Archive nach Jahr: 2013

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Theodor Herzl, Altneuland

Amerikanische Science Fiction des golden age und klassische Utopien oder Dystopien beschreiben beide neue Welten. Und in beiden Fällen ist es oft ein Außenseiter aus unserer eigenen Zeit oder Kultur, der in diese neue Welt kommt und sie für uns erklärt bekommt und für uns beschreibt. In Gullivers Reisen trifft der englische Reisende gleich auf mehrere solche Welten; in Schöne neue Welt ist es der der in einem Reservat aufgewachsene Wilde, dem die Welt gezeigt wird. In Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887 von Edward Bellamy kriegt ein Amerikaner des Jahres 1887 die USA des Jahres 2000 gezeigt.
In diesen Fällen ist der Held eher passiv und spielt keine große Rolle in der neuen Welt, anders bei der Science Fiction in Pulp-Tradition: Den Amerikaner John Carter verschlägt es in Edgar Rice Burroughs’ Geschichten auf den Mars, wo er eine Prinzessin heiratet und Politik macht und Schlachten gewinnt; in Die Sternenkönige von Edmond Hamilton landet der Held aus unserer Zeit 200.000 Jahre in der Zukunft und gewinnt futuristische Sternenschlachten (und eine Prinzessin, ja). Ein Unikum ist Mark Twains A Connecticut Yankee at King Arthur’s Court, wo ein Held aus unserer Zeit in eine fremde Zeit und Kultur gerät, dort alles aufmischt und aufpeppt, nur um am Ende doch zu scheitern.

Altneuland von Theodor Herzl gehört eindeutig in die erste Kategorie. Es gibt ähnlich wie in Bellamys Rückblick (das Herzl selber in seinem Buch nennt) wenig nennenswerte Handlung, stattdessen geht es darum, dass die schöne neue Welt einem Menschen unserer Welt vorgestellt wird. Und das kommt so:

Im Jahr 1902 – dem Erscheinungsjahr des Buches – hat der jüdische Wiener Intellektuelle Friedrich Löwenberg mehr oder weniger mit dem Leben abgeschlossen. Die angehimmelte Frau heiratet einen anderen, keine Aussicht auf Karriere, kein Fortkommen in der österreichischen jüdischen Gesellschaft, bei den Nichtjuden ohnehin nicht, ein Freund ist im Ausland gestorben, einer hat sich umgebracht – so dass Löwenberg auf die Zeitungsannonce des exzentrischen amerikanischen Millionärs Kingscourt antwortet. Stellt sich heraus, der Menschenfeind Kingscourt sucht einen “gebildeten und verzweifelten” Reisebegleiter, der mit ihm ins selbstgewählte komfortable Südseeexil geht, um dort für die absehbare Zukunft fernab der Menschheit zu leben.

(Kingscourt, der ursprünglich Königshoff hieß – preußischer Adel, nach Amerika ausgewandert – berlinert immer noch konsequent. “Eine Aktiengesellschaft ist ‘n Jefäß, da kann man Jutes und Schlechtes hineintun.”)

Vor Anbruch der Fahrt gibt Löwenberg das ganze Geld, das er von Kingscourt erhalten hat, einer in ärmlichsten Verhältnissen lebenden jüdischen Familie, die er kurz zuvor kennengelernt hat. Der Sohn, David Littwak, verspricht, diese Gabe nie zu vergessen.
Dann beginnen Löwenberg und Kingscourt ihre Reise. Auf dem Weg machen sie in Jaffa an der östlichen Mittelmeerküste Halt und schauen sich ein wenig in Palästina um – heruntergekommen, arm, dünn besiedelt, so gar nicht das gelobte Land seiner Väter, zu dem Löwenberg aber ohnehin keine Beziehung hat.
Ende des ersten Kapitels.

