Hausaufgaben, die gar nicht so gemeint sind

Wenn am Ende der Lehrprobe die Schüler und Schülerinnen die Hausaufgabe gestellt kriegen, wissen sie genau, dass sie die dann doch nicht zu machen brauchen. Oft ist sie ja eh von einer Form, die bisher noch nie da gewesen war, sie ist ja auch eher für die Seminarlehrer gedacht.

Auch Lehrer kriegen manchmal solche Anweisungen. Gerne fangen die an mit „Wie Sie alle wissen“ (ein Signalwort dafür, dass man vergessen hat, rechtzeitig an eine Sache zu erinnern), aber auch so ist manchmal klar, dass man diese Anweisung nicht so ernst nehmen muss wie andere. Details sind hier leider nicht möglich.

Und siehe da, auch ganze Schulen kriegen solche Hausaufgaben. Die Schüler und Schülerinnen der Unterstufe müssen ab in Bälde jeweils 10 kostenlose Unterrichtsstunden Einführung ins Tastschreiben erhalten. (So der Fachausdruck für Zehnfingersystem.) Danach können die Kinder dann alleine mit entsprechender Trainingssoftware weiter üben. Diese 10 Stunden seien im Rahmen von Projekten möglich oder von Vertretungsstunden.

Auslöser für diese Anweisung ist wohl die bayerische Zukunftsstrategie „Digitale Bildung in Schule, Hochschule und Kultur“, vor Jahren beschlossen, und da steht nun mal drin, dass alle Schüler und Schülerinnen eine Einführung ins Taschreiben kriegen sollen. Man hört meinem Tonfall an, dass ich wenig davon halte. Wie wäre es stattdessen mit 10 Stunden Ukulele für alle? Das hielte ich für sinnvoller, aber wohl auch schwieriger umzusetzen.

Den Wunsch nach Tastschreiben höre ich immer wieder mal. („Da hat man was in der Hand! Und man hat das Gefühl, dass man auf eigenen Füßen steht. Da hat man was Eigenes!“) Mitunter kommt das in Kombination mit der Klage darüber, warum man überhaupt zwei Fremdsprachen lernen muss am Gymnasium, eine reiche doch völlig aus. Und Tastschreiben ist wirklich sehr praktisch für diejenigen, die viel Texte abschreiben, weil man dabei nicht auf den Bildschirm schauen kann. Ichhab’s ja auch mal gelernt. Für andere ist es auch praktisch, und wer will, kann das ganz alleine und zu Hause jederzeit lernen, als Kind oder als Erwachsener. Mit digitaler Zukunft hat das aber wenig zu tun. Andere Inhalte am Gymnasium kann man sich nicht so leicht selber beibringen, und deshalb gehört das Tastschreiben da erst hin, wenn auch Zeit für wichtigere Inhalte da ist.  Also: Erst die Verkehrserziehung in den Vertretungsstunden, dann das Tastschreiben.

Bahnstreik, Zombies, Lehrpläne lesen

Ich habe eine meiner vielen E-Mails bei den Münchner Verkehrsbetrieben hinterlassen und werde damit darüber informiert, wenn es auf der Linie, die ich nutze, um zur Arbeit zu kommen, Schwierigkeiten gibt. Alle drei Tage kommt da etwa eine Nachricht, meist betrifft sie mich von der Uhrzeit her nicht. Aber am Sonntagabend wurde ich dadurch darüber informiert, dass bundesweit und wohl auch für München am Montag Warnstreiks drohen.

Also ging ich heute eine S-Bahn früher aus dem Haus (das sind etwa zwanzig Minuten), und nach wenigen Schritten an der frischen Luft erreichte mich die nächste Mail: Ja, es wird gestreikt, meine S-Bahn fährt erst mal überhaupt nicht. (Für andere Linien gab es wenigstens ein wenig Ersatz.)

Also fuhr ich statt mit der S-Bahn mit der Straßenbahn nach Pasing, meldete mich von der Fahrt aus bei dem Kollegen, der in Pasing wohnt, und konnte mit ihm mit dem Auto von Pasing aus meinen Weg fortsetzen.


Schule dann unterschiedlich, nun ja. In Q12 Englisch Kommaregeln wiederholt und dann Jonathan Coulton, „Re: Your Brains“ gehört:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
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Den Text ausgteilt, Aufgabe dazu: Einen zusammenhängenden Text schreiben und dabei sehr auf die Kommas achten – Inhalt: Eine Songtextanalyse hinsichtlich der verschiedenen Sprachebenen: Monstersprache und corporate jargon.

Davor ausgefragt über US Government & Politics, in Form eines Online-Quizzes über die 100 potentiellen Fragen, von denen man 6 aus 10 richtig beantworten muss, um die US-Bürgerschaftskunde-Prüfung zu bestehen. Das mache ich jetzt eine Weile jede Stunde als Einstieg.

US Civics Practice Test: https://my.uscis.gov/prep/test/civics


Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Mediencurriculums an unserer Schule lese ich auch die Lehrpläne der anderen Fächer, so nach und nach. Damit kann man manchmal überraschen.

