Variationen auf Walter Moers

Eine Fingerübung für Zwischendurch. Ich glaube ja, dass man auffällige Sprache dann besser analysieren kann, wenn man Beispiele dafür auch mal geschrieben hat. Hier sind Variationen auf Walter Moers‘ Märchenroman Der Schrecksenmeister (der seinerseits eine Variation auf „Spiegel, das Kätzchen“ von Gottfried Keller ist). Das Original beginnt mit einer Schilderung vom „krankesten Ort in ganz Zamonien“, hier Schülerprodukte aus der Oberstufe, kleinere Rechtschreibfehler verbessert: Stellt euch den sportlichsten Ort von ganz Zamonien vor! Eine kleine Stadt mit Laufbahnen als Straße und Hochsprunganlagen auf den Dächern, über der ein sportliches Schloss mit mutigen Athleten thronte. In der es die verrücktesten Sportarten […]

Über die Behandlung von Gedichten im Deutschunterricht

In der Schule (Gymnasium, Bayern) ist die Textsorte Essay im Deutschunterricht eigentlich nur eine Variante des Kommentars mit mehr Zierrat. Das heißt: Parallelismen, Anaphern, Wortspiele (aber die sind schwierig). Sonderregel bei Herrn Rau: keine Ansprache an irgendwelche Leser, und ganz, ganz, ganz wenige Einwort-, Zweiwort- oder sonstwie unvollständige Sätze sowie rhetorische Fragen. Diese Stilmittel liegen den Schülerinnen und Schüler nämlich ganz nah an der Feder, und diese Stilmittel führen ganz besonders dazu, dass es mich beim Lesen schüttelt. Präskriptiv, deskriptiv, Abwägen, eigener Stil, alles klar – aber schütteln darf es mich nicht. Geeigneter sind Metaphern und andere Bilder, breit ausgeführte […]

Abiturrede 2014

(Nachgetragen, hier mein kurzer Bericht der Abifeier. Einige Stellen sind Insiderwitze, die ich nicht verstanden habe; wie bei allen Reden kommt es sehr auf den Vortrag und vor allem die konkrete Situation an – was mit einem etwas anderen Publikum vielleicht nicht funktioniert hätte, funktionierte hier gut.) Sehr geehrte Anwesende, dass ich nun hier als Repräsentant der Stufe vor Ihnen stehe, ist wohl überraschend, sowohl für Mitglieder der Stufe, als auch für einige Lehrer und nicht zuletzt für mich selbst. Warum soll ich, soll jemand mit meinen Deutschnoten eine Rede schreiben und vortragen? Ich bin in der Stufe weder besonders […]

Flüchtige Küsse, bildlich

Aus Wolf Haas, Verteidigung der Missionarsstellung: Und so still und unauffällig, als würde er sie gar nicht auf die Lippen küssen, sondern als informierte ein schmierestehender Ganove die an den Vitrinen arbeitenden Schmuckdiebe mit einem gerade noch unterhalb der Alarmschwelle liegenden, praktisch unhörbar trockenen Lippengeräusch über das Herannahen des Nachtwächters, […] als würde Benjamin Lee Baumgartner die namenlose Burgerverkäuferin keineswegs küssen, sondern als wäre es der Rinderwahn, der ihn zu diesem unmotivierten Kopfzucken zwang, küsste er sie so kurz und flüchtig auf die Lippen, dass schon im nächsten Moment nicht mehr ganz sicher war, ob er es getan hatte. Hinter […]

Germanische Stabreimdichtung in der 8. Klasse, mit Tolkien

Ich mag ja bekanntliche germanische Mythologie und Literatur ein bisschen (Blogeintrag). Und seit ich – via Stephen Fry – anlässlich einer Lehrerkonferenz festgestellt habe, wie leicht einem germanische Stabreim-Langzeilen von der Hand gehen (Blogeintrag), wollte ich das auch mal mit Schülern probieren. Und das habe ich jetzt in der 8. Klasse gemacht. Ausgangspunkt war Fangorns Lied aus dem Herrn der Ringe – Buch 3, Kapitel 4. Das ist ein Lied, das alle Ents kennen und in dem alle Lebewesen aufgezählt werden, allen voran die vier freien Völker, Menschen, Elben, Zwerge und Ents: Learn now the Lore of Living Creatures! First […]