Beginn des zweiten Kapitels: Nach zwanzig Jahren – wir sind inzwischen im Jahr 1923 – haben Kingscourt und Löwenberg für eine Weile genug von der Südseeeinsamkeit und wollen sich wieder einmal die Welt anschauen, zumindest kurz. Sie nehmen die gleiche Strecke zurück, und an den Häfen und auf See fällt ihnen bereits auf, dass sich Handelsrouten und anderes geändert haben müssen, dass da ein neuer Spieler im Mittelmeerraum unterwegs ist. Wer das ist, dass stellt sich dann in der Hafenstadt Haifa heraus: aus dem Ort ist plötzlich eine moderne, prachtvolle Großstadt geworden. Gleich am Hafen laufen sie – was für ein Zufall – jenem David Littwak in die Arme, dessen Familie Löwenberg damals in Wien mit seinem Geld unterstützt hatte. Littwak ist ein erfolgreicher und prominenter Bürger in dem neuen Land, dass da in Palästina entstanden ist: Juden aus aller Welt sind hierher emigriert, um eine neue, internationale, sozialistische, erfolgreiche Gesellschaft zu gründen.
Littwaks Eltern und seine Schwester sind auch hier, und den Rest des Romans über führt David seine Gäste zuerst in diesem Land herum und zeigt dessen Aufbau und Funktionsweise und erklärt danach, wie es überhaupt dazu kam, dass sich in den vergangenen zwanzig Jahren diese Gesellschaft an diesem Ort etablieren konnte.
Viel Handlung gibt es darüber hinaus nicht: Es gibt einen Wahlkampf zweier Parteien und die Wahl eines Präsidenten; der als Menschenfeind ohnehin nicht sehr überzeugende Kingscourt wird von einem Baby becirct und beschließt zu bleiben; Löwenberg trifft auf unliebsame alte Bekannte aus Wien und heiratet zuletzt Mirjam, Davids Schwester (und bleibt natürlich auch).

Der Großteil des Romans besteht aus einer Führung durch die neue Gesellschaft, die auf dem Gebiet Palästinas entstanden ist, und detaillierten Ausführungen über deren Entstehen. Gedacht ist das natürlich für den Leser von 1902: Da strebte die politische Bewegung des Zionismus (Wikipedia) danach, die weltweit verstreuten Juden zusammenzuführen – vielleicht in Südamerika oder Ostafrika, und vor allem eben in Palästina. Dass es tatsächlich dazu kommen würde, war keineswegs selbstverständlich oder unumstritten. Herzls Roman mit dem vorangestellten Motto: “Wenn ihr wollt, ist es kein Traum” ist eine Vision, wie dieser Judenstaat – so der Titel einer früheren Schrift Herzls – aussehen könnte, und eine teilweise sehr detaillierte Anleitung, wie man ihn entstehen lassen könnte. Es ist spannend, diese Vision mit der späteren Entwicklung zu vergleichen und spannend, das Buch als Zukunftsvision von 1902 zu lesen. (Allein als Roman betrachtet ist das Buch sehr langweilig.)

Bei der so genannten “Neuen Gesellschaft” in Palästina handelt es sich nicht um einen eigenen Staat; das Gebiet gehört immer noch zum osmanischen Reich und ist von der Gesellschaft (zuerst eine Aktiengesellschaft, später eine Genossenschaft) nur gepachtet. Man spricht Deutsch und andere europäische Sprachen; Hebräisch als Verkehrssprache gibt es nicht. Die Klagemauer als letzter Rest des zerstörten zweiten Jerusalemer Tempels spielt keine Rolle; inzwischen ist ein dritter Tempel gebaut.
Zur Neuen Gesellschaft kann gehören, wer will, ohne Berücksichtigung von Religion oder Herkunft – Juden, Araber, Christen sind gleichermaßen willkommen. Es ist auch nicht so, dass alle Einwohner der Region zu dieser Gesellschaft gehören; der Beitritt ist freiwillig. Wer zu ihr gehört, muss dann aber letztlich Mitglied einer großen Genossenschaft werden; privaten Grundbesitz als solchen gibt es nicht, man least alles nur auf längere Zeit von der Gesellschaft.
Zeitungen sind zum Großteil genossenschaftlich organisiert, Fabriken und Landwirtschaft ebenso. Große Warenhäuser haben die meisten kleinen Läden abgelöst. Detailliert wird die Logistik beschrieben, sowohl des Aufbaus dieser Gesellschaft (wie viel Geld in welcher Art Aktiengesellschaft am Anfang zu Verfügung stehen, wann der Wandel zur Genossenschaft stattfindet, welche Art Waren in welcher Reihenfolge importiert beziehungsweise selbst produziert werden) als auch deren aktuelle Wirkungsweise. Das ging etwas über meinen Kopf hinweg, echte Wirtschafts-Science-Fiction.

