Schlagwort: Alles über…

Alles über: Planungsgrundlagen zur Unterrichtsübersicht

Etwa Ende April jeden Jahres erstellen Gymnasien ihre vorläufige Unterrichtsplanung für das kommende Schuljahr: Wie viele Klassen mit wie vielen Stunden in welchen Fächern wird es geben,  wie viele Anrechungsstunden und Wahlunterrichte gibt es? Diese Informationen werden dann ans Kultusministerium geschickt, das auf dieser Basis und unter, äh, Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Mittel den Schulen Lehrer zuweist, falls es nicht genügend für die zu erwartende Schülerzahl gibt. (Jedes Jahr werden Lehrer pensioniert, Referendare müssen auf Einsatzschulen verteilt werden, und junge Lehrer kommen nach Abschluss ihrer Ausbildung an ihre erste Schule.)

Schulen dürfen sich nicht einfach aussuchen, wie viel Wahlunterricht oder wie viel Englisch sie geben, oder wie viele Entlastungsstunden Mitglieder der Schulleitung oder andere mit zusätzlichen Aufgaben betraute Lehrer kriegen. Das steht alles genau in einer Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen, Erlassen, Dienstanweisungen. Deshalb sendet das Kultusministerium dazu – neben einem Anschreiben mit weiteren Informationen – 40-50 Seiten “Planungsgrundlagen zur Unterrichtsübersicht”, die Fassung von 2013/14 kann man bei der GEW herunterladen, sonst habe ich es – wie so oft – nirgendwo gefunden.

Außer den Schulleitungen und Personalräten weiß kaum ein Lehrer davon, weshalb ich das hier vorstelle. Folgendes ist zum Beispiel dort gesammelt:

  • In welchen Jahrgangsstufen es wie viel Nachmittagsunterricht geben darf.
  • Höchstzahlen für Klassen, derzeit 33 Schüler.
  • Höchstzahlen für Oberstufenkurs, derzeit 25 (Deutsch, Mathematik, Fremdsprache), 28 (andere Kurse) und 15 Schüler (Seminare)
  • Referendare sollen auch in Q11 und Q12 unterrichten, da es “eine nicht gerechtfertigte zusätzliche Belastung für die Seminar-
    schulen” ist, wenn die ihre Oberstufenlehrproben dann alle dort machen.
  • Wie viele Lehrerstunden man verteilen darf. Klar: Wenn es da keine Grenze gäbe, würde jede Schule einfach viele kleine Klassen bilden und viele Lehrerstunden aufwenden.
  • Wie viele Stunden davon auf die Jahrgangsstufen 5-10, wie viel auf 11-12 und wie viele auf Wahlunterricht entfallen. Allerdings muss die Schule sich nicht daran halten, darf aus dem einen Bereich Stunden nehmen und sie dem anderen zuführen.
  • Neu: Wie viele Stunden für “Individuelle Lernzeit” aufzubringen sind. Das sind je nach Schulgröße 7-9 Stunden für die Flexijahrleute und andere. Wie die Schule diese Stunden sinnvoll nutzt, bleibt der Schule überlassen. Ich bin schon sehr gespannt.
  • Neu: Wie viele Stunden für “Integrierte Lehrerreserve” aufzubringen sind. Das sind je anch Schulgröße 8-12 Stunden, die auf “mehrere” Lehrkräfte verteilt werden. Die können dann einspringen, wenn eine andere Lehrkraft erkrankt, in Mutterschutz oder Elternzeit geht. Was die währenddessen machen… Präsenzen schieben? Anmerkenswert: Das sollen explizit Lehrer mit Deutsch oder Englisch sein. (Unter anderem deshalb, weil es nicht genug Mathe- oder Physiklehrer gibt.)
  • Wie viele Stunden Lehrer geben müssen, Berechnung von nichtwissenschaftlichem Unterricht, verpflichtendes Arbeitszeitkonto, Teilzeitregelungen.
  • Unterrichtseinsatz von Referendaren – wie in den letzten Jahren üblich: bis zu 17 Stunden. Die Unterrichtspflichtzeit der fertigen Lehrer ist wieder auf dem Niveau, auf dem ich sie anfangs erlebt habe; aber Referendare dürfen mehr arbeiten als damals. (Das waren früher in der Regel bis zu 14 Stunden, plus 2 falls nötig.) Kosten auch weniger als fertige Lehrer, und es gibt zu viele davon.
  • Umgang mit Grundschullehrkräften am Gymnasium.
  • Wie viele Anrechungsstunden es für Schulleiter gibt, wieviele für Mitarbeiter+Stellvertreter+Oberstufenkoordinator. (Wie das mit dem zusammenhängt, was in der Bekanntmachung über die UPZ der Lehrer an Gymnasien unter “Anrechnungen für die Schulleitung” steht, habe ich noch nicht herausgefunden.)

Alles in allem: eine geeignete Lektüre für die mittlere Phase des Lehrerseins, wenn man schon etwas Routine im Unterrichten hat und sich für die Strukturen interessiert.

Alles über: die Abiturstatistik

Im Sommer kriegen die bayerischen Gymnasien immer die Statistik über die Durchschnittsnoten der Abiturprüfungen, sortiert nach verschiedenen Kriterien. Die Schulen werden dabei gebeten, vor allem auf drei Dinge zu achten:

  • Ist der Unterschied zwischen den Semestern der Jahrgangsstufen 11/12 und den Abiturnoten auch nicht zu groß, jeweils an der eigenen Schule?
  • Ist der Unterschied zwischen den Abiturnoten an der eigenen Schule und dem bayerischen Durchschnitt auch nicht zu groß?
  • Ist die Note zwischen dem bayerischen Abiturdurchschnitt und den eigenen Noten in 11/12 nicht zu groß?

