Hauptschulbesuch, Elternsprechabend, Social-Media-Leitfaden für Schule

Am Mittwoch war ich in einer Hauptschule zu Besuch; der Schulleiter war so nett, mich ein bisschen herumzuführen. Eine Lehrerin dort lässt mich beim nächsten Mal zuschauen, dann darf ich vielleicht sogar selber mal eine Stunde halten. Und sie besucht dann mich einmal.

Warum? Weil mir der Stundenplan Zeit dafür lässt und weil ich noch nie an einer Hauptschule war. (Gelegentlich höre ich Erzählungen einer Schwägerin von mir, die Hauptschullehrerin ist.) Wenn ich für ein mehrgliedriges Schulsystem bin, dann sollte ich wenigstens mal eine Hauptschule von innen gesehen haben. Ich werde hoffentlich später mal mehr berichten, jetzt nur ganz kurz: Die Atmosphäre dort war anders als in meiner Schule. Mehr Platz, mehr Einzeltische; die Gänge sauber, alles ruhig; die Schüler waren durchweg offen und freundlich und schienen selbstständig zu arbeiten. Vor der Tür fingen Fünftklässler ein Gespräch mit mir an.

Am Gymnasium kann man es sich vielleicht leichter machen: Alle in ein enges Klassenzimmer stecken, von Stunde zu Stunde hetzen und Aufmerksamkeiten unter auch noch so ungünstigen Bedingungen einfordern.

Fußnote: Was wird eigentlich aus den Schülern, die meine Schule vor dem Abitur verlassen? Sollte man da nicht von der Schulleitung her jeweils ein halbes Jahr danach hinterhertelefonieren um zu fragen, ob die Entscheidung im Rückblick die richtige war?

— Danach hatte ich Nachmittagsunterricht, und danach wiederum war Elternsprechabend, mit anschließendem Beisammensein auf Einladung des Elternbeirats. Das ist Tradition an meiner Schule. Wie jedes Mal war nicht viel los, aber es waren doch einige Eltern da; und gelernt habe ich auch etwas.

Via einem Tweet von ixsi bin ich auf folgenden Leitfaden für Niedersachsener Behörden gestoßen: “Umgang mit webbasierten sozialen Medien (Social Media).” Der gilt demnach auch für Niedersachsener Schulen. Wenn man als Bediensteter einer Behörde (also nicht: privat) so einen Social-Media-Dienst nutzt, gilt:

  • Datenschutz beachten
  • Empfehlung: unter Pseudonym anmelden
  • Wenn ich’s richtig verstanden habe: die Teilnahme an einem Fachforum sollte von der Organisationsleitung der Behörde freigegeben werden
  • “Bedienstete dürfen im privaten Bereich mit ihrem Namen und ihrem Bild an Social-Media-Angeboten teilnehmen, sollten aber berücksichtigen, dass dies ihre beruflichen Verwendungsmöglichkeiten im Landesdienst einschränken kann” (Beispiel Sicherheitsbehörden)

Dienstrechtlich muss man sich halten an die Verschwiegenheitspflicht; die Pflicht zu achtungs- und vertrauenswürdigem Verhalten, und an Mäßigung bei politischer Tätigkeit. Wenn die Behörde selbst an Social-Media-Aktivitäten teilnimmt, sind von ihr auch viele Dinge zu beachten, AGBs und Social-Media-Netiquette etwa:

Allgemeinverständliche, kurze Texte verwenden!
Auf dienstlichen Charakter hinweisen!
Sachlich und korrekt, nicht verletzend formulieren!
Formulierungen adressatengerecht, aber in amtlicher deutscher Rechtschreibung!
Nicht abgestimmte Auffassungen als solche kennzeichnen!
Quellen, Urheber angeben!

Nach dem ersten Schrecken: Wie, wa will irgendwer irgendwem etwas vorschreiben? klingt der Text dann doch einigermaßen vernünftig.

3 Gedanken zu “Hauptschulbesuch, Elternsprechabend, Social-Media-Leitfaden für Schule

  1. Lois on 5.12.2012 at 22:34 sagte:

    Mir ist auch schon aufgefallen, dass die Hauptschulen, die ich besucht habe, eine andere Atmosphäre haben als ein Gymnasium. Die Schulen und die Lehrer bemühen sich offensichtlich, den Kindern einen Lebensraum zu bieten, Beziehungen zu schaffen, zu motivieren und zu fördern. Jeder Einzelne zählt. Eine Hauptschullehrerin hat mir erzählt, dass ihre Schüler oft und gerne länger bleiben, im Klassenzimmer aufräumen oder verschönern, anstatt sofort nach dem Unterricht nach Hause zu gehen. Anders als die Gymnasien, die ich kenne. Das sind eher Paukanstalten alten Stils, man kommt zum Frontalunterricht wie zur Vorlesung und geht mit Hausaufgaben bis zum Abwinken. Es gibt keinen Grund, länger als nötig zu bleiben. Es findet keine Identifikation mit der Schule statt und deshalb gibt es auch keinen Grund, das Gebäude oder die Menschen darin pfleglich zu behandeln. Eigentlich tun mir unsere Gymnasiasten leid. Viel haben sie nicht von ihrer Jugend. Ich frage mich, ob das der Grund ist, warum der Alkoholkonsum unter Jugendlichen so zugenommen hat. Wahrscheinlich würde ich bei dem Stress und Arbeitspensum auch das Komasaufen probieren.

  2. Ganz so schlimm ist es auch wieder nicht, denke ich. Der regelmäßige Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist seit Jahren rückläufig; auch die Zahl der Jugendlichen, die sich ins Krankenhaus trinken, sinkt – bei den 18- bis 15-Jährigen allerdings nicht, und ist auf hohem Niveau. http://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressemitteilungen/2012-01/pm-drogenaffinitaet.html

    Und wenn man den Wahlunterricht an meiner Schule anschaut: Da gibt es viele Schüler, die den freiwillig wahrnehmen. Ob das immer gut ist, kann man diskutieren; aber die Schüler fliehen die Schule nicht alle.

    Trotzdem sollten wir uns etwas abschauen. Vielleicht brauchen die Schüler an Hauptschulen diese Atmosphäre mehr; und das Gymnasium kommt eher ohne aus – so dass dafür auch keine Ressourcen genutzt werden. Schön und förderlich wäre es natürlich trotzdem, diese Atmosphäre zu haben. So richtig eigene Klassenzimmer für jede Klasse oder für jede Lehrkraft würden schon viel bewirken.

  3. Julius on 18.12.2012 at 23:06 sagte:

    @lois: wer hindert dich denn daran, Beziehungen zu den Schülern aufzubauen? Keiner! Ich kann dieses permanente Schlechtreden des Gymnasiums und der darin Lehrenden und Lernenden nicht mehr ertragen!

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