oder eine andere Novelle, Entscheidung aufgrund des ersten/letztes Satzes, Titel – Kleist oder Heine oder E.T.A. Hoffmann…)

  16. Beelzebub Bruck on 11.12.2012 at 22:56 sagte:

    Da muss ich mal wieder so recht den Teufel spielen: Warum soll es schlecht sein für gute Noten zu lernen? Die Erwachsenen, für deren Lebensentwürfe man ja lernt, bevor man einen eigenen entdeckt, haben schließlich ein System errichtet, das gute Noten zum Beispiel für ein Pharmazie- oder Medizinstudium voraussetzt (Es gibt auch andere Wege zum Ziel, ja, und wer ein Abitur mit 0,9 hinlegt, muss noch lange kein guter Arzt werden, geschenkt…). Wer also seine Schulzeit und seine Notenergebnisse als Zuweisung von Chancen oder Optionen versteht und deshalb für gute Noten, vielleicht sogar in allen Fächern, lernt, ist zwar nicht glücklicher, aber er hat mehr Auswahlmöglichkeiten seine Lebensperspektive zu finden. Diese Wahlfreiheit ist doch ein recht hoher Wert, ein Stipendium infolge guter Noten ist immerhin ein (meist eher bescheidener) Sachwert, die Anerkennung der sozialen Umwelt erhöht den Selbstwert…
    Geht’s also nicht auch ein wenig weniger pathetisch?

    Das mit dem individuellen Glück ist auch so eine Sache: Kleist, Lessing, Mozart und Co., waren die glücklich? Nach den heutzutage gültigen Glücksmaßstäben wohl eher nicht.

    Außerdem sind Schüler, Eltern und Lehrer nicht die einzigen, die mittels Bildung ein Interesse verfolgen. Hat nicht auch die Gesellschaft als Ganzes ein berechtigtes Interesse daran, dass es einen gewissen Prozentsatz an zukünftigen Mitgliedern dieser Gesellschaft gibt, die etwas von Vektorrechnung verstehen? (Dies auch gerade, weil es mir damit genauso geht wie D.)Wie soll die Gesellschaft ermitteln, wer die zukünftigen Vektorexperten sein werden?

  17. Tommdidomm on 11.12.2012 at 23:09 sagte:

    Weniger Pathos sicher, aber brauchen wir für deine “gute-Noten-Stipendium-Schule” eigentlich noch Lehrer?

  18. Weniger Pathos geht eigentlich nicht, ich hab mich eh schon zurückgehalten. Aber wer legitimieren will, muss ganz oben anfangen. Wie das in der Praxis dann aussieht: geschenkt, aber gute Noten können nicht Ziel der Schule sein, allenfalls Ziel der Schüler.

    Und selbst das ist in den Jahrgangsstufen 5-10 weniger der Fall, als man meint. Ja, davor und in 11/12, da geht es um Noten. Aber in Unter- und Mittelstufe? Noten sind Schülern sehr wichtig, aber sie lernen nicht wegen der Noten, sondern wegen der Bestätigung durch sie. Und lernen ist hier ohnehin das falsche Wort: Schüler lernen erste einmal, weil der Mensch nicht anders kann als lernen. Schule muss dafür sorgen, dass Schüler das Richtige lernen. Vermutlich geht es eher um: arbeiten. Und dafür braucht es tatsächlich Druck von außen. Aber ich glaube nicht, dass der bei den meisten Schülern in 5-10 über die Noten kommt. Vielleicht gehe ich dabei aber noch zu sehr von meiner eigenen Schulzeit aus.

    Die Vektorrechung braucht man übrigens, wenn man 3D-Spiele jeglicher Art programmieren will. Und wir brauchen die tatsächlich, deswegen schreibe ich oben von der “Möglichkeit, als Mitglied einer Gemeinschaft diese voranzubringen und zu gestalten” – dazu brauchen wir auch Ingenieure.

