“Mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort – Die Eigenverantwortliche Schule in Bayern”

Pressemitteilung des Kultusministeriums.

Wenn das Kultusministerium mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort möchte, hätte es das schon lange haben können: Keine Schreiben, in denen mir mitgeteilt wird, wie viele Übungsaufsätze ich zu schreiben lassen habe, oder wieviele Prüfungen. Keine Schreiben darüber, ob ich Diktate schreiben darf oder nicht. Keine Schreiben dazu, wie kontextbezogen Vokabelabfragen im Fremdsprachunterricht sein müssen. Keine Anweisungen, ob ein Test im Umfang eines Jahrgangsstufentests vom Anspruch im Bereich einer Schulaufgabe einzuordnen ist.

Deswegen macht Kultusminister Spaenle ja auch klar: “Die Eigenverantwortliche Schule ist keine autonome Schule.” Die wichtigen Entscheidungen werden zentral getroffen.

Tatsächlich geht es vielleicht nur darum, Geld zu sparen. Es gibt zu viele A15-Stellen, genauer: zu viele Lehrer, die auf potentiellen jA15-Stellen sitzen und auf eine Beförderung warten. Was genau eine beförderungsrelevante Stelle ist, ist in einem Katalog festgelegt. Wenn man weniger Kandidaten auf solche Stellen haben möchte, muss man die effektive Anzahl dieser Stellen reduzieren, eben durch die Einführung einer mittleren Führungsebene. Denn das sind dann die neuen A15-Stellen, oder glaubt jemand, dass die zusätzlich zu den alten A15-Stellen kommen? Mit der Eigenverantwortlichen Schule entscheidet die Schule dann selber, welche solcher Positionen es geben soll, und zwar, ahem, “im Rahmen der vorhandenen Stellen und Mittel.” Will heißen: Wo es jetzt 10 solcher Stellen gibt, wird es in Zukunft nur noch 6 geben.

Ich verstehe das zum Teil sogar. Die aktuelle Verteilung, welche Stelle beförderungsrelevant ist und welche nicht, ist eher historisch gewachsen und keinesfalls ideal. (Und werden in Zukunft dann auch proportional weniger Studiendirektoren direkt aus dem Kultusministerium kommen, oder sind das dann genau die Leute, die in Zukunft die mittlere Führungsebene bilden werden?)

Vielleicht bin ich nur zu pessimistisch und es geht es gar nicht um eine Reduzierung der Stellen, sondern tatsächlich nur um eine Änderung der Aufgabenbereiche. Das wäre sogar lobenswert. Vielleicht sollen Schulen wirklich “künftig in eigener Verantwortung Schulentwicklungsprogramme erstellen und darin selbst Entwicklungsziele festlegen” und “ein Konzept zur Erziehungspartnerschaft vor Ort entwickeln,” das “von den Regelungen in den Schulordnungen abweichen” kann.

Andererseits heißt es: “Bayernweit werde auch künftig an den Schulen derselben Schulart derselbe Lehrplan gelten. Eine qualitativ hochwertige Lehrerausbildung und die Lehrerversorgung wird im Flächenstaat Bayern weiterhin gesichert.” (Die Zuteilung der Lehrer läuft also weiter zentral über das Kultusministerium.) “Als Instrumente der Qualitätssicherung werden auch künftig der Lehrplan, die Zielvereinbarungen, interne und externe Evaluationen sowie Vergleichsarbeiten und zentrale Abschlussprüfungen dienen.”

Das schöne an solchen Blogeinträgen ist, dass ich die in fünf Jahren herauskramen und schauen kann, was daraus geworden ist.

34 Gedanken zu ““Mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort – Die Eigenverantwortliche Schule in Bayern”

  1. Wie recht Sie haben, Herr Rau!
    Ich musste mich zu diesem Thema auch schon abreagieren.

  2. Steff on 2.2.2013 at 8:56 sagte:

    Tja, Herr Rau, da stimme ich Ihnen in den grundsätzlichen Bedenken zu. So blumig und wenig griffig die Pressemitteilung formuliert ist, kann man nur skeptisch bleiben. Inwiefern die einzige konkret genannte Maßnahme (“Die Schulfamilie soll stärker als bisher in die Entscheidungen über die Gestaltung des Schulalltags und des Unterrichts einbezogen werden. Z.B. gehört künftig ein Vertreter des Schulaufwandsträgers dem Schulforum an.”) die Entscheidungsfreiheit der Schule stärken soll … erschließt sich mir nicht.

    Einspruch nur hinsichtlich der Spekulation über eine Reduzierung der A15-Stellen: ” können große Schulen künftig z. B. im Rahmen der vorhandenen Stellen und Mittel eine erweiterte Schulleitung beantragen.” heißt es. Ich les, dass für die mittlere Führungsebene keine zusätzlichen Stellen geschaffen werden (diesen naiven Wunsch hat wohl jeder schnell verworfen, der mit offenen Augen und Ohren die Bildungspolitik verfolgt), es müssen halt die alten herhalten. Die Eigenverantwortung der Schulleitungen bei der Personalauswahl dürfte also mit dem Fluch belegt sein, nur Leute wählen zu können, die eh’ schon eine A15-relevante Funktion bekleiden. Bleiben im wesentlichen die Mitarbeiter der Schulleitung (ein Nullsummenspiel, wenns nicht zusätzliche Anrechnungsstunden gibt) und die Fachbetreuer.
    Richtig, deren Funktionsstellen dürften bluten. Zumindest abseits D/M/E.

