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Lehrerblogschau 2014, kleine Fortsetzung

(Was es mit den Lehrerblogs 2014 auf sich hat, steht in diesem ersten Blogeintrag.)

Der letzte Blogeintrag zum Thema hat mir so viel Vergnügen bereitet, dass ein weiterer mir etwas unnötig vorkommt. Allerdings möchte ich inhaltlich noch einige Sachen ergänzen, so dass ich das hier nachhole. Eigentlich geht es in meiner kleinen Bloggerwelt ja schon wieder um ganz andere spannende Sachen. Aber ich will das hier noch abschließen und noch ein paar Blogs vorstellen. Alte Lieblingsblogs und neue, die gerade jetzt erst nach vorne gerückt sind. Ohne genaue Reihenfolger, einfach um zu zeigen, wie bunt die Lehrerbloggerwelt ist, in der ich mich herumtreibe:

  • Kreide fressen
    Hatte ich beim letzten Mal vergessen. Schreibt nicht mehr so viel, lese ich aber immer gerne. Alter Wegbegleiter.
  • Norberto
    Norbert Tholen nimmt nicht so aktv Teil am Austausch unter Blogger, aber ist – und das schon sehr lange – ein Archiv fundierter Analysen zur deutschen Literatur und Sprache.
  • Bob Blume
    Auslöser der aktuellen Blogparade zu schlechten Lehrern. Das allein reicht schon für einen Eintrag hier!
  • Teacheridoo
    Noch in der Ausbildung. Lese ich schon lange, ist aber erst jetzt durch die Blogparade in den Vordergrund gerückt.
  • Fontanefan
    Ausrufer der Lehrerblog-Schau 2014. Ich sehe ihn als Bindeglied zwischen verschiedenen Bereichen der Bloggerszene. Mich verbindet er jedenfalls mit dem organisierteren Teil der Lehrerblogger.
  • Rete-mirabile.net
    Das schönste Design und hervorragendes Material zu Wikis im Unterricht.
  • Marco Bakera
    Informatiklehrer mit vielen tollen Ideen.
  • Schwamm drüber
    Informatiklehrerin in der Ausbildung, hat 2014 noch nicht so viel gepostet, ich hoffe, das ändert sich wieder! Ich bin ja selber Informatik-Quereinsteiger.
  • Grüße aus der Provinz
    Auf Frau Henner bin ich auch erst durch die Lehrerblogschau gestoßen. Sieht gut aus, auch wenn ich noch nicht viel sagen kann. Aber wo Herr Mess die Karte schon bereitstellt… und Frau Henner hat schon mal klug im letzten Beitrag erkannt, dass da viele Männer bei diesen Blogs sind.
  • Frau Hilde
    Geschichten aus der Schule. Lese ich erst jetzt konzentierter, ich gebe es zu.
  • Lehrer aus Leidenschaft
    Erst durch die Lehrerblogschau darauf gestoßen, deswegen weiß ich noch nicht viel. Aber wer bei der aktuellen Blogparade mitmacht, hat sich einen Platz verdient.
  • Skolnet
    Sieht die Schulwelt so ganz anders als ich und bloggt darüber. Es kann mir nicht schaden, wenn ich als Ausgleich abweichende Meinungen lese. Wenig Anekdoten, viel Theoretisches, viel Grundschuldidaktik.

Und ich habe auch Karten gemacht beziehungsweise drei von Herrn Mess übernommen. Weil die so schön bunt sind, und vielleicht freuen sich ja ein paar.
Allerdings habe ich gemerkt, dass das ein bisschen langweilig ist, immer die gleichen Kategorien. Dementsprechend habe ich dann auch immer schneller und oberflächlicher überlegt, wieviel Sterne da jeweils hingehören. Für die Zukunft stelle ich mir da eher ein Applet vor, mit dem sich jeder seine Quartettkarte selber machen kann, mit selbst gewählten Kategorien. Es macht doch nichts, wenn die Quartettkarten alle unterschiedlich sind, sie sollen ja nicht miteinander konkurrieren.

