Es war alles ein bisschen zu viel in letzter Zeit

Stretching yourself too thin, sagt man auf Englisch. Ich habe mir viel zugemutet in den letzten Monaten, und erst langsam lichtet sich das. Da ist natürlich die Schule, die anstrengend ist. Mündliche Schulaufgaben in Englisch in der elften Klasse im Januar. Und da das einstündige Fach Informatik in der 7. Jahrgangsstufe bei uns in Doppelstunden, dafür nur im ersten Halbjahr unterrichtet wird, habe ich im ersten Halbjahr auch diese zwei Stunden mehr Unterricht als im zweiten Halbjahr, so dass das sich das erst übernächste Woche entspannt, wenn dann endlich mal, irgendwann, ich weiß es nicht, das verschobene zweite Halbjahr beginnt. Außerdem gab es das Informatik-Praktikum mit diesmal gleich fünf Teilnehmern und Teilnehmerinnen, mehr als zuvor, das auch jetzt erst vorbei ist. Und die Vorlesung an der Uni im Wintersemester, ein letztes Mal; letzte oder vorletzte Woche Woche waren die mündlichen Prüfungen dazu. Ich habe das deutliche Gefühl, allem nicht gerecht worden zu sein – zu wenig für die Schüler, die Praktikumsleute, die Studierenden; aber es ging halt nicht mehr. Stretching yourself too thin. Ansprechpartner für Kollegen und Kolleginnen bin ich auch, aber das läuft wirklich gut nebenbei.

Außerdem ziehe ich mit Frau Rau um, wenn auch weitgehend im gleichen Haus. (Nur die Küche zieht in eine aushäusige Lagermöglichkeit.) Und mein Vater ist im Krankenhaus, auf Reha, im Krankenhaus, auf Reha, seit zwei Monaten oder mehr, und wenn die kritischen Momente, die es durchaus gab, jetzt überwunden scheinen, mache ich mir natürlich weiterhin Sorgen. Nächste Woche kommt er nach Hause, wenn alles gut geht.

Dann ist noch Umzug, und dann kann ich mich endlich wieder um die Pandemie kümmern.

Malen mit Zahlen in der Unterstufe

Nach dem Malen neulich brachte mich Michael Brenner auf die Idee, mal so richtig Malen nach Zahlen zu machen. In der Faschingswoche hatte ich meiner 6. Klasse keine Aufgaben aufgegeben, auch die Videokonferenz war freiwillig, dennoch waren die meisten da und wollten malen. Ich hatte kurz vorher ein gemeinsames Tabellendokument vorbereitet, in dem mit “bedingter Formatierung” Zellen abhängig von ihrem Inhalt eine bestimmte Formatierung bekamen – sprich: einen farbigen Hintergrund. Es gab nur 16 Farben zur Auswahl. Die Bereiche außerhalb des Malfelds wurden geschützt, so dass sie nicht verändert werden konnten, und damit auch nicht die Breite oder Höhe der Zeilen oder Spalten. Und dann malte die Klasse gemeinsam das:

Danach teilte ich meinen Bildschirm mit GIMP darin und bearbeitete auf Wunsch eine Abbildung der Mona Lisa: wie die mit 16 Farben aussehen würde, mit 4, mit 256; wie sie mit 100x100 oder 25x25 Pixeln aussehen würde. Pixelgrafiken sind Stoff in der 6. Klasse.

(Das ist übrigens alles nicht neu, das mit der Tabellenkalkulation; neu ist allenfalls das gemeinsame Bearbeiten.)

Für ein späteres Mal habe ich noch mehr Malen nach Zahlen vorbereitet:

Das Bild rechts unten ist die Mona Lisa, die es in 25x25 Pixeln nachzubauen gilt. Zur Verfügung stehen 16 Grautöne. Man kann das entweder als Aufgabe ohne Lösung präsentieren oder mit der Lösung nebenan – dann ist es tatsächlich Malen nach Zahlen, und man muss nur die Zahl in das korrekte Feld übertragen.

Warum so komische Zahlen und nicht wieder Zahlen von 0 bis 16? Könnte man natürlich auch machen, aber ich wollte die tatsächlichen Grauwerte, zwischen 255 (weiß) und 0 (schwarz), wie sie intern auch gespeichert werden. In der Bilddatei ist nämlich tatsächlich, etwas vereinfacht, eine 62 gespeichert, wo der Pixel dunkelgrau sein soll.

Warum überhaupt Grautöne und keine Farben? Weil ich nur 16 Farben anbieten will, mehr wären mir zu mühsam. Und da ich nicht für jedes Bild eine neue Palette aufmachen möchte – mit den 16 ursprünglichen bunten Farben lässt sich die Mona Lisa auf 25x25 Pixeln ja extrem schlecht abbilden. Mit einer Auswahl von 16 Farben, die genau auf die Mona Lisa zugeschnitten sind, ginge das viel besser – aber dann bräuchte ich eben für jedes Bild eine neue, optimierte Palette. Diese 16 Grautöne kann ich aber auch auf andere Bilder anwenden.

Wie ich vorgegangen bin: In GIMP die Mona Lisa ausschneiden, auf 25x25 Pixel verkleinern und die Farbpalette auf 16 Farben reduzieren. Dann in Grautöne umwandeln. Die im Bild verwendeten Farben speichere ich mir in einer Palette (das muss nicht manuell geschehen, GIMP kann aus einem gespeicherten Bild eine Palette erstellen). In Zukunft kann ich auf neue Bilder die gleiche Palette anwenden und somit meine Tabellenkalkulations-Datei wiederverwenden.

Die Bilddatei speichere ich im .png-Format. Der Grund: beim Speichern in .jpg wird die Palette wieder verändert, da jpg seine eigenen Vorstellungen davon hat, wie man eine Datei schön komprimiert. Das will ich aber nicht, da ich ja immer exakt die gleiche Palette möchte. Dann habe ich mir ein kleines Java-Programm geschrieben, das aus einer .png-Datei die Farbwerte für die einzelnen Pixel ausliest. (Welches Format .png dafür intern verwendet, ist egal – ich lade die Bilddatei und speichere für jeden Pixel den Wert in einem Array.) Das Ergebnis sieht dann so aus:

Binär:      10000110,01111100,01111100,01111100,01111100...
Hex:        86,7c,7c,7c...
Dezimal:    134,124,124

Dabei bedeutet letztlich “134”, dass dieser Pixel einen Rotwert von 134, einen Grünwert von 134 und einen Blauwert von 134 haben soll. Wenn die RGB-Anteile gleich sind, kommt immer ein Grauton heraus, und da es hier nur um Grautöne geht, brauche ich den Wert nur einmal zu verwenden.

Den Java-Export schreibe ich in eine .csv-Datei, die wiederum mit Libre-Office-Calc geöffnet wird. Dann muss ich die Zellen nur noch mit copy&paste in meine Vorlage übertragen.

