Schlagwort: Alltag

Kleinigkeiten aus der Schulwoche

Einer Schülerin, die technische Probleme hatte, als es darum ging, Software für den Informatikunterricht auf dem Rechner zu Hause zu installieren, habe ich einen Informatikunterricht-USB-Stick zusammengestellt. Darauf ist ein Linux (Mint) mit Speicherplatz für Dateien und die vorinstallierte Informatik-Software (also eigentlich BlueJ bisher). Der Rechner zu Haus eist ein Laptop, Booten von USB ist erlaubt – und die Schülerin lernt so gleich mal ein bisschen Linux kennen.

Eine unserer Referndarinnen hat mir erzählt, dass ihr im Seminar mein Blog hier zum Lesen empfohlen wurde. Da habe ich mich natürlich sehr gefreut.

Oberstufe: Von 21 Schülern haben nur 2 ihren Übungsaufsatz nicht abgegeben. Wenn ich alle gekriegt hätte, hätte es einen eigenen Blogeintrag dazu gegeben.

Inverted Classroom, zur Erinnerung: Statt dass der Lehrer einen Vortrag über den neuen Stoff hält und die Schüler dann zu Hause üben, den neuen Stoff umzusetzen, zeichnet der Lehrer seinen Vortrag auf Video auf und lässt ihn die Schüler vorab zu Hause ansehen – so dass in der Schule geübt werden kann, den neuen Stoff umzusetzen.
In der Praxis ist ein Problem, dass Lehrer nicht so oft solche Vorträge halten, wie man meint, und ein zweites, dass die Schüler sich den Film zu Hause dann halt doch genauso gründlich ansehen, wie sie sonstige Arbeiten zu Hause erledigen.
Im Informatikunterricht in der Oberstufe praktiziere ich die einfachere Form davon: Zumindest ab und zu sollen sich die Schüler die Seiten mit dem neuen Stoff im Buch vorher durchlesen, als vorbereitende Hausaufgabe. Denn ich denke mir, dass a) die Seiten auch allein zu verstehen sind und b) meine Erklärungen dann leichter zu verstehen sind, wenn ich nichts so gar Neues erzähle. Und so istes auch, ich musste mir schon zweimal ein verwundertes “Aber das wissen wir doch schon” anhören, von Schülern nämlich, die so vorbereitet waren. Dann kann ich die Erklärphasen nämlich kurz halten, so dass die Schüler mehr zu Ausprobieren und Programmieren kommen.

(Jetzt erst mal die Deutschaufsätze korrigieren. Eine Woche Herbstferien.)

Webfilter für die Schule – Bildung, Erziehung, Aufklärung

An den meisten Schulen dürften Filter installiert sein, damit man verhindern kann, dass Schüler bestimmte Webseiten erreichen. Zumindest in Bayern ist eine Filterung nicht vorgeschrieben, aber irgendwie muss auf jeden Fall überwacht werden, dass Schüler nicht auf ungeeignete Seiten kommen, und so ein Filter unterstützt die Lehrkräfte, die das nicht durch Präsenz oder Unterrichtsorganisation können. Ich bin eher gegen Filterung für meine Schulart – zumindest solange Schüler nicht ohne Aufsicht an Rechner dürfen, dann müsste ich noch einmal darüber nachdenken.

Man kann entweder über eine Whitelist filtern, so dass nur bestimmte Seiten erlaubt und alles andere verboten ist, oder über eine Blacklist, so dass man bestimmte Seiten ausschließt. Kein Systembetreuer kann selber sinnvoll eine Blacklist erstellen, dafür gibt es zentrale Sammlungen von zu sperrenden Seiten. Eine solche ist die der Firma TIME for kids, die Filtersoftware für Schulen vertreibt. Die Firma fasst Seiten zu Kategorien zusammen, so dass man ganze Kategorien sperren oder zulassen lassen. Ein Schüler hat mal geschaut, in welcher Kategorie mein Blog ist: immerhin in “Bildung / Erziehung / Aufklärung”. Ein anderes Blog, für das ich ein bisschen den Admin mache, steht unter “Allgemeine Geschäftstätigkeiten”, was so was von gar nicht passt. Die eigene Schulhomepage ist übrigens “Nicht verfügbar oder zu keiner Kategorie passend.”

