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Chicken Tikka Masala

Curries koche ich sporadisch seit über zwanzig Jahren. Ich habe diverse Rezepte, diverse Kochbücher ausprobiert; nie systematisch oder wirklich ernsthaft, aber doch in ordentlichem Unfang. Die Ergebnisse waren mäßig bis gut, teilweise auch sehr lecker – aber nie kamen sie an das heran, was ich aus England kannte. (Anders als die Rezepte für Samosas und Dals übrigens.) Doch jetzt habe ich ein Rezept, das funktioniert.

Der Fundort: “How to make the perfect chicken tikka masala” von Felicity Cloake beim Guardian online. Das Rezept ist Teil einer Kolumne von Cloake; in jeder Folge stellt sie ein Gericht (oder auch mal einen Cocktail) vor und fasst zusammen, wie verschiedene Autoren es zubereiten. Nach dem Ausprobieren und Vergleichen der Rezepte bietet Cloake dann ihre perfekte Lösung an. Das Format finde ich sehr interessant, weil man neben dem eigentlichen Rezept auch gleich Varianten kennenlernt.

Chicken Tikka Masala ist das wohl beliebteste Currygericht Englands. Und dort ist es auch entstanden: Den Gästen war wohl das traditionelle Chicken Tikka (=gegrillte Hühnerspieße) zu trocken, also improvisierten die Köche noch eine tomatenbasierte Sauce dazu.

Hier meine übersetzte Version des Rezepts. Überrascht daran hat mich, dass fast nur Gewürze gebraucht werden, die ich ohnehin im Haus habe. Die Vorgehensweise: Man mariniert zuerst das Fleisch über Nacht und grillt es dann. Kurz davor macht man die Sauce, in die dann die Fleischstücke gekippt werden.

1. Das Fleisch

  • Huhn für vier Personen, oder 800 Gramm Lammschulter, oder so
  • 2 Zitronen
  • 150ml Joghurt
  • 1 Esslöffel pürierter Ingwer
  • 3 Zehen Knoblauch, gepresst
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1½ Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel
  • 1 Esslöffel Garam Masala
  • 1 Esslöffel Paprika (edelsüß, geräuchert – z.B. spanischen Pimentón de la Vera dulce, aber anderer geht sicher auch)

Das Fleisch in Stücke schneiden und im Saft zweier Zitronen eine halbe Stunde marinieren. (Traditionell Huhn, ich nehme lieber Lamm.) Danach die restlichen Zutaten dazu, gut mischen, und über Nacht im Kühlschrank lassen. Den Ingwer kann man reiben oder erstaunlich gut im Mörser zermantschen.

2. Die Sauce

  • 6 grüne Kardamomkapsel
  • 1 schwarze Kardamomkapsel
  • 4 Nelken
  • 2cm Zimtstange (oder eher: etwas weniger an gemahlenem Zimt)
  • 2 Esslöffel Ghee oder Butterschmalz (oder ein neutrales Öl)
  • 2 kleine Zwiebeln, gehackt
  • 2 Esslöffel Ingwer, gerieben oder im Mörser zerstoßen
  • 8 Knoblauchzehen, gepresst oder zerstoßen
  • 400g gehackte Tomaten (=eine kleine Dose)
  • 1 Esslöffel Tomatenmark
  • 50ml Sahne
  • 2 kleine grüne Chilies, halbiert und entkernt
  • 1 Teelöffel Zucker
  • 1 Teelöffel Paprika
  • ½ Teelöffel Bockshornkleeblätter, gemahlen
  • 1 Teelöffel Garam Masala
  • 1 Esslöffel Zitronensaft (oder auch nicht)
  • ein paar Korianderblätter zum Dekorieren

Zuerst mahlt man sich mit dem Mörser die Nelken, die Samen aus den Kardamomkapseln und den Zimt. (Ich habe ohnehin immer nur gemahlenen Zimt genommen statt eines Stücks Stange. Und das war das erste Mal, dass ich schwarzen Kardamom verwendet habe – der ist größer als der grüne, weicher, und riecht geradezu geräuchert.)

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Dann kann man schon mal den Ingwer zerquetschen.

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Den Knoblauch pressen und die Zwiebeln hacken. (In meinen Bildern ist das jeweils etwas mehr als im Rezept, weil ich ich eine größere Menge gemacht habe.)

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Die Zwiebeln in dem Ghee oder Butterschmalz anbraten, bis sie weich und golden sind.