Die Palette mit den 16 Farben sieht so aus:

Hex-RGB Dez
#161616	22
#1a1a1a	26
#202020	32
#272727	39
#323232	50
#3e3e3e	62
#4a4a4a	74
#555555	85
#616161	97
#6e6e6e	110
#7c7c7c	124
#868686	134
#929292	146
#a0a0a0	160
#ababab	171
#bdbdbd	189

Hier die Mona Lisa mit drei weiteren Bildern, alle mit der gleichen Palette aus den 16 Grautönen, alle 25x25 Pixel groß:

           

Also zumindest das letzte Bild lässt sich sicher gut nachbauen.

Meine Originaldatei ist webbasiert, es gibt zwar einen Excel-Export, den ich gerne zur Verfügung stelle, aber der funktioniert leider nur halbwegs, tut mir leid. Dass das Schützen der Zellen nicht geht, verstehe ich, aber leider hakt auch die bedingte Formatierung, der Kern des ganzen. (Nachtrag: Geht wohl doch einigermaßen!)

Das mit den Rot-Grün-Blau-Anteilen sieht man auch, wenn man sich den eigenen Monitor mal ganz genau anschau – da gibt es für jeden Bildpunkt auch drei separat und unterschiedlich stark leuchtende Rot‑, Grün- und Blau-Punkte:

(Da man am Monitor Bilder oft vergrößert oder verkleinert sieht, gibt es aber keine 1:1‑Entsprechung zwischen den gespeicherten RGB-Anteilen in der Datei und zu den Anteilen am Bildschirmpixel. Der Weg von den gespeicherten RGB-Werten zur Abbildung am Monitor ist ein komplizierter, man kann ja allein schon mal Kontrast und Helligkeit und Farmtemperatur am Monitor individuell einstellen, so dass man kaum exakt den gespeicherten Wert zu sehen kriegt – das ist dann etwas für Profis.)

Noch ein Nachtrag, damit auch wirklich mal alles an einem Ort gespeichert ist:

Romantische Bilder (Zusammenfassung von Twitter)

Deutsch, 11. Klasse, wir beginnen mit der Romantik. Als erstes geht es darum, den Begriff Romantik von der nicht-fachsprachlichen Bedeutung zu unterscheiden – romantisch, das sind auch Gebirge und Eismeer. Der Heiratsantrag mit roten Herzen ist es sogar überhaupt nicht, sondern geradezu philisterhaft:

Der erste, der fand ein Liebchen,
Die Schwieger kauft’ Hof und Haus;
Der wiegte gar bald ein Bübchen,
Und sah aus heimlichem Stübchen
Behaglich ins Feld hinaus.

(Joseph von Eichendorff, “Die zwei Gesellen” – der andere hat ein vielleicht romantischeres, aber kein besseres Schicksal.)

Dazu zeigte ich eine Sammlung von Varianten auf Caspar David Friedrichs “Der Wanderer über dem Nebelmeer”:

Hausaufgabe war, ein romantisches Foto hochzuladen. Ein Kerzenschein-Dinner war auch dabei, also war Wiederholung nötig; die meisten hatten aber Berge und Ferne und Wald und Nebel und diese Sachen. Und es gab selbst gemachte Screenshots aus Spielen:

Minecraft
Assassin’s Creed Odyssey
ARK Survival Evolved

Es ist sicher kein Zufall, dass diese Spiele diese Aussichten bieten, und liegt auch sicher nicht an einem lapidaren: “So sieht die Spielwelt halt aus.” Die Spielwelt sieht so aus, um Spielern und Spielerinnen diese Aussichten zu ermöglichen. Seit wann werden diese Aussichten als schön empfunden? Die Weite, und Ruinen vielleicht noch dazu?

Kurze Diskussion auf Twitter mit der wie stets ungemein kundigen @daszeiserl, die folgende erhellende Fundstücke beitrug. Erstens den Maler Claude Lorrain, ein Vorbild der romantischen Maler:

Und dann das hier:

Ein Claude-Glas (Wikipedia englisch) ist ein kleiner getönter, leicht konvexer Spiegel, in dem der vornehmlich, aber nicht nur, englische romantische Kenner die Landschaft hinter seinem Rücken betrachtete, die durch die Tönung einen besonders ästhetischen, an Claude Lorrains Bilder erinnernden Eindruck machte. Die Spiegel kamen so ab 1812 außer Mode, weil ihre Träger zu oft verspottet wurden.

Nun gibt es nicht nur in E. T. A. Hoffmanns “Der Sandmann” das Perspektiv, eine Art Fernrohr, durch das der unglückliche Nathanael seine Umwelt beobachtet, und durch das er seine Liebe Olympia sieht – die tatsächlich nur eine Puppe ist, ein Automat. Aber das Perspektiv hat Nathanaels Wahrnehmung verändert. Und das will ja auch die Romantik:

Die Welt muß romantisiert werden. […] Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe so romantisiere ich es.
(Novalis)

Dass Hoffmanns Held an dieser Wahrnehmung scheitert, ist eben ein Problem der Romantik.

In Hoffmanns Novelle “Das öde Haus” geht es etwas glimpflicher aus für den Helden. Er ist fasziniert von einem verlassenen Haus in einer belebten Berliner Straße und einer jungen Frau, die er gelegentlich in einem Fenster zu sehen meint. Er kauft von einem Händler einen Taschenspiegel, um durch diesen das Haus unauffälliger von der Straße aus beobachten zu können. Und auch er sieht jetzt mehr, Geheimnisvolleres, als zuvor:

Ich erblickte das öde Haus hinter mir, das Fenster und in den schärfsten deutlichsten Zügen die holde Engelsgestalt meiner Vision. – Schnell kaufte ich den kleinen Spiegel, der mir es nun möglich machte, in bequemer Stellung, ohne den Nachbarn aufzufallen, nach dem Fenster hinzuschauen. – Doch, indem ich nun länger und länger das Gesicht am Fenster anblickte, wurd ich von einem seltsamen, ganz unbeschreiblichen Gefühl, das ich beinahe waches Träumen nennen möchte, befangen. Mir war es, als lähme eine Art Starrsucht nicht sowohl mein ganzes Regen und Bewegen als vielmehr nur meinen Blick, den ich nun niemals mehr würde abwenden können von dem Spiegel. […] Eiskälte bebte durch meine Adern – ich wollte den Spiegel von mir schleudern – ich vermocht es nicht – nun blickten mich die Himmelsaugen der holden Gestalt an – ja ihr Blick war auf mich gerichtet und strahlte bis ins Herz hinein. Jenes Grausen, das mich plötzlich ergriffen, ließ von mir ab und gab Raum dem wonnigen Schmerz süßer Sehnsucht, die mich mit elektrischer Wärme durchglüht.

Auch diese Frau ist nicht echt, sondern nur ein Gemälde, das er für lebendig hält. Da muss doch doch das Claude-Glas Pate gestanden haben!