Verkehrsmittel von 1923 sind zum Beispiel elektrische Schwebebahnen. (Oft – so auch hier – betont Herzl, dass diese Techniken grundsätzlich bereits Ende des 19. Jahrhunderts zur Verfügung standen. Beim Aufbau des Landes habe man halt gleich die fortschrittlichste vorhandene Technologie benutzt, statt veraltete Technik zu benutzen.) Der Straßenverkehr ist wesentlich ruhiger als noch 1902, eben weil es keine Kutschen mit Hufgetrappel und Peitschengeknalle mehr gibt, sondern nur noch sanft dahin rollende Automobile. Ein motorgetriebener Reisebus, in dem ein Dutzend Personen Platz haben, verblüfft die Neuankömmlinge besonders:

“Donnerwetter!” schrie Kingscourt gutgelaunt. “Das ist ja die Arche Noah. Da hätte all sündhaft Vieh und Menschenkind Platz.”

Bei dem Gefährt steigt hinten übrigens noch ein Heizer auf – ist das am Ende dampfbetrieben, oder hat sich nur die Bezeichnung gehalten?
Männer und Frauen sind gleichberechtigt, haben beide das aktive wie passive Wahlrecht. Ausüben muss aber niemand seine Rechte, und so ist es unproblematisch und akzeptiert, dass etwa die Frau des Arabers Reschid Bey zu Hause im Serail bleibt und nicht am öffentlichen Leben teilnimmt. Auch die jüdischen Frauen halten sich bei der Politik zurück:

Ich muß Ihnen aber sagen, meine Herren, daß die Frauen bei uns vernünftig genug sind, sich nicht auf Kosten ihres Privatwohles mit den allgemeinen Angelegenheiten abzugeben.

Immerhin, etwas fortschrittlicher als andere Denker der Zeit ist Herzl bei den Frauen schon.
Der Besuch von Schule und Universität ist kostenlos. Für die männlichen Schüler – aber nur für die guten unter ihnen, die sich eine Belohnung verdient haben (anders als bei den Schulen, die ich so kenne) – gibt es organisierte mehrmonatige Auslands-Schulaufenthalte; Schülerinnen haben wieder Pech und bleiben zu Hause, weil sie bei ihrer Mutter mehr lernen können.
Kommuniziert wird per Telefon. Radio kannte Herzl noch nicht, aber man kann sich zum Beispiel öffentliche Konzerte auf sein Telefon leiten lassen und anhören. Auch eine “gesprochene Zeitung” gibt es per Telefon; Herzl weist auch hier über Kingscourt darauf hin, dass es das schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Budapest gegeben habe. Und ja, während man so am Telefon die Zeitung automatisch vorgelesen bekommt, wird der Vortrag natürlich durch Werbung unterbrochen.
Antisemitimus ist praktisch ausgestorben; nachdem es in Folge der Auswanderung nach Palästina etwa in Österreich weniger Juden gibt, treten die sich zum einen dort nicht mehr auf die Füße und werden zum anderen mehr wertgeschätzt vom Rest der Gesellschaft. (Ein Visionär innerhalb der Romanhandlung träumt davon, die damals wohl ebenfalls diskutierte Negerfrage ähnlich zu lösen – indem er an einem Mittel gegen Malaria arbeitet, um eine Rückkehr der durch die Sklaverei vertriebenen Schwarzen nach Afrika zu ermöglichen.)
Mit den Arabern gibt es keine Probleme, die haben von dem neu entstandenen Wohlstand nur profitiert.

– Im Rahmen meiner Beschäftigung mit deutscher Literatur bin ich diesem Buch nie begegnet. Theodor Herzl als Theoretiker des Zionismus kannte ich schon, und eventuell bin ich in der einen oder anderen Science-Fiction-Literaturgeschichte doch schon mal auf den Roman gestoßen, muss ich zu Hause mal nachschauen. Da gehört das Buch auf jeden Fall auch hin. Die Logistik zum Aufbau von modernen Städten in erst einmal wenig einladender Umgebung kenne ich von Geschichten über Expeditionen auf fremde Planeten. Exzentrische amerikanische Millionäre gibt es schon bei Jules Verne, vielleicht auch bei Karl May. Selbst im zweiten Heft von Sun Koh wird ein verzweifelter deutscher Ingenieur vor dem Selbstmord gerettet, um sich einer exzentrischen Sache anzuschließen. Und auch Hans Dominik plädiert in Die Spur des Dschingis-Khan für eine Rückführung schwarzer Amerikaner nach Afrika. An all diese Autoren und Werke wurde ich beim Lesen jedenfalls erinnert.

