Schlagwort: Rhetorik

Schiedsrichterhandzeichen

Bei Marginal Revolution gefunden (also, nicht wirklich selber gefunden, lange Geschichte):

Das käme dann auch als Poster in meine Schulbibliothek. Beim Debattieren, Argumentieren, Philosophieren gibt es ebenso Spielfehler wie etwa beim Basketball, und wie schön wäre es, wenn Schüler und Lehrer diese Zeichen verstehen würden.

Aber leider sind ja nicht mal die Spielfehler besonders bekannt. In den Kommentaren zu englischen Blogs stoße ich ständig auf Begriffe wie slippery slope, straw man, non sequitur, false analogy. Ich gehe mal davon aus, dass diese Begriffe in der Schule gelernt werden, weil sie so verbreitet sind. Deutsche Kommentare lese ich weniger, zugegeben, aber da stoße ich nie auf solche Begriffe. Einmal im Jahr irgendwo ein ad hominem, aber das war es dann schon. Wie kommt das eigentlich? Kommentieren in den USA nur Schüler, die im Debattierclub waren?
Früher habe ich ab und zu mal Auszüge aus: Eristische Dialektik, oder die Kunst Recht zu behalten von Schopenhauer im Unterricht behandelt. Könnte ich mal wieder herauskramen und unserem Kanon zu lesender Texte hinzufügen.

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Abiturrede

Weil gerade wieder Abitur war, hier eine der Abireden, die ich aufgehoben habe, Jahrgang 2000. Ich benutze sie gelegentlich im Unterricht, wenn es um Aufbau einer Rede, Situationsbezogenheit und Stilmittel geht – manchmal auch im Kontrast zu anderen Abiturreden, die deutlich weniger gelungen sind.

Guten Abend – wir haben Abitur.

Dazu haben wir 13 Jahre unseres Lebens gebraucht. 13 Jahre, in denen wir mehr oder weniger fleißig, intensiv, motiviert und interessiert meistens (fast immer!!!) unsere gesamten geistigen Kräfte für unser schulisches Weiterkommen verwendet haben. 13 Jahre, in denen das XYZ-Gymnasium zu unserem zweiten Zuhause wurde, 13 Jahre, in denen sich die Anzahl unserer Mitstreiter kontinuierlich dezimierte. 13 Jahre, in denen sich die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern mal zum Schlechten mal zum Rechten entwickelte.
Doch was soll’s?
Der Lohn dafür ist der Schlüssel zu den Toren der Welt, das Visum für unsere glorreiche Zukunft, unsere akademische Green Card.
Heute Abend erhalten wir die Mappe aus Pappe, die die Welt bedeutet.
Doch was bedeutet sie wirklich?

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Reden in der 9. Klasse

Der Schuljahresanfang in der 9. Klasse Deutsch sah diesmal so aus:

  1. (Optional: Anekdoten von der Nerd Nite erzählen. Eine Junior Nerd Nite an der Schule ankündigen.)
  2. (Optional: ein paar Videoblogs zeigen, um zu zeigen, dass man Sachen auch mit Schwung vortragen kann. In diesem Fall der Nostalgia Critic und Bottleplot.)
  3. Gestaltendes Lesen der Loriot-Rede zum Thema notleidende Vampire (mit Spendenaufruf) aus dem Schulbuch.
  4. Ein bisschen was zu Reden machen: Wiederholung, Parallelismus und Anapher als Stilmittel; Rolle von Situation, Publikum, Ziel.
  5. Dann: eine ähnliche Rede schreiben lassen. Zu einem ähnlich unernsten Thema. Vorschläge dazu machen. In der Schule zu schreiben beginnen, als Hausaufgabe beenden. Länge vorgeben: 200-400 Wörter.
  6. Im Computerraum die Rede in den Rechner tippen lassen. Genaue Vorgaben in Form eines Arbeitsblattes zur Formatierung machen. (Zeilenabstand 1 1/2, Abstand nach jedem Absatz, wo Leerzeichen hingehören und wo nicht.)
  7. Genauer sagen, wie eine gute Rede aufgebaut sein soll. Auch neue Bedingungen stellen. Überarbeiten der Rede im Computerraum.
  8. Einsammeln der Dateien.
  9. Vortragen der Reden im Klassenzimmer am Stehpult. Wenn die Klasse mitmacht, 6 Stück in einer Stunde. Ab der zweiten Stunde einen Schüler bestimmen, der Conferencier macht – den nächsten Redner auswürfelt, Rückmeldungen von der Klasse einfordert etc.
  10. Benotung auf Basis des Vortrags und der Datei. Formatierung stark gewichten.
  11. (Optional: ein paar Schüler in die Parallelklasse schicken und – wenn beide Klassen parallel arbeiten, wie bei uns geschehen – von der wiederum Redner kommen lassen, damit die auch mal vor fremdem Publikum reden.)
  12. (Optional: Weitermachen mit sachlicher Erörterung in Form einer Rede.)

Ich fand das alles sehr rund und zusammenhängend. Sowohl Schüler als Lehrer wissen jeweils, woran man gerade arbeitet, was nächste Stunde passieren wird. Beides halte ich inzwischen für sehr wichtig. (Und eher entspannend für den Lehrer ist das auch.) Die Reden habe ich zum Großteil aufgenommen, hier einige Ergebnisse:

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Reden analysieren: Obama

David Crystal analysiert Obamas Rede zur gewonnenen Wahl.

Liest sich so spannend wie Sportberichterstattung. (Stelle ich mir vor.) In der Welt der Thursday Next-Romane sehen so die Zeitungen aus.

(Tipp von Wolfgang aus enpaed. Jetzt habe ich den David Crystal aber auch endlich abonniert.)

Reden (und Interviews)

In der 9. Klasse Deutsch wird dieses Jahr die erste Schulaufgabe eine Rede sein – eine verkappte Erörterung eigentlich, aber halt eine mit einem Adressaten, eingebettet in eine Situation, wenn auch beides nur fiktiv. Argumentieren müssen die Schüler in einer Rede schließlich auch, und das ist das Wichtigste, das sie bei der Erörterung lernen.

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Schülersprecherwahlen

Ich will ja wirklich nicht immer mit unserer Aula protzen. Aber noch ist sie eben so schön und hell und voller Schüler. Am Schuljahresende sieht sie vielleicht schon ganz anders aus. Aber noch bringt sie einen jedenfalls auf Ideen und macht spannende Sachen möglich: Unser Verbindungslehrer regte an und organisierte es, dass die drei Schülersprecher dieses Jahr nicht wie sonst durch die Klassensprecherversammlung gewählt werden, sondern direkt. Dazu gab es heute morgen eine Schülerversammlung in der Aula (die übrigens technisch keine Aula ist, sondern eine Pausenhalle); alle Kandidaten stellten sich dort vor und hielten kurze Wahlreden. Im Laufe der nächsten Tage wird im Wahlbüro gewählt.

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Rednerpult

Eine Alternative zum Referat, die ich auch schon mal in Deutsch ausprobiert habe, habe ich vor den Ferien im LK Englisch eingesetzt: Die Rede bzw. Vorlesung, hier schlichter: das vorgetragene Essay. Die Vortragssituation war von Anfang an klar, der Text sollte also für den mündlichen Vortrag geschrieben sein. Das heißt, dass die ersten zwei Zeilen ohnehin nicht von allen wahrgenommen werden; dass es noch wichtiger ist als im geschriebenen Text, Markierungen zur Orientierung einzusetzen (erstens, zweitens, drittens); dass Pausen gemacht werden und Kontakt zum Publikum gehalten wird.

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