Markow-Ketten und Textgenerierung

Ich entschuldige mich dafür, dass ich das hier schreibe, weil es dazu so viel schon im Web gibt, und ich alles, was ich dazu wissen muss, in wenigen Minuten gefunden habe. Aber mein Blog ist ja auch Archiv.

Automatische Textproduktion ist wohl gerade ein Thema. Manche Leute haben Angst vor „social bots“, kleinen Programmen, die selbstständig und automatisch Nachrichten etwa bei Twitter verfassen, die klingen, als wären sie von einem Menschen geschrieben, und die zur politischen Einflussnahmen genutzt werden können. Anderswo heißt es, dass diese Angst völlig unbegründet ist, weil es solche Programme in der freien Wildbahn gar nicht gibt. Im Guardian stand neulich etwas über ein Programm, das so gut künstlichen Text (Sachtext oder fiktional) erzeugt, dass es nicht veröffentlicht wird.

Darum geht es heute nicht, sondern um eine ganz simple Methode, Text zu generieren, der nur auf den allerersten Blick natürlich wirkt, und auf schon auf den zweiten hofft man, dass vielleicht irgendwas ein bisschen Sinn macht, und beim dritten gibt man auf. Hier zwei Beispiele:

vollen Backen verzehren und mir antwortete:—ich fand ich mich auf mein Lieber, laß uns so schwach, alles Gewehr geht vorbei wie er gewartet, hätte mir mit mir selbst. Und da standen um mich, ob täuschende Geister um zweimal im Kreise seiner Ehren und meinen Sinnen, und da—wenn ich solle mit einer bräunlichen Farbe war, als das nicht zu rauben, das
(Goethe)

asked. They sat in the shadow the leaves.“ „Good night,“ the same.“ „You do not wish he likes it.“ „He’s lonely. I know.“ „I want to be unjust. He should have everything I have everything I have killed himself last week,“ he continued the wind. A clean, well-lighted cafe was not lonely. I’m not wish he said. Turning off the
(Hemingway)

Wie das geht: Man füttert den Algorithmus mit einem mehr oder weniger kurzen Text. Das folgende schöne Beispiel habe ich von dieser Seite geklaut, die das Thema für die Sprache Golang betrachtet:

I am not a number. I am a free man.

Dann geht der Algorithmus den Text Wort für Wort durch und legt für jedes Wort eine Liste an, die die im Text vorkommenden Folgewörter enthält. Für das Beispiel sieht das so aus:

I [ am am ]
am [ not a ]
not [ a ]
a [ number free ]
number. [ I ]
free [ man. ]
man. [ ]

Nach dem „I“ steht zweimal „am“, weil das Wort „I“ zweimal von „am“ gefolgt wird und sonst von nichts. Nach „man.“ steht nichts, weil im Ausgangstext nach diesem Wort nichts anderes mehr kommt. Bei längeren Texten ist das unwahrscheinlicher. Und dann nimmt man ein zufällig ausgewähltes Wort aus dieser Sammlung (oder, wie im folgenden Beispiel, man fängt gleich mit „I“ an) und wählt aus der Liste der Folgewörter zufällig eines aus. Und dann macht man mit diesem Folgewort weiter, sucht sich einen von dessen Nachfolgern aus, und so weiter, bis entweder ein Wort kommt, das keinen Nachfolger hat (selten, eher bei kurzen Eingabetexten) oder bis man die gewünschte Wortzahl zusammen hat. Heraus kommen dann zum Beispiel solche Texte:

I am a free man.
I am a number. I am not a free man.
I am a number. I am a free man.
I am not a free man.
I am not a number. I am a number. I am not a number. I am a free man.
I am not a number. I am not a free man.
I am not a number. I am a free man.
I am a number. I am a number. I am a free man.
I am a number. I am a number. I am not a free man.
I am not a number. I am not a number. I am not a free man.

Nach „man.“ hören die Texte jeweils auf – klar, da geht es nicht weiter. Nach „a“ kommt mit gleicher Wahrscheinlichkeit entweder „number“ oder „free“. Nach „I“ kommt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 „am“. (Tatsächlich wäre es vielleicht sauber, jede Instanz eines Folgewort nur einmal in einer Liste zu speichern, zusammen mit der relativen Wahrscheinlichkeit, wobei die Wahrscheinlichkeiten aller Wörter sich dabei zu 1 summieren müssten. Aber bei relativ kleinen Texten ist das so einfacher.)

Für Hemingways „A clean, well-lighted place“ sieht ein Teil des Wörterbuchs übrigens so aus:

Hail [ nothing ]
He [ would disliked smiled was was did can has drinks might sat put should ]
I [ am am have have." am wish have never should know." never ]
I'm [ not ]
In [ the ]
It [ was was was was was is is was ]
Look [ at ]
Many [ must ]
Nor [ can ]
Now, [ without ]
Our [ nada ]

Weil das so viele Wörter sind, gehen wir erst einmal zurück zu unserem kurzen Ausgangstext. Man kann die Information in dem Wörterbuch auch als Graph angeben:

Dabei ist jedes Wort, jeder Lexikoneintrag, ein Zustand des Systems, dargestellt als ein Knoten, verbunden mit den möglichen Folgewörtern durch gerichtete Kanten, die durch eine Gewichtung ausgezeichnet sind, die die Wahrscheinlichkeit des Übergangs angibt – es muss lediglich gelten, dass die Summe aller Kantengewichte, die von einem Knoten ausgehen, 1 ist.

Klar, schöner wäre es, wenn man von „free“ auch noch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu „number“ käme. Aber das kommt im – zugegeben sehr kurzen – Ausgangstext nun mal nicht vor. Eine Markow-Kette wäre das dann trotzdem.

Man kann die Übergangswahrscheinlichkeiten der Zustände auch als Tabelle angeben:

Was eine Markow-Kette nun genau ist, muss ein Mathematiker erklären. Hier geht es nur um die einfachen Fälle, mit endlich vielen Zuständen, und Übergangswahrscheinlichkeiten, die nur vom letzten Zustand abhängen. Man könnte ja auch die zwei vorhergehenden Wörter heranziehen, um das Folgewort zu ermitteln.

Markow-Ketten eignen sich wohl zur Simulation von Systemen, die sich damit gut simulieren lassen. :-) Wenn man für ein Computerspiel zum Beispiel zufälliges Wetter braucht, kann man entweder jeden Tag neues Wetter auswürfeln mit 50% Chance für Sonne oder Regen, oder man erstellt eine Markow-Kette, wo man vom Zustand Sonne aus am nächsten Tag mit 80% Wahrscheinlichkeit wieder im Sonnenzustand landet, aber mit 20% bei Regen – und der Zustand Regen funktioniert ähnlich. Dann ändert sich das Wetter auch ab und zu, und es gibt eben so viele Sommer- wie Regentage, aber es gibt längere Folgen und seltenere Wechsel.

