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	<title>Lehrerzimmer &#187; Deutsch</title>
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	<description>Herr Rau erzählt von sich und der Schule. Ein Lehrerblog.</description>
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		<title>Macbeth in den Kammerspielen</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/06/macbeth-in-den-kammerspielen.htm</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Jun 2011 07:18:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Englisch]]></category>
		<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich gehe nicht gerne ins Theater. Das ist immer abends, und da bin ich müde. Außerdem sind komische Leute um mich herum. Aber das Hauptproblem ist, dass ich mich da oft langweile, selbst bei Stücken, die ich zum Lesen gut finde. Ich wünsche mir beim Theater eine hohe Informationsdichte, so wie ich mir bei Fernsehserien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich gehe nicht gerne ins Theater. Das ist immer abends, und da bin ich müde. Außerdem sind komische Leute um mich herum. Aber das Hauptproblem ist, dass ich mich da oft langweile, selbst bei Stücken, die ich zum Lesen gut finde. Ich wünsche mir beim Theater eine hohe Informationsdichte, so wie ich mir bei Fernsehserien grundsätzlich Split-Screen wünsche (also mehrere Fenster mit unterschiedlichen Szenen, gerne mit Bezug zueinander). Und wenn ich dort am Anfang der letzten Folge eines Vierteilers ein schnell geschnittenes &#8220;Was bisher geschah&#8221; sehe, wünsche ich mir einen ganzen Film, der so dicht erzählt ist wie dieser Rückblick.<br />
Und was kriege ich meist im Theater? Eine Gruppe von Menschen, die in sicher ganz wichtigen Konstellationen auf der Bühne stehen und bedeutungsvoll schweigen. Jedes Wort im Satz betonen, und dann wieder bedeutungsvoll gucken. Und schweigen, bedeutungsvoll. Das Haupt schütteln, schweigend. &#8212; Mein liebstes Theater nehme ich bitte gleich als Hörspiel, mit viel Text, wenig Pausen dazwischen, und schneller, dichter Vortragsweise. Wo die Leute stehen und wie sie gucken, ist mir dabei egal.</p>
<p>Gestern abend war ich in den <a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/programm/macbeth/">Kammerspielen bei Macbeth</a>. Die Kurzfassung: es hat mir vom ersten Moment an ausgezeichnet gefallen. Und ich glaube, das liegt an der Informationsdichte der Inszenierung, obwohl es natürlich auch geholfen hat, dass die fünf Schauspieler sehr gut waren. Diese Informationsdichte wurde nicht durch Handlung und Dialog erreicht, sondern eher durch lyrische Effekte, so wie Lyrik ja auch sehr informationsdicht ist. </p>
<p>Es dauerte eine ganze Weile, bis die erste Worte fielen, die doch sonst das sind, was mich interessiert. Aber meine Aufmerksamkeit hatte auch so genug zu tun. Am Anfang die drei Hexen, als bunte Fairy Godmothers gekleidet, die das Publikum wortlos neckten. Allein da schon Assoziationen zu englischer Pantomime. Die drei mit deutlich unterschiedlichen Charakteren, darunter eine etwas mufflige, von einem Mann gespielt. Da hatte ich sofort Terry Pratchetts Hexen im Kopf. Dann kamen Macbeth und Banquo auf dem Schlachtfeld, von den Hexen live mit Blut getränkt, Schattenspiel im Hintergrund mit der Königskrone. (Überhaupt passierte gerne etwas auf zwei Ebenen, vorne und im Haus hinten. Ein Haus, dessen Inneres so plötzlich in Erscheinung tritt wie das Sterbezimmer von Charles Foster Kane in der Anfangssequenz von <em>Citizen Kane</em>.) Macbeth und Banquo als zwei Schuljungen, mit freundschaftlichem, nicht ganz konkurrenzfreien Abhängigkeitsverhältnis, die ihre innige Verbundenheit, oder zumindest den Wunsch danach, mit einem Lied aus der West Side Story ausdrücken. Dann die Botenrede vom Krieg als Live-Kriegs- und Sport-Berichterstattung mit Mikrofon. Überhaupt wurde das große Mikrofon und sein langes Kabel viel als dramaturgisches Mittel verwendet (und keinesfalls derm Lautstärke wegen): zum Singen, zum Kenntlichmachen der Öffentlichkeit der Rede, für akustische Verfremdungseffekte. Oder es wurde dem Malcolm, König Duncans Sohn, in die Hand gedrückt, damit der etwas sagt &#8211; und der kein Wort herausbrachte wie Colin Firth in <em>The King&#8217;s Speech</em>.</p>
<p>Und wir sind immer noch erst ganz am Anfang des Stücks. So dicht ging es weiter. Nicht die ganze Zeit, und der 4. Akt hatte Längen, aber das muss so sein. Vierte Akte sind immer langweilig (ist mir bei <em>Cyrano</em> und <em>Twelfth Night</em> zum ersten Mal aufgefallen). Die haben sogar ein eigenes Wort dafür in der Dramentheorie: retardierendes Moment. Das kann also kein Versehen sein, das mit den langweiligen vierten Akten, sondern Absicht. Warum, weiß ich auch nicht. Als Ausnahmen fallen mir spontan ein: <em>A Midsummer Night&#8217;s Dream</em> &#8211; eigentlich nur vier Akte mit einem angehängten Spiel im Spiel &#8211; und <em>The Merchant of Venice</em> &#8211; vier Akte mit einer angehängten Gerichtsverhandlung.</p>
<p>Der Text des Stücks (Übersetzung von Thomas Brasch, bearbeitet von der Regisseurin Karin Henkel und Jeroen Versteele) wurde gekürzt. Das ist völlig in Ordnung. Immer wieder wurden Passagen dabei chorartig wiederholt, teilweise auf Deutsch und Englisch, nacheinander oder nebeneinander. Sprache war dabei ein lyrisches Stilmittel (und Shakespeare ist immer für schöne Bilder gut) neben anderen, visuellen Stilmitteln.<br />
Ein Problem habe ich nur mit dem Verwenden eines Soundtracks. Gesang und live gespielte Instrumente (das gab es auch) finde ich legitime dramaturgische Mittel. Text- und Bildeinblendungen ebenso, auch wenn es die in diesem Stück nicht gab. Aber Filmmusik, sozusagen, da fühle ich mich nicht wohl dabei. Es ist ein effektives dramaturgisches Mittel, keine Frage. Aber zu effektiv für mich, glaube ich. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass man einen selbst gedrehten Videofilm, gut oder schlecht, durch nichts so aufpeppen kann wie durch eine schöne Filmmusik im Hintergrund. Da ist sofort Spannung da, die Wertigkeit des Film steigt enorm. Text- und Bildeinblendungen haben diesen Effekt nicht. Jedenfalls mag ich Musikeinblendungen in Theateraufführungen nicht, die habe ich lieber unplugged, sozusagen,.</p>
