Kategorie: Fundstücke

Abschlussball Tanzkurs 2014

tanzkurs2014

Letzte Woche war wieder Abschlussball. Diesmal konnten leider nicht alle beim Ball mitmachen, weil der Schuljahresendaustausch dann doch zu einem anderen als dem angekündigten Termin stattfand. Und auch Frau Rau konnte nicht mitkommen, weil sie in Österreich Bildungsurlaub machte. Aber eine Kollegin nebst Partner und ein weiterer Kollege machten mit, und wir genossen es, die Schüler so aufgebrezelt und anscheinend sehr vergnügt zu sehen. Ich war erst um eins zu Hause, und das heißt bei mir schon viel.

Dieser eine neue Kollege hat mich wieder mal überrascht. Da bilde ich mir wunder was auf meine Entdeckung von “Allein mit Kai” für den Unterricht ein (Blogeintrag), stellt sich heraus, das hat der im Referendariat auch gemacht und sogar seine zweite Zulassungsarbeit über ein Projekt zu Erzählen und Computerspielen geschrieben.

(Im Oktober veranstaltet unser Elternbeirat einen Tanzball. Da freue ich mich auch drauf; hoffentlich kommen genug Schüler und Eltern und tanzen mit. Und Lehrer auch, aber die wollen schon sehr beworben werden.)

Male and Female Vocabulary

Bei Slate wird von einer Studie berichtet, bei der untersucht wurde, welche Vokabeln es gibt, die eher von Männer gekannt werden oder eher von Frauen. Bei den Top Ten der Wörter, die Männer deutlich wahrscheinlicher kennen als Frauen, kenne ich alle. Pfft, was ein Claymore ist, weiß ich seit frühen Rollenspieltagen, Kevlar kennt jeder Computerspieler, den Rest auch. Bei den zehn Wörtern, die deutlich mehr Frauen kennen als Männer, kannte ich tatsächlich nur sieben. (Nicht gekannt: ein Hormon, eine Pflanze, eine Basteltechnik. “Taupe” kannte ich allerdings.)

Euclid: The Game

Tolles Spiel: Euclid: The Game. In bisher 20 Leveln muss man geometrische Konstruktionen nachvollziehen, ganz wie damals und heute auch noch in der 7. und 8. Klasse. Es beginnt harmlos, man muss zu einer gegebenen Strecke ein gleichseitiges Dreieck konstruieren. Zur Verfügung: Zirkel (um einen Kreis um Punkt A durch Punkt B zu ziehen) und Lineal (um zwischen Punkt A und B eine Strecke beziehungsweise Halbgerade zu zeichnen).

Sobald man den Level gelöst hat, kriegt man “gleichseitiges Dreieck” in seinen Werkzeugkasten, und kann das bei den folgenden Aufgaben benutzen, ohne ganz von vor konstruieren zu müssen. Die folgenden Aufgaben: Da muss man dann das Lot durch einen Punkt auf eine Gerade/Strecke ziehen, eine Parallele durch einen Punkt ziehen, einen Winkel halbieren, eine Strecke in der Mitte teilen, und so weiter.

Das macht kolossal Spaß. Die Level 1 bis 19 gingen ziemlich schnell, aber bei Level 20 hatte ich nicht die Geduld, selbst auf die Lösung zu kommen, und habe gespickt. (Tangente zu zwei gegebenen Kreisen.)

Das macht sogar noch mehr Spaß als in der Schule. Denn es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, auf die jeweilige Lösung zu kommen. (In den Kommentaren stellen die Spieler ihre schrägen oder eleganten Konstruktionen vor.) Es reicht auch nicht, zufällig an die richtige Stelle zu kommen und sie als Lösung zu deklarieren. Nein, die Konstruktion muss schon logisch korrekt zur richtigen Lösung führen. Und da wird es interessant. Es reicht ja nicht, die Lösung zu konstruieren, sondern – als Erwachsener – will man auch wissen, warum die Lösung korrekt ist. Den Inkreis zu einem Dreieck konstruiert man über die Winkelhalbieren, aber wieso eigentlich?

