Bewegte Pause

Montag, 15. Juni 2009

Projekt und Schlagwort gibt es seit Jahren, und jetzt haben wir auch so etwas: In der Pause (20 Minuten, die längere von zwei Pausen am Vormittag) können Schüler an einem Kiosk Bälle und Jongliermaterial und anderes Sportgerät ausleihen und damit die Pause verbringen.

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Genutzt wird das schon ein bisschen, auch wenn heute die meisten nur Ball gespielt haben.

bewegtePause2

Schön grün, das ganze. Wir haben tatsächlich viel Glück mit dem neuen Gebäude.
Vielleicht verbringe ich meine Pausenaufsicht in Zukunft jonglierend? Erst letzte Woche habe ich mir ein Hupfseil gekauft, das könnte ich auch mitnehmen und mich zum Gespött der Schüler machen.

Im Pausenhof steht immer noch unser begehbares Kunstwerk “Golden Gate” herum. (Schülername: Karriereleiter.) Darauf erstreckt sich die Bewegung leider immer noch nicht:

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Ansonsten waren heute Mittag die Abiturienten zur Bekanntgabe der Ergebnisse der Abiturprüfungen in der Schule. Zu viel Gegröle und zu viele Bierfahnen für meinen Geschmack.

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Comicfestival München 2009 (und Friseurbibliographie)

Freitag, 12. Juni 2009

comicfestival2009

Eigentlich wollte ich heute nur zum Friseur gehen. Aber Frau Rau hatte mich heute morgen noch an das Comicfestival München erinnert, das von gestern bis übermorgen gleich am Marienplatz stattfindet: im Alten Rathaus, direkt unter dem Bogen Richtung Viktualienmarkt. Eine Tageskarte kostet 5 Euro Eintritt, und das lohnt sich schon mal. (Man kriegt auch eine Tüte mit Prospekten, ein bisschen Comic, und vor allem Watchmen-Buttons.) Unten gibt es eine Leseecke und eine Ausstellung, ums Eck ist noch eine Ausstellung. Schwerpunkte Perry Rhodan und Donald Duck. Wer noch nie gesehen hat, wie eine Original-Bleistiftzeichnung und wie die daraus entstandene getuschte Zeichnung aussehen, bis schließlich zur colorierten Fassung, der kann das hier machen.

Oben ist es dann richtig schön: Aussteller präsentieren ihre Waren. Vor uns hinter den Tisch sitzen Fans, ein Cosplay läuft ab, also gibt es ein paar Leute im Kostüm. Man fachsimpelt, kann sich Autogramme holen, Zeichner sind da und Autoren. Schöne Stimmung. Überall kann man Comics anschauen und anfassen in allen Farben, Formen und Größen – alles ganz wunderbar haptisch. (Habe mir vorgenommen, ab jetzt immer “haptisch” zu sagen wenn ich das Gegenteil von “digital” meine.)

Ich bin zwar raus aus der Szene – ach was, in der Comic-Szene war ich nie. Aber wenn mir auf meine alten Tage mal langweilig werden sollte, dann könnte ich jederzeit auf so eine Messe gehen und mich informieren, was in den letzten fünfzig Jahren so gelaufen ist. Zwar mag ich die meisten Comics gar nicht, aber das gilt ja ebenso für Romane. Ich mag auf jeden Fall die Form sehr, und kenne viele schöne Werke. Am liebsten sind mir auf solchen Messen die kleinen selbstgebastelten und -kopierten Heftchen, auch wenn die auch immer professioneller ausschauen. Immerhin, eines habe ich mir gekauft.

Geehrt wird auf diesem Festival der Zeichner und Autor Hansrudi Wäscher für sein Lebenswerk. Den kenne selbst ich, noch von meinen frühesten Comic-Sammeljahren. Meine große Flohmarktzeit waren die frühen 1980er Jahre, und die Hefte dort die der 1970er Jahre: Marvel-Comics von Williams und BSV. Zwischendurch gab es aber auch immer wieder Hefte aus den 1960ern. Man verzeiche mir bitte, dass ich sie zum Scannen nicht aus den Plastik-Schutzhüllen genommen habe, aber andernfalls hätte ich SOFORT meinen Comicsammlerausweis abgeben müssen:

lehning1 lehning1

lehning1 lehning1

Diese Hefte da, die sind von Hansrudi Wäscher, und natürlich noch ganz viele mehr. Das große L steht für Lehning-Verlag, und die Lehning-Hefte waren schon aus großer Entfernung zu erkennen. Tibor, Sigurd, Falk, Nick (ohne Abbildung), das waren Wäschers bekanntesten Figuren damals. Ursprünglich erschienen diese und vergleichbare Serien in den 1950ern im Piccolo-Format: querformat, etwa 16×8 cm, etwas größer als das untere Drittel einer A5-Seite, aber das war nun endgültig vor meiner Zeit. Diese Piccolos wurden dann eben später als Großband nachgedruckt und schließlich auch mit neuen Geschichten fortgesetzt. Neue Abenteuer erscheinen heute noch.

