Kategorie: Schule (alltag)

Kommentare und Hintergrundinformationen zum Alltag in der Schule.

Kleinigkeiten aus der Schulwoche

Einer Schülerin, die technische Probleme hatte, als es darum ging, Software für den Informatikunterricht auf dem Rechner zu Hause zu installieren, habe ich einen Informatikunterricht-USB-Stick zusammengestellt. Darauf ist ein Linux (Mint) mit Speicherplatz für Dateien und die vorinstallierte Informatik-Software (also eigentlich BlueJ bisher). Der Rechner zu Haus eist ein Laptop, Booten von USB ist erlaubt – und die Schülerin lernt so gleich mal ein bisschen Linux kennen.

Eine unserer Referndarinnen hat mir erzählt, dass ihr im Seminar mein Blog hier zum Lesen empfohlen wurde. Da habe ich mich natürlich sehr gefreut.

Oberstufe: Von 21 Schülern haben nur 2 ihren Übungsaufsatz nicht abgegeben. Wenn ich alle gekriegt hätte, hätte es einen eigenen Blogeintrag dazu gegeben.

Inverted Classroom, zur Erinnerung: Statt dass der Lehrer einen Vortrag über den neuen Stoff hält und die Schüler dann zu Hause üben, den neuen Stoff umzusetzen, zeichnet der Lehrer seinen Vortrag auf Video auf und lässt ihn die Schüler vorab zu Hause ansehen – so dass in der Schule geübt werden kann, den neuen Stoff umzusetzen.
In der Praxis ist ein Problem, dass Lehrer nicht so oft solche Vorträge halten, wie man meint, und ein zweites, dass die Schüler sich den Film zu Hause dann halt doch genauso gründlich ansehen, wie sie sonstige Arbeiten zu Hause erledigen.
Im Informatikunterricht in der Oberstufe praktiziere ich die einfachere Form davon: Zumindest ab und zu sollen sich die Schüler die Seiten mit dem neuen Stoff im Buch vorher durchlesen, als vorbereitende Hausaufgabe. Denn ich denke mir, dass a) die Seiten auch allein zu verstehen sind und b) meine Erklärungen dann leichter zu verstehen sind, wenn ich nichts so gar Neues erzähle. Und so istes auch, ich musste mir schon zweimal ein verwundertes “Aber das wissen wir doch schon” anhören, von Schülern nämlich, die so vorbereitet waren. Dann kann ich die Erklärphasen nämlich kurz halten, so dass die Schüler mehr zu Ausprobieren und Programmieren kommen.

(Jetzt erst mal die Deutschaufsätze korrigieren. Eine Woche Herbstferien.)

Webfilter für die Schule – Bildung, Erziehung, Aufklärung

An den meisten Schulen dürften Filter installiert sein, damit man verhindern kann, dass Schüler bestimmte Webseiten erreichen. Zumindest in Bayern ist eine Filterung nicht vorgeschrieben, aber irgendwie muss auf jeden Fall überwacht werden, dass Schüler nicht auf ungeeignete Seiten kommen, und so ein Filter unterstützt die Lehrkräfte, die das nicht durch Präsenz oder Unterrichtsorganisation können. Ich bin eher gegen Filterung für meine Schulart – zumindest solange Schüler nicht ohne Aufsicht an Rechner dürfen, dann müsste ich noch einmal darüber nachdenken.

Man kann entweder über eine Whitelist filtern, so dass nur bestimmte Seiten erlaubt und alles andere verboten ist, oder über eine Blacklist, so dass man bestimmte Seiten ausschließt. Kein Systembetreuer kann selber sinnvoll eine Blacklist erstellen, dafür gibt es zentrale Sammlungen von zu sperrenden Seiten. Eine solche ist die der Firma TIME for kids, die Filtersoftware für Schulen vertreibt. Die Firma fasst Seiten zu Kategorien zusammen, so dass man ganze Kategorien sperren oder zulassen lassen. Ein Schüler hat mal geschaut, in welcher Kategorie mein Blog ist: immerhin in “Bildung / Erziehung / Aufklärung”. Ein anderes Blog, für das ich ein bisschen den Admin mache, steht unter “Allgemeine Geschäftstätigkeiten”, was so was von gar nicht passt. Die eigene Schulhomepage ist übrigens “Nicht verfügbar oder zu keiner Kategorie passend.”

(Hm. Alle anderen selbst gehosteten Lehrerblogs, die ich getestet habe, gehören zu “Allgemeine Geschäftstätigkeiten”, nur die Sachen bei Blogspot oder WordPress.com kommen in die Blog-Kategorie.)