Neu ist der Tanz in der 9. Klasse in Sport. Die Schüler und Schülerinnen „erarbeiten zielorientiert und systematisch einen Gesellschaftstanz und präsentieren ihn.“ Ich habe ein Herz für diesen optimistischen Lehrplantonfall. (Foxtrott wäre ja mein Favorit, der Lehrplan nennt „Rock ´n´ Roll, Cha-Cha-Cha, Salsa“ als Beispiele.)

Ich könnte mir auch gut vorstellen, wie sich erst einmal die Kollegen zielorientiert und systematisch einen Gesellschaftstanz erarbeiten und präsentieren. Ein bunter Abend, auf den ich tatsächlich mal ginge. Danach kann man mit mir auch übers Skilager reden, der den Sportlehrern wesentlich wichtiger zu sein scheint als das Tanzen.

„Die Schülerinnen und Schüler würdigen den Sinn umweltschonenden Sports.“ Was ist denn das für ein schwammiger Deskriptor? Ohnehin ist „würdigen den Sinn“ der kleine Bruder von „leck mich am Arsch.“ „Würdigen den Sinn“ zeigt sich nicht an einem konkreten Verhalten außer – auch nur vielleicht – einem Lippenbekenntnis.


Zum ersten Mal im neuen WordPress-Editor getippt. Sieht sehr, sehr unnötig aus. (Gehört in die gleiche Kategorie wie die Ubuntu-Umstellung auf Unity.)

Ein wenig Gejammer, ein wenig Musik

Dezember ist der anstrengendste Monat für Lehrer, noch vor dem Juli, jedenfalls für mich. Und diesmal hat der Dezember schon weit im November begonnen. Jedenfalls ist gerade viel los, ich bin nicht zufrieden, weil ich weder zum Lesen noch zum Bloggen komme. Dienstliche und private Termine, die Arbeit an der Uni (die ich immer wieder aufzugeben plane, vielleicht nächstes Mal), den Unterricht bereite ich schon ordentlich vor – aber indem ich quasi weit im Voraus plane, dass ich in drei Tagen diesen einen Slot von 45 Minuten nutze für die Vorbereitung jener anderen konkreten Stunde. Nu, irgendwann wird das auch wieder besser.

Der Lehrplan für das G9 ist jetzt auch für die Klassen 7-10 online; die Jahre 11-13 dauern dann wohl noch eine ganze Weile. Prompt war der Server überlastet, und er ist es immer noch. Klar ist das nur für die ersten Tage, aber digital protzen geht anders.

Am Montag wieder mal einen Freund besucht und zwei Episoden unseres sporadischen Podcasts aufgenommen, danach Musik gemacht – Ukulele und Klavier, beides auf unterschiedliche Weise dilettantisch, aber sehr vergnüglich. Davor beim Konditor zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wieder einen Granatsplitter geholt. Der hatte eine Walnuss oben drauf und hieß „Nußknacker“, aber das war – hieß es – nur für die Vorweihnachtszeit. Danach kommt die Nuss wohl wieder herunter und der Granatsplitter kriegt wieder den ursprünglichen Namen.

Ich hatte einen Großonkel mit Granatsplitter im Kopf und einer schwarzen Klappe darüber; der Vater meines Freundes hatte einen im Kopf, der dann bis zum Kiefer wanderte und vom Zahnarzt entdeckt wurde. Alles natürlich aus dem Zweiten Weltkrieg; zu meiner Kindheit waren Kriegsversehrte kein häufiger, aber doch ein regelmäßiger Anblick im Straßenbild. Und gestern gab es wieder einen Fliegerbombenfund in München, mit Evakuierung und Entschärfung.

Dillingen 2018

Die letzte Woche war ich in Dillingen an der Donau auf Fortbildung. Dort gibt es die Akademie für Lehrerbildung und Personalführung. In einem früheren Blogeintrag habe ich ausführlich erklärt, was das ist.

Ich glaube, ich könnte mir das angewöhnen – eine Woche Fortbildung im Herbst. Ich kann länger schlafen als zu Hause (zumindest ein wenig) und komme am Abend zum Korrigieren (wenn ich nicht ausgehe oder in den Akademiekeller gehe, aber das bin ich nicht). Dafür habe ich den pädagogischen Tag an meiner Schule verpasst, der am Buß- und Bettag stattfindet, weil die Schüler und Schülerinnen da frei haben und die Lehrer und Lehrerinnen dafür einen Tag arbeiten müssen. Das muss nicht dieser Tag sein, aber der bietet sich an; lange Geschichte. Es mag sicher irgendwo pädagogische Tage geben, bei denen ich es schade finden würde, nicht dabei sein zu können. Aber bis dahin taugt mir der Termin.

In fast allen Bundesländern gibt es etwas, das Bildungsurlaub heißt – bis zu fünf Tage Urlaub im Jahr zur politischen oder beruflichen Bildung. Die Bundesrepublik hat sich 1974 verpflichtet, das einzuführen (sagt Wikipedia), aber wie das mit der Kulturhoheit der Länder ist: Bayern macht da nicht mit.

