Kategorie: Deutsch

Jane Austen, Northanger Abbey (und Exkurs zur erlebten Rede)

Bekannte nehmen die junge Catherine Morland für ein paar Wochen mit nach Bath, wo man zur Erholung und zur Kur hinfährt und um neue Kleider vorzuführen. Dort freundet sie sich mit Isabella Thorpe an (an der auch Catherines Bruder interessiert ist), ohne deren Oberflächlichkeit zu erkennen. Isabellas Bruder, ein rechter Depp, wirbt um Catherine; diese verliebt sich aber in Henry Tilney, mit dessen Schwester sie Freundschaft schließt.

Catherine wird als Gegenstück zu den Heldinnen sentimentaler und sentimental-grusliger Romane eingeführt. Kein Findelkind wurde in ihrerm Heimatdorf abgegeben, dessen vornehme Herkunft sich später herausstellen könnte; sie kann weder besonders gut zeichnen noch musizieren, die Beziehung zu ihren Eltern ist unkompliziert; zum Abschied verlangt ihre Schwester nicht tränenreich einen Brief jeden Tag von ihr, sie wird nicht vor Edelleuten mit üblen Absichten gewarnt, sondern daran erinnert, sich warm genug anzuziehen, um sich nicht zu erkälten. Auf der Fahrt werden sie dann auch nicht von Räubern überfallen, und als Catherine den von ihr verehrten Tilney vertraulich mit einer fremden Frau sprechen sieht, fällt sie nicht in Ohnmacht, sondern schließt, dass das dann wohl seine Schwester ist.

Diese Bodenständigkeit verliert Catherine im letzten Drittel des Buches, als sie nach Northanger Abbey eingeladen wird, dem Anwesen, auf dem Henry und seine Schwester mit ihrem Vater leben. Catherine liest nämlich gerne Romane, am liebsten Schauerromane (die gerne mal in alten Abteien spielen), und so sieht sie eine Verschwörung um eine alte Mordtat um sich herum, die sich natürlich als bloße Einbildung entpuppt. Trotzdem gibt es dann vor dem glücklichen Ende noch etwas echtes Drama.

– Das Lesen hat mir viel Vergnügen bereitet. Bekannt ist das Buch als Parodie auf den englischen Schauerroman; tatsächlich ist der Teil, der in Bath spielt, umfangreicher, und hat mir auch besser gefallen. Catherine ist eine sympathische Heldin. Sie lebt in einer Gesellschaft voller Regeln, die sie nicht alle genau kennt, die sie aber nicht verletzen will – sie achtet sehr darauf, wie sie von anderen wahrgenommen wird. Es ist angenehm, mal eine derart mitdenkende Heldin zu haben.
Vermutlich ist das Buch gut für den Einstieg in Austen geeignet: Es gibt relativ wenige Personen; die zwei Teile des Buches funktionieren ziemlich unabhängig von einander; es gibt keine obskuren englischen Erbschaftsverhältnisse, die für den Plot wichtig sind.

Exkurs 1: Die Gothic Novel und ihre deutschen Vorläufer

Der zweite Teil von Northanger Abbey ist eine Parodie auf die englische gothic novel, eine Romanform, die im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert enorm populär war, und die zu Mary Shelleys Frankenstein führte. The Castle of Otranto (Horace Walpole, 1764) gilt als erster Vertreter: Geheimgänge, Ruinen, in Ohnmacht fallende Heldinnen, Übernatürliches, Schauplatz: Italien. Am populärsten war dann Ann Radcliffe, etwa mit The Mysteries of Udolpho (1794).

Catherine Morland mag diese Literatur, und Isabella Thorpe empfiehlt ihr in Kapitel 6 ein paar Romane zur Lektüre, die “Northanger Seven“:

“I will read you their names directly; here they are, in my pocket-book. Castle of Wolfenbach, Clermont, Mysterious Warnings, Necromancer of the Black Forest, Midnight Bell, Orphan of the Rhine, and Horrid Mysteries. Those will last us some time.”

Diese Bücher gibt es alle wirklich, und eines hat mich besonders interessiert: The Necromancer; or, The Tale of the Black Forest von Lorenz Flammenberg (Pseudonym von: Karl Friedrich Kahlert), in einer wohl recht freien zeitgenössischen Übersetzung von Peter Teuthold. Die deutsche Fassung habe ich leider nicht gefunden, die englische Übersetzung bei www.gutenberg.ca. Der Grund für mein Interesse: Bislang hatte ich immer nur gehört, dass Deutschland als Vorbild für Finsteres, Unheimliches, und die gothic novels galt. Edgar Allan Poe geht im Vorwort zu seinen Tales of the Grotesque and Arabesque auf den Vorwurf ein, er würde im deutschen Stil schreiben:

with a single exception, there is no one of these stories in which the scholar should recognise the distinctive features of that species of pseudo-horror which we are taught to call Germanic [...]. If in many of my productions terror has been the thesis, I maintain that terror is not of Germany, but of the soul

Aber ich hatte keine Vorstellung davon, was diese deutschen Vorbilder denn genau waren. Die romantischen Novellen kamen eher später, hätte ich gedacht. Bleibt der Sturm und Drang, und ja: Als Folge von Schillers Räubern blühte der Räuberroman, vorher schon der Geheimbundroman, populär waren auch Roman um Geisterbeschwörer, so dass sich selbst Schiller unwillig zu Der Geisterseher herabließ.

(Einen Rest davon gibt es in Eichendorffs “Taugenichts”: Im sechsten Kapitel verbringt unser Held eine Nacht in einem alten Schloss. Es kommt ihm alles sehr gruselig vor, er sieht eine alte Frau mit Messer, fühlt sich an Geschichten von Mord und Menschenfressern erinnert, die er gelesen hat. Nach einem Brief von “Aurelie”, der an ihn adressiert zu sein scheint, flieht er, verlockt von der Musik eines Studenten unter seinem Fenster, der ihm bei der Flucht hilft.)

Von diesen Romanen kriegt man heute kaum etwas mit.

Hier übrigens der Umschlag einer Ausgabe von Northanger Abbey, die nicht erkannt hat, dass es sich um eine Parodie handelt:

austen_northanger_abbey
Paperback Library Edition (New York), 1965.

Exkurs 2: Figurenrede

In einem Roman erzählt meist der Erzähler. “In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße,” steht da, und das sagt zu uns der Erzähler. Manchmal hört man aber auch die Stimme der Figuren selber. Neben weiteren Formen gibt es dafür folgende drei Möglichkeiten:

Direkte Rede

Eben hatte sich Effi wieder erhoben, um abwechselnd nach links und rechts ihre turnerischen Drehungen zu machen, als die von ihrer Stickerei gerade wieder aufblickende Mama ihr zurief: »Effi, eigentlich hättest du doch wohl Kunstreiterin werden müssen. Immer am Trapez, immer Tochter der Luft. Ich glaube beinah, dass du so was möchtest.«

Hier spricht die Mutter, der Erzähler tritt ganz zurück. Merkmal: Anführungszeichen.

Indirekte Rede

Und was nun die Kinder angehe – bei welchem Wort er sich, Aug in Auge mit dem nur etwa um ein Dutzend Jahre jüngeren Innstetten, einen Ruck geben musste -, nun, so sei Effi eben Effi und Geert Geert.