Unter http://www.cobion.de/support/techsupport/urlcheck/url-report-tfk.asp kann man die Kategorie einer URL überprüfen und Änderungsvorschläge machen. Aber macht mir nicht meine schöne Bildungswertung kaputt!

(Dass ich niemandem verrate, wo mein privater Proxy ist, mit dem ich den Filter umgehen, uh, könnte, ist eh klar.)

Wandertag in der Glyptothek

Mit dem Deutsch-Leistungskurs bin ich regelmäßig in die Glyptothek gegangen, zum Thema Klassik, vielleicht auch zu einem abendlichen Vortrag. (Dann fällt auch nichts aus für die Kollegen.) Seit Jahren war ich nicht mehr dort, aber heute war Wandertag der Q11, ich ging mit dem Kunstkurs mit, und der ging tatsächlich dorthin. Ich durfte meine Sprüchlein zu archaischer, klassischer und hellenistischer Plastik loswerden, aber hauptsächlich ging es darum, dass die Schüler zeichneten. Diesen archaischen Jüngling etwa:

glyptothek_2014_1

Und ich musste auch mitzeichnen. Hier mein Ergebnis:

glyptothek_2014_2

Bin so mittel zufrieden. Die Schülerergebnisse, das freut mich, waren besser als meins, aber mit den Füßen und dem linken Arm hatten wir allen Probleme. Îch werde jedenfalls nicht den Beruf wechseln.

glyptothek_2014_3

So ein archaischer Jüngling heißt Kuros (Plural Kuroi). Der hat ein feines Lächeln im Gesicht, aber keine individuellen Züge, will heißen: die sehen irgendwie alle gleich aus. So ein Kuros steht ganz gerade da, ein Fuß etwas weiter vorn, aber Schultern und Körper ganz gerade.

Die Klassik arbeitet dagegen mit Spielbein und Standbein, da ist ein Knick in Hüfte und Schulter. Die Züge sind aber auch nicht individuell, sondern idealisiert. Ein paar Schüler haben auch so etwas gezeichnet:

glyptothek_2014_4

Und danach gibt es die hellenistische Epoche – realistischer, mit Kleidung, mit individuellen Charakterzügen. Das ist die Zeit, von der die deutsche Klassik so schwärmt. In der Glyptothek gibt es den berühmten Barberinischen Faun, ohne Bocksfüße, aber sehr lasziv. Daneben gibt es hier noch die trunkene Alte und einen Knaben mit der Gans.

Schuljahresanfang 2014/15

(Der Schuljahresbeginn ist eigentlich Anfang August, was Mitte September beginnt, ist lediglich der Unterricht. Aber wir wissen ja alle, wann es wirklich losgeht.)

Heute meine ersten Stunden gehabt. Ach, das freut mich jedesmal. Ich will mich weder mit Heinrich Heine vergleichen noch mit dem Riesen Antäus, der immer wieder neue Kraft erhält, wenn er seine Mutter – Gaia, die Erde – berührt, noch mit sonstigen Riesen, aber ich muss an jedem Schuljahresanfang an ein paar Verse aus dem Anfang von Heines Deutschland. Ein Wintermärchen denken:

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte –
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Ein gewisses Aufwachen bringt der erste Schülerkontakt nach den Sommerferien jedenfalls schon mit sich.

Ansonsten: An zwei Konferenzen teilgenommen. Stundenplan begutachtet, Unterrichtsverteilung, bin sehr zufrieden. Die Leute geben sich aber auch Mühe damit bei uns. Neu: Wir testen gerade das Doppelstundenprinzip, und soweit möglich das Fachraumprinzip – der Idealfall, dass jeder Lehrer einen eigenen Raum kriegt, geht natürlich aus vielen Gründen nicht. Schauen wir mal, was Schüler und Lehrer dazu sagen werden.

Letzte Schultage 2014

In der Süddeutschen steht was über Programmiersprachen! Eine Doppelseite im Feuilleton, und was drinsteht, ist diesmal sogar vernünftig und lesbar. (Jetzt auch online lesbar.) Kein Wunder, das hat zum Großteil Anne Schüssler geschrieben (hier ihr Blogeintrag dazu)- sie hat ein Blog und programmiert als Softwareentwicklerin. Ich hoffe, auch Einsteiger kommen mit Begriffen wie Assembler und Compiler und Höherer Programmiersprache zurecht. Die sind nämlich wichtig.