Kleiner Anhang

Meine Schüler und Schülerinnen konnten zwischen verschiedenen Aufgaben wählen; eine war, den Wikipedia-Artikel zur Romantik zu lesen und dazu Fragen zu stellen. Unter “Einflüsse und Auswirkungen der Romantik” steht da ein Zitat von Rüdiger Safranski, das belegt, dass die Romantik bis heute Auswirkungen hat – aber erklärt wird das Zitat dort nicht. Eine Schülerin fragte also, was es denn heiße: “Das Romantische gehört zu einer lebendigen Kultur, romantische Politik aber ist gefährlich.” Was ist romantische Politik?

Ich weiß ja auch nicht, wie das Safranski gemeint hat. Romantische Politik im Gegensatz zu realistischer Politik, Utopie im Gegensatz zu Pragmatismus? Vermutlich. Oder es geht um den philosophischen Ansatz der Romantik – den Gedanken, dass hinter unserer Realität eine tiefere, wirklichere steckt, die wir nicht erkennen, wenn wir ungeübt sind? Der Ansatz mag verlockend sein, führt aber nicht nur Hoffmanns Helden ins Unglück, sondern auch in den Verschwörungsmythos. Pizzagate! QAnon! Reptiloiden! Geheime Weltschwörungen in dunklen Hinterzimmern, vielleicht auch noch mit coolen Masken!

Geheimbünde und Intrigen sind ein Merkmal der englischen Schauerromantik. Im Deutschen gab es wohl auch viele Romane dazu, aber alles eher trivial und daher nicht mehr im Kanon. Aber selbst Schiller hat (unvollendet, wie romantisch…) einen Thriller geschrieben, “Der Geisterseher” (Blogeintrag), um mysteriöse Vorkommnisse um einen edlen Prinzen in Venedig (der romantischen Stadt schlechthin), scheinbare Magie, dann aber doch nur Tricks eines Geheimbundes, der ihn manipulieren will. – Warum Geheimbünde? Die tauchten in der Aufklärung auf. Unabhängigkeit von Autoritäten! In Frankreich bereiteten die Jakobiner (benannt nach einem Club) die Revolution vor. Und lenkten danach die Geschicke? Das behaupteten manche, ähnlich wie die Illuminaten (Blogeintrag).

Malen mit langem Pinsel

Am Anfang mancher Videostunde in der 6. Klasse Informatik, aber auch in anderen Klassen, wenn ich gerade ganz wichtige organisatorische Sachen erkläre, poppt im Chat die Frage auf: “Dürfen wir malen?”

Alle meine Videostunden beginnen mit einer Folie, auf der nur das Datum steht. (Manche andere Lehrkräfte machen kaum mehr, als ihren Bildschirm zu teilen, und zwar rein als Tafelersatz mit dem eigenen Textverarbeitungsprogramm. Dabei gäbe es auch da so viel mehr Online-Möglichkeiten, ohne dazu den Bildschirm teilen zu müssen. Ach, ich geb’s bald auf.) Das heißt, auf der Folie ist immer auch Platz zum Malen, absichtlich, und weil ich meinen Schülern und Schülerinnen gezeigt habe, dass das geht, wollen die nebenbei lieber malen, als nur mir zuzuhören. Was ich völlig verstehe. Das ist dann eigentlich immer buntes Durcheinander und wilde Kritzelei.

Da fiel mir das hier ein, ein Projekt aus dem großen Web-Forum Reddit vor ein paar Jahren. Hier Details. Die Kurzfassung: Es gab eine weiße Leinwand, und jeder Nutzer, jede Nutzerin konnte alle paar Minuten 1 Pixel davon bemalen – man sendete x- und y‑Koordinate und Farbe, und dann erschien der Pixel. Man konnte bereits gemalte Bildpunkte übermalen, wie man wollte, nur halt immer nur im Abstand von ein paar Minuten pro Mixel. Was für ein Kunstwerk würde nach oder im Ablauf der vorgesehenen Zeit entstehen?

Nun, hier ist das Kunstwerk, im Zeitraffer:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
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Diesen Video oder eine ähnliche Fassung zeigte ich der Klasse, spontan, mit Betonung der Kooperation. Die Details habe ich nicht erklärt, das wäre zu viel, dass also wirklich alle Pixel unabhängig voneinander entstanden, oder jedenfalls nach Absprachen außerhalb der Zeichenfläche, in irgendwelchen Foren.

Dann bildete ich Gruppen aus jeweils fünf Schülern und Schülerinnen, und sie sollten mir jeweils ein Bild malen, im BBB-Breakout-Raum: Haus mit mit Bäumen war das Thema. Zeit: 10 Minuten, und davor sollten sie rechtzeitig einen Screenshot machen und speichern, damit sie das Ergebnis danach den anderen zeigen konnte. Absprachen über Mikrofon, oder sonstwie, aber Mikrofon am praktischsten. Kapiert? Kapiert.

Ein Ergebnis, per E‑Mail an mich geschickt.

Wie man Screenshots macht und dass man die speichern muss, besprachen wir kurz; trotzdem haben einige Gruppen nicht mehr daran gedacht. Spaß hatten aber alle. Und dass man Screenshots nicht dann macht, wenn die Kameras an sind, dass heimliches Mitfilmen oder Aufnehmen von Ton verboten und keinesfalls ein Kavaliersdelikt ist, und dass auch Eltern nicht heimlich mitschauen dürfen.

Als Gruppenarbeit nicht schlecht, und die eigentlich vorbereitete Stunde kann ich dann immer noch nächstes Mal halten. Als Füller, für wenn ich mal keine Lust habe, kann ich jetzt jedenfalls einen Wettbewerb ausrufen: welches Team schafft in knapper Zeit das beste Bild zu einem Thema? Dafür nehme ich in Kauf, dass die Schüler und Schülerinnen dann vielleicht auch bei anderen Lehrkräften malen wollen.

Schulbuch-Hörverstehensübungen im Distanzunterricht

Kurze Warnung: Bin juristischer Laie und berate hier nicht.

1. Urheberrecht und Schulbuch-Hörtexte

Aus den meisten Druck-Büchern darf ich einen bestimmten Teil kopieren und meines Schülern und Schülerinnen zukommen lassen. So will es das Urheberrechtsgesetz, beziehungsweise wollten es die einstigen Urheberrechtsgesetzwollenden. Ausnahmen sind allerdings Musikwerke und Werke für den Unterrichtsgebrauch. Für die soll dafür immer eine eigene Regelung getroffen werden.

Und diese eigene Regelung wird auch getroffen und alle paar Jahre neu verhandelt. Das ist der “Gesamtvertrag Vervielfältigungen an Schulen” zwischen den Bundesländern und Rechteinhabern oder deren Vertretern wie VG Wort, VG Musikedition, Bildungsmedienverlage und anderen. Der aktuelle Vertrag gilt für vier Jahre, die Länder zahlen – ich weiß nicht, wie viel; für den Zeitraum der vier Jahre zuvor waren es wohl 54,4 Millionen Euro. (In der aktuellen Fassung auf den Seiten des Bayerischen Kultusministeriums stehen keine Summen im Vertragstext.)

