Arbeitszeiterfassung in der Schule

Im Nachhinein: Das ging gestern durchs Netz und interessiert mich heute schon gar nicht mehr besonders. Aber ich halte es trotzdem mal fest, Chronistenpflicht und so.

Der Europäische Gerichtshof hat ein Urteil erlassen, das gerade viel diskutiert wird und auch für mich in meinem Beruf als Lehrer interessant ist. Hier eine unaufgeregte Zusammenfassung:

Das Urteil des EuGH C-55/18 zur Arbeitszeiterfassung – Breathe!
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Kurzfassung, meine, unamtlich: Damit Arbeitnehmer nicht indirekt zu Überstunden gedrängt werden können, ohne diese ausreichend dokumentieren zu können, muss der Arbeitgeber eine Möglichkeit schaffen sich zu vergewissern, wie viel die Angestellten arbeiten.

Das betrifft mich formal erst einmal nicht, interessiert mich aber trotzdem. Mein Arbeitgeber will in der Tat nicht wissen, wie viel ich eigentlich arbeite. Auf Spitzenbelastung mit mehr als 10 Stunden oder fehlende 11 Stunden Pause zwischen zwei Arbeitstagen achte ich nicht; das kommt wahrscheinlich gelegentlich vor, aber nicht oft. Wie das mit Klassenfahrten ist, ist auch so eine Frage. Am wichtigsten ist mir aber die reguläre Arbeitszeit: Offiziell beträgt die 40 Stunden pro Woche. Bezahlt werden wir aber nicht nach Zeit, sondern nach Unterrichtsstunden: 23 Stunden Unterricht pro Woche mit Vorbereitung und Korrekturen, dazu die angesetzte Anzahl an Konferenzen und Elternabenden und laufende Extrawünsche des Kultusministeriums, die immer mal wieder anfallen. Dass das in der Unterrichtszeit mehr ist als 40 Stunden, ist klar, und dass man in den Ferien weniger arbeitet, auch – darüber hinaus ist das meiste unbekannt.

Ich glaube nicht, dass ich sehr viel mehr arbeite als meine 40 Stunden. Irgendwann habe ich mal zusammengerechnet und bin auf 42 Stunden gekommen, aber das war auch nur geschätzt. Ich würde mir vor allem gerne aussuchen, mit welchen Arbeiten ich diese Zeit fülle, aber das geht aus guten Gründen nicht. Ich lese viel und programmiere und treibe mich online herum; das zählt nicht zu meiner Arbeitszeit, aber führt dazu, dass ich viele meiner Arbeiten sehr schnell erledigen kann. Ich bin flink am Computer, sicher flinker als die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen, und auch das hilft mir dabei, schnell zu arbeiten.

Allein: Was soll geschehen, wenn das Kultusministerium feststellt, dass manche Lehrer oder Lehrerinnen länger brauchen, oder manche Fächer mehr Arbeit erfordern? (Wir wissen doch alle wie das mit Deutsch und Mathe ist, wenn wir nicht unredlich sind.) Sollen die einen dann mehr Aufsichten führen, mehr unterrichten, oder dürfen die sich dann selbstständig beschäftigen? Müssen manche Fächer weniger unterrichten oder keine Aufsichten führen? Erst wenn es darauf eine Antwort gibt, spielt es es eine Rolle, ob man Arbeitszeit zählt oder nicht.

– Die aktuelle Arbeitszeitstudie wird vielleicht Ende des Jahres veröffentlicht, sonst kenne ich nur eine von Mummert + Partner Anfang 1997: Ja, Lehrer und Lehrerinnen insbesondere an Gymnasien arbeiteten deutlich mehr als im sonstigen öffentlichen Dienst, jedenfalls im Durchschnitt – das Minimum lag darunter, das Maximum arg weit darüber. Passiert ist dann wohl nichts.

Podcasts, Tom Waits, Diner lingo

Ich höre immer wieder Podcasts, ein paar stelle ich hier vor. Und bei dem letzten davon schreibe ich dann auch etwas über den Einsatz in der Schule!

Arkam Insiders: Seit weit über hundert Folgen unterhalten sich Mirko und Axel schon (auf deutsch) über jeweils eine Geschichte von H. P. Lovecraft oder anderen Autoren aus dessen Umfeld, mitunter auch über Biographisches zu HPL.
http://arkhaminsiders.com/

Sigma 2 Foxtrot: Ein SF- und Phantastik-Podcast, in dem sich Axel mit wechselnden Gästen über fantastische Geschichten unterhält. Bin schon auf manche interessante Texte gestoßen dadurch, und genau so interessant ist es, wenn ich die Texte bereits kenne und eine Meinung dazu habe.
http://sigma2foxtrot.com/

H. P. Lovecraft Podcast: Englischsprachig, kostet Geld; aber einmal pro Monat gibt es eine frei zugängliche Folge. Chris Lackey und Chad Fifer sprechen seit über 450 Folgen über Horrorgeschichten – angefangen mit Lovecraft, chronologisch durch alle seine Texte, dann weiter bei den Autoren, die Lovecraft in seinem umfangreichen Essay „Supernatural Horror in Literature“ erwähnt, und inzwischen über alles mögliche.
https://hppodcraft.com/

Textlastig: Falk und Simon spielen in unregelmäßigen Abständen Textadventures, sehr gelegentlich auf Englisch, meistens sind es deutsche Spiele. Sie spielen in Echtzeit, mit all den Pannen und Problemen und Sackgassen, die diese Spiele gerne mal mit sich bringen. Dementsprechend ist das eher etwas für Freunde des Genres.
https://textlastig.com/

Reply All: PJ Vogt und Alex Goldman bringen seit 2014 einen Podcast über Themen, die etwas mit Internet oder Technik zu tun haben. Beliebte Kategorien: Lösungen für technische Probleme oder Betrugsopfer, teilweise mit großen Umwegen; manchmal auch nur Kurioses oder Interessantes. Mein Favorit: yes-yes-no, wo ein Gast oder der Chef von PJ und Alex einen kryptischen Tweet vorbeibringt, den er nicht versteht, und der dann von PJ und Alex erklärt wird. Manchmal muss man dabei sehr weit ausholen. Von Gamergate und Pizzagate hören Leute wie ich bei Reply All zum ersten Mal, das aber recht früh.
https://gimletmedia.com/shows/reply-all

Slate Political Gabfest: Ich höre etliche Podcasts aus dem Hause Slate, Lexicon Valley etwa, einen Podcast über ein sprachwissenschaftliches Thema von John McWhorter. (Allerdings geht es meist um Lexik und Phonologie, manchmal Wortarten und Sprachwandel; eigentlich nur selten um Syntax.) Aber der Großvater ist das Gabfest, eine Art journalistischer Frühschoppen einmal pro Woche mit relativ festem Team – Themen meist amerikanische und Weltpolitik.
https://podcasts.apple.com/us/podcast/slates-political-gabfest/id158004641

