Tag Archives: Deutsch

Was ich gerade in meinen Klassen mache

By | 6.12.2016

Statt Referate müssen meine Neuntklässler in Deutsch das Jahr über Reden halten. Inhalt und Anlass dürfen sie frei wählen; es gibt eine Note auf den Vortrag und eine auf den Text, der Strktur aufweisen muss und Stilmittel, auf jeden Fall ein gutes Bild und Anaphern oder Parallelismen. Bisher hatten wir schon: Eine Rede zur Silberhochzeit der Eltern, eine zu einem fünfundzwanzigsten Betriebsjubiläum, eine Hochzeitsrede, eine Abiturrede, eine politische Rede anlässlich der US-Wahlen. Die Reden dürfen – angelehnt an eine Loriot-Rede im Schulbuch – Parodien auf Reden sein, das war bisher aber nur eine. Die Texte danach lesen sich gut, aber… Read More »

Zu abstrakt?

By | 29.11.2016

<small>(Zu unsauber, höre ich gleich den ersten Kommentar. Zugegeben. Ich habe die Tafel so von der geschätzten Kollegin übernommen.)</small> Meine Neuntklässler müssen gerade Essays schreiben, und die sind ja freier im Aufbau als die Erörterungen, die sie bisher gewöhnt sind. Das stellt sie vor heilsame Schwierigkeiten. Sie müssen selber entscheiden, welche Struktur sie ihrem Aufsatz geben, und dass er Struktur haben muss, das habe ich ihnen ausreichend klar gemacht. (Was mit Struktur eigentlich gemeint ist… das dauert sicher noch etwas, bis das klar ist.) Die Modelle A bis F habe ich auf der Tafel skizziert. Modell A ist das, was… Read More »

Fachsitzung Deutsch: KMS Aufsatz 2016

By | 16.11.2016

Ein KMS ist ein kultusministerielles Schreiben, mit verbindlichen Anweisungen aus dem Kultusministerium. So etwas kommt ab und zu, und dann muss man sich daran halten. Daneben gibt es noch den Kontaktbrief aus dem ISB, einer dem Kultusministerium nachgeordneten Behörde, die für dieses die tatsächlichen pädagogischen Aufgaben erfüllt, und den KontaktbriefPlus, weil nicht alles in einen einzigen Kontaktbrief passt. Das ist inhaltlich meist sinnvoller, enthält aber nur Anregungen und Informationen und keine Anweisungen. Die Inhalte all dieser Schreiben werden auf Fachsitzungen an den Schulen besprochen. Vor allem das KMS vom letzten Juli sorgt dabei für Trubel bei Deutschlehrern, es geht darin… Read More »

Gedankenaustausch bei Twitter: Deutungsthesen und Schulhomepages

By | 5.6.2016

Zwei Gedankenaustausche bei Twitter letzte Woche, der erste zum Thema Aufsatzdidaktik: Schülerinnen und Schüler schreiben in allen Bundesländern Interpretationsaufsätze zu Dramen, Erzählungen, Gedichten. Dazu gehört dann jeweils eine Beschreibung der wichtigsten Phänomene – Erzählverhalten, Figurenkonstellation, Art der Äußerungen, Form, und die bekannten sprachlichen und stilistischen Auffälligkeiten. Das alles soll aber münden in eine eigenständige Deutung des Textes: Was bedeutet das alles denn nun? (Das ist eine ganz andere Frage als die, was der Autor damit wollte, wird aber oft damit verwechselt.) Im Lehrplan heißt das: „Vor dem Hintergrund der Mehrdeutigkeit literarischer Texte entfalten die Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges Textverständnis… Read More »

Mir ist egal, was der Autor meinte

By | 12.5.2016

Übrigens habe ich da noch ein Bild für die Deutsch-#Lehrer*innen in meiner TL. PS: Mein Tweet hat keine Metaebene. pic.twitter.com/jUkzxO4fK1 — Dejan Mihajlović (@DejanFreiburg) 9. Mai 2016 (Bild: Was der Autor meinte vs. Was dein Deutschlehrer denkt, was der Autor meinte.) War sicher lustig gemeint, und sollte vielleicht einfach die Deutschlehrer auf die Palme bringen. Aber viele Leute scheinen echt zu glauben, das dass an diesen Gedanken etwas dran ist. Und das liegt an einem Missverstehen. Also: Mir als Lehrer und Leser ist egal, was der Autor meinte. Und hoffentlich – zugegeben, hoffentlich – ist das bei allen anderen Lehrern… Read More »

