Schlagwort: Zusammenarbeit

Mailingliste für Informatiklehrer

Ich profitiere sehr von einer Englisch-Mailingliste, auf der ich bin (auch wenn ich wenig aktiv bin, da ich im vierten Jahr keine Englischklasse mehr habe). Dort gibt es regegn Austausch, eine Handvoll Mails am Tag, von denen ich manche lese, andere nicht. Manche enthalten Hinweise auf Neuigkeiten – Bücher, Fernsehsendungen, aktuelle Zeitungsartikel, auf didaktisches Material. Andere sind Fragen oder Antworten zu methodischen oder fachwissenschaftlichen Aspekten. Schön und praktisch, so etwas.

Für Deutsch bin ich auch auf so einer Liste, aber da ist viel weniger los. Keine kritische Masse, schätze ich. Oder sind die Englischlehrer kommunikativer – oder internetfreundlicher? Da könnte etwas dran sein.

Es gibt jetzt auch für Informatik eine neue Mailingliste, unter:
http://www.schule.bayern.de/service/mailinglisten
kann man sich anmelden. (Die Liste auswählen, die “Informatik” im Namen hat.)

Bin gespannt, wie internetaffin Informatiklehrer sind. Es gibt schon eine Mailingliste (ZUM-Informatik), auf der ich auch bin, wo aber nicht viel los ist. Haben Informatiklehrer weniger Austauschbedarf oder gibt es einfach nicht genug solche Lehrer? Ich habe ja ein bisschen den Verdacht, dass Mathe-Physik-Lehrer, und aus dieser Richtung kommen die meisten Informatiklehrer noch, weniger interessiert am Austausch an sich sind. Dafür haben die an meiner Schule die engste Zusammenarbeit untereinander.

Nachtrag: Die Adresse der Englisch-Mailingliste ist: http://groups.yahoo.com/group/enpaed/

Das digitale Schulbuch: Umsetzung mit Wiki

Auf diesen Seiten probiere ich aus, wie die Zusammenarbeit an einem digitalen Schulbuch mit Hilfe eines Wikis aussehen könnte. Das ist aber nur ein Modell und wird in dieser Form nicht eingesetzt werden.

Mein Grundgedanke ist der, dass ein Benutzer Material in Form einzelner Texte oder Arbeitsaufgaben oder Tafelbilder einstellen kann; dass derselbe oder andere Benutzer dann Kapitel erstellen, wobei sie auf das vorhandene Material zurückgreifen, statt es neu zu erstellen; und dass man sich aus den verschiedenen Kapiteln ganze Bücher zusammenstellen kann.

Umsetzung

Das Wiki ist als Beispiel für das Fach Deutsch gedacht. Da arbeitet man häufig mit Texten, mit Arbeitsaufträgen und Material und Tafelbildern dazu. In einem typischen Wiki würde man – wenn es um die Novelle “Des Lebens Überfluss” von Ludwig Tieck geht – dann etwa eine Seite Des Lebens Überfluss (Text) anlegen, mit einer weiteren Seite Des Lebens Überfluss (Aufgaben) und Des Lebens Überfluss (Tafelbilder), wenn man nicht gleich alles auf einer einzigen Seite vereinen möchte. Ich gehe hier aber anders vor.

Wenn man sich Wikipedia anschaut, dann gibt es da zu jeder Seite eine parallele Diskussionsseite. Neben dem Artikel Storch kann man bei Diskussion:Storch über eben genau diesen Artikel diskutieren. Dass die beiden Seiten irgendwie zusammengehören, merkt man am ähnlichen Namen; dass sie auseinander gehalten werden können, liegt an den unterschiedlichen Namensbereichen. Es gibt bei Wikipedia neben dem Haupt-Namensbereich eben den Namensbereich Diskussion:, aber etwa auch den Namensbereich Benutzer: – so kann es neben den bereits erwähnten Storch-Seiten auch eine Seite für den Benutzer:Storch geben, ohne dass die Seiten sich in die Quere kommen.

