Ethik, Pathetik und Cary Grant. Und Lessing.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Kapitel 1: Der Fall des verschwundenen Stehpults

Heute durfte ich wieder mal ganz Lehrer sein. Und das kam so: Wir haben ja in jedem Klassenzimmer diese tollen rollbaren Stehpulte. Genauer: in fast jedem Klassenzimmer. Anscheinend fehlt mindestens ein solches Pult, wie lange und wodurch, das lässt sich schwer sagen. Jedenfalls war vor den Pfingstferien in einer meiner Klassen das Teil weg, das von mir und meinen Schülern rege genutzt wird.

Auf Wegen fand ich heraus, dass sich eine andere Klasse in einem parallelen Flügel des Gebäudes unser Pult geklaut hatte – eine Klasse, die ich gut kenne, in der ich selber gerade unterrichte und die ich auch mag. Also bin ich rüber in deren laufende Unterrichtsstunde, sagte ihnen das Klauen auf die geständigen Köpfe zu, und nahm das Stehpult wieder mit.
Kurz zuvor waren allerdings Aufkleber mit der Nummer des jeweiligen Klassenzimmers an allen Stehpulten befestigt worden. Deshalb brachte ich für mein Klassenzimmer, also das ursprüngliche, einen zusätzlichen Aufkleber an: “Leihgabe der Klasse X für Klasse Y im Schuljahr 2008/09, aus pädagogischen Gründen”.

Verstanden habe ich das Klauen natürlich, und auch das billigende Inkaufnehmen beteiligter Lehrkräfte. Schließlich war auch das eigene, ebenso dringend benötigte und ursprünglich vorhandende Stehpult der Klasse verschwunden, also von einer unbekannten Klasse geklaut. Die Haltung ist menschlich und ich kenne sie selber aus der Bundeswehr oder aus dem Film “Unternehmen Pettycoat” mit Cary Grant. (Das ist der Film mit dem rosa U-Boot, falls meine Leser eine ähnliche Kindheit verbracht haben wie ich.) Zweiter Weltkrieg: Ein marodes U-Boot will von der Mannschaft wieder flott gemacht werden, muss das auch für einen letzten Einsatz. Überall mangelt es natürlich an allem möglichen Material. Tony Curtis, frisch an Bord gekommener Lebemann, entpuppt sich als Meister des Organisierens: sie klauen wie die Raben. Wie durch Zauberhand gelangen Farbe (wenn auch nur rote und weiße) an Bord, ein lebendes Schwein, Kabeltrommeln, Navigationsgeräte, Blechplatten – was man halt so braucht. Der Vorgesetzte Cary Grant seufzt ein bisschen und will lieber nicht so genau wissen, wo der Segen eigentlich herkommt.

In der Schule gibt es mitunter einen ähnlichen Corpsgeist, oder von mir aus auch: einen gesunden Wettbewerb. Und es gilt ebenfall, Mängel zu verwalten. Das geschieht ebenfalls für einen guten Zweck. Und das Äquivalent zu großzügigen Vorgesetzten gibt es natürlich auch, ich nehme mich dabei keinesfalls aus – will aber für meine weiblichen Leser anmerken, dass die Rolle des Cary Grant tatsächlich anderweitig besetzt ist. (Tony Curtis würde eigentlich noch besser passen, finde ich. Passt aber auch ein bisschen zu dem Schüler, den ich gerade im Kopf habe.)

Kapitel 2: Der Sohn des verschwundenden Stehpults

Nach den Pfingstferien unterrichte ich im Leistungskurs. Das Stehpult fehlt. Schräg gegenüber ist das Klassenzimmer X, in dem ich schon das letzte Mal fündig geworden. Man verzeiht mir, dass ich gleich rübergeschaut habe? Darin fand ich dann auch ein Stehpult, allerdings mit einem Aufkleber, der es tatsächlich der Klasse X zuweist. Macht man den ab, weil man ein misstrauischer Mensch ist, findet man darunter den Aufkleber der Klasse Z. Das war dann so eine Art Ring-Klauerei: Klasse X klaut von Klasse Z, Klasse Z aus meinem LK-Raum.