Song by Song: Diesen Podcast habe ich erst vor kurzem entdeckt, bin erst bei Episode 20 oder so, insgesamt gibt es bishlang um die 180 Folgen. Martin Zaltz Austwick und Sam Pay und – zumindest bisher – Gäste gehen chronologisch sämtliche veröffentlichte Platten von Tom Waits durch, je Lied eine Folge. Von Tom Waits habe ich selber etwa 30 Platten, aber das sind auch etliche Sammlungen und Livealben dabei. Das erste Album (Closing Time) enthält bereits ein perfektes Lied (Grapefruit Moon), daneben aber viele Nummern, in denen Waits noch seine Richtung sucht – sehr interessant für Fans, aber vielleicht nichts für den Einstieg. Aber bereits die zweite Staffel des Podcasts, die sich mit dem zweiten Album beschäftigt (The Heart of Saturday Night), kann ich sehr empfehlen.
http://www.songbysongpodcast.com/

Was das mit der Schule zu tun hat

So wie die drei Leute von Song by Song hätte ich gerne, dass sich Schüler und Schülerinnen über Lyrik unterhalten! Ein bisschen Inhaltsangabe, Betrachtung der Sprechsituation, persönliche Erinnerungen und Assoziationen und auch Abschweifungen. Vergleiche mit ähnlichen Texten. Ein paar stilistische Auffälligkeiten, aber nicht alle, und nur welche, zu denen man etwas sagen möchte. Vielleicht ist das der Hauptunterschied und dann wohl nicht in der Schule replizierbar: Die Sprecher wollen über die Texte reden, haben eine Meinung zu ihnen, auch wenn sie sie gar nicht mögen. Den meisten Schülern und Schülerinnen sind die Text eher egal oder sie wissen nicht, dass sie eine Meinung dazu haben dürfen, oder sie erhalten nicht genug Zeit, sich eine Meinung zu bilden. Ein weiterer Unterschied: In der Schule muss man die eigene Meinung eigentlich immer begründen, im Podcast nicht so sehr – einmal, weil da Musiker kraft ihrer beruflichen Autorität sprechen, außerdem, weil ihre Meinungen nachvollziehbar, interessant, glaubwürdig und ernst gemeint sind.

Und doch: Wie schön wäre es, sich so über Lyrik zu unterhalten, auch in der Schule.

Ich fürchte, es bringt auch nichts, in der Schule mal als Beispiel diese Podcasts zu hören: Sie sind auf Englisch, und man muss die Lieder kennen oder zumindest mögen. Und Tom Waits, selbst die zugänglicheren frühen Platten, sind… ein erworbener Geschmack. (Aber sooooo gut.)

Exkurs: Diner lingo

Zumindest in den frühen Alben erzählt Tom Waits immer wieder von nächtlichen Barbesuchern und LKW-Fahrern, von Kellnerinnen und kleinen Gaunern. Gegessen und gefrühstückt wird im Diner. Und zu diesem Diner oder greasy spoon, einer amerikanischen Institution, die es heute vielleicht gar nicht mehr gibt und die ich aus Filmen und Büchern der 1930er und 1940er Jahre kenne, gibt es einen eigenen Slang, den auch Tom Waits häufig zitiert. Vermutlich ist der so ein ähnliches Relikt wie der cockney rhyming slang und gar nicht mehr authentisch, aber ein paar Reste davon kenne ich vom alltäglichen Gebrauch von Besuchen bei der amerikanischen Verwandtschaft in meiner Kindheit und Jugend:

  • Spiegeleier sunny side up: so wie unsere vertrauten Spiegeleier, aber wenn es dafür eine eigene Bezeichnung gibt, heißt das, dass es auch andere Formen des Spiegeleis gibt
  • (eggs) over easy: Spiegeleier, die man noch einmal kurz wendet, so dass auch das Eigelb leicht angebraten wird
  • moo juice: Milch; bottle moo kenne ich aus einem Lied aus den 1940ern.
  • burn one: wirf einen Hamburger auf den Grill, wenn er durch sein soll, heißt er hockey puck (und on the hoof ist das Gegenteil davon).
  • to eighty-six heißt: von der Liste streichen/zurücknehmen; kenne ich auch von außerhalb der Essenssituation
  • java für Kaffee – und da kommt letztlich auch der Name für die Programmiersprache her

Hier ist ein kleiner Überblick über Begriffe: http://mentalfloss.com/article/31493/understanding-diner-lingo-55-phrases-get-you-started, und hier kann man ein Quiz dazu machen: https://www.dinerlingo.com/quiz/. Auch Wikipedia hat viele Beispiele.

Avengers: Endgame (leichte Spoiler)

Schon letzte Woche war ich in Avengers: Endgame. Wer’s nicht weiß: Das ist ein Marvel-Superheldenfilm, und zwar der 22. in einer Reihe von zusammengehörenden und – mäßig – aufeinander aufbauenden Filmen, die vor elf Jahren mit Iron Man (Blogeintrag) begann. Nach dem ersten Drittel der Filme gab es einen größer angelegten Film, in dem die Charaktere der vorangehenden, nur sehr lose verknüpften Filme, versammelt wurden; nach dem zweiten Drittel wieder, und nach dem dritten gab es sogar zwei dieser Riesenevents: 2018 Avengers: Infinity War, den ich echt schlecht fand, der aber ein Riesenerfolg war; und jetzt eben dessen Fortsetzung – der mir angesichts des Vorgängers überraschend gut gefallen hat.

Avengers: Endgame ist drei Stunden lang und spielt alles Geld ein, das es gibt, und bricht alle modernen Rekorde, die man sich vorstellen kann. Teilweise mit einem Riesenabstand. Das ist für mich das Interessanteste am Film, und wahrscheinlich ist das ein nicht wiederholbares Phänomen. Denn der Film baut vor allem darauf auf, dass die Zuschauer möglichst viele der vorangegangenen Filme gesehen haben. (Und Fernsehserien.) Das gibt es nicht bei Star Wars, Star Trek oder James Bond. Man hat als Filmeschauer eine Menge Zeit und Energie investiert, und die Filme waren auch fast alle überaschend respektabel, und man hat sich dafür eine Belohnung verdient, irgendwas Kathartisches, Anerkennung für die gemeinsam verbrachten elf Jahre – und die bietet dieser Film dann auch.