Dann eben so. Das Thema war Androidprogrammierung in Java, ein Thema, bei dem ich schon einige Vorkenntnisse hatte. Aber ich wusste, dass ich so oder so Zeit bekommen würde, vor mich hin zu programmieren, und da lerne ich am besten. Allerdings brauchte ich schon eine Einführung: Ich habe einfach keine Lust, über Tutorials oder gar – horribile dictu – Videos im Web mich in etwas einzuarbeiten.

Gelernt habe ich viel. Jetzt kann ich das so, wie ich möchte. Tatsächlich bietet einem der MIT App Inventor bereits viele wichtige Konzepte dafür, aber so ist man flexibler und kann vor allem eigene Klassen ergänzen.

Treppenhaus und Handtücher:

Collage aus Handtuch mit Aufschrift und Gewölbe-Treppenhaus

Genau so – nur etwas weniger gut erhalten – sah der Ausblick aus meiner alten Schule aus, ein sehr ehemaliges Kloster in Augsburg. Aber in diesen Hof kam man nicht hin, das gehörte dem Hausmeister. Hieß es damals immer. Und jetzt, wo ich mir das überlege, wird das wohl so nicht ganz korrekt gewesen sein, aber das fällt mir erst jetzt auf.

Ausblick auf Innenhof mit Gras

Abendessen. Das bunte rechts oben ist ein Krabbencocktail:

Tablett mit Essen

Insgesamt war das Essen der schwächste Teil der Fortbildung. Kaffee gab es nur zum Frühstück, und das bei Lehrern. Ach, die Lehrer. Die Leute, mit denen ich in der Fortbildung war, waren ganz normal. Aber so im großen Speisesaal, wenn alle Lehrer und Lehrerinnen sich versammeln, dann kommen sie mir schon komisch vor. Vielleicht sind sie nur einfach nicht mein vertrautes Kollegium. Oder man zieht sich besonders an, wenn man in Dillingen ist? Geht nur ein bestimmter Typ nach Dillingen? Vielleicht ist es auch das Ambiente, beruflich und doch außerschulisch – am Ende sind’s einfach die vielen Schwaben, die ich sonst nicht so treffe.

10 Videospiele, die mich beeinflusst haben

Mein Freund Bernhard hat mir ein Stöckchen zugeworfen, bei dem ich jeden Tag ein Computerspiel, das mich beeinflusst hat, posten soll, zehn Tage lang. Und ich mache das lieber hier auf einmal im Blog, statt zehn Facebook- oder Twitter-Einträge zu schreiben. Ich denke, es sind typische Spiele ihrer Zeit und keiensfalls Insiderspiele – ich war halt nur früh dabei.

1. Magnavox Odyssey: Ski

Screenshot Magnavox Odyssey Ski

Tatsächlich steht das Spiel stellvertrend für die anderen Odyssey-Spiele. Das war 1972, 1973, und ich war zu jung dafür, aber ich will das hier stehen lassen als Beispiel dafür, wie cool mein Vater war (und noch ist). Das war die erste Spielekonsole überhaupt, und das eigentliche Spiel sieht man in der unteren Hälfte der Grafik: Ein weißes Kästchen, das man mit einem Controller bewegt. Die bunte Grafik darüber, das war eine selbsthaftende Folie, die man auf den Fernsehschirm geklebt hat. Das Ziel beim Skifahren: Das weiße Kästchen so bewegen, dass man immer auf der Bahn bleibt (das schwarze in der oberen Grafik sind die durchsichtigen Stellen). Ob man sich an diese Beschränkung hält und wie schnell man das schafft – das war den Spielern überlassen, die Konsole überprüfte das nicht. Ähnlich das Ping-Pong-Spiel mit tatsächlich drei Kästchen und Abprallen des Balles von den Schlägern – aber Punktezählung und dass man mit dem Schläger in der eigenen Spielhälfte blieb, das überprüfte das System nicht.
Die bunten Folien und der farbenfrohe, riesengroße Kasten mit dem Spiel faszinierten mich, obwohl es nicht oft eingesetzt wurde.

2. Commodore PET: Lunar Lander

Screenshot PET Lunar Lander
https://www.commodore.ca/commodore-gallery/commodore-pet-games/

Die Spiele auf dem PET und CBM 8032 Ende der 1970er Jahre waren die ersten Spiele, die ich aktiv gespielt habe, und für diese Geräte habe ich auch einfache Spiele programmiert – simple Rennspiele, Snake, ein halbfertiges, unzuordenbares Spiel mit schöner Grafik, aus dem dann nie etwas wurde. Alls nur Basic mit ein paar Peeks und Pokes für den Bildschirm. Lunar Lander fand ich nie gut, aber die Auswahl war nicht groß.

3. Intellivison: Auto Racing

Screenshot Intellivision Autorace

Diese Spiele-Konsole stand viele Jahre im Zimmer von mir und meinem Bruder. Auto Racing war besonders gut, weil es ein Spiel mit Scrolling in alle Richtungen war (eine Besonderheit damals, lang nicht erreicht), weil man gut zu zweit spielen konnte und weil man die Fahrbahn auch verlassen konnte, wenn man vorsichtig war, um zu anderen Bahnen zu gelangen: Gleich viele neue Konzepte, die mich beeindruckten.