  19. Beelzebub Bruck on 12.12.2012 at 22:17 sagte:

    Wenn man ehemalige Schüler Jahre nach dem Abitur fragt, worauf es denn ihnen seinerzeit angekommen sein könnte, wird man häufig überrascht, sobald man den üblichen Anekdoten-Müll hintangelassen hat, was tatsächlich prägend, wichtig oder sogar entscheidend für später war. Oft ist das so gar nicht das, was wir als so wichtig angesehen haben. Vielleicht sollte man diese Stellungnahmen sammeln, nicht zum eigenen Unterricht, sondern ausschließlich zu dem der Kollegen, schon wegen der Objektivierung.
    Das entbindet uns zwar nicht von der Aufgabe darüber nachzudenken, was Schule vermitteln soll, relativiert aber unsere Antworten auf diese Frage.

    Nach zwölfeinhalb Jahren Schulweghelfer aus der Elternperspektive denke ich schon, dass Noten eine größere Rolle spielen, als wir das als zumeist selbst recht erfolgreiche ehemalige Gymnasiasten wahrhaben wollen. Vielleicht sollten sich mal Kollegen zu Wort melden, deren Kinder weniger glücklich am Gymnasium waren.

  20. KommentARTroll on 13.12.2012 at 0:16 sagte:

    [Gekürzt, weil endlang und ohne Quellenangabe mit copy&paste eingefügt. Hier das Original zum Nachlesen: Leseprobe aus Ursula Leppert, Ich hab eine Eins! Und du? Frau Leppert war Gymnasiallehrerin und ist jetzt im BEV aktiv.]

    100. Nur beim BelzeBruck, dem Gerechten, ist die schöne alte Notenwelt noch in Ordnung! Lobet den Herrn! Amen, Amen! Denn er hat die Notenhölle erschaffen um die Doofen zu strafen und den Frontalunterricht, um die Arme der Streber zu straffen. Halleluja! Gelobt sei der Herr Lehrer Bruck und seine objektive Gerechtigkeit im bayerischen Bildungsbeamtenverordnungshimmel.

  21. Verena on 13.12.2012 at 9:09 sagte:

    @beelzebub: Meine Tochter studiert Medizin mit Studienstiftungsstipendium, mein ältester Sohn ist am Abi gescheitert (auch wegen der Vektorrechnung :-)), meine beiden Jüngsten halten sich prima im Mittelfeld. So gesehen kenne ich die Chancenverteilung über die Noten aus vielerlei Perspektiven. Auch unter den besten Umständen, mit den zugewandtesten Lehrern und genialsten Erklärern, wäre mein Sohn sicher kein Ingenieur geworden. Aber dass die gnadenlose 0-Punkte-Welle plus spitze Bemerkungen und unnötige Demütigungen (wenn er, obwohl er seine Unvermögen in f(x) eingestanden und die 0 Punkte klaglos akzeptiert hatte, an der Tafel vorrechnen musste! In der 12. Klasse, in einem kirchlichen Gymnasium!) dazu beigetragen hat, ihm doch nachhaltig Selbstvertrauen und Lebensmut zu nehmen, finde ich doch sehr traurig.

  22. KommentARTroll on 13.12.2012 at 17:54 sagte:

    Schulnoten lügen!….

    sagt der Link. (Vielen Dank übrigens dafür, ich wusste nicht dass es die Thesen als Link gibt und hätte bestimmt im nächsten Kommentar die Autorin genannt!) ;-)

    Dann nur zwei Thesen daraus:
    16. Mädchen werden besser bewertet als Jungen.

    17. Kinder aus sozial benachteiligten Schichten werden schlechter bewertet als Kinder aus der Oberschicht. Diese kommen bei gleicher Intelligenz leichter aufs Gymnasium. In Sachsen ist die Chance für ein Oberschichtkind fast dreimal so groß, in Bayern fast siebenmal. Inzwischen haben sich die Übertrittsquoten verbessert.

