Kategorie: Fundstücke

Rollenspiel und Unterricht, und Classcraft

Ein Kollege hat mich letzte Woche darauf angesprochen, das wolle er auch mal ausprobieren, das klinge toll: die Süddeutsche Zeitung hatte über World of Classcraft geschrieben, das es jetzt wohl probeweise auch in Deutschland gibt. Die ersten fünf oder zehn Minuten der Stunde gehören dabei, so die SZ, diesem Spiel; jeder Schüler hat einen Avatar und Punkte und die kriegt oder verliert man, je nachdem wie man seine Hausaufgaben macht oder nicht macht, und man kann im Team zusammenarbeiten und so weiter.
Ehrlich gesagt, ich habe den Artikel nicht gründlich gelesen und auch nicht groß “World of Classcraft” recherchiert – es gibt keinen Wikipedia-Eintrag dazu, aber viele andere Fundstellen. Das ganze klingt einfach zu öde und zu fern von mir.

Eigentlich sollte mir die Idee gefallen: Denn erstens bin ich selber ein alter Rollenspieler, und mag Computer, und Computerspiele, und Spiele. (Also kommt mein Desinteresse vielleicht daher, dass ich pikiert bin, weil meine esoterischen Interessen fast schon Mainstream zu werden drohen.) Und zweitens sind mir spätestens im Referendariat die Parallelen zwischen Unterricht und Rollenspiel aufgefallen, und die will ich hier vorstellen.

Kurze Einführung in Rollenspiele: Das ist nicht das, was man aus der Jugendgruppenarbeit oder dem Schulunterricht kennt. Vielmehr sitzen vier, fünf Spieler und ein Spielleiter um einen Tisch und basteln zusammen an einer Geschichte – in einem uralten Blogeintrag habe ich das mal erklärt, hier ein Beispiel vom letzten Jahr, nächste Woche kommt die Fortsetzung.

Im traditionellen Rollenspiel gibt es einen Spielleiter, der zum einen einen großen Wissensvorsprung hat – er kennt die Hintergründe und die Vorgeschichte, er weiß, was sich hinter verschlossenen Türen verbirgt und wo das Monster und die Schätze vergraben sind (schließlich hat er sie dorthin getan). Zum anderen hat der Spielleiter einen Machtvorsprung; er ist Schiedsrichter, er entscheidet, sein Wort gilt – wenn er sagt, dass die Tür verschlossen ist oder das Monster tot umfällt, dann ist das so. Ein guter Spielleiter handelt dabei nicht willkürlich, sondern hält sich an bestimmte, allerdings nur lose vorgegebene Regeln.

Der Spielleiter hat einen bestimmten Plan vom Geschehen, von den Fakten. Das Spiel hat ein Ziel – das Monster erschlagen, den Prinzen retten – und der Spielleiter versucht, die Spieler dazu zu kriegen, dieses Ziel zu erreichen. Allerdings versucht er nur, sie in diese Richtung zu lenken; wenn die Spieler das partout nicht wollen, dann ist das halt so. Die Spieler sollten auf jeden Fall das Gefühl haben, sich frei bewegen zu können und nicht in eine Richtung gedrängt zu werden. “Railroading” heißt das sonst, und ist schlechter Stil. Möglicherweise folgen die Spieler sehr genau der Vorstellung vom Ablauf des Geschehens, das der Spielleiters vorher hat; aber sie sollten es nicht merken. Streit und Unwillen gibt es dann, wenn sich die Spieler willkürlich oder ungerecht behandelt fühlen.
Und natürlich gibt es auch immer dann Probleme, wenn die Spieler keinen roten Faden erkennen, wenn sie nicht wissen, wo es eigentlich hingeht, wenn die Aufgaben, denen sie sich gegenübersehen, zu leicht oder zu schwer sind. Da muss der Spielleiter sehr flexibel sein und von seinem vorbereiteten Skript abweichen.

(Es gibt aber auch Spiele, bei denen der Spielleiter eher ein Problem stellt und keine Lösung im Kopf hat, sondern die Spieler erst mal machen lässt. Und es gibt alternative Spiele, weniger verbreitet, in denen es gar keinen Spielleiter gibt oder der Spielleiter Wissensvorsprung und Entscheidungsmacht an die Spieler abgibt – Primetime Adventures ist so ein System, und Inspectres etwa.)

So ein Rollenspiel läuft hauptsächlich dialogisch ab, im Gespräch der Spieler mit dem Spielleiter und im Gespräch der Spiel er untereinander. Aber es gibt auch Hilfsmittel zur Veranschaulichung – kleine Modelle, Landkarten, kurze Texte, die man lesen und auf deren Basis man weiterarbeiten muss.

Schlechte Spieler spielen, um möglichst viele Punkte zu gewinnen, aber eigentlich geht es um etwas anderes: Gemeinsam zu einem befriedigenden Ziel zu kommen, auf vorhergesehenen ode runvorhergesehenen Wegen.


Kein Wunder, dass mir das Unterrichten im Praktikum und im Referendariat so bekannt vorkam: Das lief ja ähnlich ab wie eine Rollenspielrunde! Und im Großen und Ganzen geht mir das heute noch so, neu sind nur die Arbeitsphasen, in denen Schüler alleine oder in Gruppen, jedenfalls ohne mich, arbeiten. Die gibt es in jeder Stunde, dafür fällt mir kein Rollenspieläquivalent ein.

