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England Prevails

Zur Erinnerung für mich selber: Hier gibt es Videomaterial vom Guardian zu einer der bizzarsten Aktionen eines Rechtsstaats der letzten Jahre. Die britische Regierung zwang die Guardian-Redaktion, die Computer zu zerstören, auf denen sich die Snowden-Daten befunden hatten. Mit Bohr- und Schleifmaschine mussten die Redakteure unter den Augen der Geheimdienstmitarbeiter ihre Hardware zerstören. Und das, obwohl allen Beteiligten klar wahr, und das auch laut gesagt wurde, dass es selbstverständlich Kopien der Daten gibt. “Petty” und “spiteful” sind die Wörter, die mir dazu einfallen.

West Pier, Brighton

Die Stürme der letzten Tage haben da West Pier in Brighton auseinandergerissen: BBC News, mit Foto.

So hatte es die Jahre zuvor ausgesehen:

2001, einige Jahre vor dem Brand, konnte man noch Führungen dorthin besuchen:
west_pier_2001_(1)

west_pier_2001_(2)

Und so habe ich es kennen gelernt:
west_pier_1999

Bildungspolitisches aus England

In England habe ich fleißig Zeitung gelesen, und da geht es gerade viel um den Bildungsminister, Michael Gove. Dessen Änderungswünsche im Schulsystem stoßen auf Widerstand. Einmal geht es um die Einführung neuer Abschlussprüfungen, bei denen Gove vorläufig gescheitert ist. Dann geht es um den neuen Lehrplan, etwa im Fach Geschichte: Dort soll es wieder mehr um Fakten gehen und weniger um Kompetenzen. Weniger Quellenanalyse, weniger Europa, dafür mehr England, und mehr heroische Figuren aus der englischen Geschichte. Außerdem gibt es Klagen von den Fachleuten aus dem Ministerium über ihn und seinen Umgangston und seine inhaltliche Politik (“Dump F***ing Everyone”). Ein Ministerium, das eine Meinung unabhängig vom Minister hat? Kann ich mir hierzulande nicht vorstellen.

Ein Hauptanliegen von Gove ist es auch, mehr Schulen in Akademien umzuwandeln, und dabei mit mehr Zuckerbrot und Peitsche zu arbeiten, als vielen angemessen scheint. Der Hintergrund dazu: Traditionell werden staatliche Schulen von der jeweiligen Gemeinde oder Stadt finanziert und kontrolliert. Daneben gibt es Privatschulen (independent schools und free schools), die sich nicht an den staatlichen Lehrplan halten müssen.
Neu sind außerdem die free schools, staatlich finanziert und unter staatlicher Aufsicht, aber unabhängig von den örtlichen Gemeinschaft. Diese Schulen sind eine Sonderform der verbreiteteren academies: Staatlich finanziert, unter staatlicher Aufsicht, außerhalb der Kontrolle der Gemeinde, selbstverwaltend, häufig mit einem Sponsor aus der Wirtschaft. Davon hätte Gove gerne mehr, und viele staatlichen (also: lokal verwurzelten) Schulen fühlen sich unter Druck, zu Akademien zu werden. Man spricht von Kopfprämien und Quoten, die es zu erfüllen gilt.

Interessant ist das etwa deshalb, weil das Kultusministerium zentral das Anstellen von nicht ausgebildeten Lehrern in Akademien fördern kann (“Academy plan to use untrained teachers is an outrage”). Außerdem liebäugelt Gove wohl damit, die Akademien in gewinnorientierte Unternehmen umzuwandeln (Secret memo shows Michael Gove’s plan for privatisation of academies).

West Pier 2013

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Mittagessen in Brighton

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Das kleine Bällchen auf dem Teller ist übrigens ein englisches Breadcrumb-Zwiebel-Salbei-Falafel, oder könnte zumindest als solches vermarktet werden. (“Stuffing.”)

Schöne Lieder

Schon mal verlinkt, aber nichts daraus geworden, deshalb jetzt eingebettet: Jonathan Coulton, “The Presidents”.

Washington came first and he was perfect,
John Adams kept us out of war with France
Jefferson made a Louisiana Purchase
In 1812 James Madison kicked the British in the pants
James Monroe told Europe they could suck it
John Quincy Adams looked just like his Dad
Andrew Jackson got rid of all the Indians
Van Buren served one term but he wasn’t bad

Sollen die Europäer mal nicht so spotten über die geschichtslosen Amerikaner. Der Ton ist nicht so besonders, ich habe außerdem noch eine schönere Liveaufnahme.