  23. KommentARTroll on 14.12.2012 at 0:54 sagte:

    “Diese Wahlfreiheit ist doch ein recht hoher Wert, ein Stipendium infolge guter Noten ist immerhin ein (meist eher bescheidener) Sachwert, die Anerkennung der sozialen Umwelt erhöht den Selbstwert…
    Geht’s also nicht auch ein wenig weniger pathetisch?” (Zitat BelzeBruck, s.o.)

    Kleine naive Nachfrage dazu: Da ja Bayern so stolz ist, auf sein angeblich so schweres Abitur und hier sowenig Abiturienten erfolgreich sind wie nirgend wo, und deshalb die Abiturienten aus anderen Ländern bessere Chancen auf einen mit NC belegten Studienplatz oder ein Stipendium haben, welchen Wert hat dann das bayerische Abitur? Gebüffelt für die unterste Etage in der Müllerschen Ekelbreznbackstube?
    Geht’s also nicht auch noch wesentlich weniger pathetisch?

  24. Charlotte on 14.12.2012 at 11:59 sagte:

    “Wie finde ich die charakteristischen Merkmale einer literarischen Epoche heraus? Wie kann ich sie von anderen Epochen unterscheiden, wie hängt sie mit den Nachbarepochen zusammen? Wie hilft mir das Wissen, ein Werk dieser Epoche verstehen und für mich erschließen zu können?”

    Vielleicht sollten wir einmal unsere Nachdenk-Kompetenz anstrengen und uns fragen, wie sinnvoll es ist, die Unterscheidungsmerkmale von “Epochen” aufsagen zu können, bevor man weiß (und lesend erfahren hat), was die charakteristischen Merkmale einzelner Schriftsteller sind.

    Epochenüberblicke, das sind doch Sammlungen von Halbwahrheiten und Klischees, geschrieben von Leuten, die von Literatur nichts verstehen.

    Zum Beispiel das hier:

    “Mit der Ablösung der höfischen Dichter folgte auch eine Ablösung der höfischen Dichtung. An ihre Stelle trat eine Literatur, welche die Ideen der Aufklärung vertrat: Vernunft, Humanität und Nützlichkeit. Die aufklärerischen Ideale wurden auf sämtliche literarische Gattungen übertragen.” (http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/18/773.html)

    Ganz falsch ist das nicht, aber man merkt trotzdem, daß der Autor dieser Zeilen nichts begriffen hat. Ich kann mir vorstellen, was ein intelligenter Schüler damit anfängt! Sicher verteilt auch Herr Rau gute Noten, wenn man die Kompetenz hat, mit abstrakten Begriffen zu hantieren. “Vernunft, Humanität, Nützlichkeit”. Ja, so war das damals, nicht wahr? In allen literarischen Gattungen. Und dann sollte man unbedingt noch Kants schönen Spruch anbringen: “Aufklärung ist der Ausgang…” usw. Damit wäre das geklärt. Weiter zur nächsten Epoche!

  25. Ich weiß ja nicht, wen Sie mit “wir” meinen, Charlotte, aber ich strenge meine Nachdenk-Kompetenz ziemlich viel an. Einem Vorschlag mehr nachzudenken stehe ich prinzipiell aufgeschlossen gegenüber, solange er nicht nahelegt, dass ich noch nei darüber nachgedacht habe.

    Ich kenne nicht einmal alle Leute, die Epochenüberblicke schreiben, da halte ich es schon für möglich, dass einer davon wenigstens ein bisschen von Literatur versteht und sich nur sehr ungeschickt ausdrückt in diesen Überblicken. Kann den besten von uns passieren, nicht wahr.