Mit Schülern habe ich die Schulhomepage reorganisiert. Das Design bleibt gleich, aber die Menüstruktur und die Startseite haben wir angepasst. Vorbild ist natürlich dieser schöne xkcd-Cartoon:

University Website
(Quelle)

Da gibt es die Dinge, die die Eltern und Schüler auf der Homepage suchen und die Dinge, von denen die Schullleitung will, dass die Eltern und Schüler sie unbedingt sehen. Das ist nicht immer das gleiche.

Auch intern haben wir aufgeräumt. Alle Fächer, die mit: “Ich bin wichtig, mach mir drei Unterkategorien” begonnen und trotzdem kaum Beiträge haben, haben jetzt nur noch eine Kategorie. Außerdem habe ich behutsam Schlagwörter eingeführt. Das hat einen unerwarteten Nebeneffekt: Man sieht jetzt, was wirklich der Schwerpunkt der Schule ist, so als Alternative zum offiziellen Schulprofil. Zu manche Schlagwörtern gibt es mehr Beiträge, und die entsprechenden Begriffe erscheinen dann in der Schlagwort-Wolke größer als die anderen. Manche Dinge fehlen da völlig, das war mir vorher nicht aufgefallen.

Vielleicht könnte man sein Schulprofil ja deklarieren, indem man vorher die Schlagwörter festlegt, die man gerne hätte, und dann dafür sorgt, dass die entsprechend gefüllt werden. Bei all dem gilt natürlich: die Webseite ist geduldig; die Realität sieht möglicherweise anders aus.

— Ansonsten spielt sich bei uns in den letzten Tagen wieder die “Schule als Staat” ab. Wer mit dem Handy erwischt wird, den bringt die Polizei vor Gericht; Betriebe bieten Dienstleistungen an (Fahrrad und Auto waschen); Essensstände gibt es natürlich auch (mit Fisch und Chips sogar – kalter Fisch in Bierteig, zugegeben, aber trotzdem lecker). Wenn ich herausgebracht habe, ob ich eine Lizenz brauche, setze ich mich am Montag mit der Ukulele als Straßenmusikant in eine Ecke.

Internet in der 8. Klasse (und dann nur Internet)

Die Schüler haben gekichert, als ich erwähnte, dass ich bei Twitter bin.

(Wie wir darauf kamen: Es ging um Zeitung. Zuerst einfach mal eine Stunde lesen; dann um die einzelnen Ressorts, die Textsorten, den Weg vom Ereignis in die Zeitung; schließlich um gegenwärtige Finanzierung von Zeitungen und ihre Zukunft. Da waren wir dann auch schon beim Internet und alternativen Nachrichtenquellen.)

Was war daran so witzig? Auch Nachfrage wohl einfach, dass social media so gar nicht zu Lehrern passt. Ja, etliche Kollegen sind bei Facebook, aber Twitter ist wieder etwas anderes.
Dann haben wir uns über das Internet unterhalten. (Diese Art Stunde halt. Schuljahresende, ein guter Teil der Schüler eh nicht da.) Warum ich Twitter für cooler halte als Facebook. Was Netzneutralität ist. Warum ich Internet für wichtig halte.

Da habe ich natürlich auch fallen lassen, dass das Internet ein gar so neues Medium nicht ist, wie es in Erörterungs-Aufgabenstellungen meist verkauft wird. Dass ich meine erste Webseite hatte Jahre vor der Geburt der Schüler, dass ich blogge seit vor der Erfindung von Youtube. (Mein Blog erwähne ich in der Schule sonst nicht oft.)

Mehr überrascht als ungläubig kam dann eine Frage, die mir bezeichnend schien: “Kann da jeder einfach so irgendeine Seite ins Internet stellen?” Das hat die Schüler überrascht. Meine Schlussfolgerung: Sie kennen Facebook und Twitter und erinnerten sich sogar noch an Lokalisten und SchuelerVZ. Aber das man einfach so und für gar nicht viel Geld einfach so seine eigene Webadresse haben und mit Inhalt füllen kann, das war den Schülern nicht bewusst.
Ich glaube, vor fünf Jahren war das noch anders. Da hatten die Leute noch Homepages. Da wussten die Schüler eher, dass man auch ohne Soziale Medien, also selber, eine Webseite haben kann. Zugegeben, wer das hatte, wurde belächelt, wer brauchte so etwas schon?