Der Vertrag klärt zusammen mit dem Urheberrechtsgesetz:

  • Darf ich gescanntes Material von einem Schulwerk meinen Schülern und Schülerinnen digital zur Verfügung stellen? Ja, bei abgegrenztem Personenkreis und nur zu einem kleinen Teil des Gesamtwerks – hätte ich gedacht. Im Gesamtvertrag steht: “Das Recht zur Herstellung von digitalen Vervielfältigungen von analogen Unterrichtswerken wird im selben Umfang gewährt, soweit es sich um Unterrichtswerke handelt, die ab dem Jahr 2005 erschienen sind. Die Vervielfältigungen dürfen nur von den Lehrkräften für ihren eigenen Unterrichtsgebrauch hergestellt und an ihre eigenen Schüler verteilt werden.” Allerdings schreibt unser Ansprechpartner bei Klett: “Das Einscannen, hochladen und digitale weiterleiten von gedruckten Schülermaterialien ist ebenfalls nicht erlaubt, weil hierfür die rechtlichen Grundlagen fehlen.” Das verstehe ich nicht.
  • Darf ich eine Audiodatei von einem Nichtschulwerk meinen Schülern und Schülerinnen digital zur Verfügung stellen? Ja, bei kleinen Werken bis 5 Minuten, alternativ bis zu 12% oder maximal 5 Minuten, nur abgegrenzter Personenkreis.
  • Darf ich eine Audiodatei von einem Schulwerk meinen Schülern und Schülerinnen digital zur Verfügung stellen? Nein.

Hat das der Gesetzgeber so bezweckt? War das den Vertragsparteien klar? Ich glaube mal, dass nicht, dass die einfach verschlafen haben, dass es so etwas wie Audio-Schulmaterial gibt. Denn das gibt es nämlich, die Fremdsprachenwerke sind voller Hörverstehensübungen.

Und die Fremdsprachenlehrkräfte stehen jetzt im Distanzunterricht blöd da. Wie sollen die SuS an die Hörverstehensaufnahmen kommen? Ich kenne zwei Möglichkeiten:

  1. Auf Mebis hochladen. Das wäre vermutlich illegal, selbst wenn man das nur immer in kurzen Zeitslots einer Klasse zur Verfügung stellt und danach wieder entfernt. Es gibt verschiedene Aussagen von verschiedenen Verlagen (aber auch verschiedene Aussagen vom gleichen Verlag), was aus Kulanzgründen unter welchen Bedingungen gestattet wird. Belastbare Erlaubnisse kenne ich keine.
  2. In Videokonferenzen live vermitteln, indem man die Lautsprecher einigermaßen nah ans Mikrofon hält. Das ist wohl legal. Aber die Tonqualität ist nur befriedigend. Das reicht natürlich halbwegs aus. (Das gilt wohl auch, wenn man den lokalen Systemsound zum Mikrofonsound dazumischt und den dann in die Videokonferenz schickt.)

Exkurs: Wieso wehren sich Verlage so dagegen, ihr Material in leicht verwendbarer Form zur Verfügung zu stellen? Ich denke insbesondere an Klett; vielleicht sind andere Verlage anders. Was ich brauche: Eine Pdf-Datei mit dem Buch und ein Verzeichnis mit sinnvoll benannten Pdf-Dateien. Was ich kriege: Einen dDUA (dämlichen digitalen Unterrichtsassistenten), der umständlich zu bedienen ist, aber – zugegeben – bei Kollegen und Kolleginnen gut ankommt, die alles in einer Oberfläche haben wollen und durch das Arbeiten mit Verzeichnissen verwirrt werden. Warum ist das nicht einfacher zu bedienen? Warum, rechtliche Frage, darf ich die Dateien nicht hochladen? Der Verlag deutet an, das habe etwas mit den Verträgen zum Beispiel mit den Schauspielern oder dem linzenzierten Material in den Hördateien zu tun. Ich bin da skeptisch. Geht es darum, dass die Schulen dann weniger Lehrkraft-Bände kaufen, wenn sie die Dateien digital leichter tauschen können? Aber, das können sie doch jetzt schon. Kaufen die Schüler:innen dann weniger Lehrkraft-Bände? Beschweren sich die Lehrkräfte, wenn Eltern und Nachhilfeinstitutionen und SMV dann Aufnahmen horten? Mir fällt echt kein guter Grund ein.


2. Audiodateien in einer Cloud zum Streamen zur Verfügung stellen

Ich weiß noch eine weitere Möglichkeit, Audio- und auch Videomaterial zur Verfügung zu stellen. Aber die ist vermutlich auch nicht legal? Ich bin kein Fachmann. Und zwar: vom eigenen Server zu festen Zeitpunkten streamen dergestalt, dass es schwer ist, die Datei digital zu kopieren. Da gibt es sicher verschiedene Lösungen. Wenn man ein Synology-NAS mit der entsprechenden Software hat, kann man Audiodateien in die App “Audio Station” hochladen. Das kann man so einstellen, dass nur ein kleiner Personenkreis die Dateien überhaupt hochladen kann, und ein vielleicht etwas größerer Zugriff darauf hat. Wenn man Zugriff darauf hat, sieht das wie jedes anders Musikdatei-Verwaltungsprogramm aus. Man kann sich alle Tracks eines Albums zeigen lassen:

Und dann kann man, also technisch, und wenn man die Systemberechtigung dafür hat, so eine Datei auch für die Öffentlichkeit freigeben:

Dann erhält man einen Link, den man mit der Öffentlichkeit oder einem kleinen Teil davon teilen kann:

Dieser Link ist je Nutzer:in individuell, also Nutzer A kann eine Datei freigeben und erhält einen Link, wenn Nutzerin B dieselbe Datei freigibt, erhält sie einen anderen Link, und das öffentliche Teilen kann man unabhängig voneinander ein- und ausschalten.

Dann könnte man eine Datei freigeben, also theoretisch, und der Öffentlichkeit, etwa einer Klasse in einer Videokonferenz, den Link schicken, sie ein paar Minuten die Datei anhören lassen, und danach die Freigabe beenden. Für die Schüler und Schülerinnen sähe das im Browser dann so aus; sie könnten unabhängig voneinander auf Play und Pause und soweiter klicken, die Datei aber nicht mit einfachen Mitteln herunterladen:

Ist das legaler als das wohl verbotene Hochladen auf Mebis? Dort kann man ja auch eine Datei nur kurz sichtbar schalten, anhören lassen, dann auf unsichtbar schalten. Auch dort ist das Herunterladen erschwert, aber natürlich keinesfalls unmöglich oder auch nur besonders schwer. Also: Vermutlich nicht erlaubt? Aber schick.

