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Captain America 2: The Winter Soldier (deutsch: The Return of the First Avenger)

War ich also neulich im Kino, den neuen Captain America anschauen. Wie er mir gefallen hat? Ganz nett, bunt, habe mich nicht gelangweilt, war okay. Aber wie er mir gefallen hat, interessiert mich weniger als das, was da gerade passiert.

Das war jetzt der neunte Film im Marvel Cinematic Universe, der neunte Film seit 2008. Finanziell ist das eine der erfolgreichsten Filmserien überhaupt. Mehr Geld, vor allem weltweit, hat die Harry-Potter-Serie eingebracht. Star Wars, Star Trek, James Bond, alle weit abgeschlagen – zum Teil, weil es weniger Filme in der Serie gibt, klar, etwa bei den bisher zwei Hunger-Games-Filmen. Die genauen Zahlen (US/weltweit, inflationsbereinigt usw.) gibt es bei Box Office Mojo.

Neun Filme in sieben Jahren. Nummer zehn noch dieses Jahr, nächstes Jahr wieder zwei, übernächstes mindestens einer, und die Grobplanung läuft bereits bis 2028. Auch wenn man letztere Ankündigung nicht so ernst nehmen muss: Das ist eine beeindruckende Leistung. Neun Filme in sieben Jahren, und kein echter Misserfolg dabei.

Für die Marvel-Comics des Silver Age war entscheidend, dass die Helden einander immer wieder mal über den Weg liefen. Klar, sie wohnten auch fast alle in New York. Diese neun Filme spielen auch alle im selben Universum. Das begann mit Jon Favreaus Iron Man (Blogeintrag 2008), der den Ton vorgab für die folgenden Filme: versteckte Hinweise auf andere Helden und Geschichten, und eine Geheimorganisation als Klammer, die die Filme verbindet.

Auch im neuen Captain America gibt es Hinweise auf eine gemeinsame Welt. Fanboys wie ich waren glücklich, in einem Nebensatz den Namen “Stephen Strange” zu hören. Oha! Der fehlte uns noch, und ein (bereits angekündigter) Doctor-Strange-Film könnte toll aussehen. Einen Hulk wird es wohl nicht so schnell mehr geben. Viele Geschichten gibt es nicht, die man vom Hulk erzählen kann – andererseits gilt das noch mehr für Spider-Man, und von dem gibt es auch mehr Filme als nötig. Den Peter-David-Hulk zusammen mit dem Pantheon würde ich schon gerne mal sehen. Und die Rechte für die anderen Helden sind leider beim falschen Studio. Selbst wenn noch weitere Fantastische Vier und X-Men angekündigt sind: Ohne ein gemeinsames Universum sind die Filme nur halb so interessant.

Was mir bei Captain America gefehlt hat: Zivilisten. Die Helden sollten nicht nur in einer gemeinsamen Welt leben, sondern gemeinsam mit normalen Menschen. Aber anscheinend kommt der jüngste Film trotzdem sehr gut an. Und das, obwohl er – laut Kritikern – mit den Formeln für die letzten Filme bricht, etwas radikal Neues versucht. Nu, radikal sieht für mich anders aus, aber ja: das ist ein Techno-Action-Thriller, in dem gelegentlich ein Kostüm-Fetzen auftaucht.
Verstehen werde ich Marvels Strategie nie. Schon vor dem ersten Iron Man stand ich zweifelnd da, und musste mich eines Besseren belehren lassen. Genauso zweifelnd schüttle ich den Kopf für den zehnten Film, diesen Sommer noch, eine Science-Fiction-Geschichte mit Rocket Racoon, einem humanoiden Waschbär. Aber hey, inzwischen traue ich denen alles zu. Was kommt als Nächstes, eine romantische Komödie im Marvel-Universum? Ant-Man und die Wespe (2015) kann ich mir gut als Screwball-Comedy vorstellen. Und danach eine romantische Komödie?

