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	<title>Lehrerzimmer &#187; Literatur</title>
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	<description>Herr Rau erzählt von sich und der Schule. Ein Lehrerblog.</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 12:51:12 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2012/02/heinrich-heine-zur-geschichte-der-religion-und-philosophie-in-deutschland.htm</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 06:14:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Überrascht hat mich folgendes Fundstück bei der Lektüre von Heinrich Heines Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, das zeigt, dass Heine Shelleys Frankenstein gelesen oder zumindest davon gehört haben muss: Es geht die Sage, dass ein englischer Mechanikus, der schon die künstlichsten Maschinen erdacht, endlich auch auf den Einfall geraten, einen Menschen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Überrascht hat mich folgendes Fundstück bei der Lektüre von Heinrich Heines <em>Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland</em>, das zeigt, dass Heine Shelleys <em>Frankenstein</em> gelesen oder zumindest davon gehört haben muss:</p>
<blockquote><p>Es geht die Sage, dass ein englischer Mechanikus, der schon die künstlichsten Maschinen erdacht, endlich auch auf den Einfall geraten, einen Menschen zu fabrizieren; dieses sei ihm auch endlich gelungen, das Werk seiner Hände konnte sich ganz wie ein Mensch gebärden und betragen, es trug in der ledernen Brust sogar eine Art menschlichen Gefühls, das von den gewöhnlichen Gefühlen der Engländer nicht gar zu sehr verschieden war, es konnte in artikulierten Tönen seine Empfindungen mitteilen, und eben das Geräusch der innern Räder, Raspeln und Schrauben, das man dann vernahm, gab diesen Tönen eine echtenglische Aussprache; kurz dieses Automat war ein vollendeter Gentleman, und zu einem echten Menschen fehlte ihm gar nichts als eine Seele. Diese aber hat ihm der englische Mechanikus nicht geben können, und das arme Geschöpf, das sich solchen Mangels bewusst worden, quälte nun Tag und Nacht seinen Schöpfer mit der Bitte, ihm eine Seele zu geben. Solche Bitte, die sich immer dringender wiederholte, wurde jenem Künstler endlich so unerträglich, dass er vor seinem eignen Kunstwerk die Flucht ergriff. Das Automat aber nahm gleich Extrapost, verfolgte ihn nach dem Kontinente, reist beständig hinter ihm her, erwischt ihn manchmal, und schnarrt und grunzt ihm dann entgegen: <em>give me a soul</em>! Diesen beiden Gestalten begegnen wir nun in allen Ländern, und nur wer ihr besonderes Verhältnis kennt, begreift ihre sonderbare Hast und ihren ängstlichen Missmut. Wenn man aber dieses besondere Verhältnis kennt, so sieht man darin wieder etwas Allgemeines, man sieht, wie ein Teil des englischen Volks seines mechanischen Daseins überdrüssig ist und eine Seele verlangt, der andere Teil aber aus Angst vor solcherlei Begehrnis in die Kreuz und die Quer getrieben wird, beide aber es daheim nicht mehr aushalten können.</p></blockquote>
<p>Wie international die Bestseller auch damals waren, zeigt andersherum eine Stelle aus <em>Frankenstein</em>, die ich vor ein paar Monaten entdeckt habe. Das Monster, auf der Flucht und von seinem Schöpfer verlassen, lernt heimlich das Sprechen, indem er eine Familie belauscht und in deren Büchern liest. Darunter auch Goethes <em>Werther</em>:</p>
<blockquote><p>One night during my accustomed visit to the neighbouring wood where I collected my own food and brought home firing for my protectors, I found on the ground a leathern portmanteau containing several articles of dress and some books. I eagerly seized the prize and returned with it to my hovel. Fortunately the books were written in the language, the elements of which I had acquired at the cottage; they consisted of Paradise Lost, a volume of Plutarch&#8217;s Lives, and the Sorrows of Werter. The possession of these treasures gave me extreme delight; I now continually studied and exercised my mind upon these histories, whilst my friends were employed in their ordinary occupations.<br />
I can hardly describe to you the effect of these books. They produced in me an infinity of new images and feelings, that sometimes raised me to ecstasy, but more frequently sunk me into the lowest dejection. In the Sorrows of Werter, besides the interest of its simple and affecting story, so many opinions are canvassed and so many lights thrown upon what had hitherto been to me obscure subjects that I found in it a never-ending source of speculation and astonishment. The gentle and domestic manners it described, combined with lofty sentiments and feelings, which had for their object something out of self, accorded well with my experience among my protectors and with the wants which were forever alive in my own bosom. But I thought Werter himself a more divine being than I had ever beheld or imagined; his character contained no pretension, but it sank deep. The disquisitions upon death and suicide were calculated to fill me with wonder. I did not pretend to enter into the merits of the case, yet I inclined towards the opinions of the hero, whose extinction I wept, without precisely understanding it.</p></blockquote>
<p>Kein Wunder, dass das Monster am Leben, an sich, seinem Schöpfer und überhaupt verzweifelt, wenn er sich Werther als Vorbild nimmt.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2012. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2012/02/heinrich-heine-zur-geschichte-der-religion-und-philosophie-in-deutschland.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2012/02/heinrich-heine-zur-geschichte-der-religion-und-philosophie-in-deutschland.htm#comments">1 Kommentar</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Heute Fortbildung, und Krimi-Lektüre, und Schullektüre, und überhaupt kam dann noch alles mögliche dazu</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/07/heute-fortbildung-und-krimi-lektuere-und-schullektuere-und-ueberhaupt-kam-dann-noch-alles-moegliche-dazu.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/07/heute-fortbildung-und-krimi-lektuere-und-schullektuere-und-ueberhaupt-kam-dann-noch-alles-moegliche-dazu.htm#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2011 18:45:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Moodle]]></category>
		<category><![CDATA[Schullektüre]]></category>

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		<description><![CDATA[Erstens. Heute in der 7. Klasse, Deutsch, weiter die Lektüre besprochen. Die Klasse hat schon ein Buch gelesen, wollte aber ein weiteres gemeinsam lesen. Also entschieden wir uns für&#8230; ich weiß auch nicht, wie das genau geschah, es war mitten im Doppelabitur, ich war sehr im Stress&#8230; für ein Buch, das mir dann nicht so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erstens.</p>
<p>Heute in der 7. Klasse, Deutsch, weiter die <strong>Lektüre</strong> besprochen. Die Klasse hat schon ein Buch gelesen, wollte aber ein weiteres gemeinsam lesen. Also entschieden wir uns für&#8230; ich weiß auch nicht, wie das genau geschah, es war mitten im Doppelabitur, ich war sehr im Stress&#8230; für ein Buch, das mir dann nicht so gut gefallen hat. Mehr ein Jugendbuch, das tatsächlich nur für die Jugend ist. Es gibt ja genug Jugendbücher, die auch Erwachsene noch lesen können. Und das Buch war vielleicht mehr für die ohnehin dominanten Mädchen als für die Jungs. Also gut: die Schüler wollten einen Arena Thriller lesen, <a href="http://www.hr-online.de/website/specials/buchmesse2010/index.jsp?rubrik=56631&#038;key=standard_rezension_39075843"><em>Sommernachtsschrei</em> von Manuela Martini</a>.<br />
Dann wollte ich aber doch, dass die Jungs die Wahl haben sollten, etwas anderes zu lesen. Und sie wollten Edgar Wallace. Der Hexer. Okay. Kein Jugendbuch, sondern für Erwachsene geschrieben. Vor 85 Jahren. Hat sich nicht so gut gehalten.</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/krimis.png" alt="" title="krimis" width="370" height="301" class="aligncenter size-full wp-image-3288" /></p>
<p>Dann habe ich mich aber doch mit den Büchern versöhnen können, weil die Schüler etwas damit anfangen konnten. (Es war auch keiner überfordert von der Lektüre.) Zum einen: Figurenkonstellation und Inhaltsangabe, und zwar so, dass die andere Hälfte der Klasse bei dem Buch mitreden kann, das sie nicht gelesen hat. Und die Inhaltsangabe eben nicht chronologisch und unter sofortigem Verraten aller Geheimnisse &#8211; die ja bei Krimis, und beides sind tatsächlich weitgehend Krimis, ja besonders wichtig sind. Außerdem gab es schon vor dem Austeilen der Lektüre einen Arbeitsauftrag, nämlich die nur leicht veralteten <a href="http://gaslight.mtroyal.ca/vandine.htm">&#8220;Twenty Rules for writing detective stories&#8221;</a> von S. S. van Dine (1928), auf Deutsch natürlich. Regel 1 etwa: </p>
<blockquote><p>The reader must have equal opportunity with the detective for solving the mystery. All clues must be plainly stated and described.</p></blockquote>
<p>Und Regel 16 beginnt:</p>
<blockquote><p>A detective novel should contain no long descriptive passages, no literary dallying with side-issues, no subtly worked-out character analyses, no &#8220;atmospheric&#8221; preoccupations.</p></blockquote>
<p>Nach der Lektüre wurde dann diskutiert, welches Buch sich an welche Regeln hält und damit Kriminalroman oder Detektivgeschichte genannt werden kann. Beide eher ja, der <em>Sommernachtsschrei</em> sogar noch eher. Aber diese Regeln bieten auf jeden Fall eine schöne Möglichkeit, Bücher zu analysieren, statt eben nur den Inhalt wiederzugeben.<br />
Beim Vergleich der Bücher stellte sich auch heraus, dass der <em>Hexer</em> eher nach wie ein Thriller nach vorwärts gewandt erzählt wird, während der <em>Sommernachtsschrei</em> analytisch aufgebaut ist: da geht es darum, typisch für den Detektivroman, herauszufinden, was eigentlich alles <em>vor</em> dem eigentlichen Einsetzen der Handlung geschehen ist. Das ist ein Muster, das die Schüler später vielleicht bei <em>König Ödipus</em> und <em>Nathan</em> wiederfinden. Und ja, Wörter wie &#8220;analytisch&#8221; nimmt eine 7. Klasse gerne bereits an.</p>
<p>Überhaupt, an Krimis könnte man sehr viel Erzähltheorie üben. Siehe auch den Vortrag/Essay &#8220;Aristotle on Detective Fiction&#8221; von Dorothy L. Sayers, ich finde leider keine Quelle im Web, lesenswert, oder W.H. Auden, <a href="http://harpers.org/archive/1948/05/0033206">&#8220;The Guilty Vicarage&#8221;</a>.</p>
<hr/>
<p>Zweitens.</p>
<p>Dann mit der 7. Klasse in den <strong>Computerraum</strong>, zum Schluss des Schuljahres ein bisschen spielen &#8211; nach strukturiertem Vorgehen mit Kontrollstrukturen und Algorithmik bei Robot Karol sollen sie jetzt einfach mit <a href="http://scratch.mit.edu/">Scratch</a> herumspielen. Scratch ist eine objektorientierte grafische Programmierumgebung, die man schon in der Grundschule einsetzen könnte. Grafisch heißt: man schreibt keinen Programmcode, sondern schubst mit der Maus grafische Elemente herum. Tippfehler gibt es also keine. (Klassen kennt das Programm allerdings nicht, soweit ich weiß.) Durch das Herumspielen mit demn Programm lernt man viel, wenn man will.<br />
Überhaupt frage ich mich nach geeigneten Zugängen zur Informatik. Informatik ist viel mehr als Programmieren, und man könnte das Fach wohl auch ohne dieses unterrichten. Aber irgendwie ist das in der Praxis halt doch die Grundlage, ohne die es nicht geht. Ich habe nie viel programmiert, und hole das gerade nach. (Ich laufe gerade mit einer MVC-Brille durch die Welt und teile alles, was ich sehe, in Model, View oder Controller ein. Irgendwann wird ein Blogeintrag daraus.)<br />
In der 10. Klasse sollen die Schüler Programmieren lernen <em>und </em>Informatik lernen, parallel. Ja, ich versteh schon, ist schon sinnvoll. Aber ich frage mich, ob die Schüler nicht zuerst programmieren lernen sollten und danach Informatik. Obwohl&#8230; streicht das. Das hatten wir doch schon. Ein halbes Jahr Pascal im Matheunterricht </p>
<hr/>
<p>Drittens.</p>
<p>Apropos herumspielen: <strong>Google+</strong> gefällt mir sehr gut, sollte Ende des Monats für alle starten. Wenn die Erwachsenen dann bitte alle von Facebook dorthin umziehen würden?</p>
<hr/>
<p>Viertens.</p>
<p>Mit der 9. Klasse lese ich gerade <strong>Shakespeare</strong>, <em>Romeo und Julia</em>, auf Deutsch. Und nicht <em>Andorra</em>. Weil wir da die Baz-Luhrmann-Verfilmung anschauen können, weil die Schüler davor noch nicht mal wussten, was Akte sind, und vor allem: weil sie sich schon mal auf harmlose Weise an die Sprache des späteren 18. und frühren 19. Jahrhunderts gewöhnen sollen. Damit der <em>Nathan</em> in der 10. und der <em>Faust</em> in der 11. dann nicht so schwer fallen, denn das tun sie. Grob klappt das mit dem Verstehen auch, aber wenn man nachhakt, wie viele der Informationen, die tatsächlich in zwei, drei, vier Versen gepackt sein können, tatsächlich ankommen &#8211; dann muss ich morgen wirklich mal eine Seite ganz gründlich gemeinsam Vers für Verse auseinandernehmen.</p>
<hr/>
<p>Fünftens.</p>
<p>Heute wieder <strong>Moodle-Fortbildung, schulintern</strong>. Lief gut. Zum Einstieg kam wieder <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/01/moodle-fortbildung-heute-und-die-hype-kurve.htm">meine Folie mit dem Hype-Zyklus</a>, inzwischen auch <a href='http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/MoodleSchiLF.odp'>unter CC-BY-SA-Lizenz zum Herunterladen</a>. Außerdem ein Papier mit den wichtigsten Tipps und Informationen (<a href='http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/MoodleSchiLFInfoblatt.odt'>Download</a>.)</p>