In dem Wiki habe ich mehrere solcher Namensbereiche angelegt, nämlich die Bereiche Text, Tafelbilder, Aufgaben, Links, Ideen, Diskussion. (Denkbar sind weitere oder andere: Medien, Lösungsvorschläge, Prüfungen.) Legt man einen neuen Text an, geschieht das sinnvollerweise im Namensbereich Text, etwa so: Text.Des Lebens Überfluss. (Sobald man sich im entsprechenden Namensbereich befindet, kann man auf dessen Angabe verzichten.)

Wenn man sich auf der Text-Seite zu “Des Lebens Überfluss” oder wessen auch immer befindet, erscheinen im Kopf des Wikis automatisch und immer Reiter mit weiteren Links:

Diese Links führen zu Seiten, die den gleichen Namen haben wie die Textseite, nur jeweils im entsprechenden anderen Namensbereich. Umgekehrt ist das genauso: lege ich eine Seite im Tafelbild-Namensbereich an, erscheinen dazu Links zu den entsprechenden Seiten in den anderen Namensbereichen. So sind Text, Material, Ideen, Diskussion zu einem Thema einerseits getrennt, andererseits miteinander verknüpft.

(Ein Nachteil des Wiki-Modells: Es handelt sich hier immer um 1:1-Beziehungen, das heißt: Einer Textseite ist eine Aufgabenseite und eine Diskussionsseite zugeordnet und jeweils umgekehrt. Was ich wirklich möchte, sind 1:n-Beziehungen. Einem Text sind mehrere Aufgaben zugeordnet; eine Aufgabe kann sich auf mehrere Texte beziehen. Das geht mit einem Wiki nicht, so dass man auf einer Aufgabenseite halt mehrere Aufgaben zum gegebenen Text sammeln muss.)

Beispiele

Die Seite zur oben erwähnten Tieck-Novelle kann man sich schon mal anschauen. Bisher gibt es da einen Text, ein Tafelbild, ein paar Ideen, ein paar Aufgaben, erst mal alle nur skizziert.

Außerdem gibt es eine Reihe von Parabeln, etwa Lessings Der Besitzer des Bogens. Zu jeder Parabel könnte es, wir erinnern uns, Aufgaben, Ideen, Diskussion, Tafelbilder geben. Im Kapitel Parabeln habe ich mal probeweise drei Parabeln und ein Tafelbild zu einem Kapitel zusammengesetzt. Dabei besteht der Inhalt des Kapitels aus neuem Text und vor allem aus dem Materialbausteinen, die unmittelbar eingebaut werden. Ich muss also nicht die Parabel abtippen, sondern baue sie lediglich ein.

Dieses Kapitel habe ich mit einem kurzen zweiten Kapitel Nathan der Weise nach demselben Prinzip zu einem Buch Die Aufklärung zusammengesetzt.

Erkenntnisse, Probleme, zu Erledigendes

  • Für jedes Fach braucht es ein eigenes Wiki. Zu unterschiedlich sind die Wünsche, das wird dann auch zu unübersichtlich, und mittels Interwiki-Links kann man die Seiten der verschiedenen Wikis trotzdem leicht miteinander verbinden.
  • Die Infoboxen zu den Materialien sind alle noch händisch eingefügt; dafür könnte und sollte man Templates anlegen.
  • Die Infoboxen enthalten einige Kategorien (Schlagwörter). Das müsste man systematisieren. Außerdem gehören alle Schlagwörter zur Zeit unhierarchisch zur gleichen Kategorie; tatsächlich könnte man leicht separate Schlagwort-Kategorien für Autoren, Gattungen etc. anlegen.
  • Die Ausgabe als pdf/was auch immer: Darum habe ich mich noch nicht gekümmert. Wikiseiten automatisch in pdf umwandeln geht halbwegs, so dass man ordentliche Arbeitsblätter kriegt. Was allerdings keine Umwandlungssoftware bisher macht: die entstandenen Dokumente mit Zeilennummern versehen. Das wäre bei einem festen Ausgabeformat aber wichtig.
  • Meine Lieblings-Wikisoftware ist das hier verwendete PmWiki: keine Datenbank nötig; Update durch Drüberkopieren der neuen Dateien und fertig; Umzug einfach durch Verschieben an einen anderen Ort.
    Wenn man tatsächlich mit einem Wiki arbeiten würde, käme man am mächtigeren Mediawiki nicht vorbei, allein schon der vielen Erweiterungen wegen. Ich nehme mal an, dass es meinen Server auch viel Rechenzeit kostet, diese verschachtelten Bücher zu erzeugen, die aus Kapitel bestehen, die aus Texten bestehen, und dass es da eine Obergrenze gibt.
  • Letztlich ist ein Wiki nicht die ideale Software. Es braucht dazu ein fertiges Redaktionssystem, also nicht nur ein einfaches CMS. Ich habe mich nie nach Bucherstellungs-Software umgesehen, weiß aber, dass es da eine Menge gibt. Natürlich mindestens webbasiert, am besten auch mit Offlinemodus/Synchronisation.
  • Das würde auch das Problem der Namensgebung lösen: bei Wikis ist das Umbenennen von Seiten lästig. Man müsste sich vorher auf Namenskonventionen einigen. Das gilt auch für Disambiguationsseiten, etwa wenn aus einer längeren Textquelle verschiedene Kurzfassungen existieren.
  • Natürlich sowieso: Bewertung der Bestandteile durch die Community; jeder Benutzer muss eine Lste von Bestandteilen speichern können, die ihn interessieren.
  • Wer ein Passwort zum Herumspielen möchte: mir Nachricht schicken.