  3. Mela on 2.2.2013 at 11:41 sagte:

    Übelste Verschiebung der Arbeit von oben nach unten: Die neuen Mitarbeiter in der “erweiterten Schulleitung” müssen zukünftig 14 Leute führen, im Unterricht besuchen und beurteilen – für 2 Wochenstunden Anrechnung…
    Die Schulleiter, die sich FÜR die Einführung dieser neuen Struktur stark gemacht haben (natürlich, weil sie unter der Arbeitsüberlastung bei der momentanen Beurteilungssituation leiden), haben damit den Kollegien einen Bärendienst erwiesen. Vielen Dank auch!
    Hat man sich eigentlich auch Gedanken über eine anteiligie Reduzierung der Anrechnungsstunden der Schulleiter gemacht, wenn diese zukünftig viel weniger Unterrichtsbesuche machen müssen als noch zu Zeiten der alten Beurteilungsregelung?
    Vom Vertrauensverlust innerhalb des Kollegiums, wenn dann 4 oder 5 “Beurteiler” mit ihrer Kladde durchs Haus rennen, ganz zu schweigen…

  4. HerrF on 2.2.2013 at 16:00 sagte:

    Nette Details am Rande dazu: Ich lese in den Erläuterungen zum Gesetzentwurf von jährlich zwei Unterrichtsbesuchen (pro “geführtem” Kollegen wohlgemerkt), die stattfinden sollen.
    Mindestens mal in den ersten zwei Jahren wird das an normalen Schulen nur auf Antrag eingeführt (der vom Schulleiter alleine gestellt wird, oder eben nicht) – und beantragen kann man das nur, wenn es (am Gymnasium) mindestens etwa 110 staatliche Kollegen gibt.
    Und das mit den A15-Kollegen ist auch leicht verzwickt, mindestens mal in der Übergangszeit: Wenn ein A15-Kollege Mitglied der erweiterten Schulleitung werden soll, dann hat der Personalrat (weder örtlich noch der HPR) ein Mitspracherecht, das darf der Schulleiter also sozusagen “freihändig” machen…
    Ach, die “sonstigen” Fachbetreuer können dann vom Schulleiter mit Weiseungsbefugnis (fachlicher Art) ausgestattet werden. Die allgemeine Weisungsbefugnis wird per Geschäftsverteilungsplan unter den Mitgliedern der erweiterten Schulleitung aufgeteilt, wobei im Zweifel dann der Schulleiter die “Oberweisung” hat…

  5. Mela on 2.2.2013 at 17:41 sagte:

    @HerrF
    Ich glaube, Sie haben ein “k” vergessen:
    Der Personalrat soll KEIN Mitspracherecht haben, oder?

  6. HerrF on 2.2.2013 at 17:48 sagte:

    Arrrrrrgh. Im Grunde bin ich zwar der Meinung, das KM hat hier ein “k” zu viel eingefügt – aber ja: Oben muss leider stehen, dass der Personalrat in diesen Fällen KEIN Mitspracherecht hat.

  7. Beelzebub Bruck on 3.2.2013 at 10:48 sagte:

    Mir scheint da vieles nicht so einfach. Mit der G8-Reform werden die Fächer D/M/E erheblich stärker belastet, ohne das sich das irgendwo mit Entlastungsstunden für Oberstufenlehrer oder Fachbetreuer abbildet. Ganz recht: meine Arbeit als Fachbetreuer in Deutsch ist hinsichtlich der Arbeitszeit zur Zeit genauso viel wert, wie eine zusätzliche Geographie-Klasse im Schuljahr. Das ist schlicht lächerlich.
    Mit der Kollegialität und der vertrauensvollen Zusammenarbeit in der Fachschaft ist es erfahrungsgemäß schnell vorbei, wenn man als Fachbetreuer die Arbeitsergebnisse einer Kollegin bzw. eines Kollegen als unter dem Standard liegend erkennt und das kommuniziert. Der fehlenden Weisungsbefugnis der Fachbetreuer steht gelegentlich auch die Beratungsresistenz mancher Kollegen gegenüber. Das scheint insbesondere für erfahrene, ältere Kollegen zu gelten, die sich mit der Neuausrichtung des Gymnasiums schwertun. (Schlimm dabei: ich stimme diesen Kollegen auch noch meistens inhaltlich zu, weil sie natürlich kraft Erfahrung genau wissen, was an dieser konzeptionellen Missgeburt alles falsch ist.)
    Und so mancher Kollege mit A15 sitzt mit Billigung des HPR in Positionen, die er mit seiner Arbeit auf der Basis von A14 hart erarbeitet und verdient hat, das schon, aber mit seiner Arbeit in A15 nicht rechtfertigt. Da wäre es schon besser, man würde diese Ämter/Funktionen nur auf Zeit vergeben. Das aber lässt das Beamtenrecht natürlich nicht zu.
    Dieses Reförmchen ist halbherzig, inkonsequent und phantasielos, auch deshalb weil man sich auf allen Seiten von den gewohnten Strukturen nicht verabschieden kann oder will, und natürlich, weil in diesem superreichen Bundesland kein Geld dafür da sein soll.

  8. Steff on 3.2.2013 at 11:35 sagte:

    Fakt ist, dass die Mehrzahl der bisherigen A15-Funktionsstellen mit keinerlei Personal- oder Finanzverantwortung belastet waren. Ein kleines Paradies, wenn ich mir diese Auflistung anseh:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Besoldungsordnung_A#Besoldungsgruppe_A_15
    (Links kann man hier nicht setzen, oder?)

    Na klar muss man sich dagegen wehren, daran etwas zu ändern, eine “übelste Verschiebung der Arbeit von oben nach unten” (Zitat Mela) anzustoßen. War doch bisher ok, dem Chef alle Verantwortung hinschieben zu dürfen für 300€ netto mehr im Monat.
    “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass”.