Heute hatte ich dann in der Langfingerklasse Unterricht und nutzte das für einen kurzen Monolog. Ich bin auch wirklich nicht böse geworden, war tatsächlich auch gar nicht böse – denn schließlich ist diese Art des Klauen ziemlich harmlos; es ging mir nur darum, erst einmal ein gewisses Unrechtsbewusstsein zu schaffen. Ich glaube, das entwickelt sich erst mit der Zeit. Ich habe mir, als ich nur wenig älter war als diese Schüler, wesentlich Schlimmeres zu Schulden kommen lassen. Und andere Schüler, andere Klassen, stellen richtig schlimme Sachen an, über die ich hier nicht schreibe. Ich bin mir also bewusst, dass das wirklich Luxusprobleme sind. Aus diesen meinen Schülern werden sicher keine Räuber, Mörder, Kindsverderber. Allenfalls, und genau darum geht es mir, ganz gewöhnliche Steuerhinterzieher und Spesenschummler.

Also hielt ich meinen Kurzvortrag über Ehrlichkeit. Und dass ich es für ein natürliches Verhalten halte, in so einem Fall erst mal das Gerät vom Nebenraum zu klauen. Weil: einem selbst wurde es ja auch geklaut. Und es gehört ja ohnehin der Schule, die Tat ist also quasi opferlos. Und wenn die anderen ihres vermissen, können die sich ja ein drittes klauen. Wie gesagt, ich halte das für natürlich. “Natürlich” im Sinne von: nicht-zivilisiert, Recht des Stärkeren, naives Gerechtigkeitsempfinden, auch: kindgemäß. Dass richtiges Verhalten anders aussieht, muss der Mensch erst lernen – so ist jedenfalls mein Menschenbild.

(Der Neffe fragte neulich auch, wieso man im Museum etwas zahlen müsse, man mache dort doch nichts kaputt. Eine kluge Frage. Tatsächlich ist da kein offensichtliches Verbrauchsgut, das durch den Besucher verbraucht wird, also danach nicht mehr da ist, so wie ein Schnitzel. Und man erhält auch keine offensichtliche mit Aufwand verbundene Dienstleistung wie bei der Straßenbahn. Dass das Da-Sein alleine schon Aufwand ist, muss man erst lernen.)

Einige Beispiele für dieses urtümliche Verhalten:

  • Bei der Bundeswehr: Materialappell, wenn jeder seine Ausrüstung zeigen muss. Wenn was fehlt, klaut man es.
  • Bei Siemens zu meinen Ferienjob-Zeiten: Jeder Arbeiter hat seinen eigenen Lötkolben und seinen eigenen Satz Schraubenschlüssel. Wenn man die verleiht, kriegt man sie nicht wieder. Wenn man sie herumliegen lässt… gibt es Missverständnisse.
  • Beim Ausleihen eines Sportgeräts in der bewegten Pause gegen Vorlage des Schülerausweises: Wenn man das Sportgerät verliert (und sei es, weil ein großer böser fremder Schüler es gestohlen hat), klaut man dann einfach das eines kleineren Schülers, um es am Ausleihkiosk anstatt des eigenen abzugeben?
  • Beim kleinen Fach im Lehrerzimmer, von dem jeder Kollege eines hat: Wenn einem da das eine Zwischenbrett fehlt, das man uns gönnt, klaut man sich dann einfach eins aus einem anderen Fach? (Ich verrate jetzt mal nicht, welcher hochrangige Kollege mir das empfohlen hat.)

Es gibt da einen Witz von den zehn Leuten, die gemeinsam auf einer Skihütte Urlaub machten, und auf der dann zehn Paar Schi als gestohlen gemeldet werden. Tatsächlich war es dann nur eines – und dann hat jeweils der eine Gast die Schi des nächsten geklaut. Den Witz habe ich aber nicht erzählt, weil ich nur noch die Pointe kannte.