SPOILER folgen:

Das erste Drittel des Film ist unerwartet deprimierend. Der letzte Film endete nach endlosen hektischen Prügeleien auf dieser niedergeschlagenen Note, und der neue macht da weiter und kostet das eine Stunde lang aus – ganz ohne Hektik, gemächlich. Respekt. Dann kommt ein witziges Drittel, und das letzte Drittel ist dann Haudrauf, wie es das Publikum erwartet und verlangt. Ich könnte ja darauf verzichten.

Ganz kurzer Podcast dazu – anscheinend kann man den Film sogar sehen, wenn man gar keinen der 21 Vorgänger gesehen hat:

AVENGERS ENDGAME: „No amount of money ever bought a second of time“
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Alles gutes Popcornkino, aber richtig gute Filme sind nicht dabei. Wenigstens war diesmal die Musik ganz ordentlich. Die Schauspieler und Dialoge sind es ohnehin immer. Wer weiß, am Ende macht Marvel nicht weiter wie bisher sondern überrascht das Publikum mal wirklich? Insgesamt: Respekt, viel Respekt von meiner Seite, aber keine Liebe, oder nur indirekt – über die Erinnerung an die Comics meiner Kindheit und frühen Jugend

Ruhe vor dem Sturm: Nach den Osterferien…

…ist vor dem Abitur. Deutsch war schon, Mathematik ist morgen, Englisch nächste Woche – da bin dann ich dabei.

Und heute war Elternsprechtag. Bei uns läuft das so, dass sich die Eltern über eine Webseite in einer der freien Slots eintragen, jeweils sieben Minuten zwischen 17 und 19 Uhr. (Außerdem: Länger dableiben bei großem Andrang.) Bei mir wieder alles Slots besetzt, lauter nette Eltern, gut in der Zeit gelegen. Ich bin immer schon fünf Minuten vorher da, das gibt einen Vorsprung, und ich fasse mich kurz, so dass ich zwischendrin immer ein wenig Luft habe.

Kommenden Montag ist Einschreibung: Da treten die Eltern der künftigen Fünftklässler und -klässlerinnen mit Geburtsurkunden und Übertrittszeugnis an, um ihr Kind an der Schule anzumelden. Der Plan, kurzfristig einen sorting hat dafür aufzutreiben, scheiterte, aber es wird ja eh noch niemand in Klassen eingeteilt. Diesmal bin ich wieder mal bei der Einschreibung dabei und sitze an einem der Rechner.

Montag nachmittag habe ich (wieder mal) eine schulinterne Mebis-Fortbildung gegeben. Diesmal habe ich mich nicht daran orientiert, was mein Publikum gerne gewusst hätte, sondern daran, was ich glaube, dass sie wissen sollten. Sonst wollen alle immer gleich hören, wie Multiple-Choice-Tests gehen, dabei gibt es viel Wichtigeres:

  • Passwort für Schul-WLAN speichern
  • Moodle-App installieren und konfigurieren
  • Kurse anlegen, richtiges Format wählen
  • Themen für dauerhaft verfügbaren Grundwissenskurs überlegen
  • Überschriften und Texte verfassen
  • dann kann man über anderes Material und später vielleicht Aktivitäten nachdenken

Dazwischen habe ich gezeigt bzw. ausgeteilt, was man alles machen kann. Das wie kommt viel später, bei Interesse. Insgesamt glaube ich, dass es trotzdem nie viele Lehrern und Lehrerinnen geben wird, die Mebis/Moodle-Kurse gestalten werden. Aber das ist okay, solange die anderen die Kurse dann nutzen wollen und Ideen für deren Inhalt haben.

Rätselkoffer programmieren

Ich habe hier schon schon einmal das Spiel „Keep Talking and Nobody Explodes“ vorgestellt. Ein Spieler oder eine Spielerin sitzt dabei am Rechner vor einem virtuellen Bombenkoffer, den es zu entschärfen gilt, und zwar alle drei (oder mehr) Module am Koffer. Eines davon ist das Drahtdurchschneiden, das man aus Filmen kennt: Es gibt eine Reihe von farbigen Drähten, die man in bestimmter Reihenfolge durchschneiden muss. Nur welche Reihenfolge?

Die anderen Spieler und Spielerinnen, und nur die, haben alle das hochkomplizierte Bombenentschärf-Handbuch vor sich liegen, sehen aber nicht den Bombenkoffer. Also muss man miteinander reden – es ist ein Dialogspiel: Wie viele Drähte? Welche Farben haben sie? Welche anderen Merkmale gibt es an dem Modul oder am ganzen Koffer? Davon hängt dann die Lösung ab.

So etwas habe ich in grob vereinfachter Form für meine Informatikklasse programmiert. Allerdings habe ich das ganze „Rätselkoffer“ genannt – das gibt mehr Spielraum für die verschiedenen Module und ist nicht ganz so gewalttätig.

Das Drahtdurchschneide-Grafikmodul sieht zum Beispiel so aus (eigentlich nur der gelb hinterlegte Bereich):

Das sind einfach sieben recht schmale und hohe Knöpfe oben und ein paar Ausgabefelder unten. Für die Knöpfe gibt es Methoden, um eine beliebige Grafik als Hintergrund zu setzen, und vorgefertigt sind Grafiken mit Drähten in verschiedenen Farben, durchgeschnitten oder ganz.

Eine andere Modul-Grafik (ein Schülerwunsch) sieht so aus: Drei quadratische Knöpfe oben, ein breiter, niedrigerer Knopf darunter. Die Knöpfe oben kann man zum Beispiel mit solchen Bildern füllen:

Was man mit den Knöpfen beziehungsweise dem ganzen grafischen Block macht, bleibt den Schülern und Schülerinnen überlassen. Tatsächlich besteht jedes Rätselmodul aus zwei Objekten, die in den Klassen ModulGUI und Modul beziehungsweise Unterklassen davon beschrieben werden: ModulGUI ist lediglich die Grafik des aktuellen Elements; die Unterklassen dazu stelle ich zur Verfügung. (Denn Grafikprogrammierung in Java ist einfach zu fisselig, wenn man sie noch nie gemacht hat, auch wenn die Elemente ja nur aus verschieden großen Buttons und Ein- und Ausgabeflächen bestehen.) Zu jedem ModulGUI-Objekt gehört ein Modul-Objekt, das die Spiellogik und Steuerung übernimmt. Und eben dieses (beziehungsweise die Unterklassen dazu) wird von den Schülern und Schülerinnen programmiert: Im Beispiel ist das die Klasse Demo:

Die Demo-Klasse legt erstens ein WireGUI-Objekt an, um diesem Nachrichten zu schicken, wie welcher Knopf aussehen soll. Und zweitens macht sie sich zur Unterklasse von Modul, damit das WireGUI-Objekt seinerseits Nachrichten – darüber, welche Knöpfe gedrückt werden – an das Demo-Objekt, also die Steuerung, schicken kann.