(Hm. Alle anderen selbst gehosteten Lehrerblogs, die ich getestet habe, gehören zu “Allgemeine Geschäftstätigkeiten”, nur die Sachen bei Blogspot oder WordPress.com kommen in die Blog-Kategorie.)

Unter http://www.cobion.de/support/techsupport/urlcheck/url-report-tfk.asp kann man die Kategorie einer URL überprüfen und Änderungsvorschläge machen. Aber macht mir nicht meine schöne Bildungswertung kaputt!

(Dass ich niemandem verrate, wo mein privater Proxy ist, mit dem ich den Filter umgehen, uh, könnte, ist eh klar.)

Wandertag in der Glyptothek

Mit dem Deutsch-Leistungskurs bin ich regelmäßig in die Glyptothek gegangen, zum Thema Klassik, vielleicht auch zu einem abendlichen Vortrag. (Dann fällt auch nichts aus für die Kollegen.) Seit Jahren war ich nicht mehr dort, aber heute war Wandertag der Q11, ich ging mit dem Kunstkurs mit, und der ging tatsächlich dorthin. Ich durfte meine Sprüchlein zu archaischer, klassischer und hellenistischer Plastik loswerden, aber hauptsächlich ging es darum, dass die Schüler zeichneten. Diesen archaischen Jüngling etwa:

glyptothek_2014_1

Und ich musste auch mitzeichnen. Hier mein Ergebnis:

glyptothek_2014_2

Bin so mittel zufrieden. Die Schülerergebnisse, das freut mich, waren besser als meins, aber mit den Füßen und dem linken Arm hatten wir allen Probleme. Îch werde jedenfalls nicht den Beruf wechseln.

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So ein archaischer Jüngling heißt Kuros (Plural Kuroi). Der hat ein feines Lächeln im Gesicht, aber keine individuellen Züge, will heißen: die sehen irgendwie alle gleich aus. So ein Kuros steht ganz gerade da, ein Fuß etwas weiter vorn, aber Schultern und Körper ganz gerade.

Die Klassik arbeitet dagegen mit Spielbein und Standbein, da ist ein Knick in Hüfte und Schulter. Die Züge sind aber auch nicht individuell, sondern idealisiert. Ein paar Schüler haben auch so etwas gezeichnet:

glyptothek_2014_4

Und danach gibt es die hellenistische Epoche – realistischer, mit Kleidung, mit individuellen Charakterzügen. Das ist die Zeit, von der die deutsche Klassik so schwärmt. In der Glyptothek gibt es den berühmten Barberinischen Faun, ohne Bocksfüße, aber sehr lasziv. Daneben gibt es hier noch die trunkene Alte und einen Knaben mit der Gans.

Internet in der 8. Klasse (und dann nur Internet)

Die Schüler haben gekichert, als ich erwähnte, dass ich bei Twitter bin.

(Wie wir darauf kamen: Es ging um Zeitung. Zuerst einfach mal eine Stunde lesen; dann um die einzelnen Ressorts, die Textsorten, den Weg vom Ereignis in die Zeitung; schließlich um gegenwärtige Finanzierung von Zeitungen und ihre Zukunft. Da waren wir dann auch schon beim Internet und alternativen Nachrichtenquellen.)

Was war daran so witzig? Auch Nachfrage wohl einfach, dass social media so gar nicht zu Lehrern passt. Ja, etliche Kollegen sind bei Facebook, aber Twitter ist wieder etwas anderes.
Dann haben wir uns über das Internet unterhalten. (Diese Art Stunde halt. Schuljahresende, ein guter Teil der Schüler eh nicht da.) Warum ich Twitter für cooler halte als Facebook. Was Netzneutralität ist. Warum ich Internet für wichtig halte.