4. Commodore 64, dann Commodore PET: CIA Adventure

Screenshot C64 CIA Adventure
https://www.mobygames.com/game/c64/cia-adventure/screenshots/gameShotId,119506/

Mein erstes Textadventure. Angefangen wohl auf dem Commodore 64 eines Freundes, noch bevor wir einen hatten, und mit Vaters Hilfe mühsam auf den Commodore PET oder 8032 kopiert, wo es – dann doch zu allseitiger Überraschung – tatsächlich funktionierte. (Gleiche Basic-Dialekte auf den Maschinen.) Damit begann meine Liebe zu Textadventures, auch wenn das ein sehr einfaches Spiel war.

5. Commodore 64: Blade of Blackpool

Screenshot C64 Blade of Blackpool

Jetzt hatten wir einen C64! Ein Textadventure mit Grafik, ich spielte mit meinem Freund Stefan, lernte das Wort „to pour“, und spielte das Spiel bis zum Ende. Das hatte mich Mühe gekostet, aber ich hab’s geschafft.

6. Commodore 64: PSI-5 Trading Company

Screenshot C64 PSI5 Trading Station

Bei diesem Spiel lernte ich Multitasking: Man spielt einen Captain eines Raumschiffes, der seinen mehr oder weniger selbstständig agierenden Offizieren Befehle erteilen muss. Die IDee fasziniert mich bis heute. Man spielt sich quasi selber, Befehle gebend, taucht im Spiel als Figur nicht auf. Dazu das leicht Absurde und die Echtzeit-Hetzerei.

7. IBM PC: Doom

Screenshot MSDOS Doom

Das muss jeden Spieler meiner Generation geprägt haben, aus so vielen Gründen. Das war noch kein echtes 3D, aber man konnte sich frei (und ruckelfrei) in einer Welt bewegen, die sich um einen drehte. Freiheitsgefühl beim Spielen.

8. IBM PC: Alone in the Dark

Screenshot MSDOS Alone in the Dark

Und wieder: Freiheitsgefühl beim Spielen. Diesmal in Vektorgrafik, heute Standard, und das ahnte ich damals schon: das war die Zukunft, auch wenn nur ein kleiner Teil der Welt wirklich 3D und Vektorgrafik war. Dazu Lovecraft und Horror.

9. IBM PC: The Martian Chronicles

Screenshot Martian Chronicles

Das ist kein sehr bekanntes Spiel, aber als Bradbury-Gernleser habe ich es mir gekauft. Ein ruhiges, sehr atmosphärisches, enttäuschend kurzes Spiel. Man hatte eine Art Scanner, mit dem man den Bildschirm absuchen konnte, um auf verborgene Wahrheiten zu kommen. Das habe ich mal für ein Englisch-Hörspiel-Projekt übernommen, wo man mit einer Lupe über eine Karte des Landkreises Fürstenfeldbruck fahren konnte, um verborgene Wahrheit zu sehen – die Lupe zeigte dann Bishopsbridge statt Fürstenfeldbruck, Under Pig Brook statt Unterschweinbach.

10. Windows: Freedom Force

Screenshot Freedom Force
https://www.mobygames.com/game/windows/freedom-force/screenshots/gameShotId,41286/
Contributed by Alan Chan (3618) on Apr 28, 2003.

Ach war das cool. Superhelden-Action im Stil des Silver Age, mit fortschreitender Handlung in einzelnen Episoden. Das war ein taktisches Echtzeit-Rollenspiel, auch wenn es durch reichliche Benutzung der Pausentaste oft rundenbasiert wirkte. Man konnte sich frei in der ganzen Welt bewegen (damals noch selten), Bäume ausreißen und Straßenlaternen, mit Autos werfen und so lange auf Häuserblocks einhauen, bis sie ganz und gar zu Schutt wurden. Unmengen von Fan-Erweiterungen und Zusatzmissionen, neue und alte Charaktere, und meine erste Begegnung mit Python – in dieser Sprache waren die Episoden geskriptet.

11. Android: Pokémon Go

Screenshot Pokémon Go

Enorm großer Einfluss. Kriegt mich zum Fußlaufen (auch wenn ich ohnehin viel zu Fuß unterwegs bin). Kein Spiel habe ich so viel gespielt, auch wenn ich’s nur nebenbei mache.

Ehrenhalber noch zu nennen:

  • Lemmings
  • Mission Impossible
  • Bard’s Tale
  • Wing Commander
  • Zombies, Run (aber das ist wohl gar kein Spiel)

Keine Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes

Ich habe dieses Fundstück aus dem Heft 3 von Schule & wir aus dem Jahr 2016 zwar schon einmal erwähnt, habe aber immer noch keinen rechten Frieden damit gefunden:

Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen gelten nach der Rechtsprechung nicht als Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes (vgl §2 UrhG). Daher genießen sie auch keinen Schutz vor Vervielfältigung, Weitergabe oder öffentlicher Zugänglichmachung. Davon ausgenommen sind Angabentexte zentral gestellter schulischer Abschlussprüfungen wie etwa des Abiturs.

