Schlagwort: Rhetorik

Schiedsrichterhandzeichen

Bei Marginal Revolution gefunden (also, nicht wirklich selber gefunden, lange Geschichte):

Das käme dann auch als Poster in meine Schulbibliothek. Beim Debattieren, Argumentieren, Philosophieren gibt es ebenso Spielfehler wie etwa beim Basketball, und wie schön wäre es, wenn Schüler und Lehrer diese Zeichen verstehen würden.

Aber leider sind ja nicht mal die Spielfehler besonders bekannt. In den Kommentaren zu englischen Blogs stoße ich ständig auf Begriffe wie slippery slope, straw man, non sequitur, false analogy. Ich gehe mal davon aus, dass diese Begriffe in der Schule gelernt werden, weil sie so verbreitet sind. Deutsche Kommentare lese ich weniger, zugegeben, aber da stoße ich nie auf solche Begriffe. Einmal im Jahr irgendwo ein ad hominem, aber das war es dann schon. Wie kommt das eigentlich? Kommentieren in den USA nur Schüler, die im Debattierclub waren?
Früher habe ich ab und zu mal Auszüge aus: Eristische Dialektik, oder die Kunst Recht zu behalten von Schopenhauer im Unterricht behandelt. Könnte ich mal wieder herauskramen und unserem Kanon zu lesender Texte hinzufügen.

In vielen Situationen sind Schiedsrichter tatsächlich sinnvoll. Wie sagte mir einst ein Sportlehrer, oder war es eine Sportlehrerin: “Begehen Jungen Spielfehler, warten sie, bis der Schiedsrichter pfeift und eine Entscheidung fällt. Mädchen geben einen Fehler zu, ohne sich zu vergewissern, dass der Schiedsrichter den Fehler erkannt hat.” Manchmal ist das auch so in der Zusammenarbeit mit den Kollegen, angefangen beim Breitmachen auf den Tischen im Lehrerzimmer: die einen holen heraus, was nur geht – solange kein Schiedsrichter pfeift, gibt es kein Foul. Weitere Beispiele gehören nicht hierher.

Abiturrede

Weil gerade wieder Abitur war, hier eine der Abireden, die ich aufgehoben habe, Jahrgang 2000. Ich benutze sie gelegentlich im Unterricht, wenn es um Aufbau einer Rede, Situationsbezogenheit und Stilmittel geht – manchmal auch im Kontrast zu anderen Abiturreden, die deutlich weniger gelungen sind.

Guten Abend – wir haben Abitur.

Dazu haben wir 13 Jahre unseres Lebens gebraucht. 13 Jahre, in denen wir mehr oder weniger fleißig, intensiv, motiviert und interessiert meistens (fast immer!!!) unsere gesamten geistigen Kräfte für unser schulisches Weiterkommen verwendet haben. 13 Jahre, in denen das XYZ-Gymnasium zu unserem zweiten Zuhause wurde, 13 Jahre, in denen sich die Anzahl unserer Mitstreiter kontinuierlich dezimierte. 13 Jahre, in denen sich die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern mal zum Schlechten mal zum Rechten entwickelte.
Doch was soll’s?
Der Lohn dafür ist der Schlüssel zu den Toren der Welt, das Visum für unsere glorreiche Zukunft, unsere akademische Green Card.
Heute Abend erhalten wir die Mappe aus Pappe, die die Welt bedeutet.
Doch was bedeutet sie wirklich?

Sind wir tatsächlich auf unsere Zukunft vorbereitet?
Wir können lateinische Gedichte skandieren, wissen mit komplexen Zahlen umzugehen, hermetische Gedichte zu entschlüsseln, haben den eindimensionalen Potentialtopf kennengelernt, beherrschen das gesamte Regelwerk von mindestens vier Sportarten und sind in der Lage, die Strukturformeln jedes am Calvin-Zyklus beteiligten Stoffes zu zeichnen.
Sie sehen, wir sind im Allgemeinen gebildet, aber haben wir auch Allgemeinbildung?
Für uns bedeutet dieser Begriff mehr als das im Gymnasium Erlernte.
Er umfasst zum Beispiel selbständiges Denken, eigene Ideen zu entwickeln, zu individuellen Ergebnissen zu kommen und diese zielstrebig umzusetzen. Auch Flexibilität wird im Berufsleben immer wichtiger. Von uns wird erwartet, Konfliktsituationen zu bewältigen und Teamfähigkeit zu zeigen.
In der Schulzeit lernt man früh, das eigene Wohl in den Vordergrund zu stellen. Jeder ist sich selbst der Nächste. Beim Streben nach guten Zensuren bleibt die Solidarität schnell auf der Strecke. Das Ziel ist der Weg, und der Weg ist man selbst.
Zu oft werden Ungerechtigkeiten von den Schülern zwar bemerkt aber dennoch übergangen. Der Grund dafür ist häufig die Angst des Einzelnen, in der Gunst des Lehrers zu sinken oder auch nur die pure Ignoranz und Faulheit. Dies gilt ebenso für das Verhältnis der Schüler untereinander, welches oft alles andere als kollegial ist. Individualität wird nicht gern gesehen und kann nur mit einem großen Maß an Selbstbewusstsein ausgelebt werden.