Die Handlung für die nächsten beiden Avengers-Filme steht schon halbwegs fest. Eine Civil-War-Verfilmung, in der sich die Superhelden-Gemeinschaft selbst bekriegt, ist wohl erst mal nicht zu erwarten – da machen die einen Superhelden mit bei der von der Regierung verordneten Zwangs-Registration, die anderen wehren sich dagegen. Zu düster, aber eine gute Möglichkeit, viele Helden unterzubringen.

Ich bin erst mal nur sehr gespannt, wie lange diese Erfolgssträhne für Marvel anhält.


Exkurs 1: Gibt es andere geteilte Filmwelten? Erst mal fällt mir wenig ein. Das wäre ja so, als würden sich Tarzan und Indiana Jones treffen, und ein Nachfahr von Zorro noch dazu. Wirkt etwas beliebig. Dracula, der Werwolf und Frankensteins Monster sind schon mal aufeinander getroffen, wenn nur in der Komödie. Disneys Cartoonfiguren haben ein gemeinsames Universum, und die von Warner Brothers auch. James Bond… das wäre so, als gäbe es viele James-Bond-Filme mit jeweils unterschiedlichen Agenten als Hauptpersonen. Es dürfte schwierig sein, da genügend interessante Figuren zu finden, da es wenige Agenten-Archteypen zu geben scheint. Die Star-Wars-Filme sehe ich eher als Fortsetzungen an und weniger als geteilte Universen.

Exkurs 2: Das Golden Age der Superheldencomics waren die späten 1930er bis in die späteren 1940er Jahre. Hunderte von Comicserien lösten die Pulp-Hefte der vorhergehenden Generation ab. Eine bescheidener Start für eine neue Serie war eine Auflage von 250.000, erfolgreiche Serien hatten eine Million, Disney Comics bis zu drei Millionen Auflage – Zahlen, die seitdem nie wieder erreicht wurden.
Die Superhelden des Golden Age waren unüberschaubar zahlreich und bunt, die Geschichten simpel. Anfang der 1950er Jahre war dann aus verschiedenen Gründen erst mal Schluss. Das Publikum wanderte ab, die öffentliche Meinung hatte jugendliche Straftäter als Thema und Comics als Ursache entdeckt.
Ende der der 1950er Jahre und Anfang der 1960er Jahre begann dann das Silver Age. DC Comics – der Verlag mit Superman und Batman, die die 1950er mit eher harmlosen Geschichten übberbrückt hatten – kramte die alten Helden heraus, oder zumindest ihre Namen und Fähigkeiten, und verlieh ihnen einen modernern Anstrich. Flash und Green Lantern bekamen neue Kostüme und eine neue Hintergrundgeschichte. Aber vor allem tauchte am Anfang des Silver Age ein neuer Verlag mit alten Wurzeln auf: Marvel. Die brachten Pep in die Szene. In Kooperation mit Zeichnern (allen voran Jack Kirby und Steve Ditko) und anderen Autoren erschuf Stan Lee viele der Marvel-Helden, die wir heute kennen. Und auch Marvel griff aufs Golden Age zurück, wenn auch anders: Captain America, ein Held der frühen 1940er Jahre, wurde wiederbelebt, ebenso Namor, der Submariner. (Von den anderen Golden-Age-Figuren wurden nur gelegentlich ein paar Namen entlehnt: Vision und Human Torch, in den 1970ern dann auch ein paar Nebenfiguren.)
Ein Bronze Age begann in den frühen 1970ern, als die Geschichten ernsthafter und dramatischer wurden. Über das anschließende Dark Age in den frühen 1990ern reden wir am besten nicht. Und jetzt, mit den Filmen, haben wir wieder eine Neu-Erfindung der Helden, mit ähnlichen, aber eben doch frisch angepassten Kräften, Namen, Kostümen und Hintergrundgeschichten.