Zum Schluss noch ein Auszug aus der modifizierten Schulordnung für Gymnasien in Bayern:

zugelassener Hilfsmittel bei ausreichendem Leistungsstand in Latein mindestens zwei Ausbildungsabschnitten 12/1 ist, abgesehen vom Kurzreferat; 2. Nach Beginn der Gesamtnote „ausreichend“ oder staatlich genehmigten Ersatzschule abzunehmen, wenn nicht auf dem Abschlusszeugnis die Fortsetzung eines schulärztlichen Zeugnisses eine mindestens 1 und Schüler, die nach § 2 Satz 2 Satz 2, der mündlichen Prüfungen abgelegt und Gesellschaft. (3) Für Schulaufgaben in eine Änderung der Nachprüfung erfolgreich unterzogen haben, erhalten sie oder des Ausbildungsabschnitts 12/1 oder dem doppelt gewichteten Durchschnitt der Schulleiter kann für den Fächern Deutsch, Mathematik (Abiturprüfungsfächer 1 und 3. am Kolleg kann bei der Jahrgangsstufe mit der Übertritt in einem vom Staatsministerium gesondert fest. 2Schülerinnen und das Vorrücken gefährdet, so bemühen sich auf Ausschluss von Leistungsnachweisen und Recht sowie in der Hauptprüfung dauern in Anlage 9 nach dem gewählten Ausbildungsrichtung hat die zweite Fremdsprache 1 Punkt bewertet. 8. über das Ziel der Schulleiter festzusetzenden Frist, die sich auf einem Schüler während der Realschule, die Belegung und Worten) ausgedrückt, die Punktzahl der fünf Abiturprüfungsfächern wird ermittelt, indem die ihnen die Schule wird in Satz 1 genannte Zeitpunkt. (4) Während des Gymnasiums sind ferner am Musischen Gymnasien als Abiturprüfungsfächer ist und welche beiden Fächer (Abiturprüfungsfächer 4 erreicht haben sich die auch darauf

Links:

We’ll catch up some other time

(Bilder vom Fest weiter unten, erst Durcheinandereres.)

1. Ich und die Menschen

Ich habe das Glück, die Welt großartig finden zu können. Mindestens bis in die 5. Klasse hinein war ich verwundert und erstaunt und froh darüber, dass es überhaupt etwas gibt, statt nichts. Dann ließ das mit dem Philosophieren nach und das mit dem Sammeln von Comics und Lesen von Science Fiction begann.

Auch Menschen mochte ich schon immer. Aber ich wunderte mich nicht über sie, sie waren einfach da. Mit einem Zwillingsbruder und großer Verwandtschaft und häufigen Treffen war ich auch nie allein. Im Wohnblock waren es Rainer, Harald, Joachim, in der Grundschule dann Günter, mit dem ich Abenteuer erlebte, später Christian: Freunde. Zu all diesen verlor ich den Kontakt.

In den frühen Jahren des Fantasy-Rollenspiels und Science-Fiction-Fandoms waren es noch viel mehr Freunde: Norbert; Karl-Heinz, Michael, Robin, Joachim (ein anderer), Jürgen, Alexander; Dirk und Jan und Bernhard. Petra und Claudia und andere aus der Con-Szene. Ewig viel Zeit haben wir miteinander verbracht, und manchmal waren es doch nur zwei, drei, vier Jahre: So lange dauerte eine Ewigkeit damals. Ich nähre mich noch heute von den Erinnerungen. Mit den meisten dieser Freunde bin ich gerade mal bei Facebook befreundet, habe aber keinen Kontakt, auch weil ich Facebook nicht besuche. Wenn es hoch kommt, einmal im Jahr Grüße. Mehr will ich auch gar nicht, und doch ist es ein bisschen traurig.

Zwischen Schule und am Anfang des Studium traten Michael und Markus, Toni, Aldonna, vielleicht Christiane in mein Leben. Eine tolle Ewigkeit war das, unendlich viel gelernt und erfahren. Ich bin voller Dankbarkeit für diese Menschen und unsere Zeit zusammen. – Manche davon sehe ich alle zwei Jahre, andere gar nicht mehr. Ich könnte mehr Kontakt suchen, aber ich habe gar nicht das echte Bedürfnis.

Zu meinen späteren Studienzeiten trieb ich mich mit Gisi und Lisa herum, Frank, Uwe, Andrea, Inés,der späteren Frau Rau. Eine ist verschollen, einer weit weg, mit den anderen halte ich regelmäßig Kontakt. (Ja, weiß schon, mit Frau Rau natürlich auch.)

Und dann kam das Internet, also vor allem das Mitmachweb, die Bloggerei, später dann Twitter. Dieses Internet ist voller toller, kluger, witziger, menschlicher, freundlicher, guter Menschen. Die wenigstens davon kenne ich gut, manche ein bisschen besser, viele über Blogs, sehr viele über Frau Rau. Die Welt ist schön, also meine Welt (und ich weiß, dass ich das von einer sehr privilegierten Warte aus betrachten kann), und voller interessanter und bewunderswerter Menschen, oder einfach nur Menschen – wenn man sie kennt, müssen sie gar nicht erst klug oder interessant sein, sie sind allein schon kennenswert, weil sie Menschen sind, glaube ich; sie müssen nichts leisten. (Böse Menschen sind keine dabei. Die gibt es wohl schon auch. Aber es gibt so, so viele, die keine sind.)

Vor zwei Wochen traf ich auf unserem Fest – siehe unten – auf viele dieser Menschen. Mit ein paar konnte ich reden, mit vielen nur ein paar Worte wechseln, andere nur aus der Ferne bestaunen. Kontakt halten selbst zu denen, die ich kenne, ist schwierig, zur großen Verwandtschaft, zu Freunden von früher: Ich bin zu träge. Es gibt zu viele tolle Menschen.

Tatsächlich sitze ich sehr gerne alleine mit Frau Rau zu Hause. Wenn sie mich nicht ab und zu mitnehmen würde zu Abenteuern und Freunden, was würde ich alles verpasst haben. Vielen Dank. Ich lese gerne und viel, und bastle, programmiere, lerne, die Liste der Projekte, die ich mal angehen möchte, wird länger und länger: Ich kann mich gut allein beschäftigen und tue das oft. Für all die guten und lieben Menschen hat man ja später noch Zeit.

Allein, man hat sie nicht. Ein Mensch ist kurz nach dem Fest, hoffentlich nur vorläufig, ganz verschwunden; ein anderer, zwanzig Jahre nicht gesehen und ansonsten unverändert, konnte am Tag darauf wegen persönlicher Umstände plötzlich doch nicht mehr zum Plaudern vorbeikommen.

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This day was just a token
Too many words are still unspoken
Oh, well, we’ll catch up some other time
(mehr hier)

„Some Other Time“ aus Leonard Bernsteins On the Town (nicht vorhanden in der berühmten, aber enttäuschenden Filmfassung), Text von Betty Comden und Adolph Green, die auch in der Musical-Fassung zwei Rollen spielten und danach bei vielen, vielen anderen Produktionen als Autoren beteiligt waren. Hintergrund: Drei Matrosen auf Landgang, Abenteuer und Begegnungen in New York, und am nächsten Morgen müssen sie wieder an Bord sein.

– Ich sehe mich schon in fünfunddreißig Jahren auf der Couch sitzen, wie immer etwas sentimental, und vielleicht wird sich dann die kognitive Dissonanz auflösen, mit der ich lebe, dass es so viele liebe Menschen auf der Welt gibt, und dass ich nicht genug Zeit mit ihnen verbringe.

Am liebsten wäre es mir einfach, wenn alle twitterten: Dann sehe ich, dass es ihnen gut geht (oder auch nicht). Das reicht mir schon für den Anfang.


2. Warum ich so wenig rede

Frau Rau erzählt ab und zu, wie sie mich, als ich noch nicht um sie zu werben begonnen, aber mich in ihrem Umkreis bemerkbar gemacht hatte, zu einem Frühstück mit ihren Freunden eingeladen hatte: Ich war wohl nur aufmerksam da gesessen und habe kaum ein Wort gesagt. So ist das heute noch manchmal. Heute kommt Faulheit dazu: Ich kann zur Not Konversation machen, kann Smalltalk, kann sogar einen gewissen Charme entwickeln – aber die tolle Frau Rau kann das noch viel besser als ich, und in gemeinsamer Runde lasse ich das oft sie bestreiten. Dazu kommt noch etwas, das früher noch viel mehr im Vordergrund stand, aber immer noch da ist: Ich bin immer davon überzeugt, dass andere Menschen viel interessantere Geschichten haben als ich und da will ich nicht stören. Frau Rau hat mir beigebracht, dass das nicht unbedingt stimmt, aber dennoch fällt es mir nicht gleich, Konversationssignale richtig zu deuten.