Bald nach Erscheinen wurde Herzls Buch ins Hebräische unter dem Namen Tel Aviv, “Frühlingshügel”, übersetzt, und die 1909 nördlich von Jaffa gegründete Stadt bekam diesen Namen. Und da bin ich gerade.

Eine deutsche Wikipediaseite zu Altneuland gibt es übrigens nicht; hier geht es zur englischen Seite.

Douglas R. Hofstadter, Gödel, Escher, Bach

goedel_escher_bach Das erste Mal gelesen habe ich das Buch vermutlich zu meiner Militärzeit, sicher jedenfalls in der Zeit nach dem Abitur und vor dem Studium. (Das war damals die ganz reguläre Wehrpflicht, Ältere erinnern sich.) Da hatte ich viel Zeit, und auch jemand getroffen, mit dem ich über Hoftstadter, Lord Dunsany, Rollenspiele und die Illuminatus!-Trilogie diskutieren konnte. Wenn man sucht, findet man Leute wie uns überall.

Das erste Mal gehört hatte ich von diesem Buch im Englisch-Leistungskurs; Herr Gratzke benutzte es als Beispiel, um das Wort “pretentious” zu erklären. Da hörte ich natürlich besonders interessiert zu. Das Buch, 1979 erschienen, war ein Bestseller, die “Bibel des Computerzeitalters”, wie es in einer Rezension von Thomas von Randow hieß, Pulitzer-Preis-Gewinner. Ich hatte schon wieder vergessen, was “pretentious” war, und es hätte mich auch nicht weiter gekümmert; ich wusste auch nicht, dass das Buch als schwer zu lesen und zu verstehen galt, und so fand ich es auch überhaupt nicht schwer. Ich habe es einmal ganz und manche Kapitel immer und immer wieder gelesen.

Allerdings war ich auch in der glücklichen Lage, gut darauf vorbereitet worden zu sein. Da waren zum einen die mathematische Rätselbücher von Martin Gardner und vor allem Raymond Smullyan (“Dame oder Tiger” von 1982, ganz hervorragend), in denen ich bereits auf formale Systeme und Gödel und Quinierung stieß. Und vor allem war da das Spiel WFF’N’PROOF (Blogeintrag dazu), mit dem ich mich im Jahr zuvor viel beschäftigt hatte. In diesem Spiel ging es um formale Logik, um Axiome und Ableitungsregeln, um well-formed formulae, um Rekursion – und mit diesem Hintergrundwissen war die erste Hälfte von Gödel, Escher, Bach quasi ein Heimspiel.

Aber natürlich hielt das Buch viel Neues für mich bereit. Ein bisschen was habe ich über Bach und Fugen gelernt, etwas mehr über M. C. Escher (zu dem ich dann mehrere Bücher las); vor allem war das Buch der Anstoß, mich mit Zen-Buddhismus zu beschäftigen – sicher auf oberflächliche Weise, aber für mich sehr gewinnbringend, und das heute noch. Auch bei Smullyan traf ich dann wieder auf Zen-Buddhismus, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Neu war für mich auch Alan Turing, rekursive Aufzählbarkeit, der Turing-Test, Gödelisierung. Neu, aber ohne Folgen, war der Ausflug in die Biochemie, in DNA und RNA und Enzyme und Tertiärstruktur.

Und vor ein paar Wochen habe ich das Buch wieder gelesen, nach gut fünfundzwanzig Jahren Pause. Ein paar Dinge haben mich dabei überrascht. Erst mal, wie leicht mir die Lektüre der ersten Hälfte fiel. Das kannte ich zum einen noch von damals; und nebenbei: ich gewann einen gewissen Respekt vor meinem zwanzigjährigen Ich, so im Nachhinein. Aber das mit BlooP und FlooP hatte ich damals nicht verstanden, mit dem Unterschied zwischen primitiv-rekursiven und μ-rekursiven Funktionen, überhaupt die rekursive Aufzählbarkeit – aber mit den Informatik-Kenntnissen, die bei mir inzwischen dazu gekommen sind, war das auch eher Grundwissen.
Überrascht hat mich, wie wenig letztlich zum Zen-Buddhismus im Buch steckt; wo mir das doch mit am besten im Gedächtnis geblieben ist.
Die erste Hälfte des Buches fand ich am besten. Darin geht es um formale Systeme, um Ableitungen, um Beweisbarkeit. Letztlich das, was mir an theoretischer Informatik so gefallen hat. Kapiert habe ich das meiste, wenn auch zum Schluss hin nicht mehr alles. Die Mitte des Buches ist recht schwer. Danach kam viel Biochemie (noch ohne explizite Verbindung zur Bioinformatik, die damals wohl noch nicht so etabliert war wie heute), das hat mich wenig interessiert, und war wird auch nicht viel hängen bleiben. Die eher philosophischen Auslassungen zur künstlichen Intelligenz in der zweiten Hälfte waren dann auch weniger mein Fall.