Da habe ich natürlich auch fallen lassen, dass das Internet ein gar so neues Medium nicht ist, wie es in Erörterungs-Aufgabenstellungen meist verkauft wird. Dass ich meine erste Webseite hatte Jahre vor der Geburt der Schüler, dass ich blogge seit vor der Erfindung von Youtube. (Mein Blog erwähne ich in der Schule sonst nicht oft.)

Mehr überrascht als ungläubig kam dann eine Frage, die mir bezeichnend schien: “Kann da jeder einfach so irgendeine Seite ins Internet stellen?” Das hat die Schüler überrascht. Meine Schlussfolgerung: Sie kennen Facebook und Twitter und erinnerten sich sogar noch an Lokalisten und SchuelerVZ. Aber das man einfach so und für gar nicht viel Geld einfach so seine eigene Webadresse haben und mit Inhalt füllen kann, das war den Schülern nicht bewusst.
Ich glaube, vor fünf Jahren war das noch anders. Da hatten die Leute noch Homepages. Da wussten die Schüler eher, dass man auch ohne Soziale Medien, also selber, eine Webseite haben kann. Zugegeben, wer das hatte, wurde belächelt, wer brauchte so etwas schon?

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Neues aus dem Internet:

(1) Lügen für das Leistungsschutzrecht (7) Letztes Jahr hat der Bundestag ein von vielen Seiten kritisiertes “Leistungsschutzrecht” beschlossen, das Google verbietet, Texte aus Zeitungswebseiten in bestimmter Form zu verwenden, wenn nicht dafür gezahlt wird. Jeder weiß hoffentlich, dass jede Zeitungswebseite Google ganz einfach daran hindern kann, ihre Seiten zu verwenden. Machen wir bei unserer Schulhomepage auch so, Google kennt deren Inhalte nicht. Aber die meisten Verlage wollen ja, dass Google ihr Material verwendet, nur zahlen muss es dafür müssen. Im Moment verlangt Google von den Zeitungen die kostenlose Erlaubnis, sonst wird es das Material nicht verwenden. Darüber klagen jetzt die Verlage und vergleichen das mit einer Art Erpressung. Also was jetzt?

(2) Im Mai 2014 hat der europäische Gerichtshof entschieden, dass Google gezwungen werden kann, Suchergebnisse bei bestimmten Fragen nicht anzuzeigen. Und zwar: Wenn eine Person mal etwas Dummes gemacht hat, und das schon einige (wenige) Jahre her ist, und darüber steht etwas auf einer Webseite, dann darf Google auf Antrag (eventuell) diese Seite nicht mehr in den Suchergebnissen anzeigen, wenn nach der Person und der dummen Sache gesucht wird. Beim Guardian ist der erste Artikel herausgefiltert (weil ein Kommentator seinen Kommentar nicht mehr lesen will – nur wenn man nach dessen Namen in Verbindung mit dem Artikel sucht, wird er nicht mehr gezeigt), beim Spiegel auch.
Nachtrag: Die Seite http://hiddenfromgoogle.com/ sammelt solche in der EU von Google nicht mehr gelisteten Seite.