Was ich von Fred Astaire noch nicht kannte

Fred Astaire hatte seinen großen filmischen Höhepunkt in den RKO-Schwarzweißproduktionen mit Ginger Rogers in den (eher frühen) 1930er Jahren. In den 1940ern gab es dann nicht mehr so viel; man wollte die jüngere Generation sehen. Für das MGM-Musical Easter Parade (1948) war eigentlich Gene Kelly vorgesehen, aber der war verletzt, so dass noch einmal der alte Astaire herausgeholt wurde. Easter Parade wurde ein Klassiker. Und darauf folgte dann ein zweiter Höhepunkt, mit Die Tänzer vom Broadway (1949), Seidenstrümpfe (1957) und vor allem dem großartigen Vorhang auf! (1953). Darin spielt Fred Astaire einen Tanzstar jenseits seines Höhepunkts, der noch einmal für ein neues Musical herausgeholt wird.

Und das war es, was ich von Fred Astaire kannte, abgesehen von ein paar dramatischen Rollen und den großartigen Kompilationsfilmen That’s Entertainment I und II (1974 und 1976, ein Stück Familientradition im Hause Rau).

Kriege ich jetzt erst mit, dass Fred Astaire in den späten 1950ern und den 1960ern jede Menge Fernsehen gemacht hat! Fernseh-Specials und guest host bei Hollywood Palace.

“Boom Boom” von John Lee Hooker? Unerwartet:

Miss Otis Regrets:

St. James Infirmary Blues – warum muss ich nur an Vincent Price in einer Roger-Corman-Produktion denken?

Die Tänzerin, Barrie Chase, haben wir alle, ohne sie zu kennen, gesehen in Eine total, total verrückte Welt. (Wie, den kennt Frau Rau nicht? Nicht mal die Einsteigerfassung mit 145 Minuten, wir reden ja gar nicht von der seltenen 190-Minuten-Version? Das muss man unbedingt nachholen. Ich weiß aber nicht, ob das in dem Alter noch geht; bin gespannt, wie der Film sich gehalten hat.)

Als Zuckerl hier die Vollfassung von “Begin the Beguine” mit Fred Astaire und Eleanor Powell, eine dreiteilige Nummer aus Broadway Melody of 1940. Der erste Teil ist dabei eher historisch interessant, ab 2’40” fängt der zweite, ab 6’55” der dritte, bekannteste Teil an:

Richtig spannend, wenn man nebenbei in Astaire Dancing. The Musical Films blättern kann, wo jede einzelne Tanznummer aus jedem einzelnen Film detalliert analysiert ist. Ich kenne sonst ja nur die Analysesprache für Film und Literatur, bei Tanz weiß ich nicht, welche Elemente man untersuchen kann und wie sie heißen.

James Bond im Kino, und Rollenspielen 2012

Seit langem wieder im Kino gewesen, den neuen James Bond (“Skyfall”) anschauen. Hat mir gut gefallen, sogar besser als die Pierce-Brosnan-Filme davor. Brosnan mochte ich gerne, aber die Filme waren eher so mäßig.

Diesmal gab es keine überflüssigen Schauplatzwechsel, nur um ein neues Set demonstrieren zu können. Der Schurke war hervorragend, und von meinen monierten Plot Holes wollte mir Frau Rau nur einige zugestehen. Nach einer spannenden Pre-Title-Sequenz war der erste Akt des Films nostalgisch schön – mehrfach musste ich an Indiana Jones und frühe Bond-Filme denken. Eine schöne Verbeugung vor dem traditionellen Haifischbecken gibt es auch. Mit der Entdeckung des Schurken beginnt der zweite Akt, der mir nicht mehr ganz so gut gefallen hat. Musste zu sehr an die Sherlock-Holmes-Verfilmung denken, und das störte mich. Der letzte Akt bringt wieder etwas Ruhe ins Spiel – zurück zu den Wurzeln. Bond verbarrikadiert sich an einem abgelegenen Ort und wartet auf die Schurken. Das sah zuerst nach Kevin – Allein zu Haus aus, danach erkannte ich aber, was das wirklich war: ein typisches Rollenspiel-Szenario. Da ist es zwar meistens die Spielergruppe, die in ein Haus einbricht, aber andersherum funktioniert es genauso.

– Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich am letzten Wochenende wieder beim jährlichen Rollenspielen war, drei Tage lang. Call of Cthulhu, wie die Jahre zuvor; inzwischen ist 1935 und wir trieben uns in Görlitz, Dresden, dem Westen von Irland und in London herum. Der Spielleiter hatte liebevoll Material vorbereitet: deutsche Shell-Straßenkarten aus der Mitte der 1930er Jahre; Fotos der wichtigsten Nichtspielercharaktere; einen Grundriss des British Museum (von 1935, wo er das Zeug nur immer herkriegt). Ein Gemisch aus Wahrheit und Erfindung um sorbische Legenden, um den maßstabsgetreuen Nachbau in Görlitz des Heiligen Grabes in Jersualem, um Agnes Finger (gestorben um 1514 in Görlitz), ihre Stiftung des Agnetenbrots und ihre Reise nach Jerusalem. Okkulte Nazis gab es natürlich auch. Und ja, wir brachen in das das Britische Museum in London ein, aber es war für einen guten Zweck. –

Ein Thema des Bond-Films war sicher das Altern, das von M und das von Bond selber. Judi Dench zitiert dann auch Tennysons “Ulysses”:

Tho’ much is taken, much abides; and tho’
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are;
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

In diesem Gedicht will es der alte Odysseus, dessen etwas biederer Sohn die Regentschaft übernommen hat, noch einmal wissen und zieht noch einmal los zu den glücklichen Inseln. So etwas erhoffe ich mir ja auch von der neuen Conan-Verfilmung mit Arnold Schwarzenegger, die 2014 ins Kino kommen soll. Denn einen jungen Helden kann er doch wirklich nicht mehr spielen.

– Nachtrag: Jetzt (2013), rückblickend, wünsche ich mir, ich hätte jedes Jahr mehr zu den Rollenspielen geschrieben. Nicht Schulkram oder Bildungspolitik, die Erinnerungen sind es, über die ich mich freue, wenn ich sie wieder lese. Als Anreißer des Protokolls vom letzten Mal:

Mai 1935 — Die Archäologin Thea Kohler erhält einen Brief des Heidelberger Professors Marian Graf von Hesselborn. Bei Ausgrabungen in der Grabkapelle in Görlitz, einer Nachbildung des Heiligen Grabes in Jerusalem, sei unterhalb der Kapelle ein komplett mit Pech versiegeltes Grab gefunden worden. Üblich sind – im kleinasiatischen Raum – mit Pech versiegelte Mumien. Dem Brief liegen Fotos von der Ausgrabung bei, die das versiegelte Grab zeigen. Von Hesselborn bittet Thea, die über Erfahrungen bei der Ausgrabung von solchen Mumien besitzt, um ihre Expertise und bittet sie, das freigelegte Grab in Görlitz selbst in Augenschein zu nehmen. Als Unterkunft schlägt er den “Frenzelhof” vor, in dem auch die Grabungsgesellschaft untergebracht ist.

2007 – nur eine Zeile nebenbei.
2008 – etwas ausführlicher, mit Bild.
2009 – nur eine Zeile nebenbei.
2010 – einigermaßen ausführlich.
2011 – etwas Text, zumindest mit Bild.

Moonrise Kingdom

War vorhin im Kino, als einer von wenigen, in Moonrise Kingdom von Wes Anderson, Drehbuch von Wes Anderson und Roman Coppola, mit vielen Schauspielern drin, die man gerne sieht:

Ganz wunderbar. Erfrischend nicht realistisch. Ich mag den realistischen Erzählmodus in Filmen nicht – weil mir anders als bei Romanen immer klar ist, dass Film nicht Realität abbilden kann, und wenn er es versucht, versagt er meist. Deswegen mag ich die Kategorie Drama im Film gar nicht, sondern eigentlich nur verschiedene Genre-Formen – Musical, Film Noir, Komödie, Science Fiction, Abenteuer, Horror, bei denen klar ist, dass die Regeln, denen der Film folgt, nicht die Realität abbilden sollen.