Vielleicht kann man etwas im Englischunterricht damit machen. Ich habe mal als Teil eines Wikiprojekts den Text ausgegeben und zu den meisten Zeilen Links gesetzt, hinter denen die Schüler dann eine Erklärung zu der Zeile schreiben sollten. (Nach Recherche zum Thema natürlich.) Ich bin mir aber nicht sicher, was das gebracht hat.

  • Klar, die Schüler sind weg von der Straße und beschäftigt, noch dazu mit einer gewissen Freiheit. Das kann nie schaden.
  • Die Schüler haben gelernt, dass Man Gemeinsam An Einem Projekt Arbeiten Kann. Aber eigentlich ist dazu so ein Liedtext zu klein, jeder Schüler weiß, dass das im Prinzip eine Aufgabe für eine Einzelperson ist. Hat ja auch nur einer geschrieben, den Text.
  • Jeder Schüler hat sich ein oder zwei Daten aus der amerikanischen Geschichte etwas näher angeschaut. Kann auch nicht schaden. Ist vermutlich das Lohnendste an der Aufgabe.
  • Die Schüler haben einen vagen Eindruck davon bekommen, dass die USA eine Geschichte haben. Kann auch nicht schaden. Die besseren Schüler wussten das wohl vorher schon.
  • Selbstständiges Recherchieren, na ja, okay.
  • Was man eigentlich an dem Lied sieht: dass für das Verständnis von Texten aus einer anderen Kultur viel Faktenwissen nötig ist – Fakten, die Mitglieder dieser Kultur zu einem ordentlichen Teil kennen und man selber nicht.

Diese Wiederaufnahme eines Lied aus alten Fry&Laurie-Tagen ging auch schon durch die Blogs, ich hab’s aber noch nicht hier gehabt. Hugh Laurie ist klasse.

Wieviel Aufwand man mit einem warmen Käsebrot treiben kann

Man braucht dafür Folgendes:

Ich weiß nicht, wo und wann ich dem Käsebrot, von dem dieser Blogeintrag handelt, zum ersten Mal begegnet bin. “Welsh rabbit” oder “Welsh rarebit” hieß es, und das allein ließ mich das Gericht nicht vergessen. In jungen Jahren muss ich bei der Zubereitung des Gerichts einmal versagt haben, dunkel erinnere ich mich an so etwas.

Zum vorletzten Mal bin ich dem Gericht bei Karl Philipp Moritz begegnet, jawohl, dem von Anton Reiser, in seinem schönen Buch Reisen eines Deutschen in England im Jahr 1782, das es leider beim Project Gutenberg nur auf Englisch gibt. Nur beim Projekt Gutenberg gibt es das deutsche Original. Man beachte die andere Schreibweise: das mit dem k ist diese deutsche Seite, bei spiegel.de, nicht mit dem Project verbunden, ohne Downloadmöglichkeit für ganze Texte, mit urheberrechtlichem Anspruch auf “Auswahl, Anordung, Einteilung und Formatierung aller Dokumente” dort. Ich würde da nie als Freiwilliger mitarbeiten. Dennoch, der Reisebericht von Moritz ist schön, ich sollte mal etwas darüber schreiben. Und wie ich gerade nachsehe: es war gar kein Rarebit, sondern ein “Käse toast; dieß war am Feuer gebratner und halbgeschmolzner Chesterkäse, der wohl ein recht delikates Gericht seyn mag, wovon ich aber zum Unglück keinen Bissen essen konnte.”

Ja, englischer Käsebrot ist nicht für jeden etwas. Wer keine Angst davor hat, mag sich diesen Video anschauen:

English cuisine at its most traditional.

Zum bisher letzten Mal bisher bin ich dem Gericht vor ein paar Wochen in freier Wildbahn in England begegnet, als alternativer Käsegang. Also dachte ich mir, das mache ich endlich mal selber. Bei Delia habe ich eine etwas feinere Variante gefunden: Mehl in Butter anschwitzen, mit etwas Milch aufkochen, Cayennepfeffer oder Paprika (auch für die Farbe), Worcestershiresaue, Senf, Eigelb, geriebener Käse dazu (halb Cheddar, halb Parmesan – beim nächsten Mal nur Cheddar). Das ergibt eine Pampe, die der aus dem Video nicht unähnlich ist:

Soweit noch traditionell. Dann wird aber geschlagenes Eiweiß untergehoben. Das lockert die Masse deutlich auf. Auf Brot gestrichen (Unterseite getoastet)…

…und noch einmal kurz unter den Grill:

Lecker.

Aber ehrlich gesagt, das war mir fast schon zu fein. Das nächste Mal ohne Eiweiß und dafür mit etwas Bier, wie es auch in vielen Rezepten steht. Wer möchte, hier ein traditionelleres Rezept: