Schlagwort: Abitur

Abiturrede 2014

(Nachgetragen, hier mein kurzer Bericht der Abifeier. Einige Stellen sind Insiderwitze, die ich nicht verstanden habe; wie bei allen Reden kommt es sehr auf den Vortrag und vor allem die konkrete Situation an – was mit einem etwas anderen Publikum vielleicht nicht funktioniert hätte, funktionierte hier gut.)

Sehr geehrte Anwesende,

dass ich nun hier als Repräsentant der Stufe vor Ihnen stehe, ist wohl überraschend, sowohl für Mitglieder der Stufe, als auch für einige Lehrer und nicht zuletzt für mich selbst.
Warum soll ich, soll jemand mit meinen Deutschnoten eine Rede schreiben und vortragen?
Ich bin in der Stufe weder besonders engagiert, noch halte ich mich komplett raus.
Ich bin kein schlechter Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Ich bin nicht der fleißigste Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Ich bin nicht der größte Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Und ich kann zwar Einiges, aber ein [Name gestrichen] bin ich nicht.

Ich bin so eine Art Mittelding in einer Stufe, die sich aus vielen unterschiedlichen Charakteren zusammensetzt, und vielleicht qualifiziert mich das als Repräsentant, denn wir waren und sind eine Stufe aus vielen Gegensätzen und unterschiedlichen Typen – Typen und Persönlichkeiten, die durch zwölf Jahre Schulzeit zu dem wurden, was sie sind. Diese Jahre haben uns geprägt, wie es vermutlich keine andere Zeit in unserem Leben wieder tun wird.

Vor zwölf Jahren… beziehungsweise dreizehn Jahren… obwohl, bei manchen hat’s auch vierzehn Jahre gedauert, ich werde hier aber keine Namen nennen. Jedenfalls wurden wir damals in einem riesigen Labyrinth ausgesetzt, als Proviant wurde uns lediglich eine Tüte voller ungesunder Süßigkeiten mitgegeben, die nicht einmal einen Tag gehalten hat. Vielen Dank dafür!
An diesem Tag standen wir am Anfang unserer schulischen und persönlichen Entwicklung. Ein langer Weg, auch wenn es mir im Nachhinein viel kürzer vorkommt als es tatsächlich war.

Die Grundschulzeit zum Beispiel ist schon zu großen Teilen aus meiner Erinnerung verschwunden, diese ersten vier Jahre, an deren Ende wir uns mit Erreichen des Gymnasiums wie die Größten fühlten, nur um uns dort am untersten Ende der Nahrungskette wiederzufinden.
Und von da an begann der lange Weg durch das Labyrinth hin zum Abitur. Schon früh standen wir an der ersten wichtigen Kreuzung und mussten uns zwischen Latein und Französisch entscheiden, wobei natürlich galt: Latinam linguam sapientes eligunt!
Auch auf unserem weiteren Weg hatten wir einige Hürden zu überwinden. Beispielsweise mit dem Umzug in ein neues Schulgebäude und hier muss ich [der Schulleiterin] widersprechen, denn das neue Gebäude war für mich eher ein Labyrinth als das alte. Ich habe länger gebraucht, um das System mit Buchstaben und Zahlen zu verstehen, als ich es hier öffentlich zugeben möchte.
Und nicht zuletzt hatten wir auch mit uns selbst zu kämpfen, denn je älter wir wurden desto mehr ließ unsere Motivation nach… und unser Interesse… und unser Fleiß… und nicht zu vergessen: Auch unsere Aufmerksamkeit. Ich möchte mich hier kurz bei allen Lehren entschuldigen, die das zu ertragen hatten.
Und je mehr Salat wir aßen, desto mehr schrumpfte unser Bizeps, aber das gehört nicht hierher.

Wie auch immer, mit dem Erreichen der 11. Klasse rafften wir uns nochmals auf und gingen mit frischer Kraft ans Werk. Voller Tatendrang begannen wir zu lernen und ich bin mir sicher, dass das die meisten auch ganze 4 ½ Wochen durchgezogen haben. Danach… na ja, aber darüber will ich lieber erst gar nicht sprechen, lieber möchte ich sagen, dass die letzen Meter im Labyrinth, die Oberstufe also, wohl die beste Zeit unserer Schullaufbahn war.
Ein besseres Verhältnis zu Lehrern, endlich ein eigener Raum zur Entspannung, der jedoch durch Umzüge und zunehmende Vermüllung immer weniger Platz zur Entspannung bot, mit 18 schließlich die Möglichkeit, Entschuldigungen selbst zu unterschreiben und nicht zuletzt ein durch großartige Studienfahrten gestärktes Gemeinschaftsgefühl, all dies trug dazu bei, dass diese zwei Jahre trotz Klausuren- und Abiturstress zu einer unvergesslichen Zeit wurde. Manchen hat es sogar so gut gefallen, dass sie gleich drei Jahre daraus gemacht haben.