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Neues aus dem Internet:

(1) Lügen für das Leistungsschutzrecht (7) Letztes Jahr hat der Bundestag ein von vielen Seiten kritisiertes “Leistungsschutzrecht” beschlossen, das Google verbietet, Texte aus Zeitungswebseiten in bestimmter Form zu verwenden, wenn nicht dafür gezahlt wird. Jeder weiß hoffentlich, dass jede Zeitungswebseite Google ganz einfach daran hindern kann, ihre Seiten zu verwenden. Machen wir bei unserer Schulhomepage auch so, Google kennt deren Inhalte nicht. Aber die meisten Verlage wollen ja, dass Google ihr Material verwendet, nur zahlen muss es dafür müssen. Im Moment verlangt Google von den Zeitungen die kostenlose Erlaubnis, sonst wird es das Material nicht verwenden. Darüber klagen jetzt die Verlage und vergleichen das mit einer Art Erpressung. Also was jetzt?

(2) Im Mai 2014 hat der europäische Gerichtshof entschieden, dass Google gezwungen werden kann, Suchergebnisse bei bestimmten Fragen nicht anzuzeigen. Und zwar: Wenn eine Person mal etwas Dummes gemacht hat, und das schon einige (wenige) Jahre her ist, und darüber steht etwas auf einer Webseite, dann darf Google auf Antrag (eventuell) diese Seite nicht mehr in den Suchergebnissen anzeigen, wenn nach der Person und der dummen Sache gesucht wird. Beim Guardian ist der erste Artikel herausgefiltert (weil ein Kommentator seinen Kommentar nicht mehr lesen will – nur wenn man nach dessen Namen in Verbindung mit dem Artikel sucht, wird er nicht mehr gezeigt), beim Spiegel auch.
Nachtrag: Die Seite http://hiddenfromgoogle.com/ sammelt solche in der EU von Google nicht mehr gelisteten Seite.

(3) Zu meinen Teenagerjahren haben wir auf die Bundesprüfstelle für jugendgefährende Schriften (heute: Medien, BPjM) geschimpft, weil die uns vor Tanz der Teufel bewahrt haben, indem sie den Film auf den Index setzten. Im Referendariat kam dann Quake heraus, auch gleich indiziert. Inzwischen gehört es auch zu den Aufgaben der BPjM, Webseiten zu indizieren – allerdings ist dieser Index nicht öffentlich, aus naheliegenden Gründen.
Trotzdem soll er verwendet werden können, etwa von meinem Router zu Hause. Da gibt’s eine Einstellung, habe gerade nachgeschaut, dass für “Gäste” in meinem Wlan alle Seiten, die auf diesem Index stehen, gesperrt sind. (Das ist wohl die Standardeinstellung, ich hatte mir das vorher nie angeschaut.) Nun wäre es ziemlich dumm, meinem Router diese Liste im Klartext zukommen zu lassen. Also existiert sie nur in einer verschlüsselten Form, dem sogenannten BPjM-Modul. Verschlüsselt heißt: Aus einem Text (etwa dem Link einer zu indizierenden Webseite) errechnet man nach einer mehr oder weniger öffentlich bekannten Methode einen sogenannten Hash, und den gibt man weiter. Wenn mein Router dann bei aktiviertem Kinder- oder Gästeschutz eine Webseite ausliefern soll, dann errechnet er aus dieser Webseite nach der gleichen Methode den Hashwert und vergleicht ihn mit der Sperrliste.
Aus dem Hashwert kann man nur äußerst schwer auf den ursprünglichen Text (hier: Link) schließen. Wie das geht, ist spannend und schwierig, wie überhaupt Hash-Funktionen eine tolle Sache sind.
Trotzdem hat ein Hacker oder eine Hackerin mit relativ wenig Aufwand einen Großteil der indizierten Links im BPjM-Modul rekonstruiert und veröffentlicht. Steht zum Beispiel hier. Allerdings ist der Link zu der Seite, auf der die entschlüsselte Liste zu finden ist, dort inzwischen nicht mehr zu lesen – Behörden drohen mit Klagen. Den Meinungen von Rechtsanwälten im Web zufolge (siehe Link oben) macht man sich vermutlich nicht strafbar, wenn man auf die Seite mit den entschlüsselten Webseiten-Adressen verlinkt, aber wer will so ein Risiko schon eingehen – Ärger kann man auch so kriegen, wenn die Polizei dann mal vorbeischaut. Und auf der Liste steht auch tatsächlich allerlei Indizierenswertes – Pornographie, Rechtsradikales, Anorexie-Seiten, aber auch: syntaktisch fehlerhafte Links, Irrläufer, alles mögliche. Eine Analyse der gesperrten Seiten wäre schon interessant. Interview mit dem Hacker/der Hackerin.
(Auch google.de sperrt diese Seiten, anders als Google aus anderen Ländern – aber die sperren dann vermutlich einfach anderes.)