Deswegen ist es vielleicht keine gute Idee, ein Lehrerblog des Jahres zu küren: Es sollte eher Titel geben wie “Der Sammler”, “Das Archiv”, “Mr/Ms Fortschritt”, “Tüftelblog” und so weiter. Da kann dann jeder Teilnehmer eine Bezeichnung kriegen, und man kann immer noch wählen, auf wen welcher Titel passt.

quartett_kreidefressenquartett_norbertoquartett_bob

quartett_teacheridooquartett_fontanefanquartett_retemirabile

quartett_marcoquartett_schwammdrueberquartett_henner

quartett_hildequartett_lalquartett_skolnet

Lehrerblogs 2014

Fontanefan Walte Böhme findet, dass es viele gute Lehrerblogs gibt, und dass die kaum einer kennt. Um das zu ändern hat er dazu aufgerufen, Reklame für Lehrerblogs zu machen. Dazu bietet er an eine Vorschlagsliste für Lehrerblogs, eine Wikiseite bei der Zentrale für Unterrichtsmedien, und dann auch die Wahl zum Lehrerblog 2014. (Mehr dazu unter dem verlinkten Artikel.)

Und man soll auf dem eigenen Blog Blogs vorstellen, die einem gefallen. Dazu habe ich mir ein Bloggerquartett ausgedacht.

quartett_voll

Am schwierigsten waren die Kriterien. Die Häufigkeit der Beiträge und das Anfangsjahr lagen nahe, sind ja sehr quartetttypisch. “Fokussierung” bedeutet, wie sehr das Blog bei einem Thema bleibt. Bei mir selber sind ja immer wieder Sachen dazwischen, die nichts mit der Schule zu tun haben.
Am liebsten hätte ich ja noch mehr Kategorien hinzugenommen: “Design” etwa, oder “Missionierungseifer” oder “Humorlosigkeit”. Aber das Design war mir nicht wichtig genug – inzwischen sollte allerdings unbedingt “Usability” dabei sein, nachdem ich beim Recherchieren bei vielen Blogs lästigerweise kein Archiv gefunden habe. Auch “Musikinstrumente” wäre ein weiterer möglicher Punkt gewesen.

Die Farben geben zur Zeit die Schulart an. Stattdessen kann ich mir auch Kategorien vorstellen: Bildungsblogger, Praktiker, Geschichtenerzähler. Und das ganze noch etwas kleiner, damit man es in die Seitenleiste ins Blog einbauen kann?

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Lehrerzimmer Mein eigenes Blog gefällt mir.

JochenEnglish No-nonsense Material und Gedanken zu Englisch und Sport aus der Praxis von einem äußerst kompetent wirkenden Lehrer. Keine theoretischen Ergüsse.

Kuschelpädagogik Geschichten aus der Grundschule. Das einzige Anekdotenblog, das mir gefällt.

Ich. Alles. Sofort. Arbeitet in einer Schule in – ich weiß es nicht genau, einer psychiatrischen Jugendklinik oder so etwas Schule für Kranke. Geschichten, die an die Nieren gehen. Hat ansonsten wenig mit der Lehrerbloggerszene zu tun.

…ein Halbtagsblog… Sehr hohe Frequenz, sehr viele Beiträge aus der Praxis, schöne methodische Ideen.

Lehrzeit Viel Praxis aus der Informatik.

Herr Mess Latein und Englisch. Einer von den Jungen.

Hauptschulblues Durch dieses Blog kriege ich etwas aus der Hauptschule mit. Weniger Anekdoten, eher Reflexion.

Kubiwahn Gewährt mir Einblicke in die Realschule. Kubiwahn arbeitet noch daran, sich in seine Rolle als Mitglied im Schulleitungsteam einzufinden, und da schaue ich gerne zu.

Herr Larbig Eher Bildungstheorie, und Bücher. Schon lange dabei. Seinen Büchergeschmack werde ich nie verstehen.

riecken.de Mischung aus Bildungstheorie und Praxis. Auch schon lange dabei.

– Das waren jetzt eigentlich vor allem bekannte Blogs. Ich habe viel mehr Lehrerblogs im Feedreader, etwa 140 aktive und nochmal 40 inaktive. Fast alle davon lese ich, bis auf reine Anekdotenblogs und die, bei denen der Feed nur unvollständig angezeigt wird und nicht interessant aussieht. Vielleicht hätte ich eher die schönsten unbekannten Lehrerblogs vorstellen sollen.