Tatsächlich habe ich auf Twitter von einer Schule gelesen, wo Eltern die gesammelten Schulaufgaben als Büchlein (für 15 Euro) veröffentlichten. Ich habe damit gar nicht so viele Probleme, aber der Gedankengang dahinter ist mir nicht klar: Inwiefern sind „Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen“ denn keine Werke im Sinne von §2 UrhG? Darunter fallen:

insbesondere …
1. Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Ohnehin: Ist meine schöne Textaufgabe kein Sprachwerk? Ich habe auch schon mal Verse gedichtet für Arbeits- oder Prüfungsmaterial, glaube ich; ganz sicher schmuggle ich jedenfalls in mein Arbeitsblatt mit japanischer Lyrik immer wieder ein Haiku aus meiner Studienzeit und fordere die Schüler und Schülerinnen auf, es unter Werken von Bashō oder Issa zu herauszufinden (ohne dass ich übrigens deren Übersetzer oder Übersetzerin angegeben hätte).

Spoiler – Es ist das hier:

Selbst die Ameisen
kriechen langsamer, scheint es,
am Neujahrsmorgen.

Gedichtet während meines Jahres im Süden von England, milde Winter in der Studenten-WG. Kein Vergleich zu Bashō, natürlich; das Element des Vergänglichen fehlt ganz. Wenn ihr das auf einem kopierten Arbeitsblatt ohne CC-Lizenz seht: Ich hab’s nicht erlaubt!

Oder gilt das alles ohnehin nur für „Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen“, aber nicht für „Texte und Angaben von schulischen Übungsaufgaben“?

Ich könnte ja noch nachvollziehen, wenn der Dienstherr die Verwertungsrechte für sich beansprucht, nach dem Prinzip work for hire: was während der Arbeitszeit entsteht, gehört dem Arbeitgeber. Aber dass meine liebevollen Informatik-Textaufgaben nicht schützenswert sind, das verstehe ich nicht.

Leider schreibt Schule & wir einfach nur „nach der Rechtsprechung“, ohne auf ein konkretes Urteil hinzuweisen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich so pauschal stimmt.

(Ein weiteres Problem wird übrigens das sein, dass Inhalte aus Prüfungen immer wieder auch aus anderen Quellen stammen dürften – Schulbücher, Deutschtexte sowieso, Cartoons und Bilder ebenso. Theoretisch müssten wir dann immer korrekte Quellenangaben machen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das meistens nicht stattfindet. Vor dem Veröffentlichen müsste man das alles herausfiltern.)

Links, nach und nach hier gesammelt:

Stan Lee mit 95 Jahren gestorben

Und dann doch überraschend: Stan Lee ist gestorben, 2018, mit 95 Jahren. Stan Lee kenne ich seit Herbst 1978. da war ich gerade mal elf Jahre alt, Stan Lee 56 – aber für mich zehn bis fünfzehn Jahre jünger. Und das kam so:

In der 5. Klasse entdeckte ich Marvel Comics, namentlich die Serie Die Spinne aus dem Williams-Verlag. EIn Mitschüler brachte mich darauf, und ich war schnell regelmäßiger Leser. Die Hefte kriegte ich am Kiosk an der Endhaltestelle der Straßenbahn in meinem Stadtteil; da fuhr ich mit dem Bus hin und von da aus weiter mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Alle zwei Wochen gab es ein neues Heft, und neben Die Spinne las ich auch die anderen Hefte aus dem gleichen Haus – Die Rächer, Die Fantastischen Vier vor allem.

Auf Flohmärkten fand ich mit einigem Einsatz einen Großteil der zurückliegenden Hefte, und auch die der anderen, bereits eingestellten Serien – und wenige Monate später (nach meinem Gefühl: eine Ewigkeit später) wurden auch die restlichen Williams-Marvel-Serien eingestellt. Just my luck. Aber ich hatte ja die Jagd nach den alten Heften, hatte amerikanische Hefte, die ich – als Folge der vielen amerikanischen Soldaten in Augsburg – auch reichlich auf Flohmärkten fand, und in den Folgejahren bei Urlauben in den USA. Und einen Nachfolgeverlag gab es auch, der viel deutsche Ausgaben produzierte, dem aber völlig der Charme der Williams-Marvels abging. (Allein schon das Handlettering der Williams-Hefte, das nur von heute aus amateurhaft aussieht, und dabei immer noch besser ist als der Pseudo-Handsatz heute.)

Und dieser Charme, der war ein wesentliches Merkmal der Marvels: Die Autoren und Zeichner hatten überbordende Spitznamen, ich weiß nur noch die englischen: Smiling‘ Stan Lee, Dazzlin‘ Don Heck, Adorable Artie SImek, King Kirby, Stainless Steve Ditko, Rascally Roy Thomas, Big John Romita, alle mit lobpreisenden Adjektiven oder Spitznamen versehen. Diese Sprache der 1960er-Marvels übernahm auch das Redaktionsteam der deutschen Fassungen in den Übersetzungen der 1970er-Jahre, als die Geschichten mit zwölf oder fünfzehn Jahren Verspätung erschienen. Das großsprecherisch, markschreierisch – aber bei der Konkurrenz wurden die Namen der Autoren, Zeichner, Tuscher überhaupt nicht genannt. Marvel gab ihnen Identitäten. Ein gezeichneter Stan Lee sprach den Leser mit weitausladenden Gesten direkt an, „Excelsior“ sein Schlachtruf. Marvel-Comics waren nicht einfach da, sie wurden erkennbar von Menschen gemacht.