Warum würde ich also trotz allem World of Classcraft selber nicht benutzen, soweit ich das sagen kann? Warum künstliche Spiele spielen, wenn es doch echte gibt – wie Unterricht eben. Und dann kommt dazu, dass mir das Spiel zu wenig Rollenspiel ist, zu wenig Freiheit lässt. Wenn man mir das vorsetzte, ich würde versuchen, das Spiel auszureizen, gegen den Strich zu spielen, zu schauen, was alles geht – die Freiheit ausnutzen. Das geht bei festen Regeln leichter als beim ja ohnehin offenen Rollenspiel.

Ich denke immer noch gerne an ein Spiel in unserer Runde – Das schwarze Auge, “Der Streuner muss sterben”, ein für uns zugegeben ungewohntes Überland-Abenteurer. Die Spieler mussten in eine andere Stadt reisen und dort einen Prinzen retten, der verkleidet seine zukünftige Braut hatte sehen wollen, aber entdeckt und in den Kerker geworfen worden war. Wir brauchten drei Sitzungen zu jeweils sieben oder acht Stunden, bis wir überhaupt in der Stadt ankamen. Und dort war dann ein Großteil der Spielergruppe tot, der Rest auf der Flucht, die eigentliche Aufgabe völlig vergessen. Die Spieler hatten auf dem Weg eine Kneipe geplündert, durch großes Glück eine Gruppe von Magier in der nächsten Kneipe erledigt, sich anschließend gegenseitig übers Ohr gehauen mit gefälschten magischen Artefakten. Lange Geschichte.

— World of Classcraft: Ich glaube allerdings, dass grundsätzlich mehr ausprobiert werden sollte, auch die Schnapsideen. Natürlich erst mal im Kleinen, nicht so wie bei den Schnapsideen, die regelmäßig über ganze Bundesländer ausgeschüttet werden. Denn von zehn dummen Ideen stellt sich am Ende eine als gar nicht so dumm heraus, und man kann vorher nicht gut sagen, welche das sein wird. Deshalb sollte man lieber mehr ausprobieren, auch wenn die Aussichten auf Erfolg gering sind. (Das aber nicht so wie die offiziellen Schulversuche, wie ich sie aus Bayern kenne. Von denen wird noch jeder im Nachhinein als nachahmenswert präsentiert, und das kann es dann auch wieder nicht sein.)

Kochbücher lesen

Neulich in Berlin, in der Pension, stieß ich auf das:

karl_may_pensionsbibliothek

Mmmmh. Karl-May-Bände, und zwar die guten, exotischen. Mit Winnetou und Old Shatterhand konnte ich nicht gar so viel anfangen, auch wenn ich etliche der Wildwest-Romane mehrfach gelesen habe und mich dabei durchaus vergnügte. Aber die sechs Bände des Orient-Zyklus, die habe ich oft gelesen: Durch die Wüste, Durchs wilde Kurdistan, Von Bagdad nach Stambul, In den Schluchten des Balkan, Durch das Land der Skipetaren, Der Schut. Kurzer Test: “Hadschi Halef Omar ibn Hadschi Abul Abbas ibn Hadschi Dawud Als Gossarah”… na ja, fast: Wikipedia korrigiert einmal meine Rechtschreibung und ändert ein “ibn” in “ben”, damit kann ich leben: Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. (So nennt sich der Begleiter der Hauptfigur, auch wenn die vielen Hadschis im Namen eher Angabe waren als Realität. Wer Karl May gelesen hat, kann das auswendig sagen, auch noch fünfunddreißig Jahre nach der letzten Lektüre.)

In der Pension griff ich zu einem der Bände, die ich noch nicht kannte, Im Lande des Mahdi I: Menschenjäger. Und ich war gleich wieder drin. Fast so schön wie der Stimme des Erzählers auf der Hörspiel-Kassette zu lauschen, wie er – Wilhelm Hauff, Das Gespensterschiff – beginnt mit: “Mein Vater hatte einen kleinen Laden in Balsora” und einem so richtig sonoren “o” in “Balsora”. Jedenfalls liegen die drei Bände des Mahdi jetzt digital auf meinem Nachttisch, das möchte ich bald zu Ende lesen.

Aber eigentlich soll es hier um Kochbücher gehen. Erich Kästner hat ja ein umwerfendes erstes Kapitel oder Vorwort zu Emil und die Detektive geschrieben. Eigentlich habe er ja einen Südseeroman schreiben wollen, eine spannende Szene, in der ein “mit heißen Bratäpfeln geladenes Taschenmesser” eine Rolle spielte, als er plötzlich nicht mehr wusste, wieviel Beine ein Walfisch hat. Aus war es es mit dem Schreiben, denn die Fakten müssen ja stimmen. Und so kam es nie zu Petersilie im Urlaub, dem durchaus interessant klingenden Südseeroman. Der Oberkellner Nietenführ erklärt dem Herrn Kästner darauf, dass man besser über das schreibe, was man kenne. Kästner entgegnet darauf, dass ja trotzdem Schiller erfolgreich über die Schweiz geschrieben habe – und, möchte ich als Leser ergänzen, der Karl May über den Orient und Amerika, obwohl er nie da war. Die Antwort des Oberkellners darauf: “Da hat er eben vorher Kochbücher gelesen [...] Wo alles drinstand.”

Und recht hatte er, der Oberkellner, zumindest was die Kochbücher betrifft.

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Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie. Christian Teubner, Annette Wolter. Gräfe und Unzer 1982.

