Fernwandern in England: Der Cotswold Way, südliche Hälfte

Der Cotswold Way ist ein relativ junger englischer Fernwanderweg, der – anders etwa als der South Downs Way, dessen Teilstrecken seit Jahrtausenden genutzt werden – nicht auf alte Reisestrecken zurückgeht, auch wenn er natürlich alte Wege nutzt. Er verläuft an der Grenze von England zu Wales von Chipping Campden im Norden nach Bath im Südwesten. Insgesamt ist der 164 km lang, wir liefen diesen Mai in 5 Tagen die südliche Hälfte davon. Vorbereitung Gute Wanderstiefel hatten wir bereits. Neu waren leichte Wanderhosen; die Regenjacken wurden imprägniert. Das Wanderführer-Büchlein empfahl leichtes Verbandszeug und eine Trillerpfeife zum Mitnehmen, auf beides verzichteten wir, … Continue reading "Fernwandern in England: Der Cotswold Way, südliche Hälfte"

Punschtorte

Meine Totemtorte ist die Punschtorte. In meiner Kindheit gab es zumindest gelegentlich Torte vom Konditor. Sonntagnachmittag, mit meinen Großeltern, oder wenn Besuch da war, und Besuch war oft da. Erwachsene bringen bei solchen Gelegenheiten meist ein Sortiment mit, irgendwas mit Obst, irgendwas mit Creme, irgendwas mit Schokolade, da ist für jeden etwas dabei. Kinder nehmen das ernst, ich jedenfalls. Wenn ich mitreden durfte, und das durfte ich früh, wollte ich: Punschtorte. (Die aß auch meine Großmutter gerne, und von der kam ich auf den Geschmack.) Es ging ja gar nicht soweit, dass ich vor Freude in die Luft sprang beim … Continue reading "Punschtorte"

Zwischen den Zeilen schreiben (1)

Zusammenfassung: Keine Geschichte erzählt alles. Der Leser muss immer Lücken füllen, sei es bei dem Äußeren einer Person oder bei einem Vorgang. Diese Leerstellen entstehen absichtlich, unabsichtlich, durch Fehler des Autors, durch fehlerhafte Überlieferung, und sind unvermeidbar. Man kann sie füllen, indem man sich ihnen spielerisch-wissenschaftlich nähert oder dadurch, dass man sie literarisch mit anderen Geschichten füllt. Zwischen den Zeilen schreiben Nachdem ich mich mehrere Monate lang mit diesen Elementen beschäftigt hatte, kam ich zu der Schlussfolgerung, dass die Reise um die Erde in 80 Tagen zwei Geschichten umfasste. Eine war die äußere, die offensichtliche, von Verne als interessante, aber … Continue reading "Zwischen den Zeilen schreiben (1)"

Laienhafte Notizen zu germanischer Dichtung (mit Weltende)

Ja, die Germanen. Eine völkerwandernde Gruppe von Sprechern verwandter indoeuropäischer Dialekte. Grob kann man die Dialektgruppen Nordgermanisch (die Nachfolger davon in Skandinavien und Island), Ostgermanisch (Gotisch gehört dazu, Nachfolger gibt es keine mehr) und Westgermanisch (Althochdeutsch, Altenglisch, Altniederdeutsch/Altsächsisch) unterscheiden; es gibt natürlich noch weitere Klassifizierungen. Die Germanen auf dem Großteil des Kontinents, also die Sprecher westgermanische Dialekte, hinterließen nicht viele schriftliche Zeugnisse. Ein paar Namen sind noch da: Donar, der Donnergott, nach dem der Donnerstag benannt ist; Wodan/Wotan, auf den Wednesday zurückgeht. (Auch die meisten anderen Wochentagsbezeichnungen gehen auf germanische Götter zurück – die Germanen übernahmen die 7-Tage-Woche von den … Continue reading "Laienhafte Notizen zu germanischer Dichtung (mit Weltende)"

Erzählen mit Perspektivenwechsel, die Schulaufgabe

Bei den letzten Schulaufgaben (für Leute außerhalb Bayerns: angekündigte, benotete Aufsätze, heftig benotet) meiner 6. Klasse habe ich mich beim Korrigieren sehr unterhalten. Eines der Themen, angelehnt an diese Übung (und die), sah so aus: Zwei Leute haben sich verabredet, um ins Kino zu gehen. (Möglich: Kind/Elternteil, Freunde.) Einer von beiden ist pünktlich und wartet vor dem Kino und wird ungeduldig oder besorgt, weil der andere nicht kommt. Der oder die andere hat sich verspätet und beeilt sich sehr, um noch rechtzeitig zu kommen. Erzähle das, indem du zwischen den Perspektiven der beiden abwechselst. Schildere anschaulich das Innenleben der beiden. … Continue reading "Erzählen mit Perspektivenwechsel, die Schulaufgabe"

Der englische Schulroman (neue Abenteuer im Papierweb)