Gemeinsam an einem digitalen Schulbuch arbeiten

Das wäre doch eine schöne Idee. Das Blog gleich8.de hat sich vor einem halben Jahr dazu Gedanken gemacht, ich krame das anlässlich des Schultrojaners wieder heraus.

1. EduBrowsen

Nehmen wir an, ich hätte eh schon schönes Arbeitsmaterial zu Hause, das ich gerne anderen zur Verfügung stellen würde. Stichprobe auf der Festplatte:

  1. Englische Hörverstehensaufgaben zu relativ freien Texten (NPR) und unfreien (Douglas Adams)
  2. Ein schönes Arbeitsblatt zur Metrik
  3. Ideen zu einer Krimi-Sequenz (unfrei, unfertig)
  4. Ein schönes Tafelbild zu einer nicht so oft gelesenen Novelle von Ludwig Tieck
  5. Texte und Material zu einer selten gelesenen Fouqué-Novelle
  6. Eine Präsentation zum Konstruktor in Informatik.

Das ist Material, das sich mit Schulbuchmaterial messen kann. (Was aber fehlt, und dazu später, ist die Einordnung in den Lehrplan und einen Lernprozess und andere Zusammenhänge.) Wenn ich das mit anderen teilen möchte, kann ich das Material in einem Blog veröffentlichen (2, 5, 6), einen Moodlekurs dazu erstellen und den zur Verfügung stellen (6), ich kann es auf einer Mailingliste anbieten (1). Ich könntes außerdem bei einer der vielen Portale für Unterrichtsmaterial einstellen, ein kleiner Überblick von OER Commons über Digitale Schule und ZUM-Wiki in diesem Blogeintrag. Ich kann bei Jan Klinges One-Note-Projekt mitmachen. (3) kann ich nicht teilen, da verwertungsrechtlich geschützt.

Tatsächlich nutze ich nur die Möglichkeit meines Blogs, und die auch nur sporadisch, denn das ist kein Materialblog hier. Auf Materialplattformen lade ich nichts hoch; ich nutze sie auch sonst so gut wie gar nicht. In den ersten Jahren meines Lehrerseins habe ich mich da gelegentlich bedient, inzwischen habe ich kein Bedürfnis nach Material. (Nur OER Commons habe ich abonniert, aber das nur aus Interesse – Englisch unterrichte ich ja de facto nicht mehr.) Die Benutzeroberflächen sind mir zu anstregend, und das Anschauen und Herunterladen von pdf- oder doc-Dateien ist mir zu mühselig. Auch das Zusammensuchen aus Blogs geschieht eher sporadisch. Reicht mir auch, ich lese Blogs nicht wegen des Materials, sondern wegen der Leute und der Ideen.