  9. Mela on 3.2.2013 at 12:33 sagte:

    @Beelzebub Bruck
    Und täglich grüßt das Murmeltier: Ich glaube, auch Sie haben einen Buchstaben vergessen… (Ohne dass ich mich hier als Buchstabensuchmonster aufführen möchte, aber ohne das s ist das dass doch nur ein Murks:-))
    Inhaltlich möchte ich Ihnen in zwei Punkten deutlich widersprechen:
    1. Sie bedauern anscheinend das Fehlen einer Weisungskompetenz gegenüber manchen “beratungsresistenten” Kollegen. Diese Kollegen sind Ihrer Beobachtung nach ältere Kollegen, die sich “…schwertun”. Warum verwenden Sie dieses Wort? Sie implizieren damit, dass diese Kollegen zu alt, ja fast schon zu senil sind, um sich an Neuerungen anzupassen. Andererseits stimmen Sie diesen Kollegen inhaltlich sogar zu und sprechen selbst von “konzeptionellen Missgeburt”. Wenn man einen Quatsch als solchen erkennt, und sich an kleinen Stellen verweigert, dann hat das nichts mit “schwertun” zu tun! So, jetzt nehmen wie einmal an, Sie als Fachbetreuer bekommen Weisungsbefugnis. Dann müssten Sie durchsetzen, dass diese Kollegen von Bewährtem auf Quatsch umsatteln, und Ihren Worten zufolge würden Sie von Ihrer Weisungsbefugnis auch Gebrauch machen, obwohl Sie persönlich Ihren Kollegen inhaltlich sogar Recht geben! DAS finde ICH schlimm! Wir alle müssen bereits in einem System aus Respizienz und Beurteilung bestehen. Wir brauchen nicht noch eine bloße Kontroll- und Befehlsinstanz mehr! (Ist “Der Untertan” eigentlich Pflichtlektüre?)
    2. Auch das mit A14/A15 ist so eine Geschichte: Einerseits “hart erarbeitet und verdient”, andererseits “A15 nicht rechtfertigt”. Ja, was denn nun? Für “harte Arbeit” gibt es momentan keine andere Möglichkeit der “Belohnung”: Die Leistungszulagen wurden vor ein paar Jahren im Zuge irgendeiner Reform gestrichen, die Anrechnungsstunden immer weiter gekürzt. Wenn jetzt jemand z.B. 15 Jahre lang den äußerst undankbaren Job Stundenplanmacher erledigt hat und dies auch noch weiter macht, dann hat er (evtl. kurz vor der Pensionierung) die Beförderung schlichtweg VERDIENT. Da braucht er sich mehr weiter zu “rechtfertigen”…
    Recht gebe ich Ihnen nur (was die zeitliche Befristung angeht), wenn zu junge Kollegen zu schnell auf A15 befördert werden: Die können es zeitmäßig noch gar nicht “hereingearbeitet”, also “verdient” haben und können sich gleichzeitig hinterher recht lange auf A15 “ausruhen” (weil in Zukunft Weisungen erteilen und Arbeit delegieren).

  10. Mela on 3.2.2013 at 13:27 sagte:

    @Steff
    So ein Schmarrn! Mit jeder A15-Stelle trägt man Verantwortung und dazu bei, dass der Laden läuft: Die Mitarbeiter im Direktorat und jeder Fachbetreuer (für sein Fachgebiet) sind für die Finanzverwaltung (mit)verantwortlich (oder glauben Sie, dass der Schulleiter persönlich das Budget verwaltet, verteilt und neue Stühle oder Bücher oder Medien bestellt?). Jeder Kollegstufenbetreuer ist für 100 Schüler verantwortlich! (Jaaa, manche Dinge lassen sich halt einfach nicht mit der freien Wirtschaft vergleichen: In einem Betrieb gibt es halt keine “Nicht-Angestellten”, für die trotzdem jemand Verantwortung tragen muss…). Jeder Fachbetreuer ist (wie ein Abteilungsleiter) dafür verantwortlich, dass “sein” Laden läuft…
    Und was heißt da “alle Verantwortung dem Chef hinschieben”? Die Beurteilung von Kollegen war bisher die EINZIGE Aufgabe, die nicht nach unten delegiert werden durfte.
    Und übel an der Verschiebung der Arbeit von oben nach unten ist, dass die zukünftigen “Beurteiler” mit sagenhaften 2 Anrechnungsstunden ausgestattet werden sollen. Das ist lächerlich!

  11. Beelzebub Bruck on 3.2.2013 at 13:35 sagte:

    @Mela,
    wer einen Tippfehler findet, darf ihn behalten…
    Beratungsresistent sind diese Kollegen nicht, weil sie senil sind, sondern weil sie es besser wissen oder besser zu wissen meinen (bekanntlich eine unserer Berufskrankheiten). Das hat allerdings etwas mit “sich schwertun” zu tun. Wenn ich die Kompetenzorientierung als neues Leitprinzip des Gymnasiums ablehne und andere Orientierungen (Wissen, Wissenschaft o.ä.) bevorzuge, dann habe ich zumindest derzeit ein Problem, auch wenn meine Position gut zu begründen ist.
    Wer Fachbetreuer wird, – man wird ja meistens nicht gezwungen dazu – , der muss auch Regelungen umsetzen helfen, denen er oder sie inhaltlich widerspricht. Fachbetreuer sind Beauftragte der Schulleitung, nicht Präzeptoren und Volkstribunen ihrer Fachschaften. Damit wird auch keine weitere Hierarchieebene installiert, sondern eine bestehende erweitert. Aus welchen dienstherrlichen Motiven das erfolgt, darüber sind sich die meisten Mitdiskutanten wohl einig. Den Luxus wider den Untertanengeist zu sticheln, – Danke, der Hinweis auf Heinrich Mann war sehr freundlich! – kann sich der leisten, der diese Aufgaben nicht wahrzunehmen hat.

    Noch in jeder Schule, in der ich unterrichtet habe, war dieses Phänomen zu beobachten, dass so manche Fünfzehnender kurz nach ihrer Ernennung die Tätigkeiten eingestellt haben, für die sie nach A15 befördert wurden. Ich gebe zu, dass das nur allzu menschlich ist. Beides ist falsch: das Verhalten des Dienstherrn und das der Studiendirektoren. Eines der Haupthindernisse für eine Reform in diesem Bereich dürfte neben dem Kultusministerium der HPR sein, dem Pensionsansprüche, Überleitungszulagen und dergleichen wichtiger sind, als die Interessen des schulischen Mittelbaus.
    Das mit dem “VERDIENT” gestehe ich zu, das mit dem “rechtfertigen” nicht. Naiverweise glaube ich ja immer noch, dass Lehrer dafür bezahlt werden, was sie tun, nicht dafür was sie mal früher gemacht haben, dies jedenfalls solange sie nicht pensioniert sind. Die Folge der einseitig ausgerufenen A-15-Meritokratie ist doch, dass dann wieder die nächste Generation Studienrätinnen dran glauben muss, die wieder nicht angemessen für die Arbeit bezahlt wird.

  12. kecks on 3.2.2013 at 15:55 sagte:

    …das wird sicherlich toll für die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Kollegium, wenn dann die Fachbetreuer mal weisungsbefugt sind und diverse Kollegen andere Kollegen beurteilen dürfen. Nicht, dass sich da noch Soldaritäten entwickeln oder gar Widerstand gegen die von oben verordnete Kompetenzmanie und den Sparwahn aufkommt. Und Diederich umkränzte den bajuwarischen Rohrstock, oder so.