Irgendwann habe ich angefangen, mich fürs Kochen zu interessieren. Erst kamen die Kochbücher, die ich gelesen habe, und dann die Lust, Dinge auszuprobieren, die ich in den Kochbüchern fand. Ein Favorit war Spezialitäten der Welt. Ich kann gar nicht aufzählen, was ich aus diesem Buch alles gelernt habe – nicht unbedingt über das Kochen, denn das Rezept für die Salzburger Nockerln gibt eine zu hohe Temperatur bei zu kurzer Backzeit vor, und das war natürlich eines der ersten Rezepte, die ich ausprobierte. (Peter Alexander, klar.) Nein, ich lernte viel über Geographie. Die Gerichte sind geographisch angeordnet: Südeuropa, Westeuropa, Nordeuropa, Osteuropa (Polen und Sowjetunion), Mitteleuropa (Deutschland, Schweiz, Österrich, Tschechoslowakei, Ungarn), Balkan, Vorderer Orient, Nordafrika, Schwarzafrika, Nordamerika, Mittelamerika, Südamerika, Südasien (Indien, Sri Lanka), Südostasien, Ostasien, Australien/Ozeanien. Die Titel der Gerichte jeweils auf Deutsch und in der Originalsprache.

Spaghetti mit Pesto, lang bevor das hier aufkam. (Wir erinnern uns: Das Buch stammt aus einer Zeit vor dem Döner in Deutschland, der am Anfang ohnehin noch Gyros hieß, vor Sushi, selbst Jahre vor dem Tex-Mex-Boom ab Mitte der 1980er Jahre. Chinesisch, das gab es.) Bei Spanien habe ich von Migas erfahren und von Nierchen. Portugal: Was Stockfisch ist. Die gebratenen Heringe aus England habe ich einige Jahre später in einer winzigen Jugendherberge dann mal vom Herbergsvater zubereitet gekriegt. Dass die in England ihren Pudding mit Rindernierentalg machen, und überhaupt: was ein Pudding ist. Und Cornish Pasties. Und Treacle Tart. Dass man in Dänemark eine ganze Mandel im süßen Reis versenkte. Was Anchovis sind (Schweden). Borschtsch, Blini. Quarkspeise zu Ostern. Was Kwass ist. Oder, wieder westlicher, eine Wähe. Ein Beuscherl (was man so alles essen kann). Baklawa zum Nachtisch, und Imam Bayildi, das ich später wiedererkennen sollte. Ein Bild von Lammfleischspießen mit Joghurtsauce, nach dem ich immer noch Hunger habe. (Pilaw kannte ich ja schon von Karl May.) Süße orientalische Desserts. Gefilte Fisch, Kreplach, Cholent und “Kihen fin Veisseriben” (Pastinakenkuchen). Manches andere kannte ich schon von libanesische Bekannten meiner Eltern. Jambalaya, das Gericht noch vor Hank Williams oder, später, Jerry Lee Lewis. Als 2014 anlässlich der Weltmeisterschaft in Brasilien das Nationalgericht Feijoada vorgestellt wurde, habe ich gleich das Bild von S. 243 herausgesucht. Dann die Satéspießchen, erste selbstgemachte Erdnusssauce. (Nasi Goreng auf der Seite gegenüber kannte man ja eh schon seit irgendwann vor meiner Zeit.) Sashimi, roher Fisch. Komisch, dabei hieß das in Blade Runner doch Sushi… aber da war Blade Runner nicht ganz exakt.

Jetzt höre ich dann mal auf. Für so eine gesunde Allgemeinbildung und Neugier gegenüber anderen Ländern gibt es jedenfalls wirklich Schlechteres als solche Kochbücher zu lesen.

Empfehlenswert: Die Maisfritters von S. 230, die gewürzten Ananas S. 258.

— Gehört nicht ganz zum Thema, aber in die Zeit: “Zuppa Romana” (1984) von Schrott nach 8.

Ach, Familie

Die letzten Tage war ich in Berlin, anlässlich einer Beerdigung, ein Lehrerkollege und Familienmitglied. Ich kannte ihn nur von wenigen Treffen, aber die Witwe viel besser – wir haben in unserer Kindheit viel zusammen unternommen. Überhaupt hatte ich in meiner Kindheit viel Familie um mich herum. Eltern, zwei Brüder, Großeltern, die Geschwister meiner Mutter (vier davon, die den Krieg überlebt haben), jeweils mit Partnern und Kindern und in alle Welt verstreut. Auf der väterlichen Seite nur ein Tante-Onkel-Paar, aber dafür eine unübersichtlichere, aber große Zahl an entfernteren Verwandten.

Und meine Mutter war zumindest für ihren Teil der Familie ein zentraler Anlaufpunk der Familie, auch weil ihr Vater nebenan lebte. Und so gab es sehr oft Besuch von überall her. Gästebetten, Luftmatratzen. Beerdigungen, Hochzeiten. Gegenbesuche, Weihnachtsplätzchen. Das war schon schön, so rückblickend. Als Kind und Jugendlicher war es das nicht, da war das einfach normal.

Meine eigene Generation, ich vorneweg, hält es leider nicht so genau mit den Familientreffen. Selbst mit meinen Brüdern steht ich nicht wirklich in engem Kontakt; alle paar Jahre gibt es kleinere Besuche, so wie jetzt anlässlich der Beerdigung, und wir versprechen uns, dass wir uns öfter sehen wollen, und dann wird doch nichts daraus.

Ich mag Familie. Auch wenn man die sich nicht aussuchen kann, oder vielleicht gerade deswegen. Ich muss mal wieder Kurt Vonnegut lesen, Cat’s Cradle, und davon ausgehend Vonneguts Gedanken zu wampeters und granfalloons, die Vonnegut in diesem Roman als Teil der bokonischen Philosophie entworfen hat. Ein granfalloon ist:

a group of people who imagine they have a connection that does not really exist. An example is “Hoosiers”; Hoosiers are people from Indiana, and Hoosiers have no true spiritual destiny in common, so really share little more than a name.