Hat die Klasse verstanden, was ich gemeint habe? Ich weiß es nicht. Kann ja schlecht eine Ex drüber schreiben lassen.

Kapitel 3: Lessing

War’s das? Ach nein, Lessing habe ich noch versprochen.

Es gibt da einen ganz wundervollen Text von ihm, Die Erziehung des Menschengeschlechts. Der hat mich wohl auch geprägt. Die Grundmetapher: Lessing vergleicht darin die Menschheit mit einem Kind, das heranreift, und wie ein Kind auch Erziehung braucht. Die Erziehung geschieht unter anderem in Form von Schulbüchern und den Lehren darin. Für ein Kind muss das Schulbuch einfach sein, ein gewisses Maß an didaktischer Reduktion ist nötig, auch wenn man natürlich nicht den Fehler machen darf, einen Zusammenhang so sehr zu vereinfachen, dass diese Vereinfachung der späteren Verfeinerung im Wege steht. Für die Menschheit ist dieses Elementarbuch, das Grundschulbuch also, das Alte Testament: Benimm dich anständig, sonst straft Gott dich und deine Nachkommen. (Mit dem Gedanken an die Nachkommen wird schon mal der Grundstein dafür gelegt, an die Zukunft zu denken und nicht nur an die eigene Lebenszeit.) Reifen das Kind beziehungsweise die Menschheit heran, ist es Zeit für die Sekundarstufe: das Neue Testament: Benimm dich anständig, sonst straft Gott deine ewige Seele.

Allerdings muss die Menschheit irgendwann auch mal die nächste Stufe erreichen, also auch dieses Lehrbuch als zwar wahr, aber nicht mehr entwicklungsgemäß beiseite legen. Dann wird es Zeit für ein neues Lehrbuch, eine neue Offenbarung, und dann wird man vielleicht nicht mehr mit Strafen oder Belohnungen in der Zukunft drohen müssen, um für gutes Verhalten zu werben:

§ 85
Nein; sie wird kommen, sie wird gewiss kommen, die Zeit der Vollendung, da der Mensch, je überzeugter sein Verstand einer immer bessern Zukunft sich fühlet, von dieser Zukunft gleichwohl Bewegungsgründe zu seinen Handlungen zu erborgen, nicht nötig haben wird; da er das Gute tun wird, weil es das Gute ist, nicht weil willkürliche Belohnungen darauf gesetzt sind, die seinen flatterhaften Blick ehedem bloß heften und stärken sollten, die innern bessern Belohnungen desselben zu erkennen

Und ich bin nicht mal die erste Seite, die “cary grant” und “erziehung des menschengeschlechts” im selben Dokument verbrät. Aber die andere ist eine Video-Liste aus einer Bibliothek, das zählt doch nicht, oder?

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Der Wunsch des bayerischen Kultusministeriums nach Dialog

Dienstag, 16. Juni 2009

Als ich aus den Pfingsferien in die Schule kam… genauer: Als ich während der Pfingstferien in der Schule war, habe ich eine neue Broschüre des bayerischen Kultusministeriums in meinem Fach gefunden. Jeder Kollege hat ein Exemplar erhalten:

li_wissenswert_1_2009

LI Wissenswert ist der Relaunch des alten Magazins Lehrerinfo. Ein neuer Kultusminister, ein neuer Name. 12 Seiten. “Ein Service des bayerischen Kultusministeriums für Lehrerinnen und Lehrer”. Darin stehen interessante Informationen, ich halte deren Vermittlung für eine Selbstverständlichkeit und keinen Service. Aber vielleicht sehe ich das zu eng. Irgendwo stehen ja so oder so die Informationen, die Lehrer interessieren, aber man findet sie dann halt doch nicht, und da ist so ein Heft hilfreich.