So sieht eine zu programmierende Klasse dann aus:

public class Demo extends Modul 
{
    WireGUI gui;
 
    public Demo() {
        gui = new WireGUI();
        gui.setSteuerung(this);
        gui.setButtonImage(1, "drahtRot.png");
    }
 
    @Override
    public WireGUI getGUI() { 
        return gui; 
    }
 
    @Override
    public void empfangeKnopfdruck(int knopfnr) {
        if (knopfnr==1) { gui.setButtonImage(1, "drahtRotCut.png"); }
    }
}

So sieht das alles in BlueJ aus:

An der linken Seite sieht man einige mögliche Grafik-Unterklassen. An der unteren Seite sind die Steuerung-Unterklassen, also die von den Schülern und Schülerinnen zu programmierenden. Das obere Drittel ist technischer Kram, ausgebreitet auf verschiedene Klasse zur leichteren Wartung.

Könnte man in sie hineinblicken, wirkten sie vielleicht ein wenig umständlich, und das liegt daran, dass die Grafikbibliothek JavaFX und BlueJ nicht optimal zusammenarbeiten. Wenn ich Objekte in der Objektleiste unten haben und ansprechen können möchte, muss ich tricksen. (Der JavaFX-Thread lässt sich nicht gerne von außen unterbrechen, will heißen: durch manuelle Methodenaufrufe von BlueJ aus.) Und so gibt es mehre Möglichkeiten, etwas zu sehen zu kriegen:

  • in der Main-Klasse die statische Methode launch(String[] args) aufrufen, die den JavaFX-Thread startet
  • ein Main-Objekt anlegen oder eine andere statische Methode darin aufrufen, dann wird die JavaFX-Grafik gekapselt in einem JavaSwing-JFrame und ist damit für Objekte in der Objektbank zugänglich (tatsächlich gibt es noch einen Schönheitsfehler dabei, anderes Thema)
  • ein Objekt einer Modul-Unterklasse anlegen, das sich eine ModulGUI-erzeugt, das letztlich die JFrame-Methode der Main-Klasse aufruft (Vorteil: man kann die Methode der Klasse manuell aufrufen und testen, wenn sie den JavaFX-Thread beeinflussen, muss man aber Umstände machen)
  • ein Objekt einer ModulGUI-Unterklasse anlegen, das sich eine Dummy-Steuerung gibt, die letztlich die JFrame-Methode der Main-Klasse aufruft (Vorteil: wie oben) – Ziel dieser letzten beiden Konstruktionen: Die Schüler und Schülerinnen sollen einfach wie gewohnt Objekte ihrer Klassen erzeugen können, deren Oberklassen sich dann darum kümmern, dass Grafik hergestellt wird

JavaFX bietet einige grafische Elemente, mit denen man so ein Rätselmodul aufpeppen kann. Man kann sie auch alle leicht vergrößern, verkleinen, drehen, sich bewegen lassen:

Das Projekt befindet sich noch in einem Rohstadium. Ich weiß noch nicht, wie ich die einzelnen Module am besten zusammenfügen soll. Soll das Spiel aus sein, wenn man ein Modul vergeigt? Oder wird das dann einfach beendet und gesperrt und man kriegt Punktabzug? Soll es einen globalen Timer geben? Vorläufig habe ich ein Modul als Startseite, über das man auf andere, zufällig ausgewählte Module gelangt, von denen aus kann man zurück, wenn man das will:

Einsatz in der Schule: Mir gefällt die Idee, dass jedes Programmierteam ein Modul erarbeitet, die danach zu einem Spiel zusammengetragen werden. Viel müssen die Schüler und Schülerinnen eigentlich nicht können: Ein Objekt erzeugen und in einem Attribut speichern, Methoden des Objekts aufrufen, eine Unterklasse anlegen, eine Methode implementieren void empfangeKnopfdruck(int knopfnummer) – und vermutlich bedingte Anweisungen, um das sinnvoll machen zu können. Trotzdem war ich zu früh dran mit dem Ausprobieren mit meiner Klasse; das erfordert halt doch mehr Abstraktionsvermögen und Programmiererfahrung, als man meint. Inzwischen hat die Klasse einfache Zustandsautomaten programmiert und ist mit if und if else vertrauter; vielleicht komme ich noch einmal darauf zurück. Die JavaFX-Grafikklassen erstelle ich übrigens mit dem Java-Editor, sie erfordern dann nur wenig Anpassung, um sie zu ModulGUI-Unterklassen machen zu können. Der Auftrag dazu für die Schüler und Schülerinnen: Erstelle eine Skizze, wie die (quadratische) Grafikoberfläche für dein Modul aussehen soll, welche Knöpfe oder Felder du darin gerne hättest, und welche Methoden dir das Objekt zur Verfügung stellen soll, damit du die Oberfläche auf die gewünschte Weise verändern kannst.

(Hilfsmethoden, die die Klasse Modul zur Verfügung stellt: Abspielen von mp3-Dateien, Erzeugen von Tönen, Verzögertes Ausführen einer Methode, Countdown.)

– In den Sommerferien komme ich hoffentlich endlich mal dazu, meine ganzen Programmierprojekte für die 10. Jahrgangsstufe ordentlich bei github oder so einzustellen und in einem Mebiskurs zu präsentieren.

Rehpastete

Nach ersten Versuchen mit Terrinen und Pasteten schenkte mir Frau Rau vor zwei Jahren dieses Pastetenkochbuch:

Es ist aus dem Jahr 1980, der erste Band der Teubner Edition im Verlag Gräfe und Unzer, von Friedrich W. Ehlert, Edouard Longue, Michael Raffael und Frank West; Fotos von Christian Teubner. Die Bücher dieses Verlags und des Fotografen kannte ich schon, insbesondere Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie begleitet mich seit 1982 (Blogeintrag).

In den Osterferien hatte ich Zeit, ein erstes der Rezepte darun auszuprobieren: Die Rehpastete. Hier halte ich mal für mich und die Zukunft fest, wie das mit der Pastete geht.

Kurzer Überblick:

  1. Man braucht die richtige Form für die Pastete.
  2. Man erstellt, wenn man Osterferien hat, eine dicke Sauce für den Geschmack.
  3. Man präpariert die Füllung aus mehrfach durchgedrehtem Fleisch und Rehfilet (und der Sauce).
  4. Man macht einen Mürbteig und stellt den kalt.
  5. Man baut alles zusammen,
  6. bäckt die Pastete,
  7. und füllt sie mit Madeiragelee.