<p>Und natürlich hat jeder Anwesende &#8211; darunter einige Referendare &#8211; eine Teilnahmebestätigung gekriegt, liebevoll selbst gestaltet mit Schullogo und &#8220;2. Ausfertigung für die Lehrkraft&#8221; und allem. So wie Philip Marlowe zwei Arten von Visitenkarten hat, die mit der Pistole mit Eck und die ohne &#8211; je nach Art des zu beeindruckenden Klienten -, habe ich zwei Versionen gemacht: eine mit Kinder-Foto von mir in der Ecke und eines ohne. Ich habe dann doch nur die ohne Foto herausgerückt, weil ich das ja auch tatsächlich eine ernsthafte und sinvolle Fortbildung war. Aber ein kleines &#8220;etc.&#8221; habe ich mir bei der Unterschrift gegönnt:</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/MoodleSchiLF.jpg" alt="" title="MoodleSchiLF" width="227" height="157" class="aligncenter size-full wp-image-3292" /></p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2011. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/07/heute-fortbildung-und-krimi-lektuere-und-schullektuere-und-ueberhaupt-kam-dann-noch-alles-moegliche-dazu.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2011/07/heute-fortbildung-und-krimi-lektuere-und-schullektuere-und-ueberhaupt-kam-dann-noch-alles-moegliche-dazu.htm#comments">1 Kommentar</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Holmesiana</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2010/02/holmesiana.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2010/02/holmesiana.htm#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 06:49:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sherlock Holmes]]></category>

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		<description><![CDATA[War im Kino, Sherlock Holmes gucken. Hat mir gut gefallen. Als Film gut &#8211; wenn es auch mehrere überflüssige Szenen darin gibt, die weder die Handlung voranbringen noch etwas zur Charakterisierung der Personen beitragen noch Atmosphäre erzeugen. Schön: die Boxkampszene, überflüssig: das Spektakel in der Werft. Immer wieder enttäuschend: Showdown hoch oben auf einem historischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>War im Kino, <em>Sherlock Holmes</em> gucken. Hat mir gut gefallen. Als Film gut &#8211; wenn es auch mehrere überflüssige Szenen darin gibt, die weder die Handlung voranbringen noch etwas zur Charakterisierung der Personen beitragen noch Atmosphäre erzeugen. Schön: die Boxkampszene, überflüssig: das Spektakel in der Werft. Immer wieder enttäuschend: Showdown hoch oben auf einem historischen Wahrzeichen. Das mochte ich bei <em>X-Men</em> schon nicht, und bei <em>Holmes</em> wird das für jeden, der sich minimal in London auskennt, lächerlich &#8211; aus den Katakomben des Parlaments spaziert man quasi direkt auf die Spitze der Tower Bridge. Aber trotzdem ganz okay. Robert Downey Jr. als Holmes, Jude Law als Watson und Kelly Reilly als Mary Morstan waren sehr gut, wenig überzeugend fand ich nur Hans Matheson als Lord Coward.</p>
<hr style="width:25%"/>
<p>Als Sherlock-Holmes-Interpretation war der Film noch besser. Wieder wurden der Figur neue Seiten abgewonnen oder die alten Seiten für eine neue Zeit dargestellt. Hier die stichpunktartige Beschreibung von Holmes, die Watson erstellt hat, kurz nachdem sie zusammen in die Baker Street zogen (<em>A Study in Scarlet</em>):</p>
<blockquote><ol>
<li>Knowledge of Literature.—Nil.</li>
<li>Philosophy.—Nil.</li>
<li>Astronomy.—Nil.</li>
<li>Politics.—Feeble.</li>
<li>Botany.—Variable.  Well up in belladonna, opium, and poisons generally. Knows nothing of practical gardening.</li>
<li>Geology.—Practical, but limited. Tells at a glance different soils from each other.  After walks has shown me splashes upon his trousers, and told me by their colour and consistence in what part of London he had received them.</li>
<li>Chemistry.—Profound.</li>
<li>Anatomy.—Accurate, but unsystematic.</li>
<li>Sensational Literature.—Immense.  He appears to know every detail of every horror perpetrated in the century.</li>
<li>Plays the violin well.</li>
<li>Is an expert singlestick player, boxer, and swordsman.</li>
<li>Has a good practical knowledge of British law.</li>
</ol>
</blockquote>
<p>Zu ernst darf man diese Liste nicht nehmen; wenige Zeilen zuvor hat Holmes Watson versichert, dass er keine Ahnung davon hat, ob sich die Erde um die Sonne dreht oder umgekehrt, und dass es ihn auch nicht interessiert. Die Forschung geht davon aus, dass Holmes hier seinem zu neugierigen Mitbewohner einen Bären aufbindet, zumal Holmes an anderer Stelle durchaus astronomische Kenntnisse beweist.<br />
Aber ein guter Faustkämpfer ist Holmes, und das zeigt er in der Verfilmung auch. Der Kampfstil hätte für meine Verhältnisse noch etwas viktorianischer sein können (<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Bare-knuckle_boxing">fisticuffs</a>), aber wenigstens gab es auch kein Hong-Kong-Gehoppse. Beim Faustkampf zeigt Holmes zweimal seine analytischen Fähigkeiten, indem er quasi in die Zukunft schaut (so würde man das in einem Superheldenfilm nennen). Schön gemacht, aber noch schöner wäre es, wenn er diese Fähigkeiten auch in einem Zusammenhang hätte zeigen dürfen, der für den Plot und nicht nur für die Charakterisierung wichtig gewesen wäre. Das geschieht nur einmal ansatzweise, als man im Nachhinein erfährt, dass Holmes bereits vorausgesagt hat, aus welchem Fenster er nach einer gewissen Zeit stürzen würde. </p>
<p>Sehr schön ist auch die Szene, in der Holmes Watson erklärt, was er bei und nach ihrem ersten Besuch von Irene Adler herausgefunden hat; der Zuschauer ist hier ähnlich überrascht wie es sonst nur pflichtgemäß Watson ist. Aber auch dieses erzählerische Mittel wird nur bei der Exposition eingesetzt und nicht mehr später im Film. Klar darf man es nicht überstrapazieren, aber einmal vielleicht noch an zentralerer Stelle?</p>
<p>Auf jeden Fall neu interpretiert, aber naheliegend: der eifersüchtige Holmes, der Watson gram ist, weil der wegen seiner Verlobten die gemeinsame Bude aufgibt. Manchmal wirken Holmes und Watson aber etwas zu sehr wie ein stereotypes schwules Paar beim Streiten. </p>
<hr style="width:25%"/>
<p>Ich mag Holmes, habe den ganzen Kanon in jüngeren Jahren gelesen und kenne und schätze die Variationen. Aus Gründen, die ich dereinst in meinem <em>magnum opus</em> darlegen werde (ein Blogeintrag, der seit zehn zehn Jahren halbfertig ist und zu Ende geschrieben werden will), bietet sich Holmes für solche Wiedererfindungen besonders an. Eine meiner liebsten ist diese hier:</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/holmes_meyer.jpg" alt="" title="holmes_meyer" width="200" height="297" class="aligncenter size-full wp-image-2695" /><br />
<small>Nicholas Meyer, <em>The Seven-Per-Cent Solution.</em> New York: Dutton 1974.</small></p>
<p>Verfilmt als <em>Kein Koks für Sherlock Holmes</em>, so auch der Titel der ersten deutschen Ausgabe; inzwischen heißt sie <em>Sherlock Holmes und der Fall Sigmund Freud</em>. Die Geschichte: Holmes fühlt sich verfolgt von Professor Moriarty, dem &#8220;Napoleon des Verbrechens&#8221;. Er verschanzt sich in seiner Wohnung und berichtet Watson atemlos von dem gefährlichen Netz, das der gefährliche Professor um ihn gezogen hat. Diesen Ausgangspunkt kennt auch der Kanon, ab hier entwickelt sich die Handlung anders. Als sich Moriarty als harmloser Mathematiklehrer herausstellt, diagnostiziert Watson bei Holmes paranoiden Verfolgungswahn, ausgelöst durch übermäßigen Doregnkonsum. Durch einen Trick lenkt Watson den immer noch genialen Holmes nach Wien, zur größten Autorität, was Drogen und psychische Störungen betrifft, Sigmund Freund. In Wien deckt Holmes eine Intrige auf, wird mehr oder weniger geheilt (wobei die Psychoanalyse interessante Details aus Holmes&#8217; Kindheit enthüllt), und im spannenden Finale rasen zwei Züge um die Wette.</p>
<p>(Auf der Hinfahrt reisen Holmes und Watson eine Weile zusammen mit einem Herrn Rassendyll, angeblich aus Tirol, tatsächlich gerade aus Ruritanien kommend. Das ist auch so ein Herr, der weit herumkommt. Auch der junge <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2004/07/george-macdonald-fraser-flashman.htm">Flashman</a> erlebt Abenteuer in Ruritanien, und im Alter von über siebzig Jahren legt sich Flashman erfolgreich mit Holmes&#8217; zweiter Nemesis, Colonel Sebastian Moran, an. Man kennt sich halt.)</p>
<hr style="width:25%"/>
<p>Eine Holmes-Ausgabe für Aficionados sind die zwei Bände <em>The Annotated Sherlock Holmes</em> von William S. Baring-Gould.</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/holmes_baring-gould.jpg" alt="" title="holmes_baring-gould" width="200" height="271" class="aligncenter size-full wp-image-2696" /></p>
<p>Die Geschichten sind chronologisch geordnet, also der Biographie Holmes&#8217; folgend, wie überhaupt das Buch natürlich davon ausgeht, dass Holmes eine reale Person ist. Bilder und Karten ergänzen die Geschichten, sehr ausführliche Randbemerkungen und Kommentare weisen auf Positionen aus der Holmes-Forschung zu vom Text aufgeworfenen Fragen hin und machen sicher ein Drittel der Bände aus. Nehmen wir nur mal die Sache mit den Reichenbach-Fällen. <em>Bekanntlich</em> stürzten Holmes und Moriarty dort ab, beide kamen ums Leben. So dachte jedenfalls auch Watson einige Jahre, bis Holmes in &#8220;The Adventure of the Empty House&#8221; unvermittelt wieder auftaucht. Was bei den Reichenbach-Fällen und in den Jahren danach wirklich geschah, ist eine Frage, auf die Holmes (beziehungsweise sein im Unklaren gelassener Chronist Watson) nie völlig befriedigende Antworten gegeben hat. Vielleicht hat sich deshalb die Holmes-Forschung so intensiv damit beschäftigt. Baring-Gould reißt auf zwei Seiten nur einige der wichtigsten Theorien an, zusammen mit ihren Vertretern und deren Argumenten. Wer will, kann anhand der genannten Titel gerne tiefer in die Forschung einsteigen. Die Hauptrichtungen:</p>
<ol>
<li>Sowohl Holmes als auch Moriarty überlebten den Sturz. (Weil Moriarty gar nicht wirklich existiert hat. Weil Moriarty und Holmes dieselbe Person waren. Weil Moriarty einen Doppelgänger benutzt hat.)</li>
<li>Beide starben in Wirklichkeit und die danach spielenden Fälle Holmes&#8217; sind reine Erfindung Watsons. Das würde manche Unterschiede zwischen dem frühen und dem späten Holmes erklären: der frühe nimmt Kokain und Morphium, der späte nicht. (Aber das kann natürlich auch auf Freuds Therapie in Wien zurückgehen.) Der frühe respektiert das Gesetz mehr als der späte, kennt sich besser unter Spionen aus, spielt mehr Geige, zitiert auf Deutsch und Französisch (was der späte nie tut). Anthony Boucher, geschätzter Krimi- und Science-Fiction-Autor, ging ursprünglich davon aus, dass Mycroft den gestorbenen Sherlock durch einen angelernten Nachfolger ersetzen ließ.</li>
<li>Auch die Theorie, dass Moriarty allein überlebte, hat Vertreter, gilt aber als unwahrscheinlich.</li>
</ol>
<p>(Von Baring-Gould gibt es auch eine Biographie Holmes&#8217; und eine von Nero Wolfe, in der Baring-Gould eine Idee aus dem <em>Baker Street Journal</em>  aufgreift und Wolfe zu einem Sohn von Holmes und Irene Adler macht.)</p>
<hr style="width:25%"/>
<p>Holmes-Leser sind wie die Leser von Superhelden-Comics <em>gründliche</em> Leser, wie man sie sich als Literaturtheoretiker nur wünschen kann. Da wird argumentiert mit dem gesamten Instrumentarium, das wir in der Deutsch-Oberstufe vermitteln wollen: mit Autorenintention, Erscheinungsweise, redaktionellen Einschränkungen, Biographie des Autors, aber natürlich vor allem auch textimmanent. Allein das folgende Panel, Platz 5 auf einer Liste mit <a href="http://goodcomics.comicbookresources.com/2009/09/04/top-70-most-iconic-marvel-panels-of-all-time-10-1/">&#8220;The Top 70 Most Iconic Panels in Marvel History&#8221;</a>, hat zu zahllosen Interpretationen geführt:</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/spider-man_gwen.jpg" alt="" title="spider-man_gwen" width="200" height="552" class="aligncenter size-full wp-image-2698" /><br />
<small>Amazing Spider-Man 121, writer: Gerry Conway; art: Gil Kane; inks: John Romita, Tony Mortellaro; Juni 1973</small></p>
<p>Warum musste Gwen Stacy sterben, welche Brücke war es, woran starb sie genau, welche Absicht und welche Wirkung (in diesem Fall ist das nicht das gleiche) hat das &#8220;Snap&#8221; rechts unten&#8230; Comic-Fans diskutieren so etwas gerne. (Wikipedia zu <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Night_Gwen_Stacy_Died#Which_bridge">The Night Gwen Stacy Died</a>.) Ookla the Mok singen in &#8220;Stop Talking About Comic Books Or I&#8217;ll Kill You&#8221; zwar verständlicherweise:</p>
<blockquote><p>Stop talking about comic books or I’ll kill you.<br />
I don’t care if the Hulk could defeat the Man of Steel.<br />
I’m gonna rearrange your face if you continue to debate<br />
whether Logan’s claws could pierce Steve Roger’s shield.</p></blockquote>
<p>- aber die Art und Weise, wie diese Fragen diskutiert werden, ist vorbildlich.</p>
<hr style="width:25%"/>
<p>Noch kurz zum Film: Wann fing das eigentlich an, die Kombination von später Viktorianik (oder frühes <em>Edwardian</em>) und phantastischen Elementen?</p>
<p>Einerseits ist das vielleicht schon in der Zeit angelegt, siehe Bram Stokers <em>Dracula</em>. Und schon in <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Young_Sherlock_Holmes">Young Sherlock Holmes</a> (1985) gibt es einen ägyptischen Kult, wenn auch &#8211; wie im aktuellen Holmes &#8211; keine echte Magie dahintersteckt.</p>