Ab mehr als 5 Leuten in einer Prüfung sind zu große Abweichungen zu thematisieren. Das war schon immer so, auch im G9. Die Anweisung dazu erfolgt automatisch. Wenn in einem Fach die Abiturnoten deutlich schlechter oder besser sind als im Rest von Bayern, dann kann man schon mal darüber reden. Wenn in einem Fach das Abitur um eine ganze halbe Note besser ist als die Halbjahresleistungen in den Jahren zuvor, dann auch. Außer, wenn das in ganz Bayern so ist – dann müsste das Kultusministerium mal darüber nachdenken.

Eine Ursache für eventuelle Diskrepanzen: Die Halbjahresleistungen setzen sich etwa in Mathematik und Deutsch aus kleinen Noten, die überwiegend mündlich sind, und schriftlichen Leistungen zusammen. Das Abitur ist nur schriftlich. Und da in der Oberstufe G8 die kleinen Noten ebenso viel zählen wie die großen, zählen die mündlichen Noten mehr als im G8. Das wird als zeitgemäß begrüßt, aber ich vermute, der Gruß gilt eher der Tatsache, dass die Gesamtnoten dadurch besser werden. Denn mündliche Noten sind tendenziell besser als schriftliche, etwas, über das sich noch nie jemand beschwert hat, das sich pädagogisch aber kaum begründen lässt.

So richtig aussagekräftig ist dieser Grenzwert des Notenunterschieds aus G9-Zeiten also nicht mehr. Er müsste ans G8 angepasst werden; man könnte auch unterscheiden zwischen Fächern, in denen alle oder viele Schüler Abitur ablegen (Deutsch, Mathe, English) und Fächern, für die man sich bewusst entscheidet (Informatik, Biologie, Chemie). Ich glaube auch nicht, dass diese Zahlen in den Schulen besonders ernst genommen werden.

Gerne würde ich die Zahlen der letzten Jahre vergleichen und schauen, ob sich bestimmte Muster ergeben. Leider finde ich die Statistik nirgendwo öffentlich. Wenn ich in England im August Urlaub mache, stehen dort die landesweiten Ergebnisse der A-Levels (das englische Äquivalent zum Abitur) detailliert in den Tageszeitungen, nach den einzelnen Fächern aufgeschlüsselt. Bei uns ist das eher nur für den Dienstgebrauch.

Alles über: Gymnasialschüler (in Bayern)

Ein kurzer Überblick darüber, wie sich das Kultusministerium beziehungsweise die Bayerische Regierung einen Schüler am Gymnasium vorstellen. Es geht hier übrigens nicht um das Abitur, sondern um das Gymnasium – zum Abitur führen ja auch andere Wege.

Gymnasialanforderungen

2004 (der aktuelle Lehrplan):

Das Gymnasium sieht seine Aufgabe darin, alle Schüler gezielt zu fördern, die sich aufgrund ihrer Begabung, ihrer Einsatzfreude, ihres Leistungsvermögens und ihrer Leistungsbereitschaft für ein Studium und für herausgehobene berufliche Aufgaben eignen.
Schüler des Gymnasiums sollen geistig besonders beweglich und phantasievoll sein, gern und schnell, zielstrebig und differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen und dabei zunehmend die Fähigkeit zu Abstraktion und flexiblem Denken, zu eigenständiger Problemlösung und zur zielgerichteten Zusammenarbeit in der Gruppe entwickeln.

1990 (der vorherige Lehrplan):

Gymnasialbildung entfaltet die Fähigkeit zur Ordnung der Vorstellungswelt, zu Abstraktion und Theoriebildung. Sie entwickelt die musischen Fähigkeiten und leitet zu einem angemessenen Umgang mit den Emotionen an. Sie fördert in besonderem Maß Verantwortungsbereitschaft und Verantwortungsfähigkeit auf der Grundlage eines geschichtlich begründeten Verständnisses der abendländischen Kultur. Das Gymnasium ist deshalb eine Schule für Kinder und Jugendliche, die sich als in besonderem Maße geistig beweglich, lernbegierig und phantasievoll erweisen, die schnell, zielstrebig und differenziert lernen können, ein gutes Gedächtnis haben, sich gern selbständig, ausdauernd und von verschiedenen Seiten mit Denk- und Gestaltungsaufgaben beschäftigen und in allem die Bereitschaft erkennen lassen, die Anstrengungen auf sich zu nehmen, die der Bildungsweg des Gymnasiums ihnen abverlangt.

Grundschulinformation 1978 (meine Schule damals)

— Schön wären natürlich noch ältere Lehrpläne, aber die habe ich leider online nirgendwo mehr gefunden. Das wäre doch ein schöner Vergleich; gerne auch als Leseverstehensaufgabe für Schüler.

Natürlich entwickeln sich die Schüler in den einzelnen Jahrgangsstufen. Deshalb hier ein Überblick, wie sich der aktuelle Lehrplan – fachunabhängig – Schüler altersabhängig vorstellt.