1. Die Form

Frau Rau hat mir auch eine schöne Pastetenform geschenkt. Die besteht aus zwei Seitenteilen und einer Unterseite; die zwei Seitenteile steckt man mit zwei Stiften zu einer Form zusammen, die man dann auf das Unterteil schiebt. Der große Vorteil: Man kann die Form, wenn die Pastete fertig ist, behutsam auseinanderbauen, ohne die Pastete heraushieven zu müssen. Wenn man nur eine Terrinenform aus Keramik hat, kann man in diese wohl vor dem Auskleiden mit Teig ein Blatt Backpapier (nur über die Längsseiten) einfalten, so dass die Papierseiten herausschauen: an denen zieht man dann die ganze Pastete, wenn sie fertig ist, aus der Form. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

2. Einen Fond herstellen, vielleicht

Gefüllt wird die Pastete später mit einer Farce und angebratenem Rehfilet. Das Rehfilet wird mit einer dicken selbst gemachten Sauce eingestrichen. Das macht sicher etwas für den Geschmack aus, aber ich kann mir vorstellen, dass man diesen Schritt – so wichtig er dem Kochbuch ist – für den Anfang auslassen kann.

  • 1 kg Wildknochen in eine Bratraine mit ein paar Esslöffeln Öl geben, bei 250°C im Ofen 15 Minuten rösten
  • 1 Zwiebel, 1 Karotte hacken, dazu geben, weitere 20 Minuten rösten
  • dazwischen 30g Tomatenmark dazu geben
  • mit Wasser ablöschen und den Satz schön lösen
  • alles zusammen in eine große Schüssel umfüllen
  • mit 2 1/2 Litern Wasser auffüllen, 2 Stunden simmern lassen
  • im letzten Drittel der Kochzeit dazu geben: Stück Sellerieknolle, Stück Lauch (weiß), Lorbeerblatt, Thymian, Petersilie, 2 Schalotten in Scheiben, 1 Knoblauchzehe, 8 Wacholderbeeren, 8 Pfefferkörner (weiß), 1 TL Salz – was so da ist, ich habe mich nicht ganz genau daran gehalten
  • danach passieren und noch ein bisschen einkochen lassen

Das gibt einen dunklen Wildfond, viel mehr als man für eine Pastete braucht. Rest einfrieren.

3. Die Farce und Füllung

Das ist das schwierigste bei der Pastete, denke ich. Man erstellt die eigentliche Farce, in die mengt man dann noch Pistazien und Zeug, und brät noch ein paar Rehfilets an dazu. Ich hatte am Ende für meinen Geschmack viel zu wenig Farce und zu viel Rehfilet. Wegen meiner bräuchte ich gar kein Rehfilet in der Pastete, Farce allein reicht. Deshalb würde ich beim nächsten Mal eineinhalb mal so viel Füllung machen, auch auf die Gefahr hin, dass dann welche übrig bleibt.

  • 140g g Rehfleisch (lieber mehr!)
  • 140 g Schweinefleisch (lieber mehr!)
  • 160 g frischer, „grüner“ Speck (lieber mehr!) – gesalzener weißer Speck tut’s aber auch
  • 5 Wacholderbeeren, Schale von 1/2 Zitrone und 1/2 Orange, etwas Pastetensalz (wohl auch mehr, wenn mehr Fleisch)

(Pastetensalz: Salz mit Pastetengewürzen drin. Das Kochbuch geht davon aus, dass man das kaufen kann. Ich habe gegoogelt und letztlich Salz gemischt mit: Muskat, Muskatblüte, Pfeffer, Paprika, Thymian, Majoran, Nelken, Ingwer, Wacholder, Piment. Nicht im Haus: Basilikum, Liebstöckel, gemahlener Lorbeer.)

Das Fleisch so gründlich wie möglich putzen, alles irgendwie Sehnenartige weg. Fleisch und Speck in Streifen schneiden und würzen. Dann den Speck einmal durch den Fleischwolf (kleinste Scheibe, habe mir extra eine dafür gekauft), das Fleisch zweimal.

Sieht am Ende so aus:

Zwei Dinge muss man beim Durchdrehen des Fleisches beachten: Jede kleine Sehne und jedes Häutchen verstopft den Fleischwolf ein bisschen. (Zumindest meinen nicht elektrischen.) Man macht es sich also wirklich leichter, wenn man das Fleisch vorher gut putzt. Zweitens: Das alles muss möglichst kalt geschehen. Ich orientiere mich hier sehr am Pastetenbuch: Das Eiweiß des Fleisches ist es, das am Ende dafür sorgt, dass die gebackenen Farce zusammenhält, also bindet. Dazu darf das Eiweiß vorher nicht erhitzt werden. Beim Durchdrehen durch den Wolf erhitzt es sich aber. Also: Immer wieder in den Kühlschrank zwischendurch, und die Schüsseln gerne mal auf Eiswürfeln platzieren, wenn und wo es sich machen lässt.

Der durchgedrehte Speck und das Fleisch werden dann gemischt und laut Kochbuch durch ein Sieb gestrichen, aber irgendwann muss Schluss sein, das habe ich nicht mehr gemacht. Hinein kommen noch (laut Rezept, für die Rezeptmenge an Fleisch, in Klammern meine Ergänzungen):

  • 30 g Pistazien, gehackt (kann man so lassen, wenn mehr Füllung, dann vielleicht ein bisschen mehr)
  • 50g gekochter Schinken, gewürfelt (weglassen)
  • 50g Pökelzunge, gewürfelt (beibehalten, eventuell dann ein bisschen mehr)
  • 20 g Trüffeln, gewürfelt (weglassen)

Damit hat man dann die Farce. Dazu kommt noch die Fleischfüllung:

  • 2 Rehfilets (insgesamt 250 g, gerne weniger) mit Pastetensalz in Öl kurz anbraten, aus der Pfanne nehmen
  • in der gleichen Pfanne 25 g Schalotten (oder Zwiebeln, was da ist) in 1 EL Butter anschwitzen, mit 2cl Weinbrand ablöschen, dazu 0,12 l des Rehfonds
  • dazu 4 Wacholderbeeren, abgeriebene Schale einer 1/2 Orange udn 1/2 Zitrone
  • einköcheln zu einem Jus und über die Rehfilets geben

4. Der Mürbteig

Das Rezept aus dem Kochbuch war gut, die Menge reicht für mehr als die Form, so dass man sich keine Sorgen machen muss:

  • 400 g Mehl
  • 200 g Butter (kalt, in kleinen Stücken)
  • 6 g Salz
  • 1 Eiweiß
  • 5-8 Esslöffel Wasser

Daraus stellt man einen Mürbteig her. Entweder nach englischer Methode („rub the butter in“), oder sonstwie. Für den ersten Versuch reicht es, alles in eine Schüssel zu geben und zu vermischen. Am Anfang wirkt der Teig zu trocken, und man kann sicher noch ein bisschen Wasser dazu geben – aber nicht irre machen lassen, da wird nach kurzem, aber kräftigem Kneten doch noch ein glatter Teig draus. In Klarsichtfolie wickeln oder eine übrige Plastiktüte oder sonstwie abdecken und eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