    Um meinen Gedankengang zu wiederholen: Literaturgeschichte steht im Lehrplan. Epochen stehen im Lehrplan. Problematisierung des Epochenbegriffs (gerade im 18. Jahrhundert) steht im Lehrplan – zumindest im alten; ich müsste nachschauen, ob das immer noch so ist. Schüler sollen das lernen. Sollen die Lehrer das den Schülern vorkauen oder sollten Schüler das sich selbst herauszusuchen in die Lage versetzt werden? Trauen Sie Letzteres Schülern nicht zu, so dass wir bei Ersterem bleiben sollen? Da ist vielleicht etwas dran. Wollen Sie den Epochenbegriff ganz abschaffen? “Schüler, verbrennt eure Lehrpläne!” Kann man auch darüber reden, aber darum ging es nicht.

    Und wofür ich gute Noten gebe oder nicht, das… macht es noch Sinn, weiter zu reden, wenn Sie das eh schon wissen?

  26. Beelzebub Bruck on 14.12.2012 at 19:41 sagte:

    @verena
    Die Demütigung bestand doch anscheinend nicht in der Note, sondern zunächst in einem Zwangsauftritt an der Tafel. Derartige Alpträume habe ich auch selbst erlebt, auch in Mathematik. Ein paar Jahre habe ich mir auch die triumphalen Selbstbeweihräucherungen der erfolgreichen 1,x-Abiturienten angesehen und mir scheint, dass beides zusammengehört. Das eine ist nicht nur einfach die Folge des anderen, sie gehören untrennbar zusammen und verstärken einander wechselseitig. Noten wurden schon in meiner Schulzeit für wichtig gehalten, mittlerweile scheint sich ihre Bedeutung umgekehrt proportional zur tatsächlichen Bildung der Schüler zu steigern.
    Mir ging es nicht um die Verteidigung der Noten (Achtung KommentarTROPF: Ironiealarm!), sondern um einen Versuch die Notenfixierung der meisten Schüler und Eltern einfach mal ernst zu nehmen. Ich habe es tagtäglich mit Schülern zu tun, die zu allererst fragen, “Wozu muss ich das lernen?” und dann bei einer gut begründeten Antwort erklären “Das brauch’ ich nicht, weil ich Ingenieurin/Computerprogrammiererin/Pfarrerin werden nöchte.” Die überwiegende Mehrheit der Schüler scheint also einen rein instrumentellen Bildungsbegriff zu haben. Dagegen hab ich erst einmal nix, besser diese Vorstellung als gar keine, das gibt’s ja auch. Wenn’s nur bei dieser Art von Realschul-Halbbildung bleibt, ist das schon schade, aber leider nicht zu ändern. Zumindest als Zielvorstellung müsste am Gymnasium etwas anderes her, altmodisch: Bildungsvorrat. Der schließt nicht nur Kompetenzen ein, sondern etwa auch Faktenwissen oder Theorien. Die Fähigkeit ein schönes Bild zu malen oder auf einem Instrument ein Musikstück zu interpretieren wäre ein weiterer Bereich. Das alles passt mir nicht zum technokratischen Kompetenzbegriff: “Der van Gok war echt voll kompetent ey, wie der die Sonnenblumen gemalt hat.” Mir scheint, dass dieser Kompetenzbegriff in Wirklichkeit nur die Tatsache verschleiern soll, dass man das Gymnasium den überwiegend instrumentellen Bildungsvorstellungen der Wähler und ihres Nachwuchses anpassen will. Blöd nur, dass Bildung nicht einfach eine Frage von Mehrheiten ist.

    Mit dem Bewertungssystemen anderer Länder, darunter auch Kanada, hatte ich auch schon Berührungspunkte. Dort scheint mir das keineswegs besser gelöst. In den meisten angelsächsischen Ländern entscheidet nicht die Schule, sondern was danach kommt über die Lebensperspektive. Was danach kommt, bestimmt dann der Geldbeutel der Eltern, auch in Kanada. Ganz abgesehen davon, dass das Schulsystem dort alle Anzeichen des Alltagsrassismus trägt (andere Geschichte).