Dass der amerikanische Bullpen – die künstlerischen Mitarbeiter im Verlag – gar nicht so war wie dargestellt, klar; und auch die Figur, die Stan Lee für sich erfunden hatte, entsprach sicher nicht der Wirklichkeit – aber die Unterschrift, der Schnurrbart, das liebenswert Großsprecherische, das war schon auch echt. Stan Lee war das Gesicht von Marvel, der Co-Erfinder fast aller frühen Marvel-Superhelden, der Autor vieler früher Geschichten – Stan Lee und Steve Ditko bei Spider-Man, Stan Lee und Jack Kirby bei The Fantastic Four, das sind zurecht legendäre Jahre. Mit Schmalz und Melodrama und Pathos. Schon im ersten Spider-Man-Heft schrieb Stan Lee: „With great power comes great responsibility“, und danach ging es nur noch aufwärts.

Marvel-Sammlung 1979
Meine Marvel-Sammlung 1979

Stan Lee verdiente als Executive viel Geld und stand gerne im Rampenlicht, andere Künstler behandelte der Verlag („The House of Ideas“, im Vergleich zur „Distinguished Competition“ von DC) stiefmütterlich biss schlecht; zwischen Kirby und Lee und Ditko und Lee gab es Streit. („Funky Flashman“ mit seinem „Houseroy“ war danach eine Kirby-Parodie auf Lee im Mister-Miracle-Universum, Google-Bildersuche.) Manche Fans mochten ihn nicht, unterstellten auch, die anderen Künstler seien die eigentlich Produktiven gewesen. Aber die letztlich doch immer etwas enttäuschenden Hefte von Ditko ohne Lee, von Kirby ohne Lee zeigen, dass sein Beitrag als Erzähler nötig war, um Geschichten und das Marvel-Universum zu erschaffen. Die Auftritte im Marvel Cinematic Universe bezauberten dann auch wieder viele verstimmte Fans.

Angemalte Seite aus Schulbuch
Tiere in meinem Schulbuch Englisch 5./6. Klasse: Als Superhelden

Die Rolle, die Stan Lees Marvel-Comics in meiner Entwicklung spielen, ist groß. Toleranz, Nicht-Aufgeben, Umgang mit Niederschlägen, Verantwortung, Verlust. Avengers 32 und 33 mit den rassistischen Söhnen der Schlange. Pulphaft versunkene Reiche in Avengers 34 oder Fantastic Four 54. „This Man – This Monster“ in FF 51. Amazing Spider-Man 33, in dem Spider-Man sich fünf Seiten lang aus einem eingestürzten Labor hervorarbeitet. Hachz.

Rollenspiele, Rechenspiele, Hörsaalspiele (aber nicht wirklich)

1. Rollenspiele

Wie schon seit einem guten Jahrzehnt war ich zu den Allerheiligen-Tagen wieder beim jährlichen Rollenspiel, einer fortlaufende Call-of-Cthulhu-Kampagne. Zur Vorbereitung las ich noch einmal die Ereignisse des letzten Spiels nach, die eine Spielerin für uns zusammengefasst hat (um die 7000 Wörter). Das trug sich in der Mitte des Jahres 1940 zu – und in meiner Erinnerung waren diese Ereignisse, auf zwei, vielleicht sogar drei Jahre verteilt. Tatsächlich war einfach nur viel los, und wir kamen viel herum. Diesmal dagegen blieben wir in Nepal, genauer gesagt: in Mustang, einem damals noch autonomen Königreich innerhalb von Nepal. Verschiedene Hinweise steckten in nepalesischen und tibetischen Sagen, die wir umfänglich ausgehändigt bekamen und einander vorlesen mussten.

Tisch mit Rollenspielunterlagen

Alte Karte von Nepal

Die Karte oben enthielt zwar noch weite Bereiche, die als „UNEXPLORED“ markiert waren, war aber wenigstens noch auf Englisch. Eine andere Karte stammte von einem ungarischen Reisenden Mitte des 19. Jahrhunderts, und alle Bezeichnungen waren auf Ungarisch.

Eintrag von 2017 (Edinburg, Suez, Sumatra, Nepal 1940), mit Links zu den Vorjahren.

2. Rechenspiele

Für das Englisch-Abitur gibt es bestimmte Aufgabenformen und Regelungen, und die gelten auch für die Prüfungen in der Oberstufe. Bislang war es so, dass man für eine Frage 20 Bewertungseinheiten erhielt (von, sagen wir, 80 Bewertungseinheiten insgesamt), und die setzten sich zusammen aus, einen Tick vereinfacht, 0-5 BE für den Inhalt, und 0-5 BE für die Sprache, und das ganze x 2, weil die Frage eben als gewichtiger betrachtet wird – macht just die 20 BE Maximum. Für eine einfache Frage mit 10 Bewertungseinheiten kriegt man wieder 0-5 BE auf den Inhalt und 0-5 BE auf die Sprache, diesmal aber nur x 1, weil es insgesamt ja nur 10 Bewertungseinheiten dafür gibt.