Erwartungen an die einzelnen Jahrgangsstufen

Jahrgangsstufe 5:

Der Wechsel von der Grundschule ans Gymnasium bringt für die Schüler große Veränderungen mit sich: Sie besuchen eine neue Schule mit einem noch ungewohnten Schulleben und neuen Mitschülern. Häufig gehen damit auch Änderungen im Freundeskreis einher. Zudem müssen sie sich anders als bisher auf stündlich wechselnde Fächer und Lehrkräfte mit je unterschiedlichen Anforderungen an Vorbereitung, Mitarbeit und Arbeitsweisen einstellen. Erst im Lauf des Schuljahrs gewinnen die Kinder eine gewisse Sicherheit bei der Lern- und Arbeitsorganisation.
Die Schüler zeigen in der Regel eine ausgeprägte Wissbegierde, Freude am Entdecken, hohe Motivation und Leistungsbereitschaft. Allerdings stehen dem eine begrenzte Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit gegenüber.

Jahrgangsstufe 6:

Den Schülern sind im Unterschied zur vorhergehenden Jahrgangsstufe das Schulleben und die schulischen Abläufe vertraut, was ihnen zunehmend Sicherheit verleiht. In der Regel nimmt die Bedeutung der Klassengemeinschaft – auch im Zusammenhang mit einzelnen Gruppen – nun deutlich zu. Dabei kann die Zugehörigkeit zu diesen Gruppen sehr schnell wechseln.
Durch das Einsetzen neuer Fächer, insbesondere die zweite Fremdsprache, stellen sich den Kindern zusätzliche Herausforderungen. Dies kommt ihrer nach wie vor ausgeprägten Neugier und Wissbegierde sowie der Begeisterungsfähigkeit für Neues entgegen, bedeutet aber auch eine Mehrbelastung.
Die vielfältigen neuen Anregungen tragen zu einer verstärkten Wahrnehmung der Lebenswelt bei.

Jahrgangsstufe 7:

Die meisten Schüler dieser Altersstufe befinden sich in der Pubertät oder treten in diese Entwicklungsphase ein. Dies hat Auswirkungen sowohl auf die Beziehungen der Jugendlichen untereinander im schulischen wie im privaten Umfeld als auch auf die Einstellung und das Verhalten gegenüber den Erwachsenen. Wenn in diesem Alter mitunter große Stimmungsschwankungen auftreten oder rigide Positionen vertreten werden, so ist dies ein Spiegel der Unsicherheit in dieser Phase des Umbruchs.
Gleichzeitig vollzieht sich bei vielen der Übergang vom anschaulichen zum abstrahierenden Denken, was ihnen ein zunehmend systematisches Herangehen an Frage- und Aufgabenstellungen ermöglicht und sie Gesetzmäßigkeiten leichter wahrnehmen und beschreiben lässt.
Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit beginnen sich nun stärker auszuprägen.

Jahrgangsstufe 8:

In dieser Jahrgangsstufe zeigt sich ein häufig sehr uneinheitliches Bild bei den Jugendlichen. Entwicklungsunterschiede, insbesondere zwischen Mädchen und Jungen, werden sichtbar hinsichtlich Selbständigkeit, körperlicher Entwicklung sowie emotionaler und sozialer Reife.
Viele Schüler suchen stärker als bisher nach Orientierung und Identität, nicht selten zeigen sie auch Verhaltensauffälligkeiten. Sie beginnen, bisher Akzeptiertes grundsätzlich infrage zu stellen sowie eigene Standpunkte zu entwickeln und zu vertreten. Zudem ist vielfach ein wachsendes Interesse an Kausalzusammenhängen und differenzierteren Fragestellungen zu beobachten.

Jahrgangsstufe 9:

Die meisten Schüler dieser Jahrgangsstufe entwickeln eine wachsende Bereitschaft zur Reflexion und damit einhergehend in steigendem Maß die Fähigkeit zu logischer Argumentation.
Im Selbstbild oft noch schwankend, neigen viele Jugendliche dieser Altersstufe, z. B. infolge mangelnder Akzeptanz der eigenen Körperlichkeit, zu scheinbar widersprüchlichen Gefühlen und Verhaltensweisen: Einerseits wollen sie ernst genommen werden, wollen mitreden und zeigen den zunehmenden Drang, sich selbständig mit Problemen und eigenen Wegen der Problemlösung auseinanderzusetzen. Andererseits wird der Einsatz für schulische Belange häufig je nach Neigung dosiert zugunsten außerschulischer Interessen. Tradierte Werte und Autoritäten werden immer mehr infrage gestellt; die Abgrenzung von der Erwachsenenwelt ist deutlich. Das Interesse an weltanschaulichen und politischen Fragen wächst.

Jahrgangsstufe 10:

In dieser Altersstufe zeigen die jungen Menschen in der Regel ein zunehmendes Bewusstsein für die Konsequenzen des eigenen Handelns; ihr Verantwortungsbewusstsein bildet sich weiter aus. Noch spielt die Anpassung an die Gruppe eine wichtige Rolle, jedoch gewinnt das Eingehen partnerschaftlicher Bindungen eine größere Bedeutung. Diese Veränderungen beeinflussen häufig das Interesse am schulischen Lernen. Die Auseinandersetzung mit Autoritäten dient auch als Mittel zur Selbsterfahrung.
Die Aufgeschlossenheit gegenüber logischer Argumentation sowie das Interesse an komplexen Zusammenhängen und Sinnfindung wachsen mit der Selbständigkeit im Denken: Prioritäten werden immer mehr nach eigenen Wertmaßstäben gesetzt, was manchmal mit Fehleinschätzung, auch der eigenen Person, verbunden sein kann.