Ich weiß nicht, ob es in Cat’s Cradle war oder wohl doch eher in einem seiner Essays, in dem Vonnegut sich zu Familien äußert und deren Wichtigkeit, und quasi künstliche Familien vorschlägt: Irgendwie ziemlich willkürlich werden Leute in Gruppen zugeteilt, und wenn man Leute aus der gleichen Gruppe trifft, freut man sich, und hilft einander, und ist nicht allen. Wie in Familien, die sucht man sich ja auch nicht aus. — Diese Gruppen dürfen natürlich kein granfalloon sein, das sich ja aufgrund eines falschen karass als Gruppe sieht und die nicht wirklich durch ein karass verbunden sind. Oder doch? Wie gesagt, ich habe mir den Vonnegut wieder mal auf den Nachttisch gelegt.

Wie gesagt: Ich mag das, dass man sich Familien nicht aussucht und ohne gefragt worden zu sein Verwandtschaft hat. Mit Warzen und allem. (Fußnote: Das sagte Oliver Cromwell zu einem, der ihn malen sollte.) Das macht einen selber nicht so wichtig, wenn es Dinge gibt, die man sich nicht aussucht.

Allerdings: Ich habe auch keine echten Gruselgeschichten in der Familie; alles normale, liebe Menschen. Ist wohl tatsächlich nicht immer und überall so.

Nachtrag: Das alternative Familienkonzept findet sich in Vonneguts Slapstick, das als eines der schwächeren seiner Werke gilt. Mir hat es damals gefallen; ich werde mal wieder hineinschauen.

Mein Computer ist für mich…

Bob Blume nimmt an einer (SPD-nahen) Blogparade zu Digitalen Themen teil. Man soll dabei Sätze zu Ende schreiben. Der zweite davon beginnt:

Mein Computer ist für mich…

Der Satz scheint davon auszugehen, dass ich nur einen Computer habe. Ich habe aber zwei, einen großen Laptop (2013) und ein kleines Laptop für unterwegs. Das große Laptop enthält verschiedene virtualisierte Computer, aber die zählen wohl nicht.

Ein alter Laptop (2005) steht auch noch ungenutzt im Regal. Macht drei.
Mein Android-Tablet, sind schon vier.
Der Arduino für die Schule. Fünf.
In der Uni gibt es auch noch einen Rechner, den ich als meinen betrachte.

Wobei… der Fernseher ist auch ein Computer, so richtig mit Internet. Der DVD-/Festplattenrekorder (ein Relikt) auch.

Die neue Küche piept nicht nur gerne mal, sondern ist auch voller Computer: Der Kühlschrank ist ein Computer, der Backofen, die Waschmaschine, die Spülmaschine auch. Bei den Kochplatten bin ich mir nicht sicher. Die Küchenwaage ist wohl keiner, aber sicher bin ich mir auch da nicht.

Was ist überhaupt ein Computer? Ein Ding, das rechnen und sich Sachen merken kann, und das man programmieren kann. Sekundär ist, wie leicht ich auf diese Rechen- und Programmiermöglichkeit Zugang habe. Am einfachsten geht das, wenn ich mit einem normierten Stecker eine Tastatur und einen Bildschirm anschließen kann, und wenn das Betriebssystem auf dem Computer dann eine nützliche Ausgabe über den Monitor liefert und Eingaben über die Tastatur annimmt. Wenn nicht… na, dann muss man vielleicht andere Geräte anklemmen und ein bisschen löten, aber ein Computer ist das trotzdem.

Halt, einen habe ich noch! Mein Drucker ist selbstverständlich auch ein Computer. Der Beweis: Man kann auf ihm Doom laufen lassen. (Video hier.) Das ist eine keinesfalls notwendige, aber absolut hinreichende Bedingung dafür, dass irgend etwas ein Computer ist. Tatsächlich ist das wohl mit die erste Spielerei, die irgendein Stück Hardware über sich ergehen lassen muss: Kann man darauf Doom laufen lassen?

Und mein Router ist ja auch ein Computer, fällt mir gerade ein.

Jeder USB-Stick – und überhaupt jedes USB-Gerät – ist auch ein eigener Computer. (Soll ich wirklich anfangen, die zu zählen?) Auf jedem USB-Stick ist ein Bereich, der dafür sorgt, dass der Stick etwas tut, wenn der USB-Stick eingesteckt wird, nämlich mindestens eine Verbindugn zwischen den Geräten herzustellen. An diesen Bereich kommt man als Nutzer normalerweise nicht ran. Aber vor einiger Zeit haben Entwickler gezeigt, dass das prinzipiell doch geht, und dass man in diesen Bereich auch Schadsoftware einspielen kann, der dann auf dem Rechner, in den der Stick eingesteckt wird, alles mögliche machen kann. Siehe WIRED, ganz aktuelle Sache.

Spätestens jetzt müsste man sich eigenlich fragen, was ein Computer eigentlich ist. Einen Computer kann man sich wie ein großes Patiencespiel vorstellen, mit vielen Karten. Mit dem Computer kann man alles berechnen, was überhaupt berechenbar ist. Mit einem etwas stupiden Patiencespiel auch: Es gibt einen Haufen Karten und dazu einen überraschend kleinen Satz von Spielregeln. Dann bringt man die Karten in eine Ausgangsposition und fängt an zu spielen. Irgendwann geht die Patience dann meist nicht mehr weiter, und aus der Lage der Karten – alle aufgebraucht? alle offen? wo verteilt? – kann man dann das Ergebnis der Berechnung ablesen, und zwar jeder beliebigen Berechnung. Das geht alles mit dem jeweils identischen kleinen Satz an Spielregeln. Wenn man das elektronisch macht und nicht mit Patiencekarten, dann ist das ein Computer.