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Dann Knoblauch und Ingwer dazu und ein paar Minuten mitbraten. Dabei viel umrühren, das bleibt leicht an der Pfanne hängen.

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Zuletzt die vorbereiteten Gewürze – Nelken, Zimt, Kardamom – dazu und auch noch eine Minute mitbraten. Weiter umrühren.

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Dann das Tomatenmark, die gehackten Tomaten und 300 ml Wasser dazu geben. Zum Kochen bringen und dann auf niedriger Stufe etwas köcheln lassen, bis sich das Öl oben etwas absetzt.

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Mit dem Pürierstab pürieren. Im Bild erst mal nur die rechte Hälfte, aber eigentlich schon alles:

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Währenddessen oder auch erst jetzt spießt man die marinierten Fleischstücke auf Spieße auf, damit man sie beim Grillen leichter umdrehen kann. Serviert werden die Spieße ja gar nicht als solche. (Auf dem Bild sind die Fleischstücke etwas zu eng aneinander. Kann man nichts machen.)

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Der Grill sollte so heiß wie möglich sein, das Fleisch braucht schon sieben, acht Minuten auf jeder Seite. Darf ruhig ein paar dunkle Spitzen haben. Foto gibt es leider keines davon.

3. Und jetzt zusammen

Die Sauce wieder heiß machen, den Rest Marinade vom Fleisch reinkippen, ebenso die restliche Zutaten (Chilies, Zucker, Sahne, Garam Masala, Bockshornkleeblätter, Paprika, optional – bei mir eher nicht – Zitronensaft) und das Fleisch:

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— Exkurs zum Bockshornklee: Bockshornkleesamen habe ich schon öfter verwendet, die Blätter waren mir aber neu. Im Laden gibt es die gerebelt, die kann man auch so in die Sauce geben, aber wenn man die Blättert etwas in der Pfanne röstet, kann man sie im Mörser leicht zu Pulver zermahlen.

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Die Bockshornkleeblätter riechen übrigens sehr ähnlich wie der verwandte Schabzigerklee, den ich von Frau Rau als Brotgewürz kenne. —

So sieht das dann aus, mit etwas Dal an der Seite. Das Foto ist ehrlich gesagt von den Resten, am Kochabend habe ich am Ende gar nichts mehr fotographiert. Mit Fladenbrot essen.

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Punschtorte

Meine Totemtorte ist die Punschtorte.

In meiner Kindheit gab es zumindest gelegentlich Torte vom Konditor. Sonntagnachmittag, mit meinen Großeltern, oder wenn Besuch da war, und Besuch war oft da. Erwachsene bringen bei solchen Gelegenheiten meist ein Sortiment mit, irgendwas mit Obst, irgendwas mit Creme, irgendwas mit Schokolade, da ist für jeden etwas dabei. Kinder nehmen das ernst, ich jedenfalls. Wenn ich mitreden durfte, und das durfte ich früh, wollte ich: Punschtorte. (Die aß auch meine Großmutter gerne, und von der kam ich auf den Geschmack.)

Es ging ja gar nicht soweit, dass ich vor Freude in die Luft sprang beim Anblick von Punschtorte, sicher aß ich auch mit Vergnügen andere Kuchen und Torten, denn wenn auch die Punschtorte meine eigentliche Torte war – es würde ja noch genug Punschtorte geben in meinem Leben. Schließlich war Punschtorte ein Standard bei jedem Konditor.

Das hat sich geändert. Es gibt keine Punschtorten mehr, schon seit Jahrzehnten. Man muss mindestens ein Mittvierziger wie ich sein, um sie überhaupt noch zu kennen. Frau Rau hat mir mal eine selbst gebacken, und mir mal eine vom Konditor machen lassen – das war vor fast zwanzig Jahren, und die Konditortorte war sicher gut, aber nicht richtig.

Meine Eltern meinten, sie könnten vielleicht noch eine Punschtorte besorgen. Die Konditoreien von früher, die gebe es alle noch dort, wenn auch unter neuer Leitung. Da müsse sich doch etwas machen lassen.

Also waren Frau Rau und ich (und die Eltern von Frau Rau) heute bei meinen Eltern zu Mittagessen, Nachtisch und Kuchen, mit wenigstens einem kleinen Spaziergang in der Pause dazwischen für die Leute, die nicht Autorennen im Fernsehen sehen wollten. Es war schließlich Sonntag. Sonntag kommt nach dem Mittagessen immer Autorennen im Fernsehen.