Unserer Meinung nach könnte der Egoismus durch schulisch geförderte Gruppenarbeit und gemeinsame Projekte gemindert werden. Dass dafür die Schüler ebenso Bereitschaft zeigen müssen, steht außer Frage. Auch wird im Unterricht zu wenig diskutiert. Die Streitfähigkeit als notwendiges Mittel im sozialen Umgang wird durch den Frontalunterricht leider zu wenig berücksichtigt. Dabei ist gerade diese Eigenschaft im Berufsleben elementar.
Ebenso wichtig ist praktische Erfahrung, welche gerade am Gymnasium vernachlässigt wird. Die Ausübung eines mehrtägigen Praktikums beruht allzu oft auf Eigeninitiative und wird von der Schule zu wenig unterstützt. Statt dessen wird dies Schülern mit einem Hinweis auf den ohnehin überfüllten Lehrplan nur unter Vorbehalt genehmigt bzw. ganz verweigert.
Auch der Umgang mit neuen Medien kommt zu kurz. In der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist der Computer zu einem ständigen Begleiter geworden, mit dem auch wir in unserer Schulzeit stolze zwei Stunden konfrontiert wurden.
Glücklicherweise wurde dieses Problem bereits erkannt mit der Konsequenz, Informatik in absehbarer Zeit mehr in den Lehrplan zu integrieren. (Dieser Ansatz sollte auch auf die übrigen neuen Medien ausgeweitet werden.) Doch für jede Veränderung reicht die alleinige Initiative des Kultusministeriums nicht aus; um eine Reform effektiv zu realisieren, muss ebenso viel von Seiten der Lehrer und Schüler beigetragen werden.

Zu all den eben genannten Kritikpunkten noch ein paar Worte in eigener Sache: Wir, die 13. Klasse des XYZ-Gymnasiums sind immer mit vorbildlichem Beispiel vorangegangen. Tagtäglich zeigten wir mit jeder Faser unseres Körpers vollen Einsatz, haben die Lehrer stets zu innovativen Projekten angehalten, waren für alle Neuerungen offen und haben auch außerhalb des Unterrichts unser schulisches Engagement nie aufgegeben. Die Lehrer konnten sich vor intellektuellen Schülerbeiträgen kaum retten, wurden mit interessierten Fragen bombardiert und unser enthusiastischer Wissensdrang konnte selbst durch den Schulgong nicht eingedämmt werden. Irgendwelche Zweifel??? Die haben wir auch.
Wir sind uns bei aller Kritik am Schulsystem durchaus darüber im Klaren, dass die Motivation und das Engagement der Schüler zu wünschen übrig lassen. Die Schule wurde von uns zu oft nur als Belastung empfunden und nicht beispielsweise als Möglichkeit zur Interessensfindung gesehen.

Doch das haben wir alles hinter uns.
Blicken wir in die Zukunft.
Arbeitslosigkeit und Aufstiegschancen sind Schlagworte, mit denen wir fast täglich konfrontiert werden. Man hört regelmäßig von der Unsicherheit des Arbeitsplatzes, höheren Anforderungen im Bereich Flexibilität und Belastbarkeit, von Globalisierung und Rationalisierung.
Doch was sollen diese Begriffe für uns bedeuten? Wir haben unsere Schulzeit gerade beendet und stehen nun vor der schwierigen Entscheidung, welchen Weg wir einschlagen sollen. Die Tatsache, dass uns so gut wie alle Türen offenstehen, bedeutet gleichzeitig auch die Qual der Wahl. Es stellt sich die Frage, welche Faktoren für unsere Berufsfindung wirklich wichtig sind: Soll der Arbeitsmarkt über unsere Zukunft entscheiden, oder doch lieber unsere individuellen Interessen? Inwieweit sind Arbeitsmarkt und Interesse überhaupt miteinander vereinbar? Bedeutet beispielsweise Talent und Begeisterung für das Schulfach Deutsch auch Freude am Beruf des Germanisten?