Irgendwann stelle ich vielleicht diese Computer-Patience-Regeln vor. Eine beliebte Variante davon heißt “Turing-Maschine”.
Wenn ich vorher weiß, wie viele Karten beziehungsweise wie viel Platz auf dem Schreibtisch ich höchstens brauche, dann kann ich damit eine ganze Menge berechnen, aber doch nicht alles. Wenn ich nicht vorhersagen kann, wieviel Schreibtischplatz ich höchstens brauche, dann geht aber wirklich alles, was geht. Das heißt dann “turing-vollständig”. Manches geht dann zwar noch immer nicht, aber das gilt dann auch für den Elektronik-Computer.

Hier ist eine Liste von Programmen und Spielen von Zeug, die sich zufälligerweise als turing-vollständig herausgestellt haben: Accidentally Turing-Complete. Ziemlich technisch, aber das Kartenspiel Magic: The Gathering kenne ich halbwegs. Ja, innerhalb des Spiels kann man einen Computer simulieren und beliebige Berechnungen durchführen (Cory Doctorow dazu).

Varnde Guot

Ich bin sehr begrenzt multitaskingfähig. Lesen, Fernsehen und sich unterhalten, das geht gleichzeitig, jedenfalls bei vielen Inhalten. Information aufnehmen kann ich gut, solange ich mit nichts anderem beschäftigt bin.
Allerdings reicht es schon, mir eine Zwiebel oder Gurke zum Schnippeln zu geben: Sobald ich etwas mit den Händen machen muss – außer Tippen vermutlich – kann ich kaum einem Gespräch folgen oder Fragen beantworten.

Varnde guot, das ist – sagen wir mal – mittelhochdeutsch für “bewegliche Güter”, also Mobilien, also Möbel. Die neuen Küchenmöbel haben mich vom Bloggen abgehalten, weil ich mit der neuen Küche beschäftigt war, und ganz und gar nicht multitaskingfähig bin, wenn ich so etwas im Kopf habe. Also: Frau Rau und ich haben eine neue Küche. Die alte haben wir vor fünfzehn Jahren von den Vormietern übernommen. Zum Umzug haben wir uns keine neuen Möbel gekauft, sondern die alten mitgenommen – bei Frau Rau aus Kinder- und anderen Tagen, bei mir eine Kredenz von meinem Großvater, Sessel der Großmutter einer Freundin, Sessel einer Tante, Kronleuchter derselben Tante. Aus der ersten gemeinsamen Wohnung brachten wir Stühle und einen Tisch, Betten und diverse Regale mit. In den letzten fünfzehn Jahren haben wir uns ein Sofa angeschafft und eine von diesen kleinen neuen Design-Stereoanlagen, die etwa ein Sechstel Platz wegnimmt von dem, was früher Boxen, Verstärker, Plattenspieler, CD-Spieler brauchten. Und Bücherregale, das war’s dann aber auch.

Die alte Küche gab nach und nach auf. Der Wasserhahn tropfte, wenn man ihn nicht in genau der richtigen Stellung platzierte. Die Waschmaschine leckte und wollte bei jedem Durchgang gekippt werden; dann tropfte sie nicht mehr, stand aber schräg und musste beim Schleudern umarmt werden, um nicht fortzuwandern. Die Spülmaschine tat ihren Dienst, aber das Oberteil des Drehknopfs zum Einschalten war abgebrochen und die Manipulation des Restknopfs erforderte Fingerspitzengefühl (und trockene Finger). Außerdem brach der obere Spülkorb regelmäßig weg. Und wir sind hier alle keine Reparierer in diesem Haus. So richtig gefallen hatte uns die Küche eh nie.

Also entschlossen wir uns zu einer neuen Küche. Hätte eigentlich in den Sommerferien sein sollen, aber das hat sich dann doch alle sum ein paar Wochen verschoben. Erst kam alles raus, bis auf die Bodenfliesen. Am nervenaufreibendsten war das Legen der neuen Steckdosenleitungen. Laut! Laut! Laut! (Die armen Nachbarn.) Verputzen, Streichen, Liefern und Aufbauen der neuen Möbel. Nein, da hatte ich keinen Nerv zum Bloggen.

Jetzt steht sie aber schon fast ganz. Ist schon ein bisschen eine Luxusküche, aber wir kochen ja beide gern. Spül- und Waschmaschine nicht ganz auf Augenhöhe, aber doch recht weit oben. Und ruhig! Und trocken! Herd auf auf Augenhöfe. Mit ziemlich heiß und mit Dampfeinspritzung, dann muss man beim Brotbacken nicht die Tasse Wasser in den Ofen kippen. Und ein Kühlschrank, größer als ich! Und Platz! Ein eigenes Fach für die selten gebrauchten Küchenutensilien, und ein zweites für die noch seltener gebrauchten. (Ganz erstaunlich, was sich da so ansammelt. Aber meine mexikanische Tortillapresse möchte ich trotzdem nicht missen.)