Und wenn dann noch die Spannungskurve nicht die übliche ist, bin ich besonders froh.

In Moonrise Kingdom ist alles drin, bis auf einen ausbrechenden Vulkan, aber das ging geographisch wohl nicht. Und wenn man den letzten Satz des Films hört, an das Publikum gerichtet: “Thank you for listening”, dann möchte man antworten: “You’re welcome. It was my pleasure.”

In den Credits wird Michael Chabon genannt, an den ich beim Anschauen erinnert wurde, ohen recht zu wissen, warum.

– Wo’s um ein Pfadfinderlager geht, hier zwei Lieder zum Thema Camp als Anhang:

The Avengers, im Kino

Wahrlich, was sind das für Zeiten, wo jedermann meine kleine Marvel-Comic-Welt kennt. Das freut mich, und ich rechne das den Filmen hoch an, selbst wenn nicht alle davon besonders gut sind.

Zum Hintergrund: Hulk kennen wir schon aus zwei Filmen, Iron Man auch, Thor und Captain America aus jeweils einem. In den meisten Filmen tauchte auch die Regierungsorganisation SHIELD auf, gar köstlich eingeführt im ersten Iron Man. SHIELD, dessen Leiter, und andere Elemente verbinden die Filme und künden nach und nach einen gemeinsamen Film aller Helden an, eben diesen: The Avengers. So nennt sich seit 1963 Marvels erstes Superheldenteam im engeren Sinn, modelliert nach dem Vorbild des Konkurrenzverlags DC.

Pluspunkte des Films: die Figuren waren genau richtig besetzt und gezeichnet. Sehr gelungen. Jede hat ihre Momente, Hawkeye vielleicht ausgenommen, aber die Hinterbänklerrolle ist er aus den Comics gewöhnt. Trotz der vielen Superhelden-Hauptfiguren – Thor, Iron Man, Hulk, Captain America, Black Widow, Hawkeye, Nick Fury, Loki – war der Film nicht überladen. Die Kampfszenen waren gut geschnitten, nicht verwirrend, jede Figur hatte einen eigenen Kampfstil. Beim Kampf um Manhattan wäre sogar durchaus noch Platz gewesen für ein paar andere Mitstreiter. Und 3D hat sich sogar halbwegs gelohnt.

Minuspunkte: die Sequenz auf dem Heli-Carrier ist zu lang, weil überflüssig. Und weil der Heli-Carrier schon arg unglaubwürdig ist. Was sollte/wollte Loki da überhaupt? Ist mir nicht klar geworden. Bei den angreifenden Außerirdischen fehlte mir die Hintergrundgeschichte – so waren das halt irgendwelche Angreifer, hätten genauso gut Trolle aus Jutgard sein können, aber da hätte man wieder Asgard reinbringen müssen, und das hätte den Film vielleicht überladen.
Der größte Fehler ist meiner Meinung nach aber der, dass dieser Film nicht in meiner Welt spielt. Dabei war das das Schöne am Marvel-Universum: Nicht nur, dass sich die Superhelden der verschiedenen Serien über den Weg laufen konnten, sondern auch, dass das in New York geschah, dass New Yorker aus dem Fenster sahen und den Helden zuwinkten oder ihnen – wenn es die Yancy Street war – Müll auf den Kopf kippten. Und diese Welt jenseits der Superhelden fehlt in The Avengers. Die erste Sequenz spielt in geheimen Regierungsanlagen, und die meisten anderen ebenso. Öffentlichkeit: gibt es keine. Nur einmal in Stuttgart dürfen Bürger furchtsam kauern, und zum Schluss in New York furchtsam flüchten. Staffage.