Dann gab es die Punschtorte:

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Meine Eltern waren schon vorher ehrlich gewesen: Nein, auch sie hatten keinen Konditor dazu bewegen können, eine Punschtorte zu machen, (“Ach, höchstens im Winter.” “Wie viele Torten wollen Sie denn haben?” “Die mag doch kein, die ist doch so süß.”) Also hatten sie selber eine gebacken. Eine?

Die erste war nur mal so zum Ausprobieren und wurde selbst gegessen. Die zweite, nach einer Rezeptvariante, wurde zu einer Freundin mitgebracht. (“Die hat eigentlich Erdbeerkuchen bestellt. Ach was, die kriegt jetzt Punschtorte.” Sie hat dann Erdbeerkuchen und Punschtorte gekriegt.) Die dritte endlich, auch wieder neu, die dritte wurde uns serviert.

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Mein Vater ist ein Bastler, und hat in den Jahren der Rente etliche neue Bastelgebiete für sich entdeckt. Eines ist das Kochen. (Auch der gebratene Spargel und die Rinderbäckchen waren zum Großteil von ihm, da meine Mutter gerade eine Handverletzung hat). Meine Mutter war für den Geschmack der Punschtorte zuständig, meine Vater bestand auf korrektem Aussehen. Der gebackene Biscuitboden musste in mehrere Scheiben zerteilt werden. Jeder andere macht das wohl mit Zwirn. Nicht so mein Vater, das war ihm nicht sauber genug. Also kaufte er eine Art Metallrahmen mit Schlitzen, den man um den Tortenboden legt. Mit einem langen Messer schneidet man dann, durch die Schlitze geführt, den Tortenboden entzwei.
Aber die Messer im Haus waren nicht lang genug. Also brauchte er noch ein neues Messer, ein Palettenmesser mit Wellenschliff:

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Die Art Bastler ist mein Vater. Herausgekommen ist dann auch eine Torte mit exakten Scheiben und feinem, freihändig aufgetragenen Schokoladenmuster.

Für den Geschmack ist meine Mutter verantwortlich. Der macht die Punschtorte ja so einmalig. Die Decke ist ein ganz dünner Zuckerguss auf einer ebenfalls dünnen Grundierung aus Marzipan. Ohne Marzipan kriegte man das nicht so dünn und glatt hin und der Kuchenboden verliehe dem Zuckerguss einen etwas zu dunklen Ton. Dann braucht man einen Teig, irgendwas Biscuitöses, ich bin da kein Experte. Zwischen die Biscuitschichten kommt dünn Aprikosenmarmelade. Und das allerwichtigste, das der Punschtorte ihren Namen und ihren eigenen Geschmack gibt, ist der Arrak.

Arrak. Nicht Raki. Nicht Arak. Arrak oder Arrack. Kein Anisschnaps, sondern eine der ältesten Spirituosen der Welt. Find du den heute mal noch! Dabei war der mal verbreiteter als Rum. Heute fristet er bei uns noch ein kümmerliches Dasein als “Arrak-Aroma” direkt neben dem “Rum-Aroma” bei den Backzutaten. Die Niederländische Ostindien-Kompanie brachte den Arrak aus Batavia (heute: Jakarta, Haupstadt von Indonesien) nach Europa. Klein Zack in Hoffmanns Erzählungen trinkt “zuviel Branntwein und Arrak”, möglicherweise nur des Reims wegen, aber auch in Hoffmanns “Der goldne Topf” wird ein Punsch zubereitet:

Der Registrator Heerbrand griff in die tiefe Tasche seines Matins und brachte in drei Reprisen eine Flasche Arrak, Zitronen und Zucker zum Vorschein. Kaum war eine halbe Stunde vergangen, so dampfte ein köstlicher Punsch auf Paulmanns Tische.

Punsch: Das Konzept und das Wort brachte die Englische Ostindien-Kompanie nach Europa, in Hindi bedeutet das Wort “pantsch” “fünf” (siehe Sprachgeschichteveranstaltungen an der Uni) nach den fünf Zutaten für einen Punsch: Zucker, Zitrone, Arrak, Wasser, Gewürze. Das ist alles in der Punschtorte drin, bis auf die Gewürze vielleicht, aber die werden ja auch schon in Schillers “Punschlied” nicht mehr dazugerechnet.