Varnde guot, das heißt nicht wirklich bewegliche Gütter. Ich habe oben geschwindelt. Varnde guot sind eher: dahinfahrende, weltliche, temporale Güter (statt spiritueller). Ich habe ja als Bücherfreund und Comic-Sammler besonders viel davon. Aber ich bin mir dessen Vergänglichkeit sehr bewusst. Wenn ich mal tot bin, was passiert dann mit meinen Comics und Büchern? Wo sich doch jetzt schon keiner mehr für James Branch Cabell interessiert.
In den Ferien war ich in der Wohnung einer verstorbenen alten Freundin der Familie. Eine Wohnung (ich war früher öfter dort) voller Kuriositäten. Reisemitbringsel der letzten vierzig Jahren, aus Afrika und Asien, vor allem. Statuen und Ausgestopftes, Briefmarken und Geldscheine, Eintrittskarten und Reiseführer, Stammesabzeichnen und Touristennepp, Bumerangs und Dolche und Blasrohre, Poster und Autogramme. Und keine Erben. Wertvoll ist nichts davon, denke ich. Aber so schön, so bunt. Ich habe mir drei, vier Sachen ausbedungen als Erinnerungsstücke – eher deshalb, um die Illusion wahren zu können, um weiter Komplize bei der gesellschaftlichen Verschwörung zu sein, dass das, was die Verstorbene und ich, und überhaupt alle, so tun und lassen und anhäufen, temporal oder spirituell, einen Sinn hat. Ich leide nicht an meinem Nihilismus, ich bin ein glücklicher Mensch, eben weil ich augenzwinkernd mitmache bei dem Spiel, so zu tun, als wäre irgend etwas wichtig. Und damit es wichtig ist, was Leute in ihren Wohnungen ansammeln, muss man wenigstens ein oder zwei Teile mitnehmen.

Ach ja, Schule. Zum Personalausflug letzte Woche stieß ich erst zum Abendessen, vorher waren die Handwerker da. Drei Kurse habe ich vor allem, das W-Seminar zum Thema Horror, einen Infomatikkurs in der Q11 und einen Deutschkurs. Machen alle Spaß bisher.

Meine Bücherregale

Im Moment kursiert gerade eine Blogparade zum Thema “Meine Bücherregale”, etwa bei Hauptschulblues und Fontanefan. Mein Beitrag ist dieses schon ein paar Jahre altes Foto einiger Regale (Couch und Sessel stehen inzwischen anderswo):

meine_buecherregale

Das sind die Regale mit Belletristik, nach Herkunftsprachen des Originals sortiert – englischsprachig, deutschsprachig, spanischsprachig, sonstige Sprachen. Nur die Reclamhefte haben einen eigenen Bereich gekriegt. Anderswo gibt es noch Regalwände für Comics, für Taschenbuchserien phantastischer Literatur, und – lose nach Gruppen eingeteilt – für Anthologien und Sachbücher aller Art. Für die Schule habe ich gar nicht mehr so viel, drei Meter und fallend. Als Referendar fängt man ja erst mal mit Unmengen von Büchern an. Allerdings liegen bei mir auch am Nachttisch, Arbeitstisch und auf dem Fensterregal erstaunlich dauerhafte Nester von Büchern, mit denen ich gerade – oder jedenfalls bald – irgendwas arbeite.

“Meine Bücherregale” sind gar nicht meine, sondern unsere. Nach wenigen Jahren doppelter Bücherführung haben Frau Rau und ich unsere Bücher zusammengelegt und Dopplungen entfernt. Seit einigen Jahren achten wir darauf, dass wir nicht viel mehr Bücher haben, als in die Regale passen, neue Regale kommen nicht mehr hinzu; zu diesem Zweck wird regelmäßig aussortiert. Ihr wisst doch, diese eine Farm, auf die in amerikanischen Fernsehserien immer die geliebten Haustiere der Familienkinder gebracht werden, um dort in Ruhe ihren Lebensabend zu fristen, so erzählt man es den Kindern jedenfalls… stellt sich heraus, auf dieser Farm wird auch viel gelesen.

Frau Rau ist sehr viel forscher als ich beim Aussortieren; ich vermute da Psychologisches, allerdings hat sie auch einen E-Reader. Ich lese Texte selber auch gerne digital. In den letzten zwei Wochen habe ich viel Vampir-Kurzprosa gelesen, alles am Rechner. (“Carmilla”; das erste Kapitel von Varney, der Vampir; Polidoris “Der Vampyr” und Byrons Fragment; E.T.A Hoffmann; dessen Vorlage aus Tausendundeiner Nacht.) Allerdings waren das zum Großteil deutsche Übersetzung, die ich auf Papier zum Teil gar nicht besitze, und außerdem habe ich sie alle korrekturgelesen, an neue Rechtschreibung angepasst und korrekte Anführungszeichen und Gedankenstriche gesetzt, damit ich sie an Schüler weitergeben kann. (Nächstes Jahr: W-Seminar zu Horror in Literatur, Film und Spiel.)
Und doch: Ich möchte Bücher lieber auf Papier lesen und – gegebenenfalls – auf Papier behalten. Viele Bücher, die ich auf dem E-Reader gelesen habe, haben mich nicht genug interessiert, so dass ich Papierausgaben gar nicht behalten hätte. Da ist mir das mit dem Reader schon recht. Mindestens zwei allerdings haben mir sehr gut gefallen. Aber sie stehen nicht im Regal, der Reader (ein alter Kindle touch) ist zu fummelig, man kann die beiden Bücher schlecht mit anderen teilen. Sie gehören ja auch Frau Rau und nicht mir, beziehungsweise: Sie gehören Amazon, aber Frau Rau darf sie auf ihrem Reader haben. Also: Neue Bücher möchte ich auf Papier, wenn sie mir gefallen, und digital, wenn nicht. Bei alten Büchern reicht mir oft eine digitale Ausgabe, sofern es sich um ein offenes, zukunftsfähiges Format handelt. Wenn ich schnell eine bestimmte Novelle von E.T.A. Hoffmann lesen möchte, dann natürlich digital; ich brauche auch keine Gesamtausgabe von E.T.A. Hoffmann zu Hause im Regal – das allerdings nur aus Platzgründen; ich würde gerne in einer riesigen Bibliothek leben.
Also: So viele Bücher im Regal wie möglich, aber wenn nicht mehr gehen, dann halt nicht. Mit ein paar tausend Bücher kann man auskommen, so quasi als Mitbewohner, den Rest muss man halt ab und zu besuchen gehen.