  13. Mela on 3.2.2013 at 18:34 sagte:

    @Beelzebub Bruck
    “weil sie es besser wissen oder besser zu wissen meinen” – zwischen diesen Positionen herrscht ja wohl ein himmelweiter Unterschied. Und trotzdem werfen sie beide in einen Topf, rühren herum und ziehen ein “tun sich schwer” heraus…
    Fachbetreuer müssen tatsächlich manchmal Regelungen umsetzen, denen sie inhaltlich widersprechen. Sie müssen aber nicht HURRA schreien, wenn noch mehr sinnlose Regelungen eingeführt werden.
    Fachbetreuer sind AUCH Beauftragte der Schulleitung (natürlich); aber eben nicht nur. Sondern, wie der Name halt schon sagt, BETREUER ihrer Faches und ihrer Fachkollegen. Und BETREUEN hat mehr mit Kümmern als mit VERWALTEN zu tun. Betreuen hat auch etwas mit Hingabe zu tun. Stellen Sie sich vor, ich wirklich nur deshalb Fachbetreuer geworden, weil ich mein Fach mag und gut kann. Nicht weil ich jemals Kollegen beurteilen und benoten wollte. Aber da haben wir wohl eine unterschiedliche Auffassung von unserem Job.
    Was meinen Sie übrigens mit Präzeptoren? Sind das nicht Hilfslehrer? Verstehe ich nicht. (Bin aber halt auch kein Deutschlehrer)
    Und NATÜRLICH wird eine neue Hierarchieebene installiert! Sie glauben doch selbst nicht, dass die neuen Beurteiler in Zukunft sämtliche Schulaufgaben ihrer 14 zu beurteilenden Kollegen respizieren? (Das geht bei unserem Fächerkanon gar nicht) Diese Arbeit wird schön bei den blöden Fachbetreuern hängen bleiben…
    “dass so manche Fünfzehnender kurz nach ihrer Ernennung die Tätigkeiten eingestellt haben, für die sie nach A15 befördert wurden”. So? Welche Tätigkeiten meinen Sie? Ich kenne keinen einzigen A15-Kollegen, der nicht eine Funktionsstelle inne hat und ergo diese Arbeit auch erledigen muss.
    “Naiverweise glaube ich ja immer noch, dass Lehrer dafür bezahlt werden, was sie tun, nicht dafür was sie mal früher gemacht haben” Sie wissen doch ganz genau, dass dies nicht der Fall ist, weil sämtliche Möglichkeiten der Bezahlung von tollen Leistungen (Leistungszulagen) nicht mehr existieren. Und von deren Wiedereinführung ist nichts zu hören, oder?

  14. @Steff: Mela sprach von einer Verschiebung der *Arbeit* nach unten, Sie von einer Abgabe der *Verantwortung* nach oben. Wegen mir ist keines nötig, ich übernehme auch selber gerne Verantwortung. Generell müsste man das Verhältnis von Arbeit, Qualität der Arbeit, und Verantwortung neu aushandeln, aber das ist ein schwieriges Thema. Ich glaube jedenfalls nicht, Mela, dass man mit jeder aktuellen A15-Stelle mehr oder auch nur ebenso viel Verantwortung trägt als mit vielen anderen Aufgaben, die nicht beförderungsrelevant sind. (Schulpsychologe, Lehrmittelverwaltung, Stundenplan.)

    Dass Schulleitungen aktuell der Beurteilungsmenge nicht nachkommen können, ist wohl unbestritten. Die erweiterte Schulleitung greift Ihnen dabei unter die Arme; allerdings halte ich das für eine unwichtige Arbeit. Da könnte man eher diese Arbeit zusammenstreichen.

    Beelzebub, selbstverständlich wird eine neue Hierarchieebene installiert; es gibt keine bestehende, die erweitert werden könnte. (Ich habe andererseits gar nicht so viel gegen Hierarchien und glaube auch nicht, dass sie dem Schulfrieden unbedingt abträglich sein müssten.) Wenn Fachbetreuer mehr als andere Beamte Regelungen – auch zweifelhafte – mittragen müssen, dann möchte ich aber keine Kaste solcher Fachbetreuer: Mitträger gibt es schon genug.

  15. Mela on 3.2.2013 at 20:41 sagte:

    @Herr Rau
    “vielen anderen Aufgaben, die nicht beförderungsrelevant sind. (Schulpsychologe, Lehrmittelverwaltung, Stundenplan.)”
    Da gebe ich Ihnen schon Recht: Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum “Stundenplan” nicht beförderungsrelevant ist. Das ist Personalverantwortung in Reinstform! Auch “Lehrmittelverwaltung”: Wenn das nicht mit Finanzverwaltung zu tun hat!
    Also: Wir brauchen ganz sicher nicht WENIGER A15-Stellen.
    (Oder alternativ: Endlich wieder mehr Anrechnungsstunden für Zusatzarbeiten. Oder Leistungszulagen.)
    “Dass Schulleitungen aktuell der Beurteilungsmenge nicht nachkommen können, ist wohl unbestritten.” Zustimmung! Aber sonderlich laut gewehrt gegen die neue Mehrarbeit haben sie sich auch nicht, oder habe ich da etwas überhört? Ein bißchen gemurrt und dann erstaunlich schnell mit Begeisterung auf die “erweiterte Schulleitung” gestürzt. (Die Aussicht, ungeliebte Arbeit delegieren zu können, kann ja auch verlockend sein…)
    “Die erweiterte Schulleitung greift Ihnen dabei unter die Arme”. Wie viele Anrechnungsstunden sind für diese Arbeit gerecht? 2??
    (Wie viele Anrechnungsstunden bekamen Schulleiter früher, als sie im Schnitt ca. 20-25 Kollegen beurteilen mussten? 3? 4?)
    “allerdings halte ich das für eine unwichtige Arbeit.” Ich persönlich auch. Unwichtig und ungerecht – solange bestimmte Schnitte erreicht werden sollen.
    “Da könnte man eher diese Arbeit zusammenstreichen.” Tja. Dafür haben wir uns leider das falsche Bundesland und den falschen Zeitgeist herausgesucht: Bürokratisierung über alles!