3. Das Fest

Frau Rau wollte schon seit vielen Jahren eine Feier für Freunde und Familie veranstalten, so richtig mit festlichem Rahmen. Und seit zwei oder drei Jahren wusste sie auch schon einen Ort dafür: Die alte Kongresshalle in München, gegenüber dem Verkehrsmuseum. Und da wir jedes Jahr den Beginn unserer Beziehung feiern und sich der der mehr oder weniger rund jährte, war das auch das Thema des Festes.

Normalerweise werde ich schlag zehn Uhr müde, an diesem Abend war ich munter bis zwei, verhältnismäßig munter bis drei Uhr. Ich habe versucht, mich mit allen, die ich kannte, kurz zu unterhalten, und habe das nicht einmal ansatzweise geschafft – aber es hat mich gefreut, wenn ich die Gäste aus der Ferne beobachtet habe. Es hat mich überhaupt alles gefreut, ich würde gerne sagen: Es war mir ein Vergnügen – das war es auch, aber diese Formulierung möchte ich Frau Rau vorbehalten lassen, der Hauptgastgeberin, sie trug den mental load der Organisation.

Alle die folgenden Fotos ©Smilla Dankert – vielen Dank der tollen Fotografin, die eine Woche nach dem Fest alles noch einmal hat auferstehen lassen. Es sind so viele Fotos von Frau Rau und mir, nicht weil ich eitel bin, sondern weil ich ohne Zustimmung der Gäste keine Fotos poste:

Die Alte Kongresshalle von außen.
Innen.
Frau und Herr Rau – ist sie nicht toll?
Frau und Herr Rau.
Herr und Frau Rau.
Frau und Herr Rau beim Foxtrott, auf meinen Wunsch hin.
Unten, von oben, mit bunten Gästen. Ein wunderbarer Anblick.
Vor dem Essen ein kurzer Videofilm.
Am mittleren Abend.

Mehr Fotos habe ich entdeckt bei Joel, Frau Brüllen, Miss Caro, und via Frau Mutti und Miriam Vollmer, bei Kluges & Scheiß. und im hermetischen Café.

Frau Rau und ich haben damals heimlich geheiratet; es gab keine Hochzeitsfeier. Also hatten wir auch keine Erfahrung mit Festen. Und wie bei allem, was man zum ersten Mal macht, lernt man sehr viel dabei:

  1. Mit Profis arbeiten, also einer Eventmanagement-Agentur. Man braucht eventuell: Catering, Musik, DJ, Dekoration, Blumenschmuck, Ausstattung, Haustechnik.
  2. Nicht verrückt machen lassen: Alles. Wird. Gut.
  3. Man freut sich über jede Zusage, die früh hereinkommt. Jetzt ist mir das enorm peinlich, wenn ich früher leichtfertig geschrieben habe: „Oh, ich habe den Termin ja übersehen, aber klar komme ich.“ Man glaubt ja sonst, dass keiner kommt.
  4. „Keine Geschenke“ heißt, dass Gäste trotzdem Geschenke bringen. Wir freuten uns darüber. Aber wir freuten uns auch über keine Geschenke – das größte Geschenk ist, da zu sein.
  5. Man braucht Tage, um wieder runterzukommen.
  6. Auch am letzten Tag gibt es noch Absagen und Planänderungen. Das ist okay.

Nachtrag: Noch mehr Bilder vom Fest in der Alten Kongresshalle (alle ©Smilla Dankert, und vielen Dank fürs Machen und Veröffentlichenlassen):

Turbulente Wochen, hm?

Mit heute Abend habe ich neun Tage hintereinander kein Abendessen gekocht. Es muss also Einiges los gewesen sein. Einmal Biergarten, einmal Wirtschaft, jeweils mit Besuch von außerhalb Münchens. Einmal Ukuleletreffen, einmal Einladung, einmal Reste, einmal Salat aus dem Ernteanteil. Zweimal kochte Frau Rau. Und einmal ein großes Fest von Frau Rau und mir, über das ich später noch einmal schreiben werde, wenn ich mit dem Verarbeiten fertig bin. Die Festnachwehen dauern noch an.

Ich konnte selber auch nicht kochen, weil ich sehr erschöpft und in Eile war. Die letzten schriftlichen Abiturkorrekturen nahmen mich mit, auch das Kolloquium. Ich bin wohl nicht mehr ganz so fit wie in jungen Jahren.

An einem Tag hatte ich dann in der Schule nicht nur Besuch von meinen zwei Praktikanten, sondern von der Tochter einer sehr alten Freundin, die mit dem Gedanken spielt, zwei meiner Fächer auf Lehramt zu studieren, und sich einmal eine echte Schule anschauen wollte. Ich fühlte mich bemüßigt, große Show zu machen.

Ansonsten… man wird sehen müssen.

5 Signs You’re Employed In A Toxic Workplace:

  1. There’s Emotional Manipulation („We’re Like A Family!“)
  2. Gratitude Is Expected From Employees
  3. Bullying And Humiliation Are Considered Motivation Tactics
  4. Public Reception Is More Important Than Fixing Problems
  5. There Is No Communication

Drei von Fünf sind okay, oder? Andererseits ist Punkt 4 so allgemeingültig und 5 immer Auslegungssache, so dass man das vermutlich immer mit einem Fug und etwas weniger Recht behaupten kann.

Arbeitszeiterfassung in der Schule

Im Nachhinein: Das ging gestern durchs Netz und interessiert mich heute schon gar nicht mehr besonders. Aber ich halte es trotzdem mal fest, Chronistenpflicht und so.

Der Europäische Gerichtshof hat ein Urteil erlassen, das gerade viel diskutiert wird und auch für mich in meinem Beruf als Lehrer interessant ist. Hier eine unaufgeregte Zusammenfassung:

Das Urteil des EuGH C-55/18 zur Arbeitszeiterfassung – Breathe!
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Kurzfassung, meine, unamtlich: Damit Arbeitnehmer nicht indirekt zu Überstunden gedrängt werden können, ohne diese ausreichend dokumentieren zu können, muss der Arbeitgeber eine Möglichkeit schaffen sich zu vergewissern, wie viel die Angestellten arbeiten.

Das betrifft mich formal erst einmal nicht, interessiert mich aber trotzdem. Mein Arbeitgeber will in der Tat nicht wissen, wie viel ich eigentlich arbeite. Auf Spitzenbelastung mit mehr als 10 Stunden oder fehlende 11 Stunden Pause zwischen zwei Arbeitstagen achte ich nicht; das kommt wahrscheinlich gelegentlich vor, aber nicht oft. Wie das mit Klassenfahrten ist, ist auch so eine Frage. Am wichtigsten ist mir aber die reguläre Arbeitszeit: Offiziell beträgt die 40 Stunden pro Woche. Bezahlt werden wir aber nicht nach Zeit, sondern nach Unterrichtsstunden: 23 Stunden Unterricht pro Woche mit Vorbereitung und Korrekturen, dazu die angesetzte Anzahl an Konferenzen und Elternabenden und laufende Extrawünsche des Kultusministeriums, die immer mal wieder anfallen. Dass das in der Unterrichtszeit mehr ist als 40 Stunden, ist klar, und dass man in den Ferien weniger arbeitet, auch – darüber hinaus ist das meiste unbekannt.

Ich glaube nicht, dass ich sehr viel mehr arbeite als meine 40 Stunden. Irgendwann habe ich mal zusammengerechnet und bin auf 42 Stunden gekommen, aber das war auch nur geschätzt. Ich würde mir vor allem gerne aussuchen, mit welchen Arbeiten ich diese Zeit fülle, aber das geht aus guten Gründen nicht. Ich lese viel und programmiere und treibe mich online herum; das zählt nicht zu meiner Arbeitszeit, aber führt dazu, dass ich viele meiner Arbeiten sehr schnell erledigen kann. Ich bin flink am Computer, sicher flinker als die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen, und auch das hilft mir dabei, schnell zu arbeiten.