Ihr kennt doch alle dieses mnemotechnische Hilfsmittel, mit dem man sich ganz viel Sachen merken kann, indem man die Sachen in einem bekannten Raum verteilt, den man sich vorstellt? Ich merke mir, welche Bücher ich gelesen habe und was in ihnen steht, indem ich sie in einem bekannten Raum verteile, den ich mir nicht nur vorstelle.

Von Reisen ins Aus- oder Inland bringe ich eigentlich nie etwas zurück, keine Glaskugeln, keine Postkarten, keinen jemenitischen Dolch und keinen Schrumpfkopf. (Affe, nicht Mensch. Warum ich trotzdem gerade einen solchen Schrumpfkopf und einen jemenitischen Dolch auf dem Schreibtisch habe, ist vielleicht etwas für später.) Aber bei Reisen in die Gedankenwelt eines Autors freue ich mich über ein kleines Erinnerungs-Mitbringsel: Wie praktisch, dass Bücher ihre eigenen Reisesouvenirs sind.

Gedicht zum Thema:

My days among the Dead are passed;
Around me I behold,
Where’er these casual eyes are cast,
The mighty minds of old:
My never-failing friends are they,
With whom I converse day by day.

With them I take delight in weal
And seek relief in woe;
And while I understand and feel
How much to them I owe,
My cheeks have often been bedew’d
With tears of thoughtful gratitude.

My thoughts are with the dead; with them
I live in long-past years,
Their virtues love, their faults condemn,
Partake their hopes and fears,
And from their lessons seek and find
Instruction with an humble mind.

My hopes are with the dead: anon
My place with them will be,
And I with them shall travel on
Through all Futurity;
Yet leaving here a name, I trust,
That will not perish in the dust.

Robert Southey

Online habe ich das Gedicht unter dem Titel “The Scholar” gefunden; ursprünglich trägt es wohl keinen Titel und so habe ich es auch kennen gelernt, deshalb bleibt das so. Nicht alle Interpreten haben übrigens erkannt, dass es dabei um Bücher geht. — Selber werde ich keinen Platz unter diesen Toten einnehmen, und ich bin auch skeptisch, was “all Futurity” betrifft. Viele meiner Autoren sind sehr, sehr wenig bekannt, und der erste Vampirroman der Weltgeschichte – Ignaz Ferdinand Arnold, Der Vampir, 3 Bände, Schneeberg 1801, falls den einer von euch mal auf dem Dachboden findet – hat schon mal nicht überlebt. Southey war zum Zeitpunkt dessen Erscheinens 27 Jahre alt, aber gut, zeitgenössische Autoren, und gar Romaneschreiber, wird er nicht im Sinn gehabt haben.

11 Fragen

Das Szlauszaf Thomas Hochstein hat zum wiederholten Mal bei dieser Sache mit den 11 Fragen mitgemacht, und weil das schon das dritte Mal ist, nimmt er das mit den Regeln nicht so genau. Ich war auch schon Teilnehmer, glaube ich, deswegen spiele ich jetzt gar nicht richtig mit, aber Thomas’ Fragen, die er allen seinen Lesern freigestellt hat, will ich doch beantworten. Denn sie beziehen sich eher technisch aufs Bloggen, das mag ich, und es sind noch Sommerferien, so dass ich nichts von der Schule zu erzählen habe.

1. Welches Blogsystem nutzt du, und wie hast du dich dafür entschieden?

Wordpress (offiziell: WordPress, und es ist gar nicht so leicht, das WordPress-System “Wordpress” schreiben zu lassen). Angefangen hatte ich vor zwölf Jahren mit Greymatter, weil es dafür keine SQL-Datenbank im Hintergrund brauchte, über die ich damals noch nicht verfügte, und weil ich Greymatter von dem einen Blog, dem ich folgte, bereits kannte. Bald stieg ich auf den damaligen Platzhirsch MovableType um – wie ich darauf kam, weiß ich auch nicht mehr. Als MT nach ein paar Jahren nicht mehr wirklich kostenlos zu benutzen war, stieg ich – wie viele, viele andere MT-Nutzer – auf Wordpress um. Warum MT? Ich weiß es nicht mehr; sah mir einfacher aus als Typo3.

2. Gibt es daran etwas, was du besonders schätzt oder was du vermisst, und wenn ja: was?

Ich schätzte die Einfachheit, die vielen Plugins und die aktive Community. Ganz schlecht ist aber die Verwaltung von Bilddateien.

3. Welche (max. 5) Plugins für dein Blogsystem kannst du empfehlen, und warum?

Für Schulhomepages mit Wordpress: Global Post Password, damit kann man für alle passwortgeschützten Beiträge das gleiche schulöffentlich bekannte Passwort setzen. Limit Login Attempts zur Sicherheit, um Brute-Force-Angriffe auf die Anmeldeseite zu verhindern. Remove Wordpress to WordPress filter, um in Ruhe “Wordpress” mit kleinem “p” schreiben zu können, wenn ich will.
Ansonsten habe ich noch viele Plugins installiert, aber keine sehr dringenden.

4. Hostest du Dein Blog selbst oder nutzt du einen Blogprovider, und: warum?

Selbst gehostet, unbedingt. Ein Provider hat den einen Vorteil, dass das Blog auch einem plötzlichen Ansturm von Anfragen gewachsen ist, wenn man überraschend von einer großen Seite verlinkt wird. Ansonsten will ich selber wissen, wie das System funktioniert, will mich selber um Backups kümmern, will an meinem Blog gestalten können, was ich will. Wenn mein Blog bei WordPress gehostet wäre, könnte ich nie “Wordpress” schreiben.