  16. Steff on 3.2.2013 at 21:03 sagte:

    Mela, ich bin in der Schulleitung und verantworte den Stundenplan zusammen mit meinem Chef mit allen Fehlern gegenüber Kollegium, Eltern und allen anderen, die daran herumnörgeln. Obwohl ich ihn nicht erstelle. Das tun zwei tolle Kollegen, die dafür im September und kommende Woche zusammen geschätzt 30-40 Stunden Zeit investieren, wofür sie beide eine Entlastungsstunde erhalten. Ein fairer Deal. Sie erarbeiten den StuPla nach meinen Vorgaben und in kniffligen Details in Absprache mit mir und lassen mich entscheiden, wie in Konfliktfällen zu verfahren ist.

    Nochmal: das ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, sie führen sie verantwortungsvoll aus, aber sie müssen zu 0% ihr Tun verantworten. Und wer allen ernstes behauptet, dass man dafür jemand nach A15 befördern müsse, ein Dienstgrad, in dem Arbeitsamtsleiter sitzen oder auch Leiter städtischer Bertriebshöfe mit 200 Mitarbeitern, der gibt das Beamtentum dem Spott der Stammtische preis.

  17. Beelzebub Bruck on 3.2.2013 at 22:17 sagte:

    Präzeptoren sind diejenigen, denen es obliegt, das Gemeinwohl aus der Volksmenge herauszuspüren und in politisches Handeln umzusetzen. Ein altes politisches Konzept der Konsensdemokratie, wenn ich mich richtig erinnere. So gesehen ist das also kein Deutschlehrer-, sondern Politologen-Vokabular.

    Der Unterschied zwischen “besser wissen” und “besser zu wissen meinen” ist meiner Ansicht und in meinen Ansichten leider nicht so groß, wie wir oder ich das gerne hätten…
    Das mit dem Kümmern: Dazu gehören ja auch Kollegen, die bekümmert werden wollen. Das wollen aber sicher viele nicht, nicht an meiner Schule.

    Ich mag mein Fach auch und manches kann ich ganz gut darin, peinlicherweise ausgerechnet auch das, was ein Fachbetreuer hauptsächlich macht: Aufsätze korrigieren und respizieren. Wozu ich mich nur mühselig aufraffen kann, ist manchen Kollegen überdeutlich jahrelang zu sagen, was geht und was nicht, ohne dass das irgendeine Konsequenz hätte. Sinnlose Arbeiten zu erledigen, erzeugt Entfremdung bei Schülern, Lehrern, Fachbetreuern.

    Und das gebe ich gerne zu: ich hoffe nach acht Jahren in dem Job, den vor mir zwei Jahrzehnte lang bei ursprünglich halb so viel Schülern teilweise A15-Lehrer nebenher in Teilzeit erledigt haben, dass ich dann nicht mehr wegräumen muss, was mir da respizienzmäßig aufgetischt wird. Deswegen schreie ich noch lange nicht HURRA, auch wenn ich skeptisch gegenüber der Vorstellung “Wir sitzen alle in einem Boot” bin. Mir scheint, dass da die einen rudern und die anderen angeln.

    Womit wir bei den A15-Leuten wären, von denen ich so manche kennengelernt habe, die eher zu den Anglern gehören. Kann sein, dass das zufällig an den fünf Gymnasien, an denen ich mich als Lehrer herumgetrieben habe, so war. Solche Zufälle gibt’s. Dass ich hier die Funktionsinhaber nicht mit Titel und Namen nenne, versteht sich doch von selbst…

    Neue Hierarchieebene: So wie ich das verstanden habe, handelt es sich bei den Erweiterungsmitgliedern der Schulleitung in der Regel um Fachbetreuer, die entweder eine große Fachschaft oder eine Fächergruppe betreuen und bekümmern. Und schon jetzt werde ich zu Beurteilungen zur Stellungnahme aufgefordert, verfasse auch Ähnliches zu Zweigschulgutachten, zu Probezeitbeurteilungen, Zwischenbeurteilungen, muss Vorschläge zur Unterrichtsverteilung einreichen (bin dann natürlich auch schuld, wenn’s einem Kollgen nicht passt und der sich von mir bestraft fühlt, übrigens ganz wie die Stundenplanmacher), entwerfe Intensivierungskonzepte, Bibliothekskonzepte, Schulentwicklungskonzepte. Wieso sollte ich das nicht als Mitglied der erweiterten Schulleitung tun? Zumal es sich teilweise um Linienkompetenzen handelt, die in ihren Auswirkungen mittelbar und unmittelbar die ganze Schule betreffen (können). Die verschiedenen Kasten gibt es doch schon längst, sie streben alle brav nach dem Wohlwollen der Oberen und achten auf jede kleinste Regung um zu gefallen: hier noch ein überflüssiges Projekt, da noch eine zwingende Schulfahrt und obendrauf noch eine pädagogisch wertvolle Bespaßung. Welche Kaste sich gerade im Lichte des allgemeinen Beliebtheitswettbewerbs sonnt, kann man dann dem Jahresbericht entnehmen.

    Und ganz nebenbei: ich hatte den Job des Lehrmittelverwalters auch schon, und das ist ganz sicher keine Funktionsstelle bei gerade mal drei Hochdruckterminen im Jahr, also beim besten Willen nicht. Ich gebe zu, dass der Einkaufszettel etwas elaborierter ist, als für den wöchentlichen Einkauf, aber viel mehr an intellektueller Herausforderung ist nicht dahinter, wenn nicht gerade die Einführung eines Barcodes für die Ausleihe ansteht.

  18. Mela on 4.2.2013 at 17:36 sagte:

    @Steff
    Wenn die eine Stunde Anrechnung so ein fairer Deal ist, warum behalten Sie dann die Anrechungsstunde nicht und arbeiten selbst im Stundenplanteam mit?
    Finden Sie es richtig, bei einer “verantwortungsvollen Tätigkeit” die Tätigkeit von der Verantwortung trennen?
    Dann hätte ich gerne einen verantwortungsvollen Hilfslehrer, der meine Korrekturarbeit verantwortungsvoll übernimmt. Ich trage gerne weiterhin die Verantwortung.