Die besten meiner Kollegen lesen gar keine Blogs, schon gar keine Lehrerblogs. Das dürfte an den meisten Schulen so sein. Es geht also auch ohne. Die meisten Lehrer, die sich im Web mit anderen austauschen, machen das bei Twitter, Facebook oder vielleicht noch Google+. Diskutiert und kommentiert wird in Echtzeit, aber flüchtig.

——

Nachtrag: Ich habe Hokey vergessen!

Kreidefressen Das, was mir an Blogs das wichtigste ist: Da steckt ein kluger, interessanter Kopf dahinter. [Und dann hatte ich auch noch das falsche Blog verlinkt.]

Nachtrag: Hier die .odg-Vorlage für die Karten.

So, so, so. Ich habe also zu viel Zeit.

Gestern war der Tag der Informatiklehrerinnen und -lehrer an der LMU. Lief okay, nicht spektakulär, aber das befürchtete Chaos ist ausgeblieben. Ich bin ja ein großer Befürchter, jedenfalls immer bei ersten Malen.

Dabei habe ich auch von einer Fachbetreuertagung Informatik gehört, auf der kürzlich mein Name gefallen ist. Im Sinne von: “Da ist dieser eine Informatiklehrer, der anscheinend zu viel Zeit hat und immer was ins Internet schreibt.” Ho-hum.

Zum einen muss man da sehen, dass nicht alle Leute wissen, was ein Blog ist. Im Vergleich zu den vielen, vielen größeren und bekannteren Blogs, die es so gibt, schreibe ich ja noch wenig. Im Vergleich zu den vielgelesenen Lehrerblogs – Frl. Krise, Frl. Rot, der Primimaus – schreibe ich noch wenig. Bitteschön: ich stamme doch aus einer Bloggerfamilie, im Vergleich zum Blog von Frau Rau schreibe ich ja noch wenig.

Dazu kommt, dass ich schnell schreibe. Ich schreibe seit meinen Teenagerjahren immer wieder und alles mögliche, und dieses Blog seit acht Jahren, da wäre es doch ein Wunder, wenn ich nicht eine gewisse Übung hätte. Außerdem bin ich tatsächlich gut im Zeitmanagement und kann zum Beispiel einen Kalender bedienen. Und wenn ich mir diese Liste der 33 Digital Skills Every 21st Century Teacher should Have (via Medienbox) anschaue, dann beherrsche ich einen Großteil dieser Skills und wende sie auch an. Das bringt tatsächlich auch was mit der Zeit.

Tatsächlich gibt es noch viel mehr zu Informatik bei Ingo Bartling als bei mir. Ich bin vielleicht lauter und auffälliger, weil ich eben nicht nur von Informatik schreibe (hm, ja, Ingo ja auch nicht, ich sag nur: Ukulele), sondern – na ja, von allem möglichen. Tatsächlich gibt es etliche Punkte, privat oder beruflich, über die ich nie schreibe, aber das fällt wohl nicht auf. Tendenziell macht man sich aber wohl verdächtig, wenn man bloggt, statt zu kegeln oder den Kölner Dom aus Streichhölzern nachzubauen. Oder was andere Leute halt so mit ihrer Zeit anfangen.

Ein Herz für Blogger

Das Blog rckrz hat schon vor einiger Zeit mal beklagt, dass es zu wenig Aktionen gibt, in denen andere Blogs empfohlen werden. (Fußnote: Blogs mit merk- und leicht aussprechbaren Namen/Rollennamen lassen sich leichter empfehlen. Rckrz war mal an meiner Schule, dadurch bin ich auf das Blog gestoßen.) Deshalb hier ein paar Empfehlungen, meinem aktuellen Feedreader entnommen.

Was lese ich denn außerdem noch zur Zeit? Ein schönes Informatiklehrerblog ist Lehrzeit von Ingo Bartling. Informationen zum Thema, Hoffnungen auf Ukulelespiel, und regelmäßig kleine Programmieraufgaben. Wenn das weiter so regelmäßig geschieht: großer Respekt! Da kommt dann später das OER-Material her.