Ich habe mir die ersten Hefte der Avengers noch einmal angeschaut: Da ist mehr Öffentlichkeit, mindestens schon mal in Form von Rick Jones und seiner Teen Brigade. Und eigentlich geht es mit den Avengers ja erst in Heft 16 los, finde ich – und da haben wir die Presse und Leute auf der Straße und Interviews.

Aber gut, das Team findet sich ja erst in diesem Film. Im nächsten erwarte ich mir dann mehr über das Verhältnis zwischen dem Superheldenteam und dem Rest der Welt.

Noir-Box, der Rest

Vor zwei Jahren oder mehr habe ich mir eine Box mit neun Klassikern des film noir gekauft. Einige ganz wichtige Filme fehlen darin zwar – The Maltese Falcon, The Big Sleep, vielleicht sogar Kiss Me Deadly – aber die hatte ich ohnehin schon. Vor einigen Sommerferien hatte ich die erste Hälfte dieser Filme gesehen und verbloggt, hier der Rest.

Weil gerade Winterferien sind, im tatsächlichen Sprachgebrauch besser bekannt als Faschingsferien.

 

6. The Glass Key
Regie: Stuart Heisler
Drehbuch: Jonathan Latimer
Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, Brian Donleavy
Jahr: 1942
Romanvorlage: Dashiell Hammett

Motive: Treue, Loyalität, femme fatale (ein bisschen). Korrupte Politiker und Presse. Nach, Regen, Treppen.
Frauen: Mehrere, aber Bechdel-Test: nicht bestanden.
Erzählperspektive: Äußerst linear, der linearste Film in der Box bisher.
Plot: Ein mäßig korrupter politischer Strippenzieher will ein bisschen ehrlicher werden, weil er sich in die Tochter eines Kandidaten verguckt hat. Sein Freund und Assistent hilft ihm, als er des Mordes an ihrem Bruder verdächtigt wird, obwohl er selber das Mädchen will. Die Handlung ist so wenig komplex wie kein anderer film noir, den ich kenne, und dabei ist das ein Klassiker. Ich war dann auch nur mäßig beeindruckt. Aber Alan Ladd als treuer Freund ist hervorragend, ebenso der Gangsterboss Joseph Calleia und sein Unterling William Bendix.


7. This Gun For Hire
Regie: Frank Tuttle
Drehbuch: Albert Maltz & W.R: Burnett
Darsteller: Veronica Lake, Alan Ladd
Jahr: 1942
Romanvorlage: Graham Greene

Motive: Treppen, ein bisschen Korruption, aber keine besonders typischen Noir-ELemente, vom Trenchcoat Alan Ladds abgesehen
Frauen: nur eine, kein femme fatale, Bechdel-Test nicht bestanden
Erzählperspektive: vollkommen linear; es geht nicht mal darum, herauszufinden, was passiert ist, sondern nur darum, was passieren wird
Plot: Auftragskiller wird von Auftraggeber betrogen und will sich rächen. Der Auftraggeber ist Leiter eines Chemiekonzerns, der Giftgasformel an den Kriegsfeind Japan verkaufen will. Veronica Lake ist eine Varieté-Künstlerin mit zwei Musiknummern im Film: einmal singt sie und führt gleichzeitig Zaubertricks vor, das andere mal singt sie in schwarzem Lackleder und mit hohen Fischerstiefeln vom Männerfangen. Beide Nummern eher unerwartet in so einem Film. Ihr Freund ist Polizist, sie selber soll verdeckt ermitteln gegen den Chemiekonzern. Der Schurke wurde als Kind geschlagen und würde gerne eine Therapie machen. Nahc einer halbwegs spannenden Nacht auf der Flucht vor der Polizei gelingt Ladd, sich in die Chemiefabrik zu schleichen – weil da gerade ein Gasmaskenübung stattfindet. Der Oberböse versucht am Schluss noch, mit einem Schieß-Füller Alan Ladd zu töten, der stirbt dann aber doch im Kugelhagel der Polzei. Bei der Verfilmung des Romans musste wohl zu viel gestrafft werden. Herausgekommen ist ein Thriller, bei dem es ein bisschen um das Seelenheil des Killers geht, aber kein besonders typischer film noir.