<p>Pseudo-Wissenschaft (mit Tesla im Grenzbereich) gibt es auch in <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Prestige_%28film%29">The Prestige</a> (2006), basierend auf einem Roman von Christopher Priest (1995). Dann ist da noch <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2008/05/gw-dahlquist-the-glass-books-of-the-dream-eaters.htm">The Glass Books of the Dream-Eaters</a> (2006) von G.W. Dahlquist, auch mit okkulter Wissenschaft.</p>
<p>Oder ist tatsächlich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_League_of_Extraordinary_Gentlemen">The League of Extraordinary Gentlemen</a> (1999) ein Vorläufer? Allerdings kam auch schon 1986 die Rollenspiel-Erweiterung <a href="http://www.rpg.net/reviews/archive/11/11399.phtml">Cthulhu by Gaslight</a> heraus. Da lag wohl etwas in der Luft. Siehe hierzu auch den Wikipedia-Eintrag zu <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Steampunk">Steampunk</a> (abgeleitet von: Cyperpunk) mit den verwandten Kategorien <em>Gaslight Romance, Western Steampunk, Dieselpunk</em> und <em>Steamgoth</em>. </p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2010. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2010/02/holmesiana.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2010/02/holmesiana.htm#comments">7 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Rudyard Kipling &amp; Wardrobe Worlds</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/12/rudyard-kipling-wardrobe-worlds.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/12/rudyard-kipling-wardrobe-worlds.htm#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 14:01:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Listen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rudyard Kipling]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Lewis Carroll kommt Alice entweder durch ein Kaninchenloch oder durch einen Spiegel ins Wunderland. Die Kinder in C.S. Lewis&#8217; Der König von Narnia gelangen durch einen Wandschrank nach Narnia, und einen Wandschrank benutzt auf Erich Kästner in Der 35. Mai. Es geht um magische Reiche und wie man dorthin gelangt. Bei den unvergleichlichen TV [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Lewis Carroll kommt Alice entweder durch ein Kaninchenloch oder durch einen Spiegel ins Wunderland. Die Kinder in C.S. Lewis&#8217; <em>Der König von Narnia</em> gelangen durch einen Wandschrank nach Narnia, und einen Wandschrank benutzt auf Erich Kästner in <em>Der 35. Mai.</em> </p>
<p>Es geht um magische Reiche und wie man dorthin gelangt.</p>
<p>Bei den unvergleichlichen TV Tropes, wo ich mich schon wieder für Stunden festgelesen habe, gibt es eine ausführliche, aber keineswegs vollständige <a href="http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/MagicalLand">Liste solcher magischer Länder</a>.<br />
Auch zu <a href="http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/CoolGate">Toren, die in diese Reiche führen</a> gibt es dort eine Liste.</p>
<p>Offhand fallen mir folgende Beispiele ein:</p>
<ul>
<li>Lewis Caroll, Die beiden Alice-Bücher (Methode: Kaninchenloch und Spiegel)</li>
<li>C.S. Lewis, Die Narnia-Romane (Methode: Wandschränke und Ringe)</li>
<li>Salman Rushdie, <em>Haroun and the Sea of Stories</em> (Methode: Ein magischer Wiederhopf erscheint und nimmt einen mit)</li>
<li>Michael Ende, <em>Die unendliche Geschichte</em> (Methode: Magisches Buch)</li>
<li>Michael Chabon, <em>Summerland</em> (Methode: habe ich vergessen. Es geht jedenfalls um Baseball.)</li>
<li>Norton Juster, <em>The Phantom Tollbooth</em> (Methode: Einmal durchfahren.)</li>
<li>Lev Grossman, <em>The Magicians</em> (Methode: Knöpfe)</li>
<li>Raymond Chandler, &#8220;The Bronze Door&#8221; (um mal einen Außenseiter zu nennen) </li>
<li>Andre Norton, die Hexenwelt-Romane &#8211; stellvertretend für Abraham Merritt und viele andere klassische Fantasy-Autoren.  Als Zitat verfremdet bei Harlan Ellison, &#8220;The Place With No Name&#8221;. (Methode: Magische Steine, magische Reisebüros, magische Schiffsmodelle, magische Fluchthelfer.)</li>
<li>Old Time Radio series <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Cinnamon_Bear">The Cinnamon Bear</a></li>
<li>Jonathan Carroll, <em>Bones of the Moon</em>, und andere</li>
<li>Neil Gaiman, <em>A Game of You</em> (<em>Sandman</em> Heft 32-37)</li>
<li>E.T.A. Hoffmann, &#8220;Nussknacker und Mausekönig&#8221;: Marie und der Nussknacker gehen durch einen Kleiderschrank ins Puppenreich.</li>
<li><em>Überhaupt, der Großvater aller Wege ins Traumreich: das Märchen. Bei Frau Holle fällt ein Ball in den Brunnen, und wer dem Ball nachklettert, kommt in das Reich von Frau Holle. Jack klettert die Bohneranke nach oben ins Wolkenreich. Ein Unterschied ist vielleicht der, dass im Märchen das andere Reich als relativ normale Fortsetzung unserer Welt angesehen wird (müsste man diskutieren), ein anderer der, dass dort das Tor außerhalb des Hauses ist &#8211; eine Höhle, eine Pflanze, ein Brunnern. Türen und Fenster sind moderner und innerhalb der eigenen vier Wände zu finden, und vielleicht deshalb um so fantastischer.</em></li>
</ul>
<p>Und dann gibt es die Sonderform der Traumwelten &#8211; Welten, die explizit nur in Träumen existieren und in die man fast nur schlafend und träumend kommt. Für mich war der Urvater immer:</p>
<ul>
<li>Lord Dunsany mit seinen Geschichten &#8220;Idle Days on the Yann&#8221;, &#8220;A Shop in Go-By Street&#8221; und andere <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Tales_of_Three_Hemispheres">Tales of Three Hemispheres</a>. </li>
<li>H.P. Lovecraft schrieb einige Geschichten, die sehr an Dunsany erinnern und die in den <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Dreamlands">Dreamlands</a> spielen. Und Lovecrafts Geschichten waren wieder Ausgangspunkt für viele andere Autoren. Darf ich in diesem Zusammenhang auf den <a href="http://www.hppodcraft.com/">H.P. Lovecraft Literary Podcast</a> hinweisen?  Die zwei Autoren nehmen sich in chronologischer Folge jede Woche eine Geschichte von Lovecraft vor und plaudern darüber. Jetzt sind sie gerade bei den interessanten Geschichten angekommen, <a href="http://hppodcraft.com/?p=99">&#8220;The Outsider&#8221;</a> etwa, aber die klassischen Lovecraft-Geschichten kommen alle erst noch.<br />
Zu den Dreamlands gehören die Steps of Deeper Slumber, die Hafenstadt  Dylath-Leen, Ulthar, die Ruinen von Sarnath, Celephaïs, das Unbekannte Kadath im Norden, und viele weitere Orte.
</li>
</ul>
<p>Ich erwähne das deshalb so ausführlich, weil ich eine solche Traumwelt auch von Rudyard Kipling entdeckt habe, und zwar in:</p>
<ul>
<li>Rudyard Kipling, &#8220;The Brushwood Boy&#8221; (1899, glaube ich).</li>
</ul>
<p>Wie es sich für exotische Länder gehört, gibt es auch eine Karte dazu:</p>
<p><script type="text/javascript" src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/magnifier_new.js"></script></p>
<div id="placeholder8" style="position:relative">
<img src='http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/brushwood_small.png' width="550" height="560" alt='' />
</div>
<p><script type=text/javascript>loadMagnifier('placeholder8', 'http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/brushwood_medium.png', 1028, 1046, 0);</script></p>
<p>Die Geschichte selber ist gar nicht so spannend; es passiert nicht viel. Ein kleiner Junge träumt regelmäßig von einem fantastischen Land. Er träumt so detailliert, dass er eine Karte dieses Landes zeichnen kann; jedenfalls von den Bereichen, die er kennt. Er trifft dort auch gelegentlich auf ein Mädchen (&#8220;Annieanlouise&#8221;), mit dem er sich gut versteht und kleine Abenteuer erlebt.<br />
Als Erwachsener wird er Offizier, ist erfolgreich und beliebt. Gelegentlich kommen seine Träume wieder. Eines Tages trifft er im realen Leben auf eine junge Frau, die dieselbe Traumwelt kennt wie er; sie ist schließlich das kleine Mädchen von damals. Hochzeit und Happyend.</p>
<p>Orte in dieser gemeinsamen Traumwelt sind die Lilienschleuse, jenseits von Hong-Kong und Java (beides steinerne Lilien im Traumozean); ein großes Haus, in dem Es stirbt; es gibt Policeman Day und die Stadt des Schlafes; ein magisches Pony und den Dreißig-Meilen-Ritt &#8211; genauso fantastisch wie in späteren Traumwelten.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2009. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/12/rudyard-kipling-wardrobe-worlds.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/12/rudyard-kipling-wardrobe-worlds.htm#comments">3 Kommentare</a>
<br/>
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		<item>
		<title>Bangsian Fantasy</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/09/bangsian-fantasy.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/09/bangsian-fantasy.htm#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 17:39:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Moment bin ich noch in England im Urlaub und knippse Bilder von Vögeln. Das Wetter ist herrlich. Urlaubshalber also nur kurz aus der Kiste etwas über unbekannte Subgenres: Eine Bangsian Fantasy ist eine Erzählung, in der sich berühmte historische Personen im Leben nach dem Tod wiederfinden und dort weitere Abenteuer erleben. Szenen im Jenseits [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Moment bin ich noch in England im Urlaub und knippse Bilder von Vögeln. Das Wetter ist herrlich.</p>
<p>Urlaubshalber also nur kurz aus der Kiste etwas über <b>unbekannte Subgenres</b>: Eine <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Bangsian_fantasy">Bangsian Fantasy</a> ist eine Erzählung, in der sich berühmte historische Personen im Leben nach dem Tod wiederfinden und dort weitere Abenteuer erleben. Szenen im Jenseits gibt es schon bei <em>Gilgamesch</em> und Homer, Dantes <em>Inferno</em> wird auch gern angeführt.</p>
<p>(Nicht ganz passend, aber erwähnenswert ist die Riverworld-Serie von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Philip_Jos%C3%A9_Farmer">Philip José Farmer</a>: in diesem Science-Fiction-Szenario finden sich mehr oder weniger alle Menschen, die je gelebt haben (etwas mehr als 36 Milliarden), auf einem fremden Planeten wieder &#8211; alle sind sie höchstens 25 Jahre alt, in bester Gesundheit, und, wie sich herausstellt, Nachbildungen ihrer selbst. Die jüngsten Menschen dort sind aus dem späten 20. Jahrhundert &#8211; niemand aus einer späteren Zeit. Also muss danach wohl etwas passiert sein. &#8212; Die späteren Bände, wenn es ans Erklären geht, sind mir zu sehr Science Fiction. Der erste ist noch in Ordnung, da kann man nur den verschiedenen Leuten zusehen, wie sie versuchen, eine Existenz aufzubauen und miteinander interagieren.)</p>
<p>Aber echte Bangsian Fantasy sieht so aus:</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/bangs_house-boat1.jpg" alt="bangs_house-boat1" title="bangs_house-boat1" width="250" height="374" class="alignnone size-full wp-image-2486" /></p>
<p>Nach John Kendrick Bangs, dem Autor dieses Buches und dessen Folgebänden &#8211; dereinst waren sie Bestseller, spätes 19. Jahrhundert &#8211; ist das Genre benannt.</p>
<p>Inhalt des ersten Bandes: Der Fährmann Charon wittert Konkurrenz, als plötzlich ein Hausboot auf dem Styx auftaucht. Aber keine Sorge, die verschiedenen Gentlemen dort wollen nur einen gemütlichen Club haben und Charon sogar als Hausmeister anstellen. Zu den prominenten Mitgliedern zählen Boswell und Dr. Johnson, Shakespeare, Bacon, Mozart, Homer, Konfuzius, Napoleon und viele mehr. In jedem Kapitel schmieden sie neue Pläne, streiten sich viel, spielen Billard, beraten über einen Tag der offenen Tür, an dem auch Damen erlaubt sein sollen &#8211; aber es gelingt ihnen nie, etwas richtig auf die Beine zu stellen. Ein eher fades Leben, obwohl es den Geistern nicht so vorkommt. Viel Zank und Missgunst ist aus der Welt der Lebenden mitgenommen worden, und die gesellschaftlichen Probleme sind auch nicht weniger geworden, jetzt wo jeder unsterblich und jedermanns Nachbar ist.<br />
Am Ende des ersten Buches entführt Captain Kidd das Hausboot. Vielleicht treibt das die Leute ja etwas an, da sie im Folgeband versuchen, ihr Boot zurückzuerobern.</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/bangs_house-boat2.jpg" alt="bangs_house-boat2" title="bangs_house-boat2" width="500" height="359" class="alignnone size-full wp-image-2487" /></p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/bangs_house-boat3.jpg" alt="bangs_house-boat3" title="bangs_house-boat3" width="500" height="358" class="alignnone size-full wp-image-2488" /></p>