  27. Lieber Beelzebub, ich bin ganz einig mit Ihnen gegen einen instrumentellen Bildungsbegriff. Wer kann denn schon sicher sein, dass die Vektorrechnung nicht doch hinterrücks zuschlägt… Ich glaube bloß, dass dann eben auch die persönliche Relevanz da ist, die als Motor nötig ist, um sich länger und eingehender mit einer Sache auseinanderzusetzen. Deshalb ist mehr davon für mich ein hohes, aber oft schwierig zu verwirklichendes Ziel beim Unterrichten, Und ja, Herr Rau, ich bin fürs Lehrplanverbrennen! Wir Lehrer sollten ein hübsches Feuerchen damit anzünden, uns gemütlich darum zusammensetzen und uns überlegen, was denn mal jeweils so gerade Sinn für wen macht und wie wir Schüler dabei begleiten können, dass für sich selbst herauszufinden.
    – Kanada ist groß und es gibt so alles Mögliche dort – ich habe Montreal in 3 Jahren dort als äußerst liberal erlebt und das Schulsystem bis auf den anglo-francophon Spleen als sehr schülerfrundlich.

  28. KommentARTroll on 15.12.2012 at 2:01 sagte:

    Ich freue mich immer, wenn ich der Phrasendreschmaschie von Belzebruck im Hochbetrieb zusehen darf.
    “Ganztagsschulen sind lediglich das Hobby einer elitären Doppelverdienergruppe, die keinen Bock haben, ihre Kinder selbst zu erziehen” (Sinngemäss war’s so, oder so ähnlich.)
    Und nun noch: “Die überwiegend instrumentellen Bildungsvorstellungen der Wähler und ihres Nachwuchses …” WoW!
    Vielleicht ist das ja so am Erich-Hohnecker-Gymnasium Bogenhausen so (Ironiekeule swingback), aber sonst kenn ich das nicht. Zumindest nicht so platt.
    Würde der bayerische Lehrer seine Notenkompetenz etwas selbstkritischer gegenüberstehen und während der Mittelstufe deren Gültigkeit komplett in Frage stellen und sich während dieser pubertär belasteten Zeit, vielleicht in einem Anflug von vernunftbegabter Auflehnung, gegen den Irrsinn des bayerischen Aussortiersystems aussprechen, dann würde vielleicht diese “instrumentelle Bildungsvorstellung” durch eine kulturelle ersetzt werden können.
    Verlegen Sie sich doch einfach darauf, einen Unterricht zu machen, der die Schüler begeistert, dann kommt der Rest fast ganz von allein. Ich sehe es nicht als Aufgabe der Schule, Schüler auszusortieren, sondern diesen ein Angebot zu machen. Wenn das gut gemacht ist, dann nehmen das erstaunlich viele an.
    Hab Vertrauen, BelzeBruck, nach der Pubertät sind erstaunlich viel dafür aufgeschlossen, wenn wir nicht zuviel Notendruck während dieser Phase aufbauen.

    Was würde Goethe seinen Werther twittern lassen?

  29. Thomas Kuban on 15.12.2012 at 8:55 sagte:

    Öhm, wie phrasenhaft ist es denn, wenn man von “dem bayerischen Lehrer” spricht oder dem “bayerischen Irrsinn…”? Dies zeugt doch meiner Meinung nach von einem nicht sehr weitreichenden Einblick in die schulische Realität. Egal, in welchem Bundesland.
    Und damit wäre auch alles gesagt.

  30. Lehrplanverbrennung, Verena: Im Prinzip gerne. Ich halte es für offensichtlich, dass jeder in seinem eigenen Tempo am besten lernt, und bestimmte Inhalte zu bestimmter Zeit. (Und dass nicht jeder alles lernen kann, und dass die Gesellschaft ein Interesse daran und Recht darauf hat, dass bestimmte Dinge gelernt werden. Manche Inhalte möchte ich also auf jeden Fall beibehalten.)

    Die schulpolitische Frage, wie man das im Bildungssystem erreicht, kann ich nicht beantworten. Dass Bayern noch am wenigsten nach Revolution im Bildungswesen drängt, sollte allerdings verständlich sein.

    Für Tipps, wie ich das wähenddessen in meiner Schule inzwischen umsetze, bin ich dankbar. Relevanz erzeugen, Gelegenheit zur Selbstständigkeit schaffen: das ist als Ziel selbstverständlich. In der Praxis hinkt man immer hinterher, aber bei mir wird das von Jahr zu Jahr eher besser als schlechter, glaube ich.

  31. KommentARTroll on 16.12.2012 at 21:48 sagte:

    Tja, erwischt. Selbstverständlich kann man (auch ich genannt) nicht vom “bayerischen Lehrer” schlechthin sprechen. Es hätte differenzierter “bayerischer Gymnasiallehrer” heissen müssen, denn in die -reale- und -haupt-” Schulsituation habe ich tatsächlich wenig Einblick.

    Die traurige -gymnasiale- Realität, auf die sich mein Statement bezieht, ist mir leider bestens vertraut.

    Vom “bayerischen Irrsinn” kann jedoch in dieser Hinsicht ohne Zweifel gesprochen werden, denn wenn in München die gymnasiale Schülerinnenausfallrate 40% beträgt und gleichzeitig der gymnasiale Obervereinsdirektor klagt, dass in der Provinz über 50% der Realschülerinnen eine Gymnasialempfehlung hätten und dort deshalb “Hochbegabtenklassen” eingerichtet worden wären und man diese Schüler wieder gerne und dringend in die bayerische gymnasiale Realität zurück bringen müsste, dann weiss man und auch ich nicht, wo der reale Irrsinn beginnt und wo er endet.

    Gibt es denn mittlerweile für diese aussortierten ca. 40% Schülerinnen, die dann u.a. auch an die Realschulen kommen, ein Standardprocedere, das hilft, diese dort unkompliziert zu integrieren?

  32. Thomas Kuban on 16.12.2012 at 22:43 sagte:

    Das mit der 50% Gym-Eignung habe ich auch gehört, neulich aus dem Mund eines Realschul-Ober-Menschen. Und herzhaft gelacht, wie alle, denen ich das erzählt habe. Diese Zahl ist einfach falsch und ich weiß nicht, wer sie erfunden hat.
    Und diese Talentklassen haben nicht wir eingeführt, sondern die sind irgendeinem schlauen Kopf in München (=KM) eingefallen. Die Idee Klassen mit besonders “klugen Kindern” zusammenzufassen und sie dann in der Realschule eine Stufe überspringen zu lassen, ist irgendwie sehr seltsam, denn, äh, die “klugen Kinder” gehen aufs Gymnasium, warum sollten sie bei uns besonders beschult werden?
    Und ja, die Kinder, die vom Gym zu uns wechseln, haben bei uns Probleme, weil die Lehrpläne eben nicht so passgenau sind, wie man das gern hätte und weil bei uns andere Ansprüche und Erwartungen vorherrschen. Und weil es Unruhe bringt, wenn in halbjährlichem Abstand neue Kinder in die Klassen kommen. Allerdings sind diese Zahlen weit von den 40% entfernt, die oben erwähnt werden.
    Aber seltsamerweise habe ich, da du davon sprichst, in der letzten Woche ein Gespräch mit den Konrektoren der ortsansässigen Mittelschule und Gym geführt, wo eine engere Zusammenarbeit begonnen werden sollte.
    Sicher ist aber die Situation bei uns in der “Provinz” alles etwas anders.