Jahrgangsstufe 11/12:

Mit der gestiegenen geistigen Leistungsfähigkeit in den letzten beiden Jahrgangsstufen am Gymnasium geht bei den meisten Schülern ein zunehmend selbständigeres Denken und Arbeiten sowie ein zielgerichteteres und verantwortungsbewussteres Handeln einher.
In diesem Zusammenhang kristallisiert sich bei ihnen eine große Bereitschaft und Offenheit heraus für psychologische und philosophische Fragen, die das Selbst- und Weltverständnis betreffen. Sie differenzieren ihre bisherigen Wertvorstellungen weiter aus, auch im Hinblick auf die eigene Lebensplanung (Ausbau eines eigenen sozialen Netzes, beginnende Ablösung vom Elternhaus, Berufs- und Studienwahlentscheidung). Bei vielen Schülern gewinnen das strategische Verhalten in Bezug auf die Schule und außerschulische Aktivitäten weiter an Bedeutung.

Die unteren Jahrgangsstufen sehe ich ganz gut getroffen. Die höheren sind vielleicht etwas optimistisch. Wie ist denn das gemeint: “Bei vielen Schülern gewinnen das strategische Verhalten in Bezug auf die Schule und außerschulische Aktivitäten weiter an Bedeutung”? Ist das tatsächlich als Eupehmismus zu verstehen für: “Schule ist weniger wichtig als der Nebenjob und Partys und man macht nur das Nötigste” oder war das anders gemeint? Das muss doch wohl anders gemeint gewesen sein, oder?

Für jedes Fach gibt es für jede Jahrgangstufe eine eigene Beschreibung. Hier nur ein Beispiel, alle Lehrpläne hier.

Fachspezifische Erwartungen

Deutsch 12:

Im Deutschunterricht der abschließenden Jahrgangsstufe des Gymnasiums vertiefen die Schüler ihre sprachlich-literarische und geistesgeschichtlich-kulturelle Bildung; sie stellen eigene Erfahrungen und Einstellungen in größere Zusammenhänge und finden dadurch zu fundierten Standpunkten und Werthaltungen.
Die Schüler verstehen, analysieren und nutzen Sprache zunächst als Medium zwischenmenschlicher Kommunikation; sie üben sich in den unterschiedlichen Formen des Vortragens und des Gesprächs, stärken ihr Selbstvertrauen in der Anwendung ihrer rhetorischen Fähigkeiten und entwickeln Freude an mündlicher Sprachgestaltung.
Erschließende und argumentative Formen des Schreibens stellen für die Schüler sicher beherrschte Mittel dar, ein eigenes, durchdachtes Verständnis von literarischen Texten und Sachtexten zu formulieren und mitzuteilen sowie Thesen und Positionen abwägend und wirksam darzulegen. Die in den Vorjahren erworbenen soliden orthographischen, grammatischen und stilistischen Fertigkeiten bilden hierfür eine unverzichtbare Voraussetzung.
Die jungen Erwachsenen erfahren auch, dass Sprache das wichtigste Medium für die Teilhabe am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben ist. Sie erweitern ihr Verständnis von Sprache und erkennen deren Leistung ebenso wie ihre Offenheit für Veränderungen und die Notwendigkeit von Normierungen.
Bei der wissenschaftspropädeutisch ausgerichteten Behandlung literarischer Werke vor allem des 20. Jahrhunderts erwerben die Schüler Aufgeschlossenheit für Themen und Stoffe der Literatur, erschließen sich weitere kulturelle Zusammenhänge und erweitern ihren literaturhistorischen Orientierungsrahmen. Offenheit für Fragen der Ästhetik und eine ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit werden zur Basis für eine differenzierte Weltsicht und für die Identitätsfindung, aber auch für eine lebenslange Lesebereitschaft. Die methodenbewusste Beschäftigung mit anspruchsvollen Sachtexten verhilft den Schülern dazu, sich reflektierend mit den eigenen Wertvorstellungen wie mit fremden Standpunkten und Fragen von grundsätzlicher Bedeutung auseinanderzusetzen und sich für die Gestaltung der eigenen Lebenswelt zu engagieren.
Elektronische Medien werden als Werkzeug der Information und Kommunikation geläufig verwendet. Die erworbene Medienkompetenz stützt sich besonders auf ethische und ästhetische Beurteilungskriterien. Die Schüler erkennen und erfahren den wesentlichen Beitrag, den die Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit und eine prinzipielle Offenheit für Fragen der Ästhetik für die Persönlichkeitsbildung und das Weltverständnis leisten.

Nachtrag: Es gibt keinen aktuellen Anlasse für diese Zusammenstellung. Meine Gedanken haben angefangen als Kommentar bei einem Skolnet-Blogeintrag.

Alles über: Anrechnungsstunden

Anrechnungsstunden sind eine heimliche Währung der Schule. Es gibt sie auch außerhalb Bayerns, dort heißen sie so ähnlich.* Wenn ein Lehrer eine Anrechnungssstunde hat, muss er dafür eine Unterrichtsstunde weniger geben – und hat dafür eben eine andere Aufgabe gekriegt.