<p>Wie sehen andere Theatergänger diese Inszenierung? Werden die bedeutungsschwangeren Pausen vermisst? Vielleicht wird die Inszenierung als bloße Unterhaltung gesehen. Das Stück wurde verhältnismäßig unkonventionell, aber vor allem unterhaltend inszeniert. Ich habe nicht das geringste Bedürfnis, nach einer darüber hinaus gehenden Interpretation dieser speziellen Inszenierung, ist das in Ordnung?</p>
<p>Ein Wort noch zu den Clowns: In Shakespeare selber ist nur der Türsteher eine komische Figur, wenn ich mich richtig erinnere. Hier waren es auch die zwei bis drei gedungenen Mörder, die Banquo und seinen Sohn Fleance töten sollen. Toll, wie die Schauspieler aus den Rollen zuvor plötzlich in diese komische Einlage wechselten. Fans der englischen Radioserie <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/I%27m_Sorry,_I%27ll_Read_That_Again">&#8220;I&#8217;m Sorry I&#8217;ll Read That Again&#8221;</a> (ISIRTA, etwa 1964-1975) kennen etwas Ähnliches aus der Macbeth-Episode, die man etwa <a href="http://www.myoldradio.com/old-radio-episodes/i-m-sorry-ill-read-that-again-macbeth/3">hier anhören</a> und <a href="http://www.sadena.com/BBC-Radio/ISIRTA%20I%27m%20Sorry%20I%27ll%20Read%20That%20Again/">da</a> herunterladen kann. (Der Macbeth-Sketch beginnt 15:15 die Mörder-Szene kommt ab 25:30.)</p>
<p>Mit Schülern habe ich Macbeth nie gelesen, war aber mal mit ihnen in einer Inszenierung und habe das Stück dazu kurz vorbereitet. Dazu habe ich die ISIRTA-Nummer vorgespielt, die tatsächlich einen guten Überblick über die Handlung gibt. Die Wortspiele und Anspielungen habe ich dazu herausgeschrieben, also setze ich die keinesfalls vollständige Liste mal hierher:</p>
<ul>
<li>Titus Andronicus: tight (=dicht, betrunken) as Andronicus</li>
<li>Scene 1: (I&#8217;ve) seen one</li>
<li>blasted heath (karge Heide): blasted Heath (verdammter Heath, Prime Minister)</li>
<li>infernal Wilson (Prime Minister vor und nach Heath)</li>
<li>a foul night: fowl (Geflügel)</li>
<li>to lash (peitschen)</li>
<li>a terrible night to be abroad (unterwegs): &#8230;a broad (eine Frau)</li>
<li>I noticed a hollow (cave/hole in ground): &#8230;hullo (=hello)</li>
<li>double, double, toil and bubble (witches&#8217; song): melody of &#8220;twinkle, twinkle, little star&#8221;</li>
<li>hail, hail, hail (=Heil): hail (=Hagel)</li>
<li>Thane (Scottish title)</li>
<li>issue (=Nachkommenschaft) : Ring a Ring o&#8217; Roses: Kinderspiel/-lied, mit dreimal Niesen (hatch-u, hatch-u, hatch-u), gefolgt von der Zeile &#8220;all fall down&#8221; (ein Relikt aus der Pestzeit)</li>
<li>throne (Thron): throne (Kloschüssel)</li>
<li>is this a dagger which I see before me (famous line)</li>
<li>the porter told (zählen/läuten – altertümlich) the bell: to tell (erzählen)</li>
<li>Lady Macbeth began wailing (weinen, klagen): &#8230;whaling (Walfangen)</li>
<li>Thar (=there) she blows: traditioneller Ruf bei Sichtung eines Wals</li>
<li>They brought in the corpse: &#8230;brought in the cops</li>
<li>traditioneller Polizistensatz: &#8220;Hello, hello, what&#8217;s all this here then?&#8221;</li>
<li>to crown (krönen): to crown (eins auf den Kopf geben)</li>
<li>he tore his hair&#8230; and stamped on his rabbit: &#8230;his hare (Hase)</li>
<li>to wash one&#8217;s hands: euphemism for going to the toilet</li>
<li>spot, damned spot (famous line)</li>
<li>you shall be king till Burnam wood shall come to Dunsinane (famous line)</li>
<li>stronghold (Festung): stronghold (Ringergriff)</li>
<li>bulwarks (&#8220;Bollwerk&#8221; &#8211; Zinnen oder so etwas&#8230;): bollocks (Hoden &#8211; aber anderes Register)</li>
</ul>
<p>Und natürlich ist keine Macbeth-Behandlung vollständig ohne James Thurbers geniales &#8220;<a href="http://www.google.de/search?q="The+Macbeth+Murder+Mystery"">The Macbeth Murder Mystery&#8221;</a>.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/06/macbeth-in-den-kammerspielen.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/06/macbeth-in-den-kammerspielen.htm#comments">1 Kommentar</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Max Frisch, Homo faber: Referate &#8211; und die Links dazu</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/06/max-frisch-homo-faber-referate-und-die-links-dazu.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/06/max-frisch-homo-faber-referate-und-die-links-dazu.htm#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 08:06:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Schullektüren]]></category>

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		<description><![CDATA[Im letzten Semester der Q12 lasen alle Deutschkurse an meiner Schule Homo faber von Max Frisch. Die Lehrer aller Oberstufen-Deutschkurse haben auch sonst viel zusammengearbeitet, aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal. 1. Die Referate Homo faber ist keines meiner Lieblingsbücher, aber die Schüler mochten es immer einigermaßen. Und selbst ich freundete mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im letzten Semester der Q12 lasen alle Deutschkurse an meiner Schule <em>Homo faber</em> von Max Frisch. Die Lehrer aller Oberstufen-Deutschkurse haben auch sonst viel zusammengearbeitet, aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.</p>
<h4>1. Die Referate</h4>
<p><em>Homo faber</em> ist keines meiner Lieblingsbücher, aber die Schüler mochten es immer einigermaßen. Und selbst ich freundete mich wieder damit an. Diesmal gingen wir so vor, dass wir &#8211; eine Anregung des Kollegen Z. &#8211; uns darauf beschränkten, die Beziehungen zur griechischen Mythologie in dem Roman herausarbeiten zu lassen. Davon gibt es nämlich überraschend viele, und da wir auch viele mündliche Noten brauchten, hielt jeder Schüler ein Referat. Die Themen waren unter anderem folgende:</p>
<ul>
<li>Daidalos</li>
<li>Prometheus </li>
<li>Hermes</li>
<li>Ikaros</li>
<li>Moiren</li>
<li>(Geburt der) Venus</li>
<li>Erinnyen</li>
<li>Orpheus</li>
<li>Hades, Charon und Styx</li>
<li>Agammemnon, Klytämnestra und Aigisthos</li>
<li>Sirenen/Kirke</li>
<li>Nekyia (Fahrt in die Unterwelt) </li>
<li>Ödipus</li>
</ul>
<p>Dabei sollten die Referate alle so aufgebaut sein:</p>
<ol>
<li>Beschreibung des antiken Mythos. (Dazu: Deutung des Mythos.)</li>
<li>Elemente des Mythos in <em>Homo faber</em>.</li>
<li>Andere Ausformungen des Mythos in der bildenden Kunst, Literatur oder Musik.</li>
</ol>
<p>Je nach Thema variiert dabei das Gewicht, das man auf die einzelne Punkten legen kann, aber Stoff gibt es bei allen reichlich. Es ist erstaunlich, wie viel in <em>Homo faber</em> steckt, wie viel man über Mythen sagen kann. Das bringt auch den Schülern etwas.</p>