Frau Klugscheißer gehört zu einem ganz anderen Universum, nämlich dem der Blogger-die-nicht-Lehrer-oder-Schüler sind. Davon gibt es ziemlich viele, aber die meisten davon kriege ich nicht mit, weil ich genug damit zu tun habe, den Lehrern zu folgen. Aber ich lasse mir gelegentlich Geschichten aus diesem anderen Universum erzählen, in dem ganz andere Sachen wichtig sind als bei uns.

In 1 schülerin + 1 lehrer = 1 blog erzählt Susi-q von ihren ersten Unterrichtserfahrungen. Vor kurzem war sie noch Schülerin und hat aus der Schule geplaudert, jetzt macht sie in Praktikum. Die parallele Sicht auf fremde Schüler und fremde Lehrerzimmer ist interessant.

Das Blog von Frau Weh ist schon lange kein Geheimtipp mehr, es macht mir aber sehr viel Vergnügen es zu lesen – und trägt sehr dazu bei, meinen Respekt vor Grundschullehrerinnen wachsen zu lassen.

– Ansonsten: sollte ich heute eigentlich fortbilden, aber das fällt aus, wie ich eher am Rande erfahren habe. Also lerne ich weiter fürs Informatik-Repetitorium, wo ich bald an meine Grenzen stoße.

– Aus der Schule selber gibt es nicht viel zu erzählen, das ich erzählen darf. Da ich nur Informatik unterrichte, und da auch nur vier Klassen, gehen mir die Anekdoten aus dem Unterricht aus. Kollege Z. macht gerade etwas Schönes mit einer Deutschklasse, vielleicht erzählt er da mal was.

– Informatik in 10 läuft dieses Jahr gut, viel besser als die letzten beiden Male, und weniger anstrengend für alle als beim ersten Durchgang. (Dafür mit weniger Tiefe. Dass ich beim ersten Mal tatsächlich den Lehrplan durchgepeitscht hatte… hat die meisten abgeschreckt. Wer konnte, hat dafür viel gelernt.) Informatik in 9 macht Spaß, Informatik in Q11 läuft anders als beim ersten Durchgang.

– Eine Musiklehrkraft meiner Schule ist auf mein Ukulelespiel gestoßen. Jetzt gibt es vielleicht doch mal eine Schulukulele – jede Schule sollte eine haben – und danach könnte man über ein kleines Schulorchester nachdenken.


 

– Gelesen: James Wood, How Fiction Works. Hat mich daran erinnert, dass ich eine Vergangenheit in Literaturtheorie habe.
Das große Kapitel zur erlebten Rede darin ist sehr nützlich, ebenso alles, was sich auf Erzählperspektive bezieht. Der Rest ist interessant – aber eine einzige Apologie des Möbelbeschreibens, und das ohne jede Einsicht, dass dafür eine Entschuldigung tatsächlich angebracht wäre. Möbelbeschreiben: das ist mein Wort für die Art realistischen Schreibens, die – wie ich dem Buch entnehme – mit Flaubert ihren Anfang genommen hat.
Weniger theoretisch und dafür handwerklicher: David Lodge, The Art of Fiction. Für den Einstieg besser. 

Ich und das Internet

Jens Scholz blickt auf 10 Jahre Blog zurück, und das macht mich auch ganz erinnerlich.

Dieses Blog gibt es seit 2004, ein erstes Blog hatte ich im Herbst 2003. Den ersten Gästebucheintrag (also fast schon Web 2.0) hatte meine erste Webseite 1998, die Webseite gibt es seit 1996. Im Internet bin ich seit 1994 oder 1995. Das weiß ich noch, weil ich kurz nach meiner technischen Einführung an der Uni – ein Hinterzimmer mit einer kleinen Gruppe von Interessierten, ganz unspektakulär – mein erstes Buch über das Internet kaufte, Der Internet Navigator von Paul Gilster (deutsche Ausgabe 1994).