(Ich bin sicher, dass es auch andere, einfachere Möglichkeiten gibt, Dateien zu streamen. Das kann ja jeder Windows- oder Raspberry-Rechner zuhause, wenn man den fürs Internet öffnet. Was man übrigens nicht tun sollte, wenn man sich nicht auskennt.)

Virtuelle Video-Woche und die erstaunliche Frage, ob Lehrkräfte ihre Kamera auch mal ausmachen dürfen

Videos in der Videokonferenz

Mit der zehnten Klasse ein bisschen die ersten fünfzehn Minuten der Unterrichtsstunde von Herrn Böhmermann: geguckt:

Für Erwachsene zumindest eines gewissen Alters cringeworthy und lustig. Für die Schüler:innen tatsächlich eher so mittel. Keine Fans dabei, anscheinend.

Das meiste davon ist Karikatur und zumindest an meiner Schule überholt. Tageslichtprojektoren wie den im Eck gibt es bei uns nicht mehr. (Warum haben die alle so orange Kabel? Warum hat nichts sonst so orange Kabel?) Meinen Namen habe ich seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr an die Tafel geschrieben. “7 Minuten habt ihr jetzt zum Lösen der Aufgaben” – was ich für eine Armbanduhr hielt (habe ich auch schon lange nicht mehr, alles mit dem Handy), identifizierten Schüler gleich als Smartwatch, auf der Lehrer Böhmermann die Zeit einstellt. Armbanduhr wäre passender gewesen. Tee und Korrektur nebenbei kenne ich auch nicht.

Lustig fand ich aber die leeren Phrasen. Die Wiederholungen. Klar, man ist es gewohnt, dass viele Schüler und Schülerinnen nicht zuhören und man alles dreimal sagen muss, und die Schüler:innen sind es auch gewohnt. Lustig, dass die angekündigten 7 Minuten halt doch länger waren, wie sie es gerne mal sind. Lustig das sinnlose Tafelputzen, nah an der Realität. Die ungenauen Fragen, das “einfach mal”, “einfach reinrufen”, “spontan”, das belanglose “richtig” und “super”.


Partnerprüfung in der Videokonferenz

An drei Nachmittagen anstregende mündliche Prüfungen in englischer Konversation abgehalten, jeweils zwei zu Prüfende mit monologischem und dialogischem Teil, dazu zwei Lehrkräfte. Anstrengend, weil das immer anstrengend ist – online aber tatsächlich weniger als in der Schule. Da haben dann mal die Schüler:innen die Kamera an, wenn sie sich miteinander unterhalten, und die Lehrkräfte haben sie aus.


Wer die Kamera anhat und wer nicht in der Videokonferenz

Und so hielt ich es an einem weiteren Tag mit einem Referat in der Oberstufe: Da musste der Referent die Kamera anschalten, seine Präsentation zeigen, und ich schaltete meine Kamera aus – nachdem ich andere im Kurs gebeten hatte, ihre Kamera anzumachen, wenn nichts Dringendes dagegen spräche. Und so hatten dann auch sechs oder so ihre Kamera an.

Denn bei Video-Unterrichtssitzungen ist es meist so: Die Lehrkraft hat die Kamera an (vermutlich freiwillig, ich kenne mich da rechtlich nicht aus, ist aber in meinem Kollegium wohl kein Problem), die Schüler und Schülerinnen haben sie aus (rechtlich wohl in Ordnung – teilnehmen müssen sie, zum Bild zwingen kann man sie wol nicht). Auf Wunsch machen etliche Schüler und Schülerinnen aber doch stets die Kamera an.

Das wird viel diskutiert. Ich finde es völlig verständlich, wenn die Schüler:innen die Kamera lieber aus haben. Dann kann man gähnen, sich kratzen, Augen rollen, Suppe schlürfen, im Bett liegen. Und leichter chatten, surfen, was man halt so nebenbei macht. Ohne Kamera ist es angenehmer, und ich will es so angenehm wie möglich für die Schülerinnen und Schüler machen. (Deswegen muss sich auch niemand melden wie wohl bei anderen Sitzungen üblich. Die sollen reinrufen, wie in einem Team, sofern nicht zu viel Durcheinander ist. Zu viel Durcheinander ist übrigens nicht.) Aber ich würde mich da jederzeit an Hausregeln halten, so wichtig ist mir das alles nicht.

Ich war überrascht, auf wie viel Unverständnis mein Verhalten, also bei einem Oberstufenreferat die Kamera auszuschalten und den Referenten nur Mitschüler:innen sehen zu lassen, auf Twitter stieß. “Ich habe meine Kamera immer an” sagten alle Lehrkräfte, und es schien geradezu skandalös, das anders zu halten. Ich verspreche auch ernsthaft, in mich zu gehen, aber ich gestehe: Ich habe die Kamera nicht immer an.

  • Bei einer Konversationsprüfung, wo sich zwei Prüflinge miteinander unterhalten sollen zu einem bestimmten Thema. Da käme mir mein Bild neben den beiden unpassend vor. Habt ihr da die Kamera an?
  • Bei einer Art Fishbowl-Diskussion zwischen, sagen wir, Teilnehmenden und allen anderen als Beobachtern. Da käme mir mein Bild neben den vieren unpassend vor. Habt ihr da die Kamera an?
  • Auch bei Rollenspielen mit zwei Teilnehmenden würde ich mein Bild nicht zu denen gesellen. Ich mag ja Telefonanrufe im Englischunterricht, und aktuell ist die Situation doch prächtig, um nachgestellte Videokonferenzen in der Videokonferenz zu spielen – Verbindungs- und Verständigungsprobleme kann man da gleich spontan einbauen, falls sie sich ergeben. Da empfände ich mein Bild als störend. Aber eigentlich gibt es dafür ja ohne Gruppenarbeitsräume – nur vormachen muss man es sicher einmal vor allen.
  • Überhaupt, bei Gruppenarbeit in Breakout-Räumen: Da ist nicht nur meine Kamera aus, da bin ich dann oft gar nicht drin in den Räumen. Zählt das dann als “Kamera aushaben”? Ich kann technisch die Kamera in allen Räumen anhaben und nur einem Raum zuschauen und mitmachen – wäre so ein Big Brother nicht störend?
  • Nicht aus ist die Kamera, wenn ich meine Schüler bitte, meine Bildschirmfreigabe zu maximieren – kommt in Informatik immer wieder vor. Da sehen die mich auch nicht.
  • Und zuletzt eben beim Referat, je nach Jahrgangsstufe. Da ist es unglaublich wichtig, seine Ansprechpartner zu sehen. Aber das Zielpublikum sind aus Lehrkraftsicht die Mitschüler:innen. Aus Schülersicht nicht, klar – und dehalb schaut ein schlechter Referent im Klassenzimmer auch gerne mal ständig auf mich. Das führt dazu, dass ich mich betont verstecke. Ich finde, ich nehme den Schüler als Online-Referenten ernst, wenn ich nicht virtuell neben ihm zu sehen bin.
  • “Learning by teaching” – mache ich nicht, aber ist da auch die Lehrkraft neben den Schülern und Schülerinnen zu sehen? Das stelle ich mir komisch vor.