Und diese ganzen Jahre, nicht nur die letzten zwei, haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind und an dieser Stelle möchte ich kurz einigen Menschen danken, die uns auf diesem Weg geholfen haben.
Natürlich unseren Lehrern, die es nicht immer leicht hatten und besonders [der Oberstufenbetreuerin], die uns in den letzten zwei Jahren viel hinterher laufen musste. Und es soll hier auch ein Dank an das übrige Schulpersonal, das einen reibungslosen Schulalltag ermöglichte und uns regelmäßig mit frischen Leberkassemmeln versorgte. Und auch die Menschen außerhalb des Schullebens haben ihren Anteil daran, dass wir alle heute hier sind. Familie, Freunde oder auch der der Fußballtrainer und Geigenlehrer haben uns auf diesem Weg der schulischen und persönlichen Entwicklung begleitet. Vielen Dank!

Es tut mir sehr leid aber es ist noch nicht ganz vorbei, ein bisschen müssen Sie mich noch aushalten, denn ich möchte noch kurz ein paar Gedanken darüber verlieren was uns nun erwartet.
Unser Abimotto beschreibt uns als Verwirrte, als Suchende, die nun endlich an ihr Ziel gelangt sind. Doch sind wir wirklich am Ziel? Im eigentlichen Labyrinth sind wir noch weit vom Ziel entfernt, wir glauben gerade dem Labyrinth entkommen zu sein, aber wir befinden uns noch mittendrin und noch dazu an einer äußerst wichtigen Kreuzung. Wir können nun entscheiden, was wir mit diesem Zeugnis anfangen, und dabei stehen uns viele Wege offen. Das Großartige an dieser Kreuzung ist, dass es keinen falschen Weg gibt. Der Weg, den wir nehmen ist nicht falsch solange wir ihn selbst wählen. Einige behaupten, der beste und einzig richtige Weg mit Abitur wäre Studium, Beruf, Rente und schließlich tot umfallen. Aber das ist nicht wahr, wir haben nun die Freiheit vollkommen selbstständig über unsere Zukunft zu entscheiden, und was wir mit unserem Abitur machen, ist uns allein, jedem einzelnen überlassen.
Wir können Rap-Star, Perlentaucher oder sogar Lehrer werden. Wenn es das ist was wir wollen, dann ist es das Beste, was wir aus unserem Abitur machen können. Und ich möchte jeden auffordern, diese Entscheidung für sich zu treffen und sich nicht von anderen reinreden zu lassen.

Ihr habt die Wahl, nutzt sie!
Vielen Dank!

Abiturfeier 2014

Gestern war die Abifeier. Ich kannte nur einen kleinen Teil des Jahrgangs und hatte nur wenige Schüler davon im Seminar (11. und die erste Hälfte der 12. Jahrgangsstufe), bin aber trotzdem hin.

abitur2014_gruppenfoto

Beste Rede des Abends: Die des Schülers, der für die Abiturienten sprach. Das Reden machte ihm sichtlich Spaß, aber er wirkte dabei nicht wie jemand, der sich grundsätzlich gerne reden hört. Sehr entspannt vorgetragen, mit einem überraschenden Einstieg. (“Manche haben sich gewundert, als sie hörten, dass gerade ich die Rede halten würde. Ich bin kein besonders fleißiger Schüler, aber ich bin auch kein [Name eines Mitschülers]. Ich bin kein besonders schlechter Schüler, aber ich bin auch kein [Name eines anderen Mitschülers].”) Und so weiter. Das Gelächter unter den Erwachsenen war am Anfang etwas ungläubig, aber in der Situation hat die Rede gepasst.
Es folgte ein Blick zurück, mit angemessenem Maß an Selbstkritik, und ein Blick nach vorn, mit angemessenem Optimismus. Mir fehlte zumindest eine Note von Kritik an konkreter Schule oder Schulsystem, aber man man nicht alles haben.