Das Magazin beginnt mit einem Vorwort des Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle: “Qualität und Gerechtigkeit für die bayerischen Schulen im Dialog verwirklichen”. Das mit dem Dialog ist ein Leitmotiv.
Auf der zweiten Seite gibt es “Aktuelles aus dem Kultusministerium”. Der Dialog ist so wichtig, dass unter jeder Kurzmeldung die Webadresse steht; sie lautet jeweils und vollständig www.km.bayern.de – insgesamt 10 mal im ganzen Heft. Ich habe ja selber schon bemerkt, dass die Links im KM gerne mal verschwinden. Vielleicht hat das Fehlen konkreterer Links auch damit zu tun, dass der KM-Webauftritt dieses Jahr ohnehin umgebaut werden soll.

Das Layout: Ist okay. Nur die Schriftart für die Überschriften ist ungeeignet.

Danach: “Massiver Ausbau von Ganztagsschulen”: Bis 2013 soll es unter anderem an jedem Gymnasium eine Ganztagsklasse in den Jahrgangsstufen 5 und 6 geben, in 7 und 8 auf Antrag fortgeführt. Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr. Für jede dieser Klassen soll es 8 Lehrerwochenstunden geben (also zwei pro Tag) und 6000 Euro pro Schuljahr – zum Beispiel für einen Sozialarbeiter an der Schule. Das wusste ich noch nicht. Ich hätte es sicher auch anderswo lesen können, aber das Problem ist ja, dass die Kommunikation zwischen KM und Lehrern nicht optimal läuft. Vieles erfahren wir aus der Zeitung, manches geht auf dem Weg zu den Lehrern auch an irgendeiner Stelle verloren.

Danach einige Seiten dazu, dass jetzt die Zeit gekommen ist, mal wieder die Jungs zu fördern und nicht nur die Mädchen. Erwähnenswert die bayerische Sprachregelung: In den zitierten Texten und Tagungstiteln ist immer von “Jungen” die Rede, aber wenn die bayerische KM-Redaktion frei schreiben darf, heißt es gut süddeutsch: “Buben”.

Dann eine Seite zur Lehrergesundheit, ein Thema, das Staatssekretär Dr. Marcel Huber so wichtig ist, dass es eine feste Rubrik in dieser Zeitschrift wird. Dessen E-Mail-Adresse ist nicht angegeben, aber zu jedem redaktionellen Beitrag gibt es eine eigene Kontakt-Adresse. Vielleicht ist die Redaktion ja tatsächlich an einem Dialog interessiert. Noch zweimal wird auf die Wichtigkeit des Dialogs hingewiesen. “Dialog ist nur in wechselseitiger Kommunikation möglich. Deshalb freuen wir uns auf Ihre Vorschläge, Anregungen und vor allem Ihre konstruktive Kritik”. Zum Schluss wird das auch noch einmal betont, man stelle sich “der kritischen und offenen Diskussion” – es gebe in zwei Rubriken Raum für kontroverse Beiträge und Gastkommentare. In dieser Ausgabe stammt der von Prof. Dr. Hans Maier, ehemaligem bayerischen Kultusminister. Nicht mal uninteressant, aber ehrlich gesagt und im Vertrauen: auch nicht wirklich, ähm, kontrovers.

Natürlich ist das Heft eine Mitarbeiterzeitschrift, und deren Aufgabe ist es, Mitarbeiter zu motivieren. Stimmen, die Kritik am Arbeitgeber Kultusministerium oder der bayerischen Bildungspolitik äußern, wird man nie hören. Das würde uns ja demotivieren. Aber ich werde auch die nächsten Ausgaben lesen. Allerdings hat die Art und Weise der Einführung des G8 bei mir dazu geführt, dass das KM viel Glaubwürdigkeit verloren hat. Das muss erst mal wieder aufgeholt werden. Demnach sind auch noch kaum dialogische Elemente in LI Wissenswert; vielleicht geht das bei einer Erstausgabe auch nicht. Lieber wäre mir natürlich ein Blog ein Forum für den Dialog mit der Basis, aber ich sehe schon ein, dass das nicht geht.