Sichtbare Aufmerksamkeit haben Schüler und Schülerinnen verdient. Aber doch nicht meine? Ich finde, sie sollen lernen, nach und nach für- und miteinander zu arbeiten, auch wenn ich verstehe, dass sie das erst einmal nicht tun. Ich halte es für schlecht und schädlich, wenn ich mich als Lehrkraft als Gesprächspartner beim Referat positioniere. Ich sehe mich, ganz ehrlich gern in der Kamera, viel lieber als auf Fotos, und ich schneide viel und vergnügt Grimassen. Aber ich finde es didaktisch sinnvoll, mich ab und zu zurückzunehmen und andere in den Vordergrund zu stellen. – Aber das muss alles nicht sein, ich bin gerne bereit, gründlich über all das nachzudenken.

Orangenmarmelade 2021 (und Cornish Pasties)

Wie jedes Jahr um diese Zeit wird aus dem hier:

das hier:

(Noch mit Wasser und Zucker und dem Saft der Pomeranzen dazu, versteht sich.)

Das war der Samstag. Am Sonntag machte ich Cornish Pasties. Immer wenn die Kartoffelkiste uns eine Steckrübe einsteckt, gibt es die. (Und manchmal auch ensaladilla russa, spanischen russischen Salat, aber nicht mitten im Winter.) Inhalt sind Steckrübe und Kartoffel aus dem Karotffelkombinat, dazu Zwiebel und Zwerchfell vom Rind. Nicht den Nierzenzapfen, sondern “die dünne Kron”, wie mein Metzger sagt. (Wenn man bei dem nach Kronfleisch fragt, heißt es: vom Schwein oder vom Rind? Dicke oder dünne Kron?)

(Die andere Hälfte des Stücks Kronfleisch gab es als Steak. 3 Minuten sehr scharf auf jeder Seite angebraten.)

Alle Bestandteile der Füllung würfeln, in Teig aus Schweineschmalz, Salz, Wasser und 550er-Mehl packen, mit Ei bestreichen.

“Drei große oder sechs kleine” cornish pasties sollen das sein. Ich will nicht wissen, wie große aussehen sollen. Notiert: Nächstes Mal etwas länger in der ersten Phase, bei höherer Temperatur, im Ofen lassen.

Was ist ein Mensch? Virtueller Hintergrund in BBB.

In Zoom oder Skype kann man virtuelle Hintergründe erstellen oder den tatsächlichen Hintergrund verschwommen darstellen lassen. Das ist schön, wenn man weniger Privates von sich preisgeben möchte, und oft noch schöner, weil man Scherze damit treiben kann.

Warum geht das mit BigBlueButton nicht?

Kurz: Ich vermute, das liegt daran, dass man für BBB keinen eigenen Client, also kein eigenes Programm installieren muss, sondern das einfach in einem Browser laufen lassen kann.

Lang: Da muss ich ausholen.

Also: Mit einem geeigneten Programm kann man berechnen, was man zeigen möchte – Gesicht, Oberkörper, Arme, den Menschen halt. Den Rest ersetzt das Programm dann einfach durch grüne Farbe oder ein anderes Bild oder stellt es verschwommen dar – dieser zweite Punkt ist relativ leicht umzusetzen, und das sieht dann so aus:

Hintergrund verschwommen.
Hintergrund durch Grafik ersetzt. (Die grün ist.)

Schwierig ist der erste Schritt: Was gehört eigentlich zum Menschen und was nicht? Wenn man zusätzlich zur Kamera einen Infrarotsender und ‑empfänger hätte, könnte man ein Signal senden und aus der Dauer bis zum abgestrahlten Empfang berechnen, wie weit ein Bildpunkt von der Kamera entfernt ist. Dann könnte man zumindest Vorder- und Hintergrund unterscheiden und das als Hilfsmittel heranziehen; in dieser Form macht das etwa die Kinect für die XBox.

Aber diese Information hat man nicht. Also kann der Computer nicht messen, was zum Menschen gehört, sondern muss das allein anhand der Pixel, der Bildpunkte, entscheiden. Und das ist gar nicht leicht. Wenn man mit einem Bildbearbeitungsprogramm versucht, automatisiert einen Menschen auszuschneiden oder auch ein anderes Objekt, dann merkt man, wie schwer das ist.

Ich habe mich gefragt, wie das funktioniert. Auf Twitter hat man mir den Tipp gegeben, dass Gesichtserkennung dahinter steckt, also ein Algorithmus, der Gesichter erkennen kann und dann anhand zusammengehörender Flächen entscheidet, was am Gesicht noch alles dranhängt. Das kann man ausprobieren, wenn man in diesem System a) ein Cthulhu-Plüschmonster oder ein Blatt Papier vor das eigene Gesicht hält (der ganze Körper verschwindet, weil kein Mensch mehr erkannt wird) oder b) eine Guy-Fawkes-Maske (alles bleibt, weil die Maske als Gesicht erkannt wird).

Kein Foto von dem Blatt Papier. Weil, wenn’s funktioniert, dann sieht man ja genau nichts.

Man kann das auch testen, indem man die Maske dreht. Ab einem bestimmten Winkel zählt sie nicht mehr als Gesicht und verschwindet völlig. Man kann das natürlich auch testen, indem man das eigene Gesicht vor der Kamera um 90 Grad dreht und auf die Seite legt, oder noch mehr – ich hab’s ausprobiert, man sieht aber etwas blöd dabei aus. (Und vielleicht stimmt das auch alles gar nicht und es geht nicht um Gesichter, sondern um, uh, eine andere Form von Körpererkennung.)

Dieses Berechnen, was Gesicht ist und was nicht, ist aufwendig und kostet Rechenzeit. Wer Skype oder Zoom benutzt, installiert dazu meist einen Client, und der führt auf dem eigenen Rechner diese Berechnungen durch, bevor das so entstandene veränderte Bild an den Server geschickt wird. Wenn man kein eigenes Programm installiert, so wie das bei BigBlueButton der Fall ist, dann müsste man das unmanipulierte Bild an den Server schicken (sofern man nicht dem eigenen Browser die Berechnung aufdrücken würde, wofür der sich aber bedanken würde) und der Server müsste die Berechnungen durchführen, und zwar für alle Anwesenden in der Konferenz gleichzeitig. Das vermeidet BBB und deshalb bietet BBB dieses schöne Feature nicht an.

Aber…

…man kann diese Bildvorbereitung auch mit anderen Mitteln zuhause durchführen, das Bild also außerhalb von BBB manipulieren und erst das fertig bearbeitete Bild an BBB schicken. Damit kann man dann nämlich doch einen virtuellen Hintergrund in BBB erzeugen:

Screenshot aus BigBlueButton.