Ein wenig anders wäre das, wenn es einen Materialbrowser gäbe für Unterrichtsmaterial. Ein Youtube für Bildungsmaterial (Blogeintrag 2008) oder ein iTunes für Bildungsmaterial (blogeintrag 2008). SourceForge als Vorbild ist auch denkbar, und TeachingEnglish habe ich mal als Facebook für Englischlehrer vorgestellt.

Voraussetzung wäre ein (XML-)Format für Unterrichtsmaterial. Wenn ich mir meine Beispiele oben ansehe, gehört für meine Fächer dazu: Eingebettetes Audio- und Videomaterial (bzw. Links dazu); Links zum Thema; ein oder mehrere Texte (Gedicht, Novelle, eingebettet oder verlinkt), Aufgaben zu den Texten; Anmerkungen und Lösungen zu den Aufgaben; eingebettete oder verlinkte Bilder/Diagramme; eventuell doch Dateien als Anhang; Programmcode. Eigene Schlagwörter des Erstellers, aber natürlich gibt es im Materialbrowser die Möglichkeit der Verschlagwortung und Bewertung. Der Browser zeigt mir jeweils die gewünschten Aspekte des Materials an.

Sicher würden erst mal weniger Leute mitmachen bei diesem Format als beim Hochladen von .docx-Dateien, aber ich würde mitmachen. Der prinzipielle Vorteil dieses Vorgehens: jeder Lehrer, der doch eher ein eigenbrödlerischer Vorsichhinwurschtler ist, kann eigene kleine Quasi-Arbeitsblätter verfassen, ohne sich mit anderen groß auf gemeinsames Vorgehen wie bei einem Schulbuch zu verständigen. Aber dieses Einzelmaterial kann Module ergeben für Schulbücher.

2. Digitale Schulbücher

— Denn natürlich sind diese möglichen Materialsammlungen in meinem eduBrowser noch kein Schulbuch. Ich sage einfach weiter Schulbuch dazu, ja, auch wenn ich etwas Digitales meine. Ein Buch entsteht anders, als Gemeinschaftsprojekt etwa bei Wikibooks. In diesem Regal sieht man, was es schon alles an (für deutschsprachige Lerner gedachten) Schulbüchern gibt. Für Deutsch und Englisch ist das bisher nur eine Skizze und nicht sehr modern anmutend, am weitesten fortgeschritten ist das Chemiebuch. Jenseits der Schule gibt es einen Band zur komischen Literatur – aber das ist kein Buch in meinem Sinn, sondern ein Wiki-Artikel, ein Exzerpt: Es gibt keine längeren Absätze, gibt überhaupt nicht viel Text. Da ist überall noch viel Raum zur Mitarbeit.

Bessere Bücher (im Sinne englischer Textbooks), die mehr in meinem Sinn sind, gibt es bei OER Commons:

  • Commonsense Composition: “Abstract: This textbook follows California Language Arts Standards for grades 9-12 to provide a generalized understanding of composition and to serve as a supplementary aid to high school English teachers. Languages: English. Material Type: Textbooks. Media Format: Text/HTML, Downloadable docs.” (CC BY-NC-SA 3.0)
  • US History Sourcebook (Basic) bzw. (Advanced): “Abstract: From CK-12, U.S. History Sourcebook – Basic covers U.S. history from Colonial America through World War I. This book provides high school U.S. History teachers and students with sets of primary and secondary sources about important topics. Some teachers will use it as a supplement to a traditional textbook. For those looking to leave the textbook behind entirely, it will provide a course with basic structure and continuity, and will reduce the burden of finding new primary sources for each class meeting. However, it is not yet comprehensive enough to meet the coverage requirements of, for example, an Advanced Placement test.” (CC BY-NC-SA 3.0)

    Urheber dieser drei Bücher ist die CK-12 Foundation:

    CK-12 is a non-profit association based in California founded to reduce the cost of textbook materials for the K-12 market. They maintain the FlexBook open source tool for creating remixable texts, and as of July 2009 were developing 30 English-language open textbooks, focusing on books for US high schools. While their initial efforts target the US market, they claim to have the worldwide market in mind as well. [...] In April 2009, the state of California issued a call for open textbooks for use in their high schools. CK-12 submitted five science books and three math books, more than any other publisher. They have committed to seeding their system and authors community with at least another 25 complete books.” (Wikipedia, CC-BY-SA).