Hier fehlt zwar das aus dem Zusammenhang unschwer zu erschließende: “sagte der alte Briest”, aber dennoch ist klar, dass es sich um indirekte Rede handelt, dass also nicht der Erzähler uns mit der Weisheit, dass Effi eben Effi ist, beglückt, sondern dass das der alte Briest macht. Erkennbar ist das vor allem am für die indirekte Rede typischen Konjunktiv (“angehe”, “sei”). Durch dessen Verwendung betont der Erzähler geradezu, dass nicht er es ist, der hier spricht.

Erlebte Rede

Hier ein nichtfiktionales Beispiel aus der Rede des Bundestagspräsidenten Jenninger anlässlich des 50-jährigen Gedenkens an die Reichspogromnacht 1938:

Man genoss vielleicht in einzelnen Lebensbereichen weniger individuelle Freiheiten; aber es ging einem persönlich doch besser als zuvor, und das Reich war doch unbezweifelbar wieder groß, ja, größer und mächtiger als je zuvor. – Hatten nicht eben erst die Führer Großbritanniens. Frankreichs und Italiens Hitler in München ihre Aufwartung gemacht und ihm zu einem weiteren dieser nicht für möglich gehaltenen Erfolge verholfen?

Nicht Jenninger selbst stellt diese Frage, nicht er hält das Deutsche Reich für unbezweifelbar groß und mächtig: Sondern ein – fiktiver, für durchschnittlich angenommener – Deutscher 1938, dessen Gedanken hier Jenninger wiedergibt. Allerdings benutzt Jenniger hier etwas, das im Deutschen “erlebte Rede” heißt: Es gibt keine Anführungszeichen, keinen Konjunktiv, formal ist nicht zu unterscheiden, ob hier der Erzähler bzw. Jenninger spricht oder eine Figur: Beides ist 3. Person Singular Indikativ Präteritum, die normale Erzählform. Am Tag nach der Rede und den auf sie folgenden Protesten trat Jenninger vom Amt des Bundestagspräsidenten zurück.

Bei erlebter Rede verschwimmen die Grenzen zwischen Figur und Erzähler. Das kann effektiv sein. In dieser Passage aus Irrungen, Wirrungen von Fontane denkt Botho während eines Ausrittes in wörtlicher Rede vor sich hin:

“Weil ich sie liebe! Ja. Und warum soll ich mich dieser Neigung schämen? Das Gefühl ist souverän, und die Tatsache, dass man liebt, ist auch das Recht dazu, möge die Welt noch so sehr den Kopf darüber schütteln oder von Rätsel sprechen. Übrigens ist es kein Rätsel, und wenn doch, so kann ich es lösen. Jeder Mensch ist seiner Natur nach auf bestimmte, mitunter sehr, sehr kleine Dinge gestellt, Dinge, die, trotzdem sie klein sind, für ihn das Leben oder doch des Lebens Bestes bedeuten. Und dies Beste heißt mir Einfachheit, Wahrheit, Natürlichkeit. Das alles hat Lene, damit hat sie mir’s angetan, da liegt der Zauber, aus dem mich zu lösen mir jetzt so schwer fällt.”

So denkt doch kein Mensch! Umgeformt in erlebte Rede sieht das viel natürlicher aus:

Weil er sie liebte! Ja. Und warum sollte er sich dieser Neigung schämen? Das Gefühl war souverän, und die Tatsache, dass man liebte, war auch das Recht dazu, mochte die Welt noch so sehr den Kopf darüber schütteln oder von Rätsel sprechen. Übrigens war es kein Rätsel, und wenn doch, so konnte er es lösen. Jeder Mensch war seiner Natur nach auf bestimmte, mitunter sehr, sehr kleine Dinge gestellt, Dinge, die, trotzdem sie klein waren, für ihn das Leben oder doch des Lebens Bestes bedeuteten. Und dies Beste hieß ihm Einfachheit, Wahrheit, Natürlichkeit. Das alles hatte Lene, damit hatte sie’s ihm angetan, da lag der Zauber, aus dem sich zu lösen ihm jetzt so schwer fiel.

– Erlebte Rede gibt es auch im Englischen, dort heißt sie “free indirect speech”. Im Englischen gibt es keinen nennenswerten Konjunktiv mehr, der in indirekter Rede verwendet wird, stattdessen gibt es etwas, das “backshift” heißt, kurz gesagt: aus present tense in der direkten Rede wird beim Erzählen past. Aus “I want to break free” wird “He said he wanted to break free” (indirect speech) beziehungsweise ohne die Redeeinleitung gleich “He wanted to break free” (free indirect speech) – also unsere erlebte Rede.

Was das alles mit Jane Austen zu tun hat

Bei Northanger Abbey gibt es schon inneren Monolog:

“This is strange indeed! I did not expect such a sight as this! An immense heavy chest! What can it hold? Why should it be placed here? Pushed back too, as if meant to be out of sight! I will look into it—cost me what it may, I will look into it—and directly too—by daylight. If I stay till evening my candle may go out.” [Chapter 21]

Es gibt aber auch indirekte Rede ohne redeeinleitendes Verb (wie: free indirect speech) aber mit Anführungszeichen:

The place in the middle alone remained now unexplored; and though she had “never from the first had the smallest idea of finding anything in any part of the cabinet, and was not in the least disappointed at her ill success thus far, it would be foolish not to examine it thoroughly while she was about it.”

Der Zusammenhang macht klar, dass die Ansichten, die innerhalb der Anführungszeichen stehen, nicht die des Erzählers sind, sondern die von Catherine – erlebte Rede, free indirect speech, aber durch die Anführungszeichen eben nicht ganz so free.

Das gibt es im späten 18. Jahrhunbdert sicher ständig, ist mir jetzt aber zum ersten Mal so richtig aufgefallen. (Der prinzipielle Gebrauch von Anführungszeichen für wörtliche Rede wurde in England erst ab 1714 etabliert.) Northanger Abbey ist voller Beispiele. Hier spricht der alte Tilney zu Catherine:

The netting-box, just leisurely drawn forth, was closed with joyful haste, and she was ready to attend him in a moment. “And when they had gone over the house, he promised himself moreover the pleasure of accompanying her into the shrubberies and garden.” She curtsied her acquiescence. “But perhaps it might be more agreeable to her to make those her first object. The weather was at present favourable, and at this time of year the uncertainty was very great of its continuing so. Which would she prefer? He was equally at her service. Which did his daughter think would most accord with her fair friend’s wishes? But he thought he could discern. Yes, he certainly read in Miss Morland’s eyes a judicious desire of making use of the present smiling weather. But when did she judge amiss? The abbey would be always safe and dry. He yielded implicitly, and would fetch his hat and attend them in a moment.” [Chapter 22]

Herkömmliche indirekte Rede ohne Anführungszeichen gibt es natürlich auch. Ich vermute mal, ohne das überprüft zu haben, dass Austen bei indirekter Rede genau und nur dann Anführungszeichen setzt, wenn kein explizites redeeinleitendes Verb vorhanden. Dann dürfte diese erlebte Rede quasi nur in Anführungszeichen vorkommen. Nachgeprüft habe ich das nicht.