Kurze Liste einiger Informationsquellen aus dem bayerischen Kultusministerium:

(Links gültig am 15. Juni 2009.)

– Einer Pressemitteilung habe ich dann auch heute entnommen, dass unser Kultusminister den Landesschulbeirat als Lehrplanbeirat eingesetzt hat. Es wird nämlich am Lehrplan geabreitet, wegen der Kompetenzorientierung. Überarbeitung kann er allemal brauchen, kann man gut machen doer schlecht. Wenigstens wollen sie sich Zeit lassen damit.

Der Landesschulbeirat vertritt alle wichtigen Gruppen und Organisationen, die den Schulalltag mit gestalten, nämlich zum Beispiel Eltern, Lehrkräfte, Schüler, Kommunen, Wirtschaft und Kirchen. Die Lehrpläne fortzuschreiben und neu zu entwickeln ist eine so zentrale Aufgabe, dass mir ein Grundkonsens dabei sehr wichtig ist”, betonte Minister Spaenle [...] und setzt damit seine “Kultur des Dialogs” konsequent fort. (Quelle)

Was so ein Landesschulbeirat in anderen Bundesländern ist, habe ich im Web gefunden, für Bayern leider nicht. Ich bin halt durch Webauftritte verwöhnt, die erleichtern den Dialog so schön.
Artikel 73 des BayEuG verrät: “Der Landesschulbeirat wird zu wichtigen Vorhaben auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung durch das Staatsministerium für Unterricht und Kultus angehört”. Die Mitglieder werden vom KM berufen, und zwar:

  1. bis zu acht Mitglieder aus dem Kreis der Eltern,
  2. acht Mitglieder aus dem Kreis der Lehrkräfte,
  3. die sechs Landesschülersprecherinnen und Landesschülersprecher und die gemäß Art. 62a Abs. 2 Satz 5 gewählten Schülerinnen und Schüler,
  4. je ein Mitglied auf Vorschlag
    a) der Katholischen Kirche,
    b) der Evangelisch-Lutherischen Kirche,
    c) des Bayerischen Städtetags,
    d) des Bayerischen Gemeindetags,
    e) des Bayerischen Landkreistags,
    f) des Verbands der Bayerischen Bezirke,
    g) der Industrie- und Handelskammern,
    h) der Handwerkskammern,
    i) des Deutschen Gewerkschaftsbunds und des Bayerischen Beamtenbunds,
    k) des Bayerischen Bauernverbands,
    l) des Bayerischen Jugendrings,
    m) der Hochschulen,
    n) der privaten Schulen,
  5. fünf Mitglieder, die unter dem Gesichtspunkt der notwendigen Ergänzung des Beirats aus den Bereichen Frühpädagogik, Berufliche Bildung, Erwachsenenbildung, Kunst und Journalistik berufen werden.
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Bewegte Pause

Montag, 15. Juni 2009

Projekt und Schlagwort gibt es seit Jahren, und jetzt haben wir auch so etwas: In der Pause (20 Minuten, die längere von zwei Pausen am Vormittag) können Schüler an einem Kiosk Bälle und Jongliermaterial und anderes Sportgerät ausleihen und damit die Pause verbringen.

bewegtePause1

Genutzt wird das schon ein bisschen, auch wenn heute die meisten nur Ball gespielt haben.

bewegtePause2

Schön grün, das ganze. Wir haben tatsächlich viel Glück mit dem neuen Gebäude.
Vielleicht verbringe ich meine Pausenaufsicht in Zukunft jonglierend? Erst letzte Woche habe ich mir ein Hupfseil gekauft, das könnte ich auch mitnehmen und mich zum Gespött der Schüler machen.