(Den Ägyptern hat es, so habe ich das mal gelesen, gereicht, wenn ihre geometrische Konstruktion zur richtigen Lösung geführt haben. Die griechen Mathematiker wollten dagegen bewiesen haben, dass die Lösung stimmt.)

Ich stelle mir das gar nicht so leicht vor, als Mathelehrer, bei einer gegebenen Konstruktion, wo ein Kreis um den einen Punkt, geschnitten mit einem anderen Kreis, und dazu die Parallele zu einer Geraden – ob das zufällig oder notwenig die richtige Lösung ist.

“Euclid: The Game” funktioniert mit Javascript, man kann bei github die bisherigen Level herunterladen. Wer sich mit Geogebra auskennt, so heißt es, könne auch einfach weitere Aufgaben erzeugen.

(via Serendipita)

Tweets, vorgelesene, von Prominenten und anderen

Schon seit einiger Zeit gibt es im US-Fernsehen eine Reihe von kurzen Schnipseln, bei denen Film- und Fernseh-Prominente Tweets über sich selber vorlesen – beleidigende Tweets, wie es sie oft gibt:

Lustig, aber eigentlich nichts für mein Blog, wenn es im Zuge dessen nicht auch (auch schon seit ein paar Monaten) das hier gäbe – “Teachers reading mean tweets”:

Oder:

Wenn man dem Link zu Youtube folgt, kriegt man in der rechten Spalte viele, viele vergleichbare Produktionen angeboten.

Ich denke nicht, dass bei uns genügend Schüler für so etwas bei Twitter sind. Aber vielleicht könnte man mal die Facebook-Kommentare Anfang des Schuljahres sammeln, wenn die Schüler aushandeln, wer mit wem wegen welchem Lehrer den Oberstufenkurs tauschen will. — Nähme man die Anweisungen des Unterrichtsministeriums ernst, dürften wir das bei Facebook oder bei Twitter alles gar nicht lesen können.

(Ich habe noch die Kommentare in einem Forum, das sich die Oberstufe vor zehn Jahren eingerichtet hat, als noch niemand an Passwörter und Anonymität dachte, und eh kaum ein Lehrer im Web unterwegs war. Die hätten wir damals auch so vorlesen sollen, vielleicht als Überraschungsvideo bei der Abifeier.)

Punschtorte

Meine Totemtorte ist die Punschtorte.

In meiner Kindheit gab es zumindest gelegentlich Torte vom Konditor. Sonntagnachmittag, mit meinen Großeltern, oder wenn Besuch da war, und Besuch war oft da. Erwachsene bringen bei solchen Gelegenheiten meist ein Sortiment mit, irgendwas mit Obst, irgendwas mit Creme, irgendwas mit Schokolade, da ist für jeden etwas dabei. Kinder nehmen das ernst, ich jedenfalls. Wenn ich mitreden durfte, und das durfte ich früh, wollte ich: Punschtorte. (Die aß auch meine Großmutter gerne, und von der kam ich auf den Geschmack.)

Es ging ja gar nicht soweit, dass ich vor Freude in die Luft sprang beim Anblick von Punschtorte, sicher aß ich auch mit Vergnügen andere Kuchen und Torten, denn wenn auch die Punschtorte meine eigentliche Torte war – es würde ja noch genug Punschtorte geben in meinem Leben. Schließlich war Punschtorte ein Standard bei jedem Konditor.

Das hat sich geändert. Es gibt keine Punschtorten mehr, schon seit Jahrzehnten. Man muss mindestens ein Mittvierziger wie ich sein, um sie überhaupt noch zu kennen. Frau Rau hat mir mal eine selbst gebacken, und mir mal eine vom Konditor machen lassen – das war vor fast zwanzig Jahren, und die Konditortorte war sicher gut, aber nicht richtig.

Meine Eltern meinten, sie könnten vielleicht noch eine Punschtorte besorgen. Die Konditoreien von früher, die gebe es alle noch dort, wenn auch unter neuer Leitung. Da müsse sich doch etwas machen lassen.

Also waren Frau Rau und ich (und die Eltern von Frau Rau) heute bei meinen Eltern zu Mittagessen, Nachtisch und Kuchen, mit wenigstens einem kleinen Spaziergang in der Pause dazwischen für die Leute, die nicht Autorennen im Fernsehen sehen wollten. Es war schließlich Sonntag. Sonntag kommt nach dem Mittagessen immer Autorennen im Fernsehen.