Allein: Was soll geschehen, wenn das Kultusministerium feststellt, dass manche Lehrer oder Lehrerinnen länger brauchen, oder manche Fächer mehr Arbeit erfordern? (Wir wissen doch alle wie das mit Deutsch und Mathe ist, wenn wir nicht unredlich sind.) Sollen die einen dann mehr Aufsichten führen, mehr unterrichten, oder dürfen die sich dann selbstständig beschäftigen? Müssen manche Fächer weniger unterrichten oder keine Aufsichten führen? Erst wenn es darauf eine Antwort gibt, spielt es es eine Rolle, ob man Arbeitszeit zählt oder nicht.

– Die aktuelle Arbeitszeitstudie wird vielleicht Ende des Jahres veröffentlicht, sonst kenne ich nur eine von Mummert + Partner Anfang 1997: Ja, Lehrer und Lehrerinnen insbesondere an Gymnasien arbeiteten deutlich mehr als im sonstigen öffentlichen Dienst, jedenfalls im Durchschnitt – das Minimum lag darunter, das Maximum arg weit darüber. Passiert ist dann wohl nichts.

Podcasts, Tom Waits, Diner lingo

Ich höre immer wieder Podcasts, ein paar stelle ich hier vor. Und bei dem letzten davon schreibe ich dann auch etwas über den Einsatz in der Schule!

Arkam Insiders: Seit weit über hundert Folgen unterhalten sich Mirko und Axel schon (auf deutsch) über jeweils eine Geschichte von H. P. Lovecraft oder anderen Autoren aus dessen Umfeld, mitunter auch über Biographisches zu HPL.
http://arkhaminsiders.com/

Sigma 2 Foxtrot: Ein SF- und Phantastik-Podcast, in dem sich Axel mit wechselnden Gästen über fantastische Geschichten unterhält. Bin schon auf manche interessante Texte gestoßen dadurch, und genau so interessant ist es, wenn ich die Texte bereits kenne und eine Meinung dazu habe.
http://sigma2foxtrot.com/

H. P. Lovecraft Podcast: Englischsprachig, kostet Geld; aber einmal pro Monat gibt es eine frei zugängliche Folge. Chris Lackey und Chad Fifer sprechen seit über 450 Folgen über Horrorgeschichten – angefangen mit Lovecraft, chronologisch durch alle seine Texte, dann weiter bei den Autoren, die Lovecraft in seinem umfangreichen Essay „Supernatural Horror in Literature“ erwähnt, und inzwischen über alles mögliche.
https://hppodcraft.com/

Textlastig: Falk und Simon spielen in unregelmäßigen Abständen Textadventures, sehr gelegentlich auf Englisch, meistens sind es deutsche Spiele. Sie spielen in Echtzeit, mit all den Pannen und Problemen und Sackgassen, die diese Spiele gerne mal mit sich bringen. Dementsprechend ist das eher etwas für Freunde des Genres.
https://textlastig.com/

Reply All: PJ Vogt und Alex Goldman bringen seit 2014 einen Podcast über Themen, die etwas mit Internet oder Technik zu tun haben. Beliebte Kategorien: Lösungen für technische Probleme oder Betrugsopfer, teilweise mit großen Umwegen; manchmal auch nur Kurioses oder Interessantes. Mein Favorit: yes-yes-no, wo ein Gast oder der Chef von PJ und Alex einen kryptischen Tweet vorbeibringt, den er nicht versteht, und der dann von PJ und Alex erklärt wird. Manchmal muss man dabei sehr weit ausholen. Von Gamergate und Pizzagate hören Leute wie ich bei Reply All zum ersten Mal, das aber recht früh.
https://gimletmedia.com/shows/reply-all

Slate Political Gabfest: Ich höre etliche Podcasts aus dem Hause Slate, Lexicon Valley etwa, einen Podcast über ein sprachwissenschaftliches Thema von John McWhorter. (Allerdings geht es meist um Lexik und Phonologie, manchmal Wortarten und Sprachwandel; eigentlich nur selten um Syntax.) Aber der Großvater ist das Gabfest, eine Art journalistischer Frühschoppen einmal pro Woche mit relativ festem Team – Themen meist amerikanische und Weltpolitik.
https://podcasts.apple.com/us/podcast/slates-political-gabfest/id158004641

Song by Song: Diesen Podcast habe ich erst vor kurzem entdeckt, bin erst bei Episode 20 oder so, insgesamt gibt es bishlang um die 180 Folgen. Martin Zaltz Austwick und Sam Pay und – zumindest bisher – Gäste gehen chronologisch sämtliche veröffentlichte Platten von Tom Waits durch, je Lied eine Folge. Von Tom Waits habe ich selber etwa 30 Platten, aber das sind auch etliche Sammlungen und Livealben dabei. Das erste Album (Closing Time) enthält bereits ein perfektes Lied (Grapefruit Moon), daneben aber viele Nummern, in denen Waits noch seine Richtung sucht – sehr interessant für Fans, aber vielleicht nichts für den Einstieg. Aber bereits die zweite Staffel des Podcasts, die sich mit dem zweiten Album beschäftigt (The Heart of Saturday Night), kann ich sehr empfehlen.
http://www.songbysongpodcast.com/

Was das mit der Schule zu tun hat

So wie die drei Leute von Song by Song hätte ich gerne, dass sich Schüler und Schülerinnen über Lyrik unterhalten! Ein bisschen Inhaltsangabe, Betrachtung der Sprechsituation, persönliche Erinnerungen und Assoziationen und auch Abschweifungen. Vergleiche mit ähnlichen Texten. Ein paar stilistische Auffälligkeiten, aber nicht alle, und nur welche, zu denen man etwas sagen möchte. Vielleicht ist das der Hauptunterschied und dann wohl nicht in der Schule replizierbar: Die Sprecher wollen über die Texte reden, haben eine Meinung zu ihnen, auch wenn sie sie gar nicht mögen. Den meisten Schülern und Schülerinnen sind die Text eher egal oder sie wissen nicht, dass sie eine Meinung dazu haben dürfen, oder sie erhalten nicht genug Zeit, sich eine Meinung zu bilden. Ein weiterer Unterschied: In der Schule muss man die eigene Meinung eigentlich immer begründen, im Podcast nicht so sehr – einmal, weil da Musiker kraft ihrer beruflichen Autorität sprechen, außerdem, weil ihre Meinungen nachvollziehbar, interessant, glaubwürdig und ernst gemeint sind.

Und doch: Wie schön wäre es, sich so über Lyrik zu unterhalten, auch in der Schule.

Ich fürchte, es bringt auch nichts, in der Schule mal als Beispiel diese Podcasts zu hören: Sie sind auf Englisch, und man muss die Lieder kennen oder zumindest mögen. Und Tom Waits, selbst die zugänglicheren frühen Platten, sind… ein erworbener Geschmack. (Aber sooooo gut.)