In diesem Buch ging es um Telnet und Mail und FTP, das Usenet und das Bitnet, Gopher, Archie und Veronica (Very Easy Rodent-Oriented Netwide Index to Computerized Archives). Wie man sich RFCs schicken lassen konnte und FYIs. Ein kleines Zusatzkapitelchen widmete sich der neuesten Errungenschaft, dem WWW. Die WWW-Beispiele sind alle noch von reinen Textterminals, ohne Bilder, ohne markierte Links, die stattdessen nur Ziffern in eckigen Klammern gekennzeichnet waren. Und wie man sich, wenn man nur über einen Mail-Zugang verfügte, WWW-Seiten schicken lassen konnte, so dass man die nummerierten Links dann wiederum per Mail anfordern konnte. Mir ham ja nix ghabt. Na gut, an der Uni war auch schon der erste graphische Browser überhaupt installiert, Mosaic, so etwas gab es erst ab Herbst 1993.

An Computern hatte ich (oder mein Vater) zuvor einen 386er, einen Atari ST, einen Commodore 64. Davor ein CBM 8032 und sogar einen Commodore PET. Kein VC-20, aber eine Intellivison-Konsole und eine echte Rarität: die Magnavox Odyssey von 1972. (Einen Akustikkoppler gab’s auch im Haus, aber mit dem hatte ich nie zu tun.)


Aber ursprünglich wollte ich zu einem anderen Thema etwas schreiben, nämlich dazu, was an Veränderungen im Web kommen wird. Vorab: ich habe keine Ahnung. Aber einige Dinge werden viel diskutiert, von denen man gehört haben sollte. Deshalb auch für mich als Erinnerung eine Zusammenstellung.

Da ist die Frage der Netzneutralität. Darf ein Internetprovider manche Daten, die über seine Wege transportiert werden, bevorzugen? Manchmal muss er das, aber das ist eine andere Frage, hier schön erklärt. Manchmal muss er nicht: ein erfundenes Beispiel wäre, dass ein Provider alle Daten, die von Facebook kommen oder zu Facebook gehen, bevorzugt transportiert, also schneller. Dafür würde Facebook dem Provider natürlich Geld zahlen. Der Provider gibt diese Kosten an den Kunden weiter. Positiv gesehen: der Kunde bestellt quasi beim Provider das Paket “200% Youtube, 100% Facebook, 50% alles andere”, zum vorgegebenen Preis. Negativ gesehen: neue Dienste, die naturgemäß nicht in diesen Paketen enthalten sind, haben es schwerer, genutzt und damit bekannt zu werden (weil die Verbindung so langsam ist). Generell haben es kleine Dienste in diesem System schwerer. Könnte da plötzlich so etwas wie Twitter aus dem Nichts kommen und das Web umkrempeln? Innovation braucht Netzneutralität. Die Frage: sollen Provider so etwas anbieten dürfen?

Das andere Problem ist das mit dem Löschen und dem Sperren und dem Jugendschutz. Das Bundeskriminalamt will Websperren für Kinderpornographie, damit man die von Deutschland aus nicht ansehen kann. (Probleme: Wirksamkeit und Datensammlung. Aber okay.) Gegen den Vorwurf der Zensur wehrt sich der BKA-Präsident:

Etwas vom Gesetzgeber Verbotenes dem öffentlichen Zugriff zu entziehen, kann keine Zensur sein.

Das Lawblog schließt daraus, zu Recht, dass es mittelfristig eben keinesfalls nur um Kinderpornographie geht, die quasi nur der Türöffner ist, sondern grundsätzlich um “vom Gesetzgeber Verbotenes” gehen wird. Udo Vetter nennt
Online-Wettanbieter und Tauschbörsen. Heise vermeldet: “EU-Kommission debattiert über Filter gegen Copyright-Verstöße.”