Wikipedia entnehme ich, dass Jane Austen und Goethe zu den ersten gezählt werden, die erlebte Rede bzw. free indirect speech verwenden. Dann ist das wohl in Vergessenheit geraten und erst wieder über Flaubert in die moderne Literatur gekommen.

Flüchtige Küsse, bildlich

Aus Wolf Haas, Verteidigung der Missionarsstellung:

Und so still und unauffällig, als würde er sie gar nicht auf die Lippen küssen, sondern als informierte ein schmierestehender Ganove die an den Vitrinen arbeitenden Schmuckdiebe mit einem gerade noch unterhalb der Alarmschwelle liegenden, praktisch unhörbar trockenen Lippengeräusch über das Herannahen des Nachtwächters, […] als würde Benjamin Lee Baumgartner die namenlose Burgerverkäuferin keineswegs küssen, sondern als wäre es der Rinderwahn, der ihn zu diesem unmotivierten Kopfzucken zwang, küsste er sie so kurz und flüchtig auf die Lippen, dass schon im nächsten Moment nicht mehr ganz sicher war, ob er es getan hatte.

Hinter dem Auslassungszeichen im Zitat kommen im Original noch vier weitere immer elaboriertere Vergleiche, alle innerhalb der gleichen Periode. Die Schüler kriegten den ganzen Ausschnitt zu lesen und mussten dann analoge Vergleiche finden, die sich in die Vorlage einfügen sollten. Hier sind ein paar davon:

So still und unauffällig wie ein Spion, der den Auftrag erhalten hatte, den mächtigsten Mann der Welt auszuspionieren und Daten zu stehlen, die strategischen Vorteil bringen in einem Krieg, der verloren scheint, aber es nicht ist, die aber in einer Kammer gelagert sind, die mit einer Alarmanlage gesichert ist, die auf zu hohe Lautstärken reagiert, aber nur mit einem Lip­penscan deaktiviert werden kann, um festzustellen, ob es kein Roboter ist, diesen Alarman­lagenscan durchführt, küsste er sie.

…so still und flüchtig, als würde er sie gar nicht auf die Lippen küssen, sondern als wäre er der frei schwebende, von der Strömung getragene Tentakel einer Kompassqualle, die das zarte Bein eines jungen Mädchens streift, welche mit ihren Eltern den schon lang er­träumten Urlaub macht und sich gerade von den sanften Wellen der Ägäis in Richtung Küste treiben lässt, nach­dem sie zuvor aus Übereifer etwas zu weit aufs Meer hinaus ge­schwommen war…

…so leise, wie wenn ein Affe sich in den Bäumen so sachte, dass man nicht einmal den Wind in den Blättern hört, von Ast zu Ast hangelt um an der dösenden Schlange, die mit geschlossenen Augen in gerade diesem Baum hängt, in dem sich der Affe bewegt, die Mango zu rauben, um deren Saft, mit gespitzten Lippen aus zu schlürfen, küsste er sie, …

…so kurz und flüchtig, als würde er sie gar nicht küssen, sondern als würde ein längst ausge­storbener Flugsaurier mit nahezu unscheinbaren Schwingen über ein einzelnes Blatt schweben, weder deutlich noch wahrnehmbar, während die trockene Luft zwischen den Bäumen eine Be­rührung gerade zu greifbar und dennoch nicht bestimmt erscheinen lassen und eben jene hauchdünne Konsistenz der Flügel, die ebenso ungewichtigen, vom Wind zurückgelassenen Blätter, an der Spitze der Bäume streifen, …

…so kurz und flüchtig küsste er sie, wie ein Ertrinkender, der nach seinem scheinbar endlo­sen Kampf im dunklen Blau des Meeres, das dazu auch noch erschreckend tief war, in ra­sender Ver­zweiflung, japsend und nach Luft ringend, seinen letzten, kurzen, flüchtigen, nur gering sauer­stoffhaltigen Atemzug tat und schlussendlich mit einem sachten Blubbern unterging…

Nominalstil mit Perry Rhodan

Nominalstil ist zum Beispiel bei Gliederungen verlangt. Nominalphrasen bestehen aus einem nominalen Kern (in der Regel ein Substantiv) mit möglichen Attributen drumherum. Eine Nominalphrase im Nominativ kann zum Beispiel immer als Subjekt eines Satzes eingesetzt werden.
Keine Nominalphrase liegt vor, wenn es sich um einen ganzen Satz handelt. Oder einen unvollständigen Satz. Oder eine Präpositionalphrase: “wegen des schönen Wetters” ist keine Nominalphrase, “das schöne Wetter” schon.

Wem das zu theoretisch ist, der kann das mit der Liste der ersten 2699 Perry-Rhodan-Heftromane üben. Vorher aber zur Einstimmung, wie bei meinen Schüern, sich bei Google die Titelbilder anschauen, oder gleich bei der Perrypedia. Das Kulturgut Heftroman wieder mal in Erinnerung rufen.

Danach erhielten meine Schüler eine Tabellenkalkulationsdatei, in der sie – bei den ersten 300 Heften – ankreuzen sollten, bei welchem Titel es sich um eine Nominalphrase (257), eine Präpositionalphrase (23), einen ganzen Satz (12) oder eine Ellipse (9) handelt. Bei Ellipse und Satz kann man unterschiedlicher Meinung sein, und auch sonst kann man über meine Zahlen streiten. Die Schüler haben jedenfalls etliche Fehler in meiner Musterlösung gefunden.

Ich denke, auch Genitiv- oder Präpositional-Attribute lassen sich mit der Liste gut üben.

Alternativ gibt es noch Geisterjäger John Sinclair (1800+ Hefte) oder Jerry Cotton (3000? Hefte), aber das ist wohl weniger geeignet für die Schule. Dafür ist es hilfreich, bei Perry Rhodan erklären zu können, was ein Mausbiber ist – allerdings hat kein Schüler danach gefragt.

Zum Einstimmen ein paar Titel:

  1. Unternehmen Stardust
  2. Die dritte Macht
  3. Die strahlende Kuppel
  4. Götterdämmerung
  5. Atom-Alarm
  6. Das Mutanten-Korps
  7. Invasion aus dem All
  8. Die Venusbasis
  9. Hilfe für die Erde
  10. Raumschlacht im Wega-Sektor
  11. Mutanten im Einsatz
  12. Das Geheimnis der Zeitgruft
  13. Die Festung der sechs Monde
  14. Das galaktische Rätsel
  15. Die Spur durch Zeit und Raum
  16. Die Geister von Gol
  17. Planet der sterbenden Sonne
  18. Die Rebellen von Tuglan
  19. Der Unsterbliche
  20. Venus in Gefahr
  21. Der Atomkrieg findet nicht statt
  22. Thoras Flucht
  23. Geheimschaltung X
  24. Im Dschungel der Urwelt
  25. Der Overhead
  26. Duell der Mutanten
  27. Im Banne des Hypno
  28. Der kosmische Lockvogel
  29. Die Flotte der Springer
  30. Tifflor, der Partisan
  31. Der Kaiser von New York
  32. Ausflug in die Unendlichkeit
  33. Eiswelt in Flammen
  34. Levtan, der Verräter
  35. Im Land der Götter
  36. Die Seuche des Vergessens
  37. Ein Planet spielt verrückt
  38. Vorstoß nach Arkon
  39. Die Welt der drei Planeten
  40. Aktion gegen Unbekannt
  41. Der Partner des Giganten
  42. Raumschiff TITAN funkt SOS
  43. Rauschgifthändler der Galaxis
  44. Der Mensch und das Monster
  45. Seuchenherd Aralon
  46. Geschäfte mit Arkon-Stahl
  47. Gom antwortet nicht
  48. Rotes Auge Beteigeuze
  49. Die Erde stirbt
  50. Der Einsame der Zeit
  51. Jagd nach dem Leben
  52. Der falsche Inspekteur
  53. Die Verdammten von Isan
  54. Der Zweikampf
  55. Der Schatten des Overhead
  56. Die Toten leben
  57. Der Attentäter
  58. Attacke aus dem Unsichtbaren
  59. Rückkehr aus dem Nichts
  60. Festung Atlantis
  61. Der Robot-Spion
  62. Die blauen Zwerge
  63. Die Mikro-Techniker
  64. Im Zeit-Gefängnis
  65. Ein Hauch Ewigkeit
  66. Wächter der Verbannten
  67. Zwischenspiel auf Siliko V
  68. Hetzjagd durch die Dimensionen
  69. Im Halbraum lauert der Tod
  70. Die letzten Tage von Atlantis
  71. Fehlsprung der Tigris
  72. Die Gesandten von Aurigel
  73. Die drei Deserteure
  74. Das Grauen
  75. Das rote Universum
  76. Unter den Sternen von Druufon
  77. In den Fesseln der Ewigkeit
  78. Thoras Opfergang
  79. Die Atomhölle von Gray Beast
  80. In den Höhlen der Druuf
  81. Raumschiff der Ahnen
  82. Schach dem Universum
  83. Hallo Topsid, bitte melden!
  84. Rekruten für Arkon
  85. Kampfschule Naator
  86. Der Schlüssel zur Macht
  87. Die Schläfer der ISC
  88. Der Fall Kolumbus
  89. Guckys große Stunde
  90. Atlan in Not
  91. Ernst Ellerts Rückkehr
  92. Geheimmission Moluk
  93. Der Feind im Dunkel
  94. Die flammende Sonne
  95. Himmel ohne Sterne
  96. Der Anti
  97. Preis der Macht
  98. Entfesselte Gewalten
  99. Ein Freund der Menschen
  100. Der Zielstern
  101. Der Weltraum-Tramp
  102. Abteilung III greift ein
  103. Das Plasma-Ungeheuer
  104. Nur ein Greenhorn
  105. Die Geisterflotte
  106. Der Götze von Passa
  107. Das blaue System
  108. Die Wüste des Todes
  109. Der Blockadering um Lepso
  110. Auf den Spuren der Antis
  111. Unter falscher Flagge
  112. Der Mann mit den zwei Gesichtern
  113. Die Wunderblume von Utik
  114. Rufer aus der Ewigkeit
  115. Der Imperator und das Ungeheuer
  116. Duell unter der Doppelsonne
  117. Die gestohlene Raumflotte
  118. Der Robot-Sergeant
  119. Saat des Verderbens
  120. Der Planet Mechanica
  121. Das Erbe der Echsen
  122. Der Tod des Lordadmirals
  123. Saboteure in A-1
  124. Das Psycho-Duell
  125. Retter des Imperiums
  126. Die Schatten greifen an
  127. Zwischen den Milchstraßen
  128. Mörder aus dem Hyperraum
  129. Atombrand auf Mechanica
  130. Freiwillige für Frago
  131. Das Versteck in der Zukunft
  132. Die Macht der Unheimlichen
  133. Roboter, Bomben und Mutanten
  134. Die Kanonen von Everblack
  135. Wächter in der Einsamkeit
  136. Bestien der Unterwelt
  137. Sturm auf die Galaxis
  138. Risiko unendlich groß
  139. Die Laurins kommen!
  140. Ein Toter soll nicht sterben
  141. Station der Unsichtbaren
  142. Agenten der Vernichtung
  143. Für Menschen verboten
  144. Roboter lassen bitten…
  145. Armee der Gespenster
  146. Hinter der Zeitmauer
  147. Amoklauf der Maschinen
  148. Sprung in den Interkosmos
  149. Kampf um die Hundertsonnenwelt
  150. Die Spezialisten der USO
  151. Signale der Ewigkeit
  152. Größer als die Sonne…
  153. Eine Handvoll Leben
  154. Der Gehetzte von Aralon
  155. Die Sklaven von Nowhere
  156. Lemy und der Krötenwolf
  157. Explorer in Not
  158. Die Geißel der Galaxis
  159. Gucky, der Großwildjäger
  160. Der Spiegel des Grauens
  161. Vier von der USO
  162. Der Pakt mit dem Tod
  163. Das zweite Imperium
  164. Im Bann des Riesenplaneten
  165. Kontaktschiff Terrania
  166. Im Labyrinth von Eysal
  167. Spione von der Erde
  168. Die Eisfalle
  169. Die kleinen Männer von Siga
  170. Im Dschungel der Sterne
  171. Kampf der vier Mächte
  172. Das Geheimnis der heiligen Insel
  173. Unternehmen Nautilus
  174. Die Panzerbrecher
  175. Wettlauf gegen die Zeit
  176. In letzter Minute
  177. Der Untergang des 2. Imperiums
  178. Die Todeskandidaten von Akon
  179. Notlandung auf Beauly II
  180. Der gnadenlose Gegner
  181. Gefangen in Zentral-City
  182. Drei von der galaktischen Abwehr
  183. Die Dschungel-Armee
  184. Gucky und die Blaue Garde
  185. Flammen über Badun
  186. Die Hypno-Kugel
  187. Soldaten für Kahalo
  188. Die lebenden Toten
  189. Die Expedition der Mausbiber
  190. Admiral Gecko
  191. Tschato, der Löwe
  192. Die Kriegslist des Akonen
  193. Panik im Sonnensystem
  194. Die heimliche Invasion
  195. Der Sturz des Sterndiktators
  196. Planet der letzten Hoffnung
  197. Höllentanz der Riesen
  198. Die letzte Bastion
  199. Arkons Ende
  200. Die Straße nach Andromeda
  201. Sternstation im Nichts
  202. Die Retter der CREST
  203. Die Stadt der Verfemten
  204. Das Drung
  205. Der Wächter von Andromeda
  206. Die Schrecken der Hohlwelt
  207. Die 73. Eiszeit
  208. Die blauen Herrscher
  209. Im Banne der Scheintöter
  210. Auf den Spuren der CREST
  211. Geheimwaffe Horror
  212. Die Mikro-Festung
  213. Giganten am Südpol
  214. Der Kampf um die Pyramiden
  215. Endstation des Grauens
  216. Aufbruch der Oldtimer
  217. Gefahr aus der Vergangenheit
  218. Brennpunkt Twin
  219. Teleporter Achtung!
  220. Der Tod von den Sternen
  221. Verschleppt nach Andro-Alpha
  222. Die Doppelgänger von Andromeda
  223. Die fünfte Kolonne
  224. Agenten gegen das Imperium
  225. Rendezvous im All
  226. Die Parasprinter
  227. Der Duplo und sein Schatten
  228. Die Rache des Mutanten
  229. Feind aus fremder Galaxis
  230. Finale für Twin
  231. Das System der Verlorenen
  232. Die Zeitfalle
  233. Geheimsatellit Troja
  234. Wachkommando Andro-Beta
  235. Die Kaste der Weißrüssel
  236. Im Camp der Gesetzlosen
  237. Die drei Sternenbrüder
  238. Der Geleitzug ins Ungewisse
  239. Welt unter heißer Strahlung
  240. An der Schwelle der Hölle
  241. Fünf von der CREST
  242. Das Rätsel des Sumpfplaneten
  243. Raumaufklärer 008
  244. Die Kugel aus Zeit und Raum
  245. Notrufe aus dem Nichts
  246. Kontrollstation Modul
  247. Der Herr der Androiden
  248. Unter Einsatz seines Lebens…
  249. Der Geist der Maschine
  250. Die sechste Epoche
  251. Die Armee der Biospalter
  252. Die Welt der Regenerierten
  253. Vorstoß in die Dunkelwelt
  254. Die Geistersonne
  255. Sperrzone Andromeda
  256. Im Reiche der Zentrumswächter
  257. Der Dreitöter
  258. Die Mikro-Henker
  259. Der unheimliche Roboter
  260. Gespenster der Vergangenheit
  261. Die Fabrik des Teufels
  262. Der Meisterplan
  263. Sieben Stunden Angst
  264. Die Invasion der Toten
  265. Das Zeitauge
  266. Die Tempel von Darak
  267. Rückkehr in die Gegenwart
  268. Stoßtrupp in Zeit und Raum
  269. Jagd auf den Zeitagenten
  270. Ultimatum an Unbekannt
  271. Die Welt der Körperlosen
  272. Flaggschiff in Not
  273. Unter den Gletschern von Nevada
  274. Zwischen Feuer und Eis
  275. Der Flug nach Barkon
  276. Irrweg durch die Zeit
  277. Befehle aus der 5. Dimension
  278. In geheimer Mission auf Lemuria
  279. Die Bezwinger der Zeit
  280. Die Weltraumdetektive greifen ein
  281. Kampf in der Tiefsee
  282. Die Spur zu Jagos Stern
  283. Flucht vom Giftplaneten
  284. Anschlag gegen die Erde
  285. Die dritte Waffe
  286. Jagd auf die Teleporterkugel
  287. Die Halle der Unbesiegbaren
  288. Das Sonneninferno
  289. Das System der blauen Riesen
  290. Koordinaten ins Jenseits
  291. Brücke zwischen den Sternen
  292. Der Bahnhof im Weltraum
  293. Unternehmen Central-Station
  294. Die Eroberer
  295. Der verlorene Planet
  296. Die Herrin der Sterne
  297. Superfestung Tamanium
  298. Amoklauf der Schläfer
  299. Am Ende der Macht
  300. Alarm im Sektor Morgenrot