Und mit einem Gemisch aus Arrak und Zuckerwasser (andere, weniger gute Rezepte: Zitronensaft, Wein) wird eben auch die Punschtorte getränkt. Nur dann kommt eine Punschtorte heraus:

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Bild: Frau Rau

Beim Konditor wäre der Teig vielleicht etwas glatter, die Aprikosenmarmelade dünner. Geschmacklich war die Torte perfekt.

Meine Damen und Herren, das war die Punschtorte. Meine Totemtorte. (Und ich habe sehr liebe Eltern.)

Vichyssoise

In der Gemüsekiste war Lauch, es ist Sommer, ich hatte noch nie eine Vichyssoise gemacht.

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Foto: Frau Rau

Das Wort “Vichyssoise” kannte ich seit früher Jugend. Begegnet war es mir vielleicht bei Es muss nicht immer Kaviar sein, oder in der Anekdotensammlung im Bücherschrank meiner Eltern, die voll war von Orten, Begriffen und Personen, die mir nichts sagten. (Ganz erstaunlich, wie viel Weltwissen man aus leicht verstaubten Anekdotensammlungen gewinnen kann.) Richtig auseinandergesetzt habe ich mich mit Vichyssoise aber erst – wie viele meiner Generation – bei The Secret of Monkey Island, als es darum ging, einen Aushilfskoch um seine Stelle zu bringen, indem man eine – erst mühsam zu fangende – Ratte in der Vichyssoise platzierte, um dann selber die frei gewordene Stelle als Koch antreten zu können.

Die Vichyssoise gestern war richtig gut. Mein Rezept ist ein Gemisch aus verschiedenen im Web gefundenen Rezepte. Für vier Portionen:

  • 2 Esslöffel Olivenöl
  • 2 Knoblauchzehen, kleingemacht
  • 400 g Lauch, möglichst viel vom weißen Anteil
  • 350 g Kartoffeln, grob gewürfelt
  • 1.4 Liter Hühnerbrühe (Nachtrag: eher dünn, also halb Wasser, halb Brühe)
  • 1/2 Becher Sahne (oder mehr), Salz, Pfeffer

Den Lauch waschen, gut abtrocknen, in Stücke schneiden, in dem Olivenöl mit dem Knoblauch ein paar Minuten möglichst andünsten. Dann die Kartoffeln dazu und mit der Brühe auffüllen. Eine Dreiviertelstunde kochen, danach mit dem Pürierstab durchmixen. Nachsalzen, Sahne dazu geben. Ein anderes Rezept schlug Joghurt statt Sahne vor, probiere ich beim nächsten Mal.

Kalt werden lassen, danach in den Kühlschrank. Traditionell mit Schnittlauch dekorieren, Petersilie sehe ich auch gelegentlich, ich hatte noch Basilikum übrig. Geht alles. Traditionell kommt übrigens kein Knoblauch hinein.

Erstaunt war ich darüber, wie wunderbar glatt die Suppe ist, auch ohne dass ich sie durch ein Sieb gestrichen habe. Kein bisschen von der leicht krümeligen Konsistenz, die ich sonst von Pürierstabsuppen kenne.

Shirley Temple

Am Wochenende gab es auf einer Party Cocktails, darunter auch einen alkoholfreien: Shirley Temple. Das weckte Erinnerungen. Erinnerungen an Besuche bei der Verwandtschaft in New York, mit Abendessen beim Chinesen (“Just feed us”, winkte der Onkel etwas großspurig der Bedienung statt einer Bestellung) und Treffen in Cocktailbars.

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1980, Manhattan

Nach dem touristischen Erkunden von Manhattan für uns, beziehungsweise dem Arbeitstag für Onkel und Tante, trafen sich alle in der einen oder anderen Bar, bevor das Abendprogramm begann. Also: Tageslicht, wenig Publikum, Shrimps in Teighülle und andere warmgehaltene Snacks. Spritzer für die Erwachsenen, für die Kinder alkoholfreie Cocktails. (An Bier und Wein zu nippen war in meiner Kindheit kein Problem, in den USA-Öffentlichkeit natürlich unmöglich, und Cocktails gingen ohnehin nicht.)

Also kriegten mein Bruder und ich einen Shirley Temple Cocktail. Ginger Ale mit Grenadine und einer Cocktailkirsche, eventuell auch zur Hälfte süße Limo statt Ginger Ale.