Aus einem Schüleraufsatz neulich, 8. Klasse

Zum Ersten lernen die Jugendlichen mit einem Ferienjob, Verantwortung zu tragen. In der Schule hat ein Schüler nicht sehr viel Verantwortung. In einem Job allerdings ist er immer für seine Taten verantwortlich. Wenn er zum Beispiel mit einem Rasenmäher teure Blumen ummäht, ist es allein seine Schuld. Der Schüler muss nicht etwa eine Seite schreiben, sondern die Blumen bezahlen. Ich fände es ebenfalls schön, wenn Schüler mehr Verantwortung tragen dürften.

Erzählen mit Perspektivenwechsel, die Schulaufgabe

Bei den letzten Schulaufgaben (für Leute außerhalb Bayerns: angekündigte, benotete Aufsätze, heftig benotet) meiner 6. Klasse habe ich mich beim Korrigieren sehr unterhalten. Eines der Themen, angelehnt an diese Übung (und die), sah so aus: Zwei Leute haben sich verabredet, um ins Kino zu gehen. (Möglich: Kind/Elternteil, Freunde.) Einer von beiden ist pünktlich und wartet vor dem Kino und wird ungeduldig oder besorgt, weil der andere nicht kommt. Der oder die andere hat sich verspätet und beeilt sich sehr, um noch rechtzeitig zu kommen. Erzähle das, indem du zwischen den Perspektiven der beiden abwechselst. Schildere anschaulich das Innenleben der beiden. […]

Die Deutschstunde

Deutsch, 6. Klasse, Erlebniserzählung. Verlangt: Perspektivenwechsel, Metapher/Vergleich, innere Handlung. Manche Schüler tun sich schwer bei innerer Handlung. Mit der Kettensäge auf den Eisbären los, das ist kein Problem, aber Angst, Neugier, Tollkühnheit schildern, das schon. Zum Üben habe ich den Schülern „Die Klavierstunde“ von Gabriele Wohmann gegeben, eine Geschichte, die fast nur aus innerer Handlung besteht: Ein Junge geht zur Klavierstunde und spielt mit dem Gedanken, sich zu drücken, etwas anderes zu tun. Er hasst diese Klavierstunde. Parallel dazu bereitet sich die Klavierlehrerin auf die Stunde vor. Sie hasst die Stunde ebenso, hat Kopfschmerzen, würde lieber absagen. Die Perspektive wechselt […]

Erzählen mit Perspektivenwechsel: Eisbär im Haus

Erlebniserzählung, 6. Klasse: Umgestaltung einer Zeitungsmeldung in eine Erzählung. Als Hausaufgabe gab es einen Artikel zu einem Eisbären, den ein Junge aus Neufundland aus der elterlichen Wohnung vertrieben hatte. Aus diesem Artikel sollte eine Erzählung werden. Ich hatte ihn mal aus einer Handreichung oder einem Schulbuch gezogen, und weil ich zu faul bin, nach der Quelle zu suchen, kann ich ihn hier nicht abdrucken. Zusätzliche Bedingung bei dem Übungsaufsatz (und dann später auch in der Schulaufgabe): Es musste einmal die Erzählperspektive gewechselt werden, zum Beispiel so, dass eben zuerst aus der Sicht einer Person erzählt wird und dann – nicht […]

wiertz.wahnsinn

Bildbeschreibung

Neulich beim Respizieren habe ich das folgende Thema gesehen. Bildbeschreibung, 45 Minuten, 7. Klasse, Bayern, Gymnasium. Einen sehr guten Beispielaufsatz schreibe ich darunter. Jean-Baptiste Siméon Chardin, „Dame beim Tee“ Beschreibe das Gemälde „Dame beim Tee“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin aus dem Jahre 1735 nach den im Unterricht besprochenen Regeln und Vorgaben. Achte auf eine saubere äußere Form und sprachliche Korrektheit! Aufsatz, in gänzlich unverbesserter Form: Das 1735 entstandene Gemälde „Dame beim Tee“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin zeigt eine Frau, die in entspannter und ruhiger Haltung sitzend ihren Tee genießt. Das Bild ist insgesamt mit matten und abgeschwächten Farben gestaltet, rechts […]