Im Pausenhof steht immer noch unser begehbares Kunstwerk “Golden Gate” herum. (Schülername: Karriereleiter.) Darauf erstreckt sich die Bewegung leider immer noch nicht:

bewegtePause3

Ansonsten waren heute Mittag die Abiturienten zur Bekanntgabe der Ergebnisse der Abiturprüfungen in der Schule. Zu viel Gegröle und zu viele Bierfahnen für meinen Geschmack.

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Comicfestival München 2009 (und Friseurbibliographie)

Freitag, 12. Juni 2009

comicfestival2009

Eigentlich wollte ich heute nur zum Friseur gehen. Aber Frau Rau hatte mich heute morgen noch an das Comicfestival München erinnert, das von gestern bis übermorgen gleich am Marienplatz stattfindet: im Alten Rathaus, direkt unter dem Bogen Richtung Viktualienmarkt. Eine Tageskarte kostet 5 Euro Eintritt, und das lohnt sich schon mal. (Man kriegt auch eine Tüte mit Prospekten, ein bisschen Comic, und vor allem Watchmen-Buttons.) Unten gibt es eine Leseecke und eine Ausstellung, ums Eck ist noch eine Ausstellung. Schwerpunkte Perry Rhodan und Donald Duck. Wer noch nie gesehen hat, wie eine Original-Bleistiftzeichnung und wie die daraus entstandene getuschte Zeichnung aussehen, bis schließlich zur colorierten Fassung, der kann das hier machen.

Oben ist es dann richtig schön: Aussteller präsentieren ihre Waren. Vor uns hinter den Tisch sitzen Fans, ein Cosplay läuft ab, also gibt es ein paar Leute im Kostüm. Man fachsimpelt, kann sich Autogramme holen, Zeichner sind da und Autoren. Schöne Stimmung. Überall kann man Comics anschauen und anfassen in allen Farben, Formen und Größen – alles ganz wunderbar haptisch. (Habe mir vorgenommen, ab jetzt immer “haptisch” zu sagen wenn ich das Gegenteil von “digital” meine.)

Ich bin zwar raus aus der Szene – ach was, in der Comic-Szene war ich nie. Aber wenn mir auf meine alten Tage mal langweilig werden sollte, dann könnte ich jederzeit auf so eine Messe gehen und mich informieren, was in den letzten fünfzig Jahren so gelaufen ist. Zwar mag ich die meisten Comics gar nicht, aber das gilt ja ebenso für Romane. Ich mag auf jeden Fall die Form sehr, und kenne viele schöne Werke. Am liebsten sind mir auf solchen Messen die kleinen selbstgebastelten und -kopierten Heftchen, auch wenn die auch immer professioneller ausschauen. Immerhin, eines habe ich mir gekauft.

Geehrt wird auf diesem Festival der Zeichner und Autor Hansrudi Wäscher für sein Lebenswerk. Den kenne selbst ich, noch von meinen frühesten Comic-Sammeljahren. Meine große Flohmarktzeit waren die frühen 1980er Jahre, und die Hefte dort die der 1970er Jahre: Marvel-Comics von Williams und BSV. Zwischendurch gab es aber auch immer wieder Hefte aus den 1960ern. Man verzeiche mir bitte, dass ich sie zum Scannen nicht aus den Plastik-Schutzhüllen genommen habe, aber andernfalls hätte ich SOFORT meinen Comicsammlerausweis abgeben müssen:

lehning1 lehning1

lehning1 lehning1

Diese Hefte da, die sind von Hansrudi Wäscher, und natürlich noch ganz viele mehr. Das große L steht für Lehning-Verlag, und die Lehning-Hefte waren schon aus großer Entfernung zu erkennen. Tibor, Sigurd, Falk, Nick (ohne Abbildung), das waren Wäschers bekanntesten Figuren damals. Ursprünglich erschienen diese und vergleichbare Serien in den 1950ern im Piccolo-Format: querformat, etwa 16×8 cm, etwas größer als das untere Drittel einer A5-Seite, aber das war nun endgültig vor meiner Zeit. Diese Piccolos wurden dann eben später als Großband nachgedruckt und schließlich auch mit neuen Geschichten fortgesetzt. Neue Abenteuer erscheinen heute noch.