<p>Vielleicht geht so etwas ja mal als literarische Erörterung in einer Schulaufgabe durch und man lässt Werther und den Karl Moor nach ihrem Tod aufeinandertreffen. Wäre mal etwas anderes.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2009. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/09/bangsian-fantasy.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/09/bangsian-fantasy.htm#comments">4 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Gedichte aus Dead Poets Society &#8211; und ein bisschen Textkritik</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/08/die-gedichte-aus-dead-poets-society-und-ein-bisschen-textkritik.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/08/die-gedichte-aus-dead-poets-society-und-ein-bisschen-textkritik.htm#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2009 06:30:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Laufe der ersten Jahre, nachdem ich im Kino Dead Poets Society gesehen hatte, habe ich so ziemlich alle Gedichte, die dort erwähnt werden, zusammengetragen. Ich mag Gedichte, und ich suche gerne. Da waren auch schöne Fundstücke dabei: Seit Jahren überlege ich, ob ich nicht irgendwie Vachel Lindsays ungeheuer rhythmisches mehrstimmiges Gedicht The Congo (A [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Laufe der ersten Jahre, nachdem ich im Kino <em>Dead Poets Society</em> gesehen hatte, habe ich so ziemlich alle Gedichte, die dort erwähnt werden, zusammengetragen. Ich mag Gedichte, und ich suche gerne. Da waren auch schöne Fundstücke dabei: Seit Jahren überlege ich, ob ich nicht irgendwie Vachel Lindsays ungeheuer rhythmisches mehrstimmiges Gedicht <a href="http://xroads.virginia.edu/~HYPER/Lindsay/lindsay.html#congo">The Congo (A Study of the Negro Race)</a> in den Unterricht kriege. Aber das geht wohl nicht, unter anderem wegen der Frage, wie gut gemeint, aber doch rassistisch das Gedicht ist (<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Vachel_Lindsay#Attitudes_towards_race">Wikipedia dazu</a>).</p>
<p>Irgendwann wollte ich die Gedichte auch mal fürs Web zusammenschreiben. Aber natürlich hat das längst einer getan, hier ist eine <a href="http://www.antiromantic.com/poetry.asp">Webseite zu den Gedichten aus dem Film</a> (aber nicht über den Film). &#8220;The Ballad of William Bloat&#8221; ist anscheinend das einzige Gedicht, das mir entgangen ist. </p>
<p>Eines meiner Lieblinsgedichte ist seitdem &#8220;Ulysses&#8221; von Tennyson, der dramatische Monolog eine gealterten Odysseus, der seine Amtsgeschäfte dem braven Sohn überlässt, um noch einmal auf große Fahrt zu gehen. So endet das Gedicht:</p>
<blockquote><p>Come, my friends,<br />
&#8216;T is not too late to seek a newer world.<br />
Push off, and sitting well in order smite<br />
The sounding furrows; for my purpose holds<br />
To sail beyond the sunset, and the baths<br />
Of all the western stars, until I die.<br />
It may be that the gulfs will wash us down:<br />
It may be we shall touch the Happy Isles,<br />
And see the great Achilles, whom we knew.<br />
Tho&#8217; much is taken, much abides; and tho&#8217;<br />
We are not now that strength which in old days<br />
Moved earth and heaven, that which we are, we are;<br />
One equal temper of heroic hearts,<br />
Made weak by time and fate, but strong in will<br />
To strive, to seek, to find, and not to yield. </p></blockquote>
<p>Ganz schön heroisch. Kein Wunder, dass mir der chronologisch letzte Conan-Roman (<em>Conan of the Isles</em> von L. Sprague de Camp and Lin Carter) so bekannt vorkommt: da dankt der alte, zum Herrscher eines Reichs aufgestiegene Conan zu Gunsten seines Sohnes ab, um noch einmal auf Abenteuer zu gehen. Etwas weniger martialisch ist da Robert A. Heinleins letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes Buch, <em>To Sail Beyond the Sunset</em>, Abschluss der Lazarus-Long-Reihe.</p>
<p>Aus einem anderen schönen Gedicht werden nur die ersten zwei Zeilen verwendet werden, soweit ich mich erinnere. Hier ist die erste von drei Strophen:</p>
<blockquote><p>The Prophet &#8211; Abraham Cowley</p>
<p>Teach me to love? go teach thy self more wit;<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;I chief professor am of it.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach craft to Scots, and thrift to Jews,<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach boldness to the stews;<br />
In tyrants courts teach supple flattery,<br />
Teach Jesuits, that have travell&#8217;d far, to lye.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach fire to burn and winds to blow.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach restless fountains how to flow,<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Teach the dull earth, fixt, to abide,<br />
Teach woman-kind inconstancy and pride.<br />
See if your diligence here will useful prove;<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;But, pr&#8217;ithee, teach not me to love.</p></blockquote>
<p>(Siehe auch <a href="http://www.poetseers.org/the_great_poets/british_poets/john_donne/john_donne_poems/go_and_catch_a_falling_star/">John Donne, &#8220;Song: Go and catch a falling star&#8221;</a>, gut gegen Liebesfrust.)</p>
<p>Mir geht es im Moment um die zweite Zeile des Cowley-Gedichts. Die lautet so, wie sie oben steht: &#8220;I chief professor am of it.&#8221; Geht rhythmisch auch gar nicht anders. Im Web steht an vielen Stellen aber &#8220;I am chief professor of it.&#8221; Das geht gar nicht. Kinder, traut dem Internet nicht. Dass Groß- und Kleinschreibung, Rechtschreibung und Interpunktion je nach Modernisierung der Quelle unterschiedlich sind, keine Frage. Aber das ist einfach ein Fehler. (In Vers 9 ist noch einer.)</p>
<p>Solche Fehler können natürlich auch bei Büchern vorkommen. Ich erinnere mich noch an meinen Deutsch-Leistungskurs, als wir <em>Faust</em> begannen. Stolz hatte ich meine Ausgabe von zu Hause mitgebracht, noch stolzer las ich auf Aufforderung die vorangestellten Verse, und wurde schon beim ersten Wort korrigiert. &#8220;Zueignung, nicht Zuneigung&#8221; &#8211; ein Lesefehler, wie er bei vielen Schülern vorkommen mag, aber doch nicht bei mir! Tatsächlich war meine Ausgabe fehlerhaft:</p>
<p><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/zueignung-zuneigung.jpg" alt="zueignung-zuneigung" title="zueignung-zuneigung" width="400" height="232" class="alignnone size-full wp-image-2497" /></p>
<p>Man sieht noch meine erboste Bleistiftkorrektur. (Also, dass sie erbost war, sieht man nicht. War sie aber.) Es ist also schon sinnvoll, fürs wissenschaftliche Arbeiten und für die Schule nicht irgendwelche Ausgaben zu nehmen.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2009. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/08/die-gedichte-aus-dead-poets-society-und-ein-bisschen-textkritik.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/08/die-gedichte-aus-dead-poets-society-und-ein-bisschen-textkritik.htm#comments">5 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Robert Louis Stevenson, The Bottle Imp (im Papierweb)</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/08/robert-louis-stevenson-the-bottle-imp-im-papierweb.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/08/robert-louis-stevenson-the-bottle-imp-im-papierweb.htm#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 16:47:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war einmal vor vielen Jahren, da fragte Michael Ende am Lehrstuhl für englische Literaturwissenschaft in Augsburg nach, ob man ihm mit eine Auskunft dienen könnte. Für ein Projekt brauche er Informationen zu den Quellen einer Erzählung von Robert Louis Stevenson, &#8220;Der Flaschenteufel&#8221;. Aber gerne; ich begann zu recherchieren. Die Geschichte selber kannte ich aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal vor vielen Jahren, da fragte Michael Ende am Lehrstuhl für englische Literaturwissenschaft in Augsburg nach, ob man ihm mit eine Auskunft dienen könnte. Für ein Projekt brauche er Informationen zu den Quellen einer Erzählung von Robert Louis Stevenson, &#8220;Der Flaschenteufel&#8221;. Aber gerne; ich begann zu recherchieren. Die Geschichte selber kannte ich aus meiner Jugendzeit. Hier fasse ich alles zusammen, was ich damals herausgekriegt hatte; nach ein paar Fehlstarts musste ich eigentlich nur den richtigen Aufsatz finden, der sich genau dieser Frage angenommen hatte.</p>
<p><strong>Inhalt der Stevenson-Geschichte:</strong> Schauplatz Hawaii, mit Abstechern nach San Francisco und Tahiti. Ein junger Mann, Keawe, kauft einem alten Mann mit einem schmucken Häuschen eine magische Flasche ab, eine mit einem Flaschenteufel darin: die Flasche erfüllt einem fast alle Wünsche. Der Haken: Wer im Besitz der Flasche stirbt, den holt der Teufel. Man kann sie jederzeit weiterverkaufen, allerdings, und das ist der zweite Haken, nur gegen Münzgeld und immer nur gegen eine geringere Summe als die, für die man sie gekauft hat.<br />
Ursprünglich wurde die Flasche für ein Vermögen gehandelt; als ein früher Besitzer wird <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Priesterk%C3%B6nig_Johannes">Priesterkönig Johannes</a> genannt (dessen Legende in England/USA wohl verbreiteter ist als bei uns; dort heißt er <em>Prester John</em>). Napoleon war wohl ein weiterer Besitzer. Keawe kauft die Flasche für fünfzig Dollar, wünscht sich ein Haus, und erbt daraufhin unerwartet Land und Geld. Das Haus wird gebaut. Er verkauft, wie abgemacht, einem Freund die Flasche weiter.<br />
Keawe genießt sein Leben. Das Haus ist zwar viel zu schön und zu groß, um darin zu wohnen, aber die beiden Verandas sind ganz hervorragend. Schließlich verliebt sich Keawe in Kokua, wirbt um sie, sie nimmt an &#8211; und da entdeckt Keawe die ersten Anzeichen von Lepra an sich. Er müsste jetzt sein Haus verlassen und die Hoffnung auf Kokua aufgeben. Stattdessen macht er sich auf die Suche nach seinem Freund, der die Flasche aber schon weiterverkauft hat, und spürt der Flasche hinterher. Immer wieder stößt er auf neu gebaute Häuser und verdächtigen Reichtum. Schließlich landet er bei einem hoffnungslosen jungen Mann, der die Flasche tatsächlich in seinem Besitz hat. Allerdings ist der Preis inzwischen weiter gefallen. Der Mann hatte &#8211; aus Gründen, und voller Verzweiflung &#8211; die Flasche für zwei Cent gekauft. Und findet jetzt natürlich keinen mehr, der sie ihm für eine einzelne Cent-Münze abkauft. Aus Liebe zu Kokua geht Keawe allerdings auf den Handel ein. Er wünscht sich Gesundheit; die Lepra verschwindet; Keawe und Kokua heiraten.<br />
Richtig glücklich werden sie nicht, da Keawe unter der Last seines Schicksals depressiv wird. Schließlich erzählt er Kokua die Geschichte; sie erzählt ihm, dass es ja noch kleine Münzen als den Cent gibt, etwa französische Centimes. Gemeinsam brechen sie auf. Schließlich kauft Kokua durch einen Mittelsmann (4 Centimes) selber die Flasche (3 Centimes), um an Keawes Stelle dessen Last und Schicksal zu tragen. Als dieser das mitkriegt, will er durch einen anderen Mittelsmann (2 Centimes) die Flasche endgültig in seinen Besitz bringen. Als dieser Zwischenkäufer, ein betrunkener, brutaler und verbrecherischer Seemann, sich erfolgreich eine Flasche Rum gewünscht hat, rückt er die magische Flasche nicht mehr heraus. In die Hölle wird er ohnehin fahren: &#8220;So off he went down the avenue towards town, and there goes the bottle out of the story.&#8221; (12.500 Wörter.)</p>
<p>Eine schöne Geschichte, eine Novelle eigentlich, Teil der Sammlung <em>Island Nights&#8217; Entertainments</em> (1893). Distanzierter, leicht märchenhafter Tonfall. Hier <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Bottle_Imp">Wikipedia dazu</a>.</p>
<p>Die Suche nach einer Quelle war spannend. Leider habe ich fast alle Unterlagen dazu am Lehrstuhl gelassen, aber manches kriege ich noch zusammen.</p>
<p>Erstens waren manche Angaben in Artikeln dazu falsch, denn dort hieß es oft, Stevenson habe die Idee aus einem Theaterstück von O. Smith. Wenn man die Bemerkung am Anfang der Geschichte aber richtig liest, weiß man, dass das nur der Schauspieler war, der in einer Bühnenfassung das Stück populär gemacht hat:</p>
<blockquote><p>Any student of that very unliterary product, the English drama of the early part of the century, will here recognise the name and the root idea of a piece once rendered popular by the redoubtable O. Smith. The root idea is there and identical, and yet I hope I have made it a new thing. And the fact that the tale has been designed and written for a Polynesian audience may lend it some extraneous interest nearer home.</p></blockquote>
<p>Irgendwann entdeckte ich, dass natürlich schon jemand vor mir die Quellen zu &#8220;The Bottle Imp&#8221; zusammengetragen und mir die ganze Arbeit abgenommen hatte, so dass ich mir nur die jeweiligen Texte besorgen musste. Das war &#8220;The Devious Genealogy of the &#8216;Bottle-imp&#8217; Plot&#8221; von Bacil F. Kirtley in: <em>American Notes &#038; Queries</em>, Vol. 9, 1971. (Übersichtlich, aber nur der Anfang; <a href="http://www.questia.com/googleScholar.qst;jsessionid=K2ph0nXwbnZkQXFjlFrsQtBxhTp20YqvnjKZb21xJpDTyzkvG17G!-1172439865!228461909?docId=98488927">hier</a>, vollständiger Text mit Scan-Fehlern <a href="http://www.archive.org/stream/americannotesque001070mbp/americannotesque001070mbp_djvu.txt">hier</a>, einfach nach &#8220;bottle imp&#8221; suchen.)  Der Aufsatz greift Ergebnisse auf, die zuvor von Joseph Warren Beach gesammelt wurden, in: &#8220;The Source of Stevenson&#8217;s Bottle Imp&#8221;. <em>Modern Language Notes</em> 25 (Jan. 1910), p. 12-18.</p>
<p>Nach der Lektüre Kirtleys wusste ich:</p>
<ol>
<li>Richard John Smith, Spitzname Obi Smith, spielte 1828 in einem erfolgreichen Stück namens <em>The Bottle-Imp</em>.</li>
<li>Dessen gedruckte Form erschien ebenfalls 1828 (Autor: R. B. Peake, Esq); das war die Vorlage für Stevenson.</li>
<li>Die vermutliche Vorlage dafür war &#8220;The Bottle Imp&#8221; in: <em>Popular Tales and Romances of the Northern Regions</em>, Volume 1, London 1823. Dort wird der Stoff in ähnlicher Weise behandelt. Damals kam ich nur schwer an das Buch, habe noch eine Kopie der Geschichte (vom Microfiche) zu Hause. Heute gibt es <a href="http://www.archive.org/details/populartalesroma01musaiala">vollständige Scans (und E-Text) im Web</a>, dank Digitaldruck gibt es jede Menge Nachdrucke bei verschiedenen Verlagen.