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Wer Shirley Temple war, das wussten wir damals schon. Ein Kinderstar der 1930er Jahre, Schwarzweißfilme mit Musik und Tanz, liefen alle immer wieder mal im Fernsehen. Damals, so dass meine Familie aus Veteranen des amerikanischen Films der 1930er bis 1940er Jahre besteht. Shirley Temple, Jahrgang 1928, wurde nach ihrer Karriere eine erfolgreiche Politikerin. Life Achievement Award beim Oscar 2006; sie lebt immer noch.


“Animal Crackers In My Soup”

Ich weiß nicht, wie sich die Filme gehalten haben. Vermutlich nicht so gut, aber wer weiß. Einige Tanzszenen sind heute noch sehenswert:


Shirley Temple und vor allem Bill “Bojangles” Robinson (1935), nachkoloriert

Zum Schluss ein Teaser, Screenshot aus den 8mm-Filmaufnahmen meines Vaters aus unseren USA-Besuchen. Vielleicht darf ich die hier mal ganz zeigen.

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Aus den Super-8-Filmen meines Vaters

Mittagessen in Brighton

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Das kleine Bällchen auf dem Teller ist übrigens ein englisches Breadcrumb-Zwiebel-Salbei-Falafel, oder könnte zumindest als solches vermarktet werden. (“Stuffing.”)

Kohlenhydrat-Einkaufstour, sehr freundlich

Eigentlich ging es nur um Roggenschrot, von dem es an meiner üblichen Quelle nicht genug gab. Also irrte ich in der Münchner Innenstadt umher auf der Suche nach mehr davon. Und das muss gestern so ein Tag gewesen sein: alle waren freundlich zu mir. Auch wenn sie alle kein Roggenschrot hatten. Beim einen Ökobäcker war gerade “unser Müller” da, bei dem hätte ich welches bestellen können. Oder Roggenschrotbot kaufen, aber das wollte Frau Rau ja selber machen.

Fündig wurde ich dann bei einem Reformhaus, nicht dem ersten das ich besuchte. Dort mischte ich mich noch in ein Gespräch zwischen Kunde und Verkäuferin über dn Veganer bei uns ums Eck ein (Max Pett, sehr lecker) und bekam dafür neben meinem Roggenschrot ein bisschen Sesamkrokant. (Und ein Lächeln, nicht das erste am Tag.)

In einem Bio-Supermarkt war meine Suche nach Roggenschrot zwar erfolglos, aber dafür fand ich das:

Mhm, Chufas. Erdmandeln. Ein kurzer Rundblick: da gab es etliche Chufas-Produkte, Chips und Frühstücksbrei. Und eben gemahlen, um daraus mit Wasser oder Milch ein Getränk herzustellen.

Ich kenne chufas aus Spanien. Schon im vorbereitenden digitalen Sprachkurs tauchte das Wort “horchata (de chufa)” auf, ein Getränk aus eben diesen Erdmandeln (eine Knolle, keine Nuss). Das gibt es fertig zu kaufen im Supermarkt, wo es ganz ordentlich und interessant schmeckt. Aber eine horchata von einem Händler auf der Straße, kalt und frisch gerührt, ist noch viel, viel besser. Und so eine wollte ich gestern unbedingt haben.

Gekauft habe ich das Pulver trotzdem nicht. Schmeckt sicher nicht so wie auf der Straße in Madrid. Bestenfalls wie eine Supermarkt-Horchata. Wenn ich eine echte Horchata will, muss ich wohl nach Spanien, und wenn ich nicht nach Spanien komme, kriege ich auch keine Horchata. So ist das nun mal, und das gefällt mir eigentlich. Örtliche Spezialitäten, und keine unvollkommenen Imitationen anderswo. Anders wäre es natürlich, wenn hier in München so ein fahrender Horchata-Händler auftauchen würde, da wäre ich Stammkunde.

Für die Zukunft trotzdem mal, sicherheitshalber:

Warum nicht mal Schwein kochen?

Angefangen hatte es mit dem Wunsch, mal pease puding zu kochen, englisches Erbspüree. Im Prinzip geht das so: gelbe Erbsen kochen, zerstampfen. Man kann auch noch Kräuter ins Kochwasser geben oder Wurzelgemüse, und dann natürlich Salz. Jamie Oliver merkte an, die Erbsen würden besonders lecker, wenn man sie gleich mit dem boiled bacon zusammen gekocht würden, zu dem sie oft als Beilage serviert wurden. Also machte ich den.

