Tag Archives: Deutsch

Was ein Beispiel ist

Von: | 15.8.2015

Eine der ersten Unterrichtsstunden, die ich als beginnender Referendar mitansah, war bei meinem Seminarleher für Deutsch. Es ging um das, was damals in der 8. Klasse „Begründete Stellungnahme“ hieß und eine einfache Form des sachlichen argumentativen Schreibens war. Eine These, drei Argumente, die die These stützten, dazu Einleitung und Schluss. In dieser Stunde ging es konkret darum, wie man ein Argument aufbaut. (Die Dateien damit zählen zu den selbst erstellten Dateien auf meinem Rechner mit dem ältesten Änderungsdatum, März 1996.) Dazu gab es auf einem Arbeitsblatt eine Art vorgefertigte Stoffsammlung, und die Schülerinnen und Schüler mussten herausfinden, was sich als… Weiter lesen »

Bachmannpreisgucken in der Oberstufe

Von: | 10.7.2015

Anfang Juli finden jedes Jahr die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt statt, in deren Rahmen vor allem der Bachmann-Preis verliehen wird. Sieben Juroren schlagen dazu jeweils zwei Autorinnen oder Autoren vor, die eine unveröffentlichte Geschichte oder einen Romananfang mitbringen und dort vor den Jurorinnen und dem Publikum vorlesen. Nach jeder Lesung reden die Juroren dann kurz über das Werk. Und das alles live, vor Publikum, und im Fernsehen übertragen. Drumherum gibt es ein wenig Folklore für die Schlachtenbummler des Bachmannpreises (Bachmannpreisschwimmen und Bachmann Song Contest) und die Automatische Literaturkritik (Startpunkt für Recherche). Eine Doppelstunde für die Schule ist da… Weiter lesen »

Fontane, Irrungen, Wirrungen (annotiert)

Von: | 8.7.2015
fontane_irrrungen_wirrungen_kommentiert

Neulich war der Computerraum einmal während meiner Deutschstunde frei. Zuvor hatte ich an epischen Texten gezeigt, auf was man alles achten kann, jetzt sollten die Schülerinnen und Schüler zwei vorbereitete Kapitel aus Fontanes Irrungen, Wirrungen annotieren, jeweils eine Hälfte des Kurses ein Kapitel. Technisch war das dann doch nicht so einfach, aber darüber habe ich anderswo schon geschrieben, so dass eigentlich gar nicht so viel Zeit zum Arbeiten war. Insgesamt geht das aber sehr schön mit Google Docs: Da gibt man ein Dokument zur Kommentierung frei, und jeder, der den Link dazu erhält, kann Kommentare einfügen – aber sonst nichts… Weiter lesen »

Über die Behandlung von Gedichten im Deutschunterricht

Von: | 17.6.2015

In der Schule (Gymnasium, Bayern) ist die Textsorte Essay im Deutschunterricht eigentlich nur eine Variante des Kommentars mit mehr Zierrat. Das heißt: Parallelismen, Anaphern, Wortspiele (aber die sind schwierig). Sonderregel bei Herrn Rau: keine Ansprache an irgendwelche Leser, und ganz, ganz, ganz wenige Einwort-, Zweiwort- oder sonstwie unvollständige Sätze sowie rhetorische Fragen. Diese Stilmittel liegen den Schülerinnen und Schüler nämlich ganz nah an der Feder, und diese Stilmittel führen ganz besonders dazu, dass es mich beim Lesen schüttelt. Präskriptiv, deskriptiv, Abwägen, eigener Stil, alles klar – aber schütteln darf es mich nicht. Geeigneter sind Metaphern und andere Bilder, breit ausgeführte… Weiter lesen »

Gefundene Parabel (Arbeitsblätter von Kollegen 2)

Von: | 21.5.2015
gefundene_parabel_keuner_geschichte

Ich schaue mir ja gerne die Arbeitsblätter an, die von Kollegen in Klassenzimmern oder am Kopierer zurückgelassen werden. Vor ein paar Tagen fand ich das hier ungemein interessant, leider nur unvollständig erhalten: Etwas leichter zu lesen: Operation korrigiert werden kann. K wendet sich an V und erklärt ihm unter Zurverfügungstellung von „Berta“, er wolle wegen des „Mangels“ ein anderes Tier aus demselben Wurf. V erklärt zutreffend, er könne zwar eine andere Katze liefern, sei dazu jedoch nicht bereit. Das kam mir vage bekannt vor. Die Geschichten von Herrn K von Bert Brecht kannte ich doch eigentlich alle – war das… Weiter lesen »

Das Biedermeier

Von: | 11.5.2015

In der Schule spielt die Zeit zwischen Romantik und Realismus literaturgeschichtlich keine große Rolle. Man liest den – vielleicht gar nicht so typischen – Woyzeck von Büchner und schaut ein bisschen in seinen Hessischen Landboten hinein. Den Rest macht man als Kurzfassung: Das Biedermeier als Schwundstufe der Romantik (Rückzug ins Private, Genügsamkeit, regional ausgerichtet), als alternative Reaktion auf die Restaurationszeit das Junge Deutschland und später Vormärz (weltbürgerlich-liberale Forderung nach mehr Freiheiten). Dabei hat diese Zeit ihren eigenen Reiz. Und die Trennlinien sind gar nicht so klar. Siehe Turnvater Jahn: Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Eiselen, Die deutsche Turnkunst (Berlin 1816) Aber… Weiter lesen »

Erörterung in der Schule, und Essays

Von: | 16.4.2015

Seit vielen Jahren bin ich mit der Textsorte Erörterung in der Schule unzufrieden. Steht hier was dazu,, und hier noch mehr. Die Theorie zu dieser Textsorte – die kenne ich nicht. Nie gelernt, mich auch nie weitergebildet. Ich kenne auch keinen, der dazu gesicherte Informationen hat und nicht nur Alltagserfahrung… vielleicht mal bei Wikipedia schauen. …uh, nein. Heißt die Erörterung irgendwo tatsächlich noch „Besinnungsaufsatz“? Ich dachte, das Wort vermeidet man seit den 1970ern. Davor trieb man in der Mittelstufe Erörterung, und den Besinnungsaufsatz in der Oberstufe; heute gibt es nur noch die Erörterung. Sag ich mal nichts dazu. (Siehe Dietrich… Weiter lesen »