(Tabellenkalkulationsdatei herunterladen, mit Lösung für die ersten 300 Hefte; das Dokument ist geschützt, so dass man nur in manche Zellen etwas eingeben kann, der Schutz kann aber ohne Kennwort aufgehoben werden.)

Wenn ich das nächste Mal Datenbanken in der 9. Klasse mache, weiß ich schon, mit welcher Beispieldatenbank ich arbeiten werde…

U. Poznanski, Erebos

poznanski_erebosNachdem mir im Lauf des letzten Jahres mein Neffe aus der 6. Klasse das Buch empfohlen hat, dann ein Schüler aus der 8. Klasse, und eine wenig lesende Elftklässlerin ebenso, musste ich es nun doch lesen. Es hat also etwas gedauert; ich bin bei deutscher Jugendbuchliteratur generell skeptisch, bei dicken Büchern auch, und wenn es dann auch noch um Computer geht, ist mir das auch eher ein Warnsignal. 486 Seiten.

(Weitgehend spoilerfrei, nachdem alle Prämissen geklärt sind.)

Ausgangspunkt der Geschichte: An einer Schule in London benehmen sich einige Schüler ungewöhnlich. Fehlen in der Schule, sind übermüdet, vernachlässigen ihre bisherigen Freizeitaktivitäten und Freunde. Die Ursache, das kriegt die junge Hauptperson Nick bald heraus, ist ein Computerspiel, das heimlich von Hand zu Hand herumgereicht wird. Auch Nick kommt bald an das Spiel und ist genauso davon fasziniert wie die anderen.

Es handelt sich um ein Fantasy-Online-Spiel, vergleichbar mit World of Warcraft, vielleicht eine Nummer kleiner als das. Man erschafft sich eine Spielfigur, läuft mit dieser in der Fantasywelt herum, trifft Nichtspielercharaktere und andere Spieler, erschlägt verschiedene Monster und verbessert die Punktewerte der Figur und deren Ausrüstung.

Das Spiel ist so gut, so spannend, dass die Spieler stunden- und nächtelang spielen, und dann eben auch mal nicht in die Schule gehen. Außerdem hat das Spiel einige weitere ungewöhnliche, geradezu geheimnisvolle Aspekte, was seine Verbreitung und die Geheimhaltung darum betrifft. Und es weiß zumindest scheinbar mehr über den Spieler, als eigentlich möglich ist.

Wenn ein Spieler schneller aufsteigen möchte, oder die Spielfigur kurz vor dem Tod im Spiel steht, macht das Spiel in Form eines wichtigen Nichtspielercharakters ein Angebot. (Nichtspielercharaktere: Figuren in diesen Spielen, die vom Computer gesteuert werden, also Monster, Stadtbevölkerung, Händler, diverse Auftraggeber; können mehr oder weniger individuell gestaltet sein.) Man kriegt Extrapunkte, wird geheilt, steigt schneller auf, wenn man kleine Aufträge erledigt – Aufträge in der wirklichen Welt, in London. So muss Nick etwa ein Päckchen an einer genau bezeichneten Stelle abholen und anderswo deponieren. Nach und nach werden die Aufträge immer ominöser, und natürlich erhalten auch andere Spieler solche Aufträge.

– Als Buch selber war Erebos für mich wenig ergiebig. Es ist völlig humorlos; keine der Person macht eine irgendwie nennenswerte Entwicklung durch. Dabei geschehen durchaus dramatische Sachen, und doch ist am Schluss eigentlich alles wieder wie vorher. Das kann durchaus eine starke Wirkung haben, etwa in Goldings Herr der Fliegen, wenn die Erwachsenen die Kinder von der Insel abholen und gar nicht mitkriegen, was dort alles geschehen ist: Das bedeutet, dass all das, was auf der Insel zum Vorschein gekommen ist, bei passender Gelegenheit jederzeit wieder da sein kann. Bei Erebos wird dadurch aber nichts über das Wesen des Menschen ausgesagt. Da kommt der Leser heraus mit einem: “Oh, cool, wenn es so ein Spiel wirklich gäbe!” Aber gut, nicht jedes Jugendbuch muss auch für mich als Erwachsenen gewinnbringend sein.