abitur2014_pferd

Gegenpunkte dazu setzen Elternbeirat und die betreuende Oberstufenkoordinatorin, die die Abiturienten vorsichtig daran erinnerten, dass sie es doch eigentlich ganz gut hätten. Der stellvertretende Landrat wünschte den Abiturienten ein “Chillen Sie erst mal”, auch angesichts der vielen der Abizeitung zu entnehmenden Reisepläne nach Neuseeland. Nu. Besser gefiel mir der sehr authentisch wirkende neue Oberbürgermeister der Stadt, der nicht nur ein paar Spitzen gegen das G8 abließ, sondern den Abiturienten angesichts der Neuseeland-Popularität riet, sich doch mal per Zug in Europa umzusehen, nur so als Vorschlag.

Dauer: knapp 4 Stunden, mit einer halben Stunde Pause dazwischen. Gelobt sei ein Schüler, der wenigstens ein kleines anarchisches Zeichen setzte und die ganze Veranstaltung über, Zeugnisübergabe eingeschlossen, mit einem Eselskopf herumlief. Vielen Dank dafür!

Die Kleidung war bei den Herren etwas festlicher als die letzten Jahre, bei den Damen dominierte das Cocktailkleid, eine Handbreit überm Knie, aber auch ein paar lange Kleider gab es. Am besten gefielen mir aber die schlichten Sommerkleider, gepunktet oder mit Blumen. Bei der Abiturzeignisvergabe ist es im Gebäude immer recht warm, da passt die sommerfrische Kleidung vielleicht eher als die edle.
Beste Frisur des Abends: kurz. (Und gepunktetes Kleid dazu.) So richtig Jean Seberg in “Außer Atem”. Kurz gefällt mir überhaupt bei den meisten Frauen am besten. Populär scheinen zur Zeit aber Brautlocken zu sein.

Abimottos – die Dialektik der Originalität

Was ist ein Abimotto? Das Abimotto ist ein doppeldeutiger Wortwitz, eine Wortspielerei in der sich möglichst die Buchstaben ABI wiederfinden sollten. Der Leitspruch ist unverwechselbares Merkmal eures Abi-Jahrgangs. Perfekt umgesetzt ist es, wenn die Schüler der gesamten Schule genau wissen, welche Jahrgangsstufe gemeint ist, sobald das Motto auch nur erwähnt wird.
http://www.abiball-planer.de/abimotto/

Sagen wir mal so: perfekte Abimottos in diesem Sinn gibt es wenig. Zumindest weiß schon ein Jahr danach kaum einer mehr, welches Motto zu welchem Jahrgang gehörte. Die Mottos sind aber auch völlig austauschbar. Nur dass 2007 irgendwas mit James Bond war, das wusste man noch – wie an Dutzenden von anderen Schulen in jenem Jahr ebenso.
Mit Recherche im Web und freundlicher Hilfe von Ehemaligen habe ich dann doch noch folgende Liste zusammengekriegt:

  • 2014 LABIrinth – 12 Jahre Verwirrung und trotzdem am Ziel (Nachtrag)
  • 2013 Abi heute – Captain Morgen
  • 2012 Ab(i)wesend – für immer entschuldigt
  • 2011 Rasso’s Eleven – Time for Another Job (G8)
    2011 GRG 9 – der letzte Einsatz (G9)
  • 2010 Strebergarten – endlich weg vom Tulpenfeld
  • 2009 Abistokratie – der Adel geht, der Pöbel bleibt
  • 2008 Germany’s Next Top Student
  • 2007 Abi007 – die Abigenten – Der Jahrgang der ihn liebte
  • 2006 Abiglam
  • 2005 Abikalypse – das Ende aller Plage
  • 2004 GlABIator
  • 2002 Das Wars – vergessen du musst was jemals du gelernt
  • 2001 Abimeister

Gut finde ich eines davon, brauchbar ein zweites.

Was sein muss: ein Wortspiel und ein nachgeschobener Slogan als Ergänzung. Die Mottos oben reihen sich nahtlos ein in folgende Listen von Abimottos – hunderte, aus denen man auswählen kann, alle ununterscheidbar in ihrer Suche nach Einzigartigkeit:

http://www.abi-stoff.de/abimotto-abschlussmotto/
http://abitipps.de/organisation/abimottos/abimotto-vorschlaege
http://www.abiball-planer.de/abimotto/
http://www.abital.de/abimotto.htm

(Zur Originalität: Ein Original ist, was kopiert wird. So wie gute Lieder gecovert werden.)