Der Schulleitung – zumindest am Gymnasium, die Spielräume an anderen Schularten sind kleiner – steht eine bestimmte Anzahl von Anrechnungsstunden zur Verfügung, abhängig von der Schülerzahl. Genaue Daten sind schwer zu bekommen. Diese Stunden kann sie an Lehrer verteilen. Von den Stunden sind einige verbindlich festgelegt. Die Schulleitung hat zum Beispiel feste Anrechungsstunden, so dass sie – abhängig von der Schulgröße – nur noch vier oder nur zwei Unterrichtsstunden halten muss. Weiterhin gibt es eine feste Anzahl von Stunden – wiederum abhängig von der Schulgröße – gemeinsam für die Mitarbeiter der Schulleitung (darunter den Stellvertreter) und die Oberstufenbetreuer. Das sind, sagen wir mal, um die 40 Anrechungsstunden, aber wie die auf die beteiligten Personen verteilt werden, liegt im Ermessen der Schulleitung. Auch für die Personalräte gibt es zusammen eine bestimmte Anzahl von Anrechungsstunden, ebenso für die Verbindungslehrer. Feste Stunden gibt es auch für Seminarlehrer, Praktikumslehrer, Beratungslehrer, wohl auch Schulpsychologen. Wer sonst ein explizites Anrecht auf Anrechnungsstunden hat, weiß ich nicht – diese Informationen sind in jahrzehntealten KMBeks vergraben.

Übliche Verdächtige für weitere Anrechungsstunden sind: Mitarbeiter beim Jahresbericht oder bei der Homepage, Suchtbeauftragte, Medienwart, Fachbetreuer, Systembetreuer, Bibliotheksbetreuer, Sammlungsleiter, Stundenplanersteller, Unter- und Mittelstufenbetreuer, Vertretungsplaner. Das kann man im Prinzip für jede Art Aufgabe verteilen, die so anfällt. Man kann manche dieser Arbeiten auch unhonoriert lassen, dann werden sie natürlich weniger fröhlich oder gar nicht erledigt.
Welche Aufgabe mit wieviel Anrechungsstunden honoriert wird, ist von Schule zu Schule teilweise sehr verschieden. Ein Grund ist sicher die jeweils unterschiedliche Situation vor Ort, aber auch die Tradition spielt eine gewisse Rolle. Klar ist natürlich, dass keine Anrechungsstunden für Aufgaben verteilt werden, die originär zur Schulleitung und deren Mitarbeitern gehören, denn die sind ja schon mit dem festen Pool abgegolten.

(Es gibt dazu gelegentlich noch Anrechungsstunden, die aus einem anderen Pool als dem der Schule stammen. Zum Beispiel haben die Ministerialbeauftragten in ihrem Etat auch eine Anzahl davon, die sie Mitarbeitern an den Schulen zukommen lassen.)

Allen Schulen gemein ist der begrenzte Vorrat an Stunden. Allen Lehrern gemein ist die Überzeugung, mehr zu arbeiten als man eigentlich sollte. Tatsächlich ist auch die Mehrarbeit, die man mit manchen Jobs hat, durch die dafür gewährten Anrechungsstunden nicht ausgeglichen. Das bringt mich – als wäre es zufällig – zu meiner eigentlichen Frage: Wieviel muss ich eigentlich arbeiten für so eine Anrechungsstunde? Wieviel Arbeit macht, so rein zeitlich, eine 45-Minuten-Unterrichtsstunde eigentlich im Jahresschnitt, deren Äquivalent die Anrechnungssstunde doch ist?
In meinem Referendariat war ich in einer Schule mit angeschlossenem Internat. Dort galten 120 Minuten Hausaufgabenaufsicht als Entsprechung einer Unterrichtsstunde. Sagen wir mal, 110 Minuten Arbeit pro Woche sollten schon drin sein. Das wären dann bei einem Lehrer, der nur Anrechungsstunden hat, 44 Stunden Arbeitszeit pro Woche – das gilt größenordnungsmäßig auch für einen Lehrer, der gar keine Anrechungsstunden hat. In den Ferien ist dann ja weniger.

Aber so einfach rechnen kann man vielleicht nicht immer. Ich kriege zum Beispiel eine Anrechungsstunde dafür, dass ich in diesem Jahr Fortbildungen gebe, sagen wir acht Stück davon, ganztägig, diese vorbereite und die Teilnehmer im Blended-Learning-Verfahren online betreue. Außerdem fahre ich dafür selber auf Fortbildungen. Wieviel Arbeits-/Anrechungsstunden entspricht das? Hängt das davon ab, ob die Fortbildungen an einem ansonst freien Tag sind oder ob meine regulärer Unterricht ausfällt, was man ja bei der Planung noch nicht wissen kann?
Und zuletzt kann mit Anrechungsstunden theoretisch auch besondere Qualifizierung honoriert werden – da greift in ganz kleinem Rahmen die Marktwirtschaft: wenn nur einer an der Schule sich mit einem Arbeitsgebiet auskennte, könnte der den Preis dafür in Anrechungsstunden in gewissen Grenzen aushandeln.