Exkurs: Diner lingo

Zumindest in den frühen Alben erzählt Tom Waits immer wieder von nächtlichen Barbesuchern und LKW-Fahrern, von Kellnerinnen und kleinen Gaunern. Gegessen und gefrühstückt wird im Diner. Und zu diesem Diner oder greasy spoon, einer amerikanischen Institution, die es heute vielleicht gar nicht mehr gibt und die ich aus Filmen und Büchern der 1930er und 1940er Jahre kenne, gibt es einen eigenen Slang, den auch Tom Waits häufig zitiert. Vermutlich ist der so ein ähnliches Relikt wie der cockney rhyming slang und gar nicht mehr authentisch, aber ein paar Reste davon kenne ich vom alltäglichen Gebrauch von Besuchen bei der amerikanischen Verwandtschaft in meiner Kindheit und Jugend:

  • Spiegeleier sunny side up: so wie unsere vertrauten Spiegeleier, aber wenn es dafür eine eigene Bezeichnung gibt, heißt das, dass es auch andere Formen des Spiegeleis gibt
  • (eggs) over easy: Spiegeleier, die man noch einmal kurz wendet, so dass auch das Eigelb leicht angebraten wird
  • moo juice: Milch; bottle moo kenne ich aus einem Lied aus den 1940ern.
  • burn one: wirf einen Hamburger auf den Grill, wenn er durch sein soll, heißt er hockey puck (und on the hoof ist das Gegenteil davon).
  • to eighty-six heißt: von der Liste streichen/zurücknehmen; kenne ich auch von außerhalb der Essenssituation
  • java für Kaffee – und da kommt letztlich auch der Name für die Programmiersprache her

Hier ist ein kleiner Überblick über Begriffe: http://mentalfloss.com/article/31493/understanding-diner-lingo-55-phrases-get-you-started, und hier kann man ein Quiz dazu machen: https://www.dinerlingo.com/quiz/. Auch Wikipedia hat viele Beispiele.

Avengers: Endgame (leichte Spoiler)

Schon letzte Woche war ich in Avengers: Endgame. Wer’s nicht weiß: Das ist ein Marvel-Superheldenfilm, und zwar der 22. in einer Reihe von zusammengehörenden und – mäßig – aufeinander aufbauenden Filmen, die vor elf Jahren mit Iron Man (Blogeintrag) begann. Nach dem ersten Drittel der Filme gab es einen größer angelegten Film, in dem die Charaktere der vorangehenden, nur sehr lose verknüpften Filme, versammelt wurden; nach dem zweiten Drittel wieder, und nach dem dritten gab es sogar zwei dieser Riesenevents: 2018 Avengers: Infinity War, den ich echt schlecht fand, der aber ein Riesenerfolg war; und jetzt eben dessen Fortsetzung – der mir angesichts des Vorgängers überraschend gut gefallen hat.

Avengers: Endgame ist drei Stunden lang und spielt alles Geld ein, das es gibt, und bricht alle modernen Rekorde, die man sich vorstellen kann. Teilweise mit einem Riesenabstand. Das ist für mich das Interessanteste am Film, und wahrscheinlich ist das ein nicht wiederholbares Phänomen. Denn der Film baut vor allem darauf auf, dass die Zuschauer möglichst viele der vorangegangenen Filme gesehen haben. (Und Fernsehserien.) Das gibt es nicht bei Star Wars, Star Trek oder James Bond. Man hat als Filmeschauer eine Menge Zeit und Energie investiert, und die Filme waren auch fast alle überaschend respektabel, und man hat sich dafür eine Belohnung verdient, irgendwas Kathartisches, Anerkennung für die gemeinsam verbrachten elf Jahre – und die bietet dieser Film dann auch.

SPOILER folgen:

Das erste Drittel des Film ist unerwartet deprimierend. Der letzte Film endete nach endlosen hektischen Prügeleien auf dieser niedergeschlagenen Note, und der neue macht da weiter und kostet das eine Stunde lang aus – ganz ohne Hektik, gemächlich. Respekt. Dann kommt ein witziges Drittel, und das letzte Drittel ist dann Haudrauf, wie es das Publikum erwartet und verlangt. Ich könnte ja darauf verzichten.

Ganz kurzer Podcast dazu – anscheinend kann man den Film sogar sehen, wenn man gar keinen der 21 Vorgänger gesehen hat:

AVENGERS ENDGAME: „No amount of money ever bought a second of time“
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Alles gutes Popcornkino, aber richtig gute Filme sind nicht dabei. Wenigstens war diesmal die Musik ganz ordentlich. Die Schauspieler und Dialoge sind es ohnehin immer. Wer weiß, am Ende macht Marvel nicht weiter wie bisher sondern überrascht das Publikum mal wirklich? Insgesamt: Respekt, viel Respekt von meiner Seite, aber keine Liebe, oder nur indirekt – über die Erinnerung an die Comics meiner Kindheit und frühen Jugend

Ruhe vor dem Sturm: Nach den Osterferien…

…ist vor dem Abitur. Deutsch war schon, Mathematik ist morgen, Englisch nächste Woche – da bin dann ich dabei.

Und heute war Elternsprechtag. Bei uns läuft das so, dass sich die Eltern über eine Webseite in einer der freien Slots eintragen, jeweils sieben Minuten zwischen 17 und 19 Uhr. (Außerdem: Länger dableiben bei großem Andrang.) Bei mir wieder alles Slots besetzt, lauter nette Eltern, gut in der Zeit gelegen. Ich bin immer schon fünf Minuten vorher da, das gibt einen Vorsprung, und ich fasse mich kurz, so dass ich zwischendrin immer ein wenig Luft habe.

Kommenden Montag ist Einschreibung: Da treten die Eltern der künftigen Fünftklässler und -klässlerinnen mit Geburtsurkunden und Übertrittszeugnis an, um ihr Kind an der Schule anzumelden. Der Plan, kurzfristig einen sorting hat dafür aufzutreiben, scheiterte, aber es wird ja eh noch niemand in Klassen eingeteilt. Diesmal bin ich wieder mal bei der Einschreibung dabei und sitze an einem der Rechner.

Montag nachmittag habe ich (wieder mal) eine schulinterne Mebis-Fortbildung gegeben. Diesmal habe ich mich nicht daran orientiert, was mein Publikum gerne gewusst hätte, sondern daran, was ich glaube, dass sie wissen sollten. Sonst wollen alle immer gleich hören, wie Multiple-Choice-Tests gehen, dabei gibt es viel Wichtigeres:

  • Passwort für Schul-WLAN speichern
  • Moodle-App installieren und konfigurieren
  • Kurse anlegen, richtiges Format wählen
  • Themen für dauerhaft verfügbaren Grundwissenskurs überlegen
  • Überschriften und Texte verfassen
  • dann kann man über anderes Material und später vielleicht Aktivitäten nachdenken

Dazwischen habe ich gezeigt bzw. ausgeteilt, was man alles machen kann. Das wie kommt viel später, bei Interesse. Insgesamt glaube ich, dass es trotzdem nie viele Lehrern und Lehrerinnen geben wird, die Mebis/Moodle-Kurse gestalten werden. Aber das ist okay, solange die anderen die Kurse dann nutzen wollen und Ideen für deren Inhalt haben.

Rätselkoffer programmieren

Ich habe hier schon schon einmal das Spiel „Keep Talking and Nobody Explodes“ vorgestellt. Ein Spieler oder eine Spielerin sitzt dabei am Rechner vor einem virtuellen Bombenkoffer, den es zu entschärfen gilt, und zwar alle drei (oder mehr) Module am Koffer. Eines davon ist das Drahtdurchschneiden, das man aus Filmen kennt: Es gibt eine Reihe von farbigen Drähten, die man in bestimmter Reihenfolge durchschneiden muss. Nur welche Reihenfolge?

Die anderen Spieler und Spielerinnen, und nur die, haben alle das hochkomplizierte Bombenentschärf-Handbuch vor sich liegen, sehen aber nicht den Bombenkoffer. Also muss man miteinander reden – es ist ein Dialogspiel: Wie viele Drähte? Welche Farben haben sie? Welche anderen Merkmale gibt es an dem Modul oder am ganzen Koffer? Davon hängt dann die Lösung ab.

So etwas habe ich in grob vereinfachter Form für meine Informatikklasse programmiert. Allerdings habe ich das ganze „Rätselkoffer“ genannt – das gibt mehr Spielraum für die verschiedenen Module und ist nicht ganz so gewalttätig.