Ich weiß nicht, wie Abimottos entstehen; es würde mich interessieren. Ich nehme mal an, dass Listen aushängen, wer für was zuständig ist. Bestimmte Schüler gehen in den Arbeitskreis “Abizeitung”, andere in den Arbeitskreis “Abimotto”. Dann blättern manche davon im Web die Abimottolisten durch und schreiben sich die Mottos heraus, die ihnen gefallen; dazu kommen ein paar eigene Ideen. In der Abimotto-Gruppe setzen sich dann zwei oder drei Vorschläge durch (auf welcher Basis?), über die dann alle im Jahrgang abstimmen, die bei der Abstimmung mitmachen. Nach welchen Kriterien entscheiden die? Spielen die Personen der Leute, die das Motto vorschlagen, eine Rolle? Vermutlich ist es tatsächlich nur das Ausmaß, in dem das Motto als unverwechselbar witzig empfunden wird.

Die Option, auf ein Motto zu verzichten, oder ein ernsthaftes Motto zu wählen, gibt es nicht. Das hieße zu viel Originalität wagen.

Nur dass es nicht verloren geht…

In Coburg hat ein Schulleiter alle Deutsch-Abituraufgaben pauschal um einen Punkt nach oben gesetzt. Offiziell war der Schulleiter, der auch Deutschlehrer war, wohl Drittprüfer – ungewöhnlich, dass es nur einen Drittprüfer für einen ganzen Jahrgang gibt, aber tatsächlich braucht man den selten, nämlich nur dann, wenn sich Erst- und Zweitprüfe rnicht einig werden.
Das mit der eigenmächtigen Notenverbesserung darf er natürlich nicht, aber die Noten gelten trotzdem, sagt das Kultusministerium.

Fachlich beruft sich der Schulleiter wohl darauf, dass die Korrekturen der Deutschlehrer “zu penibel” waren.

Das Ministerium gibt dem Schulleiter fachlich recht, wohl in Form des zuständigen MB, der extrem fleißig gewesen sein muss, um sich die Arbeiten gründlich genug angesehen zu haben.

Der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbands stellt sich – siehe Neue Presse – voll hinter das Kultusministerium.

Ich kann mir das mit den zu penibel korrigierten Arbeiten nicht vorstellen. Es sieht eher so aus, als will ein Schulleiter ein Exempel statuieren (dass ich so etwas je schreiben würde…) und seinen Deutschlehrern zeigen, wer der Chef ist. Aus der Ferne lässt sich das schlecht beurteilen. Positiv allerdings, dass es Schulleiter gibt, die sich so etwas trauen. Aber so richtig böse wird das Kultusministerium in dem Fall ja auch nicht werden.

(Alle Links aus den lehrerforen.de)

Anlässlich meiner ersten Abituraufsicht im Fach Musik heute

These, über die ich noch nicht viel nachgedacht habe: Ich finde die Art Allgemeinbildung, die einen in die Lage versetzt, dass man die Fragen in Abituraufgaben in den verschiedenen Fächern verstehen und einordnen kann, ziemlich ausreichend. Zu dieser Allgemeinbildung müssen natürlich noch andere Techniken kommen (schreiben, erklären, recherchieren).

(Musikabitur: Ist ein echtes Gerenne. Es gibt 4 Themen zur Auswahl, zu jedem Thema etwa drei Hörbeispiele, und diese zwölf Hörbeispiele sind so versetzt, dass immer die Schüler von Thema 1 ins Nebenzimmer gehen und ein Hörbeispiel anhören, danach die von Thema 2, dann 3, 4, und wieder Thema 1 mit ihrem zweiten Hörstück und so weiter.)

Die Fragen im Musik-Abi habe ich jedenfalls alle verstanden, und einige wenige Aufgaben hätte ich auch beantworten können.

Abifeier sentimental

Schnell noch schreiben, bevor der Sekt verfliegt…

Heute war Abiturfeier. Insgesamt: schön. Die Reden: nichts dazu zu sagen. Die Dauer angemessen, dreieinviertel Stunden einschließlich Pause. Das Programm: bunt – und vor allem alles selbstgemacht: Improtheater, Klavierspiel (Chopin, eine Nocturne), Chor, Lied – keine kommerziellen Videos, keine aufwändige Selbstbeweihräucherung, kein zu Tode gerittenes Motto. Motti haben ohnehin nichts bei Abiturfeiern verloren. Viele Cocktailkleider, kaum Abendkleid – liegt das an der neuen Bescheidenheit oder daran, dass die Schüler im G8 ein Jahr jünger sind?