Dafür gibt es sicher einige Möglichkeiten. Meine habe ich aus diesem Youtube-Video, sie ist umständlich, tut mir leid. Im Video ist alles erklärt, hier unten halt einfach noch einmal in meinen Worten.

Ich brauche erstens ein Programm, das einen Algorithmus beherrscht, mit dem es Gesichter+Körper erkennen kann. Das ist zum Beispiel Skype, das man sich installieren kann:

Bei Skype kann man als Hintergrund auswählen “Blur” (der verschwommene tatsächliche Hintergrund) oder eine eigene Datei. Ich habe eine eigene Datei hinzugefügt, und zwar eine grüne Grafikdatei – kann man sich selber machen oder man googelt nach “greenscreen.png” oder so etwas. – Ich habe gleichzeitig bei den Einstellungen zu Audio und Video mein Bild entsättigt, so dass es in Grautönen dargestellt wird, einfach so als Spielerei.

Zweitens läuft gleichzeitig ein anderes Programm, das: a) das offene Skypefenster abfilmt, b) zusätzlich die grünen Elemente unsichtbar macht, c) dahinter eine andere Grafik sichtbar macht und und d) das Ergebnis als virtuelle Kamera zur Verfügung stellt. So wie es virtuelle Drucker gibt, die sich so verhalten wie Hardware-Drucker, in Wirklichkeit aber ein Programm sind, das das Druckergebnis in eine PDF-Datei ausgibt, gibt es auch virtuelle Kameras, die dem Betriebssystem vorgaukeln, sie seien eine ganz normale Kamera, hinter denen aber keine Hardware steckt.

Dieses andere Programm heißt OBS (Open Broadcaster Software) Studio. Damit kann man Erklärvideos erstellen; Youtuber nutzen das. Ich habe es ohnehin bei mir installiert, es ist allerdings sehr mächtig und deshalb gewöhnungsbedürftig.

OBS Studio funktioniert so, dass man mehrere Quellen für Bild oder Ton auswählt und speichert. Die ordnet man dann neben- oder übereinander an. So kann man Bild-in-Bild-Erklärvideos erstellen, oder gleichzeitig zum Beispiel ein Dokumentfenster, ein Kamerafensterchen und ein Programmfenster zeigen.

Die oben blau eingekastelte Quelle ist eine Fensteraufnahme eines offenen Fensters, und zwar des Skype-Fensters aus dem Screenshot oben. Das wird im Ganzen übernommen, also mit allem Text drumherum. Deshalb beschneide ich das noch mit einem Filter. Außerdem kommt ein Chroma-Filter darüber, der dafür sorgt, dass alles grüne durchsichtig wird. Die oben rot eingekastelte Quelle ist eine Medienaufnahme, und zwar eine Filmdatei auf der Festplatte. Das könnte auch ein gif oder ein normales Bild sein. (Zwei Stunden lang alte Superman-Cartoons in Dauerschleife kann ich sehr empfehlen. Viel Bewegung drin, satte Farben, expressive Formen.) Normalerweise liegen die rote und die blaue Quelle direkt übereinander, ich habe die rote im Screenshot verschoben, damit man das besser sieht.

Und zuletzt muss ich noch das Plugin “Virtual Camera” installieren, das mir erlaubt, die OBS-Ausgabe als Kamera zu benutzen. Hier beschrieben.

Geht das alles nicht einfacher? Vermutlich. So eine virtuelle Kamera mit integrierter Gesichts/Körpererkennung wird es doch wohl als fertiges Produkt zu kaufen geben? Aber mir reichen meine Bordmittel. (Nachtrag: Ja, klar, gibt Programme dazu, müsste nur den Namen suchen. Das hier ist eine, die habe ich aber nicht ausprobiert: https://www.xsplit.com/de/vcam. Und ein paar Kolleg:innen nutzen ein anderes Programm, aber wie gesagt, Name.)

Das nächste Mal vielleicht: wie ich live meine Stimme verändern kann…

Asynchrones Arbeiten adelt Althergebrachtes*; Wurstwaren

In zeitgemäßen Kreisen sind Hausaufgaben verpönt. Weil… weiß nicht genau, muss man diese Kreise fragen; schlechte Erinnerungen an den eigenen Matheunterricht, Belegstellen bei Hattie und vielen anderen Studien, unglückliche Erfahrungen mit den eigenen Kindern? Natürlich gibt es blöde, unsinnige, schlecht gestellte Hausaufgaben. Aber Hausaufgaben an sich als Problem?

Ich sehe drei Möglichkeiten für das schulische Lernen:

a) Lernende verbringen einen Zeitraum, sagen wir: zwei Stunden am Nachmittag außerhalb der Schule mit selbstständiger Arbeit,
b) Lernende haben den Nachmittag außerhalb der Schule frei,
c) Lernende sind den Nachmittag über in der Schule. Das heißt dann Ganztagsschule, und ich denke natürlich an sinnvolle Formen davon. Also dort auch selbständige Arbeit, zum Beispiel, mit unmittelbarer Betreuung.

Ich sehe bei allen Formen Vor- und Nachteile. Für Schüler und Schülerinnen ist mal das eine, mal das andere besser. Gewohnt bin ich das klassische Modell, a), mit dem ich selber gut fuhr als Schüler.. Schön ist b), aber dann wird halt zwei Stunden pro Tag weniger gearbeitet, wenn man etwa die Aufsätze alle in der Schule schreibt statt zuhause oder die Vokabeln dort lernt. Allerdings wird Hattie gerne so interpretiert, dass Hausaufgaben nichts bringen oder sogar schädlich sind. Die meisten Studien dürften dabei aber von Ganztagsschulen ausgehen, und wenige sich mit Fremdsprachen beschäftigen. Am gerechtesten und fürsorglichsten, irgendwie, ist c), aber halt auch am totalitärsten – je weniger die Kinder zuhause sind, desto gleicher sind ihre Lernbedingungen.

Ich komme nur deshalb darauf, weil Hausaufgaben auch nichts anderes sind als das, was jetzt als “asynchrones Arbeiten” gelobt wird. Das Schulgebäude ist zu, die Schüler und Schülerinnen lernen außerhalb des Schulgebäudes. Entweder als Videounterricht oder nicht oder einem Mix. Das ohne ist dann quasi angeleitetes selbstständiges Arbeiten und sieht auch nicht anders aus als meine Hausaufgaben sonst.

Auch sonst mache ich vieles, das ich schon mal gemacht habe – Kutteln auf Madrider Art etwa, oder gebratene Chorizo mit Spiegelei. (Die Übergänge sind immer das schwerste.)

Das liegt alles daran, dass zwei Päckchen mit Wurstwaren im Kühlschrank über Nacht abgelaufen waren. (Seit September 2020.) Im einen waren Chorizo, Tocino (Speck) und Morcilla (Blutwurst), weswegen es dazu die Kutteln gab. Im anderen waren Chorizos, die es dann gebraten gab. Nicht am gleichen Tag, natürlich, und von den Kutteln sind auch noch Portionen eingefroren.