Insgesamt: 4,5 von 5 Sternen. Und gelernt: Der unselige “Paradigmenwechsel” war damals noch nicht so als Allerweltswort (s. Kompetenzorientierung) verbreitet, dass “paradigm shift” noch als “Paradigma-Verschiebung” übersetzt wurde.

Gestern war ich im Radio.

Bei DRadio-Wissen: Hier online zum Nachhören. Eine Stunde Geplauder über Bloggerei und Schule von den Redakteuren Konstantin Zurawski und Andreas Noll und mir. Natürlich war ich aufgeregt, live und so. Aber es hilft, wenn man über vieles schon mal gebloggt hat.

Ein Spiel: Bug Adventure

Das P-Seminar Informatik, das ich betreue, hat ein Spiel produziert: Bug Adventure. Ein klassisches 2D-Plattform-Jump’n’Run-Spiel. (Eigentlich waren es zwei Teams, aber eines der beiden hat das Projekt nicht zu Ende bringen können, so dass nur ein Spiel da steht.)

bugadventure_1

Viel kann ich hier nicht sagen zum Spiel, ich muss es schließlich noch benoten. Ein bisschen buggy ist es vielleicht, aber schließlich heißt es Bug Adventure. Es gibt Easter Eggs und eine Einstellung dafür, wie viel Blut spritzen soll. Leicht ist das Spiel nicht, erinnert mich an früher, als die Spiele noch richtig fies waren. Ich kämpfe mich gerade durch die Levels.

Der Download läuft über die Homepage des Spiels.

Facebook: https://www.facebook.com/bugadventure

Yay, eine Schule für Nerds!

Aus dem Koalitionsvertrag CDU-CSU-SPD für die 18. Legislaturperiode:

Nach dem Vorbild der Eliteschulen des Sports werden wir mit den Ländern Gespräche aufnehmen, um die Einführung von Profilschulen IT/Digital mit dem Schwerpunktprofil Informatik anzuregen. Dabei ist die Kooperation mit Hochschulen oder Forschungseinrichtungen sowie gegebenenfalls privaten Partnern obligatorisch.

Natürlich rüge ich beruflich das Bild vom Informatiker als Kellergeschöpf und Nerd. Und betone, dass das ja gar nicht stimmt, und dass Informatiker vor allem keine Einzelgänger sind (sind sie ja auch wirklich nicht). Aber ich verstehe trotzdem, was die Studentin heute ausrief, als sie von dieser Idee hörte: “Oh wie schön, eine Schule für Nerds.”

Nicht dass es viel bedeutet, was da in diesem Koalitionsvertrag steht. Bildungspolitik ist Ländersache und so ein Koalitionsvertrag eh nicht besonders bindend.
“Zeitgemäßen Informatikunterricht ab der Grundschule” wünscht man sich außerdem. Bin ich auch dafür. Aber wenn ich gleich danach lese, dass es zu diesem Behufe “Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer zur Medienkompetenz” braucht, dann denke ich mir a) dass die schon wieder Informatik und Irgendwas-mit-Internet verwechseln, und b) dass die Entscheider wohl noch den algorithmenorientierten Informatikunterricht meiner eigenen Schulzeit vor Augen haben, wenn sie sich zeitgemäßeren wünschen.
(Weiterer Schwerpunkt im Vertrag, was IT betrifft: Frauenförderung.)