Dann gab es die Punschtorte:

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Meine Eltern waren schon vorher ehrlich gewesen: Nein, auch sie hatten keinen Konditor dazu bewegen können, eine Punschtorte zu machen, (“Ach, höchstens im Winter.” “Wie viele Torten wollen Sie denn haben?” “Die mag doch kein, die ist doch so süß.”) Also hatten sie selber eine gebacken. Eine?

Die erste war nur mal so zum Ausprobieren und wurde selbst gegessen. Die zweite, nach einer Rezeptvariante, wurde zu einer Freundin mitgebracht. (“Die hat eigentlich Erdbeerkuchen bestellt. Ach was, die kriegt jetzt Punschtorte.” Sie hat dann Erdbeerkuchen und Punschtorte gekriegt.) Die dritte endlich, auch wieder neu, die dritte wurde uns serviert.

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Mein Vater ist ein Bastler, und hat in den Jahren der Rente etliche neue Bastelgebiete für sich entdeckt. Eines ist das Kochen. (Auch der gebratene Spargel und die Rinderbäckchen waren zum Großteil von ihm, da meine Mutter gerade eine Handverletzung hat). Meine Mutter war für den Geschmack der Punschtorte zuständig, meine Vater bestand auf korrektem Aussehen. Der gebackene Biscuitboden musste in mehrere Scheiben zerteilt werden. Jeder andere macht das wohl mit Zwirn. Nicht so mein Vater, das war ihm nicht sauber genug. Also kaufte er eine Art Metallrahmen mit Schlitzen, den man um den Tortenboden legt. Mit einem langen Messer schneidet man dann, durch die Schlitze geführt, den Tortenboden entzwei.
Aber die Messer im Haus waren nicht lang genug. Also brauchte er noch ein neues Messer, ein Palettenmesser mit Wellenschliff:

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Die Art Bastler ist mein Vater. Herausgekommen ist dann auch eine Torte mit exakten Scheiben und feinem, freihändig aufgetragenen Schokoladenmuster.

Für den Geschmack ist meine Mutter verantwortlich. Der macht die Punschtorte ja so einmalig. Die Decke ist ein ganz dünner Zuckerguss auf einer ebenfalls dünnen Grundierung aus Marzipan. Ohne Marzipan kriegte man das nicht so dünn und glatt hin und der Kuchenboden verliehe dem Zuckerguss einen etwas zu dunklen Ton. Dann braucht man einen Teig, irgendwas Biscuitöses, ich bin da kein Experte. Zwischen die Biscuitschichten kommt dünn Aprikosenmarmelade. Und das allerwichtigste, das der Punschtorte ihren Namen und ihren eigenen Geschmack gibt, ist der Arrak.

Arrak. Nicht Raki. Nicht Arak. Arrak oder Arrack. Kein Anisschnaps, sondern eine der ältesten Spirituosen der Welt. Find du den heute mal noch! Dabei war der mal verbreiteter als Rum. Heute fristet er bei uns noch ein kümmerliches Dasein als “Arrak-Aroma” direkt neben dem “Rum-Aroma” bei den Backzutaten. Die Niederländische Ostindien-Kompanie brachte den Arrak aus Batavia (heute: Jakarta, Haupstadt von Indonesien) nach Europa. Klein Zack in Hoffmanns Erzählungen trinkt “zuviel Branntwein und Arrak”, möglicherweise nur des Reims wegen, aber auch in Hoffmanns “Der goldne Topf” wird ein Punsch zubereitet:

Der Registrator Heerbrand griff in die tiefe Tasche seines Matins und brachte in drei Reprisen eine Flasche Arrak, Zitronen und Zucker zum Vorschein. Kaum war eine halbe Stunde vergangen, so dampfte ein köstlicher Punsch auf Paulmanns Tische.

Punsch: Das Konzept und das Wort brachte die Englische Ostindien-Kompanie nach Europa, in Hindi bedeutet das Wort “pantsch” “fünf” (siehe Sprachgeschichteveranstaltungen an der Uni) nach den fünf Zutaten für einen Punsch: Zucker, Zitrone, Arrak, Wasser, Gewürze. Das ist alles in der Punschtorte drin, bis auf die Gewürze vielleicht, aber die werden ja auch schon in Schillers “Punschlied” nicht mehr dazugerechnet.