5. Worüber schreibst du, und wie hat sich die Wahl deines Themas (oder deiner Themen) ergeben?

Das hat sich im Lauf der Jahre geändert und wird sich sicher auch weiter ändern. Ich schreibe manchmal über meine Interessen (Bücher, Essen, Comics, Filme, Musik), meine Erinnerungen, aber vor allem über die Schule. Ergeben hat sich das, weil ich einen Kanal für meine Auslassungen über diese Themen brauchte, in deren Genuss sonst nur S-Bahn-Mitreisende und Frau Rau kamen. Ich schreibe keine Anekdoten aus der Schule, weil mich die nicht interessieren, und immer weniger über Erlebnisse udn Erfahrungen dort, weil die sich dann doch mit den Jahren wiederholen.

6. Wie entstehen deine Artikel: Geplant und recherchiert oder eher spontan? Schreibst du lange Berichte oder kurze, knackige Statements?

Inzwischen fast nur geplant und recherchiert. Nachdem es inzwischen andere Möglichkeiten für kurze Statements gibt, sind es eher lange Berichte. Jedenfalls machen die mir selbst am meisten Spaß.

7. Bleibst du in Deinem Blog streng fachlich oder schreibst du auch über Persönliches?

So in der Mitte. Mehr Fachliches als Persönliches, aber auch das Fachliche ist persönlich geprägt.

8. Wertest du die Aufrufe Deines Blogs statistisch aus, und wenn ja, wie?

Ich habe Piwik installiert, schaue aber immer nur phasenweise rein, manchmal wochenlang nicht. Wordpress selber bringt noch eine Auswertung mit, mit der ich aber auch nicht viel arbeite.

9. Wie ist deine Sozialisation im Netz verlaufen, wie hast du es kennengelernt, welche Dienste hast du zuerst genutzt?

An der Uni tauchte etwa 1994 eine Mitteilung auf, dass jetzt jeder einen Zugang zu den Internet-Rechnern im Computerraum kriegen könnte. Also hörte ich mir dort eine Einführung an, schreib fleißig mit und ließ mir Zugangsdaten geben. An einem der Rechner war sogar ein Browser fürs noch ganz frische WWW installiert, ansonsten gab es vor allem E-Mail (mit dem Programm NuPOP, auch für zu Hause – der Datentransport erfolgte mit eigens dafür reservierter Diskette) und Gopher (eine Art Web-Vorläufer). Auf einer Linux-Shell habe ich mir das Usenet angeschaut und ein wenig Telnet getrieben, lud mir RFCs (Nummer 1402, “There’s Gold in them thar Networks!”) herunter und füllte Ordner mit den Ausdrucken.
Gleichzeitig war mein Vater bei Compuserve, später dann bei AOL. In den Jahren zuvor hatte ich schon den einen oder anderen Akustikkoppler bei ihm gesehen (das war eine Art Modem-Vorläufer). Aufgewachsen war ich ohnehin mit Computern. 1998 bastelte ich meine erste Homepage und brachte mir dabei HTML bei. (Und zwar, indem ich den Code anderer Seiten bertrachtete und veränderte. Das geht heute leider nicht mehr so einfach – zuviel JavaScript und CSS drumherum.) An Diensten nutzte ich nur E-Mail, bei AOL, und natürlich FTP für die Homepage. Twitter, Facebook, Flickr, Google kamen dann erst auf, als mein aktuelles Blog schon stand, ich weiß gar nicht, in welcher Reihenfolge ich die ausprobierte.

10. Wie nutzt du das Netz heute?

Zum Recherchieren, zum Bloggen, zur Lektüre – da vor allem Nachrichten-Webseiten und mein RSS-Reader. Ich versuche, bei Blogs auch zu kommentieren. Bei Blogger.com geht das meist gar nicht, jedenfalls solange ich nicht mit meinem Google-Konto unterzeichne. Mein Google-Konto ruht allerdings. Ich kommentiere auch sonst nirgendwo, wo ich mich anmelden muss – nicht bei Facebook, nicht bei Google+. Das ist so ein Dilemma: Wenn man möglichst viele Leute erreichen möchte, kommt man um Google+ und Facebook nicht herum. Ich will ja gar nicht möglichst viele Leute erreichen, deshalb muss ich da nicht hin. Netzpolitisch ist es sicher gut, wenn dort auch kundige Leute präsent sind; und wer irgendwas mit Bildung macht, ist natürlich auf Öffentlichkeit angewiesen – trotzdem finde ich es kurzsichtig, seinen Diskurs diesen Plattformen zu übergeben. Schlimmer ist nur noch noch, am Sterben von RSS beizutragen durch gekürzte RSS-Feeds – ich habe inzwischen ein paar Kollegen, die ihren Feed auf einen Satz beschränkt haben, aus der Blogroll geworfen.
Ich twittere einigermaßen regelmäßig, aber spärlich; meine Tweets werden nach Facebook weitergeleitet, mit dem ich ansonsten nicht arbeite. Aber die Kollegen lesen dort.

11. Wie viel Privates gibst du im Netz preis – wie sieht bspw. dein Umgang mit privaten Fotos aus?

Unwissentlich gebe ich allein mit dem Smartphone Unmengen privater Daten preis. Bewusst: wohl so mittelviel. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass alles, was im Web ist, öffentlich ist. Ich stelle nicht viel private Fotos online, eigentlich nur Profilfotos für die Webseite. Ich mache aber auch nicht viele Fotos.