Naomi Alderman, The Power

Ein gutes Buch, aber nicht so gut, wie es sein könnte. Das heißt, das Buch, das ich nicht lese, aber im Kopf immer noch erwarte, ist eben noch besser – zwei Bücher zum Preis von einem, wie schön! Die Prämisse dieses Romans: In Folge einer – ausreichend glaubhaft herbeierklärten – Genveränderung entwickeln weltweit alle oder fast alle Frauen die Fähigkeit, elektrische Stromstöße auszusenden, teilweise von großer Stärke. Und wie Science Fiction so ist, heißt es von da an: Schauen wir mal, wo uns das hinführt – das heißt, eigentlich weiß man vorher schon, wo das hinführen soll: Wie sähe die … Continue reading "Naomi Alderman, The Power"

Arthur Bloch, Murphy’s Law (und: Planning Fallacy)

Spätestens 1985 kaufte ich, siebzehnjährig, in den USA an einem Flughafen (New Mexico, vielleicht?) das schmale Büchlein Murphy’s Law, and other reasons why things go wrong! von Arthur Bloch. Ich habe viel gelernt daraus. Murphy’s Law kannte ich wohl vorher schon irgendwoher, anderen Gesetzen – dem Peter-Prinzip, Clarkes 3. Gesetz – begegnete ich danach immer wieder. Aber ich weiß noch, dass es lange dauerte, bis ich diesen Kalauer verstand: Cole’s Law: Thinly sliced cabbage. Hier die Gesetze, die ich über all die Jahre auswendig behalten habe, weil ich immer wieder Anwendungen dafür sehe: Ginsberg’s Theorem: 1. You can’t win. 2. … Continue reading "Arthur Bloch, Murphy’s Law (und: Planning Fallacy)"

Zadie Smith, Swing Time (und viele, viele Musical-Ausschnitte)

In meiner Leserunde gelesen. Vorab: Viel werde ich gar nicht zu dem Buch sagen. Es hat mir auch nicht sehr gefallen. Interessiert hat es mich durchaus, weil mich zwei oder drei Nebenthemen des Buchs interessierten – ansonsten war es nicht so das meine. Es geht darin um die Freundschaft der Protagonisten mit der gleichaltigen Tracey. Sie wohnen in der selben eher heruntergekommenen Nachbarschaft, haben aber ganz verschiedene Mütter; beide Kinder gehen ins Ballett und lernen Tanz. Sie verlieren sich aus den Augen; die Protagonistin wird Assistentin bei dem an Madonna angelehnten Musikstar Aimee. Ein Großteil der zweiten Hälfte spielt in … Continue reading "Zadie Smith, Swing Time (und viele, viele Musical-Ausschnitte)"

Abbé Augustin Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (Teil 2)

(Fortsetzung von hier. Diese Seite hier ist dann doch mehr Materialsammlung geworden als ursprünglich geplant, nun ja.) 3.3 Methoden der Illuminaten Wenn die Ziele der Illuminaten vielleicht im 18. und frühen 19. Jahrhundert besondere Bestürzung hervorriefen, so glaube ich, dass es vor allem ihre Methoden sind, die zu ihrem Nachruhm beigetragen haben. Einige muten verhältnismäßig harmlos an: Die Mitglieder müssen Besinnungsaufsätze schreiben, die von den oberen Graden gelesen werden; die Fragen, anhand derer man die Gesinnung der Mitglieder erkennen soll, sind hoffnungslos durchschaubar. Es gibt Geheimnamen (Weishaupt ist Spartacus, München ist Athen), und Weishaupt ist so stolz auf die Idee … Continue reading "Abbé Augustin Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (Teil 2)"

Abbé Augustin Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (Teil 1)

1. Vorrede 2. Zur Geschichte der Illuminaten (aus Wikipedia abgeschrieben) 3. Endlich, das Buch 3.1 Aufbau der Illuminaten 3.2 Ziele der Illuminaten 3.3 Methoden der Illuminaten 4. Aufklärung und Hokuspokus 1. Vorrede Anfang des Jahres habe ich, auch wegen eines allgemeinen Interesses an Verschwörungstheorien, Umberto Ecos Das Foucaultsche Pendel wiedergelesen. Damals hatte ich mir auch ein Buch notiert, das dort sozusagen als Urvater der Verschwörungstheorien angeführt wird: Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus von Abbé Barruel. Die Jakobiner waren ein politischer Klub während der französischen Revolution, von denen es damals etliche gab. Sie waren politisch links, für die Abschaffung der Monarchie, … Continue reading "Abbé Augustin Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (Teil 1)"

ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher

Neulich ging es um Literaturkanons, und da wurde ich auf diese Sammlung hingewiesen: 1978 bis 1980 erschienen die Kolumnen in der Zeit, es wurde jeweils ein Werk der Weltliteratur in einem kurzen beschreibenden Essay vorgestellt. Die Sammlung ist selbst ein Zeitdokument. Man merkt, dass sie noch aus einer prä-postmodernen Zeit stammt: „Krimi wird nun nicht geboten, es sein denn, man hielte Dostojewskis ‚Dämonen‘ für einen“, schreibt Herausgeber Fritz J. Raddatz gönnerhaft in seinem Vorwort. Die Grenze zwischen U- und E-Literatur wird noch ganz hart gezogen. Der Beitrag zu Dantes Göttlicher Komödie beginnt: „Die Deutschen haben ein gestörtes Verhältnis zu Dante.“ … Continue reading "ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher"

Wilde Woche, weiterhin (und Thomas Pynchon, Lot 49)

Montag Nachmittags Fachsitzung Englisch, Informationen zum LehrplanPLUS. Fazit: Für Englisch keine Änderungen, das Fach war eh schon kompetenzorientiert. Es gilt weiterhin der SBR (spezielle bayerische Referenzrahmen für Sprachen), der an den GER (gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen) angelehnt ist, aber zusätzliche Stufen kennt – hier der Blogeintrag zur Faustregel, anhand derer man sich merken kann, in welchen Jahrgangsstufen A1, A1+, A2, A2+ und so weiter erreicht sein sollen. Englischunterricht scheint mir inzwischen weitgehend reduziert zu sein auf ein: Englisch verstehen und sprechen und lesen können. Vielleicht ist das auch okay. In meiner Studienzeit wurde in der Fachdidaktik thematisiert, warum am … Continue reading "Wilde Woche, weiterhin (und Thomas Pynchon, Lot 49)"

Schullektüre 2017 (2) Whisper

Wenn man als Lehrer die Schullektüre auswählt und sie den Schülern und Schülerinnen nicht gefällt, ist das kein Problem. Das halten Lehrer aus, und außerdem kommt es ja auch nicht darauf an, dass die Lektüre unmittelbar gefällt. Dass es der Deutschunterricht mit den Lektüren ist, die Schülern das Lesen vergällt, halte ich ohnehin für ein Gerücht. Wenn man die Schülerinnen auswählen lässt, und ein Vorschlag wird dann genommen, und dann gefällt es der Klasse nicht – das stelle ich mir schon schwieriger vor. Aber vermutlich reicht es da, wenn der Lehrer sagt, dass ihm das Buch nicht gefallen hat, um … Continue reading "Schullektüre 2017 (2) Whisper"

Schullektüre 2017 (1) Die Brautprinzessin

In der einen neunten Klasse lesen wir als Lektüre William Goldman, Die Brautprinzessin — ein Schülervorschlag, und Sieger bei der Abstimmung. Selber habe ich das Buch seit sicher mehr als zwanzig Jahren nicht mehr gelesen, damals war es toll; beim Wiederlesen jetzt war ich etwas enttäuscht – aber das lag vielleicht an der Übersetzung, die mir an etlichen Stellen unangenehm auffiel. Aber vielleicht bin ich zu empfindlich, bei Filmen allerdings stören mich Synchronfassungen kaum. Bei Schullektüren geht es nicht hauptsächlich darum, ob einem das Buch gefällt, sondern was man damit anfangen kann im Unterricht. Erzählperspektive anschauen, Figurenkonstellation, sprachliche Bilder, Symbolik? … Continue reading "Schullektüre 2017 (1) Die Brautprinzessin"

Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 1-3

Karl May: Den habe ich in der Grundschule gelesen, ziemlich früh, und vielleicht bis in die fünfte Klasse hinein. Wenn ich in Fahrt war, schaffte ich ein Buch am Tag. Dabei haben mich die Amerika-Geschichten nie so interessiert; ich habe keinen einzigen Winnetou-Band gelesen, die Orient-Erzählungen dafür um so mehr. Vor zweieinhalb Jahren habe ich zufällig angefangen, wieder hineinzulesen, und mich jetzt an den Orientzyklus gemacht. Durch die Wüste Es beginnt damit, dass Kara Ben Nemsi und Halef eine Leiche in der Wüste finden, ein ermordeter französischer Kaufmann, wie sich herausstellt. Der Mörder wird verfolgt, aber letztlich bleibt die Tat … Continue reading "Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 1-3"