Bevor man auf diese arg brav anmutenden Helden schimpft: Viel weniger brav konnten die damals nicht sein. Selbst Sigurd hatte schon Problem mit der Bundesprüfstelle wegen zu viel Brutalität, so dass spätere Ausgaben geändert wurden.

Was hätten die Zensoren erst zu folgendem Schmuckstück am Comicfestival gesagt: einer Tijuana bible. Was das ist, weiß ich als alter Dreißigerjahre-Fan, Krimileser und Comictheoretiker schon lange, aber gesehen habe ich noch nie eine. Es war natürlich keine echte, sondern eine Reproduktion, hinter einer großen Peepshowwand mit Löchern zum Durchschauen. “Nur ab 18 Jahren” stand drüber. Klar: Eine Tijuana bible ist ein achtseitiges Heftchen im Zigarettenpäckchenformat mit einer pornographischen Comic-Handlung. Die Helden sind üblicherweise andere populäre Comicfiguren, manchmal auch Schauspieler oder Personen der Zeitgeschichte: Popeye, Mickey Mouse, Mae West, Adolf Hitler. Alles natürlich illegal, wegen Urheberrecht und Pornographie, nur unter dem Ladentisch. Schlecht gezeichnet waren sie in der Regel auch. Wer die wie rezipiert hat, welchen Ruf sie hatten, das weiß ich nicht. Warum schreibt darüber keiner eine Facharbeit? (Beim Googeln kriegt man sicher mehr Beispiele zu sehen.)

Nachtrag: tatsächlich findet beim Googeln erst mal nur moderne Tijuana bibles, mit Politikern als Hauptdarsteller. Ah ja. Und als Watchmen-Promo-Material gibt es zumindest das Titelbild einer Ausgabe mit Silke Spectre.

Trotzdem, einen gewissen kritischen Kommentar kann auch so eine Tijuana bible abgeben. In einem Bild beobachtet eine (nicht zu sehende, vermutlich weibliche) Person, wie Batman und Robin in ihr Versteck eilen, um zu tun, was sie tun müssen. So ähnlich heißt es. Ein Notfall, möchte man meinen, aber dann gibt es doch die Überraschung: eine Sexszene zwischen den beiden. Erstens ist das natürlich sofort Jugendpornographie, da Robin ja wohl minderjährig ist. Zweitens hat das der Dr. Wertham ja immer schon gesagt. Drittens: Wenn man sich die Bilder bei Superdickery anschaut, dann ist da schon was dran.


Ohne irgendeinen Zusammenhang, weil ich sie sonst nirgendwo unterbringe und heute beim Friseur war: meine kleine Bibliographie zum Thema Friseure.

  • Ray Bradbury, “Any Friend of Nicholas Nickleby’s a Friend of Mine”
  • Ray Bradbury, Death is a Lonely Business, mit meiner Lieblingszeile: “Every time it is a damp drear November in my soul I know it is high time to go from the sea again, and let someone cut my hair.”
  • Henry Fielding, The History of Tom Jones, Book II, chapter 4 (p. 73)
  • William Goldman, “Da Vinci” (in: Adventures in the Screen Trade)
  • Rafik Schami, Erzähler der Nacht (Kapitel 9)
  • Tom Waits, “Barber Shop”
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Wenn ich die SMV wäre… dann wünschte ich mir eine Mailingliste.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Die Kommunikation zwischen Lehrern läuft meist im Lehrerzimmer über ein schwarzes Brett ab. Das ist einerseits viel zu klein, weil nicht alles Platz hat, was die Kollegen da so hinpinnen wollen, und andererseits viel zu groß, weil es viel Platz für das bietet, was Kollegen da so hinpinnen wollen. Wenn einen etwas davon interessiert, geht man zum Kopiergerät und macht eine Kopie davon.

Mir wäre ein E-Mail-Verteiler stattdessen lieber. Wem es ganz wichtig ist, der kann seine Mitteilung auch gerne zusätzlich ausdrucken und in einen Ordner packen, der dann im Lehrerzimmer herumliegt. Und natürlich zusätzliche Verteiler, für jedes Fach einen.