Das Buch hatte aber auch interessante Aspekte für mich. Gut getroffen: Als Leser kommt mir das Streben der jugendlichen Spieler, den Punkten in diesem Spiel hinterherzurennen und Level aufzurüsten, so überhaupt nicht nachvollziehbar und ziemlich sinnlos und oberflächlich vor. Andererseits: So sinnlos und oberflächlich ist es ja auch. Ist also nur konsequent.
Die beschriebene Fantasy-Welt ist entsetzlich öde und flach, zweidimensional, klischeehaft. Wie soll die Spieler in ihren Bann ziehen? Das ist nichts von dem Detailreichtum, den es etwa bei Tolkien gibt. Man hat den Fantasy-Mischwald geradezu vor Augen, bestehend aus maximal drei verschiedenen Baumtypen, fein säuberlich immer einer nach dem anderen aufgestellt. Das liest sich fade, und das soll so überwältigend faszinieren?

Andererseits: Damit ein echtes Spiel Leben gewinnt und eine Geschichte entwickelt, dazu braucht es gar nicht viel. Selbst bei so einema bstrakten Spiel wie Schach kann in einer Partie viel Drama stecken, da gibt es Angriffe und Hinterhalte und Finten und verloren geglaubte Schlachten – genug für eine Geschichte. Und echte Online-Rollenspiele bieten auch genügend Gelegenheit dazu, in einem Blogeintrag habe ich mal auf zwei Seiten bei Cracked.com verlinkt, mit Geschichten aus der MMORPG-Welt. Da gibt es schon tolle Sachen – weit faszinierendere als bei dem Erebos-Spiel. Dessen Faszination bleibt für mich nicht nachvollziehbar, die muss ich als gesetzt hinnehmen.

Was mir als Spielerfreund fehlt: “Gaming the system”, das Spiel als solches erkennen und dessen Lücken ausnutzen. Gibt es in Wirklichkeit viel, im Buch nicht, da spielen die Figuren so, wie sie sollen. In Wirklichkeit sind Spieler kreativer – gut, vielleicht nur die Spieler, die ich verstehe.

Gefallen hat mir wiederum der Gedanke, durch Botendienste außerhalb des Spiels schneller Punkte zu kriegen. Denn das erinnert mich sehr an das Konzept in-game purchase, das es bei vielen kostenlosen Spielen kriegt. Da kann man sich auch mühsam Punkte erarbeiten, oder nach Verletzung zwölf Stunden Pause machen, um zu heilen – aber wenn man keine zwölf Stunden (Echtzeit!) warten oder doch halt gleich sofort bitte das mächtige Schwert haben möchte, dann muss man mit echtem Geld bezahlen.

Nicht gefallen hat mir die Willkür des Spiels beziehungsweise der Nichtspielfigur, die die Verhandlungen mit der Spielfigur führt. Der wirkte eher unberechenbar und großzügig-gönnerhaft wie ein Sektenführer oder Drogendealer aus dem Kino. Als echter Spieler hätte mich das abgeschreckt, da möchte ich mehr Berechenbarkeit.

Gut gefallen: Die heldenhafte Musik, die man hört, wenn man als Spieler auf dem richtigen Weg ist. Wie einfach man als Spieler doch zu manipulieren ist.

Nicht gut gefallen: Erwachsene spielen keine Rolle, kommen nur zum Aufräumen vorbei. Selbst nach dem eigentlichen Höhepunkt kümmern sich die jugendlichen Helden selber noch um viele Sachen. (“Adults are useless.”)

Technisch begeht das Buch keine größeren Fehler, lässt sich aber auch wenig zu konkreten Aussagen hinreißen. Computer funktionieren halt irgendwie semi-magisch, vermutlich mit einem dieser Algorithmen, von denen man so viel hört. (Einmal steht IP-Adresse, wo es MAC-Adresse heißen müsste bei der Identifizierung eines Rechners.)

Bei Erebos wird am Schluss nichts offen gelassen. Bei einem großen Treffen gestehen sich die Jugendlichen, welche Spielfigur sie in der Fantasy-Welt waren. Da hätte man mehr daraus machen können; bei den meisten war es unmöglich und auch nicht beabsichtigt, irgendwie darauf zu kommen, wer wer war. Schöner wäre es, mehr Hinweise zu geben, aber dazu hätten die Charaktere vielleicht mehr Eigenleben entwickeln müssen – so waren fast alle nur Namen, vielleicht noch mit einem Label “die Schüchterne” versehen.
Vor ein paar Jahren hat der Fotograf Robbie Cooper eine Ausstellung gemacht, “Alter Ego” (Buch dazu kriegt man im Online-Buchhandel), in der es Fotos von Computer-Rollenspielern und ihren Avataren gegenüberstellte. Online unter http://www.robbiecooper.org/small.html, und dann im Menü “simulations / alter ego / photos ->” auswählen.

Als Schullektüre: Vielleicht in der 6. Klasse? Gefällt dann auch den Jungs, die sonst wenig lesen. Komisch, aber wenn die Wenigleser mal was lesen, dann immer diese dicken Schinken. Tatsache ist jedenfalls, dass das Buch bei Schülern wohl sehr gut ankommt, und bei einigen Erwachsenen, die ich kenne, auch.

Wer ansonsten mal sehen will, wie reich so eine Welt sein kann, schaut sich mal Dwarf Fortress an.

(Mitten im Buch hatte ich kurz die Idee: Der oberböse Gegenspieler des Spiels, von dem gelegentlich die Rede ist, stellt sich als – sagen wir – “der Büchermeister” heraus. Das Spiel versucht Leute für sich zu rekrutieren, mit dem Spiel, und der Büchermeister auch, mit einem Buch, und zwar mit eben dem, das man gerade liest. Schade nur, dass dank des Buchs dann trotzdem alle Leser das beschriebene Spiel toller finden werden als das Buch – das gedruckte Wort als Eigentor. Und überhaupt ist das dann doch eine eher wirre Idee, gerne wieder vergessen.)

Mit dem Erörtern werde ich nicht richtig warm

Was das Arbeiten mit literarischen Texten betrifft, bin ich im Fach Deutsch über die Jahre hinweg mit den Leistungen meiner Schüler zufrieden. Ich habe das Gefühl, sie lernen etwas dazu. Bei den Erörterungen habe ich dieses Gefühl sehr viel weniger.

Dabei gehört zu meinen Vorstellungen von einem Abiturienten eigentlich schon, dass er Aufsätze schreiben kann etwa zum Thema von 2011:

“Freundschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation”
Setzen Sie sich mit diesem Thema auseinander, indem sie eine [sic - fett und kursiv und unterstrichen] der beiden Varianten bearbeiten!

Variante 1:
Erörtern Sie unter Berücksichtigung der beigefügten Materialien und Ihrer eigenen Erfahrungen Chancen und Risiken für Freundschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation! Entwickeln Sie ausgehend von Ihren Ergebnissen Vorschläge, wie die Chancen erweitert und die Risiken eingedämmt werden können!

Aber ich fürchte, das geht so einfach nicht. Auf jeden Fall ist die Erörterung im Abitur das Thema, das in Bayern stets am wenigsten von den Schülern gewählt wird. Und ich glaube nicht, dass die Schüler, die sich darauf einlassen, dann gut fahren damit.

(Trotzdem würde ich gerne mal richtig gute Erörterungen von real existierenden Schülern sehen. Wenn da jemand welche veröffentlichen möchte, wäre ich sehr verbunden.)