Nach der Pause bestand der Großteil des Programms in der Überreichung der Zeugnisse, wobei wieder jeder Schüler mit seinem eigenen Musikclip einmarschierte. Das war dann doch kurzweilig – über die Kleidung gab es nicht so viel zu reden wie letztes Jahr, aber ich habe sie mir gerne angeschaut, die Abiturienten, von denen ich ein Drittel im Unterricht in diesem Jahr hatte. Und zugehört, welche Musik sie sich ausgesucht haben. Wenig Überraschungen: ein paar Filmsoundtracks, viel nicht zu schweres Havy Metal. Aber im Gespräch über Musik mit dem Kollegen schon gleich Lust darauf beommen, selber wieder mal Musik zu hören.

Nach der Zeugnisübergabe gab es einen Sektempfang. Dabei habe ich mich noch mit einigen Schülern unterhalten können und bin ganz sentimental geworden. Liegt natürlich auch am Sekt. Aber dieser Jahrgang war auch ein sehr netter Jahrgang. Der Deutschkurs hat mir Spaß gemacht, der Informatikkurs hat mir auch Spaß gemacht (und war insofern befriedigender, als Lehrplan und Schülervermögen besser zusammenpassen). Umarmt geworden. Das sind wirklich nette Menschen, unsere Schüler – wie ja auch die meisten Menschen zu den Guten gehören. Wobei, Fußnote, mein Menschenbild trotzdem dem vom Herr der Fliegen entspricht – zum Guten im Menschen muss noch die Zivilisation kommen, sonst setzt sich das nicht durch.

Auf der Rückfahrt in der S-Bahn habe ich dann sentimentale Musik auf dem iPod gehört. Allen voran “Some Other Time” aus On the Town (eine Version hier), das sentimentalste Lied, das ich kenne. Dann noch einige Nummern von Bob Seger, angeregt durch die Schüler-Musikclips. Still the Same, Old Time Rock ‘n Roll, We’ve got tonight. Wie wird Musik sentimental? Sicher auch dadurch, dass man sie in bestimmten Stituation, in einem bestimmten Alter kennengelernt hat. Ich habe im Lauf meines Lebens quasi immer wieder Lieder mit Energie aufgeladen, die ich jederzeit wieder abzapfen kann.
Weitere Nummern jedenfalls noch: “Sweet Thing” von den Waterboys, von den gleichen auch: “Has Anybody Here Seen Hank” und “And A Bang On the Ear”. Oder gleich das ursprüngliche “Sweet Thing” von Van Morrison. Oder die deutsprachige Coverversion von den Flowerpornoes. Überhaupt, Van Morrison. Und dann noch “Tunnel of Love” von den Dire Straits, aber dann ist wirklich aus. (Das ist das Lied, das Arthur und Fenchurch in “So long and thanks for all the fish” hören – für Douglas-Adams-Fans.)

Motivation und Abitur, ohne größeren Zusammenhang

“Motivation vor allem bei schwächeren Schüler/innen effektiv” titelt der Lehrerfreund und zitiert dazu eine Studie zur Intelligenzforschung, aus der man möglicherweise als Ergebnis ablesen kann: extrinsische Motivation funktioniert, allerdings vor allem bei Menschen mit niedrigem IQ. Die Folge: je dümmer sich Schüler anstellen, desto mehr muss man motivieren. “Der etwas unappetitliche Umkehrschluss: Je besser die Schüler/innen, desto weniger kann man durch Motivation erreichen.”

So oder so finde ich es erfreulich, dass mal differenziert wird – dass zugegeben wird, dass für manche Menschen/Schüler ein anderes Verhalten sinnvoll ist als für andere. Ich selber habe als Schüler über die Motivationsphase im Unterricht oft nur gelacht. Erst die Folie anschauen, oder das Lied anhören, oder irgendeinen stummen Impuls über sich ergehen lassen – und darauf warten, dass endlich irgendwann mal der richtige Unterricht losgeht. (Aber zugegeben, Motivationsphase und Motivation sind zwei verschiedene Sachen.)