<p>Im Prinzip liefen die Referate gut. Die meisten Schüler haben sich Mühe gegeben, einige sogar viel &#8211; kein Wunder, viel Zeit für mündliche Noten ist im letzten Semester nicht, und bei einer 1:1-Gewichtung spielt sie auch eine große Rolle. Nur bei zweien von meinen zwanzig Schülern hatte ich den Eindruck, dass sie weniger Energie darauf verwendet hatten, als ihnen eigentlich möglich war. Nur einmal wurde erkennbar die Stark-Sekundärliteratur zu <em>Homo faber</em> plagiiert &#8211; also kommentarlos in etlichen Formulierungen übernommen.</p>
<h4>2. Die Links unter den Referaten</h4>
<p>Auf einen Punkt muss ich aber beim nächsten Mal noch mehr achten: die verwendeten Quellen. Ja, ich habe den Schülern in der Bibliothek zwei Standardwerke zur griechischen Mythologie gezeigt. Verwendet wurden sie kaum. Stattdessen standen unter den meisten Referaten als Bibliographie drei, vier Weblinks. Eine kleine Auswahl:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.maerchen.net/antik/gr-daidalos_ika.htm">http://www.maerchen.net/antik/gr-daidalos_ika.htm</a><br />
Das ist eine x-beliebige Webseite mit einer Version der Sage, die es in dieser Fassung auf vielen anderen Seiten auch gibt, und die alle wohl auf die <a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/61/20">Projekt-Gutenberg-Seite mit dem Text</a> zurückgehen. Die unvollständigen bibliographischen Angaben dort lassen als Quelle vermuten: <em>Märchen und Sagen. Eine Reader&#8217;s Digest Sammlung</em>, 2 Bände, Stuttgart, Zürich, Wien: Das Beste 1969. Zitierenswert ist die Quelle ohnehin nicht. Wie schlimm ist es, dass irgendwelche beliebigen Fassungen aus dritter, vierter, fünfter Hand herangezogen werden? Einerseits gehört zu einem Mythos, dass es verschiedene Fassungen gibt. Andererseits zeigt diese Auswahl, dass man nicht den mindesten Gedanken darauf verwendet hat, sich eine gute Quelle zu besorgen.</li>
<li><a href="http://www.schwarzaufweiss.de/kreta/mythen.htm">http://www.schwarzaufweiss.de/kreta/mythen.htm</a><br />
<em>Schwarzaufweiss. Das Reisemagazin. Das Portal deutschsprachiger Reisejournalisten.</em></li>
<li><a href="http://www.gardnerian.de/mythologie/hermes.htm">http://www.gardnerian.de/mythologie/hermes.htm</a><br />
Ob der Schüler gemerkt hat, dass das eine Wicca-Seite ist? Kaum. Er hat jedenfalls mit keiner Silbe auf diese moderne Rolle des Mythos hingewiesen, wäre interessant gewesen.</li>
<li><a href="http://mitglied.multimania.de/votha/rom_gott/hermes.htm">http://mitglied.multimania.de/votha/rom_gott/hermes.htm</a><br />
Wenn schon oben drüber steht: &#8220;Das Meiste [sic] ist eine kurze Zusammenfassung der Internetseiten des Mythenlexikons (vgl. Linkliste) bzw. der Encarta-Enzyklopädie&#8221;, dann sollte der Schüler merken, dass es bessere Quellen gibt.</li>
<li><a href="http://www.denurio.de/meisterinfos/prometheus.txt">http://www.denurio.de/meisterinfos/prometheus.txt</a><br />
Tatsächlich ein gut geeigneter Text. Die Original-Quellenangabe steht auch ganz oben: &#8220;plus online &#8211; Die Zeitschrift der Universität Salzburg&#8221;, Nr. 4 &#8211; Juni 2000 &#8211; http://www.sbg.ac.at/plus/plus_4_98/gw/prometheus.html.&#8221; In so einem Fall zitiert man dann bitte die Originalquelle, die den Lehrer auch mehr beeindrucken dürfte als der tatsächliche Fundort. Ich meine, nichts gegen <em>Das Schwarze Auge</em> als Rollenspiel, aber als Quelle für ein Referat über griechische Mythen?</li>
<li><a href="http://www.fantasy-und-rollenspiel.de/helden/orpheus.html">http://www.fantasy-und-rollenspiel.de/helden/orpheus.html</a><br />
Ne, bitte nicht. Ich meine, ich bin ja ein alter Rollenspieler. Aber der Text dort ist außerdem direkt von Wikipedia abgeschrieben, wenn auch ohne Quellenangabe.</li>
<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/17/orpheus-und-eurydike">http://espritdescalier.de/blog/2008/02/17/orpheus-und-eurydike</a><br />
Ein Blogartikel, mit eigenem Text und eigenen Gedanken und Quellenangaben: das ist okay.</li>
<li><a href="http://www.vollmer-mythologie.de/agamemnon/">http://www.vollmer-mythologie.de/agamemnon/</a><br />
Im Prinzip okay, aber richtiger wäre gewesen, auch hier die Quelle zu nennen: <em>Vollmer&#8217;s Mythologie aller Völker</em>, Stuttgart 1874. Hat der Schüler überhaupt kapiert, woher dieser Text stammt?</li>
<li><a href="http://www.grin.com/de/e-book/105426/frisch-max-homo-faber-inwiefern-unterscheidet-sich-faber-am-schluss">http://www.grin.com/de/e-book/105426/frisch-max-homo-faber-inwiefern-unterscheidet-sich-faber-am-schluss</a><br />
Eine Schul-Facharbeit, was immer das außerhalb Bayerns heißt. Einer der beiden Kommentare darunter lautet: &#8220;OK. Sehr unübersichtlich geschrieben! Viele Punkte fehlen. Lass es lieber das nächste mal.&#8221;</li>
<li><a href="http://members.multimania.nl/puschelpfote/homo_faber/blindheit_erinnye.htm">http://members.multimania.nl/puschelpfote/homo_faber/blindheit_erinnye.htm</a><br />
&#8220;Puschelpfote&#8221;, ernsthaft?</li>
</ul>
<h4>3. Schlussfolgerungen</h4>
<p>Meine Interpretation dieser Quellen: die Schüler arbeiten zu Hause und nicht in der Bibliothek, sie leihen sich keine Bücher aus und kopieren sich keine Aufsätze. Das verstehe ich erst mal. Gute Aufsätze sind rar, vor allem in unserer spärlichen Bibliothek. Also bleibt das Web als Quelle. Aber bei der Bewertung dieser Quellen unterlaufen noch Fehler.<br />
<strong>Erstens </strong>enthalten viele Quellen nur den den Wikipedia-Text, manchmal ohne dass das dort steht, manchmal mit korrekter Angabe. Dann soll man gefälligst Wikipedia selbst als Quelle nennen &#8211; entweder die Schüler erkennen den Originalort nicht, oder sie haben verinnerlicht, dass Deutschlehrer keine Wikipedia-Links mögen. <strong>Zweitens</strong>: manche Links sind gar nicht nötig, etwa ein Link zu einem x-beliebigen Fundort von Heines &#8220;Loreley&#8221;. Ich nehme an, das liegt daran, dass die Schüler wissen, dass irgendwelche Links von ihnen erwartet werden, dass diese aber eine bestimmte Qualität haben sollen, ist nicht klar. Soviel zum W-Seminar. <strong>Drittens </strong>fehlt die kritische Würdigung der Seiten: manche sind einfach zu trivial. Das gilt auch für Bücher. <em>Tessloffs Enzyklopädie Mythologie</em>? Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10-12 Jahre.</p>