  • The Great Depression Unit: “Abstract: In this unit, students will be focusing on determining importance; summarizing; making predictions; recognizing plot structure; and identifying flashbacks and foreshadowing. Wherever possible, mini-lesson texts relate to American life in the 1930s, and all students will be reading literature circle novels set during this time period in American history. Languages: English. Material Type: Activities and Labs, Homework and Assignments, Lesson Plans, Readings, Syllabi, Textbooks. Media Format: Other, Text/HTML, Video.” Die Autorin Chelsea Nilsson hat das unter CC-BY 3.0 gestellt.

3. Was ich gerne hätte

Hm, dieses “FlexBook open source tool for creating remixable texts” könnte ich mir mal anschauen. Ich habe mich überhaupt noch nicht groß mit Software zur Erstellung von Büchern beschäftigt. Für meine folgenden Auslassungen stelle ich mir Wikis als Veranschaulichung vor, obwohl die für meine Wünsche nicht optimal sind.

In Deutsch und Englisch beschäftigt man sich typischerweise mit: Text und Fragen dazu. (Fragen können alles mögliche sein. Aber ich wollte nicht educationally correct sein und “Material” sagen.) Zu einem gegebenen Text kann es viele Fragen geben. Also bräuchten wir eine Art Wiki, in dem erst einmal Texte gesammelt sind. Zu jedem Text gibt es – auf einer anderen Seite gespeichert – verschiedene Fragensätze. Ein digitales Schulbuch besteht jetzt aus einer sinnvollen Reihung (und ja, diese Linearität als Vorschlag halte ich für sinnvoll) von verschiedenen Texten, mit jeweils verschiedenen Fragesätzen dazu. Mix and match. Ich will das wie eine Datenbank abfragen können: Gib mir alle vorhandenen Gedichte von Heine, kombiniert jeweils mit allen vorhandenen Fragesätzen dazu, die sich für die 9. Klasse eignen, jeweils schön untereinandergedruckt als odt-Datei.

Zu jedem Text gibt es Zusatzmaterial (Links), zu jedem Fragensatz gibt es Zusatzmaterial (Lösungsvorschläge, Anregungen). Sollen die für jeden zugänglich sein oder nicht? Müsste man klären, ich kann mit prinizipieller Offenheit leben.

Versionierung: Wenn ich mich auf einen Text beziehe, ein Gedicht etwa, soll sich der ändern können – Schreibfehler müssen nachträglich berichtigt werden können. Aber der Text soll nicht so sehr verändert werden können, dass es ein anderer Text wird. Also müsste man sich entweder auf jeweils eine konkrete Version des Texts festlegen und auf die korrigierte Fassung verzichten, oder jemand müsste aufpassen, dass die korrigierte Version wirklich nur aus kleineren Änderungen besteht. Andernfalls müsste man eine gänzlich neue Version erstellen.

Das gilt noch mehr für die Fragensätze zu Texten. Auch da sind Fehler drin, die man nachträglich korrigieren möchte, so dass eine Schulbuchseite, die diese Fragensätze benutzt, die Korrekturen automatisch übernimmt. Andererseits muss beim Hinzufügen oder Löschen eines wesentlichen Teils eine neue Version entstehen.

(Bewertung, Verschlagwortung, pdf-Ausgabe, Medieneinbindung etc. will ich sowieso.)

Dann würde ich erst einmal damit anfangen, freie Texte und Textausschnitte zu sammeln und einzustellen. Warum nicht auf Wikimedia oder anderswohin verlinken? Zu flüchtig, die Texte, und ich will sie schließlich mit einfachen Methoden mit den Fragesätzen dazu in ein Schulbuch umformen. Eine tatsächliche Leistung besteht natürlich immer noch darin, aus dem einzelnen Material gute Bücher zu erstellen und festzuhalten, was noch fehlt, bis ein gewünschter Anspruch (lehrplankonformität) erreicht ist.

Fazit: Gebt mir ein Framework, in dem ich auch kleine Stückchen nachhaltig beisteuern kann, und ich mache vielleicht mit. Schon mal deshalb, weil ich dann selber mein eigenes Material und meine eigenen Ideen ein bisschen sortiert hätte. Dass eh nur wenige Lehrer da mitarbeiten, ist klar, und kein Problem.