Und vom Gesetzgeber ist Vieles verboten. Die Regeln für Kinderpornographie sind in jedem Staat verschieden, wenn die sich auch im Kernbereich natürlich einig sind. Aber schon bei gezeichneter Darstellungen von Nacktheit gibt es unterschiedliche Ansichten. Auch die Regel für das Copyright sind in jedem Staat verschieden, was in den USA als fair use gilt, oder was nicht mehr urheberrechtlich geschützt ist (fast alle Texte, die vor 1923 dort veröffentlicht wurden), kann in England oder Deutschland noch geschützt sein (weil der Urheber noch keine 70 Jahre tot ist). Auch die Meinungsfreiheit kennt in jedem Staat unterschiedliche Grenzen., Die jeder Staat – China, Iran, USA, Deutschland – für die sinnvollsten hält. Nationalsozialistische Propaganda ist in den USA erlaubt, hier verboten. Es ist nur konsequent, alles, was in Deutschland verboten ist, zu sperren.

In Deutschland gehen wir gerade auf ein Leistungsschutzrecht für Verlage zu: die möchten (unabhängig vom geltenden Urheberrecht und dem Zitatrecht) eine Pauschale vom Staat, weil ihre Texte im Web – etwa von Google – erfasst und verwendet werden. Eine Alternative wäre natürlich, die Texte einfach nicht ins Web zu stellen oder Google auszuschließen, aber man will ja daran verdienen. Ein weites Feld, hier könnte man anfangen zu lesen.
Gerade gibt es eine Klagewelle in den USA wegen Übernahme von Pressetexten, ganz oder teilweise, in Blogs. Wer ein Gerichtsverfahren scheut, geht auf einen Vergleich ein oder, bei uns, nimmt die Abmahnung hin, ob gerechtfertigt oder nicht. Gegen Plagiate habe ich auch etwas, für die Möglichkeit einer Diskussion im Web braucht es aber auch ein Zitatrecht (gerne noch weiter gehend als in Deutschland).

Am gewichtigsten ist vielleicht die laufende Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV). Der Gedanke: man muss – auch im Web – die Jugend vor Inhalten schützen, die ihre Enwicklung schädigen können oder die die Menschenwürde verletzen oder sonstige geschützte Rechtsgüter verletzen. (Siehe Urheberrecht und Grenzen der Meinungsfreiheit.) Lesenswerte Kritik daran beim AK Zensur, der “irreversible Schäden an einem sich entwickelnden kulturellen und sozialen Raum” befürchtet, dem öffentlichen Web. Ausländische Seiten bleiben vom JMStV unberücksichtigt, werden also – diese Konsequenz sehe ich jedenfalls – früher oder später gesperrt werden müssen, wenn keine internationale Altersfreigaberegelung kommt. Inländische Seiten, wie mein Blog, müssen durchgesehen werden, ob davon nicht eine “Erziehungsbeeinträchtigung” für sechsjährige Kinder ausgeht, oder ein Link auf eine solche. Wenn ja, muss man Maßnahmen. Vermutlich würde ich das ganze Blog sicherheitshalber mit der Altersbezeichnung “ab 18″ markieren, aber ich weiß nicht mal, ob das reicht. Selbst wenn das noch so wäre: richtig geschützt wäre die Jugend dadurch ja nicht.
Ehrlich gesagt, es gibt viel richtig widerliches Zeug im Web – mehr als ich weiß, da ich nur selten auf Links stoße und denen nach ersten Versuchen auch nicht mehr nachgehe. Aber Wikipedia allein verlinkt unter manchen Artikeln (zum Thema “unappetitliches Zeug”) viele, viele Seiten, die bei Kindern sicher Übelkeit und Alpträume auslösen. Als ausländische Seite bleibt sie vom JMStV unbetroffen, aber darf ich noch darauf verlinken, wenn ich meine Seite für Minderjährige öffne?

Ob der Netzpferdchen-Ausweis die Lösung ist? Internetführerschein für unsere Kleinen, nur damit darf man ins Web.

Internetgenerationen

Über juhudo im Spiegel gefunden: Null Blog. Dort steht, was ich schon seit Jahren sage: die jungen Leute benutzen das Internet rege, aber sie bloggen nicht und machen auch sonst nicht mit, Mitmachweb hin oder her. Ganz genauso wie alle anderen Leute übrigens auch. Es gibt keine digitale Generation, die sich außer in einem ganz trivialen Sinn von einer vorhergehenden unterscheidet. Da ändert auch die “kleine Industrie von Autoren, Beratern und findigen Therapeuten” nichts, die stets betont, “der herkömmliche Unterricht erreiche diese Jugend gar nicht mehr.”