Ende der Sommerferien brachte ich mir aus England ein Buch mit, das mir zufällig untergekommen war: Stalky & Co von Rudyard Kipling. Ich hatte schon mal davon gehört, außerdem lese ich Kipling gerne (so gerne, dass ich einen Eintrag über ihn schreiben muss), und es war eine schöne Ausgabe. In neun Episoden werden darin die Abenteuer eines Triumvirats von Schuljungen an einer public school erzählt: Stalky, M’Turk und Beetle. Toll erzählt, wie fast immer bei Kipling. Er verzichtet auch weitgehend auf die Wiedergabe von Dialekt, die manche seiner Geschichten – und vor allem manche Gedichte – für mich unlesbar macht. … Continue reading "Der englische Schulroman (neue Abenteuer im Papierweb)"

Richtig große Zahlen (und die Ackermannfunktion)

Ein Blogeintrag für mich: Ein Thema hat mich interessiert, ich habe recherchiert und zusammengefasst, um es mir anzueignen. Für die Leser, die dableiben: Es geht um richtig große Zahlen. So große, dass die Rechenarten Addition, Multiplikation und Potenzierung nicht reichen. Ein bisschen was zu den Rechenarten und wie sie zusammenhängen: Die Addition ist eine der Grundrechenarten. Zum Beispiel: 1+2 oder 3+4. Nicht ganz so grundrechnend ist die Multiplikation, die quasi nur eine Abkürzung für die mehrfache Addition ist: 3*4 ist ja nichts anderes als 3+3+3+3 (also vier 3er mit einem Plus dazwischen). Fußnote: 3*4 ist natürlich auch 4+4+4, aber aus … Continue reading "Richtig große Zahlen (und die Ackermannfunktion)"

Formale Sprachen, Teil 4: Kontextsensitive Sprachen (und Überblick)

1. Überblick und Wiederholung Im Lauf dieser Serie habe ich formale Sprachen vorgestellt, dann eine Untergruppe davon, die regulären Sprachen. Im letzten Beitrag ging es dann um eine übergeordnete Gruppe, die kontextfreien Sprachen. Die ersteren haben praktische Anwendungen etwa bei den regulären Ausdrücken, die für Suchen/Ersetzen genutzt werden. Die zweite Gruppe ist wichtig beim Beschreiben von natürlichen Sprachen und vor allem von Programmiersprachen. Die beiden übrigen Gruppen von Sprachen haben weniger direkte Anwendungsmöglichkeiten. Allerdings sind sie für die theoretische Informatik trotzdem interessant. Deshalb will ich jetzt etwas weiter ausholen und fange von der anderen Ecke an. Zur Wiederholung: Ein Alphabet … Continue reading "Formale Sprachen, Teil 4: Kontextsensitive Sprachen (und Überblick)"

Warum ich während der Lehrerkonferenz germanische Langzeilen schreibe, erkläre ich ein anderes Mal

Gleich beginnt sie, die grausliche Sitzung, wo die Noten genannt, die nötig dazu sind um die schlauen Schüler und die schlampigen ebenso zu belehren und lohnen ihre Leistung und Fleiß. Die Schulleitung spricht, schon lauschen ergriffen die Lehrer, auch wenn lieber das Leben zu Hause sie genössen. Doch nötig ist das Nicken im Verbunde, wenn das Schicksal der Schüler sich entscheidet mit Ernst. Ein hemmender Halt noch, erst heißt es zu klären ein Problem, das plötzlich zur Probe der Geduld wird. „Einspruch!“, ertönt es, und als der endlich geklärt ist, der nächste: „So nicht!“ und „Niemals!“ die Rufe. Die Debatte … Continue reading "Warum ich während der Lehrerkonferenz germanische Langzeilen schreibe, erkläre ich ein anderes Mal"

Es war einmal (und viel mehr über weitere Erzählspiele, als ich eigentlich zu schreiben vorhatte)

1. Es war einmal Nachdem es vorgestern schon ums Erzählen ging, will ich mir auch endlich diesen Eintrag von der Liste schreiben: Bei Amigo ist 1997 das Spiel Es war einmal erschienen, die deutsche Ausgabe von Once upon a time (Atlas Games 1994, zweite Ausgabe 1995). „Es war einmal“ ist einigermaßen bekannt und auch im normalen Spielwarenhandel zu bekommen. Das Spiel besteht aus über hundert Erzählerkarten, jeweils mit typischen Märchenmotiven: Charaktere (Kind, Prinzessin, Monster), Gegenstände (Schlüssel, Krone, Baum), Orte (Heim, Kapelle, Kerker), Eigenschaften (versteckt, wunderschön, blind) und Ereignisse (Falle, Wettbewerb, jemand wird verletzt). Jeder Spieler kriegt eine Handvoll dieser Karten … Continue reading "Es war einmal (und viel mehr über weitere Erzählspiele, als ich eigentlich zu schreiben vorhatte)"