Das Drahtdurchschneide-Grafikmodul sieht zum Beispiel so aus (eigentlich nur der gelb hinterlegte Bereich):

Das sind einfach sieben recht schmale und hohe Knöpfe oben und ein paar Ausgabefelder unten. Für die Knöpfe gibt es Methoden, um eine beliebige Grafik als Hintergrund zu setzen, und vorgefertigt sind Grafiken mit Drähten in verschiedenen Farben, durchgeschnitten oder ganz.

Eine andere Modul-Grafik (ein Schülerwunsch) sieht so aus: Drei quadratische Knöpfe oben, ein breiter, niedrigerer Knopf darunter. Die Knöpfe oben kann man zum Beispiel mit solchen Bildern füllen:

Was man mit den Knöpfen beziehungsweise dem ganzen grafischen Block macht, bleibt den Schülern und Schülerinnen überlassen. Tatsächlich besteht jedes Rätselmodul aus zwei Objekten, die in den Klassen ModulGUI und Modul beziehungsweise Unterklassen davon beschrieben werden: ModulGUI ist lediglich die Grafik des aktuellen Elements; die Unterklassen dazu stelle ich zur Verfügung. (Denn Grafikprogrammierung in Java ist einfach zu fisselig, wenn man sie noch nie gemacht hat, auch wenn die Elemente ja nur aus verschieden großen Buttons und Ein- und Ausgabeflächen bestehen.) Zu jedem ModulGUI-Objekt gehört ein Modul-Objekt, das die Spiellogik und Steuerung übernimmt. Und eben dieses (beziehungsweise die Unterklassen dazu) wird von den Schülern und Schülerinnen programmiert: Im Beispiel ist das die Klasse Demo:

Die Demo-Klasse legt erstens ein WireGUI-Objekt an, um diesem Nachrichten zu schicken, wie welcher Knopf aussehen soll. Und zweitens macht sie sich zur Unterklasse von Modul, damit das WireGUI-Objekt seinerseits Nachrichten – darüber, welche Knöpfe gedrückt werden – an das Demo-Objekt, also die Steuerung, schicken kann.

So sieht eine zu programmierende Klasse dann aus:

public class Demo extends Modul 
{
    WireGUI gui;
 
    public Demo() {
        gui = new WireGUI();
        gui.setSteuerung(this);
        gui.setButtonImage(1, "drahtRot.png");
    }
 
    @Override
    public WireGUI getGUI() { 
        return gui; 
    }
 
    @Override
    public void empfangeKnopfdruck(int knopfnr) {
        if (knopfnr==1) { gui.setButtonImage(1, "drahtRotCut.png"); }
    }
}

So sieht das alles in BlueJ aus:

An der linken Seite sieht man einige mögliche Grafik-Unterklassen. An der unteren Seite sind die Steuerung-Unterklassen, also die von den Schülern und Schülerinnen zu programmierenden. Das obere Drittel ist technischer Kram, ausgebreitet auf verschiedene Klasse zur leichteren Wartung.

Könnte man in sie hineinblicken, wirkten sie vielleicht ein wenig umständlich, und das liegt daran, dass die Grafikbibliothek JavaFX und BlueJ nicht optimal zusammenarbeiten. Wenn ich Objekte in der Objektleiste unten haben und ansprechen können möchte, muss ich tricksen. (Der JavaFX-Thread lässt sich nicht gerne von außen unterbrechen, will heißen: durch manuelle Methodenaufrufe von BlueJ aus.) Und so gibt es mehre Möglichkeiten, etwas zu sehen zu kriegen:

  • in der Main-Klasse die statische Methode launch(String[] args) aufrufen, die den JavaFX-Thread startet
  • ein Main-Objekt anlegen oder eine andere statische Methode darin aufrufen, dann wird die JavaFX-Grafik gekapselt in einem JavaSwing-JFrame und ist damit für Objekte in der Objektbank zugänglich (tatsächlich gibt es noch einen Schönheitsfehler dabei, anderes Thema)
  • ein Objekt einer Modul-Unterklasse anlegen, das sich eine ModulGUI-erzeugt, das letztlich die JFrame-Methode der Main-Klasse aufruft (Vorteil: man kann die Methode der Klasse manuell aufrufen und testen, wenn sie den JavaFX-Thread beeinflussen, muss man aber Umstände machen)
  • ein Objekt einer ModulGUI-Unterklasse anlegen, das sich eine Dummy-Steuerung gibt, die letztlich die JFrame-Methode der Main-Klasse aufruft (Vorteil: wie oben) – Ziel dieser letzten beiden Konstruktionen: Die Schüler und Schülerinnen sollen einfach wie gewohnt Objekte ihrer Klassen erzeugen können, deren Oberklassen sich dann darum kümmern, dass Grafik hergestellt wird

JavaFX bietet einige grafische Elemente, mit denen man so ein Rätselmodul aufpeppen kann. Man kann sie auch alle leicht vergrößern, verkleinen, drehen, sich bewegen lassen:

Das Projekt befindet sich noch in einem Rohstadium. Ich weiß noch nicht, wie ich die einzelnen Module am besten zusammenfügen soll. Soll das Spiel aus sein, wenn man ein Modul vergeigt? Oder wird das dann einfach beendet und gesperrt und man kriegt Punktabzug? Soll es einen globalen Timer geben? Vorläufig habe ich ein Modul als Startseite, über das man auf andere, zufällig ausgewählte Module gelangt, von denen aus kann man zurück, wenn man das will:

Einsatz in der Schule: Mir gefällt die Idee, dass jedes Programmierteam ein Modul erarbeitet, die danach zu einem Spiel zusammengetragen werden. Viel müssen die Schüler und Schülerinnen eigentlich nicht können: Ein Objekt erzeugen und in einem Attribut speichern, Methoden des Objekts aufrufen, eine Unterklasse anlegen, eine Methode implementieren void empfangeKnopfdruck(int knopfnummer) – und vermutlich bedingte Anweisungen, um das sinnvoll machen zu können. Trotzdem war ich zu früh dran mit dem Ausprobieren mit meiner Klasse; das erfordert halt doch mehr Abstraktionsvermögen und Programmiererfahrung, als man meint. Inzwischen hat die Klasse einfache Zustandsautomaten programmiert und ist mit if und if else vertrauter; vielleicht komme ich noch einmal darauf zurück. Die JavaFX-Grafikklassen erstelle ich übrigens mit dem Java-Editor, sie erfordern dann nur wenig Anpassung, um sie zu ModulGUI-Unterklassen machen zu können. Der Auftrag dazu für die Schüler und Schülerinnen: Erstelle eine Skizze, wie die (quadratische) Grafikoberfläche für dein Modul aussehen soll, welche Knöpfe oder Felder du darin gerne hättest, und welche Methoden dir das Objekt zur Verfügung stellen soll, damit du die Oberfläche auf die gewünschte Weise verändern kannst.

(Hilfsmethoden, die die Klasse Modul zur Verfügung stellt: Abspielen von mp3-Dateien, Erzeugen von Tönen, Verzögertes Ausführen einer Methode, Countdown.)

– In den Sommerferien komme ich hoffentlich endlich mal dazu, meine ganzen Programmierprojekte für die 10. Jahrgangsstufe ordentlich bei github oder so einzustellen und in einem Mebiskurs zu präsentieren.

Rehpastete

Nach ersten Versuchen mit Terrinen und Pasteten schenkte mir Frau Rau vor zwei Jahren dieses Pastetenkochbuch:

Es ist aus dem Jahr 1980, der erste Band der Teubner Edition im Verlag Gräfe und Unzer, von Friedrich W. Ehlert, Edouard Longue, Michael Raffael und Frank West; Fotos von Christian Teubner. Die Bücher dieses Verlags und des Fotografen kannte ich schon, insbesondere Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie begleitet mich seit 1982 (Blogeintrag).