    @Beelzebub Bruck
    Wie genau die neue Hierarchieebene eingeführt werden soll, steht nocht gar nicht fest. Da wurde auch schon eine alphabetische Einteilung angedacht. Dann dürfen Sie nicht nur Gutachten für Deutschreferendare, sondern auch für Physikreferendare entwerfen. Viel Spaß!
    (Nur) nach Fachschaften wird es nicht gehen können, denn es gibt große Schulen mit großen Fachschaften mit über 14 Fachkollegen. Bei welchem Beurteiler landet dann der 15. Deutsch-Kollege? Beim Naturwissenschaften-Beurteiler? Und was machen Fachbetreuer mit mittelgroßen Fachschaften, die evtl. nur 7 Kollegen haben? Die zwar ein paar Schulaufgaben weniger respizieren, aber alle anderen Aufgaben, die Sie oben aufgeführt haben, ebenso erfüllen? Wieso sollten die das dann nicht auch als Mitglied der erweiterten Schulleitung tun? Ich verrate es Ihnen: Weil es nicht genügend Stellen geben wird. Welche Fachbetreuer sollen also Ihrer Meinung nach in die erweiterte Schulleitung aufrücken dürfen und welche nicht? Nur noch die von den Riesen-Fachschaften D und M? Falsches Fach studiert – Pech gehabt?

  19. Steff on 4.2.2013 at 19:09 sagte:

    nochmal @ Mela:
    widerlegen Sie bitte erst die Fairness des Deals. Ihre verzweifelte Gegenfrage ist leicht zu beantworten: Die Schulleitung delegiert Tätigkeiten wie Büchereiverwaltung, Stundenplanerstellung, Erstellung des Jahresberichts, Schülerlesebücherei, Theatergruppe, Erste-Hilfe-Gruppe und x andere mehr, weil sie den Schulbetrieb leitet und nicht allein durchführt. Und versucht dabei, das zeitlich z.B. über den leider schmalen Anrechungsstundentopf auszugleichen.

    Über den Unterschied zwischen dem Ausüben einer verantwortungsvollen Tätigkeit und dem Tragen der Verantwotung gegenüber Eltern, Öffentlichkeit und dienstvorgesetzten Stellen solltest Du evtl. auch nochmal nachdenken: Mir fällt niemand ein in meiner über 110-köpfigen Schul”familie” – einschließlich aller Studienräte, Angestellten, Sekretariat, Hausmeistern und allen nebenamtlichen Kräften – dessen Tätigkeit ich nicht als verantwortungsvoll bezeichnen würde. Alle werden für ihre Tätigkeit entlohnt. Und jetzt erzähl mir nicht, dass >3k€ netto für einen Oberstudienrat im mittleren Dienstalter nicht ausreichend wären, von ihm auch die Ausübung einer verantwortungsvollen Tätigkeit verlangen zu können, ohne dass er gleich nach A15 befördet werden muss. Kann man irgendwo in unserer Gesellschaft einen vergleichbaren Lohn erzielen, ohne sein Hirn einzuschalten und verantwortungsvoll zu agieren?

  20. Mela on 5.2.2013 at 1:45 sagte:

    @Steff
    Kennen wir uns eigentlich? Wenn nicht, würde ich lieber beim Sie bleiben.
    Meine Gefühlslage haben Sie leider falsch analysiert: Meine Fragen resultieren nicht aus Verzweiflung (von der Stundenplanproblematik bin ich nicht selbst betroffen), sondern aus einer gewissen Verärgerung.
    Zur Fairness des Deals: Ich muss Ihnen jetzt aber bitte nicht den Unterschied zwischen einer Besoldungsgruppe und “Anrechnungsstunde” erklären? Sie sagen ja selbst, dass Sie nur noch versuchen, aus dem “leider schmalen Anrechungsstundentopf auszugleichen.” Da gibt es keinerlei Anrecht darauf, der Topf kann per Federstreich auch noch weiter zusammengestrichen werden.
    Und ich bin wirklich der Meinung, dass Stundenplan so essentiell mit Personalführung zu tun hat, dass auf jeden Fall jemand von der Schulleitung mit dazu gehört (mit Verantwortung + Tätigkeit + Anrechnungsstunde).
    “Tragen der Verantwotung gegenüber Eltern, Öffentlichkeit und dienstvorgesetzten Stellen”: Dafür ist der Schulleiter da, dafür hat er A16. In Vertretung sein Stellvertreter. (Und bereits in deutlich reduziertem Ausmaß seine bisherigen 1-2 Mitarbeiter.) DAFÜR braucht man mit Sicherheit keine erweiterte Schulleitung. Oder wie viele Pressekonferenzen werden bei Ihnen täglich abgehalten?
    “ohne dass er gleich nach A15 befördet werden muss” Warum unterstellen Sie mir diese Forderung? War irgendwo die Rede von “gleich”? Auf die A15 Beförderung, wenn man sie überhaupt erreicht, arbeitet man jahrelang hin: In Bayern ist das Durchschnittsalter dafür 56…

  21. Ich sehe das so: Wenn es A15-Stellen gibt, macht das den Beruf attraktiver. Wenn es weniger gibt, macht es den Beruf weniger attraktiv. Man kriegt die Lehrer, für die man bezahlt.

    Sicher sind nicht alle aktuellen A15-Stellen gleich gerechtfertigt. Es gibt da einige, die einem sofort einallen; andere, die weniger bekannt sind; und ich möchte auch nicht alle Aufgaben der derzeitigen unerweiterten Schulleitung in den gleichen Verantwortungstopf werfen.