*Ist das eine Alliteration? Also das mit dem “Asynchrones Arbeiten adelt Althergebrachtes”? Ich weiß, das hat niemand gefragt; hier die Antwort: Eine Alliteration ist der Gleichklang des Anfangs betonter, halbwegs benachbarter Silben. Also ja, ist eine Alliteration, und bedeutet nicht viel. Schüle rund Schülerinnen mögen die Alliteration, aber sie bedeutet selten viel – meist klingt sie halt hübsch und das war es, verleiht einer Wendung eine heitere Note oder eine hehre, etwa bei der germanischen Stabreimdichtung. Vor allem: Es geht um Lautung, nicht um Schrift: Zirkus und Cäsar alliterieren; Vater und Vase nicht. Es geht außerdemum betonte Silben: edel und erlauben alliterien nicht, geben und vergessen schon. Andererseits: Dichtung wird schon lange eher im Schriftbild rezipiert und nicht gehört, sollte es nicht einen Begriff geben, der sich allein auf die Schreibung bezieht? Ich und er und unser - alliterieren die, jedenfalls wenn sie betont sind? Der alte Germane hätte ja gesagt, weil alle diese Anfangsvokale auch im heutigen Deutsch mit dem gleichen Knacklaut beginnen, für den es aber keinen Buchstaben gibt und den wir deswegen nicht wahrzunehmen gewohnt sind. Der schadet übrigens der Stimme, habe ich in der Stimmbildung im Referendariat gelernt, drum baut man da gerne mal Halbvokale zum Übergang sein. Deswegen schreit der nordost-amerikanische Zeitungsjunge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ja auch nicht “Extra! Extra!”, sondern “Wuxtry! Wuxtry! Read all about it!”

Wieder zuhaus, wieder zuhaus

1. Mebis

Unterricht, erste Januarwoche. Technisch läuft alles einwandfrei – Herr Mess schreibt Mebis reborn?, denn Mebis funktioniert schnell und zuverlässig; ich möchte es nicht missen. Solche Kurse, wie sie zu meinem Arbeiten passen, habe ich noch in keinem anderen Werkzeug gezeigt bekommen.

Söder (Ministerpräsident) mault an Mebis herum, Piazolo (Kultusminister) sagt… weiß ich gar nicht, ist ja auch egal. Die Tagesschau spricht von “Bildungsverbänden”, die Meinung haben – ich kenne nur Interessenverbände mit spezifischen Interessen (mehr Technik, weniger Kultur, mehr Geld, weniger Geld), keinen davon würde ich Bildungsverband nennen.

Mebis sollte weiter ergänzt werden um eine brauchbare App, und Mebis reicht mir als alleiniges Werkzeuge für die Schule zuhause nicht aus. Ich will Videokonferenzen machen, mehr oder weniger häufig, sicher nicht in 1:1‑Abbildung meines Stundenplans. Und ich will – aber so weit sind die Schüler und Schülerinnen noch nicht – gemeinsam an Dokumenten arbeiten (lassen). Dafür braucht es weitere Werkzeuge, und das BigBlueButton unseres Landkreises läuft ebenfalls stabil. Nur die Internetverbindungen zuhause, die sind manchmal noch etwas wackelig.

2. Schnelle Umfragen in BBB

In diesem Thread habe ich schöne Anregungen zum Einsatz von BBB gefunden:

Das heißt: Ich beginne mit einer weißen Fläche, lasse die Schüler und Schülerinnen sich ein bisschen beim Malen darauf austoben und schalte dann weiter zur nächsten Folie, die etwa so aussieht:

Oder auch nur so:

Die Schüler und Schülerinnen bewegen ihren Mauszeiger irgendwo auf die Fläche, und dann sehe ich ihre Namen und die Position. Manche platzieren sich zögernd am Rand, manche zentral, auch eine Möglichkeit der Informationsübermittlung.

Ich habe zum Beispiel auch das gefragt, und zwar nicht bezogen speziell auf meinen Unterricht, sondern im Rückblick auf diese Woche:

Also mehr Videokonferenzen, weniger andere Aufgaben! Dieselbe Klasse bat aber dreißig Minuten später für den Tag der nächsten Unterrichtsstunde um, uh, Reduzierung des Videounterrichts, weil sie so viele Videokonferenzen hätten. Aus solchen Gründe informiere ich mich gerne über die Wünsche meiner Schüler und Schülerinnen, mache meine Entscheidungen aber nicht allein davon abhängig.

Nur eine Mittelstufenklasse (nicht: Ober‑, Unterstufe) hatte Interesse an einer Gelegenheit, miteinander zu reden, ohne mich, einfach so, zum Austausch, wie er in der Schule sonst immer stattfindet. Also bot ich Breakout-/Chaträume an, auf die sich die Schüler und Schülerinnen aufteilen sollten. Auch hierzu quasi die Abstimmung in Form einer Platzierung, jeder merkt sich danach die Nummer des Raumes und geht in diesen:

Danach habe ich herausgefunden (indem ich gefragt habe), ob sie die Kamera angeschaltet hatten, und sie sagten, das hätten sie. Da schau an, nur beim Unterricht nicht! – Tatsächlich habe ich das auch nicht verlangt, mache ich nächste Woche vielleicht, aber ich komme gut zurecht, auch wenn ich niemanden sehe. Mich sehe ich ja, und für einen ganz leicht narzistisch veranlagten Menschen (nicht alle Blogger!) ist das immer eine schöne Sache. Die Unterstufe war schon von anderen Lehrkräften dazu gebracht worden, die Kamera meist anzuhaben, und das war auch schön. So viel Nase und Kinn habe ich lange nicht mehr gesehen.

3. Und was machen die anderen?

Apropos die anderen Lehrkräfte: Von meiner Schule kriege ich nicht viel mit. Pro Tag vielleicht ein Telefonanruf, und nicht mal jeden Tag einer, und ein oder zwei Textnachrichten pro Tag. (Also, mit Fragen; formal dienstliche Kommunikation gibt es daneben schon auch.) Ich vermisse die vielen Kontakte werden der letzten Schulschließungsphase.

Ich habe ja Twitter und kriege da mit, was andere machen. Aber der Rest? Haben die alle WhatsApp-Selbsthilfegruppen? Mindestens eine Lehrkraft am Telefon klang durchaus so, als freute sie sich, mal überhaupt mit jemandem aus dem Kollegium zu reden. Dabei könnten wir Stammtische einrichten bei wonder.me, in unserem Schulcloud-Chat, oder auch über BBB. Ich will mich aber nicht vordrängeln beim Initiieren, und vielleicht braucht das ja auch niemand, weil die alle genug mit Familie der zu tun haben. Oder die laden mich alle einfach nicht dazu ein?