8. Out of the Past
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Daniel Mainwaring
Darsteller: Robert Mitchum, Jane Greer, Kirk Douglas
Jahr: 1947
Romanvorlage: Daniel Mainwaring

Motive: Liebe, Gefahr, Gangster, Verrat, Treue, Vergangenheit.
Frauen: zwei noir-typische femmes fatales, und eine brave Frau; Bechdel-Test nicht bestanden
Erzählperspektive: verschachtelt. Ein Teil der Handlung ist Rückblende.
Plot: Robert Mitchum, Tankstellenbesitzer in einer Kleinstadt, wird von der Vergangenheit eingeholt. Ehemaliger Privatdetektiv, hat sich zurückgezogen vor einem alten Auftraggeber (dessen Auftrag er nicht ausführte), einer alten Flamme (die der Auftrag betraf) und seinem ehemaligen Partner (weil der dabei ums Leben kam). Der ursprüngliche Auftraggeber Kirk Douglas hat sich die Frau zurückgeholt und will nun Robert Mitchum, den er als Sündenbock für einen Mord brauchen kann, büßen lassen.
Toller Film. Kein Regen, keine Großstadt, dafür sonniges Mexiko, viel Natur und eine Tankstelle auf dem Dorf – trotzdem ein astreiner film noir. Wegen der Vergangenheit, die den Helden einholt, vielen Nachtszenen, der moralischen Ambivalenz, dem Verrat, dem Ausgang eben nicht als klassisches Liebespaar. Und wegen des Sprechers auf dem Off – ein Topos des klassischen Kriminalromans dieser Form. Und der kommt eben genau von dessen verschachtelter Erzählweise: Gerne wird die Geschichte aus dem Rückblick erzählt (der Polizei, wie in D.O.A. oder Murder, My Sweet, oder einer Frau, wie in Out of the Past), und an diese Erzählsituation erinnert der gelegentlich Off-Sprecher den Zuschauer.


9. The Blue Dahlia
Regie: George Marshall
Drehbuch: Raymond Chandler
Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, William Bendix, Howard Da Silva
Jahr: 1946

Motive: Unschuldig verdächtigt. Nachtclubs. Unterwelt.
Frauen: zwei, Bechdel-Test nicht bestanden; keine der Frauen besonders fatale
Erzählperspektive: linear
Plot: Alan Ladd kommt mit zwei Freunden aus dem Krieg zurück; seine Frau betrügt ihn und ist auch nicht mehr an ihm interessiert. Als sie ermordet gefunden wird, gerät Ladd unter Verdacht. Held und Heldin sind beide verheiratet (wenn auch nicht miteinander); Held hat zwei Freunde, die zu ihm halten. Nicht sehr typisch, aber in Ordnung. Die Handlung hat ein paar Twists, Howard da Silva als Schurke ist interessant, William Bendix sehe ich immer gern. Sehr viel mehr fällt mir leider nicht ein. Die Alan-Ladd-Filme sind irgendwie nicht das meine.

– Fazit: Ich mag noir immer noch. Die besten dabei sind The Maltese Falcon, The Big Sleep, Out of the Past, Touch of Evil, Gilda. Vielleicht noch The Killers. Und von den zweitbesten sind immer noch viele sehr gut.

Captain America

War im Kino, Captain America anschauen. Ich habe mich nicht gelangweilt, insgesamt eher positiv, aber begeistert oder beschwingt bin ich nicht aus dem Kino gegangen.

Höhepunkte:

  • der kurze Gastauftritt der original human torch auf der Weltausstellung;
  • Howard Stark – der Vater von Tony “Iron Man” Stark – mit Howard Hughes als unverkennbarem Vorbild;
  • der Kinnhaken, den die Heldin des Films (sonst unterbeschäftigt) austeilen darf;
  • dass die Howling Commandos dabei waren, mit Dum Dum Dugan (Bilder), der aussieht wie Sascha Lobo (Bilder);
  • und die geniale Idee, Caps buntes Kostüm dadurch zu erklären, dass er zuerst als patriotische Witzfigur vermarktet wurde.