Nicht ganz einfach, aber auch nicht ganz kompliziert.

Ab der 11. Klasse in diesem Schuljahr ändert sich das. Das kultusministerielle Schreiben dazu begründet das mit einer Anpassung an die Vorgehensweise der meisten anderer Bundesländer, und jetzt sieht das Verfahren so aus:

  • Auf die Frage gibt es jetzt nicht mehr 20 BE (von 80, beispielweise), sondern: 25%.
  • Es gibt jetzt nicht mehr jeweils bis zu 5 Punkte auf Inhalt/Sprache, sondern bis zu 15 Punkte, entsprechend den Notenstufen der Oberstufe. Dabei wird der Inhalt jetzt mit 40% und die Sprache mit 60% bewertet. Bei 6 Punkten für den Inhalt und 12 Punkten für die Sprache heißt das, es gibt insgesamt 9,6 Punkte für diese Aufgabe.
  • Diese 9,6 Punkte gehen zu 25% in die Gesamtnote ein (siehe oben). Die Gesamtnote liegt weiterhin zwischen 0 und 15 Punkten.

Das ist differenzierter als das bisherige System. Ob es transparenter ist, bezweifle ich. Rechenarbeit ist es sicher deutlich mehr, so dass das Kultusministerium in Zukunft das hier vorschreibt:

Die Umsetzung des prozentualen Binnenverhältnisses der einzelnen Prüfungsteile wird durch die verpflichtende Verwendung einer excel-Tabelle (siehe Anlage 4) erleichtert. Den Schulen werden künftig mit dem Schreiben zur schriftlichen Abiturprüfung eigens für jede schriftlich geprüfte moderne Fremdsprache erstellte excel-Tabellen übermittelt, die für die Berechnung und Dokumentation der Schülerleistung zu verwenden sind.

Es scheint, als wäre die Berechnung so kompliziert, dass sie sich ohne Tabellenkalkulationssystem nicht durchführen ließe; zumindest traut man das Lehrern und Lehrerinnen nicht zu. Das klingt ein wenig überdifferenziert, aber von mir aus. Die eigenartige Schreibung von excel und die Nennung einer proprietären Software irritiert mich allerdings – aber trotz Fehlermeldung scheint di Datei wenigstens auch mit der (aktuellsten!) Version von Libre Office zu laufen.

3. Hörsaalspiele

Didaktische Reduktion: Das habe ich heute in der Informatikdidaktik-Vorlesung vorgestellt. Und weil ich mich ja auch immer gern selbst unterhalte, und weil ich die didaktische Reduktion – noch ohne diese Bezeichnung zu kennen – über Lessing kennengelernt habe, habe ich mit Lessing angefangen:

Drei Vorlesungsfolien zu Lessing

In „Die Erziehung des Menschengeschlechts“, einer späten, religionskritischen Schrift, die ich sehr mag, vergleicht Lessing das Alte Testament mit einem Schulbuch für Grundschüler, das Neue mit einem für die Sekundarstufe I, und am Ende erhofft er sich ein neues, noch zu schreibendes Buch für diejenigen, die auch diesem entwachsen sind.

Diese Vorstufen einer späteren Wahrheit sind für das jeweilige Publikum angepasst, enthalten notwendige Vereinfachungen, die aber nicht zu sehr vereinfachen dürfen, nicht auf falsche Fährten locken oder späteren Erkenntnissen den Weg verbauen dürfen, wobei gleichzeitig Fingerzeige auf diese späteren Erkenntnisse gern gesehen sind – quasi als Binnendifferenzierung für die schnelleren Schüler und Schülerinnen.

Das war natürlich nur der Einstieg, danach ging es schon informatisch weiter: Didaktische Reduktion heißt die Vereinfachung von Konzepten, so dass sie (1) für die geistige Struktur und Entwicklungsstufe der Lernenden angemessen sind, (2) trotzdem fachlich korrekt sind und (3) entwicklungs- und später erweiterbar sind, auf höherem Niveau und ohne vermeidbares Umlernen.

Medienbildung: Kreativ und selbstbestimmt entscheiden, was man mit Microsoftprodukten Schönes machen kann

Angefangen hat es damit, das Philippe Wampfler, ein Schweizer Deutschlehrer und Medienmensch, über irgendetwas im Zusammenhang mit dem Microsoft Office 365 schrieb, das an seiner Schule eingesetzt wird. Das ist so eine Art Google Drive, also eine Möglichkeit, online Text- und andere Dateien zu erstellen, zu verwalten und mit anderen gemeinsam zu bearbeiten.