In den Osterferien hatte ich Zeit, ein erstes der Rezepte darun auszuprobieren: Die Rehpastete. Hier halte ich mal für mich und die Zukunft fest, wie das mit der Pastete geht.

Kurzer Überblick:

  1. Man braucht die richtige Form für die Pastete.
  2. Man erstellt, wenn man Osterferien hat, eine dicke Sauce für den Geschmack.
  3. Man präpariert die Füllung aus mehrfach durchgedrehtem Fleisch und Rehfilet (und der Sauce).
  4. Man macht einen Mürbteig und stellt den kalt.
  5. Man baut alles zusammen,
  6. bäckt die Pastete,
  7. und füllt sie mit Madeiragelee.

1. Die Form

Frau Rau hat mir auch eine schöne Pastetenform geschenkt. Die besteht aus zwei Seitenteilen und einer Unterseite; die zwei Seitenteile steckt man mit zwei Stiften zu einer Form zusammen, die man dann auf das Unterteil schiebt. Der große Vorteil: Man kann die Form, wenn die Pastete fertig ist, behutsam auseinanderbauen, ohne die Pastete heraushieven zu müssen. Wenn man nur eine Terrinenform aus Keramik hat, kann man in diese wohl vor dem Auskleiden mit Teig ein Blatt Backpapier (nur über die Längsseiten) einfalten, so dass die Papierseiten herausschauen: an denen zieht man dann die ganze Pastete, wenn sie fertig ist, aus der Form. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

2. Einen Fond herstellen, vielleicht

Gefüllt wird die Pastete später mit einer Farce und angebratenem Rehfilet. Das Rehfilet wird mit einer dicken selbst gemachten Sauce eingestrichen. Das macht sicher etwas für den Geschmack aus, aber ich kann mir vorstellen, dass man diesen Schritt – so wichtig er dem Kochbuch ist – für den Anfang auslassen kann.

  • 1 kg Wildknochen in eine Bratraine mit ein paar Esslöffeln Öl geben, bei 250°C im Ofen 15 Minuten rösten
  • 1 Zwiebel, 1 Karotte hacken, dazu geben, weitere 20 Minuten rösten
  • dazwischen 30g Tomatenmark dazu geben
  • mit Wasser ablöschen und den Satz schön lösen
  • alles zusammen in eine große Schüssel umfüllen
  • mit 2 1/2 Litern Wasser auffüllen, 2 Stunden simmern lassen
  • im letzten Drittel der Kochzeit dazu geben: Stück Sellerieknolle, Stück Lauch (weiß), Lorbeerblatt, Thymian, Petersilie, 2 Schalotten in Scheiben, 1 Knoblauchzehe, 8 Wacholderbeeren, 8 Pfefferkörner (weiß), 1 TL Salz – was so da ist, ich habe mich nicht ganz genau daran gehalten
  • danach passieren und noch ein bisschen einkochen lassen

Das gibt einen dunklen Wildfond, viel mehr als man für eine Pastete braucht. Rest einfrieren.

3. Die Farce und Füllung

Das ist das schwierigste bei der Pastete, denke ich. Man erstellt die eigentliche Farce, in die mengt man dann noch Pistazien und Zeug, und brät noch ein paar Rehfilets an dazu. Ich hatte am Ende für meinen Geschmack viel zu wenig Farce und zu viel Rehfilet. Wegen meiner bräuchte ich gar kein Rehfilet in der Pastete, Farce allein reicht. Deshalb würde ich beim nächsten Mal eineinhalb mal so viel Füllung machen, auch auf die Gefahr hin, dass dann welche übrig bleibt.

  • 140g g Rehfleisch (lieber mehr!)
  • 140 g Schweinefleisch (lieber mehr!)
  • 160 g frischer, „grüner“ Speck (lieber mehr!) – gesalzener weißer Speck tut’s aber auch
  • 5 Wacholderbeeren, Schale von 1/2 Zitrone und 1/2 Orange, etwas Pastetensalz (wohl auch mehr, wenn mehr Fleisch)

(Pastetensalz: Salz mit Pastetengewürzen drin. Das Kochbuch geht davon aus, dass man das kaufen kann. Ich habe gegoogelt und letztlich Salz gemischt mit: Muskat, Muskatblüte, Pfeffer, Paprika, Thymian, Majoran, Nelken, Ingwer, Wacholder, Piment. Nicht im Haus: Basilikum, Liebstöckel, gemahlener Lorbeer.)

Das Fleisch so gründlich wie möglich putzen, alles irgendwie Sehnenartige weg. Fleisch und Speck in Streifen schneiden und würzen. Dann den Speck einmal durch den Fleischwolf (kleinste Scheibe, habe mir extra eine dafür gekauft), das Fleisch zweimal.

Sieht am Ende so aus:

Zwei Dinge muss man beim Durchdrehen des Fleisches beachten: Jede kleine Sehne und jedes Häutchen verstopft den Fleischwolf ein bisschen. (Zumindest meinen nicht elektrischen.) Man macht es sich also wirklich leichter, wenn man das Fleisch vorher gut putzt. Zweitens: Das alles muss möglichst kalt geschehen. Ich orientiere mich hier sehr am Pastetenbuch: Das Eiweiß des Fleisches ist es, das am Ende dafür sorgt, dass die gebackenen Farce zusammenhält, also bindet. Dazu darf das Eiweiß vorher nicht erhitzt werden. Beim Durchdrehen durch den Wolf erhitzt es sich aber. Also: Immer wieder in den Kühlschrank zwischendurch, und die Schüsseln gerne mal auf Eiswürfeln platzieren, wenn und wo es sich machen lässt.

Der durchgedrehte Speck und das Fleisch werden dann gemischt und laut Kochbuch durch ein Sieb gestrichen, aber irgendwann muss Schluss sein, das habe ich nicht mehr gemacht. Hinein kommen noch (laut Rezept, für die Rezeptmenge an Fleisch, in Klammern meine Ergänzungen):

  • 30 g Pistazien, gehackt (kann man so lassen, wenn mehr Füllung, dann vielleicht ein bisschen mehr)
  • 50g gekochter Schinken, gewürfelt (weglassen)
  • 50g Pökelzunge, gewürfelt (beibehalten, eventuell dann ein bisschen mehr)
  • 20 g Trüffeln, gewürfelt (weglassen)

Damit hat man dann die Farce. Dazu kommt noch die Fleischfüllung:

  • 2 Rehfilets (insgesamt 250 g, gerne weniger) mit Pastetensalz in Öl kurz anbraten, aus der Pfanne nehmen
  • in der gleichen Pfanne 25 g Schalotten (oder Zwiebeln, was da ist) in 1 EL Butter anschwitzen, mit 2cl Weinbrand ablöschen, dazu 0,12 l des Rehfonds
  • dazu 4 Wacholderbeeren, abgeriebene Schale einer 1/2 Orange udn 1/2 Zitrone
  • einköcheln zu einem Jus und über die Rehfilets geben

4. Der Mürbteig

Das Rezept aus dem Kochbuch war gut, die Menge reicht für mehr als die Form, so dass man sich keine Sorgen machen muss:

  • 400 g Mehl
  • 200 g Butter (kalt, in kleinen Stücken)
  • 6 g Salz
  • 1 Eiweiß
  • 5-8 Esslöffel Wasser

Daraus stellt man einen Mürbteig her. Entweder nach englischer Methode („rub the butter in“), oder sonstwie. Für den ersten Versuch reicht es, alles in eine Schüssel zu geben und zu vermischen. Am Anfang wirkt der Teig zu trocken, und man kann sicher noch ein bisschen Wasser dazu geben – aber nicht irre machen lassen, da wird nach kurzem, aber kräftigem Kneten doch noch ein glatter Teig draus. In Klarsichtfolie wickeln oder eine übrige Plastiktüte oder sonstwie abdecken und eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

5. Das Zusammenbauen

Das Auskleiden: Den Teig flach ausrollen, 2mm dick, zu einer Scheibe, so lang und hoch wie die ausgeklappte Form:

Dabei die Ecken nicht wegschneiden! Zum Einfüllen die Terrinenform buttern und die Teigplatte zweimal auf der langen Seite falten, erst ein Drittel auf das mittlere Drittel, dann das andere Drittel wieder in die Mitte. Sieht dann im Querschnitt so aus:

Wenn das erst mal in der Form ist, faltet man das auseinander und kleidet die Form aus. Dabei nicht mit den Finger andrücken, schon gar nicht mit ungeschnittenen Fingernägeln, sondern eine kleine Kugel Teig nehmen und die quasi als Stempel nehmen und damit den Teig an die Wände drücken. Auf die Ecken besonders achten.