(4) Wenn man sich – halbwegs – anonym im WWW bewegen will, oder dubiose Dinge recherchieren will, benutzt man am besten etwas, das Tor heißt. Lange Geschichte. Allerdings: wer Tor benutzt oder sich nur darüber informiert, macht sich des Extremismus verdächtig und landet in einer NSA-Datenbank.

(5) Nächsten Dienstag wäre in München eine Cryptoparty. Da kriegt man als Laie erklärt, wie man Mails verschlüsselt, Tor benutzt, Festplatten verschlüsselt (was wir als Lehrer ja tun müssen). Ob ich das als Fortbildung angerechnet kriege, wenn ich hingehe? — Tatsächlich weiß ich schon das meiste, aber falls ich mal in der Schule eine Cryptoparty machen möchte, sollte ich das auf jeden Fall vorher mal mitmachen. (Zeitpunkt ist aber ungünstig für mich, vorher Konferenzen, am nächsten Tag Mitorganisator einer Fortbildungsveranstaltung.)

Then came the churches, then came the schools
Then came the lawyers, and then came the rules
Then came the trains and the trucks with their loads
And the dirty old track was the telegraph road

Abiturrede 2014

(Nachgetragen, hier mein kurzer Bericht der Abifeier. Einige Stellen sind Insiderwitze, die ich nicht verstanden habe; wie bei allen Reden kommt es sehr auf den Vortrag und vor allem die konkrete Situation an – was mit einem etwas anderen Publikum vielleicht nicht funktioniert hätte, funktionierte hier gut.)

Sehr geehrte Anwesende,

dass ich nun hier als Repräsentant der Stufe vor Ihnen stehe, ist wohl überraschend, sowohl für Mitglieder der Stufe, als auch für einige Lehrer und nicht zuletzt für mich selbst.
Warum soll ich, soll jemand mit meinen Deutschnoten eine Rede schreiben und vortragen?
Ich bin in der Stufe weder besonders engagiert, noch halte ich mich komplett raus.
Ich bin kein schlechter Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Ich bin nicht der fleißigste Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Ich bin nicht der größte Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Und ich kann zwar Einiges, aber ein [Name gestrichen] bin ich nicht.

Ich bin so eine Art Mittelding in einer Stufe, die sich aus vielen unterschiedlichen Charakteren zusammensetzt, und vielleicht qualifiziert mich das als Repräsentant, denn wir waren und sind eine Stufe aus vielen Gegensätzen und unterschiedlichen Typen – Typen und Persönlichkeiten, die durch zwölf Jahre Schulzeit zu dem wurden, was sie sind. Diese Jahre haben uns geprägt, wie es vermutlich keine andere Zeit in unserem Leben wieder tun wird.

Vor zwölf Jahren… beziehungsweise dreizehn Jahren… obwohl, bei manchen hat’s auch vierzehn Jahre gedauert, ich werde hier aber keine Namen nennen. Jedenfalls wurden wir damals in einem riesigen Labyrinth ausgesetzt, als Proviant wurde uns lediglich eine Tüte voller ungesunder Süßigkeiten mitgegeben, die nicht einmal einen Tag gehalten hat. Vielen Dank dafür!
An diesem Tag standen wir am Anfang unserer schulischen und persönlichen Entwicklung. Ein langer Weg, auch wenn es mir im Nachhinein viel kürzer vorkommt als es tatsächlich war.