<p>Was für Konsequenzen soll ich aus diesen Links ziehen? Zum einen vielleicht gar keine. Meine eigenen Referatsquellen waren im Gymnasium nicht besser. Und ein gelegentlich eingeschmuggelter alberner Eintrag in der Bibliographie ist Tradition. Aber wann lernen die Schüler einen anderen Umgang mit Quellen &#8211; doch erst an der Uni? Ich hatte nicht mal Zeit, das mit den Links groß zu thematisieren.  </p>
<ul>
<li>In Zukunft bei jedem Link den Namen eines Autors verlangen. Kein Name, keine Verlinkung. Vielleicht achten die Schüler dann mehr darauf, von wem der Text stammt.</li>
<li>Recherchieren üben. Aber das kostet Zeit.</li>
<li>Hat das W-Seminar versagt, in dem die Schüler doch wissenschaftspropädeutisch betreut werden sollten? Nicht direkt: W-Seminar ist W-Seminar und Deutschreferat ist Deutschreferat, und die beiden haben nichts miteinander zu tun. Ob das jetzt Wissen oder Kompetenz ist, das im Seminar erworben wurde: es bleibt fürs Seminar reserviert und wird nicht auf andere Fächer übertragen.</li>
<li>Ein Versuch fürs nächste Jahr, etwa in der 10. Klasse: ein Referat zu Nathan vergeben, etwa &#8220;Nathan als Kaufmann/Geld in <em>Nathan</em>&#8220;, und zwar an zwei Schüler. Der eine darf als Material nur einen Aufsatz zum Thema nehmen, den ich dem Schüler gebe. Der andere darf das gesamte Internet als Materialquelle verwenden. Wo kommt das interessantere Referat heraus?</li>
</ul>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/06/max-frisch-homo-faber-referate-und-die-links-dazu.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/06/max-frisch-homo-faber-referate-und-die-links-dazu.htm#comments">8 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Phantasiererörterung</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/05/phantasiereroerterung.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/05/phantasiereroerterung.htm#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 13 May 2011 14:38:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>

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		<description><![CDATA[Neben der Phantasiererzählung gibt es natürlich auch die Aufgabensorte der Phantasieerörterung. In der 7. Klasse so: Ein unbekannter Gönner hat der Schule 20.000 Euro geschenkt unter der Bedingung, dass die Schüler darüber entscheiden, was mit dem Geld geschehen soll. Schlage eine Sache vor, für die das Geld ausgegeben werden soll, und begründe deinen Vorschlag. Bin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neben der Phantasiererzählung gibt es natürlich auch die Aufgabensorte der <em>Phantasieerörterung</em>. In der 7. Klasse so:</p>
<blockquote><p>Ein unbekannter Gönner hat der Schule 20.000 Euro geschenkt unter der Bedingung, dass die Schüler darüber entscheiden, was mit dem Geld geschehen soll. Schlage eine Sache vor, für die das Geld ausgegeben werden soll, und begründe deinen Vorschlag.</p></blockquote>
<p>Bin schon mal gespannt, was alles herauskommt. Nach Rücksprache konnte die Summe auf 40.000 Euro aufgestockt werden, falls die Idee gut, aber teuer war. Überhaupt muss man vorher klären, wofür 20.000 Euro überhaupt reichen. Hm, schönes Recherchethema für die Schülerzeitung, fällt mir gerade ein: wieviel was am Schulunterhalt so kostet.</p>
<p>(Dass man mit Geld nicht alle Probleme lösen kann, kommt dann in den nächsten Jahren.)</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/05/phantasiereroerterung.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/05/phantasiereroerterung.htm#comments">3 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Schiedsrichterhandzeichen</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/05/schiedsrichterhandzeichen.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/05/schiedsrichterhandzeichen.htm#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 May 2011 18:55:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Schule (mal machen)]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Marginal Revolution gefunden (also, nicht wirklich selber gefunden, lange Geschichte): Das käme dann auch als Poster in meine Schulbibliothek. Beim Debattieren, Argumentieren, Philosophieren gibt es ebenso Spielfehler wie etwa beim Basketball, und wie schön wäre es, wenn Schüler und Lehrer diese Zeichen verstehen würden. Aber leider sind ja nicht mal die Spielfehler besonders bekannt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei <a href="http://marginalrevolution.com/marginalrevolution/2011/04/philosophy-referee-signals.html">Marginal Revolution</a> gefunden (also, nicht wirklich selber gefunden, lange Geschichte):</p>
<p><a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/debating_signals2.jpg"><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/debating_signals2-536x1024.jpg" alt="" title="debating_signals2" width="536" height="1024" class="aligncenter size-large wp-image-3226" /></a></p>
<p>Das käme dann auch als Poster in meine Schulbibliothek. Beim Debattieren, Argumentieren, Philosophieren gibt es ebenso Spielfehler wie etwa beim Basketball, und wie schön wäre es, wenn Schüler und Lehrer diese Zeichen verstehen würden.</p>
<p>Aber leider sind ja nicht mal die Spielfehler besonders bekannt. In den Kommentaren zu englischen Blogs stoße ich ständig auf Begriffe wie <em>slippery slope</em>, <em>straw man</em>, <em>non sequitur</em>, <em>false analogy</em>. Ich gehe mal davon aus, dass diese Begriffe in der Schule gelernt werden, weil sie so verbreitet sind. Deutsche Kommentare lese ich weniger, zugegeben, aber da stoße ich nie auf solche Begriffe. Einmal im Jahr irgendwo ein <em>ad hominem</em>, aber das war es dann schon. Wie kommt das eigentlich? Kommentieren in den USA nur Schüler, die im Debattierclub waren?<br />
Früher habe ich ab und zu mal Auszüge aus: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eristische_Dialektik">Eristische Dialektik, oder die Kunst Recht zu behalten</a> von Schopenhauer im Unterricht behandelt. Könnte ich mal wieder herauskramen und unserem Kanon zu lesender Texte hinzufügen.</p>
<p>In vielen Situationen sind Schiedsrichter tatsächlich sinnvoll. Wie sagte mir einst ein Sportlehrer, oder war es eine Sportlehrerin: &#8220;Begehen Jungen Spielfehler, warten sie, bis der Schiedsrichter pfeift und eine Entscheidung fällt. Mädchen geben einen Fehler zu, ohne sich zu vergewissern, dass der Schiedsrichter den Fehler erkannt hat.&#8221; Manchmal ist das auch so in der Zusammenarbeit mit den Kollegen, angefangen beim Breitmachen auf den Tischen im Lehrerzimmer: die einen holen heraus, was nur geht &#8211; solange kein Schiedsrichter pfeift, gibt es kein Foul. Weitere Beispiele gehören nicht hierher.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/05/schiedsrichterhandzeichen.htm">Permalink</a> |