Was gefällt mir denn an Erörterungen nicht? Wenn ich mir das Abiturthema von oben anschaue: Die Schüler müssen Aufsätze schreiben zu einem Thema, zu dem sie zu wenig Wissen haben. Ich sage bewusst: Wissen. Argumentationskompetenz haben sie durchaus. Da kommen dann solche Argumente heraus (Mittelstufe, paraphrasiert):

Die meisten Computerspieler bewegen sich nur wenig und treiben keinen Sport. Da man sich auch beim Computerspielen nicht viel bewegt, werden Computerspieler häufig dick. Es gibt zwar auch Sportsimulationen, aber die ändern nichts daran. In einem Computerspielmagazin habe ich von einem 20-Jährigen gelesen, der immer nur vor dem Computer saß und spielte und deshalb sehr dick geworden ist.

Ist doch schön logisch und zusammenhängend aufgebaut. Aber die Prämisse ist falsch. (Und Schüler, die nicht wissen, was ein casual game und ein MMORPG ist, brauchen mir keine Aufsätze über Computerspiele zu schreiben.)

Oder ein anderer Aufsatz, in dem es um E-Reader und traditionelle Bücher geht. Auf der Pro-Seite steht, dass man durch E-Reader Energie spart, weil kein Papier erzeugt und verbraucht wird. Auf der Kontra-Seite steht, dass man durch Bücher Energie spart, weil die keinen Strom brauchen. Also was jetzt? Es kann doch nicht beides wahr sein, so schön logisch man das argumentieren kann. Neben der Logik gibt es auch noch Fakten, und ich halte faktenfreie, noch so schön zusammenhängende Erörterung für Blödsinn. Faktenfreies Erörtern gibt es im Fernsehen genug.
(Wer das mit dem Energieverbrauch bei Papier vs. E-Bücher wissen will: bei Slate steht die Antwort.)

Manchen Lehrern ist das mit den Fakten so egal, dass sie nichts dagegen haben, wenn die Schüler Statistiken erfinden. “In einer Zeitung habe ich gelesen, dass”, “die Wissenschaft hat bewiesen, dass”, “laut einer Statistik”. Dazu gesellen sich dann die erfundenen Nachbarn und Verwandten, die als Beispiele herangezogen werden. Ich finde beides unmöglich.


Wie kann man verhindern, dass Schüler Aufsätze über Themen schreiben müssen, von denen sie nichts verstehen und die sie nicht recherchieren können (weil in der Prüfung keine Recherche möglich ist)?

Ich kenne drei Möglichkeiten, die auch alle praktiziert werden. Erörterungen zu gänzlich unbekannten und nicht vorbereiteten Themen gibt es ohnehin schon lange nicht mehr.

1. Man nimmt ein Thema, bei denen die Schüler sich auskennen und genug wissen, dass sie keinen Unsinn schreiben.
Ich glaube nicht, dass es da viele Möglichkeiten gibt.

2. Man gibt den Schülern – so wie im Abitur – begleitendes Textmaterial mit, damit sie während der Prüfung Zugang zu genügend Daten haben, um keinen Unsinn zu schreiben.
Sagen wir: Im Abitur klappt das mäßig. Dann müsste man mehr Lesekompetenz fördern, und mehr Wissen ansammeln, damit man die neuen Informationen mit bereits bekannten in Verbindung bringen kann. Anders gesagt: Es hilft, um das Abiturbeispiel oben zu nehmen, enorm, wenn man schon mal über das Thema Freundschaft nachgedacht hat. Zu diesem Nachdenken kommt es wenig, aber vielleicht lässt sich das verbessern. (Ehrlich gesagt: Wenn man in der Unterstufe anhand einer Lektüre mal ein Wandbild zum Thema Freundschaft macht, bleibt davon beim Abitur wenig übrig. Auch von den religiösen Orientierungstagen in der 10. ist da keinerlei Transfer zu sehen.)

3. Man sorgt dafür, dass das Themengebiet im Unterricht ordentlich vorbereitet ist.
Das ist wohl das sinnvollste, aber es findet nach meiner Erfahrung nicht ausreichend statt.
Ich habe meine Unzufriedenheit bei Twitter gepostet, da kamen zwei Anregungen: die Schüler das Themengebiet selber aussuchen lassen, und die Kooperation mit anderen Fächern. An letzteres habe ich noch nie gedacht; geht das, dass man in der 9. oder 10. Klasse ein Thema stellt, das mit Geschichte oder Sozialkunde zu tun hat, und in diesem Fach vorbereit wurde?

Ich hätte gerne mal eine Fortbildung dazu, wie man Eröterungen gut vorbereitet. Nehmen wir das mit den Computerspielen, Material gibt es da genug. Ich müsste es nur mal zusammensuchen und die Texte auwählen, die für Schüler verständlich sind. Oder doch gemeinsame recherchieren?


Kurzer Exkurs: Waren vergleichbare Schüleraufsätze früher besser? Vermutlich schon. Ich habe an Material nur die Auswahl in Abitur. Von Duckmäusern und Rebellen – 150 Jahre Zeitgeschichte in Aufsätzen prominenter Deutscher, herausgegeben von Birgit Lahann. Die Ausschnitte darin sind um Längen besser als das, was ich je von Schülern gelesen habe.
Aber das heißt nicht viel. Zum einen hatten die dafür weniger Informatik, und was weiß ich noch alles; zum anderen ist es vielleicht gar nicht so wichtig, so gute Aufsätze schreiben zu können. Heute und zu meiner eigenen Schulzeit sind die Aufsätze nicht so gut, aber dafür hat man anderes gewonnen.
Oder vielleicht waren die Texte der prominenten Deutschen auch einfach Ausnahmeaufsätze.

Hoffmanns Erzählungen

Gestern kamen Hoffmanns Erzählungen im Fernsehen, die Wiederholung einer Aufnahme aus der Bayerischen Staatsoper von 2011. Hoffmanns Erzählungen ist eine Oper von Jacques Offenbach mit etwas turbulenter Textgeschichte. Uraufführung 1881, Libretto von Jules Barbier, nach dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré, basierend auf Motiven aus Novellen von E.T.A. Hoffmann.

Die Rahmenhandlung: Der Schriftsteller Hoffmann ist unglücklich verliebt und hat auch noch einen Widersacher. Die Muse der Dichtkunst glaubt trotzdem, dass er ihr abtrünnig werden könnte. Deshalb begleitet sie Hoffmann in menschlicher Gestalt. Hoffmann sitzt mit Studenten in der Kneipe und erzählt von seinen früheren unglücklichen Liebesgeschichte: drei von einander unabhängige Einzelhandlungen, verbunden allerdings dadurch, dass nicht nur Hoffmann in jeder Geschichte auftaucht, sondern auch seine jeweilige Geliebte und der jeweilige dämonische Widersacher von denselben Künstlern dargestellt werden.

Die erste dieser Geschichte ist an den “Sandmann” von E.T.A. Hoffmann angelehnt. Von seiner Muse etwas ermuntert erwirbt Hoffmann (nicht Nathanael, wie in der Novelle) vom Augen- und Brillenhändler Coppelius eine Brille (in der Novelle: eine Art Fernglas), durch die er die Welt anders wahrnimmt. Insbesondere die lebensgroße Puppe Olympia des Mechanikers Spalanzani hält er für einen Menschen und verliebt sich in sie.