<p><a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/bottle_imp.jpg"><img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/bottle_imp.jpg" alt="bottle_imp" title="bottle_imp" width="298" height="459" class="aligncenter size-full wp-image-2509" /></a></p>
</li>
<li>Diese Geschichte ist eine manchmal freie Übersetzung von Friedrich de la Motte Fouqué, <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Fouqu%C3%A9,+Friedrich+de+la+Motte/Erz%C3%A4hlungen/Eine+Geschichte+vom+Galgenm%C3%A4nnlein">&#8220;Eine Geschichte vom Galgenmännlein&#8221;</a> (1810); die Autoren werden im Vorwort genannt, die Zuordnung zu den einzelnen Geschichten bleibt aber dem Leser überlassen.
<p><strong>Inhalt:</strong> Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges kommt der junge Kaufmann Reichard nach Venedig, gerät an eine Kurtisane, verprasst sein Geld, kauft das Fläschchen mit dem Galgenmännlein drin. Für 3 Dukaten verkauft er es an seinen Arzt, ohne diesen über das Wünschen und den Fluch zu informieren. Der verkauft ihm die Flasche heimlich als Medizin zurück (2 Dukaten), Reichard jubelt es seiner ehemaligen Geliebten unter, die ihn verlassen hat (1 Dukaten). Die verkauft es ihm unwissentlich und über einen Mittelsmann zurück. Reichard geht nach Rom und versucht erfolglos, das Fläschchen für drei Groschen zu verkaufen; zieht als Soldat in den Krieg zwischen zwei italienischen Kleinstaaten und wird das Fläschchen letztlich für einen Groschen an einen Kameraden los. Versehentlich kauft er es für einen Heller wieder zurück, weil er seine Patronen verspielt hat und er bei der bevorstehenden Kontrolle erschossen werden würde. Eine kleinere Münze kennt er nicht. Reichard zieht durch die Gegend, gerät schließlich an eine merkwürdige Gestalt (teuflisches Aussehen, schwarzes Pferd, blutrotes Wams), der mit Reichard einen Plan vereinbart: er wird einem örtlichen Fürsten ein Monster auf den Hals hetzen, Reichard soll als Retter auftauchen; der Fürst wird ihm aus Dankbarkeit entlohnen wollen und Reichard solle sich wünschen, dass zumindest zwei Halbheller geprägt würden, so dass der Fremde Reichard das Fläschlein abkaufen kann. So geschieht das auch, komplett mit Monster, &#8220;einem ungeheuern, griesgrämischen Affen [...], der noch überdem ein gewaltiges Hirschgeweih auf den Kopfe trug&#8221;. Das Prägen neuer Münzen ist gar nicht nötig, da die Heller in diesem Fürstentum eh nur ein Drittel eines normalen Hellers wert sind<br />
Reichard trifft den Fremden an verabredeter Stelle, durch eine finstere Höhle zum Schwarzbrunnen, mit dessen Wasser man sich schwarz wäscht. Dort gesteht der Fremde, einen Bund mit dem Teufel geschlossen zu haben und ohnehin in die Hölle zu fahren. Die Flasche wechselt für einen Drittelheller ihren Besitzer. Reichard lebt in Zukunft fromm und ehrenwert. (In der englischen Fassung wird darauf hingewiesen, dass der Fremde Reichard aus edlen Motiven die Flasche abnimmt, um dessen Seele zu retten und dadurch vielleicht auch seine eigene. In der deutschen steht nichts davon.) </p>
<p><strong>Unterschiede zu Stevenson:</strong> Es gibt viel mehr Hin und Her mit der Flasche; die Flasche wird ohne Wissen der Parteien untergeschoben; jeder betrügt den anderen. Bei Stevenson: Liebe statt Habgier als Motiv; kein Betrug; Italien statt Pazifik.<br />
<strong>Gemeinsamkeiten:</strong> Die erste Probe beim Flaschenkauf ist die, sich das ausgegebene Geld zurückzuwünschen. Die Flasche kehrt jeweils auf magische Weise zum Besitzer zurück. In beiden Fällen nimmt am Schluss ein Sünder den Fluch freiwillig auf sich.</li>
<li>Als Quelle für Fouqué wird allgemeines Sagengut vermutet. Homunculi, Galgenmännlein, Flaschengeister gibt es viele, und sie haben das Motiv vom <em>Bottle Imp</em> sicher beeinflusst. Aber das konstituierende Element ist doch das, dass man die Flasche immer nur für weniger Geld verkaufen kann. Das findet sich auch in den <em>Deutschen Sagen</em> der Brüder Grimm, Nr. 85, <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen/Erster+Band/85.+Spiritus+familiaris">&#8220;Spiritus familiaris&#8221;</a>. Dieser<br />
<blockquote><p>bringt großes Glück, läßt verborgene Schätze sehen, macht bei Freunden geliebt, bei Feinden gefürchtet, im Krieg fest wie Stahl und Eisen, also daß sein Besitzer immer den Sieg hat, auch behütet es vor Haft und Gefängnis. Man braucht ihn nicht zu pflegen, zu baden und kleiden wie ein Galgenmännlein.<br />
Wer ihn aber behält, bis er stirbt, der muß mit ihm in die Hölle, darum sucht ihn der Besitzer wieder zu verkaufen. Er läßt sich aber nicht anders verkaufen als immer wohlfeiler, damit ihm einer bleibe, der ihn nämlich mit der geringsten Münze eingekauft hat.<br />
Ein Soldat, der ihn für eine Krone gekauft und den gefährlichen Geist kennenlernte, warf ihn seinem vorigen Besitzer vor die Füße und eilte fort; als er zu Hause ankam, fand er ihn wieder in seiner Tasche. Nicht besser ging es ihm, als er ihn in die Donau warf.</p></blockquote>
<p>Ansonsten läuft die Geschichte bei den Grimms anders ab als bei Fouqué, erschien auch sechs Jahr nach diesem, ist als direkte Quelle also wenig wahrscheinlich.</li>
<li>Kirtley nennt als Ausgangspunkt eine Episode in den <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimmelshausen,+Hans+Jakob+Christoffel+von/Romane/Trutz+Simplex/Das+18.+Kapitel">Kapiteln 18</a> bis <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimmelshausen,+Hans+Jakob+Christoffel+von/Romane/Trutz+Simplex/Das+22.+Kapitel">22</a> in Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens &#8220;Trutz Simplex oder Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche&#8221; (1670). (Auch bei Fouqué spielte die Handlung während des Dreißigjährigen Kriegs.) Auch hier muss man das Fläschlein billiger verkaufen:<br />
<blockquote><p>&#8220;Ach Frau Courasche!&#8221; antwortet er, &#8220;es ist hiermit nicht wie mit anderer War beschaffen; sie hat ihren gewissen Kauf und Verkauf, vermög dessen die Frau zusehen mag, wann sie dies Kleinod wieder hingibt, daß sie es nämlich wohlfeiler verkaufe, als sie es selbsten erkauft hat.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das Fläschlein hat magische Fähigkeiten:</p>
<blockquote><p>&#8220;Frau Courasche! es ist ein dienender Geist, welcher demjenigen Menschen, der ihn erkauft und bei sich hat, groß Glück zuwegen bringt. Er gibt zu erkennen, wo verborgene Sachen liegen, er verschafft zu jedwederer Handelschaft genugsame Kaufleute und vermehret die Prosverität; er macht, daß sein Besitzer von seinen Freunden geliebt und von seinen Feinden gefürchtet werde. Ein jeder, der ihn hat und sich auf ihn verläßt, den macht er so fest als Stahl und behütet ihn vor Gefängnis; er gibt Glück, Sieg und Überwindung wider die Feinde und bringt zuwegen, daß seinen Besitzer fast alle Welt lieben muß.&#8221;</p></blockquote>
<p>Es ist pflegeleicht:</p>
<blockquote><p>dann ich hätte gehöret, daß diejenige Zauberer, welche andere Leute in Gestalt eines Galgenmännels bestehlen, das sogenannte Galgenmännel mit wochentlicher gewisser Badordnung und anderer Pfleg verehren müßten. Der Alte antwortet, es dürfte des Dings hier gar nicht; es sei viel ein anders mit einem solchen Männel als mit einem solchen Ding, das ich von ihm gekauft hätte.</p></blockquote>
<p>Auch hier findet die Flasche immer wieder ihren Weg zum Besitzer, und der letzte Käufer, der dafür die kleinste Münze gegeben hat, hat Schwierigkeiten damit:</p>
<blockquote><p>er konnte ihn aber drum nicht wieder verkaufen, weil der Satz oder der Schlag seines Kaufschillings aufs Ende kommen war. Ehe er nun selbst Haar lassen wollte, gedachte er, mir denselbigen wieder anzuhenken und zuruckzugeben, wie er mir ihn dann auch auf dem Generalrendevous, als wir vor Regenspurg ziehen wollten, vor die Füße warf. Ich aber lachte ihn nur aus und solches zwar nicht darum vergebens, dann ich hube ihn nicht allein nicht auf, sondern da Springinsfeld wieder in sein Quartier kam, da fande er ihn wieder in seinem Schubsack. Ich hab mir sagen lassen, er habe den Bettel etlichmal in die Donau geworfen, ihn aber alleweg wieder in seinem Sack gefunden, bis er endlich denselbigen in einen Bachofen geworfen und also seiner losworden.</p></blockquote>
<p>Die Parallelen zu der Sage bei Grimm sind so offensichtlich, dass die Grimmsche Version wohl auf die von Grimmelshausen zurückgeführt werden kann. </li>
<li>Weiter zurück geht Kirtley nicht mehr. Grimmelshausen habe durch die Kombination vom Männchen in der Flasche und dem Galgenmännlein (eigentlich der unter bestimmten Umständen gepflückten Wurzel der Alraune) die Urform der Geschichte geschaffen. Laut Kirtley sei ein Kennzeichen des Galgenmännleins: &#8220;it must be sold more cheaply than bought; and it brings damnation upon anyone who dies while possessing it.&#8221; Vor allem das erstere ist mir neu &#8211; das wäre der Ansatzpunkt für weitere Forschung, oder zumindest weiteres Zusammentragen.</li>
</ol>
<p>Inzwischen war Michael Ende gestorben, ich bereitete mich aufs Examen vor, und aus der weiteren Recherche wurde bis heute nichts. Beim Aufräumen bin ich auf meine wenigen Kopien von damals gestoßen und habe das jetzt mal alles zusammengeschrieben. Könnte man ja mal eine Recherche-Webquest daraus machen, wenn ich nicht eh schon alles hier verlinkt hätte.</p>
<p>Weitere Gedanken und Hinweise:</p>
<ul>
<li>Spielverderber werden natürlich auf Gremlins-Modus umschalten: Was passiert, wenn die Münze ihren Kurs ändert? Geht es nur um den Nennwert? (Vermutlich schon. Könnte man eine schöne moderne Geschichte daraus machen, bei der eine wertvolle Münze mit niedrigem Nennwert gestohlen wird.) Und was passiert eigentlich mit der Flasche, wenn der Besitzer stirbt und zur Hölle fährt? Zu welchem Preis geht es dann weiter?</li>
<li>Vergleich mit anderen <a href="http://images.google.de/images?hl=de&#038;safe=off&#038;client=firefox-a&#038;rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&#038;hs=oIj&#038;um=1&#038;sa=1&#038;q=%22deals+with+the+devil%22+%22basil+davenport%22&#038;btnG=Bilder-Suche&#038;aq=f&#038;oq=">Deals-with-the-devil-Geschichten</a>: Die Methode scheint mir sicher. Der Teufel kriegt so oder so eine Seele, auch wenn er möglicherweise länger darauf warten muss. Dafür ist es sicher viel leichter, einen ersten Käufer für die Flasche zu finden, als sonst jemanden, der einen Pakt mit dem Teufel eingehen würde. Das Risiko für den Teufel besteht darin, dass er am Schluss die Seele von jemandem kriegt, der ohnehin zur Hölle gefahren wäre, wie es in den Geschichten oben ja auch geschieht.</li>
<li>Ich mag Geschichten mit Teufelspakten. Irgendwann wollte ich mal eine Kurzgeschichte schreiben um jemanden, der einen solchen Pakt eingeht: der Teufel führt in eine zauberische Buchhandlung, wo sich der junge Mann so viele Bücher mitnehmen darf (auch seltene Ausgaben, verschollene Werke) wie er will. Bedingung: Wenn er sie bis zum Ende seines Lebens gelesen hat, ist er frei; wenn er vorher stirbt, kommt er in die Hölle. Der junge Mann nimmt sich natürlich zu viele Bücher mit. Das Lesen wird ihm verleidet, er macht es aus Pflicht. Oder: Seine kleine Bibliothek wird gestohlen/fällt einem Brand zum Opfer, er muss also versuchen, diese Bücher, gerne auch in anderen Ausgaben, wieder zu bekommen und zu lesen. Das ist bei manchen Bänden, eben den seltenen, gar nicht so einfach. Die Geschichte würde mit dem jungen Mann beginnen, irrer, fiebriger Blick, der versucht, dem Besitzer eines selten Buches dieses abzukaufen, und ihm deshalb seine Geschichte erzählt. &#8212; Inzwischen gibt es das Internet und E-Texte, und mir sind Bücher nicht mehr so wichtig. Also, falls jemand anderes diese Geschichte schreiben möchte, nur zu.</li>