Die Grundschulzeit zum Beispiel ist schon zu großen Teilen aus meiner Erinnerung verschwunden, diese ersten vier Jahre, an deren Ende wir uns mit Erreichen des Gymnasiums wie die Größten fühlten, nur um uns dort am untersten Ende der Nahrungskette wiederzufinden.
Und von da an begann der lange Weg durch das Labyrinth hin zum Abitur. Schon früh standen wir an der ersten wichtigen Kreuzung und mussten uns zwischen Latein und Französisch entscheiden, wobei natürlich galt: Latinam linguam sapientes eligunt!
Auch auf unserem weiteren Weg hatten wir einige Hürden zu überwinden. Beispielsweise mit dem Umzug in ein neues Schulgebäude und hier muss ich [der Schulleiterin] widersprechen, denn das neue Gebäude war für mich eher ein Labyrinth als das alte. Ich habe länger gebraucht, um das System mit Buchstaben und Zahlen zu verstehen, als ich es hier öffentlich zugeben möchte.
Und nicht zuletzt hatten wir auch mit uns selbst zu kämpfen, denn je älter wir wurden desto mehr ließ unsere Motivation nach… und unser Interesse… und unser Fleiß… und nicht zu vergessen: Auch unsere Aufmerksamkeit. Ich möchte mich hier kurz bei allen Lehren entschuldigen, die das zu ertragen hatten.
Und je mehr Salat wir aßen, desto mehr schrumpfte unser Bizeps, aber das gehört nicht hierher.

Wie auch immer, mit dem Erreichen der 11. Klasse rafften wir uns nochmals auf und gingen mit frischer Kraft ans Werk. Voller Tatendrang begannen wir zu lernen und ich bin mir sicher, dass das die meisten auch ganze 4 ½ Wochen durchgezogen haben. Danach… na ja, aber darüber will ich lieber erst gar nicht sprechen, lieber möchte ich sagen, dass die letzen Meter im Labyrinth, die Oberstufe also, wohl die beste Zeit unserer Schullaufbahn war.
Ein besseres Verhältnis zu Lehrern, endlich ein eigener Raum zur Entspannung, der jedoch durch Umzüge und zunehmende Vermüllung immer weniger Platz zur Entspannung bot, mit 18 schließlich die Möglichkeit, Entschuldigungen selbst zu unterschreiben und nicht zuletzt ein durch großartige Studienfahrten gestärktes Gemeinschaftsgefühl, all dies trug dazu bei, dass diese zwei Jahre trotz Klausuren- und Abiturstress zu einer unvergesslichen Zeit wurde. Manchen hat es sogar so gut gefallen, dass sie gleich drei Jahre daraus gemacht haben.

Und diese ganzen Jahre, nicht nur die letzten zwei, haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind und an dieser Stelle möchte ich kurz einigen Menschen danken, die uns auf diesem Weg geholfen haben.
Natürlich unseren Lehrern, die es nicht immer leicht hatten und besonders [der Oberstufenbetreuerin], die uns in den letzten zwei Jahren viel hinterher laufen musste. Und es soll hier auch ein Dank an das übrige Schulpersonal, das einen reibungslosen Schulalltag ermöglichte und uns regelmäßig mit frischen Leberkassemmeln versorgte. Und auch die Menschen außerhalb des Schullebens haben ihren Anteil daran, dass wir alle heute hier sind. Familie, Freunde oder auch der der Fußballtrainer und Geigenlehrer haben uns auf diesem Weg der schulischen und persönlichen Entwicklung begleitet. Vielen Dank!

Es tut mir sehr leid aber es ist noch nicht ganz vorbei, ein bisschen müssen Sie mich noch aushalten, denn ich möchte noch kurz ein paar Gedanken darüber verlieren was uns nun erwartet.
Unser Abimotto beschreibt uns als Verwirrte, als Suchende, die nun endlich an ihr Ziel gelangt sind. Doch sind wir wirklich am Ziel? Im eigentlichen Labyrinth sind wir noch weit vom Ziel entfernt, wir glauben gerade dem Labyrinth entkommen zu sein, aber wir befinden uns noch mittendrin und noch dazu an einer äußerst wichtigen Kreuzung. Wir können nun entscheiden, was wir mit diesem Zeugnis anfangen, und dabei stehen uns viele Wege offen. Das Großartige an dieser Kreuzung ist, dass es keinen falschen Weg gibt. Der Weg, den wir nehmen ist nicht falsch solange wir ihn selbst wählen. Einige behaupten, der beste und einzig richtige Weg mit Abitur wäre Studium, Beruf, Rente und schließlich tot umfallen. Aber das ist nicht wahr, wir haben nun die Freiheit vollkommen selbstständig über unsere Zukunft zu entscheiden, und was wir mit unserem Abitur machen, ist uns allein, jedem einzelnen überlassen.
Wir können Rap-Star, Perlentaucher oder sogar Lehrer werden. Wenn es das ist was wir wollen, dann ist es das Beste, was wir aus unserem Abitur machen können. Und ich möchte jeden auffordern, diese Entscheidung für sich zu treffen und sich nicht von anderen reinreden zu lassen.

Ihr habt die Wahl, nutzt sie!
Vielen Dank!