Zeitung in der Schule lesen

By | 22.4.2016

Zum Halbjahr habe ich eine 8. Klasse etwas unvermittelt übernommen; gestern haben wir Zeitung gelesen. Das habe ich ja schon ewig nicht mehr gemacht mit Schülern. So einfach, wie man sich das vorstellt („bringt doch alle mal eine Zeitung mit“) ist das gar nicht: Nicht alle Haushalte haben eine Zeitung, früher schon nicht, heute noch weniger. Und man darf auch nicht voraussetzen, dass die Schülerinnen einfach so die Zeitung mitnehmen dürfen, also: eher die vom Vortag sich geben lassen. Nicht alle Schüler wissen, was eine Zeitung ist. Was zusammengeheftet ist, ist eine Zeitschrift. Keine Zeitung: Anzeigen- und Wochenblätter, auch wenn… Read More »

Hugo Ball & Dada

By | 4.12.2015

Der folgende Text von Hugo Ball ist ein Klassiker aus seinen Tagebucherinnerungen, „Die Flucht aus der Zeit“ von 1927. Darin schildert eher die dadaistische Aufführung eines dadaistischen Gedichts. Den Dadaismus behandle ich in Deutsch nur ganz am Rande im Zusammenhang mit dem Expressionismus, aber ein dadaistisches Gedicht müssen ein paar Schülerinnen und Schüler der Oberstufe ihren Mitschülern schon präsentieren. Ein Foto habe ich nicht gemacht, und an den Aufzug von Hugo Ball – siehe Bericht und Foto unten – sind die Schüler nicht herangekommen. Aber ein mehrstimmiger Vortrag, etwas Verkleidung und eine Schriftrolle waren involviert. 23. VI 1916 Ich habe… Read More »

Fortbildung LehrplanPLUS

By | 17.11.2015

Heute war ich den ganzen Tag auf einer Fortbildung für die Fachbetreuer Deutsch. Es ging um die anstehende Einführung des neuen Lehrplans (https://www.lehrplanplus.bayern.de). Wie man der Webseite entnehmen kann, ist sie für alle Schularten in Bayern gedacht; ob eine davon federführend war, weiß ich nicht – aber wie kann man heutzutage noch ernsthaft auf einer hochoffiziellen Schulwebseite Comic Sans verwenden? Um Tafelschrift nachzuahmen? Was der Unterschied zwischen den Kompetenzen „Texte planen und schreiben“ und „über Schreibfertigkeiten bzw. -fähigkeiten verfügen“ wurde mir zwar in einem Satz erklärt, aber nicht so, dass ich ihn verstanden hätte. Es geht jedenfalls nicht um „richtig… Read More »

Friedrich Schiller, Der Geisterseher

By | 17.10.2015

„Einer der besten Krimis aller Zeiten“ hieß es vor drei Wochen in der Süddeutschen Zeitung (online) über Schillers Romanfragment Der Geisterseher, das in fünf Teilen in Heft 4-8 (1787-1789) der Zeitschrift Thalia erschien und danach für die erweiterte Buchausgaben noch etwas umgestaltet wurde. Das ist Unsinn. Das Buch ist meinethalben seiner Zeit voraus, genreprägend, stilbildend, vielleicht sogar ein Krimi, sicher Schillers größter Publikumserfolg – aber ein planloses Durcheinander, was Erzählweise und Plot betrifft. Der Graf von O. erzählt uns im Buch, was er selbst miterlebt hat: Die Geschichte vom Niedergang des Prinzen von **. Der ist ein deutscher Prinz, gut… Read More »

Ignaz Ferdinand Arnold, Der Schwarze Jonas

By | 4.10.2015

Der Schwarze Jonas, Kapuziner, Räuber und Mordbrenner. Ein Blutgemälde aus der furchtbaren Genossenschaft des berüchtigten Schinderhannes. Aus einem Inquisitions-Protokoll gezogen ist ein – darf ich sagen berüchtigter? dabei wenig bekannter? – Räuberroman von 1805. Ich habe ihn in einer Ausgabe aus dem Jahr 2000 gelesen, print on demand, aber trotzdem ansprechend gemacht, leider mit einigen Tippfehlern, aber dafür in der Reihe „ExcentricClub“ erschienen – das macht Vieles wett. In dem dtv-Band Lieblingsbücher von dazumal. Eine Blütenlese aus den erfolgreichsten Büchern von 1750-1860 (Hrsg. Horst Kunze), den ich nie ganz gelesen habe, weil mich der Satzspiegel abschreckt, taucht Arnold nur kurz… Read More »