5. Das Zusammenbauen

Das Auskleiden: Den Teig flach ausrollen, 2mm dick, zu einer Scheibe, so lang und hoch wie die ausgeklappte Form:

Dabei die Ecken nicht wegschneiden! Zum Einfüllen die Terrinenform buttern und die Teigplatte zweimal auf der langen Seite falten, erst ein Drittel auf das mittlere Drittel, dann das andere Drittel wieder in die Mitte. Sieht dann im Querschnitt so aus:

Wenn das erst mal in der Form ist, faltet man das auseinander und kleidet die Form aus. Dabei nicht mit den Finger andrücken, schon gar nicht mit ungeschnittenen Fingernägeln, sondern eine kleine Kugel Teig nehmen und die quasi als Stempel nehmen und damit den Teig an die Wände drücken. Auf die Ecken besonders achten.

Das Füllen: Eine Schicht Farce in die Pastete geben, am Rand etwas hochziehen, so dass in der Mitte eine Art Rinne entsteht. Dort das Rehfilet hinein, mit Jus betröpfeln, mit der restlichen Farce auffüllen.

Das Deckeln: Die überstehen Seitenränder zuklappen. Der Teig oben soll – anders als im Buch angegeben – nicht zu weit in die Mitte ragen. Aber mit Ei bestreichen, denn auf das ganze kommt jetzt noch eine dünne Teigschicht als Deckel. (Es ist doch noch Teig übrig, oder?) Darauf dann ein oder zwei Kamine (mit Alufolie zum Freihalten) und Deko – Gabelmuster, Röllchen, Blätter. Ich bin noch die auf die IDee gekommen, dazu mit Förmchen etwas auszustanzen, aber das klingt gut.

Alles mit verkleppertem Ei oder Eigelb bestreichen.

6. Das Backen

Bei 220 Grad für 15 Minuten backen (Ober- und Unterhitze), dann auf 180 Grad reduzieren und weitere 35 Minuten. Und dann noch einmal acht Minuten, weil man Angst vor nicht ganz durchgegartem Fleisch hat.

7. Das Gelee

Am nächsten Morgen, oder jedenfalls wenn die Pastete schön kalt ist, bereitet man das Madeiragelee zu. Ich habe das so gemacht:

  • 6 Blatt Gelatine für 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen
  • 200 ml Wildfond (oder Geflügel, oder was halt da ist) und 100 ml Madeira erwärmen, aber nicht kochen; vom Herd ziehen
  • die Gelatine ausdrücken und in die Flüssigkeit einrühren
  • dann am Topf lauern und immer wieder umrühren: irgendwann gibt es diesen Moment, nach zehn Minuten? später?, wenn die Mischung anfängt fest zu werden, und das zwar nicht furchtbar plötzlich, aber doch so schnell, dass man unbedingt ein Auge darauf haben muss
  • wenn die Mischung also fest wird, mit einem Trichter in die vorbereiteten Öffnungen einfüllen – wenn nichts ausläuft, hat man Glück gehabt (übrigens glaubt man, dass eh kein Platz für das Gelee in der Pastete ist; ist aber doch)

Entformt anschneiden und servieren:

Die Pastete war sehr lecker, nur hätte ich gerne etwas mehr Farce gehabt. Und ich hatte oben zu viel Teig, das sieht man auf dem Bild ganz gut. Aber sonst bin ich erst einmal sehr zufrieden.

Osterferienkochen

Schon zwei Wochen lang nichts gebloggt. Deswegen ein kurzes Lebenszeichen; die halbfertiggestellten längeren Texte brauchen noch etwas.

Während ich vor den Faschingsferien recht entspannt war, hatte ich die Osterferien dringend nötig. Die erste Arbeitswoche ist herum, ich habe:

  • Steuer für 2018 gemacht
  • eine alte Freundin angerufen, deren Kind – vielleicht – ins Lehrersein hineinschnuppern möchte
  • Englisch-Nachhilfe gegeben
  • drei Klausurvorschläge für Q12 Deutsch erstellt und weitergeschickt – Epikanalyse; alle fünf Kurse arbeiten zusammen und stellen die gleiche Prüfung (Epik, Lyrik)
  • mich mit einer anderen alten Freundin getroffen, deren Kind – vor ein paar Jahren – ins Lehrersein hineinschnuppern wollte
  • mich an die Auswertung eines Informatikwettbewerbs gemacht, den ich organisatorisch betreue; diesmal praktisch: Anmeldung über eine Mebis/Moodle-Datenbank mit einfachem Export der meisten Daten, Teilnehmerliste erzeugt und mit kurzem Skript für jeden automatisch ein Verzeichnis erstellt
  • ein paar Stunden in der Schule verbracht, um den letzten großen Stapel Respizienzen zu erledigen (eine bayerische Spezialität: die Fachbetreuungen sichten – nachträglich, und stichprobenhaft, und inzwischen immer, uh, stichprobenhafter – die Prüfungen der Kollegen und Kolleginnenen, ob lehrplankonform und angemessen und so weiter)
  • Deutsch-Schulaufgabe halb korrigiert, die andere Hälfte morgen
  • eine Mebis-Fortbildung angefangen
  • gekocht und gebacken:

Das sind die Reste einer gypsy tart. Habe ich im Guardian entdeckt: How to cook the perfect Gypsy tart (Felicity Cloake). Anscheinend ist das ein Nachtisch, häufig wohl ein Schulkantinen-Nachtisch, den in der Grafschaft Kent jeder kennt, und außerhalb davon niemand. Unten Mürbteig, oben… oben ein Gemisch aus viel Kondensmilch und viel Zucker und sonst nichts, und das wird wild aufgeschlagen, bis es ein bisschen schaumig ist, auf den gebackenen Boden gegeben und dann nochmal für 20 Minuten bei niedriger Temperatur zu Ende gebacken. Läuft dann auch beim Anschneiden ein bisschen aus und ist natürlich qietschsüß.

Auch vom Guardian: How to make the perfect bean burgers (Felicity Cloake). Bratlinge aus gekochten schwarzen Bohnen und Kartoffeln (und Koriandergrün, Limette, Paprika, Zwiebel, dicke Bohnen, Kreuzkümmel, Koriander). Lecker, aber gebraten auch nicht besser – lieber einfach als Füllung für Tortillas. (Bild oben: vor dem Braten.)