Bevor man auf diese arg brav anmutenden Helden schimpft: Viel weniger brav konnten die damals nicht sein. Selbst Sigurd hatte schon Problem mit der Bundesprüfstelle wegen zu viel Brutalität, so dass spätere Ausgaben geändert wurden.

Was hätten die Zensoren erst zu folgendem Schmuckstück am Comicfestival gesagt: einer Tijuana bible. Was das ist, weiß ich als alter Dreißigerjahre-Fan, Krimileser und Comictheoretiker schon lange, aber gesehen habe ich noch nie eine. Es war natürlich keine echte, sondern eine Reproduktion, hinter einer großen Peepshowwand mit Löchern zum Durchschauen. “Nur ab 18 Jahren” stand drüber. Klar: Eine Tijuana bible ist ein achtseitiges Heftchen im Zigarettenpäckchenformat mit einer pornographischen Comic-Handlung. Die Helden sind üblicherweise andere populäre Comicfiguren, manchmal auch Schauspieler oder Personen der Zeitgeschichte: Popeye, Mickey Mouse, Mae West, Adolf Hitler. Alles natürlich illegal, wegen Urheberrecht und Pornographie, nur unter dem Ladentisch. Schlecht gezeichnet waren sie in der Regel auch. Wer die wie rezipiert hat, welchen Ruf sie hatten, das weiß ich nicht. Warum schreibt darüber keiner eine Facharbeit? (Beim Googeln kriegt man sicher mehr Beispiele zu sehen.)

Nachtrag: tatsächlich findet beim Googeln erst mal nur moderne Tijuana bibles, mit Politikern als Hauptdarsteller. Ah ja. Und als Watchmen-Promo-Material gibt es zumindest das Titelbild einer Ausgabe mit Silke Spectre.

Trotzdem, einen gewissen kritischen Kommentar kann auch so eine Tijuana bible abgeben. In einem Bild beobachtet eine (nicht zu sehende, vermutlich weibliche) Person, wie Batman und Robin in ihr Versteck eilen, um zu tun, was sie tun müssen. So ähnlich heißt es. Ein Notfall, möchte man meinen, aber dann gibt es doch die Überraschung: eine Sexszene zwischen den beiden. Erstens ist das natürlich sofort Jugendpornographie, da Robin ja wohl minderjährig ist. Zweitens hat das der Dr. Wertham ja immer schon gesagt. Drittens: Wenn man sich die Bilder bei Superdickery anschaut, dann ist da schon was dran.


Ohne irgendeinen Zusammenhang, weil ich sie sonst nirgendwo unterbringe und heute beim Friseur war: meine kleine Bibliographie zum Thema Friseure.

  • Ray Bradbury, “Any Friend of Nicholas Nickleby’s a Friend of Mine”
  • Ray Bradbury, Death is a Lonely Business, mit meiner Lieblingszeile: “Every time it is a damp drear November in my soul I know it is high time to go from the sea again, and let someone cut my hair.”
  • Henry Fielding, The History of Tom Jones, Book II, chapter 4 (p. 73)
  • William Goldman, “Da Vinci” (in: Adventures in the Screen Trade)
  • Rafik Schami, Erzähler der Nacht (Kapitel 9)
  • Tom Waits, “Barber Shop”
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Wenn ich die SMV wäre… dann wünschte ich mir eine Mailingliste.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Die Kommunikation zwischen Lehrern läuft meist im Lehrerzimmer über ein schwarzes Brett ab. Das ist einerseits viel zu klein, weil nicht alles Platz hat, was die Kollegen da so hinpinnen wollen, und andererseits viel zu groß, weil es viel Platz für das bietet, was Kollegen da so hinpinnen wollen. Wenn einen etwas davon interessiert, geht man zum Kopiergerät und macht eine Kopie davon.