Das Füllen: Eine Schicht Farce in die Pastete geben, am Rand etwas hochziehen, so dass in der Mitte eine Art Rinne entsteht. Dort das Rehfilet hinein, mit Jus betröpfeln, mit der restlichen Farce auffüllen.

Das Deckeln: Die überstehen Seitenränder zuklappen. Der Teig oben soll – anders als im Buch angegeben – nicht zu weit in die Mitte ragen. Aber mit Ei bestreichen, denn auf das ganze kommt jetzt noch eine dünne Teigschicht als Deckel. (Es ist doch noch Teig übrig, oder?) Darauf dann ein oder zwei Kamine (mit Alufolie zum Freihalten) und Deko – Gabelmuster, Röllchen, Blätter. Ich bin noch die auf die IDee gekommen, dazu mit Förmchen etwas auszustanzen, aber das klingt gut.

Alles mit verkleppertem Ei oder Eigelb bestreichen.

6. Das Backen

Bei 220 Grad für 15 Minuten backen (Ober- und Unterhitze), dann auf 180 Grad reduzieren und weitere 35 Minuten. Und dann noch einmal acht Minuten, weil man Angst vor nicht ganz durchgegartem Fleisch hat.

7. Das Gelee

Am nächsten Morgen, oder jedenfalls wenn die Pastete schön kalt ist, bereitet man das Madeiragelee zu. Ich habe das so gemacht:

  • 6 Blatt Gelatine für 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen
  • 200 ml Wildfond (oder Geflügel, oder was halt da ist) und 100 ml Madeira erwärmen, aber nicht kochen; vom Herd ziehen
  • die Gelatine ausdrücken und in die Flüssigkeit einrühren
  • dann am Topf lauern und immer wieder umrühren: irgendwann gibt es diesen Moment, nach zehn Minuten? später?, wenn die Mischung anfängt fest zu werden, und das zwar nicht furchtbar plötzlich, aber doch so schnell, dass man unbedingt ein Auge darauf haben muss
  • wenn die Mischung also fest wird, mit einem Trichter in die vorbereiteten Öffnungen einfüllen – wenn nichts ausläuft, hat man Glück gehabt (übrigens glaubt man, dass eh kein Platz für das Gelee in der Pastete ist; ist aber doch)

Entformt anschneiden und servieren:

Die Pastete war sehr lecker, nur hätte ich gerne etwas mehr Farce gehabt. Und ich hatte oben zu viel Teig, das sieht man auf dem Bild ganz gut. Aber sonst bin ich erst einmal sehr zufrieden.

Osterferienkochen

Schon zwei Wochen lang nichts gebloggt. Deswegen ein kurzes Lebenszeichen; die halbfertiggestellten längeren Texte brauchen noch etwas.

Während ich vor den Faschingsferien recht entspannt war, hatte ich die Osterferien dringend nötig. Die erste Arbeitswoche ist herum, ich habe:

  • Steuer für 2018 gemacht
  • eine alte Freundin angerufen, deren Kind – vielleicht – ins Lehrersein hineinschnuppern möchte
  • Englisch-Nachhilfe gegeben
  • drei Klausurvorschläge für Q12 Deutsch erstellt und weitergeschickt – Epikanalyse; alle fünf Kurse arbeiten zusammen und stellen die gleiche Prüfung (Epik, Lyrik)
  • mich mit einer anderen alten Freundin getroffen, deren Kind – vor ein paar Jahren – ins Lehrersein hineinschnuppern wollte
  • mich an die Auswertung eines Informatikwettbewerbs gemacht, den ich organisatorisch betreue; diesmal praktisch: Anmeldung über eine Mebis/Moodle-Datenbank mit einfachem Export der meisten Daten, Teilnehmerliste erzeugt und mit kurzem Skript für jeden automatisch ein Verzeichnis erstellt
  • ein paar Stunden in der Schule verbracht, um den letzten großen Stapel Respizienzen zu erledigen (eine bayerische Spezialität: die Fachbetreuungen sichten – nachträglich, und stichprobenhaft, und inzwischen immer, uh, stichprobenhafter – die Prüfungen der Kollegen und Kolleginnenen, ob lehrplankonform und angemessen und so weiter)
  • Deutsch-Schulaufgabe halb korrigiert, die andere Hälfte morgen
  • eine Mebis-Fortbildung angefangen
  • gekocht und gebacken:

Das sind die Reste einer gypsy tart. Habe ich im Guardian entdeckt: How to cook the perfect Gypsy tart (Felicity Cloake). Anscheinend ist das ein Nachtisch, häufig wohl ein Schulkantinen-Nachtisch, den in der Grafschaft Kent jeder kennt, und außerhalb davon niemand. Unten Mürbteig, oben… oben ein Gemisch aus viel Kondensmilch und viel Zucker und sonst nichts, und das wird wild aufgeschlagen, bis es ein bisschen schaumig ist, auf den gebackenen Boden gegeben und dann nochmal für 20 Minuten bei niedriger Temperatur zu Ende gebacken. Läuft dann auch beim Anschneiden ein bisschen aus und ist natürlich qietschsüß.

Auch vom Guardian: How to make the perfect bean burgers (Felicity Cloake). Bratlinge aus gekochten schwarzen Bohnen und Kartoffeln (und Koriandergrün, Limette, Paprika, Zwiebel, dicke Bohnen, Kreuzkümmel, Koriander). Lecker, aber gebraten auch nicht besser – lieber einfach als Füllung für Tortillas. (Bild oben: vor dem Braten.)

Einen ganzen Tag Kocharbeit hat mich die Rehpastete gekostet. Rehknochen und später Karotten und Zwiebeln anrösten, um daraus dann eine dickflüssige Sauce zu kochen:

Speck einmal und Reh- und Schweinefleisch zweimal durch die feinste Scheibe des Wolfs drehen:

In die Masse dann noch Pistazien, Schinken, Zunge, Trüffel, Zitronen- und Orangenschale. Mürbteig, angebratene Rehfilets, bestrichen mit der dicken Sauce, Deko dran und in den Ofen:

Nicht abgebildet: Das Ausgießen mit Madeiragelee. Angeschnitten wird erst am Wochenende, hält sich hoffentlich bis dahin – bin schon gespannt.

Bleibt noch zu tun in den Ferien:

  • Eltern und Schwiegereltern
  • Wanderung
  • Mebisfortbildung planen
  • Kolloquiumsthemen erstellen (Englisch)
  • Medienkonzept, weiterarbeit am

Nachtrag: Inzwischen ist die Pastete angeschnitten. Geschmacklich sehr gut, zu wenig Farce und zu viel Rehfilet für meinen Geschmack, und Teigdecke oben zu dick. Ich arbeite weiter daran.