(3) Zu meinen Teenagerjahren haben wir auf die Bundesprüfstelle für jugendgefährende Schriften (heute: Medien, BPjM) geschimpft, weil die uns vor Tanz der Teufel bewahrt haben, indem sie den Film auf den Index setzten. Im Referendariat kam dann Quake heraus, auch gleich indiziert. Inzwischen gehört es auch zu den Aufgaben der BPjM, Webseiten zu indizieren – allerdings ist dieser Index nicht öffentlich, aus naheliegenden Gründen.
Trotzdem soll er verwendet werden können, etwa von meinem Router zu Hause. Da gibt’s eine Einstellung, habe gerade nachgeschaut, dass für “Gäste” in meinem Wlan alle Seiten, die auf diesem Index stehen, gesperrt sind. (Das ist wohl die Standardeinstellung, ich hatte mir das vorher nie angeschaut.) Nun wäre es ziemlich dumm, meinem Router diese Liste im Klartext zukommen zu lassen. Also existiert sie nur in einer verschlüsselten Form, dem sogenannten BPjM-Modul. Verschlüsselt heißt: Aus einem Text (etwa dem Link einer zu indizierenden Webseite) errechnet man nach einer mehr oder weniger öffentlich bekannten Methode einen sogenannten Hash, und den gibt man weiter. Wenn mein Router dann bei aktiviertem Kinder- oder Gästeschutz eine Webseite ausliefern soll, dann errechnet er aus dieser Webseite nach der gleichen Methode den Hashwert und vergleicht ihn mit der Sperrliste.
Aus dem Hashwert kann man nur äußerst schwer auf den ursprünglichen Text (hier: Link) schließen. Wie das geht, ist spannend und schwierig, wie überhaupt Hash-Funktionen eine tolle Sache sind.
Trotzdem hat ein Hacker oder eine Hackerin mit relativ wenig Aufwand einen Großteil der indizierten Links im BPjM-Modul rekonstruiert und veröffentlicht. Steht zum Beispiel hier. Allerdings ist der Link zu der Seite, auf der die entschlüsselte Liste zu finden ist, dort inzwischen nicht mehr zu lesen – Behörden drohen mit Klagen. Den Meinungen von Rechtsanwälten im Web zufolge (siehe Link oben) macht man sich vermutlich nicht strafbar, wenn man auf die Seite mit den entschlüsselten Webseiten-Adressen verlinkt, aber wer will so ein Risiko schon eingehen – Ärger kann man auch so kriegen, wenn die Polizei dann mal vorbeischaut. Und auf der Liste steht auch tatsächlich allerlei Indizierenswertes – Pornographie, Rechtsradikales, Anorexie-Seiten, aber auch: syntaktisch fehlerhafte Links, Irrläufer, alles mögliche. Eine Analyse der gesperrten Seiten wäre schon interessant. Interview mit dem Hacker/der Hackerin.
(Auch google.de sperrt diese Seiten, anders als Google aus anderen Ländern – aber die sperren dann vermutlich einfach anderes.)

(4) Wenn man sich – halbwegs – anonym im WWW bewegen will, oder dubiose Dinge recherchieren will, benutzt man am besten etwas, das Tor heißt. Lange Geschichte. Allerdings: wer Tor benutzt oder sich nur darüber informiert, macht sich des Extremismus verdächtig und landet in einer NSA-Datenbank.

(5) Nächsten Dienstag wäre in München eine Cryptoparty. Da kriegt man als Laie erklärt, wie man Mails verschlüsselt, Tor benutzt, Festplatten verschlüsselt (was wir als Lehrer ja tun müssen). Ob ich das als Fortbildung angerechnet kriege, wenn ich hingehe? — Tatsächlich weiß ich schon das meiste, aber falls ich mal in der Schule eine Cryptoparty machen möchte, sollte ich das auf jeden Fall vorher mal mitmachen. (Zeitpunkt ist aber ungünstig für mich, vorher Konferenzen, am nächsten Tag Mitorganisator einer Fortbildungsveranstaltung.)

Then came the churches, then came the schools
Then came the lawyers, and then came the rules
Then came the trains and the trucks with their loads
And the dirty old track was the telegraph road

“Sea Lawyer”

Vermutlich habe ich diese Vokabel bei einem nautischen Abenteuerroman aufgeschnappt und mir gemerkt. Ein sea lawyer ist laut Wörterbuch ein “streitsüchtiger” oder “streitlustiger Seemann”, oder “a sailor inclined to question or complain about the orders given.” (Die Bedeutung “Möchtegernanwalt” bei Urban Dictionary halte ich für erfunden.)

Das mit dem “streitsüchtig” trifft wohl nur die halbe Geschichte, da passt das “argumentative” etwas besser. Ein sea lawyer streitet nicht mit seinen Kameraden, sondern mit seinen Vorgesetzten. Und er streitet nicht wirklich, sondern er argumentiert, weiß alles besser, insbesondere – soweit ich mich richtig erinnere – kennt er Vorschriften und hält sie den Vorgesetzten vor die Nase. Streitlustig sicher aus der Perspektive dieser Vorgesetzten, für die es wichtiger ist, schnell und richtig Entscheidungen zu treffen. Möchte man als Kapitän nicht auf dem Schiff haben.