* Zum Beispiel Abminderungsstunden. Oder in Österreich: Dort wird wohl allgemein mit “Werteinheiten” gerechnet. Interessant, wusste ich noch nicht. Ein Lehrer muss, glaube ich, zwanzig Werteinheiten pro Woche leisten, dabei entspricht eine Stunde Deutsch oder Englisch 1,167 WE und eine Stunde Chemie 1,050 WE. Sport ist 0,955 WE und und Bühnenspiel und Chorgesang nur 0,875 WE. Warum erfahre ich das erst jetzt? Das ist differenzierter als in Bayern, wo man im Aufwand nur zwischen Unter-/Mittelstufen-Sport, -Musik, -Kunst auf der einen und allen anderen Fächern und Wahlunterrichten auf der anderen Seite unterscheidet. In anderen Bundesländern (und dem von mir frequentierten Lehrerforum) gilt sogar: Du Sollst Alle Fächer Gleich Behandeln.

Personalratswahlen

Dieses Jahr gibt es wieder Wahlen für den Personalrat – den Bezirkspersonalrat, vor allem aber den örtlichen Personalrat an den Schulen. Bei unserer Größe können wir fünf Personalräte wählen. Gewählt wird für fünf Jahre. Als Entlastung gibt es ab 100 Beschäftigten (nicht: Lehrern) drei Anrechnungsstunden, die die gewählten Personalräte unter sich verteilen können.

Das ganze ist sehr amtlich. Ich kriege gerade wöchentlich Unterlagen über die Durchführung der Wahlen – wer kann gewählt werden, wer ist stimmberechtigt, wer muss wann mit welchem Formblatt worüber benachrichtigt werden. Glücklicherweise brauche ich die nur an den Wahlvorstand weiterzugeben, der die Wahlen an der Schule durchführt. Heute erst habe ich Reklame bekommen für eine Loseblattsammlung samt Ordner für knapp 90 Euro, einschließlich kostenfreien Zugang zu einem Expertenforum.

Die Termine, etwas vereinfacht: Bis Mitte März 2011 müssen sich Kandidaten beim Wahlvorstand gemeldet haben, Mitte Mai 2011 werden die Wahlen durchgeführt.

Ich hätte gerne volle fünf Personalräte. Am besten junge und alte, aus allen Fächern, also nicht nur Deutschlehrer. Konziliante und polarisierende, überlegte und forsche. Frauen und Männer, Vollzeitlehrer und Nebenerwerbspädagogen, Faule und Fleißige. (Als Einzelner hätte ich selber zum Beispiel ja Schwierigkeiten, die Interessen aller dieser Gruppen gleichermaßen zu vertreten.) Am liebsten hätte ich so viele Kandidaten, dass sich die Wahlberechtigten genau die heraussuchen können, die sie wollen. Und die kriegen sie dann.

Ich habe jedenfalls schon mal meinen Hut in den Ring geworfen und ein Plakatchen im Lehrerzimmer aufgehängt:

Drumherum weitere Plakate:

Inzwischen werden schon rege Kandidaten diskutiert.

Warum kandidieren für den Personalrat? Man kriegt Einblicke in Abläufe und kann deshalb beraten. Man kann auch nicht viel mehr tun als jeder andere Lehrer, aber man ist und fühlt sich verpflichtet, das auch zu tun.

Warum nicht kandidieren? Manche halten sich für nicht geeignet, anderen ist das zu unwichtig, weitere sind überzeugt, bereits genug zu tun zu haben.

Gedanken eines Lehrers in den mittleren Dienstjahren

Ich muss mir angelegentlich mal Gedanken machen, ob ich Karriere machen will, oder was man statt Karriere als Beamter an der Schule halt so hat. Seit über einem Dutzend Jahren bin ich Vollzeitlehrer, bin mit meinen Fächern vertraut, bin mit Paragraphen und Verordnungen und Instanzen vertraut, kenne die Abläufe an meiner Schule, habe mit wechselndem Erfolg alle möglichen Aufgaben an der Schule erledigt und bin zur Zeit Junior-Fachbetreuer und Personalrat. Und ich habe noch zwanzig bis fünfundzwanzig Schuljahre vor mir. Das ist so das Dienstalter, in dem man sich Gedanken macht.

Was fange ich in dieser Zeit an? Die eine Option ist die, dass ich daran arbeite, ein – von mir aus: noch – besserer Lehrer zu werden. Damit kann ich meine Jahre ganz bestimmt ausfüllen, quasi Lebensaufgabe.
Oder ich strebe eine Wichtige Stelle an.

Mir fallen drei Gründe ein, Wichtige Stellen anzustreben: weil man da mehr Einfluss hat und Schule vielleicht mitgestalten kann, weil einem das eine gewisse Bestätigung gibt, und weil man dann mehr Geld kriegt. (Dann wird man nämlich irgendwann mal Studiendirektor und kriegt mehr Pension.)

— Allerdings kann man seine Schule auch außerhalb solcher Positionen sehr weit gestalten. Ich bastle recht viel an meiner Schule herum und freue mich sehr daran. Aber das sind zum größten Teil Arbeiten, die ich freiwillig erledige und jederzeit aufgeben kann, wenn ich keine Lust mehr habe oder wenn mir jemand dumm kommt. Wer eine Wichtige Stelle hat, der muss diese Arbeiten erledigen. (Also, theoretisch.) Maik, das ist wieder dein Konzept der ideellen Macht.