– Beim Mittagessen gemeinsam festgestellt, dass keiner sich je so sehr mit einem Koalitionsvertrag beschäftigt hat wie diesmal. Das liegt zum einen sicher daran, dass die Verhandlungen lange dauerten. Aber noch mehr dürfte es mit der Verfügbarkeit zu tun haben: Ratzfatz war der Koalitionsvertrag online (Blogeintrag Stefan Niggemeier dazu), erst bei Journalisten, dann an denen vorbei gleich beim Bürger. Und wir gewöhnen uns immer mehr daran, Informationen aus dem Internet herunterzuladen.

Robot Karola

Ein vor allem in der Unterstufe häufig verwendetes Informatiksystem ist Robot Karol von Ulli Freiberger: eine kleine Roboterfigur, die man mit einer einfachen Programmiersprache steuert – so richtig mit Schleifen und bedingten Anweisungen. Über eine polnische Version geht das auf eine amerikanische Urfassung und die Turtle-Tradition zurück.

karol-schueler

In Robot Karol lässt man den Roboter einfache Strukturen, Labyrinthe oder ganze Städte bauen oder sortiert Kistenstapel nach dem Bubblesort-Verfahren. Karol kann sich bewegen und rote Ziegel vor sich stapeln und wieder aufheben.

Standardmäßig sieht Karol so aus:

karol_original

Man kann diese vier Grafiken aber auch durch andere Bilder im gleichen Format ersetzen, selbstgemachte Bilder etwa. Die Standardinstallation bringt bereits einige Varianten mit, die man statt des Originals verwenden kann:

karol_varianten

Schon was aufgefallen? Bei mir hat es zehn Jahre gedauert: Keine Frauen. Gut, technisch kann man das bei der Auflösung kaum sagen, und unter einer Schirmmütze oder einem Bauhelm kann sich alles mögliche verbergen. Dennoch dürften alle diese Figuren mit Männern assoziiert werden, wohl auch der Roboter – schließlich trägt er einen männlichen Vornamen.

Im Nachhinein ist es offensichtlich. Trotzdem habe ich nirgendwo eine weibliche Version gefunden, deshalb hier meine Robot Karola:

karola

Ohne Pink oder Rock, aber mit langen Haaren. Mit einem Namen, der von einem männlichen Original abgeleitet ist, aber er passt halt gar so schön. Jetzt muss ich nur noch den Systembetreuer dazu kriegen, Karola als Standardfigur zu installieren. Sonst kriegen die Mädchen ja von Anfang an signalisiert, dass Informatik und Programmieren eine Jungen-Domäne ist.

karola

Hier die Grafiken zum Download. Wer will, kann gerne noch an den Rändern arbeiten, die sind noch nicht perfekt.

#ManicureMonday, und zur Beantwortung der Frage, ob Frauen schlecht in Mathe sind

Seventeen ist eine amerikanische Mädchenzeitschrift, die ich nicht weiter kenne. Aber jeden Montag gibt es dort wohl den Twitter-hashtag #ManicureMonday – wo die Leserinnen des Magazins Bilder ihre gestylten Fingernägel zeigen können.

Letzten Montag – habe ich bei Slate gelesen, woher ich auch schamlos die Links kopiere – haben einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen Hashtag gekapert und ihrerseits Bilder gepostet: von Fingern mit Fingernägeln, gerne auch fein manikürten, die Dinge damit tun:

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Auch bei Slate gefunden: Vor einiger Zeit wurde eine Präsentation der Informatikerin Terri Oda gezeigt zur Frage, ob Frauen wirklich schlechter in Mathe sind:

Ich habe die Präsentation mal auf Deutsch übersetzt (CC-BY-SA), falls sie jemand benutzen möchte.

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In der Vorlesung heute ging es dann auch darum, dass Schülerinnen nicht genug Informatikerinnen als Vorbild haben. Ich habe mal Marissa Mayer vorgestellt und Bilder von ihr gezeigt. Die schicken, für Vogue und Glamour gemachten Bilder sind natürlich wieder auf andere Weise problematisch – jetzt müssen die Mädchen nicht nur Informatikerinnen werden, sondern auch noch ausschauen wie eben aus Vogue und Glamour.

(Am Schluss habe ich den Studierenden noch Bilder von Informatikerinnen gezeigt, die ich persönlich oder übers kenne. Mit Ukulele bei Youtube, auf dem Wahlplakat der Piraten, oder mit Plüsch-Rentiergeweih und roter Weihnachtsaufstecknase. Dabei hatte ich vorher extra noch gesagt, dass das nerdige Image der Informatik vielleicht abschreckend wirken könnte.)