Überhaupt, das mit den digital natives und digital immigrants. Diese Begriffe führte Marc Prensky im Jahr 2001 ein, also schon vor einiger Zeit. Gemeint sind damit Muttersprachler, die fließend Web sprechen. (Mehr als das Web ist das Internet für diese Gruppe ja eh nicht.) Sie sind inzwischen nicht sehr hilfreich. Besserer Vorschlag: visitors vs. residents, der zum einen keine neue Generation einführt und zum anderen viel deutlicher macht, dass es schlicht Typsache ist: der eine baut eine Rolle im Web auf, der andere halt nicht. Diese Einteilung bildet das Nutzerverhalten, so wie ich es erlebe, besser ab.

Schief an dem ursprünglichen Bild ist auch, dass die immigrants zeitlich ja eigentlich vor den natives da waren. Wie soll sich da eine neue Muttersprache entwickeln? Was herauskommt, ist dann bestenfalls ein Pidgin. Dazu passt allerdings die reduzierte Sprache, der ich in den Facebook- und Foreneinträgen meiner Schüler begegne.

Öfter wird native/immigrant aber nicht auf die Sprache bezogen, sondern auf das Land Digitalien. Auch hier wären die immigrants vor den natives im Lande gewesen, aber wie beim Gründungsmythos der USA wäre aus dieser Nation von Immigranten ein neues Land geschaffen worden. Dann wäre es allerdings höchste Zeit, einen Aufsatz über die Gentrifizierung des Internets zu schreiben, denn das ist es, was zur Zeit etwa durch Facebook geschieht.


Apropos Facebook. Heike Burkhard verlinkt in ihrem Blog “The 8 Things Teachers Should NEVER Do On Facebook.” (Und daneben 8 Sachen, die man tun sollte.) “Don’t comment on a student’s non-school-related post” ist das einzige, bei dem ich mich ab und zu zusammenreißen muss. Klar kann man wirklich krank sein und trotzdem munter genug für Facebook, aber das erregt trotzdem mein Misstrauen. Und der Einblick in das, was die jungen Leute so tun – den möchte ich eigentlich gar nicht haben. Grauslich und faszinierend zugleich. Für ein Remake von Das Fenster zum Hof braucht man heute gar kein Fenster mehr, da reicht ein Monitor.

Die meisten Kollegen halten es so, dass sie eben keine Freundschaftsangebote annehmen von Schülern, die sie gerade unterrichten. Bei mir ist es andersherum, ich nehme fast nur Angebote von genau diesen an, und natürlich von Ehemaligen, die die Schule verlassen haben. Aber ich denke oft darüber nach, Facebook ganz zu verlassen. Der Gewinn ist gering, das Konzept gefällt mir nicht, die Benutzer werden von technischen Entwicklungen abgeschirmt: Warum braucht man noch einen Mailclient oder wenigstens einen Webclient, wenn alle Kommunikation über Facebook abläuft?

Lesenswert auch das Experiment im Halbtagsblog: Wie sehr verschreckt man seine Freunde, wenn man als verheirateter Erwachsener den Beziehungsstatus auf “It’s complicated” setzt?

Lehrerblogumfrage beim Lehrerfreund, und Bücher (Weyand, Carr)

Ich lese gerade, dass ich bei der Umfrage zum Lehrerblog 2009 auf dem 1. Platz gelandet bin, gefolgt von den sehr geschätzten Kollegen Teacher und Jochen Lüders. Das freut mich natürlich. Vielen Dank denen, die mir ihre Stimme gegeben haben; ich will mich auch weiter bemühen. (Im Moment ist aber nicht viel los.)