Mir wäre ein E-Mail-Verteiler stattdessen lieber. Wem es ganz wichtig ist, der kann seine Mitteilung auch gerne zusätzlich ausdrucken und in einen Ordner packen, der dann im Lehrerzimmer herumliegt. Und natürlich zusätzliche Verteiler, für jedes Fach einen.

(Das ganze geht natürlich auch mit einem Forum oder echter Groupware. Aber ich halte E-Mail noch für die realistischste Möglichkeit, sich mit Kollegen auf eine Lösung zu einigen.)

Klar müssten diese Verteiler nur einem geschlossenen Kreis von Lehrern zugänglich sein. Und klar müsste man darauf achten, wer an welchen Verteiler etwas schreibt – für die fachinternenen Listen hat jeder Lehrer Schreibberechtigung, Nachrichten an alle eventuell nur über die Schulleitung; wenn nur bestimmte Klassen betroffen sind, stehen diese im Betreff der Mail. Eine Minimallösung, aber mir lieber als das aktuelle Suchspiel am schwarzen Brett. Zugegeben: ohne ein Verschlüsselungsprotokoll (SSL/TLS) ist das noch ein Problem. Andererseits: Alles muss man ja auch nicht über Mail regeln.


Ähnlich sieht es mit der SMV aus beziehungsweise deren gewählten Vertretern, den Schülersprechern, und den Arbeitsgruppen. Zwischen denen und den restlichen Schülern gibt es als Kommunikationsmöglichkeit nur das Weitersagen, das Posteraufhängen vor einer Schulparty, die Bitte um eine Durchsage über die Lautsprecher oder das Entsenden von Sprechern in die Klassen/das Ausrichten durch die Klassensprecher. Außerdem wird immer mal wieder ein SMV-Rundschreiben angekündigt, aber das schläft dann doch eher ein. Sehr viel Kontakt ist nicht da, vielleicht gibt es aber auch nichts zu sagen. Natürlich könnte es ein Forum dafür geben, oder einen Moodlekurs – für umsetzbar halte ich das allerdings nicht. Zu Groß die Anmeldeschwelle. Das können die aktiven Schüler benutzen, die sich auch in den Arbeitskreisen treffen. Wenn man wirklich möglichst viele Schüler erreichen möchte – zusätzlich zu den Postern natürlich – dann halte ich im Moment eine Mail als Rundschreiben für das beste.

Allerdings: das wäre natürlich eine große Verantwortung für die SMV-Vertreter. Schriftliche Kommunikation ohne Erlaubnis der Schulleitung ist ohnehin nicht erlaubt:

GSO §10 (3) 1 Die Verbreitung schriftlicher Mitteilungen im Rahmen der Schülermitverantwortung an die Schülerinnen und Schüler ist nur dem Schülerausschuss gestattet. 2 Sie bedarf der Genehmigung der Schulleiterin oder des Schulleiters.

Bei tausend Schülern, wie viele würden sich an so einem E-Mail-Verteiler anmelden, freiwillig natürlich? Dreihundert? Hätten die SMV-Vertreter auch etwas zu sagen? Ein weiteres Problem: man könnte nicht ausschließen, dass auch schulfremde Personen diese Nachrichten lesen. Unsere Lokalzeitung wäre sofort dabei. Die technischen Maßnahmen, mit denen man das verhindern kann, verhindern gleichfalls wieder, dass sich eine größere Zahl von Schülern anmeldet. (Würde das an Schulen mit eigenem Mailserver funktionieren, bei denen jeder Schüler ein eigenes Mail-Konto hat? Oder werden diese Konten dann ohnehin nicht benutzt?)

Also: Versand nur über die Schulleitung, im Bewusstsein der Öffentlichkeit? Oder doch wieder nur Poster aufhängen? Schade, man könnte Schülern und Eltern auf diese Art gut Informationen über Wettbewerbe und Veranstaltungen zukommen lassen.

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