<li>Sollte man die Flasche für einen Cent kaufen? Nein, weil man sie ja nie wieder loswerden würden. Sollte man zwei Cent dafür zahlen? Nein, weil man ja nie einen dummen Käufer finden würde, Transparenz vorausgesetzt, der sie einem für einen Cent abnehmen würde. Sollte man drei Cent dafür zahlen? Nein, weil es ja keinen 2-Cent-Käufer geben sollte, wie wir gerade gesehen haben. Originelles Beispiel für das (vielleicht nur scheinbare) <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/06/das-gefangenenparadoxon-abistreich-version.htm">Paradoxon der angekündigten Hinrichtung</a>.</li>
<li>Es gibt ein schön gemachtes <a href="http://www.flaschenteufel.info/">Kartenspiel</a> zu Stevensons Erzählung. Man kann es auch online spielen; sieht nach einem Stichspiel mit einer Art Schwarzem Peter aus.</li>
</ul>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2009. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/08/robert-louis-stevenson-the-bottle-imp-im-papierweb.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/08/robert-louis-stevenson-the-bottle-imp-im-papierweb.htm#comments">3 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Jane Austen and Seth Grahame-Smith, Pride and Prejudice and Zombies</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/05/pride-and-prejudice-and-zombies.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/05/pride-and-prejudice-and-zombies.htm#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 08 May 2009 13:43:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Englisch]]></category>
		<category><![CDATA[Jane Austen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Such joys are scarce since the good Lord saw fit to close the gates of Hell and doom the dead to walk amongst us.&#8221; Eben gelesen: &#8220;Pride and Prejudice and Zombies&#8221; von Jane Austen und Seth Grahame-Smith. Schon lustig. Die Prämisse: Seit 35 Jahren ist England von Zombies geplagt, man hat sich daran gewöhnt, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;Such joys are scarce since the good Lord saw fit to close the gates of Hell and doom the dead to walk amongst us.&#8221;</strong></p>
<p><img style="float:left; margin-right:20px;" src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/pride_and_zombies.jpg" alt="pride_and_zombies" title="pride_and_zombies" width="141" height="211" class="alignnone size-full wp-image-2369" /></p>
<p>Eben gelesen: &#8220;Pride and Prejudice and Zombies&#8221; von Jane Austen und Seth Grahame-Smith. Schon lustig. Die Prämisse: Seit 35 Jahren ist England von Zombies geplagt, man hat sich daran gewöhnt, das Leben geht weiter. Zu den <em>accomplishments</em>, die junge Damen vorweisen können, gehört jetzt allerdings auch der Umgang mit Schusswaffen, waffenloser Kampf und Schwertkampf &#8211; statt <em>grand tour</em> in Europa verbringt man ein paar Jahre in China oder Japan und lernt asiatische Kampfkünste. (Daher auch die Ninjas, die feine Leute sich als Leibwächter halten.)</p>
<p>Weiter zu empfehlen: Bedingt. Die Zombies spielen tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle und sind für den Plot mit einer kleinen Ausnahme nicht relevant. Ansonsten hält sich das Buch an Jane Austen, nur dass Jane Austen tatsächlich vergnüglicher ist. Lieber wären mir einige radikalere Änderungen der Handlung gewesen. Allerdings begrüße ich es, dass man neue Fassungen von existierenden Büchern schreibt. Das hat Wolfram von Eschenbach getan, das geschieht bei jeder Inszenierung und jeder Verfilmung; Büchern kann es auch nicht schaden. Gute Geschichten kann man immer wieder erzählen.</p>
<p>(Deshalb finde ich es völlig in Ordnung, wenn in den X-Men, bei Batman und Spider-Man eigentlich auch nur immer wieder und wieder deren gleichbleibende Geschichte erzählt wird: Die Variationen machen es.) </p>
<p>Ein großer Gewinn für mich war ein weiteres Exemplar für meine Sammlung von <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2008/08/was-der-autor-sich-an-herausgeberhaftem-unter-den-nagel-reisst.htm">herausgeberhaften Dingen, die sich ein Autor unter den Nagel reißen kann</a>: Auf den letzten Seiten gibt es Diskussionsvorschläge für Leserunden, wie es das bei englischsprachigen Ausgaben immer wieder mal gibt. (Habe ich bei deutschen noch nie gesehen, sehe aber auch weniger deutsche Bücher. Aber Leserunden sind doch bei uns auch populär? Bin selber in einer.)</p>
<blockquote><p>Some critics have suggested that the zombies represent the authors&#8217; views toward marriage &#8211; an endless curse that sucks the life out of you and just won&#8217;t die. Do you agree, or&#8230;</p></blockquote>
<p>oder</p>
<blockquote><p>Vomit plays an important role in <em>Pride and Prejudice and Zombies</em> &#8230; Do the authors mean mean [this] to symbolize something greater, or is it a cheap device to get laughs?</p></blockquote>
<p>Die letzte Frage eröffnet die Möglichkeit, bei den Zombies handle sich um reine Effekthascherei aus kommerziellen Gründen, und fordert den Leser auf, sich das Buch vorzustellen, wie es ohne &#8220;violent zombie mayhem&#8221; geworden wäre. Da sind wir dann schon fast bei &#8220;Pierre Menard, Autor des Don Quixote&#8221; von Jorge Luis Borges, auch wenn das kürzer und tiefer ist.</p>
<p>Interessantere neue Aspekte für die nächste Austen-Lektüre bot mir das Buch <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2008/02/lost-in-austen-lesen-20.htm">Lost in Austen</a>.</p>
<p>Querverweis: Einen ähnlichen Genremix, kürzer und heiterer und weniger absurd, stellen die <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2007/12/lovecraft-und-wodehouse.htm">Mischungen von H.P. Lovecraft und P.G. Wodehouse von P.H. Cannon</a> dar.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2009. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/05/pride-and-prejudice-and-zombies.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/05/pride-and-prejudice-and-zombies.htm#comments">3 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was der Autor sich an Herausgeberhaftem unter den Nagel reißt</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2008/08/was-der-autor-sich-an-herausgeberhaftem-unter-den-nagel-reisst.htm</link>
		<comments>http://www.herr-rau.de/wordpress/2008/08/was-der-autor-sich-an-herausgeberhaftem-unter-den-nagel-reisst.htm#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2008 10:46:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Lieblings-Blogeinträge]]></category>
		<category><![CDATA[Listen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Sommerloch: Bis die Schule wieder anfängt, schreibe ich mir ein paar angefangene Blogeinträge von der Seele und der Warteliste, die seit Jahren darauf warten, dass ich mal richtig Energie in sie investiere. Wir haben uns entschieden, jetzt nicht mehr länger auf die Energie zu warten. Ich reime mir das so zusammen: Es gab dereinst Leute, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sommerloch: Bis die Schule wieder anfängt, schreibe ich mir ein paar angefangene Blogeinträge von der Seele und der Warteliste, die seit Jahren darauf warten, dass ich mal richtig Energie in sie investiere. Wir haben uns entschieden, jetzt nicht mehr länger auf die Energie zu warten.</em></p>
<p>Ich reime mir das so zusammen: Es gab dereinst Leute, die Geschichten erzählten. Oder vermutlich noch eher: Es gab Geschichten. Diese Geschichten wurden später von Herausgebern aufgeschrieben. Und nach und nach sind verschiedene paratextuelle Elemente, die ursprünglich herausgeberische Zusätze waren, von späteren Autoren als Teil eines Werks übernommen worden. </p>
<p>Ein Beispiel erklärt vielleicht, was ich meine. Ich behaupte mal, ohne das groß zu belegen, dass ursprünglich das <strong>Inhaltsverzeichnis</strong> wie überhaupt die Unterteilung in <strong>Kapitel</strong> eine redaktionelle Entscheidung der Herausgeber waren. Das gilt zum Beispiel für die Gesänge der Odyssee und Ilias &#8211; deren Überschriften stammen von späteren, wenn auch bereits antiken, Herausgebern, ebenso wie die Einteilung der Werke in jeweils 24 Gesänge.<br />
Spätere Autoren bauten Kapiteleinteilung und -überschriften dagegen bereits bei der Entstehung &#8211; und damit als Teil des Werkes &#8211; mit ein. (Beispiel 1: Martin Amis, <em>London Fields</em>, 24 Kapitel, zu Gruppen zusammengefasst, mit Überschriften wie &#8220;The Murderer&#8221; &#8211; und diese Einteilung täuscht, denn tatsächlich gibt es weitere Zwischenkapitel des sehr auktorialen und nicht unbedingt zuverlässigen  Erzählers, die <em>nicht</em> als eigene Kapitel ausgewiesen sind. Beispiel 2: Henry Fielding, <em>Tom Jones</em>, mit Kapitelunterschriften wie: &#8220;Containing matters which will surprise the reader&#8221;,  &#8220;Containing what the reader may, perhaps, expect to find in it&#8221; oder &#8220;Containing five pages of paper&#8221;.)</p>
<p>Inzwischen ist es selbstverständlich, dass die Kapiteleinteilung und eventuelle Kapitelüberschriften unveränderlicher Teil eines Werks sind. Aber das war eben nicht immer so. Was gibt es noch für redaktionelles Beiwerk, das vom Autor &#8211; oder Werk? &#8211; annektiert wurde?</p>
<ul>
<li><strong>Titel</strong><br />
Das Gilgamesh-Epos lief im Altertum unter <em>Shutur Eli Sharri</em>, &#8220;Außergewöhnlichster Aller Könige&#8221;, nach den ersten Wörtern des Textes &#8211; eine redaktionelle Entscheidung. Das Nibelungenlied hat keinen Titel, und auch der Titel von <em>Der arme Heinrich</em> stammt nicht vom Autor, Hartmann von Aue.<br />
Was war eigentlich das erste Buch, bei dem der Autor über den Titel entschieden hat?<br />
<em>Nachtrag. Raymond Smullyan hat in </em>Buch ohne Titel<em> schon versucht, den Titel loszuwerden und den Herausgebern zurückzugeben. Die Buchhändlerin war zuerst zwar tatsächlich irritiert, als ich ihr beim Bestellvorgang den Titel genannt habe, aber ein wirkliches Hindernis war es nicht. Und Umberto Eco wollte seinen Rosenroman </em>Adson von Melk<em> nennen, weil das am wenigsten über den Inhalt verraten hätte, aber das ließ man ihn nicht.</em>
 </li>
<li><strong>Inhaltsverzeichnis</strong><br />
Siehe oben (Martin Amis, Henry Fielding, Homer). Eine weiteres Beispiel von vielen für ein explizit zum Text gehörendes Inhaltsverzeichnis ist die Verschachtelung in <em>The Bridge</em> von Iain Banks.<br />
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/banks_the_bridge.jpg"><img width="100px" src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/banks_the_bridge.jpg" alt="" title="banks_the_bridge" class="alignnone size-thumbnail wp-image-1794" /></a>
</li>
<li><strong>Kapitel</strong><br />
Eng verbunden mit dem Inhaltsverzeichnis ist die Unterteilung in Kapitel. Eingesetzt zum Beispiel bei Flann O&#8217;Brien, <em>At Swim-Two-Birds</em>, das mit &#8220;Chapter I&#8221; beginnt, ohne dass jemals ein zweites Kapitel folgt.<br />
Die Romane von Jasper Fforde enthalten alle kein Kapitel 13, außer im Inhaltsverzeichnis.<br />
Weiteres Beispiel: Roddy Doyle, <em>The Giggler Treatment</em>, in dem auf Chapter One, Two, Three eines folgt, das heißt: &#8220;A Chapter That Isn&#8217;t Really A Chapter Because Nothing Really Happens In It But We&#8217;ll Call It Chapter Four&#8221; &#8211; und in den Kapiteln danach gerät die Zählung völlig durcheinander.<br />
In John Barth, <em>Lost in the Funhouse</em> gibt es die Geschichten &#8220;Menelaiad&#8221;, in der die Kapitel 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, nummeriert sind, und &#8220;Anonymiad&#8221;, das mit 1, 1 1/2, 2 beginnt.<br />
Jasper Fforde, <em>Lost In A Good Book</em> zählt: 1, 2, 3, 4, 5, 4a, 6, 7 und so weiter. (Hat was mit Zeitreisen zu tun.)