(Das ganze geht natürlich auch mit einem Forum oder echter Groupware. Aber ich halte E-Mail noch für die realistischste Möglichkeit, sich mit Kollegen auf eine Lösung zu einigen.)

Klar müssten diese Verteiler nur einem geschlossenen Kreis von Lehrern zugänglich sein. Und klar müsste man darauf achten, wer an welchen Verteiler etwas schreibt – für die fachinternenen Listen hat jeder Lehrer Schreibberechtigung, Nachrichten an alle eventuell nur über die Schulleitung; wenn nur bestimmte Klassen betroffen sind, stehen diese im Betreff der Mail. Eine Minimallösung, aber mir lieber als das aktuelle Suchspiel am schwarzen Brett. Zugegeben: ohne ein Verschlüsselungsprotokoll (SSL/TLS) ist das noch ein Problem. Andererseits: Alles muss man ja auch nicht über Mail regeln.


Ähnlich sieht es mit der SMV aus beziehungsweise deren gewählten Vertretern, den Schülersprechern, und den Arbeitsgruppen. Zwischen denen und den restlichen Schülern gibt es als Kommunikationsmöglichkeit nur das Weitersagen, das Posteraufhängen vor einer Schulparty, die Bitte um eine Durchsage über die Lautsprecher oder das Entsenden von Sprechern in die Klassen/das Ausrichten durch die Klassensprecher. Außerdem wird immer mal wieder ein SMV-Rundschreiben angekündigt, aber das schläft dann doch eher ein. Sehr viel Kontakt ist nicht da, vielleicht gibt es aber auch nichts zu sagen. Natürlich könnte es ein Forum dafür geben, oder einen Moodlekurs – für umsetzbar halte ich das allerdings nicht. Zu Groß die Anmeldeschwelle. Das können die aktiven Schüler benutzen, die sich auch in den Arbeitskreisen treffen. Wenn man wirklich möglichst viele Schüler erreichen möchte – zusätzlich zu den Postern natürlich – dann halte ich im Moment eine Mail als Rundschreiben für das beste.

Allerdings: das wäre natürlich eine große Verantwortung für die SMV-Vertreter. Schriftliche Kommunikation ohne Erlaubnis der Schulleitung ist ohnehin nicht erlaubt:

GSO §10 (3) 1 Die Verbreitung schriftlicher Mitteilungen im Rahmen der Schülermitverantwortung an die Schülerinnen und Schüler ist nur dem Schülerausschuss gestattet. 2 Sie bedarf der Genehmigung der Schulleiterin oder des Schulleiters.

Bei tausend Schülern, wie viele würden sich an so einem E-Mail-Verteiler anmelden, freiwillig natürlich? Dreihundert? Hätten die SMV-Vertreter auch etwas zu sagen? Ein weiteres Problem: man könnte nicht ausschließen, dass auch schulfremde Personen diese Nachrichten lesen. Unsere Lokalzeitung wäre sofort dabei. Die technischen Maßnahmen, mit denen man das verhindern kann, verhindern gleichfalls wieder, dass sich eine größere Zahl von Schülern anmeldet. (Würde das an Schulen mit eigenem Mailserver funktionieren, bei denen jeder Schüler ein eigenes Mail-Konto hat? Oder werden diese Konten dann ohnehin nicht benutzt?)

Also: Versand nur über die Schulleitung, im Bewusstsein der Öffentlichkeit? Oder doch wieder nur Poster aufhängen? Schade, man könnte Schülern und Eltern auf diese Art gut Informationen über Wettbewerbe und Veranstaltungen zukommen lassen.

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Oh Fudge!

Dienstag, 9. Juni 2009

Hilfe! Hiiiilfe!! Man hat mich allein zu Hause gelassen, ich habe gerade aus einem Pfund Zucker und einem Becher Sahne Bonbons hergestellt und bin Sklave derer Leckerheit. Nie wieder in den Ferien, sondern nur noch zur Schulzeit, wenn ich das Kollegen und Schülern vorsetzen kann.

Außer vielleicht morgen noch. Denn so ganz geklappt hat es heute noch nicht mit dem Zuckerbäcknern:

fudge1

Also, das sind natürlich keine Bonbons, sondern das ist Fudge, oder zumindest so etwas Ähnliches. Meine Liebe begann, als ich ein kleines Kind war. Weichkaramell oder Toffee oder gar Hartkaramell mochte ich nicht besonders, Karamellsauce schon, aber die Kuhbonbons waren meine Favoriten. So hießen die damals bei uns, was auf der Packung stand, weiß ich nicht – ich habe jedenfalls erst als Erwachsener die heutige Bezeichnung “Sahne Muh-Muhs” kennengelernt:

fudge2

(Heute heißt ein ähnliches Produkt offiziell Kuhbonbons. Von mir aus. Aber wir wissen, was das Original ist.)