  22. Beelzebub Bruck on 5.2.2013 at 19:54 sagte:

    “Falsches Fach studiert, Pech gehabt!” Das habe ich schon oft gehört, wenn es um Arbeitsbelastung geht, gerne von Kollegen mit entsprechend hoher Korrekturbelastung, z.B. mit Fächerkombinationen Sport und Beifach. Mit der G8-Reform wurden zumindest die Kernfächer Deutsch und Mathematik erheblich “aufgewertet”, d.h. alle müssen da im Abitur durch, in diesen Fächern fallen auch die meisten Schüler durch bzw. müssen in die mündliche Ergänzungsprüfung. Da fragt sich nicht nur meine Unerheblichkeit, wo bleibt die Friedensdividende? Was bekommt das Fach Deutsch für die Quälerei? Muss ich auch noch darauf hinweisen, dass der Probeunterricht auch nur in Deutsch und Mathematik stattfindet? Oder welche Fächer die Besondere Prüfung nach der 10. Jgst. umfasst? Na klar sollten die Riesenfachschaften in der erweiterten Schulleitung sitzen. Alle anderen Asymmetrien (Bedarf an Wirtschafts-P-Seminaren, Wahl der Frendsprache in der Oberstufe und dergleichen), sind grundsätzlich auch schulintern steuerbar, die Anforderungen an die Deutsch-und Mathematik-Fachschaften nicht, die sind gesetzt.
    Und natürlich fragt man sich, wie das gehen soll, mit 23 Leuten in der Fachschaft. Und ich teile auch den Verdacht, dass es sich um ein A15-Einsparprogramm handelt. Von der alphabetischen Zuordnung höre ich allerdings das erste Mal und halte das für so absurd, dass mir das eher eine Latrinenparole zu sein scheint, aber stimmt schon: man hat schon Pferde kotzen gesehen. Zudem lehnt das KM mit Verweis auf das Finanzministerium ja auch die Aufstockung der Anrechnungsstunden-Budgets kategorisch ab. Wenn der Kuchen nicht größer wird, die Lasten aber anders verteilt werden als zu G9-Zeiten, dann muss jemand etwas hergeben. Man kann es ja auch so sehen: Richtiges Fach studiert, jahrelang von vielen Kollegen für blöd gehalten, jetzt auch mal zweifelhaftes Glück in Aussicht.

  23. Mela on 5.2.2013 at 23:12 sagte:

    @Beelzebub Bruck
    “wo bleibt die Friedensdividende? Was bekommt das Fach Deutsch für die Quälerei? ”
    Gar keine Frage: D und M sind beim aktuellen Abitur maßlos überfordert. Eine passende Entschädigung muss aber über entsprechende Anrechnungsstunden (oder Korrekturtage) gehen, nicht über eine fächergebundene Beförderung.

  24. Steff on 5.2.2013 at 23:36 sagte:

    Also das verstehe, wer will: Büchereiverwalter und Stundenplaner mögen bitte für ihre jetzige Arbeit (die sich – zumindest in meiner Schule – ganz wunderbar über Anrechnungsstunden entschädigen lässt) kurz vor Erreichen des Pensionsalters abzüglich dreier Wartejahre rechtzeitig mit A15 entschädigt werden. Diejenigen, die JETZT im Seil hängen und sich engagieren, mögen aus dem notorisch knappen Anrechnungsstundentopf befriedigt werden. Absehbar mit einer oder wenn’s hoch kommt zwei Anrechnungsstunden.

    Mela, Sie geben mir Rätsel auf.

    Lasst halt die Kirche im Dorf:
    Gleicht allfällig anfallende Arbeit mit einer halbwegs adäquaten Zeitgutschrift aus.
    Und belohnt diejenigen, die Verantwortung tragen und mit viel Engagement die Schule weiterentwickeln mit einer möglichst zeitnahen Beförderung.
    Und schafft endlich die Option, die “Angler” (danke, Beelzebub, für dieses wunderbare Bild) auch wieder ohne Schmach an Land setzen zu dürfen.

    Ich schätz meinen Beamtenstatus schon auch; aber vieles, was sich drumrum rankt, ist einfach nur ein Hemmschuh für die Freisetzung vorhandener Ressourcen.

    Danke an Thomas und Beelzebub für viele stimmige Gedanken zum Thema.

  25. Beelzebub Bruck on 5.2.2013 at 23:41 sagte:

    Warum so billig? Das sind Maßnahmen, die doch jetzt auch schon gelegentlich auf informellem Weg seitens der Schulleitungen (ja,ja immer schmaler werdender Anrechnungstopf… ich wüsste Wege zur Entlastung des Kollegiums, die tatsächlich bei den Schulleitungen beginnen) toleriert oder ins Werk gesetzt werden. Die G8-Einführung stellt einen Paradigmenwechsel dar, dessen volle Konsequenzen erst nach und nach ans Licht treten. Ein von mir geschätzter Oberstufenkoordinator hat mir neulich erklärt: “Das Gymnasium ist nicht um das Fach Deutsch herum errichtet worden.” Er hat natürlich Recht. Aber die Statik des Gebäudes hat sich deutlich verschoben, seitdem es z.B. keine Leistungskurse mehr gibt. Die Seminare in ihrer jetzigen Ausprägung sind dafür kein Ersatz. Früher oder später wird sich das in den Strukturen abbilden, auch wenn derzeit alles, was wackelt, nur übertüncht oder zugekleistert wird.

  26. Ganz so freundlich wollte ich auch nicht rüberkommen. Die vorgeschlagene Trennung von Arbeit und Verantwortung halte ich für bedenklich. Ebenso legt die Doppelformel “Verantwortung tragen und mit viel Engagement die Schule weiterentwickeln” nahe, dass das eine mit dem anderen etwas zu tun hätte. Es ist schön, wenn das so ist, und das gibt es auch – muss aber zur Zeit nicht so sein und in Zukunft auch nicht.

  27. Mela on 6.2.2013 at 21:08 sagte:

    @Steff
    Das ist überhaupt nicht rätselhaft:
    Korrigieren gehört zu unserem Kerngeschäft. Und Lehrer, die beim Abi 5x oder 10x mehr als andere korrigieren müssen, gehören zeitmäßig entschädigt (und das läuft nun mal über Anrechnungsstunden o.ä.).
    Stundenplan erstellen gehört NICHT zu unserem Kerngeschäft. Das ist Schul- bzw. Personalverwaltung in Reinstform und gehört in die Schulleitung.
    Und falls die Arbeit outgesourct wird, dann bitte auch die dazu gehörige Verantwortung und Besoldungsgruppe. (Sonst muss ein erfahrener Stundenplaner nach vielen Jahren Stundenplaner-Tätigkeit immer noch wegen jedem “kniffeligem Detail” zu einem evtl. neu ernannten, aber schwer an der Verantwortung tragenden Schulleitungsmitglied rennen.)
    Sie haben immer noch nicht erklärt, welchen tieferen Sinn hier die Trennung von Tätigkeit und Verantwortung eigentlich hat.
    Und das “mit viel Engagement die Schule weiterentwickeln”: Da gibt es bei uns ein Schulentwicklungsteam mit etlichen Mitgliedern, das sich aus dem Kollegium heraus gebildet hat (von A13-A15) – wenn die jetzt alle “möglichst zeitnah” nach A15 befördert werden: Gerne, nur zu! Die Freude wird groß sein!
    Wenn allerdings die zukünftigen A15-Kollegen die Schulentwicklung sich als zweitwichtigste Legitimation für A15 (nach dem Tragen von Verantwortung) ans Revers heften, dann könnte ich alle A13 und A14-Kollegen, die sich aus dem Schulentwicklungsteam verabschieden, verstehen.
    Oder soll hier auch outgesourct werden? Mit Trennung von Verantwortung und Tätigkeit?