</li>
<li><strong>Personenverzeichnis</strong><br />
Ich weiß nicht, wann das angefangen hat, einem Roman ein Verzeichnis der darin vorkommenden Personen voranzusetzen. Typisch ist das für Krimis. Meine Ausgabe von Erle Stanley Gardner, <em>The Case of the Caretaker&#8217;s Cat</em> (Penguin 1955) hat so eine Liste, <em>The Case  of the Stuttering Bishop</em> (Penguin 1953), ebenfalls ein Perry-Mason-Krimi, hat das nicht. Ich nehme mal an, dass in diesen Fällen diese Listen nicht zum Werktext gehören. Anders etwa bei Matt Ruff, <em>Fool on the Hill</em>, eine liebeviolle Liste der Hauptpersonen, unterteilt nach &#8220;The Bohemians&#8221;, &#8220;Other Human Beings&#8221;, &#8220;The Sprites&#8221;, &#8220;Canines and Felines&#8221;, &#8220;Cameo Appearances&#8221;. Definitiv Teil des Textes.
</li>
<li><strong>Illustrationen</strong><br />
Meistens sind Illustrationen kein Teil des Werktextes, aber es gibt Ausnahmen. In Arturo Pérez Reverte, <em>El Club Dumas</em> (ganz schlecht verfilmt von Polanski) spielen sie dagegen eine große Rolle. Allerdings sind diese Illustrationen postmoderne Zitate: Es handelt sich um teils echte, teils fiktive Illustrationen aus anderen Werken. In Alfred Bester, <em>Golem<super>100</super></em> sind Illustrationen ebenfalls Teil des Textes, genauso wie Notenzeilen, Collagen und anderes &#8211; das Buch ist nah an den Stilmitellen des Dadaismus.<br />
Zum Text gehörende Kritzeleien gibt es bei Poe (Narrative of A. Gordon Pym) und bei Sterne (<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/sterne241.jpg">eine Illustration zum Aufbau der ersten vier Kapitel von und aus <em>Tristram Shandy</em></a>). Bei Sterne gibt es auch ein zum Text gehörendes Blatt, das nur aus <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/sterne111.gif">Marmorierung</a> besteht.
</li>
<li><strong>Fußnoten</strong> (und anderer kritischer Apparat)<br />
Das editorische Mittel par excellence, schon lange von den Autoren an- und übernommen. Ein extremes Beispiel ist Vladimir Nabokov, <em>Pale Fire</em>. Das Buch besteht aus dem letzten Gedicht des &#8211; fiktiven &#8211; berühmten Dichters John Shade, der 1959 ermordet wurde, zusammen mit einem <strong>Vorwort</strong>, einem <strong>Index</strong> und vielen, vielen Endnoten zum Gedicht. Aus diesem Material formt sich ein Bild des &#8211; fiktiven &#8211; Herausgebers, und eigentlich wird im Roman dessen Geschichte erzählt.<br />
Weitere Fußnoten habe ich mir notiert bei einem anekdotischen Buch von George Burns, dessen Titel laut LoC-Angaben im Impressum <em>Dr. Burns&#8217; Prescription for Happiness</em> lautet, das aber auch als <em>Dr. Burns&#8217; Prescription for Happiness*</em> <small><em>*Buy two books and call me in the morning</em></small> geführt wird &#8211; in verschiedenen Schreibvarianten.<br />
Ausgesprochen schöne Fußnoten gibt es auch bei Jasper Fforde, <em>Lost In A Good Book</em>. Mit dem Fußnotophon &#8211; es heißt natürlich nicht so, aber ich weiß den tatsächlichen Namen gerade nicht &#8211; kommt man in den Untergrund und kann so über Kanäle kommunizieren, ohne dass das die Personen, die nur in der Haupthandlung auf dem Hauptteil der Seite agieren, das mitkriegen.</li>
<li>Beispiele für zum Text gehörende <strong>Anhänge</strong>: Die <em>Illuminatus!</em>-Trilogie von Shea/Wilson und <em>The Circus of Dr Lao</em> von Charles G. Finney.
</li>
<li><strong>Autor</strong><br />
Die Autorenangabe ist inzwischen Teil des Textes, behaupte ich. Einsatz etwa bei Kilgore Trout, <em>Venus on the Half-Shell</em>. Der Roman stammt von Philip José Farmer, Trout ist ein fiktiver Autor im Werk von Kurt Vonnegut, und <em>Venus</em> ein dort erwähnter Titel.<br />
Iain M. Banks schreibt andere Bücher als Iain Banks, obwohl beide derselbe Mensch sind, James Branch Cabell andere als Branch Cabell. Und <em>The Silent Gondoliers</em> ist eben nicht von William Goldman, sondern von S. Morgenstern. (Und dann gibt es noch <em>The Iron Dream</em> von Norman Spinrad, ein Buch, das nur aus dem Buch besteht, das ein 1919 in die USA ausgewanderter Adolf Hitler dort geschrieben hat. Ein Parallelweltroman sozusagen, obwohl es darin gar nicht um die Parallelwelt geht. Gehört nicht ganz hierher.)<br />
Eben entdeckt: die &#8220;Maureen Birnbaum, Barbarian Swordsperson&#8221;-Geschichten von George Alec Effinger. Die Geschichten hat Maureen (&#8220;Muffy&#8221;) jeweils ihrer Freundin Bitsy erzählt, die als Co-Autorin der Kurzgeschichten fungiert; die alte Herausgeberfiktion wieder. Bitsy ändert im Lauf ihres Lebens ihren Namen, die Geschichte lässt ich gut aus dem Inhaltsverzeichnis ablesen:<br />
<img src="http://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/effinger_maureen_birnbaum.jpg" alt="" title="effinger_maureen_birnbaum" width="500" height="448" class="aligncenter size-full wp-image-2793" />
</li>
<li><strong>Impressum</strong><br />
Beim nicht korrekten Impressum landet man schnell bei der tatsächlichen Fälschung, etwas zu Propagandazwecken. Ich kenne deshalb auch nur Mischformen, also ein Impressum, dass korrekte und falsche Daten mischt, etwa bei diesem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2004/10/alles-ueber-die-giraffe-mcsweeneys-iii.htm">Unsinns-Sachbuch über die Giraffe</a>, wo es im Impressum heißt: &#8220;All rights are reserved, except the right to wear orange and brown together&#8221;, nebst viel weiteren Hanebüchereien.
</li>
<li>Ein schwer zu klassifizierender redaktioneller Einschub ist in William Goldman, <em>The Princess Bride</em>. Das Buch tut ja so, als wäre es die gekürzte Fassung eines längeren Werks von S. Morgenstern. Nach Jahren der Trennung treffen sich Wesley und Buttercup wieder, und diese herzzerreißende Wiedersehensszene hat William Goldman geschrieben &#8211; musste sie aber auf Druck des Verlags und der Erben von S. Morgenstern herausnehmen, da Goldmans Buch dann keine Kürzung des Originals mehr ist, sondern eine Ergänzung. Aber man könne, so steht es im Buch, einen Brief an den Verlag schicken, dessen Adresse angegeben ist, und dann kriegte man eine Kopie der Wiedersehensszene.<br />
Habe ich natürlich gemacht. Man kriegt einen Brief zurück mit weiteren Erklärungen, warum die Wiedersehensszene doch nicht mitgeschickt werden kann. Weitere Details zu den rechtlichen Problemen mit den Erben S. Morgensterns werden geschildert. Die Wichtigkeit von Cadminium für die  amerikanische Wirtschaft. Die zweite Fassung des Briefs ist von 1978, die dritte von 1987. (Diese Fassung habe ich 1988 geschickt bekommen, nachdem ich dieses wunderbare Buch entdeckt hatte. Vermutlich gab es danach weitere Fassungen. Hat jemand nach 1988 da mal hingeschrieben? Ist die Verlagsadresse in den letzten 35 Jahren wohl dieselbe geblieben oder hat sich der Text einem eventuellen Umzug angepasst?) Zum Romantext gehören diese Briefe wohl nicht. Aber die Herausgeberfiktion wird jedenfalls in den Text eingebaut.
</li>
<li><strong>Werbung</strong><br />
Ich habe noch alte Bastei-Taschenbücher mit Marlboro-Werbung innendrin. Und war es nicht Rowohlt, in deren Taschenbüchern in der Mitte immer diese Werbung für Pfandbriefe und Kommunalobligationen waren? Zum Text gehörende Werbung gibt es bei Jasper FForde in <em>The Eyre Affair</em> und den Folgebänden. Könnte man diese Werbung in anderen Ausgaben weglassen, ohne dass man um einen Teil des Werks betrogen wird? Vielleicht schon.
</li>
<li><strong>Anmachertext</strong><br />
Früher zumindest mal, so in den 1970ern, da gab es die Praxis, auf der ersten Seite eines &#8211; meist eher trivialen &#8211; Buches, noch vor dem Inhaltsverzeichnis, einen besonders spannenden Ausschnitt aus dem Buch zu präsentieren. Damit man Lust bekommt, das Buch zu lesen, auch weil der Ausschnitt gerne mal mit einem Cliffhanger aufhört. Das gibt es auch bei <em>Bored of the Rings</em> (1969) von H.N. Beard und D.C. Kennedy, deutsch: <em>Dschey Ar Tollkühn: Der Herr der Augenringe</em> (Goldmann 1983) &#8211; nur dass die kurze Szene im späteren Buch überhaupt nicht erscheint, also klar kein redaktionelles Element ist, sondern Teil des Werks.</li>
<li><strong>Aufkleber</strong><br />
Ein Grenzfall. <em>The Meaning of Liff</em> von John Lloyd und Douglas Adams definiert &#8220;Liff&#8221; als: &#8220;A  book, the contents of which are  totally belied  by its cover. For instance, any book the dust jacket of which bears the words. &#8216;This book will change your life&#8217;.&#8221; Auf meiner Ausgabe des Buches ist ein Aufkleber mit eben dieser Aufschrift, und ich hätte das Gefühl, die Ausgabe wäre ohne diesen Aufkleber nicht vollständig.
</li>
<li><strong>Diskussionsvorschläge für Leserunden:</strong><br />
Gibt es oft bei englischen Taschenbüchern. In <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/05/pride-and-prejudice-and-zombies.htm">Pride and Prejudice and Zombies</a> steht auf den letzten Seiten solch ein &#8220;Reader&#8217;s Discussion Guide&#8221;, der aber nicht ganz ernst zu nehmen ist und für mich einen mindestens so relevanten Teil des Buchtexts ausmacht wie das Inhaltsverzeichnis. </li>
<li><strong>Schriftlichkeit</strong> und ihre Folgen
<p>&#8211; Die <strong>Rechtschreibung</strong> war ursprünglich kein Teil des Textes, sondern eine Entscheidung der Drucker und Herausgeber. Heute wehren sich manche Autoren gegen die neue deutsche Rechtschreibung. Goethe hat sich nicht so angestellt.<br />
Beispiele fürs Spiel mit der Schreibung: Der englische Dichter Spenser wird im Gespräch erwähnt und von einer anderen Person als &#8220;Spencer&#8221; aufgenommen: lautlich gleich, zeigt die in der wörtlichen Rede verwendete Schreibung, dass der Sprecher den Dichter nicht kennt (Compton Mackenzie, <em>The Rival Monster</em> (in: <em>The Highland Omnibus</em> p. 587). Ähnlich in Terry Pratchett, <em>Pyramids</em> (p. 121, Corgi): Das Wort &#8220;quantum&#8221; wird gerade erfunden und von jemandem anderen als &#8220;kwa-&#8221; ausgesprochen, der daraufhin korrigiert wird.</p>
<p>&#8211; <strong>Absätze</strong> sind auch eine neue Erfindung, die inzwischen Teil des Texts sind. Im Mittelalter wurde am Zeilende umbrochen und gut war&#8217;s.</p>
<p>&#8211; <strong>Zeichensetzung</strong>, etwa bei der wörtlichen Rede. In Terry Pratchett, <em>Hogfather</em> (p. 22, Corgi) gibt es ein telepathisches Kleidungsstück:</p>
<blockquote><p>&#8216;Good evening,&#8217; he said.<br />
The robe said, Good evening, Lord Downey.</p></blockquote>
<p>&#8211; Dazu gehören wohl auch <strong>Korrekturzeichen</strong>. Leider kann ich mit meinen begrenzten typographischen Mitteln hier nicht den Titel eines Essays von Anne Fadiman (aus dem tollen Bändchen <em>Ex Libris</em> wiedergeben. Im Endeffekt lautet der Titel wohl &#8220;Insert a Caret&#8221; (Caret/Zirkumflex: ^), aber er ist entstanden aus den Wörter &#8220;Inset a Carrot&#8221;, versehen mit den üblichen Korrekturzeichen, denen zum Beispiel auch vorne im Rechtschreibduden ein Kapitel gewidmet ist. Auch im Inhaltsverzeichnis von <em>Ex Libris</em> taucht der Tiel in dieser Form auf, komplett mit Strichen am Rand und so weiter.</p>
<p>&#8211; <strong>Durchstreichung</strong> zum Zweck einer Korrektur, zum Beispiel in George Macdonald Fraser, <em>Flashman&#8217;s Lady</em> (p. 59 und weitere, Penguin 1988), wo Mrs Flashman in ihr Tagebuch schreibt:</p>
<blockquote><p>[H]e took advantage of the situation to press his lips to mine!! I was so affronted that it was <strike>some moments</strike> a moment before I could find the strength to make him desist
</p></blockquote>
<p>&#8211; <strong>Typographische</strong> Elemente wie verkehrt herum gesetzte Buchstaben, etwa in Michael Ende, <em>Die unendliche Geschichte</em>, in der man ganz am anfang spiegelverkehrt, weil von der Rückseite gesehen, die Aufschrift eines Antiquariats liest. Ähnlich die Geschichte &#8220;Mirror/rorriM, off the Wall&#8221; (nur dass die Buchstaben des zweiten Wortes spiegelverkehrt sein müssten, das gibt HTML aber nicht her) von Spider Robinson in <em>The Callahan Chronicles</em>. Auch ein spiegelverkehrter Zehndollarschein taucht auf (01$ statt $10 geschrieben, auch wieder spiegelverkehrt, also hier nicht darstellbar).<br />
Der Titel der Glosse &#8220;Report on Resentialism&#8221; von Paul Jennings ist in der Sammlung <em>The Jenguin Pennings</em> auf dem Kopf stehend gedruckt. In der Glosse geht es um eine fiktive philosophische Richtung, deren Kernaussage die ist, dass die Dinge nicht so wollen wie die Menschen.</p>
<p>&#8211; In Fritz von Herzmanovsky-Orlando, <em>Der Gaulschreck im Rosennetz</em>, 4. Capitel, hat die Stadt &#8220;Scheibbs&#8221; (vormals &#8220;Scheibs&#8221;) ein zusätzliches &#8220;b&#8221; erhalten, da vorher &#8220;ein paarmal peinliche, sinnstörende Schreibfehler vorgekommen waren&#8221;. Gehört nicht wirklich hierher, aber hier finde ich das wieder.</p>
<p>&#8211; Auch die Wahl der <strong>Schriftart</strong> war ursprünglich rein redaktionell. Wann Fraktur und wann Antiqua, das ist ursprünglich vorgegeben. Bewusster Einsatz darüber hinaus: Walter Kempowski verwendet Sütterlin in Antiqua in <em>Herzlich Willkommen</em> (Knaus 1984, S. 191f), als es um einen Kugelschreiber geht, der &#8220;als Reklamegabe von der Wäschereri [unleserliches Sütterlin, muss ich mal ergänzen] bezogen worden war&#8221;.<br />
In Comics werden Schriftarten natürlich noch bewusster eingesetzt.</p>
<p>&#8211; <strong>Zeichengröße</strong> und andere Varianten: In <em>The Munitions Master</em>, einem Abenteuer von Doc Savage (Bantam-Ausgabe Nr. 58, p. 10) drücken die Kapitälchen im Satz &#8220;A <small>SAVAGE</small> roar of almost unutterable ferocity came from the crowd&#8221; aus, dass die Menge nicht nur wild schreit, sondern auch den Namen der Person, auf die sie so wütend ist &#8211; Doc Savage eben.<br />
Jasper Fforde verwendet kleinere Buchstaben, um Flüstern darzustellen in <em>Lost In A Good Book</em> (Hodder &#038; Stoughon 2002, p. 178): &#8220;<small>&#8216;Very good,&#8217;</small> whispered Snell.&#8221;<br />
In Figurengedichten von Lewis Caroll gibt es ebenfalls verschiedene Schriftgrößen, und sicher anderswo auch.