An das Wort denke ich ab und zu in der Schule. Da gibt es Schüler, die die Vorschriften für Lehrer gut kennen, oder auch nur ein oder zwei aufgeschnappt haben. “Das dürfen Sie aber nicht.” Je nach Situation kann das manchmal nerven, aber ich finde es gut, wenn Schüler Regeln kennen.

Schließlich ist man als Lehrer manchmal in der gleichen Situation. Da kennt – oder nimmt – man die Vorschriften vielleicht genauer als die Schulleitung.

Semesterbeginn 2014

Ich bin ja jeden Donnerstag an der Uni. Der Tag läuft dann etwa so ab wie gestern: So losfahren, dass ich um 9 Uhr dort bin – auch wieder mit dem Fahrrad, wenn ich mir ein neues gekauft habe. Dann kurze Teambesprechung im Sekretariat, was es an Neuigkeiten gibt und was gerade besonders dringend ist. Danach hat die Kollegin eine Veranstaltung für Studierende Lehramt Realschule, davor der Kollege eine Veranstaltung für Studierende Lehramt Gymnasium. (Ich selber bin im Wintersemester dran.) Vormittags erledige ich verschiedene Aufgaben am Rechner: Wartung von Webseite und Moodlekursen, Planung der nächsten Veranstaltungen, E-Mail erledigen; manchmal schaut jemand zur Sprechstunde vorbei.

Mittags radeln wir dann meist durch den Englischen Garten in die Kantine des Landesamts für Finanzen – ein Skript sammelt die online verfügbaren Speisepläne der in der Nähe liegenden Kantinen ein und stellt sie für Institutsmitarbeiter gesammelt dar. Aber es wird dann doch fast immer das Finanzamt daraus.
Gestern nicht, da hatten wir wenig Zeit und holten nur einen Happen in der Unimensa. Danach gibt es eine Tasse Kaffee in einem Büro und Plauderei mit einer Gruppe von Systembetreuern, die uns Lehrer quasi adoptiert hat. Auch das fiel gestern leider aus, da der Raum für eine Prüfung gebraucht wurde; ich musste selber dann auch noch Beisitz bei einer mündlichen Prüfung machen. Gleich im Anschluss begann die Veranstaltung im Sommersemester, das Praktikum “Informatiksysteme aus fachdidaktischer Sicht”.

Dort lernen die Studierenden, dieses Jahr sind es 16, es kommen vielleicht noch ein oder zwei dazu, welche Software es gibt, die man für die Schule benutzt, und was man damit machen kann. Das beginnt mit Moodle, allein schon mal zur Verwaltung der Veranstaltung, dann eine Auswahl aus den vielen Möglichkeiten, die es gibt. Die Studierenden produzieren einen Screencast für den Einsatz in der Schule, stellen die Software außerdem den Kommilitonen vor und geben diesen Aufgaben dazu. Wenn es klappt, kommt noch ein Besuch bei einem Schul-Systembetreuer dazu, und eine Gruppe von Schülern kommt an die Uni und wird von den Studierenden einen Vormittag lang im Rahmen eines Projekts betreut.
Wenigstens müssen wir für diese Veranstaltung keine Noten geben. Noten geben mag ich nicht.

So um 17 Uhr machen wir uns dann auf den Heimweg.

– Heute geht es allerdings gleich weiter, das jährliche Probestudium für an Informatik interessierten Schülerinnen und Schüler beginnt. Am Freitag und von Montag bis Mittwoch (immerhin in den Osterferien) besuchen angemeldete Schüler drei Vorlesungen und nehmen an einem mehrtägigen praktischen Workshop teil. Dieses Jahr standen zur Wahl 3D-Programmierung in Python, Android-Programmierung, Bioinformatik und Ähnlichkeitssuche in Bilddatenbanken. Einen der Workshops leiten wir, und irgendwie bleibt auch immer etwas von der Organisation an uns hängen.