In den USA kommt bacon aus dem Schweinebauch und wird in Scheiben als Frühstücksspeck herausgebraten, anderswo kommt bacon aus anderen Teilen vom Schwein, boiled bacon hat jedenfalls nichts mit Frühstücksspeck zu tun. Bacon ist erst mal ein Stück vom Schwein, das gepökelt wurde, entweder in Salzlake eingelegt oder mit Salz bestreut und gelagert. Das kann so ziemlich jede Art von Schweinebraten sein, wobei ham eher für alle Bereiche aus der Keule verwendet wird – aber die Termninologie mag lokal verschieden sein.

Diesen green bacon verarbeitet man dann weiter, indem man ihn kocht, trocknet oder räuchert. Ich wollte das mit dem Kochen ausprobieren. Angefangen habe ich mit einem nicht zu mageren Stück Schwein (in diesem Fall: Schweinehals, eineinhalb Kilo), das habe ich mehr oder weniger nach diesem Rezept erst einmal in Lake eingelegt.

Die Salzlake bereiten:
– 3/4 Tasse Salz
– 3/4 Tasse Zucker
– in 1 Tasse heißem Wasser auflösen, dann
– mit 2 Litern kaltem Wasser aufgießen,
– grob gemahlener Pfeffer und ein Loorberblatt dazu.

In die kalte Lake das Fleisch und das 48 Stunden darin liegen lassen. Das Rezept hätte das Fleisch gerne zusammengeschnürt, damit es nicht gar zu salzig wird. War mir egal. Wenn man das Fleisch so einlegt, wird es nach dem Kochen genauso grau wie Schweinebraten; schöner ist es wohl, wenn man Nitrit- oder Nitratpökelsatz nimmt, dann wird das Fleisch rosa, wie man es vom Kassler kennt. Außerdem wirkt es antibakterieller als normales Salz, sagt zumindest Wikipedia. Aber in den Ferien versiegt meine Quelle von Nitratpökelsatz (=kochender Chemiekollege), und mit normalem Salz, wie im Rezept angegeben, funktioniert das auch.

Nach 48 Stunden das Fleisch ein bisschen abwaschen, aber nicht wässern – wegen dem bisschen Lake nicht nötig. Ohne weiteres Salz in den Topf:

Ein oder zwei Zwiebeln dazu, mit drei oder vier Nelken gespickt, nach Lust auch mehr:

Grünzeug darauf, ein paar Zweige Petersilie, Thymian, zwei Loorbeerblätter:

Dann 340 g gelbe Erbsen, über Nacht eingeweicht. In unserem Haushalt gibt es ein kleines Säckchen für Hülsenfrüchte, dadurch kann man die gekochten Erbsen dann später leicht auf einmal aus dem Topf nehmen:

Mit kaltem Wasser bedecken, aufkochen, danach leise vor sich hin köcheln lassen. Bei mir waren es etwas mehr als anderthalb Stunden, da waren die Erben auch schön weich. Die verschiedenen Rezepte sagen so etwas wie: 20 Minuten pro Pfund, und dann nochmal 20 Minuten, oder 30 Minuten pro Pfund (=450 gr).

Dazu gab es dann zwei Saucen, eine Senfsauce von hier:
– 150 ml Brühe, direkt aus dem simmernden Topf
– 1 Becher Sahne
– 3 Esslöffel Senf (ich habe Dijon genommen statt englischem)
– gehackte Petersilienblätter.

Und eine klassische Petersiliensauce von hier, die überraschend gut war:
– aus etwas Butter und Mehl und 300 ml Milch eine Bechamelsauce machen
– salzen, pfeffern, gehackte Petersilie dazu geben (2 Esslössel, gerne mehr)

Die Erbsen werden mit etwas Butter und wenn nötig Salz zermanscht.

War ausgesprochen lecker, die Saucen und auch die Erbsen. (Die waren am nächsten Tag noch besser. Leider blieb nicht genug übrig, um daraus mit Tahini zusammen eine Art nördliches Hummus auszuprobieren. Das hole ich aber noch mal nach.) Das Fleisch war saftig und köstlich, auch am nächsten Tag und am Tag darauf, dann kalt. Vielleicht war es einen Tick zu fett, aber das ist Geschmackssache. Zu mager darf es nicht sein, mit Kassler hat boiled bacon ohnehin nichts gemeinsam.