Fußnoten

Ein Anfangsprojekt, schön überschaubar, wäre ein englischsprachiges CC-lizenziertes Theaterstück für die 5. oder 6. Klasse zum Nachspielen. Robin Hood, King Arthur, Wildwestszenario, irgend so etwas. Dann können die Schüler das nämlich auch aufnehmen und vorzeigen. Mit Vokabelliste und Illustrationen, und vor allem mit einer Audioaufnahme führender Englischblogger…. jeder übernimmt eine Rolle, dann können die Schüler sich das anhören und ihre Rolle anständig auswendiglernen, mit Rhythmus und Intonation. Möchte das mal einer in die Hand nehmen?

Der angekündigte neue Lehrplan für Bayern soll ja ein Lehrplanplus werden – mit optionalem zusätzlichen Material. Das liegt a) im Web und ist b) zugangsbeschränkt, obwohl c) natürlich nur freies Material verwendet werden wird. Daraus könnte man tatsächlich etwas machen, wenn das nicht nur ein Lippenbekenntnis sein wird. Allein die Wartung und Aktualisierung einer solchen Datenbank, wenn sie einen sinnvollen Umfang hat, wäre eine Vollzeitstelle. Das sehe ich nicht kommen.

Fundsachen

1. Lothar Bodingbauer verlinkt auf eine englische Seite, bei der man auf einem Stadtplan die Schulen der Nachbarschaft abklappern kann und gleich angezeigt kriegt, wie gut oder schlecht diese Schulen laut offiziellen Erhebungen sind – Lehrerqualität, Schülerzufriedenheit, Schülerleistungen in verschiedenen Fachgebieten, grobe Einschätzung des Einkommens der Eltern:

  • Science results here are better than the local average.
  • OFSTED says teaching standards here are lower than average.
  • Fewer pupils get 5 GCSEs between A* and C than the local average.
  • Official OFSTED grades for care & guidance here are lower than average.
  • The kids here need more experience of life outside school.
  • The school isn’t showing many signs of improving.

2. Die interessantesten Analysen zum Lehrersein finde ich immer wieder bei Maik Riecken. Lesenswert: seine Gedanken zu Macht und Schule:

Die ideelle Macht: Es gibt immer wieder Menschen, die sich durch besondere Fähigkeiten an einer Schule hervortun. Das kann besonderes soziales Engagement, eine besondere pädagogische Fähigkeit, gewissenhafte Pflichterfüllung die Übernahme einer unangenehmen, aber notwendigen Aufgabe u.v.m. sein. Das System “Schule” wäre ohne solche Menschen um ein ganzes Stück weniger bunt, attraktiv und nicht zuletzt ärmer an Menschlichkeit.

Fortgeführt in Warum Schule sich kaum verändert:

Inhaber ideeller Macht erlebe ich an vielen Schulen oft als Motoren, als Vorreiter des pädagogischen Fortschritts – somit sind sie Schmuckstücke der Außendarstellung einer Schule. Da aber viele von ihnen ihr Engagement auf freiwillige Basis stellen, kann ihnen dieses Engagement nicht “abverlangt” werden. Man versucht dem zu begegnen, indem man Stellen schafft, die derartige Projekte in ihrer Beschreibung enthalten. Die ideellen Machtinhaber lehnen nach meiner Erfahrung diese Art der Dekoration oft genug ab, um sich die Option offenzuhalten, ebendieses Engagement auch wieder beliebig einstellen zu können, wenn der Rahmen nicht mehr passt.

Dieses Verhalten kenne ich.

Und dann gibt es die schöne Reihe Widerstand ist zwecklos Teil 1 und Teil 2. Im ersten Teil wird gezeigt, dass die innere Kündigung eine Reaktion darauf sein kann, dass der andere Vertragspartner – der Arbeitgeber, also bei mir das Kultusministerium – seine erwarteten Aufgaben nicht mehr wahrnimmt. Eine andere Möglichkeit des Widerstands gegen diese Arbeitsbedingungen besteht darin, dennoch zum munteren innovativ Engagierten zu werden, auf Vorgesetzte und Vorschriften zu pfeifen, und den Freiraum, den einem die Führungslosigkeit bietet, auf Arten zu nutzen, die man selber für sinnvoll hält.