Die Einladungen fürs Probestudium gehen an alle Gymnasien in Oberbayern und ein paar weitere Schulen; ob sie dann auch alle Informatiklehrer und deren Schüler erreichen, hängt von den Empfängern ab.

Berlinfahrt 2014

Letzte Woche war ich in Berlin, politische Bildungsfahrt mit einer 10. Klasse. Mit der Fahrt an sich hatte ich wenig zu tun, es fehlte lediglich eine männliche Begleitperson, und so fuhr ich mit, auch weil die Klasse eine nette Klasse ist. (Dass ich der Meinung bin, dass insgesamt zu viel weggefahren wird, ist ein anderes Thema.) An sich fahre ich nicht sehr gerne weg. Eine Woche ständig unter Menschen, das ist ein bisschen viel für mich.

Aber die Klasse hat sich sehr gut verhalten, und die Kollegin hat die Fahrt sehr gut vorbereitet und durchgeführt. Hier ein Überblick über unser Programm.

Montag

Fahrt mit dem Zug nach Berlin. Ankunft im Hostel (Moabit, zehn Fußminuten vom Bahnhof), dann gleich zum Brandenburger Tor und die Schüler allein Unter den Linden entlang zum Alexanderplatz gehen lassen. Von dort zur East Side Gallery, dann freie Abendgestaltung.

Dienstag

Gleich morgens zum Reichstag, dort eine Führung im Bundestag. Sitzung war leider keine; während der der Sitzungsperiode gibt es alle zwei, drei Wochen eine Woche ohne Sitzungen, während der dann auch Reinigungs- und Wartungsmaßnahmen durchgeführt werden. Aber das weiß man nicht, wenn man – lange vorher – den Termin für die Gruppenführung bucht.

berlin_bundestag

Gelernt: Parlamentsferien sind immer dann, wenn irgendein Bundesland Schulferien hat. Es gibt 41 Stenographen, die – anders als etwa im Europaparlament – nicht mit Stenographiemaschinen schreiben, sondern per Hand, in 10-Minuten-Schichten. (Nicht gesagt wurde uns, dass das, was als Wortlaut der Rede veröffentlicht wird, vorher noch durchgesehen und verbessert wird, also nicht etwa dem echten Wortlaut entspricht.) Mitprotokolliert wird auch das Drumherum, es gibt 8 verschiedene Stufen von Applaus, bis hin zum ¨Tumult¨.
Jeder Besucher sagt: das sieht im Fernsehen größer aus. Die fette Henne, zweieinhalb Tonnen schwer, hängt an nur zwei Seilen. Und die Bundestagsverwaltung sieht sich dezidiert als eigene Institution mit dem Auftrag, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Danach zum Holocaust-Mahnmal. Gerade in einer Gruppe durchzugehen ist interessant: Außen sind die Stelen nicht hoch, man sieht noch die Köpfe der anderen; je weiter man hineingeht, desto mehr verschwinden die anderen, bis man später nur ab und zu zehn Meter vor sich jemanden kurz auftauchen sieht, der in Querrichtung geht und nach zwei Schritten wieder verschwunden ist.

Nach regnerischer Mittagspause ins Mauermuseum am Checkpoint Charlie. Für die Führung hatten wir einen Zeitzeugen erwischt, der die Inhalte – Geschichte des Checkpoint Charlie und der Fluchtmöglichkeiten in den Westen – sehr anschaulich vermitteln konnte. (Selber Deserteur der Nationalen Volksarmee, dann Fluchthelfer im Westen. Zum Schluss hat er noch eine Kopie des Mordauftrags gegen ihn aus den Stasi-Unterlagen verteilt. “Die zur Liquidierung des Objekts beuaftragten GM [Geheime Mitarbeiter] sind äußerst zuverlässig und besitzen die politischen sowie fachlichen Voraussetzungen um den ihnen übertragenen Auftrag durchzuführen.”)