Unappetitlich finde ich den Umkehrschluss gar nicht, sondern naheliegend und logisch. Wer Mechanismen extrinsischer Motivation durchschaut, lässt sich weniger davon beeinflussen oder hat zumindest mehr Kontrolle darüber. Und gute Schüler sind oft schon motiviert, die brauchen nicht noch extra welche.

(Ob Intelligenz und Erfolg im Leben – was auch immer man darunter verstehen möchte – viel miteinander zu tun haben, ist eine andere Frage.)

— Am Freitag ist Abiturfeier, am Anfang der Woche gab es schon die Abiturzeitung. Hm. Launige Lehrerzitate, viel Selbstdarstellung. Die üblichen Umfragen, zum Teil aufschlussreich (“Welche/r Lehrer/in ist leicht ablenkbar?” – laut Deutschlehrer) oder nicht ohne einen gewissen Reiz (“Welche/r Lehrer/in verstößt selbst gegen die Teppichbodenregel?”), aber auch völlig uninteressant (“Wer wird mal Osterhase?”). Aber immerhin alles oberhalb der Gürtellinie.

Die Reiseberichte über die Kursfahrten habe ich gar nicht erst gelesen, das ist sicher interessant, wenn man dabei war, aber sonst nicht. Als es noch Leistungskurse gab, stand zu jedem Leistungskurs ein Beitrag in der Abizeitung, im G8 gibt es das nicht mehr – bei uns gab es immerhin zu allen vier Deutschkursen eigene Beiträge, vielleicht stellvertretend für alle Kurse, vielleicht auch, weil die Deutschlehrer recht geschlossen auftraten, vielleicht auch, weil Deutsch das Fach ist, dass irgend etwas mit Texten zu tun hat.

Ansonsten gab es wenig Textbeiträge – aber immerhin einen Kommentar zu unserer Hausordnung. Das ist schon mal ein Anfang. Vielleicht sollte man bei den nächsten Übungsaufsätzen auch mal einen solchen Abizeitungs-Kommentar anregen. Kritisiert wird in diesem Beitrag unter anderem, dass laut Hausordnung Schüler (und Lehrer) in den Gängen und Klassenzimmern nicht essen dürfen. Etwas kurzsichtig wird das auf einen von den Schülern als Planungsfehler interpretierten Aspekt des Schulgebäudes zurückgeführt: “Ohne Teppichboden müsste man das Essen auf demselben nicht verbieten.” Oh mei. Das dort nicht gegessen werden soll, hat wenig mit dem Teppich zu tun, sondern das ist ein pädagogischer Wunsch der meisten Lehrer – auch wenn es das ohne Teppich wohl nicht bis in die Hausordnung geschafft hätte.

(Warum das ein Wunsch ist, also meiner zumindest? Sagen wir als Kurzfassung: ich möchte auch nicht, dass die Lehrer im Lehrerzimmer an den gemeinsam genutzten Arbeitstischen essen.)

Leider ist auch dieser Kommentar, wie alles an einer Abizeitung, keine Aufforderung zu einem Dialog. Dabei würde ich gerne ausführlich darauf reagieren, und eine Reaktion wiederum darauf erwarten. Nicht zwischen Tür und Angel im Gespräch, das ist oberflächlich und flüchtig. Aber solange wir nicht wieder eine bloggende Schülerin haben, wird es diese Kommunikationsform nicht geben.

Der Nutzen einer Hausordnung wird dabei keineswegs in Frage gestellt – für die Unterstufenschüler, also die anderen. “Absolut respektlos” sind die nämlich. Zum ersten Mal habe ich das vor zehn Jahren von Oberstufenschülern gehört, dass die jüngeren Klassen so frech sind. Zum meiner Zeit war das anders, da hat man sich gegenseitig gar nicht groß wahrgenommen… vielleicht haben wir in der Oberstufe auch respektvolleres Verhalten eingefordert? Jedenfalls höre ich die Klagen über die Unterstufe regelmäßig jedes Jahr.

Nachtrag zur Motivation: Erstens kennen wir alle auch den Fall des intelligenten, aber lernunwilligen Schülers. Pubertät in der Mittelstufe und so. Da kann man mit externer Motivation wenig machen. Und zweitens sind das alles bestenfalls statistische Erscheinungen, die eventuell für bildungspolitische Entscheidungen herangezogen werden können – als Lehrer hat man es immer mit Einzelfällen zu tun, und die müssen nie dem statistischen Muster entsprechen.