  33. KommentARTroll on 18.12.2012 at 0:44 sagte:

    Schlurf, Quietsch (Archivtüre beim Aufziehen), Regal 1, A-I (wie Imageverlust), Schab (Ordnerherausziehgeräusch),
    Klapp, Raschel.
    Finger gleitet leise über Papier, Murmel:

    Rundbrief des Genossen Landesvorsitzenden der BayDV vom 13.03.12

    Themen: Unterrichtsausfall, gemeinsames Abitur, “G 8,5″, Imageverlust des Gymnasiums, Hauptversammlung 2012

    BlaBla…

    und dann so fast gegen Ende:

    “So haben in Niederbayern 53 % aller Schülerinnen und Schüler an den Realschulen die Eignung für das Gymnasium. In der nördlichen Oberpfalz, in Westmittelfranken und in anderen peripheren Räumen ist es nicht anders. Und auch in Städten wie Deggendorf oder Regensburg zeigt sich die Tendenz, dass Kinder an die Realschulen gehen, obwohl sie gymnasiale Eignung haben. Mit der Folge, dass Realschulen zunehmend „Talentklassen“ und „Hochbegabtenklassen“ bilden, während wir über eine weitere Förderung schwächerer Schülerinnen und Schüler nachdenken müssen. Es ist nicht erste Aufgabe der Realschulen, diese Kinder an die Gymnasien zu schicken, es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass wir diese Kinder wieder zu uns zurückholen.”

    Mit kollegialen Grüßen
    Ihr Karl-Heinz B.

    Soweit meine Informationen zum Thema Irrsinn und Realität im Bayerischen Bildungssystem.

    Die 40% gymnasialer Ausschuss stehen im Münchner Bildungsbericht, sagt Frau Leppert, wenn man dem obigen Link folgt.

    Zum Schluss die Frage: Wer hat’s erfunden? Und nein, nicht alle kommen zu euch, in München haben die Realschulen dafür kaum Kapazitäten. Der Spruch, du hast höchstens Hauptschulniveau, ist im Münchner Raum regelmässig zu hören, gerne auch in der Steigerungsform, 2/3 dieser Klasse gehören auf die Hauptschule und von den 40% landet vermutlich auch ein beachtlicher Teil, zumindest derer die in der Pubertät aussortiert werden, erst einmal auch dort. Mangels anderer Alternativen.

    Wieso ist das so? Weil eine Institution zwar seit mehr als 100 Jahren mit dem Phänomen Pubertät konfrontiert ist, in diese Zeit jedoch nicht gelernt hat, damit adäquat umzugehen. Für eine Organisation deren Ziel es sein soll, den Schülern “lebenslanges Lernen” zu lehren beizubringen, trotz diverser relevanter Erkenntnisse zu diesem Thema, eine traurige Bilanz.

    Herzhaft gelacht? Falsch gedacht!
    Falls in eurem Eckchen der Provinz die Welt noch in Ordnung sein sollte, dann Gratulation dazu.
    Falls ihr jedoch einfach noch immer mit der rosaroten Brille der Bildungsnaivität dort herum lauft, dann weiterhin eine rosarote Zukunft mit den rosaroten Bildungselefanten und den lustigen rosarot uniformierten Äffchen der Mittelstufe, die brav im Bänkchen sitzen und fein die rosaroten (Stinke?)Fingerchen in die Höhe recken.

    Eine Schule, die nur Fehler zählt und kaum bis keine Anerkennung vergibt, die produziert Ausschuss und wer wie in München mit 40% Ausschuss, kein Problem bei sich sieht, erst heute wieder in einer Disziplinarsitzung erlebt und Lehrer dafür bestraft, dass sie angeblich zu gute Noten vergeben, der scheint mir weder pädagogisch, noch didaktisch, noch menschlich auf dem richtigen Weg.

  34. >Falls in eurem Eckchen der Provinz die Welt noch in Ordnung sein sollte, dann Gratulation dazu.

    Danke.

  35. Thomas Kuban on 18.12.2012 at 16:12 sagte:

    dito.

  36. KommentARTroll on 18.12.2012 at 21:24 sagte:

    Bitte gerne.

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Manchmal sollte man anderen das letzte Wort lassen, selbst wenn sie eine andere Meinung haben als man selber.

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