Wenn ich den “Sandmann” von Hoffmann mit Schülern lese, was ich schon lange nicht mehr getan habe, spiele ich ihnen auch zwei Arien aus der Oper vor. Die erste ist ein Lied, das Olympia auf einem Ball singt – abgehackt, mechanisch, und mit zwei Unterbrechungen, als sie erst wieder aufgezogen werden muss. (Der verliebte, immer noch die Brille tragende Hoffmann sieht das natürlich ganz anders.)


(Diana Damrau, Bayerische Staatsoper 2011)

Olympias Lied

OLYMPIA
Phöbus stolz im Sonnenwagen,
Nachtigall, im grünen Hage,
Alle jungen Mädchen sagen
Von Lieb!
Ach, sie sprechen von Lieb, ach!
Ja, das sind des Liedes Klagen,
So singt auch Olympia!
Ach.
Alles jubelt laut, es klinget:
Wenn es immer nur so blieb!
Ach, das Herz es sanft durchdringet
Mit Lieb!
Ach, sie sprechen von Liebe.
Das sind ja Liebeslieder,
Es singt auch Olympia!
Ach.
Ach, ja dieses Lied auch singet Olympia.
Ach.

Und dann ist dann der wilde Tanz zum Ende des Balls. Auf dem Höhepunkt stürmt Coppelius herein, der die Augen für Olympia geliefert hat, aber um das Geld dafür betrogen worden ist. Er zerstört die Puppe, Hoffmann wird ausgelacht, nachdem er die Wahrheit erkannt hat. Sein melodramatische “Ein Automat! Ein Automaaaaat!” ist – Frau Rau zu danken – sprichwörtlich in meinem Haushalt geworden.

COCHENILLE
Der mit den Brillen ist da!
SPALANZANI
Allmächtiger Himmel, Olympia!
Spalanzani eilt hinaus und kehrt sogleich mit Coppelius wieder zurück.
HOFFMANN
Olympia!
SPALANZANI
Ha! Tod und Teufel, sie ist zerbrochen.
HOFFMANN
Zerbrochen?
COPPELIUS
Ha, ha, ha, ha! In Stücken, ja.
SPALANZANI
O Schelm!
COPPELIUS
Du Dieb!
SPALANZANI
Brigant!
COPPELIUS
Du Strolch!
SPALANZANI
Bandit!
COPPELIUS
Pirat!
HOFFMANN
Ein Automat!
CHOR
Ha, ha, ha, das ist geraten,
Er liebt einen Automaten.

Bislang habe ich den Schülern eine deutsche AUfnahme vorgespielt; vielleicht zeige ich in Zukunft die Aufnahme dieser französische Aufführung, weil einige Stellen – auch in den anderen Akten – schön gruslig dargestellt sind.

Automatische Metrikanalyse

Norberto42 hat in einem Blogeintrag auf den Metricalizer2 hingewiesen. Das ist ein Projekt zur automatischen Analyse von Gedichten. So etwas steht schon länger auf meiner Liste von Programmierprojekt-Vorschlägen für Informatikstudenten – aber es ist nicht überraschend, dass es das schon gibt. Und auch nicht überraschend, dass das Projekt bisher noch kein Informatikstudent haben wollte.

Man gibt einen Gedichttext ein und klickt dann auf “Gedicht analysieren”. Die Reime werden richtig erkannt, selbst bei Reimen wie “Eiche” und “Gesträuche”, die traditionell als vollkommen akzeptabel gelten, von Schülern aber gerne mal nicht als Reim erkannt werden.

(Im Übermut und aus diesem Anlass habe ich den Schülern neulich ein Vokaldreieck an die Tafel gezeichnet, so mit hohen und tiefen und vorderen und hinteren Vokalen, und Umlauten. War natürlich erst mal kein Arbeiten mehr, weil jeder mit aaaah- und uuuh-Sagen und der Position der eigenen Zunge beschäftigt war.)

Aber am spannendsten ist natürlich die metrische Analyse. Ich habe nur einigermaßen regelmäßige Gedichte getestet, wie sie auch in der Schule drankommen, und das klappt: Jambisch, trochäisch, daktylisch. Einfache männliche oder weibliche Kadenzen sind kein Problem.

Nehmen wir mal die ersten drei Verse von Schillers “Der Ring des Polykrates” als Beispiel, weil ich darüber schon mal geschrieben habe.

Er stand auf seines Daches Zinnen,
Er schaute mit vergnügten Sinnen
Auf das beherrschte Samos hin.

  • Jambisch, 9 Silben in den ersten beiden Verse (und damit weibliche Kadenz), 8 Silben in der dritten Strophe.
  • Vers 1 und 2 reimen sich.
  • Bei “Samos” meint der Metricalizer einen Widerspruch zwischen Metrum und – tatsächlich aber falsch vermuteter – normaler Sprechbetonung auszumachen, da er glaubt, “Samos” würde die “famos” betont. Richtig hat er erkannt, dass “mit” in Vers 2 und “das” und “hin” in Vers 3 eigentlich unbetonte Wörter sind, die dennoch auf eine Hebung fallen.

Laut Metrum sind die die Silben 2, 4, 6 und 8 betont. Nicht alle vom Metrum vorgesehenen Hebungen werden aber gleich stark verwirklicht:

metricalizer

Vor allem die Hebungen in Silbe 4 sind anscheinend meist eher wenig betont. (Die Grafik bezieht sich auf alle untersuchten Verse.) Das widerspricht zumindest nicht mit einer eigenen Analyse.

Bei Conrad Ferdinan Meyer, “Der römische Brunnen” in seiner bekanntesten Fassung:

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund

erkennt er die Fußsubstitution gleich am Anfang:

metricalizer2

Leider muss man selber erschließen, was hier substituiert wurde, nämlich ein Jambus durch einen Trochäus. Diese weitergehende Analyse erhält man, wenn man sich die “Komplexität” des analysierten Gedichts anzeigen lässt. (Die Darstellungsmodi “Skansion” und “Vorlesen” sind dafür wenig brauchbar.)

Gewinnbrignend ist diese Komplexitätsanalyse etwa bei Rilkes “Spanische Tänzerin” (Blogeintrag). Die vielen Abweichungen vom Metrum werden gut erkannt.

Beim genialen “Trost und Rat” von Robert Gernhardt klappt das mit dem Differenz zwischen metrischer und natürlicher Betonung nicht ganz so gut, und den Witz in der letzten Strophe – dass die beiden betont zu lesenden und deshalb sogar gesperrt gedruckten Wörter eben ausgerechnet auf Senkungen fallen (also fein synkopiert sind) – kann der Metricalizer natürlich nicht erkennen.

Auch unregelmäßige Daktylen wie bei Heine (“Sie saßen und tranken am Teetisch”) sind schwierig, und bei etwas Albernem wie Eichendorffs Mandelkerngedicht klappt die Analyse auch nur halbwegs:

Zwischen Akten, dunkeln Wänden
Bannt mich, Freiheitsbegehrenden,
Nun des Lebens strenge Pflicht,
Und aus Schränken, Aktenschichten
Lachen mir die beleidigten
Musen in das Amtsgesicht.

Aber immerhin! Viele der merkwürdigen Betonungen am Versende fallen dem Metricalizer auf.

Insgesamt ein schönes Spielzeug. Hoffentlich komme ich bald dazu, Schüler damit experiemtnieren zu lassen.