Trotzdem lassen wir uns davon nicht beeindrucken. Wir nehmen unsere Zukunft selbst in die Hand, wir werden unseren Weg gehen.
Wir kriegen das hin.
Schließlich sind wir ja der Abi-Jahrgang 2000!!!!

(Birgit F., Florian F.)

Ohne explizite Erlaubnis ins Blog gestellt, ich habe damals nur die Erlaubnis für die Schulhomepage eingeholt. Deshalb auch (c) Birgit F., Florian F., keine CC-Lizenz. Ich habe leider keinen Kontakt zu diesen Schülern, so dass ich nicht fragen kann. Bei Einwänden bitte melden.

Verschiedene Links zum Thema, die ersten drei innerhalb meines Blogs, damit ich hier mal alles versammelt habe und auch einen Ort für zukünftige Links habe:

Reden in der 9. Klasse

Der Schuljahresanfang in der 9. Klasse Deutsch sah diesmal so aus:

  1. (Optional: Anekdoten von der Nerd Nite erzählen. Eine Junior Nerd Nite an der Schule ankündigen.)
  2. (Optional: ein paar Videoblogs zeigen, um zu zeigen, dass man Sachen auch mit Schwung vortragen kann. In diesem Fall der Nostalgia Critic und Bottleplot.)
  3. Gestaltendes Lesen der Loriot-Rede zum Thema notleidende Vampire (mit Spendenaufruf) aus dem Schulbuch.
  4. Ein bisschen was zu Reden machen: Wiederholung, Parallelismus und Anapher als Stilmittel; Rolle von Situation, Publikum, Ziel.
  5. Dann: eine ähnliche Rede schreiben lassen. Zu einem ähnlich unernsten Thema. Vorschläge dazu machen. In der Schule zu schreiben beginnen, als Hausaufgabe beenden. Länge vorgeben: 200-400 Wörter.
  6. Im Computerraum die Rede in den Rechner tippen lassen. Genaue Vorgaben in Form eines Arbeitsblattes zur Formatierung machen. (Zeilenabstand 1 1/2, Abstand nach jedem Absatz, wo Leerzeichen hingehören und wo nicht.)
  7. Genauer sagen, wie eine gute Rede aufgebaut sein soll. Auch neue Bedingungen stellen. Überarbeiten der Rede im Computerraum.
  8. Einsammeln der Dateien.
  9. Vortragen der Reden im Klassenzimmer am Stehpult. Wenn die Klasse mitmacht, 6 Stück in einer Stunde. Ab der zweiten Stunde einen Schüler bestimmen, der Conferencier macht – den nächsten Redner auswürfelt, Rückmeldungen von der Klasse einfordert etc.
  10. Benotung auf Basis des Vortrags und der Datei. Formatierung stark gewichten.
  11. (Optional: ein paar Schüler in die Parallelklasse schicken und – wenn beide Klassen parallel arbeiten, wie bei uns geschehen – von der wiederum Redner kommen lassen, damit die auch mal vor fremdem Publikum reden.)
  12. (Optional: Weitermachen mit sachlicher Erörterung in Form einer Rede.)

Ich fand das alles sehr rund und zusammenhängend. Sowohl Schüler als Lehrer wissen jeweils, woran man gerade arbeitet, was nächste Stunde passieren wird. Beides halte ich inzwischen für sehr wichtig. (Und eher entspannend für den Lehrer ist das auch.) Die Reden habe ich zum Großteil aufgenommen, hier einige Ergebnisse:

Über Kühe:

Über Österreich:

Über das Trinken im Unterricht:

Über Bleistifte:

Über Taschentücher:

Über Mofas:

(Über Feedreader nicht hörbar, fürchte ich.)

Reden analysieren: Obama

David Crystal analysiert Obamas Rede zur gewonnenen Wahl.

Liest sich so spannend wie Sportberichterstattung. (Stelle ich mir vor.) In der Welt der Thursday Next-Romane sehen so die Zeitungen aus.

(Tipp von Wolfgang aus enpaed. Jetzt habe ich den David Crystal aber auch endlich abonniert.)