Und mit einem Gemisch aus Arrak und Zuckerwasser (andere, weniger gute Rezepte: Zitronensaft, Wein) wird eben auch die Punschtorte getränkt. Nur dann kommt eine Punschtorte heraus:

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Bild: Frau Rau

Beim Konditor wäre der Teig vielleicht etwas glatter, die Aprikosenmarmelade dünner. Geschmacklich war die Torte perfekt.

Meine Damen und Herren, das war die Punschtorte. Meine Totemtorte. (Und ich habe sehr liebe Eltern.)

Aktuelles aus der Bildung, Juni 2014

LRS nicht mehr im Zeugnis: In Bayern kann Schülern eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (“LRS”) oder eine Lese-Rechtschreib-Störung (“Legasthenie”) attestiert werden. In beiden Fällen führt das in der Regel zu mehr Zeit bei Aufsätzen und zurückhaltender oder ausbleibender Bewertung der Rechtschreibung, das wird allerdings für jeden Fall individuell festgelegt. LRS muss man alle paar Jahre neu attestieren lassen, Legasthenie gilt für die gesamte Schulzeit – insbesondere auch für die Oberstufe, denn da steht der Vermerk über LRS oder Legasthenie nämlich auch im Abiturzeugnis. Jetzt hat ein Gericht entschieden, dass dieser Vermerkt nicht im Abiturzeugnis stehen darf.
Bisher führte die Unterscheidung LRS/Legasthenie dazu, dass Schüler, die den Vermerk nicht im Abiturzeugnis wollten, ihre LRS notgedrungen nach der zehnten Jahrgangsstufe nicht mehr verlängerten. Ich bin gespannt, ob die Unterscheidung LRS/Legasthenie aufrecht erhalten bleibt.

Familie trifft Schule schreibt über einen Text des Erziehungswissenschaftlers Volker Ladenthin in der FAZ. Ladenthin meint: “G8 wird die Studienzeit verlängern”, der Blogeintrag eher: “Die Universitäten werden über kurz oder lang einknicken (müssen) und Abschlüsse leichtfertiger vergeben.”
Ladenthin beschreibt anschaulich den Entwicklungsstand seiner jungen Studierenden. Ist das G8 daran schuld, oder die “zunehmende Heterogenität” der Schüler am Gymnasium, wie das jetzt offiziell heißt, oder gesellschaftliche Faktoren außerhalb der Schule? Ich weiß nicht, ob Studenten früher anders waren – die Studenten, mit denen ich mich herumgetrieben habe, waren möglicherweise nicht repräsentativ.

Unser Unterrichtsminister Spaenle setzt den “Gesprächsprozess zur Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums” fort (Pressemitteilung). Der ist inzwischen nicht nur “ergebnisoffen” (sprich: keine Rückkehr zum G8), sondern “ergebnisoffen und strukturiert” (sprich: keine Rückkehr zum G8, und keine Störungen bitte).

Einige Instrumente und Errungenschaften, die diesem Anspruch ["unsere jungen Menschen in ihrer Vielfalt möglichst optimal fördern"] gerecht werden, werden im bayerischen Gymnasium bereits praktiziert, nämlich z.B. die Intensivierungsstunden, aber auch die W- und P-Seminare sowie der Ausbau der Ganztagsangebote.

Werden die Intensivierungsstunden immer noch als große Errungenschaft verkauft? Das Unterrichtsministerium selber hat den Gymnasien empfohlen, stattdessen in der 8. Klasse eine verpflichtende zusätzliche Stunde Mathematik einzuführen, und in der 10. das gleiche mit Deutsch.

Netzneutralität

Das ging die letzten Tage im Netz herum: Der englische Komiker John Oliver, lange Teil der amerikanischen Daily Show mit Jon Stewart, bevor er seine eigene Show bekam, erklärt anschaulich und engagiert, was es mit Netzneutralität auf sich hat.

Köstlich, und informativ. “Turn on CAPS LOCK and fly, my pretties, fly!”