— Bestätigung ist tatsächlich etwas sehr Wichtiges. Und die Bestätigung durch eine Position ist wohl nicht zu verachten. Ich selber brauche sehr viel Bestätigung. Glücklicherweise sehe ich mich in der Lage, diese Bestätigung aus den verschiedensten, nicht unbedingt leicht nachzuvollziehenden Quellen zu schöpfen: dem Spaß an den Schülern und dem Unterricht, meinem Blog, den Büchern in meinem Regal, den Büchern auf meinem Nachttisch, meinem umfassenden Wissen über amerikanische Radioserien der 1930er bis 1950er Jahre und über die Geschichte der Marvel-Comics, meinen Rollenspielerfahrungen, ganz vor allem der Anerkennung durch Frau Rau. Da spielt die Schulhierarchie keine so große Rolle mehr.

— Das Geld wäre allerdings schon schön. Nicht für jetzt, bewahre, nur für die Pension natürlich. Aber das sind doch noch über zwanzig Jahre!

Warum ich gerade auf diese Gedanken komme: wenn auch das Kollegium an meiner Schule ein eher junges ist, so gibt es doch einige Kollegen mit wichtigen Positionen, die in absehbarer Zeit in Pension gehen. Die Fachbetreuung für das eine Fach (keines von meinen), die Fachbetreuung für das andere Fach (auch keines von meinen). Für die Nachfolgerrolle positionieren sich natürlich die in Frage kommenden Kandidaten.

Fußnote: Liebe nichtlehrende Mitleser, verachtet uns nicht zu sehr. Wie in jedem Laden, in dem die gleichen Kollegen Jahrzehnte miteinander verbringen, verbringen wir unsere Zeit auch mit solchen Spielchen, wenn wir erst einmal zehn Jahre auf dem Buckel haben.

Auch andere Positionen werden in absehbarer Zeit neu besetzt werden. Was gibt es für derartige Positionen an einer Schule? Mittel- und Unterstufenbetreuer: Nicht das meine. Oberstufenkoordinator (vormals Kollegstufenbetreuer): Geht schon mal gar nicht, da müsste ich ja bei Abistreichen mitmachen. Schulleitung: dafür braucht man erst andere Jobs, wird aber sogar Oberstudiendirektor. Nichts für mich. Vertreter der Schulleitung oder Mitarbeiter im Direktorat: bis vor kurzem hätte ich nicht darüber nachgedacht, jetzt ertappe ich mich dabei, das doch zu tun, also zumindest nachzudenken. Der Nachteil: ich müsste regelmäßig auf Konzerte und Theatervorführungen und so. Ich telefoniere auch nicht sehr gern. Aber jemand mit Computerkenntnissen in der Schulleitung könnte einige Prozesse noch optimieren.

Oder ich könnte mich nicht ganz so hoch strecken und Teil der mittleren Führungsebene werden wollen. So etwas wird nämlich in Kürze eingeführt und läuft bereits an einigen Schulen versuchsweise als sogenannte Modus-Maßnahme. Was ich davon gehört habe, klingt aber eher fade. Jedenfalls müsste ich mir bald Gedanken machen, da der Termin für die Anmeldung zu Fortbildungen für diese Aufgabe bereits nahe rückt.

Ich schätze, ich werde mal um ein Mitarbeitergespräch mit der Schulleitung bitten und Frau Rau fragen. Obwohl, was mir ja das liebste wäre, wäre ein Jahr Praktikum in irgendeiner Computerfirma da draußen. Wenn sich da eine Möglichkeite fände… ist aber dienstrechtlich ein Problem; ich darf nicht so einfach ein Jahr Urlaub nehmen und während dieser Zeit arbeiten. Ist nicht vorgesehen.

In den Ferien getrieben 1: Unterrichtsverteilung anschauen

Etwas technischer heute, gerne zu überspringen.

Eine Aufgabe der Personalräte ist es, einen Blick auf die Unterrichtsverteilung für das kommende Schuljahr zu werfen. Dies geschieht für den Fall, dass man Vorschläge hat, wie sich noch etwas verbessern lässt; für den Fall, dass man Bedenken vorbringen möchte; für den Fall, dass etwas übersehen wurde. Die endültige Entscheidung liegt natürlich bei der Schulleitung.
Dieses Jahr habe ich mir die Verteilung besonders gründlich angeschaut, um währenddessen Notizen zu machen. Denn Ende des kommenden Schuljahres werden nämlich die Personalräte neu gewählt, und eventuellen Nachfolgern will ich Unterlagen hinterlassen können, worauf man achten muss. (Ich weiß nicht, ob ich wieder kandidieren werde.) Ein paar dieser Notizen will ich auch hier festhalten.

An allen Schulen, die ich kenne, geben Lehrer in mehr oder weniger organisierter Form Wünsche ab, welche Klassen oder Jahrgangsstufen sie im kommenden Jahr unterrichten wollen. Die Bio- und Chemielehrer – zwei Fachschaften, die aus nicht allzu vielen Lehrern bestehen, die noch dazu zum Großteil diese beiden Fächer unterrichten – können fast ihren ganzen Unterricht verplanen. Bei Fachschaften wie Deutsch geht das kaum, weil die Deutschlehrer als weiteres Fach Geschichte oder Erkunde haben, Sport oder Latein, Englisch oder Französisch, und manchmal auch Informatik. Das lässt sich nicht alles vorher verplanen. Trotzdem, einige Wünsche werden mehr oder weniger gebündelt abgegeben, und die Schulleitung hält sich mehr oder weniger an diese Vorschläge. Unsere Schulleitung, einmal will ich sie loben, nimmt diese Wünsche sehr ernst und versucht, sie so gut es geht zu erfüllen.