  28. Beelzebub Bruck on 6.2.2013 at 21:39 sagte:

    Schulentwicklung ist meiner unmaßgeblichen Ansicht nach ein Kerngeschäft vor allem der Schulleitung. Wir hatten da mal einen recht mächtigen Impuls aus dem Kollegium, nicht zuletzt weil wir ein neues Schulhaus bezogen hatten und es diese berüchtigten Entwicklungsfelder im Evaluationsgutachten gegeben hatte. Da wollten dann ganz viele schulentwickeln. Dann gab’s Anrechnungsstunden, ich hatte auch eine davon. Nach zwei Jahren wollte ich diese Stunde jemand anders abtreten und trotzdem weiter schulentwickeln, weil ich das wichtig finde. Da war dann aber kein anderer mehr da, der schulentwickeln wollte oder sich dafür angeboten hätte. Die seinerzeit auch von mir entworfenen Schulentwicklungsschritte kollabieren, sobald sich keiner in der Schulleitung mehr für dafür interessiert und darum kümmert, z.B. dass der gerade verantwortliche Kollege tatsächlich den Pausenaufräumdienst anleitet (Umwelterziehung) oder die am besten geführten Klassentagebücher prämiert werden (Anerkennungskultur) oder ein Redaktionskonzept für die Homepage umgesetzt wird (Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit) oder dass die Verwendung von Intensivierungsstunden und das Fahrtenprogramm regelmäßig evaluiert werden. Kurzum es braucht jemand, der etwas zu sagen hat, der aus einem pädagogischen Bauchladen oder Flohmarkt etwas macht, was Bestand hat. Bei Schulentwicklungstagen (Fortbildungen) gewinnt man den Eindruck, dass alles immer an den jeweils engagierten Kollegen hängt, die nach gefühlten drei Jahren ihr Steckenpferd in die Ecke stellen. Das war’s dann mit der Schulentwicklung. Lieber entwickle ich derzeit etwas aus dem Fach heraus, vielleicht hat das dann länger Bestand, auch wenn es den Bauchladen nur vergrößert.

  29. >Nach zwei Jahren wollte ich diese Stunde jemand anders abtreten und trotzdem weiter schulentwickeln, weil ich das wichtig finde. Da war dann aber kein anderer mehr da, der schulentwickeln wollte oder sich dafür angeboten hätte

    Uh, Beelzebub, ich erkläre dir gerne mal, wie das wirklich ablief. Das darf ich hier natürlich nicht ausbreiten.

  30. Herr Kon on 6.2.2013 at 23:21 sagte:

    Nur der Vollständigkeit halber: Aus Realschulsicht ist diese Entwicklung sehr zu begrüßen, öffnet sie doch das Tor, um einerseits viel zu hohe Führungsspannen zu entschärfen und bietet andererseits endlich Aufstiegsmöglichkeiten (wenn auch zu wenige) für engagierte Kollegen, die nicht sofort und unbedingt mitten in die Schulleitung möchten.

    Wie “Mittlere Führungsebene” dann konkret interpretiert wird, ist sicher eine spannende Frage.

  31. Steff on 6.2.2013 at 23:40 sagte:

    Mela, Sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit vollkommen recht.
    Morgen ist ein guter Tag, um den Saulus abzulegen.
    Ich verabschied mich mit freundlichen Grüßen aus dieser Diskussion, um morgen halbwegens frisch mit meinen zwei geknechteten Stundenplanern über eine lange Nachmittagsschicht hinweg den Stundenplan fürs zweite Halbjahr feintunen zu können. Vielleicht konfrontier ich diese naiven Menschen am Ende des Tages mit der Frage nach der Verantwortung für ihre Knechtsarbeit. Vielleicht aber auch nicht: Eher werden wir einen Espresso schlürfen, was Süßes knabbern und uns über einen gelungenen Arbeitsschritt freuen.

    Wünsch Ihnen ein paar positive Gedanken an jedem ihrer Schultage.

    lg, SH

  32. Kollege D on 7.2.2013 at 20:24 sagte:

    -> Herr Rau
    bei der Erklärung des nicht ausgebreiteten wäre ich gerne zugegen…

  33. Tom on 7.3.2013 at 11:10 sagte:

    Steff sagte das Folgende: “[…] ich bin in der Schulleitung und verantworte den Stundenplan zusammen mit meinem Chef mit allen Fehlern gegenüber Kollegium, Eltern und allen anderen, die daran herumnörgeln.”

    Mit der erwähnten Verantwortung wird anscheinend die Beförderung auf A15 begründet.

    Jetzt muss ich aber mal dumm fragen: Welche Verantwortung eigentlich?
    Verantwortung bedeutet normalerweise, dass man Konsequenzen zu spüren bekommt, wenn etwas, das man verantwortet, schiefgegangen ist.

    Ich habe noch nie gesehen, dass irgendein A15er (oder höher) irgendwelche Konsequenzen zu spüren bekommen hätte, wenn etwas aus seinem Verantwortungsbereich nicht geklappt hat.
    Was soll denn passieren? Degradierung?

    Ich habe den Eindruck, “Verantwortung” ist hier das ganz falsche Wort. Ich glaube eher, dass zwar die ganze Arbeit an Leute delegiert wird, die keinesfalls angemessenen Ausgleich durch Ermäßigungen erhalten. Aber die halten schön die Klappe denn sie wollen ja selber mal A15 haben.
    Tja, und wenn die Arbeit wegdelegiert wurde, dann bleibt noch die Verantwortung – ups, die gibt es ja gar nicht. Was bleibt: A15 für mich, die Arbeit für dich…

  34. Peter on 13.11.2013 at 12:56 sagte:

    Inzwischen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen festgezurrt:
    http://www.bpv.de/hauptpersonalrat/erweiterte-schulleitung/index.php

    Die Antragsberfahren laufen an den verschiedenen Schulen, auch an unserer (Modus F – Schule).

    Daher wäre eine aktuelle Diskussion vielleicht auch für andere von Interesse.

    Peter

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