</li>
</ul>
<p>Viele Elemente um ein Buch herum sind aber immer noch paratextuell, gehören also noch nicht zum eigentlichen Text. Zumindest teilweise ist es interessant, sich auszumalen, wie man sie einbauen könnte.</p>
<ul>
<li><strong>Klappentext</strong><br />
Auch wenn zum Beispiel Alasdair Gray seinem <em>Poor Things</em> gleich einen &#8220;blurb for a high-class hardback&#8221; und einen alternativen &#8220;blurb for a popular paperback&#8221; mitgibt: Vermutlich nicht Teil des Texts </li>
<li><strong>Autorenangaben</strong><br />
Und seien sie auch noch so fiktional (Harlan Ellison in <em>Edgeworks I</em>: &#8220;It was not until he threw himself in front of the assassins bullet at last year&#8217;s Academy Award ceremonies, thus saving the life of Oscar nominee Brad Pitt&#8230;&#8221;).<br />
Dazu gehört wohl auch das <strong>Autorenfoto</strong> auf dem Buchrücken. Auch wenn das wie im oben schon erwähnten <em>Venus on the Half-Shelf</em> ein verkleideter Philip José Farmer mit enorm falschem Rauschebart ist.</li>
<li><strong>Schriftfarbe</strong><br />
Ursprünglich eine reine redaktionelle Entscheidung, aber bei Michael Ende, <em>Die unendliche Geschichte</em> und bei <em>einer</em> deutschen Ausgabe (nicht aber den englischen, die ich kenne) von William Goldman, <em>The Princess Bride</em> werden verschiedene Farben für den Text eingesetzt. Ich nehme mal an, dass das in einfacheren Ausgaben durch Kursivsetzung ersetzt ist.
</li>
<li><strong>Titelbild</strong><br />
Ich kenne kein Buch, bei dem das Titelbild tatsächlich Teil des Werktexts ist.</li>
<li><strong>Erscheinungsweise</strong><br />
Ein Buch, das man nur in Einzelheften lesen kann und nicht in einer Gesamtausgabe? Kenne ich nicht. </li>
<li>Am vielversprechendsten stelle ich mir das bei der <strong>Seitenzählung</strong> vor. Wenn ein Blatt doppelt im Buch ist, eine Lage im Buch fehlt oder eine Lage doppelt ist: Wiederholt sich dann auch die Handlung beziehungsweise wird sie übersprungen?</li>
</ul>
<p>Krause Gedanken zum Schluss, zu einer Geschichte, die ich mal schreiben wollte:</p>
<p>Ich stelle mir da ein Einsatzkommando von Helden vor, das sich &#8211; durch die Fußnoten, den Subtext oder die Beschwörung Dessen, Der Zwischen Den Seiten Geht &#8211; nach vorne kämpft, um die Reihenfolge einiger Seiten zu ändern. Schon vor zehn Jahren hatte ich Ideen für eine parallele Handlung in den Fußnoten, manches davon kann ich mir aus wiedergefundenen Notizen zusammenreimen: &#8220;irgendetwas fällt (unterschiedliche Schrifttypen?) von oben runter? Oben wird von Geräusch von unten abgelenkt? Sie schmuggeln sich was in die Tasche&#8221;. Ganz kühn: &#8220;sie schieben ein Wort zum Zeilenende, um Trennstrich zu erzeugen (Homographentrennung?)&#8221;</p>
<p>Ich glaube, das hätte einen etwas konstruierten Text gegeben.</p>
<p><em>Ergänzung 2012: Bin ja mal gespannt, ob eBuch-Reader wie der Kindle eigene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paratext">peritextuelle</a> Elemente hervorbringen werden.</em></p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2008. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2008/08/was-der-autor-sich-an-herausgeberhaftem-unter-den-nagel-reisst.htm">Permalink</a> |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2008/08/was-der-autor-sich-an-herausgeberhaftem-unter-den-nagel-reisst.htm#comments">10 Kommentare</a>
<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>The LibraryThing Meme</title>
		<link>http://www.herr-rau.de/wordpress/2007/11/the-librarything-meme.htm</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Nov 2007 21:52:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Rau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[These are the top 106 books most often marked as &#8220;unread&#8221; by LibraryThing&#8217;s users. The rules: bold what you have read, italicize what you started but couldn&#8217;t finish, strike through what you couldn&#8217;t stand and underline those you have no intention of reading. Jonathan Strange &#038; Mr Norrell Anna Karenina Crime and Punishment Catch-22 One [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>These are the top 106 books most often marked as &#8220;unread&#8221; by LibraryThing&#8217;s users. The rules: bold what you have read, italicize what you started but couldn&#8217;t finish, strike through what you couldn&#8217;t stand and underline those you have no intention of reading.</p></blockquote>
<p><strong>Jonathan Strange &#038; Mr Norrell</strong><br />
Anna Karenina<br />
<u>Crime and Punishment</u><br />
<strong>Catch-22</strong><br />
<strong>One Hundred Years of Solitude</strong><br />
<strong>Wuthering Heights</strong><br />
<strong>The Silmarillion</strong><br />
<strong>Life of Pi</strong><br />
<strong>The Name of the Rose</strong><br />
<em>Don Quixote</em><br />
<strong>Moby Dick</strong><br />
<em>Ulysses</em><br />
<u>Madame Bovary</u><br />
<strong>The Odyssey</strong><br />
<strong>Pride and Prejudice</strong><br />
Jane Eyre<br />
A Tale of Two Cities<br />
<u>The Brothers Karamazov</u><br />
Guns, Germs, and Steel: The Fates of Human Societies<br />
<u>War and Peace</u><br />
<strong>Vanity Fair</strong><br />
<strong>The Time Traveler&#8217;s Wife</strong><br />
<em>The Iliad</em><br />
<strong>Emma</strong><br />
The Blind Assassin<br />
The Kite Runner<br />
<em>Mrs. Dalloway</em><br />
<strong>Great Expectations</strong><br />
<strong>American Gods</strong><br />
A Heartbreaking Work of Staggering Genius<br />
Atlas Shrugged<br />
Reading Lolita in Tehran<br />
Memoirs of a Geisha<br />
<u>Middlesex</u><br />
Quicksilver<br />
Wicked: The Life and Times of the Wicked Witch of the West<br />
<strong>The Canterbury Tales</strong><br />
The Historian<br />
<strong>A Portrait of the Artist as a Young Man</strong><br />
Love in the Time of Cholera<br />
<strong>Brave New World</strong><br />
The Fountainhead<br />
<strong>Foucault&#8217;s Pendulum</strong><br />
Middlemarch<br />
<strong>Frankenstein</strong><br />
<strong>The Count of Monte Cristo</strong><br />
<strong>Dracula</strong><br />
<strong>A Clockwork Orange</strong><br />
Anansi Boys<br />
<strong>The Once and Future King</strong><br />
<em>The Grapes of Wrath</em><br />
The Poisonwood Bible<br />
<strong>1984</strong><br />
<u>Angels &#038; Demons</u><br />
The Inferno<br />
<strong>The Satanic Verses</strong><br />
<strong>Sense and Sensibility</strong><br />
<strong>The Picture of Dorian Gray</strong><br />
Mansfield Park<br />
One Flew Over the Cuckoo&#8217;s Nest<br />
<u>To the Lighthouse</u><br />
Tess of the D&#8217;Urbervilles<br />
<strong>Oliver Twist</strong><br />
<strong>Gulliver&#8217;s Travels</strong><br />
<u>Les Misérables</u><br />
<u>The Corrections</u><br />
<strong>The Amazing Adventures of Kavalier and Clay</strong><br />
<strong>The Curious Incident of the Dog in the Night-Time</strong><br />
<strong>Dune</strong><br />
<strong>The Prince</strong><br />
The Sound and the Fury<br />
<u>Angela&#8217;s Ashes</u><br />
The God of Small Things<br />
A People&#8217;s History of the United States: 1492-Present<br />
Cryptonomicon<br />
<strong>Neverwhere</strong><br />
A Confederacy of Dunces<br />
<u>A Short History of Nearly Everything</u><br />
<strong>Dubliners</strong><br />
<strong>The Unbearable Lightness of Being</strong><br />
Beloved<br />
<strong>Slaughterhouse-Five</strong><br />
<u>The Scarlet Letter</u><br />
<strong>Eats, Shoots &#038; Leaves: The Zero Tolerance Approach to Punctuation</strong><br />
<strong>The Mists of Avalon</strong><br />
Oryx and Crake<br />
Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed<br />
<strong>Cloud Atlas</strong><br />
The Confusion<br />
<strong>Lolita</strong><br />
Persuasion<br />
<strong>Northanger Abbey</strong><br />
<strong>The Catcher in the Rye</strong><br />
<u>On the Road</u><br />
<u>The Hunchback of Notre Dame</u><br />
Freakonomics : A Rogue Economist Explores the Hidden Side of Everything<br />
<strong>Zen and the Art of Motorcycle Maintenance: An Inquiry into Values</strong><br />
The Aeneid<br />
<strong>Watership Down</strong><br />
<em>Gravity&#8217;s Rainbow</em><br />
<strong>The Hobbit</strong><br />
<u>In Cold Blood: A True Account of a Multiple Murder and its Consequences</u><br />
<strong>White Teeth</strong><br />
<strong>Treasure Island</strong><br />
<strong>David Copperfield</strong><br />
<strong>The Three Musketeers</strong></p>
<p>(Via <a href="http://nylusmilk.wordpress.com/2007/10/30/the-librarything-meme/">The Literary Pursuit</a>.)</p>
<p>Einige der fett gedruckten Bücher mochte ich nicht, aber &#8220;couldn&#8217;t stand&#8221;  geht zu weit. Der unsägliche Zimmer Bradley war mir damals nicht peinlich, heute schon. Und auch bei den unterstrichenen oder nicht unterstrichenen Büchern bin ich mir nicht immer sicher.</p>
<p>Das ganze hat etwas von dem Gesellschaftsspielchen im wunderbaren <em>Changing Places</em> von David Lodge. Dort gibt es auf einem geselligen Beisammensein von Literaturwissenschaftlern Punkte für Bücher, die man &#8211; möglichst als einziger &#8211; in der Runde noch nicht gelesen hat. Einer davon, sehr ehrgeizig und wenig lässig, lässt sich vom Drang überwältigen, bei Wettbewerben gewinnen zu wollen, und scheffelt Punkte mit einem letztlich herausgerufenen &#8220;Hamlet!&#8221; Seiner Karriere tut das allerdings nicht gut.</p>
<hr />
<p><small>Quelle: Herr Rau aus dem <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress">Lehrerzimmer</a> 2007. |
<a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/2007/11/the-librarything-meme.htm">Permalink</a> |
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<br/>
</small></p>]]></content:encoded>
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