Wenn ich als Personalrat die Verteilung anschaue, achte ich unter andererm auf folgende Punkte. Eigentlich überflüssig zu erwähnen: auch die Schulleitung hat sich natürlich Gedanken um genau diese Punkte gemacht. Aber noch mal aus einer anderen Perspektive drüberschauen kann nicht schaden.

  • Wofür gibt es wieviele Anrechnungsstunden? Manche davon sind vorgeschrieben (etwa für die Personalräte: bei 50-99 Beschäftigten an der Schule insgesamt 2, bei 100-149 Beschäftigten insgesamt 3 Anrechnungsstunden), andere sind Spielraum für die Schulleitung, mit dem sie Zusatzaufgaben abgleichen kann. Fest ist auch die Stundenzahl für den Stellvertreter, die Mitarbeiter im Direktorat und die Oberstufenkoordinatoren: bei 1261-1320 Schülern sind das 40 Stunden, die auf diesen Personenkreis verteilt werden.
  • Sind manche Lehrer nur in einem ihrer meist zwei Fächer eingesetzt? Haben Lehrer viel arbeitsintensive Klassen, also Deutsch oder – in geringerem Maß – Physik?
  • Intensivierungsstunden und Wahlunterrichte: wie sind die verteilt?
  • Bietet sich ein Tausch von Lehrern an? Manchmal ist ein Lehrer mit zwei verschiedenen Fächern in zwei verschiedenen Klassen derselben Jahrgangsstufe eingesetzt. Ist es da sinnvoll, zu tauschen, so dass er beide Fächer in derselben Klasse unterrichtet? (Manchmal ja, manchmal nein.) Gibt es schwierige Klassen, in denen nur unerfahrene Kollegen sitzen?
  • Unterrichtet auch jeder Lehrer so viel, wie muss? (Oder bei Teizeitlehrern: will.)

Die letzte Frage ist aus den Unterlagen gar nicht so leicht zu entscheiden. Da steht nämlich zum Beispiel (erfundene Zahlen):

Rau vz 24: 6a E 4, 6a E2, ..., bUw Sga 1 (20 Stunden)

Das bedeutet:

  1. Ich arbeite Vollzeit und habe eine Unterrichtspflichtzeit UPZ von 24 Stunden. Die UPZ hängt allein vom Alter ab: bis zum 50. Lebensjahr 24 Stunden, bis zum 60. Lebensjahr 23 1/2 Stunden, darüber 23 Stunden pro Woche.
    Bei den Fächen Kunst, Musik, Sport in Unter- und Mittelstufe muss man in Bayern mehr unterrichten: 28 bzw. 27 1/2 bzw. 27 Stunden. Wenn man zugleich in einem anderen Fach eingesetzt ist, reduziert sich das wiederum, so dass die UPZ auch mal 25 (27) sein kann, also 25 Stunden statt ursprünglich 27. Weiterhin gibt es Sonderregeln für Schwerbehinderung. Die 23 1/2 Stunden bedeuten: im einen Jahr 24, im anderen 23 Stunden, abwechselnd.
  2. Ich bin in der Klasse 6a im Fach E mit 2 und im Fach E2 mit 2 Stunden eingesetzt. E ist Englisch, und E2… Intensivierungsstunde Englisch.
  3. Ich unterichte das Fach Sga mit 1 Stunde, und das ist ein bUwbesonderer Unterricht wissenschaftlich. Wahluntericht Schulgarten, auf Deutsch. Es gibt auch noch bUp und bUf, und manche Wahlunterrichtsbezeichnungen, die sich kaum erschließen lassen. Nachfragen bei erfahrenen Kollegen.
  4. Ich bin in 20 Stunden eingesetzt. Moment, habe ich nicht eine UPZ von 24? Ja, aber nicht eingerechnet sind Anrechnungsstunden, die muss man von der UPZ abziehen. Nicht eingerechnet ist eventuell eine Teilabordnung an eine andere Schule, die muss man auch abziehen. Nicht eingerechnet ist – je nach Alter – eine Stunde Arbeitszeitkonto AZK, die muss man dazuzählen. Oder ab 2011/12 abziehen, zumindest bei manchen Kollegen. Nicht eingerechnet ist zuletzt die Altersermäßigung: ab dem 58. muss man eine Stunde weniger unterrichten, ab dem 60. sind es zwei Stunden, ab dem 62. drei Stunden. Außer man spart sich diese Altersermäßigung im Blockmodell auf.
    Kompliziert? Hier als Grafik:

    (Quelle)
    (neuere Fassung))
    (Neueste Fassung

Erstellt wird die Unterrichtsverteilung mit einem notorischen Programm. Die Suite heißt WinSV, das Schülerverwaltungsmodul WinSD und das Lehrermodul WinLD. Ich schimpfe oft über das Programm. Aber immerhin stellt Bayern seinen Schulen ein solches Programm zu Verfügung; andere Bundesländer haben gar keines oder eines, das mehr Ärger bringt als Nutzen. Seit vielen Jahren ist der Nachfolger von WinSV angekündigt. Wenn genügend Leute daran glauben, wird er kommen, so heißt es.

Wenn die Personalräte sich die Unterrichtsverteilung angeschaut haben und Fragen offen sind, gehen sie zur Schulleitung und sprechen darüber. Echte Fehler kommen dabei kaum vor, meistens fehlen nur Informationen, um bestimmte Punkte einordnen zu können.