Tag Archives: Bücher

Hierokles und Philagrios, Philogelos

Von: | 12.8.2015

Warum musste ich „bin ja bald achtavierzg“-Jahre alt werden, bevor ich von diesem Buch erfahren habe? Hintergrund, aus Wikipedia und einem Nachwort zusammengeklaut: Im 4. Jahrhundert nach Chr., vielleichwahrscheinlich, erschien diese auf griechisch verfasste Witze-Sammlung. Sie ist in mehreren Versionen überliefert, keine davon vollständig, und enthält wohl auch älteres Material. Dass es solche Sammlungen gibt, weiß man aus anderen Quellen, aber diese ist die einzige, die überlebt hat. Über die Autoren (eher: Herausgeber, Sammler) weiß man wohl auch nichts, und der Zweck der Sammlung ist nicht ganz klar – vielleicht diente sie als Vorbereitung auf Feste von armen Gästen, von… Weiter lesen »

Graham Greene, Brighton Rock

Von: | 1.5.2015
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Nach gut zwanzig Jahren wiedergelesen, für die Leserunde. Am Anfang hat mir das Buch sehr gut gefallen. Fred irrt durch das Seebad Brighton, alptraumhaft verfolgt von einer Bande Kleinkrimineller, die ihn umbringen wollen. Nach Freds Tod ist die Hauptperson Pinkie, erst siebzehn Jahre, aber schon der neue Kopf der Gaunerbande. Pinkie trinkt nicht, raucht nicht, hatte noch nie etwas mit Frauen, ist aber ganz Macho. Auch Pinkie irrt aussichtlos durch eine ihm letztlich fremde Welt; unerreichbar fern das feine Hotel mit dem konkurrierenden, um Klassen erfolgreicheren Gangsterboss; verfolgt von einer Rache für Fred suchenden Dame; und ständig in der Sorge,… Weiter lesen »

Bram Stoker, Dracula

Von: | 1.4.2015
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Once again we went through that ghastly operation. I have not the heart to go through with the details. Ehrlich gesagt, das ging mir als Leser auch so. Lucy Westenra leidet an einer mysteriösen Blutarmut. Der hinzugezogene Professor van Helsing erkennt: da lässt sich allenfalls noch mit einer Bluttransfusion etwas machen, gefolgt von Knoblauch, Kruzifixen und ständiger Beaufsichtigung im Krankenzimmer. Aber irgendetwas geht immer schief mit diesen Vorsichtsmaßnahmen, so dass sich einige Zeit nach Lucys Verlobtem, Arthur Holmwood, auch noch Dr. Seward für eine Bluttransfusion zur Verfügung stellt, und einige Zeit danach van Helsing selber, und einige Zeit danach Quincey… Weiter lesen »

Julie Schumacher, Dear Committee Members

Von: | 7.3.2015
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1. Der Angelsachse weiß, wie man Kommittee wirklich schreibt, nämlich mit zwei von allem. Nur der Deutsche bildet sich die Extrawurst mit dem singulären „m“ ein, was mich maßlos verwirrt. Siehe neben committee auch: guerrilla, ditto, address. 2. In Romanen werden Geschichten erzählt. Im klassischen Briefromanen – Pamela, Werther – geschieht das in Form von Briefen, in denen der Schreiber der Briefe diese Geschichte erzählt, und zwar dem oder den Adressaten der Briefe. Das ist gar nicht so weit entfernt von einem regulären Ich-Erzähler mit geringer Erzähldistanz. Allerdings gibt es auch Briefromane, in denen der oder die Schreiber der Briefe… Weiter lesen »

Salman Rushdie, Haroun and the Sea of Stories

Von: | 27.1.2015
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„Wo kommen eigentlich die Geschichten her?“, will Haroun von seinem Vater wissen, dem gefeierten Geschichtenerzähler Rashid. Das interessiert ihn auch deshalb, weil Rashid plötzlich verstummt ist und nichts mehr erzählen kann. (Gleichzeitig hat seine Frau, Harouns Mutter, die Familie verlassen.) Selbst sein Abonnement aus der Sea of Stories will Rashid kündigen, der Quelle aller Geschichten. Denn da kommen alle Geschichten der Welt her; sie vermischen sich, verändern sich. Allerdings ist dieser Ozean in Gefahr: Der finstere Khattam-Shud hat das Schweigen zu einem Kult erhoben und bedroht die anderen Bewohner von Kahani mit seiner Armee des fanatischen Schweigens. Kahani: Das ist… Weiter lesen »

Cory Doctorow & Jen Wang, In Real Life

Von: | 12.1.2015
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Graphic Novel, etwa 175 Seiten. Um die 13 Euro. Zugegeben: Wenn es mehr gute Geschichten um Gamer und mehr gute Geschichten mit Heldinnen gäbe, dann würden mir bei In Real Life mehr die Nachteile einfallen. Die Geschichte ist ein bisschen dünn und plakativ, aber hey, das sind viele Jugendromane auch. Weil es aber nicht viel vergleichbare Bücher gibt, kann ich das nur empfehlen als Geschichte um eine Gamerin, ihre Onlinefreunde, jugendliche Naivität. Erfreulich – aber nicht verwunderlich, wenn man Doctorow kennt – ist, dass das Buch ohne die Klischees auskommt, die einem hierzulande bei Onlinespielern einfallen: Schlechte Noten, Realitätsverlust, falsche… Weiter lesen »

Mark Twain, A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court

Von: | 11.1.2015

Ich habe schon mal recht ausführlich darüber geschrieben, aber ich habe es wiedergelesen und mir ist Neues aufgefallen. — Inhalt — In der sehr kurzen Rahmenhandlung trifft Mark Twain als Tourist in einem englischen Schloss einen etwas verwirrt wirkenden Amerikaner, der ihm abends im Gasthof ein Manuskript mit seiner Geschichte in die Hand drückt: Hank Morgan wacht, nachdem er in einer ehrenhaften Schlägerei bewusstlos geschlagen wurde, im Mittelalter der legendären Artus-Zeit auf. Legendär: Das ist die Fassung des Artusstoffes, die zum Klassiker und Vorbild geworden ist, nämlich die von Thomas Malory, entstanden und vom ersten englischen Buchdrucker William Caxton gedruckt… Weiter lesen »