Maik hält es aber auch nicht für ideal, wenn sich jeder so auf seine eigene Art durchschlägt, und fordert stattdessen Zusammenarbeit und Solidarität unter den Lehrern einer Schule – nicht im Netz, sondern vor allem vor Ort.

Wenn ich die SMV wäre… dann wünschte ich mir eine Mailingliste.

Die Kommunikation zwischen Lehrern läuft meist im Lehrerzimmer über ein schwarzes Brett ab. Das ist einerseits viel zu klein, weil nicht alles Platz hat, was die Kollegen da so hinpinnen wollen, und andererseits viel zu groß, weil es viel Platz für das bietet, was Kollegen da so hinpinnen wollen. Wenn einen etwas davon interessiert, geht man zum Kopiergerät und macht eine Kopie davon.

Mir wäre ein E-Mail-Verteiler stattdessen lieber. Wem es ganz wichtig ist, der kann seine Mitteilung auch gerne zusätzlich ausdrucken und in einen Ordner packen, der dann im Lehrerzimmer herumliegt. Und natürlich zusätzliche Verteiler, für jedes Fach einen.

(Das ganze geht natürlich auch mit einem Forum oder echter Groupware. Aber ich halte E-Mail noch für die realistischste Möglichkeit, sich mit Kollegen auf eine Lösung zu einigen.)

Klar müssten diese Verteiler nur einem geschlossenen Kreis von Lehrern zugänglich sein. Und klar müsste man darauf achten, wer an welchen Verteiler etwas schreibt – für die fachinternenen Listen hat jeder Lehrer Schreibberechtigung, Nachrichten an alle eventuell nur über die Schulleitung; wenn nur bestimmte Klassen betroffen sind, stehen diese im Betreff der Mail. Eine Minimallösung, aber mir lieber als das aktuelle Suchspiel am schwarzen Brett. Zugegeben: ohne ein Verschlüsselungsprotokoll (SSL/TLS) ist das noch ein Problem. Andererseits: Alles muss man ja auch nicht über Mail regeln.


Ähnlich sieht es mit der SMV aus beziehungsweise deren gewählten Vertretern, den Schülersprechern, und den Arbeitsgruppen. Zwischen denen und den restlichen Schülern gibt es als Kommunikationsmöglichkeit nur das Weitersagen, das Posteraufhängen vor einer Schulparty, die Bitte um eine Durchsage über die Lautsprecher oder das Entsenden von Sprechern in die Klassen/das Ausrichten durch die Klassensprecher. Außerdem wird immer mal wieder ein SMV-Rundschreiben angekündigt, aber das schläft dann doch eher ein. Sehr viel Kontakt ist nicht da, vielleicht gibt es aber auch nichts zu sagen. Natürlich könnte es ein Forum dafür geben, oder einen Moodlekurs – für umsetzbar halte ich das allerdings nicht. Zu Groß die Anmeldeschwelle. Das können die aktiven Schüler benutzen, die sich auch in den Arbeitskreisen treffen. Wenn man wirklich möglichst viele Schüler erreichen möchte – zusätzlich zu den Postern natürlich – dann halte ich im Moment eine Mail als Rundschreiben für das beste.

Allerdings: das wäre natürlich eine große Verantwortung für die SMV-Vertreter. Schriftliche Kommunikation ohne Erlaubnis der Schulleitung ist ohnehin nicht erlaubt:

GSO §10 (3) 1 Die Verbreitung schriftlicher Mitteilungen im Rahmen der Schülermitverantwortung an die Schülerinnen und Schüler ist nur dem Schülerausschuss gestattet. 2 Sie bedarf der Genehmigung der Schulleiterin oder des Schulleiters.