Reden (und Interviews)

In der 9. Klasse Deutsch wird dieses Jahr die erste Schulaufgabe eine Rede sein – eine verkappte Erörterung eigentlich, aber halt eine mit einem Adressaten, eingebettet in eine Situation, wenn auch beides nur fiktiv. Argumentieren müssen die Schüler in einer Rede schließlich auch, und das ist das Wichtigste, das sie bei der Erörterung lernen.

Das Schulbuch unterscheidet zwischen Reden mit Informations- und Appellcharakter sowie Reden zu einem gegeben feierlichen Anlass. Ein Beispiel darin ist eine Scherzrede von Loriot zum Thema “Spenden für notleidende Vampire”.

Nach diesem Vorbild sollten die Schüler erst einmal eine ähnliche Rede schreiben – mit dem Computer zu Hause. Im Computerraum habe ich den Schülern danach das Formatieren auf Zeilenabstand 1 1/2, Schriftgröße 12 pt gezeigt und auf die Vor- und Nachteile der automatischen Rechtschreibkorrektur hingewiesen. Dort mussten die Schüler Klimax, Parallelismus, Anapher einbauen und in den Tagen danach wurden die ersten Reden im Klassenzimmer vorgetragen. Das hörte sich dann so an wie bei dieser Rede zum Schutz der Backwaren:

Schön finde ich vor allem die Neologismen. “Erdmarzipänchen” ist wirklich neu, im Web habe ich es jedenfalls noch nicht gefunden. Üben müssen wir noch die Vortragsweise. Der Schüler hatte aber eben auch kein Manuskript mit Zeilenabstand 1 1/2 vor sich.

— Fußnote, weil auch im Schul-Podcast: Letztes Jahr studierte ein Schüler unserer Schule an der Uni ein schon bisschen Informatik. Die TU München bietet nämlich ein Informatik-Frühstudium für begabte Schülerinnen und Schüler an, damit die schon ein bisschen Universitätsluft schnuppern können: An zwei Nachmittagen in der Woche gibt es reguläre Vorlesungen und Praktika, dazu viel webbasiertes Arbeiten. Die Schüler schreiben Klausuren und sammeln dadurch – falls sie später mal an der TU Informatik studieren wollen – bereits Credits für das Bachelor-Studium. Aber natürlich ist das auch interessant, wenn man später etwas anderes studiert. Informatik-Grundkenntnisse kann man immer brauchen

Zwei Neuntklässler haben letztes Jahr ein Interview mit diesem Schüler geführt und ihn zu seinen Erfahrungen befragt:

Ich hätte mich über eine positivere Rückmeldung gefreut, aber man kann nun mal nicht alles haben. Das Interview ist jedenfalls gelungen, finde ich.

Schülersprecherwahlen

Ich will ja wirklich nicht immer mit unserer Aula protzen. Aber noch ist sie eben so schön und hell und voller Schüler. Am Schuljahresende sieht sie vielleicht schon ganz anders aus. Aber noch bringt sie einen jedenfalls auf Ideen und macht spannende Sachen möglich: Unser Verbindungslehrer regte an und organisierte es, dass die drei Schülersprecher dieses Jahr nicht wie sonst durch die Klassensprecherversammlung gewählt werden, sondern direkt. Dazu gab es heute morgen eine Schülerversammlung in der Aula (die übrigens technisch keine Aula ist, sondern eine Pausenhalle); alle Kandidaten stellten sich dort vor und hielten kurze Wahlreden. Im Laufe der nächsten Tage wird im Wahlbüro gewählt.

Im Publikum wurden ein paar Plakate hochgehalten, ein halbes Dutzend Flugzettel kursierte (liebevoll herabgesegelt von oben). An den Wänden klebten Poster der Kandidaten. Insgesamt war alles sehr brav, nicht laut, und das bleibt hoffentlich so. Die Schülerreden waren noch etwas holprig, aber immerhin ein Anfang. Mit etwas Coaching wäre aus einzelnen Schülern noch mehr herauszuholen, aber da lassen die Lehrer natürlich die Finger davon. Ich habe jetzt schon zwei verschiedene Durchgänge an Schülersprechern erlebt, auch in den Sitzungen des Schulforums. Hauptsache, die Schüler wissen am Jahresende noch, wen sie gewählt haben und was im Laufe des Jahrs passiert ist – das ist dann schon viel politisches Interesse.