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<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Expressionistische Gedichte, gefälscht</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/03/expressionistische-gedichte-gefalscht.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/03/expressionistische-gedichte-gefalscht.htm#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 Mar 2011 06:52:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischendurch gemacht in der Q12: Jeder Schüler sollte ein Gedicht schreiben, das &#8211; für Mitschüler &#8211; möglichst nicht von einem echten expressionistischen Gedicht zu unterscheiden war. Danach sollten die Gedichte bei Moodle hochgeladen werden, wo ich sie dann zusammenstellen und eine Abstimmung darüber anlegen würde. Und so geschah es auch: letztlich schafften es dreizehn der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischendurch gemacht in der Q12: Jeder Schüler sollte ein Gedicht schreiben, das &#8211; für Mitschüler &#8211; möglichst nicht von einem echten expressionistischen Gedicht zu unterscheiden war. Danach sollten die Gedichte bei Moodle hochgeladen werden, wo ich sie dann zusammenstellen und eine Abstimmung darüber anlegen würde. Und so geschah es auch: letztlich schafften es dreizehn der anwesenden Schüler, ihr Gedicht pünktlich abzuliefern; ich legte selber noch ein nachgemachtes Gedicht von mir dazu (im Unterricht entstanden) und ließ den Parallelkurs abstimmten, welches unter den Gedicht das angeblich echte sei.</p>
<p>Erstaunlicherweise verteilten sich ein Großteil der Stimmen auf genau zwei Gedichte, und meines war nicht dabei. Die Gewinner bekamen Schokolade. Ein echtes expressionistisches Gedicht war entgegen meiner Ankündigung nicht dabei gewesen, da ich vermutet hatte, dass das dann doch jeder sofort erkennen würde. Inzwischen bin ich mir nicht so sicher. </p>
<p>Ich habe hier mal die Schülergedichte, das Lehrergedicht und ein echtes Gedicht aus der Sammlung <em>Menschheitsdämmerung</em> von Kurt Pinthus in alphabetischer Folge zusammengestellt. Ich habe drei Fragen, falls jemand meiner Leser mitspielen möchte: welches Gedicht ist das echte, welches ist von mir, welches haben die Schüler mit Abstand zu einem echten erklärt?</p>
<blockquote><p>1<br />
Das Ende</p>
<p>Von weit her nähert es sich an,<br />
Der Schneesturm es begleitend.<br />
Es baut sich auf wie ein Mann,<br />
Die Gnade vom Gesichte weichend.</p>
<p>In einem schnellen Tanze es sich bewegt.<br />
Durch das Dunkle der Gassen sich frisst.<br />
Wo es brauste, sich nichts mehr regt.<br />
Es nimmt des Menschen letzte Lebensfrist. </p>
<p>&#8212;<br />
2<br />
Die Lagerfeuer an der Küste rauchen.<br />
Ich muss mich niederwerfen tief in Not.<br />
Leoparden wittern mein Gesicht und fauchen.<br />
Du bist mir nahe, Bruder Tod. </p>
<p>Verworren zuckt Europa noch im Winde<br />
Von Schiffen auf dem fabelhaften Meer;<br />
Durch die ungeheure Angst bricht her<br />
Schrei einer Mutter nach dem kleinen Kinde.</p>
<p>&#8212;<br />
3<br />
Es wird dunkel, die Nacht bricht herein.<br />
Das tödliche Ungeheuer nähert sich der Stadt,<br />
und die Bewohner beginnen zu schrein.<br />
Der feurige Atem entzündet die Wälder<br />
und vernichtet die Welt; doch als die Sonne erwacht<br />
wird die Welt neu gemacht. </p>
<p>&#8212;<br />
4<br />
Gebäude brennen lichterloh,<br />
Kinder schauen nicht mehr froh.<br />
Schweifende Blicke gehen umher,<br />
Leben gibts nun nimmermehr.</p>
<p>Gebäude brennen lichterloh,<br />
nun hüpfen Flammen, wie die Kinder so.<br />
Ein lachendes Inferno frisst die Stadt,<br />
Feuer setzt die Stadt schachmatt. </p>
<p>&#8212;<br />
5<br />
Häuser stehen leer,<br />
es brennt.<br />
Menschen laufen wild umher,<br />
man rennt.</p>
<p>Winde wehen von den Türmen,<br />
man fängt an die Bank zu stürmen<br />
um dann noch sein letztes Geld,<br />
in der kaputten, toten Welt<br />
in den Kneipen auszugeben.</p>
<p>Häuser stehen leer,<br />
es rennt.<br />
Menschen laufen wild umher,<br />
man brennt. </p>
<p>&#8212;<br />
6<br />
Leute laufen durcheinander, umeinander, umher<br />
tausend helle Schreie toben in den Gassen laut<br />
durch die Straßen jagt ein riesen Menschenmeer<br />
bis in der Früh der Morgen graut </p>
<p>Von den Dächern stürzen schwarze Felsen<br />
und schlagen einen Jeden tot<br />
Millionen schreien aus vollen Hälsen<br />
und das Menschenmeer wird langsam rot. </p>
<p>&#8212;<br />
7<br />
Nachtruhe</p>
<p>Schwarze Nacht. Fahrt<br />
Ohne Ende tönen Wogen,<br />
Schleppen Schleier aus Dunst<br />
In die lichtlose Stadt.<br />
Kein Schrei, nur jede Ecke<br />
Misstraut der nächsten Kante<br />
Und Kurven flüchten in die Dunkelheit.<br />
Dunst und hoher Kamine Rauch<br />
Türmen sich zu Missgebilden,<br />
Töten wenn der Morgen graut. </p>
<p>&#8212;<br />
8<br />
Neuanfang</p>
<p>Die Welt geht unter<br />
auch Gott lässt sie sterben, denn ihn gibt es nicht.<br />
Menschen munter Welt zu retten<br />
wirres Chaos entbricht</p>
<p>Menschenfluten in den Scherbenhaufen der Städte,<br />
Lüstern,<br />
Neues zu erschaffen.<br />
Die Muskeln des Untergangs langsam erschlaffen.</p>
<p>Der Neuanfang liegt nun im Bette<br />
und erwacht. </p>
<p>&#8212;<br />
9<br />
Nudrev</p>
<p>Kanonen kriechen schreiend Richtung schwarze Mauer,<br />
Feuer trümmert Hand entzwei,<br />
Ostens steht des Reiters rote Auge Lauer,<br />
Gleich zerstört das Heer in Reih‘.</p>
<p>Tausend Waffen sind schon tot,<br />
Tyrann den Zug regiert,<br />
Blauer Fluss in großer Not,<br />
Schwarz Tod den Mord negiert. </p>
<p>&#8212;<br />
10<br />
Schicksal</p>
<p>In den Städten peitschte die rote Feuerbrunst,<br />
Keiner mag das Ausmaß kennen, es zu überleben<br />
Und schaut, hört ein neues dunkles Beben,<br />
Warum geschieht dies hier, die Menschen haben keinen Dunst</p>
<p>Es ward Morgen, als alles still und farbenfroh erwachte,<br />
Doch von den Städten waren keine Massen<br />
Es war das Ende vieler, es rasteten alle Rassen<br />
Nur das blaue Meer bewegte sich sachte1 </p>
<p>&#8212;<br />
11<br />
Schwarze Fahnen windig wehen,<br />
Häuserdächer tiefes Gröhlen,<br />
Tod und Teufel durch die Gassen,<br />
um zu holen diese Massen.<br />