Dass es diesen Film überhaupt gibt, und dass er von der Kritik wahrgenommen wird, begeistert mich allerdings ungemein. Was Marvel Comics im Silver Age von DC unterschied, war das Konzept des shared universe: da liefen sich die Helden nicht nur gelegentlich in jährlichen Sonderausgaben über den Weg, sondern sie trafen ständig aufeinander oder auf ihre Spuren. Das war eine gute Idee. Anders als bei DC wohnten die Helden auch nicht in den weit auseinander liegenden Städten Metropolis (Superman), Gotham City (Batman), Central City (Flash), Coast City (Green Lantern), sondern allesamt in New York City (Spider-Man, Avengers, Fantastic Four, Daredevil) oder zumindest im Staat New York (X-Men).
Und dieses Konzept übeträgt Marvel gerade sehr erfolgreich auf die Filme. Das begann mit Iron Man (Blogeintrag), dem besten der jüngeren Marvel-Filme. Die Einführung der Regierungsorganisation Shield war äußerst geschickt, und die Sequenz nach dem Abspann versprach Eingeweihten sehr viel. (Samuel Jackson zu Robert Downey: “You’ve just become a part of a bigger universe.”)

Hulk habe ich nicht gesehen, Iron Man 2 auch nicht, aber spätestens da war klar: die meinen es ernst. Thor (Blogeintrag) war wohl der erste Film aus dieser Reihe, der explizit nur als Vorstufe zu The Avengers (Joss Whedon, 2012) gesehen wurde, und das gilt auch für Captain America: Der Film steht strategisch nicht für sich allein, sondern soll den Boden bereiten für The Avengers. Daher vielleicht auch die flache Spannungskurve des Films: bis Cap sein Kostüm anhat und seine Rolle gefunden hat, vergeht eine Stunde; einen großen Konflikt und Wendepunkt gibt es auch nicht (Bucky Barnes stirbt eher so nebenbei, weil er überflüssig wurde).

Apropos Captain: Wieso überhaupt Captain? Müsste man ihn nicht mal befördern zum Colonel America, oder Major America?
Das geht natürlich nicht. Der Superhelden-Dienstgrad ist der Captain: es gibt die Captains America, Marvel, Victory, Atom, Britain, Carrot, und viele mehr. (TVTropes zu militärischen Rängen bei Superhelden.)
Woher kommt das? Meine persönliche Theorie: weil die Rezipienten dieser Geschichten sich mit den Mannschaftsdienstgraden identifizieren. Die Rollen sind dabei fiktional und verklärt, wie etwa in Spike Milligans äußerst lesenswerten Kriegserinnerungen. Die Realität sieht wohl anders aus; ich kenne nur die Fiktion. Nach der sind in einer Kompanie, sagen wir, hundert einfache Soldaten, Mannschaftsdienstgrade. Herumgescheucht werden sie von Unteroffizieren, rau im Umgangston, keine besonderen Respektspersonen, Ausbilder und Hausmeister, mit besonderen Kompetenzen, aber doch einer von uns. Und dann gibt es einen Hauptmann (Captain).
Für eine Heeresleitung ist ein Hauptmann der unterste Dienstgrad, der überhaupt wahrgenommen wird, sage ich mal. Darüber kommen Major, Oberstleutnant, Oberst, General; die haben etwas zu sagen. Da ist ein einfacher Captain America ein reiner Befehlsempfänger, kein Entscheider.
Für die Mannschaftsdienstgrade allerdings ist ihr Hauptmann die eine Kontaktperson nach oben; er wird respektiert, während die Ebenen über ihm belacht werden. Und anders als die Unteroffiziersdienstgrade hält man zu ihm Distanz.

Wenn Superheldencomics für Offiziere gedacht wären, dann gäbe es lauter Generals America.