Bei tausend Schülern, wie viele würden sich an so einem E-Mail-Verteiler anmelden, freiwillig natürlich? Dreihundert? Hätten die SMV-Vertreter auch etwas zu sagen? Ein weiteres Problem: man könnte nicht ausschließen, dass auch schulfremde Personen diese Nachrichten lesen. Unsere Lokalzeitung wäre sofort dabei. Die technischen Maßnahmen, mit denen man das verhindern kann, verhindern gleichfalls wieder, dass sich eine größere Zahl von Schülern anmeldet. (Würde das an Schulen mit eigenem Mailserver funktionieren, bei denen jeder Schüler ein eigenes Mail-Konto hat? Oder werden diese Konten dann ohnehin nicht benutzt?)

Also: Versand nur über die Schulleitung, im Bewusstsein der Öffentlichkeit? Oder doch wieder nur Poster aufhängen? Schade, man könnte Schülern und Eltern auf diese Art gut Informationen über Wettbewerbe und Veranstaltungen zukommen lassen.

Facebook für Englischlehrer?

Vor einem Jahr wünschte ich mir Youtube für Unterrichtsmaterial, aber ich glaube, ich will meine Metapher ändern. Im Prinzip schwebte mir damals vor, dass Material aus verschiedenen Quellen über Feeds gesammelt und zentral weiterverarbeitet wird. Gedanken zur technischen Umsetzung habe ich mir in einem weiteren Eintrag gemacht. Und in einem letzten Eintrag zum Thema habe ich Seiten vorgestellt, die Unterrichtsmaterial für Lehrer auf diese oder andere Weise bündeln.

Eine solche Seite füttert mich ab und an mit Materialvorschlägen, wenn auch das meiste naturwissenschaftlich-technisch orientiert ist: Die Idee von OER Commons gefällt mir immer noch: “a global teaching and learning network of free-to-use resources [...] for you to use, tag, rate, and review.”

Bei School-Networking habe ich vor einigen Tagen den Hinweis auf eine weitere solche Seite gefunden, die mir noch etwas besser gefällt: Ein gemeinsames Projekt vom British Council und der BBC: TeachingEnglish. Also nur etwas für Englischlehrer. Anmelden bei der Community und los gehts.

Man kann natürlich Material hochladen und damit allen anderen verfügbar machen. Es ist wohl auch schon eine Menge dort. Man alles kommentieren und bewerten. Jeder Benutzer kann sich seine eigene Profilseite zusammenbasteln, mit Daten zur Person, Link nach Hause, verschiedenen kleinen Applets-Widgets-Gadgets. (Meine öffentlich zugängliche Seite ist hier.) Man soll auf Englisch schreiben, heißt es. Und: Noch müssen alle Blogeinträge einzeln überprüft und freigeschaltet werden. Für die Dauer ist dieses Modell also nicht geeignet.

Das ganze ist fast schon so, wie ich es gerne hätte. Aber ich will keine zwei Blogs führen. Also wäre mir als Ergänzung zu dem Prinzip von TeachingEnglish noch lieber, wenn ich meinen Blog über ein iframe (embedded frame) in die Seiten dort integrieren könnte. Und auch die Blogs der anderen Mitglieder dort in eingebetter Form sehen würde. Das wäre mir, glaube ich, noch lieber als RSS. (Maik Riecken beschäftigt sich in einem Blogeintrag mit einer ähnlichen Frage, und in den Kommentaren verlinkt er ein Beispiel, wie Blogs in iframes aussehen können.)
Rechtlich vielleicht riskant.

Wer könnte so etwas bei uns machen? Das Goethe-Institut fällt einem als erstes ein. Ist doch tolle Publicity. Kooperation mit der Deutschen Welle? Die Domain deutschlehren.de ist noch frei.

LdL und Vernetzung im Web

Wer’s noch nicht gesehen hat: Christian Spannagel beschreibt in einem Blog-Eintrag, wie sich auf beeindruckende Weise in einem Seminar zur Didaktik der Informatik LdL (Lernen durch Lehren) und Web (Twitter, Wiki, Forum, Blog), Universitätsseminar und Schulklassen, Lehrer und Schüler mischen und ergänzen.

Dafür braucht man: Plattformen zum Austauschen, Kontakte, und die Fähigkeit, mit den Werkzeugen des Web umzugehen. (Und Inhalte, die man außerhalb des Webs erwirbt. Aber als Ort und Möglichkeit des Austausches ist das Web einzigartig.)