Wie Nacht und Nebel, Finsternis und Dunkelheit,<br />
die Welt dem Ende, Dämmerung und Einsamkeit.<br />
Bis zum Morgen, Angst und Schrecken,<br />
bis die Glocken Menschen wecken. </p>
<p>&#8212;<br />
12<br />
Untergang</p>
<p>Dunkel färbt sich der Himmel,<br />
Schreie laufen durch das Land<br />
und von den Vögeln überall Gewimmel.<br />
So war&#8217;s bisher niemandem bekannt!</p>
<p>Die Meere türmen sich zu Bergen,<br />
Häuser brechen in sich zusammen,<br />
Menschen laufen auf Millionen Scherben.<br />
Alle sind in dieser Welt gefangen. </p>
<p>&#8212;<br />
13<br />
Vom Mantel springt dem dicken Mann ein Knopf<br />
Und Mädchen lächeln wohlig und verzückt.<br />
Ein Herr verliert im Übermut den Kopf<br />
Und ferne Hunde bellen wie verrückt.</p>
<p>Die Züge fahren auf den morschen Schienen<br />
Und Pferde legen sich zum Sterben hin<br />
Herunter purzeln Reitersleut mit ihnen<br />
Und freuen sich an ihrem heitern Sinn.</p>
<p>&#8212;<br />
14<br />
Welt der Kontraste</p>
<p>Brennend kommt er der Stadt entgegen,<br />
brennend die Lichter auf allen Wegen.<br />
In Dunkelheit und Kälte sehr<br />
die Nacht entzündet die Flammen wie Meer.</p>
<p>Mal warm, mal kalt, dunkel und hell<br />
die Welt geht zu Grunde mal langsam, mal schnell.<br />
Sie fallen und fallen, die Welt, der Himmel ist grell<br />
er stirbt und raucht auf dem brennenden Fell. </p>
<p>&#8212;<br />
15<br />
Zerrissen sind die ansichten<br />
Voller zweifel findet sicht<br />
Alles gleicht dem nichten<br />
Am ende entsteht licht<br />
Verlangen steigert sehr<br />
Ende ist nicht mehr</p></blockquote>
<p>Wie oben angedeutet: ich bin mir nachträglich nicht sicher, dass Schüler das echte Gedicht als solches erkannt hätten. Ich bilde mir erstens ein, dass das echte Gedicht herausssticht unter all den anderen, und dass ich zweitens bei fast allen Schülergedichten den Finger auf eine Stelle legen kann, von der ich sage: hier hakt es! (Auch wenn der Rest gut ist.) Und ich glaube drittens, dass meine Schüler diese Stellen nicht als solche erkennen.</p>
<p>Das soll übrigens kein Vorwurf an die Schüler sein, sondern eine Feststellung. Vielleicht ist das auch gar nicht schlimm. Vielleicht ist das auch ein Punkt, um didaktisch anzusetzen. Ich würde gerne mehr Lyrik machen, aber weniger Epochen. Und einen Wahlkurs &#8220;Gedichte schreiben&#8221; vielleicht.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
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<br/>
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		</item>
		<item>
		<title>Jugendsprache (9. Klasse, gesammelt)</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/03/jugendsprache-9-klasse-gesammelt.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/03/jugendsprache-9-klasse-gesammelt.htm#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 15:27:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles, was ich bisher als Lexikon der Jugendsprache angepriesen gesehen habe, ist kaum brauchbar. Es enthält allerlei Scherz- und Neckworte, vielleicht sogar tatsächlich von Jugendlichen zusammengetragen, aber ein Großteil davon hat nie ernsthaft zu irgendeiner Jugendsprache irgendwo gehört. Meine Neuntklässler haben mal bei ihren Facebook-Kontakten nur mal kurz danach gesucht, was Jugendliche tatsächlich verwenden. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles, was ich bisher als Lexikon der Jugendsprache angepriesen gesehen habe, ist kaum brauchbar. Es enthält allerlei Scherz- und Neckworte, vielleicht sogar tatsächlich von Jugendlichen zusammengetragen, aber ein Großteil davon hat nie ernsthaft zu irgendeiner Jugendsprache irgendwo gehört. Meine Neuntklässler haben mal bei ihren Facebook-Kontakten nur mal kurz danach gesucht, was Jugendliche tatsächlich verwenden. Die Schülerergebnisse, von mir nur alphabetisch sortiert:</p>
<p><b>Assi:</b> Unterschicht<br />
<b>Cheater:</b> jemand der betrügt<br />
<b>chillen:</b> relaxen, abhängen<br />
<b>düsen:</b> sich schnell bewegen<br />
<b>ends-:</b> (positiv/verstärkend)<br />
<b>episch:</b> (positiv)<br />
<b>fuck:</b> (Ausruf)<br />
<b>Gaser:</b> Lustige Leute<br />
<b>gay:</b> (negativ)<br />
<b>grindig:</b> (negativ)<br />
<b>Kein Ding:</b> Kein Problem<br />
<b>Kein Peil:</b> keine Ahnung<br />
<b>Kein Plan:</b> keine Ahnung<br />
<b>Kobold:</b> schlecht aussehend, nichts könnend<br />
<b>krass:</b> (positiv)<br />
<b>laser:</b> (positiv)<br />
<b>läuft:</b> (positiv)<br />
<b>Like:</b> (Ausruf)<br />
<b>madig:</b> (negativ)<br />
<b>Mok:</b> Dreck<br />
<b>Mook:</b> hat keine Anhnung von Computern<br />
<b>Mucke:</b> Musik<br />
<b>nice:</b> (positiv)<br />
<b>Noob:</b> Anfänger<br />
<b>Oida, Alter:</b> (Anredeform)<br />
<b>Opfer:</b> (negativ)<br />
<b>ranzen:</b> schlafen<br />
<b>raven:</b> (?)<br />
<b>schwul:</b> (negativ)<br />
<b>Sees:</b> Hallo, Servus<br />
<b>sick:</b> krank (positiv gemeint)<br />
<b>strike:</b> (Ausruf)<br />
<b>THX:</b> Danke (netzschriftlich)<br />
<b>wayne:</b> egal<br />
<b>zocken:</b> spielen (mit Computer)</p>
<p>Die meisten Begriffe kenne ich, ein paar habe ich noch nie gehörtaber . Einige &#8211; Noob, THX &#8211; dürften nur schriftlich und im Netz auftauchen. Klar erkennbar die vielen Wörter, die irgendwie positiv oder negativ besetzt sind, aber darüber hinaus keine Bedeutung haben. Das dürfte bei Erwachsenen nicht anders sein, &#8220;hervorragend, brilliant, ausgezeichnet&#8221; werden wohl auch oft synonym verwendet.</p>
<p>Ansonsten habe ich mal die These ausprobiert, die in einem Zeitungsartikel im Schulbuch aufgestellt wird: die Jugendszene sucht gesellschaftlich positiv besetzte Wörter und verwendet sie negativ, und umgekehrt ebenso. Mal kurz die Schüler gefragt, was zur Zeit negativ besetzt ist: </p>
<ul>
<li>Gaddafi</li>
<li>Regime</li>
<li>Plagiat</li>
</ul>
<p>Und was positiv ist:</p>
<ul>
<li>umweltschonend</li>
<li>Integration</li>
</ul>
<p>Also ausprobieren:</p>
<ul>
<li>&#8220;Der neue Deutschlehrer ist echt umweltschonend.&#8221; (Abwertend gemeint.) Funktioniert.</li>
<li>&#8220;Spitzenleistung. Volles Plagiat.&#8221; (Respektvoll gemeint.) Funktioniert.</li>
</ul>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/03/jugendsprache-9-klasse-gesammelt.htm">Permalink</a> |
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<br/>
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		</item>
		<item>