Sofort habe ich aber auch ein schlechtes Gewissen, weil sehr viele der anderen Lehrerblogs dem meinen in manchen Aspekten weit überlegen sind. Vielleicht braucht es beim nächsten Mal tatsächlich Teildisziplinen. So oder so war die Aktion vom Lehrerfreund Berthold Metz eine gute Idee, weil sie viele Blogs bekannt gemacht hat. Unter Lehrersleuten bekannt jedenfalls: Wenn ich mir die wirklich halbwegs bekannten Blogs in Deutschland anschaue, dann ist da kein Lehrerblog dabei. Entweder, es interessiert sich keiner so recht für das Thema, oder – gut möglich – es fehlt noch der richtige Schreiber, der genauso viele Leute für ein Thema interessieren kann wie etwa das Bestatterblog. Ich bin dieser Schreiber jedenfalls auch nicht.

Ansonsten: Heute nachmittag war Colloquiumsprüfung, ich als Protokollant und Beisitzer. Im sehr warmen Klassenzimmer; die versprochene Kühlung des Schulhauses funktioniert noch nicht.

Gelesen: zwei Romane zum Lehrersein:

Kai Weyand, Schiefer eröffnet spanisch, deutsch, 2008. Eine Lehrergroteske mit bitter-sentimentalen Zügen. Ein Ex-Lehrer nimmt einen Referendar als Untermieter auf, sieht ihn als Experiment an und beobachtet methodisch (Notizbuch und so weiter), wie er mehr und mehr verfällt, krank wird, verzweifelt wird, desillusioniert wird. Schließlich beschließen sie eine Rettungsaktion, eine Verweigerung des Systems, die zwar auch nicht so recht klappt, aber wenigstens geht es dem zukünftigen Ex-Referendar besser dabei. Lieblingsszene: Nachdem es der Referendar gelassen zur Eskalation kommen lässt, sind die Schüler der Klasse ruhig. Einige sitzen merkwürdig auf dem Stuhl. Als wieder einer zu plärren beginnt, stehen sechs andere geübt auf und fesseln ihn rasch und geschickt, ähnlich wie die anderen Störer, mit Klebeband an den Stuhl. Eine Utopie natürlich, aber man wird doch träumen dürfen.

Außerdem: The Harpole Report von J. L. Carr, englisch, 1972. Lustig. Ein Schulleiter macht Urlaub und wird von einem anderen Lehrer für einige Monate vertreten. Am Schluss dieser Zeit ist wohl irgendetwas vorgefallen. Der Roman selber besteht aus einer Sammlung von privaten Tagebuch- und dienstlichen Klassenbucheinträgen, offiziellen und privaten Briefen, Notizen, Protokollen und Dienstanweisungen – der Kommunikation zwischen Eltern, Schülern, Lehrern, Sozialarbeitern, dem Ministerium, dem Schulleiter, dem Hausmeister und anderen Gestalten. Zentrale Figur ist der Aushilfs-Schulleiter. Kommentiert wird diese Sammlung vom fiktiven Herausgeber, dem die Aufgabe zugefallen ist, einen Bericht über die Vorkommnisse zu geben. Das ganze ist insofern satirisch überzeichnet, als die Personen das absurde Geschehen mit mehr Fassung über sich ergehen lassen als in der Wirklichkeit. Besonders schön an diesem Buch ist, dass alle Personen fehlerhaft sind und doch irgendwo liebenswert und am Schluss gar nicht so schlimm, wie man eigentlich gedacht hat. Man merkt das erst, als die Kommission der Schulaufsicht einen Bericht verfasst, der eher positiv ist – was die Lehrer ebenso überrascht wie den Leser. Aber so ist es heute vielleicht auch noch.

(Für die Pfingstferien: Wenn es im ZUM-Wiki noch keine Bibliographie zu Lehrer-Romanen gibt, eine anlegen. Sonst beisteuern.)

Nachgetragene Fußnote: Gerade The Battle of Pollocks Crossing von J. L. Carr wiedergelesen, das ist vor zwanzig Jahren mal in mein Bücherregal gewandert. Spielt 1929/30. Ein junger britischer Lehrer verbringt ein Jahr in einer kleinen Stadt in South Dakota; erzählt wird wieder rückblickend, wieder weiß man von Anfang an, dass zum Schluss etwas Dramatisches geschehen wird, eben jene Schlacht des Titels und Grund dafür, dass man fünfzig Jahre danach noch jemanden nach England schickt, um diesen Lehrer zu interviewen.