Bin gespannt, wie sich das entwickelt.

Rednerpult

Eine Alternative zum Referat, die ich auch schon mal in Deutsch ausprobiert habe, habe ich vor den Ferien im LK Englisch eingesetzt: Die Rede bzw. Vorlesung, hier schlichter: das vorgetragene Essay. Die Vortragssituation war von Anfang an klar, der Text sollte also für den mündlichen Vortrag geschrieben sein. Das heißt, dass die ersten zwei Zeilen ohnehin nicht von allen wahrgenommen werden; dass es noch wichtiger ist als im geschriebenen Text, Markierungen zur Orientierung einzusetzen (erstens, zweitens, drittens); dass Pausen gemacht werden und Kontakt zum Publikum gehalten wird.

Alles natürlich nicht gründlich genug vorbereitet, aber immerhin hatte ich ein Rednerpult organisiert. Unsere Schule hat nämlich eines, Stahlblech, sehr solide, aber auch sehr schwer, mit Schullogo, Lese- und Ablagefläche und sogar Beleuchtung. Dieses Pult wird sonst immer für Abitur- und andere Reden der Schulleitung eingesetzt und liegt sonst brach.

Die Schüler hielten dort ihre Vorträge, ich las ein paar vorbereitete, einleitende Worte ab – und war anscheinend das erste Mal hinter einem solchen Pult. Gott war ich nervös. Ein Jackett hatte ich vermutlich auch noch an. Das Rednerpult machte für mich einen Riesenunterschied. Die Nervosität legte sich, aber der Unterschied blieb. Leider hatte ich vergessen, Wasser mitzunehmen (ohne Kohlensäure, wie ich gelernt habe), ich hatte mit dem Transport des Pults alle Hände voll zu tun. Das Wasser habe ich vermisst, den Schülern ging es ebenso.

Da ich in der folgenden Stunde Unterricht hatte, ließ ich das Pult vorerst in dem Raum stehen. Dort entdeckte es eine zweite LK-Lehrerin und spielte damit herum. Und ein dritter LK-Lehrer half mir danach, das Pult wieder herunter zu tragen. Und wir alle meinten: So was brauchen wir unbedingt für den Deutsch- und Englisch-Unterricht. Man steht ganz anders da, Schüler wie Lehrer. Und wenn schon Lehrervortrag (was ja nicht schlecht sein muss), dann gleich richtig. Hinter einem solchen Pult, so habe ich das Gefühl, kann man sich auch weniger des unverbindlichen Geschwurbels leisten, das man als Lehrer dann doch ab und zu von sich zu geben nicht umhin kann zu bemerken. Ähem.

Schon länger wünsche ich mir ja eine Vortragsreihe. Zum Beispiel Deutsch, Aufklärung, G9 11. Klasse: alle Deutschlehrer der Klassen tun sich zusammen und halten jeweils eine Vorlesung vor allen Elftklässlern. Danach kurze Tutorien beim Fachlehrer, gefolgt von Leistungskontrolle. Müsste man nur mal organisieren. Und sich trauen – ich meine, ich mag die Aufklärung, aber kann ich mein Halbwissen wirklich sinnvoll präzisieren? Irgendwas über Lessing, “Erziehung des Menschengeschlechts”, oder den Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnis… Eulers “Briefe an eine deutsche Prinzessin” und Lichtenberg, “Über Gewitterfurcht und Blitzableitung”.

Rednerpulte: Das unserer Schule ist halt recht schwer, macht aber einiges her. Aus meinem Referendariat kenne ich kleine hölzerne Halbpulte, die man auf einen normalen Schultisch stellt. Die sind leichter zu transportieren, sehen aber auch ein bisschen billiger aus. Irgendwas dazwischen muss es doch geben.

(Sonstiges vom ersten Schultag: Erstens, ich hatte in den Ferien ganz vergessen, wie massentierhaltungsvoll unser Lehrerzimmer ist. Ich hatte es wirklich vergessen. Zweitens, eine ehemalige LK-Schülerin, inzwischen Referendariat Grundschule, war heute praktizierend… also: als Praktikantin bei uns, um sich mal die fünften Klassen anzuschauen. Wir haben ein bisschen geplaudert und als es um den E-Mail-Austausch ging und ich schon angefangen hatte, nach einem Zettel zu kramen, habe ich noch rechtzeitig an meine Visitenkarten gedacht. Nicht die offiziellen, sondern die kleinen mit Foto von moo.)