		<title>Heute Vorlesung</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/02/heute-vorlesung.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/02/heute-vorlesung.htm#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Feb 2011 13:36:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Schule (mal gemacht)]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute haben wir mit ersten Vorlesungen begonnen, von denen ich weiß, dass andere Schulen damit schon länger experimentieren: probehalber, für die Q12, im Rahmen einer jahrgangsinternen Ringvorlesung. Wir haben erst mal die scheidende Referendarin vorgeschickt, weil wir Schisser sind ihr Gelegenheit zu einer Abschiedsveranstaltung geben wollten. Sie hat das auch sehr gut gemacht. Thema: Kafka. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="display:block;margin-right:auto;margin-left:auto;" alt="image" src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/wpid-IMAG0034.jpg" /></p>
<p>Heute haben wir mit ersten Vorlesungen begonnen, von denen ich weiß, dass andere Schulen damit schon länger experimentieren: probehalber, für die Q12, im Rahmen einer jahrgangsinternen Ringvorlesung. Wir haben erst mal die scheidende Referendarin vorgeschickt, weil wir <strike>Schisser sind</strike> ihr Gelegenheit zu einer Abschiedsveranstaltung geben wollten. Sie hat das auch sehr gut gemacht. Thema: Kafka.</p>
<p>(Eigentlich sollten die Q12-Schüler vom letzten Jahr die Vortragende kennen, aber mindestens einer war dabei, der im Anschluss daran, in den einzelnen Kursen, fragte: &#8220;Aber die, die war schon eine von der Uni, oder?&#8221; Ich führe das auch auf den Hosenanzug zurück: zumindest die beiden Fachbetreuer des Faches Deutsch an dieser Schule sind eher pullovrig und weniger universitär-repräsentativ. Darf ich doch so sagen, oder? Aber natürlich lag es noch mehr an dem gut gemachten Vortrag und der präzisen Ausdrucksweise.)</p>
<p>Den Schülern hat das wohl gefallen. Ich habe mir nach der Vorlesung &#8211; knapp 45 Minuten &#8211; im zweiten Teil der Doppelstunde die Mitschriften zeigen lassen und deren Übersichtlichkeit gelobt. Hat also auch gepasst. Informationsdichte, Vortragsweise, Schwierigkeitsgrad fanden die Schüler auch gut.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/02/heute-vorlesung.htm">Permalink</a> |
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<br/>
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		</item>
		<item>
		<title>Deutschaufsatz am Nachmittag (&#8220;Schulaufgabe&#8221;)</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/01/deutschaufsatz-am-nachmittag-schulaufgabe.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/01/deutschaufsatz-am-nachmittag-schulaufgabe.htm#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Jan 2011 07:01:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ich dachte ja erst mal, dass es ätzend wird, aber im Grunde war es dann entspannt. Also, bei einer Deutschschulaufgabe.&#8221; &#8220;Ich fand, das einzigste Problem war, dass man das Fenster nicht aufmachen konnte wegen der ganzen Nachmittagsbetreuung.&#8221; &#8220;Wegen der Pause davor war es wie in der 1. oder 3. Stunde, aber ab der 4. Stunde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Ich dachte ja erst mal, dass es ätzend wird, aber im Grunde war es dann entspannt. Also, bei einer Deutschschulaufgabe.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich fand, das einzigste Problem war, dass man das Fenster nicht aufmachen konnte wegen der ganzen Nachmittagsbetreuung.&#8221;</p>
<p>&#8220;Wegen der Pause davor war es wie in der 1. oder 3. Stunde, aber ab der 4. Stunde wird es anstrengend, da ist nachmittag fast besser.&#8221;</p>
<p>&#8220;Nur wenn Deutsch, und nur wenn es nicht anders geht. So gut fand ich das nicht.&#8221;</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/01/deutschaufsatz-am-nachmittag-schulaufgabe.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/01/deutschaufsatz-am-nachmittag-schulaufgabe.htm#comments">2 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Gregor aß nun fast gar nichts mehr: Automatisches Zusammenfassen</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/01/gregor-ass-nun-fast-gar-nichts-mehr-automatisches-zusammenfassen.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/01/gregor-ass-nun-fast-gar-nichts-mehr-automatisches-zusammenfassen.htm#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 06:09:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.herr-rau.de/wordpress/?p=3146</guid>
		<description><![CDATA[Warum sagt man mir das erst jetzt? Word, also das von Microsoft, hat eine tolle Funktion: AutoZusammenfassen. Bei meinem alten Word 2000 ist das im Menü &#8220;Extras&#8221;, bei den aktuellen Versionen gibt es das auch, man muss aber danach suchen &#8211; über &#8220;alle Funktionen&#8221; am besten, und dann irgendwo in die Toolbar legen. Diese Funktion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum sagt man mir das erst jetzt? <em>Word</em>, also das von Microsoft, hat eine tolle Funktion: <strong>AutoZusammenfassen.</strong> Bei meinem alten Word 2000 ist das im Menü &#8220;Extras&#8221;, bei den aktuellen Versionen gibt es das auch, man muss aber danach suchen &#8211; über &#8220;alle Funktionen&#8221; am besten, und dann irgendwo in die Toolbar legen. Diese Funktion kürzt gegebene Texte auf eine bestimmte Menge von Sätzen, oder auf einen prozentualen Anteil, oder auf &#8220;unter 100 Wörter&#8221;. Dabei werden alle Sätze ausgewertet und nur bestimmte Sätze bleiben übrig. Das heißt, die Sätze selber werden nicht verändert, es sind nur weniger davon. Nach welchen Kriterien ausgewählt wird? Häufigkeit der vorkommenden Wörter, denke ich.</p>
<p>Hier ist &#8220;Die Verwandlung&#8221; von Kafka in unter 100 Wörtern:</p>
<blockquote><p>&#8220;Himmlischer Vater!&#8221;, dachte er. &#8220;Gregor&#8221;, rief es—es war die Mutter—, &#8220;es ist dreiviertel sieben. Aus dem Nebenzimmer rechts flüsterte die Schwester, um Gregor zu verständigen: &#8220;Gregor, der Prokurist ist da.&#8221; &#8220;Nein&#8221;, sagte Gregor. &#8220;Mutter?&#8221; rief die Schwester von der anderen Seite. Gregor ist krank. Gregor war aber viel ruhiger geworden. &#8220;Mutter, Mutter&#8221;, sagte Gregor leise, und sah zu ihr hinauf. &#8220;Du, Gregor!&#8221; rief die Schwester mit erhobener Faust und eindringlichen Blicken. Gregor ist ausgebrochen.&#8221; Gregor zog den Kopf von der Tür zurück und hob ihn gegen den Vater. Gregor aß nun fast gar nichts mehr.</p></blockquote>
<p>Ist das toll oder was? Die Anführungszeichen sind allerdings ein Problem, die müsste man händisch anpassen.<br />
Kann man für den Deutschunterricht bei der Inhaltsangabe brauchen, um zu zeigen, dass der Computer das eben <em>nicht</em> so kann, wie wir das brauchen. Oder als Rätselspiel, oder zur Erzeugung von aleatorischen Texten, bizarrer Zufallspoesie, so wie der Kafka-Kurzfassung oben. &#8212; Eine davon unabhängige sinnvolle Anwendung für dieses automatische Zusammenfassen kann ich mir allerdings nicht vorstellen.</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/autozusammenfassen.png" alt="" title="autozusammenfassen" width="521" height="352" class="aligncenter size-full wp-image-3147" /></p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
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		<title>Sprachliche Bilder 2: Metonymie und Symbol</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Jan 2011 06:10:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>

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		<description><![CDATA[Im ersten Teil ging es um Vergleiche und Metaphern: dabei werden zwei Dinge miteinander verglichen, weil das eine eine Eigenschaft oder eine Reihe von Eigenschaften mit dem anderen teilt. In diesem Teil will ich nur kurz zwei andere Arten von Bildern nennen. Die Metonymie Auch hier geht es um ein Bild: man sagt das eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2010/12/sprachliche-bilder-1-metaphern-und-vergleiche.htm">ersten Teil</a> ging es um Vergleiche und Metaphern: dabei werden zwei Dinge miteinander verglichen, weil das eine eine Eigenschaft oder eine Reihe von Eigenschaften mit dem anderen teilt. In diesem Teil will ich nur kurz zwei andere Arten von Bildern nennen.</p>
<p><strong>Die Metonymie</strong></p>
<p>Auch hier geht es um ein Bild: man sagt das eine und meint etwas anderes. Anders als bei Vergleich und Metapher haben das Gesagte und das Gemeinte keine gemeinsame Eigenschaft, sondern sie haben unmittelbarer etwas&#8230; etwas miteinander zu tun. Am häufigstens ist das in der Form des <em>pars pro toto</em>: man nennt das Teil (einer Sache) und meint aber die (ganze) Sache.</p>
<p><em>Fünf Schwerter für die Freiheit</em> ist der deutsche Titel eines Films, auch als <em>Peking Opera Blues</em> bekannt. Darin geht es aber gar nicht um fünf geheimnisvolle Schwerter, sondern um fünf Helden, die gemeinsam gegen Schurken kämpfen. Die Helden benutzen Schwerter, okay, aber sie sind keine. Man nennt also einen Teil von ihnen, meint aber das Ganze. Fußnote: natürlich könnte man Schwert auch als Metapher verwenden für jemanden, der lang und dünn ist, oder biegsam und doch fest, der sich benutzen lässt und verletzen kann und so weiter.</p>
<p>Die Schul-Standardbeispiele für Metonymie sind neben dem <em>pars pro toto</em>:</p>
<ul>
<li>Ort statt Institution: &#8220;Einspruch aus Karlsruhe&#8221; (gemeint: Bundesverfassungsgericht)</li>
<li>Autor statt Buch:  &#8220;Bringt morgen den Shakespeare mit.&#8221; (gemeint: Lektüre)</li>
<li>Behälter statt Inhalt: &#8220;Ich hab nur eine Packung gegessen!&#8221; (gemeint: Inhalt der Packung)</li>
</ul>
<p>Etwas poetischer ist Gottfried Benn in &#8220;Nachtcafé&#8221;:</p>
<blockquote><p>Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte<br />
rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot.<br />
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.</p></blockquote>
<p>und:</p>
<blockquote><p>Bartflechte kauft Nelken,<br />
Doppelkinn zu erweichen.</p></blockquote>
<p>In diesem Gedicht reduziert der Sprecher die bezeichneten Personen auf ihre Musikinstrumente (gemeint sind die Musiker in der Bar) beziehungsweise ihre körperlichen Missbildungen (gemeint sind die paarweise auftretenden Gäste). </p>
<p>Auch im bekannteren &#8220;Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke&#8221; sind viele Metonymien:</p>
<blockquote><p>Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße<br />
und diese Reihe ist zerfallene Brust.</p></blockquote>
<p>Hier reduziert der Sprecher &#8211; wohl ein Arzt &#8211; die Patientinnen auf ihre Erkrankung.</p>
<p>Manchmal mischen sich die Bilder auch. Bei &#8220;Rübennase&#8221; als Beleidigung ist die Rübe metaphorisch (Nase sieht aus wie eine Rübe: runzlig, groß), die Nase selber metonymisch. Wenn das Quecksilber steigt, meint man damit die Temperatur: metonymisch, da mit dem Quecksilber die Temperatur gemessen wird. Allerdings enthalten Thermometer schon lange kein Quecksilber mehr, und ähnlich ist es mein Zelluloid, das man sagt, wenn man Film meint: der ist schon seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr aus Zelluloid.</p>
<p><strong>Das Symbol</strong></p>
<p>Anders als bei Vergleich und Metonymie ist bei einem Symbol: die Beziehung zwischen Gesagtem und Gemeintem willkürlich, meist kulturell festgelegt.</p>
<p>Eine Taube steht für Frieden. Warum? Ist halt so.<br />
Ein Fisch steht für Christentum. Warum? Ist halt so. <small>(Jaja, weiß schon.)</small><br />
Ein Herz steht für Liebe. Warum? Ist halt so.<br />
Schwarz steht für Trauer. Warum? Ist halt so. In unserer Kultur jedenfalls, anderswo steht Weiß für Trauer.</p>
<p>Diese Definition von Symbol ist allerdings eher die sprachwissenschaftliche. In der Literaturtheorie wird so ziemlich alles Symbol genannt, was <em>zusätzlich</em> zur normalen Bedeutung eine weitere Bedeutung für die Geschichte hat. Das grüne Kaninchenfutter am Schluss von Borcherts &#8220;Nachts schlafen die Ratten doch&#8221; ist einmal wirklich nur grünes Kaninchenfutter (also keine Metapher oder Metonymie), gleichzeitig aber ein Symbol für Hoffnung. Der Falke in Boccaccios Falkennovelle ist einmal wirklich ein Falke (also keine Metapher oder Metonymie), gleichzeitig aber ein Symbol dafür, dass der Ritter bereit ist, alles zu opfern. Das Perspektiv &#8211; ein Vorläufer des Fernglases &#8211; in Hoffmanns &#8220;Der Sandmann&#8221; ist einmal wirklich eines, aber gleichzeitig ein Symbol für die neue Sichtweise auf die Dinge, die Nathanael gewinnt. Diese Symbole können metonymisch oder metaphorisch oder keines von beiden sein.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/01/sprachliche-bilder-2-metonymie-und-symbol.htm">Permalink</a> |
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</small></p>]]></content:encoded>
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