Dass die Bonbons aus Polen stammten, habe ich in der 11. Klasse erfahren. Was drin war, schon früher – angeregt durch ein Rezept im Kinder- und Jugendmagazin Stafette habe ich die Zutatenliste gelesen und das ganze nachzukochen versucht. Hat natürlich nicht besonders geklappt.

(Anmerkung: Einsatz von Kuhbonbons im Unterricht. Und hier ein Rezept für Kuhbonbon-Likör, nebst Diskussion des Fettgehalts von Kuhbonbons.)

Inzwischen gab es auch Erdnuss- oder Honigversion der Bonbons. Uninteressant, schon mal weil immer im falschen Aggregatszustand, ausgetrocknet. Das ideale Kuhbonbon hatte innen noch einen fast – nur fast – noch flüssigen Kern, war außenrum weich bis leicht angetrocknet und schon ganz, ganz leicht bröselig. Und diese samtene Bröseligkeit hatte es mir besonders angetan, und als ich englisches Fudge entdeckte, habe ich genau diese wiederentdeckt.

Englisches Fudge: zum Beispiel bei Roly’s Fudge. In Amerika ist Fudge nämlich mehr oder weniger mit Schokolade verbunden. Und in Deutschland gibt’s Fudge ohnehin nicht. Im Prinzip mischt man Zucker und Milch/Sahne/Butter und kocht das ganze. Kocht man das bis auf 150°C, dann ist viel Flüssigkeit verdampft, heraus kommt knuspriges, hartes Karamell oder butterscotch. Weniger heiß gekocht: amerikanisches Taffy. Kocht man nur bis 127°C, hat man Plombenzieherkaramell. Ess’ ich nur notfalls. Und wenn man nur bis 114°C erhitzt (abhängig vom Luftdruck, genaue Zahlen siehe in den jeweiligen Rezepten), ist noch viel Feuchtigkeit in der Masse und heraus kommt leckeres Fudge.

(Fudge ist außerdem im Prinzip eine trockenere Version von Fondant, sagt Wikipedia. So habe ich das noch nie gesehen, aber das erklärt diesen Übersetzungsfehler im Wörterbuch. In den USA gibt’s noch Penuche. Und Toffee ist mal weich, mal hart, Übersetzungsprobleme gibt’s viele.)

Eine krümeligere Variante von Fudge ist Tablet, und möglicherweise passt das eher zu dem, was bei meinem ersten Fudge-Versuch im Bild oben herausgekommen ist.

fudge3_tablet
(Quelle: Wikipedia)

Mein Fudge schmeckt zwar viel zu köstlich, ist mir aber noch im Topf kristallisiert und zu Krümeln geworden. Ich denke, die Masse war noch zu heiß, und ich habe zu viel Erdnussbutter auf einmal dazu gegeben. Richtig, das da oben ist Erdnussfudge. Auch lecker, aber beim nächsten Mal mache ich erst einmal ganz normales Fudge. Vielleicht besorge ich mir auch corn syrup, damit soll das noch einfacher gehen.


Hier eine Anleitung zum Herstellen von Tablet. Wunderschön dieser Tipp:

A hint from my dad: If you’ve dried your throat out by eating tablet, but still want to eat some more, eat a tangerine! It magically clears your throat, and sets you up to eat plenty more.

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Titanic schlägt vor: Mehr Schilder fürs Internet

Sonntag, 7. Juni 2009

Neben von der Leyens Zensur-Stoppschild könnte man das deutsche Internet doch noch weiter beschildern. Titanic macht Vorschläge:

titanic_internet_schilder

Meine Favoriten sind “Illegales Filesharing” und “Achtung, Forum mit Suizidabsprachen”. Schon mal, weil bei beiden der Wunsch fürs nächste Warnschild gar nicht so weit weg ist. Der innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Wiefelspütz hat sich erst gestern für eine Ausweitung der Interetsperren auf andere Inhalte als Kinderpornographie ausgesprochen. Zum Beispiel islamistisches und verfassungsfeindliches Material.

(Das Lawblog erinnert daran, dass verfassungsfeindliche Schriften nicht unbedingt kriminell oder verboten und in Buchhandlungen käuflich zu erwerben sind.)

Nachtrag: Wiefelspütz dementiert.

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