Einen ganzen Tag Kocharbeit hat mich die Rehpastete gekostet. Rehknochen und später Karotten und Zwiebeln anrösten, um daraus dann eine dickflüssige Sauce zu kochen:

Speck einmal und Reh- und Schweinefleisch zweimal durch die feinste Scheibe des Wolfs drehen:

In die Masse dann noch Pistazien, Schinken, Zunge, Trüffel, Zitronen- und Orangenschale. Mürbteig, angebratene Rehfilets, bestrichen mit der dicken Sauce, Deko dran und in den Ofen:

Nicht abgebildet: Das Ausgießen mit Madeiragelee. Angeschnitten wird erst am Wochenende, hält sich hoffentlich bis dahin – bin schon gespannt.

Bleibt noch zu tun in den Ferien:

  • Eltern und Schwiegereltern
  • Wanderung
  • Mebisfortbildung planen
  • Kolloquiumsthemen erstellen (Englisch)
  • Medienkonzept, weiterarbeit am

Nachtrag: Inzwischen ist die Pastete angeschnitten. Geschmacklich sehr gut, zu wenig Farce und zu viel Rehfilet für meinen Geschmack, und Teigdecke oben zu dick. Ich arbeite weiter daran.

Runcode

Von Christoph, der das schöne Datenflussdiagramm-Werkzeug Orinoco geschrieben hat, gibt es etwas Neues: Runcode. Das ist eine Art Robot Karol mit Minecraft-Ästhetik. In einer einfachen Lernersprache (abwärtskompatibel zu Robot Karol) programmiert man eine Robotergestalt in einer 3D-Welt. Per Knopfdruck kann man Teile der Welt aber planieren; in einer flachen Welt lässt sich erst einmal leichter programmieren.

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Wenn man mehr mit der Welt interagieren will, kann man zwei Anweisungen verwenden, die es bei Robot Karol nicht gibt: Man kann den Würfel vor sich (unmittelbar oder schräg oben/unten) abbauen und hat dann im Inventar ein Stück des entsprechenden Rohstoffs – Erde oder Holz oder Granit. Und das kann man an anderer Stelle wieder einbauen. Damit habe ich noch nicht viel gearbeitet, aber man kann jedenfalls Kanäle graben (in die dann Wasser einläuft) oder Tunnels zwischen Inseln.

Für die Schüler und Schülerinnen, mit denen ich das gerade ausprobiere, war diese Welt sehr viel motivierender als der ursprüngliche Robot Karol. Das Programm ist nach den letzten Erweiterungen voll einsatzfähig, aber ich stoße gelegentlich noch auf kleine Problemchen, die ich Christoph melde, und schwupps ist alles korrigiert.

Erweiterungen gegenüber Robot Karol:

  • Die Welt ist sicher weiterhin höhenbegrenzt, aber man kommt höher hinauf als die 10 bzw. mit Schummeln 30 Stockwerke bei Karol.
  • Man kann endlich Löcher in eine Ziegelmauer bohren, also Häuser mit Dach konstruieren.
  • Es gibt eine ein wenig erweiterte Entwicklungsumgebung: Man kann seinen Code trennen in die Bibliothek, in der gespeicherte Anweisungen aufbwahrt werden, und das eigentliche Programm, das durch diese Trennung kürzer und übersichtlicher wird. Beide Bereiche, Editor und Bibliothek, werden separat geladen und gespeichert.

Was nicht geht und mir egal ist: Struktogramme erzeugen. Was nicht geht und ich gerne hätte, irgendwann mal: Variablen, Code-Autovervollständigung.

Deutschfachschaftsfahrt ins Schwäbische

Früher kam das öfter vor, in den letzten Jahren nicht mehr so oft: Die Deutschlehrer und -lehrerinnen machen einen Ausflug. Diesmal ging es ins Schwäbische:

  • Übernachtung in Bönnigheim: achttausend Einwohner, Museum Sophie La Roche – Roman- und Reiseschriftstellerin und Herausgeberin in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Kloster Maulbronn: Weltkulturerbe, sehr gut erhaltene große mittelalterliche Klosteranlage, schon lange nicht mehr als solche genutzt – im Kloster ein Internat, in dem auch Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse Schüler waren. Die Klosteranlage ist wohl auch Stadtzentrum von Maulbronn – Markplatz und Rathaus sind mittendrin.
Maulbronn, Weltkulturerbe-Klosteranlage und Stadtzentrum
Klosteranlage im Modell
  • Marbach: Schiller-Nationalmuseum mit verschiedenen Ausstellungen und Foto unter der Schillerstatue.
Marbach 1998 (links hinten ich)
Marbach 2019
(unverändert allein der Klassiker)
Ausstellungsstück im Schiller-Nationalmuseum
  • Ludwigsburg: Führung im Schlosstheater im Residenzschloss. Das Hoftheater wurde 1758 für Herzog Karl Eugen eingerichtet (das war der mit Schiller). Die Bühne ist noch sehr nah am Originalzustand und vor allem die Bühnentechnik: Oben der Schnürboden, in dem die herunterlassbaren Kulissen befestigt sind; unterhalb der Bühne (da wo die Falltüren hinführen) der große horizontale Mast, um den die Schnüre gewickelt sind. Das war sagenhaft! Wir durften mit der Maschine künstlichen Wind, Regen und Donner machen – letzteren mit der Rumpelkammer, einem Kanal, der im Schnürboden mit unregelmäßigen Holzwürfeln gefüllt wird, die auf Schnurzug dann darin herunterdonnern. Fotos leider nicht erlaubt, aber das ganze sieht aus wie ein elaboriertes gebasteltes Papiertheater, nur eben voll funktionsfähig.
  • Gegessen: Maultaschen, und regelmäßig davon enttäuscht worden. Sie servieren Kartoffelsalat dazu, kann man machen; sie sind eher gerollte zusammengefaltete Strudelstücke als echte Taschen, nun gut; aber was als „geschmelzt“, also ordentlich angebraten, verkauft wird, war fast immer nur warmgemacht. Es war wohl auch noch keine Saison. (Und: Kässpätzle mit Schinkenwurststreifen und Kartofeelsalat als Beilage. Das Allgäu ist weit, weit weg.)

Tagebuchbloggen

Es soll ja auch wöchentliche Tagebücher geben, vielleicht ja auch monatliche.