Es folgte in kurzer Abstecher in das Asisi Panorama zum geteilten Berlin. Ein riesiges fotorealistisches Panorama zeigt einen Blick auf die Grenze, den Todesstreifen, Ausschnitte aus Ost- und Westberlin, als stünde man auf einem Baugerüst im Westen und blickte hinüber.

berlin_panorama

Im Eingangsbereich konnten Besucher aufschreiben, was für sie Freiheit bedeutet. Unsere Schüler trugen gleich mal den Namen unserer Schule ein, aber ich weiß nicht, ob sie das richtig verstanden haben.

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Dann eine kleine Pause bis zum Abendprogramm: Kabarett in der Distel. Ausgezeichnet! Kabarett, auch politisches Kabarett, ist für mich immer mit Gesang verbunden. Und gesungen wurde reichlich. Dabei war das ganze zugänglich und auch die Schüler mochten das Programm sehr.

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Mittwoch

So voll wie am Dienstag sollte das Programm nicht mehr werden. Morgens ging es in die Dauerausstellung “GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung” im Tränenpalast. Das ist die ehemalige Ausreisehalle am Bahnhof Friedrichstraße, einer Grenzübergangsstelle. Empfehlenswert. Für Schülergruppen gibt es eine Art Quiz in Form eines Notizheftchens mit Aufgaben.

Danach die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Das ist ein Bau, spät im zweiten Weltkrieg errichtet, das danach den Russen als Untersuchungsgefängnis diente, einige Jahre später an die DDR übergeben und später wiederum erweitert wurde. Dort waren vor allem politische Gefangene untergebracht.

Mittagspause, dann Jüdisches Museum Berlin. Unsere Gruppe wurde geteilt, es gab jeweils eine Führung.

Zum Abschluss des Tagesprogramms optional eine Currywurst bei Konnopke am Prenzlauer Berg. Gepriesen als beste Currywurst Berlins. Hm, ja. Für eine Currywurst war das Gericht dann auch tatsächlich gut, aber es war halt immer noch eine Currywurst, und damit eher nicht mein Geschmack. Die Wurst ist immer so langweilig.

Donnerstag

Gleich am Anfang zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, dann den Kufürstendamm entlang spazieren bis zum Museum Story of Berlin: Überblick über Geschichte Berlins. Für die Schüler interessant auch die 1950er und 1960er Jahre. Komische Telefone, eine Jukebox, unverständliche Slogans. (“Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.”)
Optional Kaufhaus des Westens, dann eine lange Mittagspause. Ich war beim Chinesen (kalte Rinderinnereien in Scheiben in scharfer Sauce, danach eine kleine Portion gedämpfte Auberginen mit Hackfleisch). Danach einfach nur in der Sonne gesessen und Pause gemacht.

Nachmittags dann eine Führung der Berliner Unterwelten. Das ist ein Verein, der sich mit der Unterwelt Berlins beschäftigt und dazu verschiedene Führungen anbietet, etwa Tour M: Mauerdurchbrüche. Unteriridische Fluchtmöglichkeiten waren: a) eigene Tunnels, b) das Tunnelsystem der U-Bahn, da die West-U-Bahnen durch Ostberlin fuhren, wo natürlich alle Zugänge, soweit möglich, unbenutzbar gemacht wurden und c) das gemeinsame Kanalisationssystem. Wir liefen zuerst durch die alte U-Bahn-Station, umgebaut zum Luftschutzbunker. Die Leuchtfarbe an der Wand stammt noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Als der Führer das Licht ausknipste und sagte: “Wer von euch eine Taschenlampe dabei hat, der kann ja mal…” konnte er kaum ahnen, dass wir zwei ausgewiesene Taschenlampenträger mit uns führten. (“Ist doch praktisch. Kann man immer mal brauchen.”)

Noch kurz zum Mauerpark, dann war wieder freie Abendgestaltung. Alle wieder früh und müde im Hostel.

Freitag

Heimfahrt.

— Das Programm insgesamt war sehr auf Sozialkunde/DDR zugeschnitten. Kein Pergamonmuseum, kein Naturhistorisches Museum, nichts über Leben in Ostdeutschland heute. Aber es waren nur gut drei Tage, und die waren ohnehin voll.