Ausschreibung einer Stelle als Seminarlehrer/-lehrerin

Sogar hier in München. Dass die Stelle zu diesem Zeitpunkt zu besetzen sein wird, weiß ich seit bestimmt einem Jahr, aber jetzt ist sie endlich wirklich ausgeschrieben. Soll ich mich bewerben? Ich will ja eigentlich schon noch mal eine andere Schule sehen, und diese wäre auch noch in München und sehr nah. Klar wäre das Arbeit und Umstellung für auch nicht mehr Geld oder mehr Beförderung, aber für ein bisschen neue Arbeit ist immer Luft. Zu einem gewissen Ausmaß kann ich sicher dabei helfen, ein guter Informatiklehrer oder eine gute Informatiklehrerin zu werden. Allerdings tue ich mir immer schwer, sicher zu sein bei irgend etwas, dazu zweifle ich zu viel. – Meine Chancen sind so mittel. Bestens qualifiziert bin ich, aber ich kenne ähnlich und noch besser qualifizierte Leute, die sich vielleicht auch bewerben wollen; außerdem bin ich alt und würde das nur noch höchstens fünfzehn Jahre machen können. Und am Ende braucht man auch noch ein Auto dafür?

Nachtrag: Beworben habe ich mich, es ist aber leider nichts daraus geworden. Ich bin sehr qualifiziert und glaube, ich hätte das sehr gut gemacht, aber andere halt auch.

Übungsaufsätze

Mit den Kollegen gibt es Diskrepanzen, es geht um die Übungsaufsätze im Deutschunterricht.

Am besten lernt man das Schreiben durch Schreiben. Deshalb halten auch immer wieder Schreiben aus dem Kultusministerium dazu an, dass die jungen Leute möglichst viel schreiben sollen. Von und für sich allein schreiben Schüler und Schülerinnen aber meistens nicht viel, sie wollen ihre Texte meist auch begutachtet und bewertet haben. Wie viel dieser Aspekt konkret zur Verbesserung der Schreibfähigkeit beiträgt, da bin ich skeptisch – sei‘s drum, es gibt da dieses Konzept der Übungsaufsätze.

Wie viele sollen die Lehrer und Lehrerinnen verlangen beziehungsweise einsammeln? „So viele wie möglich“ ist nicht die Anwort, denn mit dem Fach Deutsch arbeitet man eh mehr als in anderen Fächern, eben wegen dieser Korrekturen und Übungsaufsätze. „So viele wie nötig“ ist ein edler Ansatz, der aber zu unverhältnismäßig viel Arbeit führen kann – irgendwann ist Feierabend, im wörtlichen Sinn. „So viele, wie die Schüler und Schülerinnen wollen“ halte ich für problematisch. In der Unter- und Mittelstufe müssen alle einen Aufsatz abgeben, ob sie wollen oder nicht. In der Oberstufe wird das meist anders gehandhabt – aber auch da, behaupte ich, beeinflusst man als Lehrkraft, wie viele Übungsaufsätze man kriegt, je nachdem, wie sehr man auf diesen insistiert. Wie viele man kriegen will, das ist aber eine schwierige Frage. Ich würde sie ja radikal kürzen. „So viele wie immer“ funktioniert nicht mehr, da sich die Zeiten und Vorschriften ändern. Vorschriften: Früher gab es nämlich vorgeschriebene Regeln für die Anzahl an Übungsaufsätzen, und diese Regeln sind als Tradition irgendwie noch vorhanden; tatsächlich drücken sich die Vorschriften unklar aus und um eine eindeutige Regelung. Bei neuen Aufsatzformaten muss man mindestens einen Übungsaufsatz einsammeln und korrigieren, bei bekannten muss man nur allgemein üben und vorbereiten.

Aufsatzformate

Früher gab es im Lehrplan nämlich auch explizit genannte und vorgeschriebene Aufsatzformate. Die hießen „Inhaltsangabe“ oder „Erweiterte Inhaltsangabe“ oder „lineare/antithetische/dialektische Erörterung“. Schon seit mehreren Lehrplangenerationen gibt es diese Begriffe nicht mehr. Die Schüler und Schülerinnen sollen zusammenfassen und darstellen können, erzählen, begründen, diskutieren – im neuen LehrplanPlus gibt es die Stränge Erzählen, Informieren und Argumentieren, und das gerne auch kombiniert eingesetzt und geprüft. – Für das Abitur wiederum gibt es dann aber wieder doch ganz klare, vorher detailliert kommunizierte Aufgabenformate.

Umfrage

Die Schüler und Schülerinnen der scheidenden Q12 haben für die Abizeitung einen Umfragebogen vorbereitet, den die Lehrkräfte ausfüllen können. Mir gefällt diese Idee; ich begrüße alles, was zu mehr Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Gruppen an der Schule gehört, und habe nach bestem Wissen und Gewissen mitgemacht.

Viele der Fragen kann ich aber gar nicht beantworten, darunter auch Fragen, die mich gar nicht groß interessieren. Wer war der notorischste Zuspätkommer? Wer der Stufenclown? – Das weiß ich nicht und das ist mir auch egal. Offene Fragen wären besser, statt „Wer wird dem Kollegium noch lange in Erinnerung bleiben?“ ein „Was unterscheidet unsere Stufe von anderen Jahrgängen?“ interessanter, aber die Ergebnisse lassen sich dann nicht mehr so schön in eine Toirtengrafik umwandeln.

Literatur von Frauen

Mitlesender Kollege liest vielleicht Frankenstein von Mary Shelley mit der Klasse. Das finde ich auch deshalb gut, weil es ein Roman von einer Frau ist. Klar kann man sagen, dass das Geschlecht da irrelevant ist, sondern es nur auf die Qualität eines Romans ankommt. Aber die Qualität ist ja nicht gottgegeben, die misst man an Kriterien, die der eigenen Kultur und Tradition entspringen. Und selbst da ist es ja keinesfalls so, dass stets die wertvollen Werke eines Zeitraums überleben, selbst nach diesen Kriterien beurteilt.

Fortbildung

Vor allem war ich aber auf einer Fortbildung, dem jährlichen Informatiklehrer/-lehrerinnen Tag Bayern. Wieder viel Notizen gemacht, wenige Leute getroffen – Bayreuth ist halt weit weg – und Inspiration geholt, wenn auch nicht ganz so viel wie in den Jahren zuvor. Trotzdem, ich will hier wieder mehr über Informatikprojekte aus der Schule bloggen.

Nachtrag: Mit dem Masterplan Bayern Digital II kommt viel Geld an die Schulen. Förderungswürdig sind dabei viele Sachen, insbesondere neue Hardware. Nicht förderungswürdig sind allerdings alle möglichen Arten von pädagogischer Software: Das ist der Euphemismus für die Art Software, die es ermöglicht, Rechner von Schülern und Schülerinnen zu kontrollieren – wer ins Web darf und wer nicht, welche Software zu einem bestimmten Zeitpunkt verwendet werden darf, Anzeigenlassen der Bildschirme. Ich hasse diese Programme beziehungsweise die Art ihres Einsatzes. Fördern will man diese Programme eben nicht, weil man selbstbestimmtes Arbeiten der Schüler und Schülerinnen im Vordergrund sehen will.