Daraus wurde dann bald eine Diskussion um Dateiformate: .docx sei nicht wirklich offen; dann: aber für die Schüler und Schülerinnen schon, weil aus allen verwendeten Programmen heraus nach .docx exportiert werden könne. Philippes Aufgabe sei nicht zu missionieren, sondern (seine Schüler und Schülerinnen) zu befähigen:

Ähnlich sieht das Arne Paulsen:

Dass es nur darum, was die Schüler und Schülerinnen mit denen ihnen vorgesetzten Programmen anstellen können, halte ich für eine zu eingeschränkte Sicht. Die Sicht begegnet mir in anderen Bereichen auch: dass Digitale wird alles transformieren und die Schule völlig umkrempeln – dass das mit Microsoft-Produkten geschehen soll, ist gar kein Thema. Netzpolitische Themen wie Netzneutralität sehe ich in der Twitter-Medienmenschen-Szene nie diskutiert. Die anderen schwören auf Apple-Produkte, wie toll, zu was die Schüler und Schülerinnen mit einem iPad alles befähigt werden!

Dabei habe ich gar nichts gegen Microsoft- oder Apple-Produkte. Ich mag mein Windows, und iPads sind schöne Geräte. Wer mit Word arbeiten möchte: unbedingt, gerne! Android oder IOS, alles willkommen, da begrüße ich die Freiheit, verschiedene Plattformen zu nutzen.

Aber die Frage, welches Dateiformat propagiert werden soll, ist eine andere, welches Progamm man benutzt, oder sollte eine andere sein. Wenn Arne oben schreibt, dass die Vielfalt der Formate ein Vorteil sei: Nein, eigentlich nicht. HTML ist ein einigermaßen einheitliches Format, und eben weil das so einheitlich ist, hat sich das WWW so schnell entwickelt. Schlimm genug, dass immer noch jeder Browser CSS oder HTML ein wenig anders interpretiert; es ist großartig, dass ich die eine HTML-Seite mit vielen verschiedenen Browsern ansehen kann – eben weil es ein weitgehend einheitliches Format ist.
Auch JavaScript ist ein einheitliches Format, eine Programmiersprache, die von Browsern interpretiert wird und auf den meisten Webseiten eingesetzt wird. Hier hat sich glücklicherweise das Microsoft-eigene Spezialanfertigung JScript nicht durchsetzen können: das hatte nur der Internet Explorer vollständig implementiert.
Mp3 ist nicht das beste Format, aber es ist ein einheitliches Format, das von vielen verschiedenen Programmen korrekt interpretiert wird: Es ist egal, ob man eine mp3-Datei im Browser anhört, mit WinAmp, iTunes, mit was auch immer. Eben dieses einheitliche Format hat zu Tauschbörsen, Rechtsprechung, neuen Geräten geführt. (Soll ich jemandem eine Real-Audio-Datei schicken? Ich habe noch welche, glaube ich.)

Klar: Sobald es um spezialisierte Anwendungen geht, sind Formate, die spezifisch zu einem konkreten Programm gehören, nicht wegzudenken. Tonschnitt-, Videoschnitt-, Bildbearbeitung, ordentliche Layoutprogramme. Da gibt es Formate fürs fertige Produkt, .jpg und .png und .svg etwa, wo ich auch wieder die freie Wahl bei Programmen habe, und die Formate, die Bearbeitungszustände speichern, produktspezifisch. Bei Office-Anwendungen muss das nicht sein.

Warum das wichtig ist: Die eine Englisch-Kollegin arbeit mit Pages, wird also ihre Dateien nie den Kollegen zur Verfügung stellen können. (Wobei: Auch hier ist ja gar nicht Pages das Problem, sondern das voreingestellte Pages-Dateiformat, mit dem letztlich nur Applenutzer arbeiten können.) Die andere Kollegin fragt nach Möglichkeiten, billig an Schullizenzen für Microsoft-Office zu kommen; sie arbeitet nun mal seit Jahren mit Microsoft Word und kann sich daher von .docx nicht lösen. Alles kein Problöem, wenn nicht doch immer wieder der Wunsch aufkäme, Material zu tauschen, oder von mir erwartet werden würde.

Für die Mediendidaktik scheint mir die Lösung so auszusehen: Na, dann kaufen wir halt für alle Microsoft. (Deshalb halten ja Firmen, die parallel zu ihrer konkreten Software ein konkretes Format erzeugen, das Format nicht kompatibel: Damit sie ihre Programme verkaufen.) Dass man das aus Pragmatismus sagt, weil man sich lieber ein anderes Schlachtfeld aussuchen will, um dort zu scheitern: absolut verständlich. Aber das ohne Scham oder Problembewusstsein zu sagen, das verstehe ich gerade bei Medienbildnern nicht.

Daphne du Maurier, Don’t Look Now

BuchtitelbildDon’t Look Now (britischer Titel: Not After Midnight) ist das erste Buch von Daphne du Maurier, das ich gelesen habe; Rebecca kenne ich dem Namen nach und von dem berühmten Anfangssatz (dessen Ruhm ich nie ganz nachvollziehen konnte), und vielleicht habe ich mal in einer Horror-Anthologie „Die Vögel“ von ihr gelesen. Anlass war ein Podcast zur titelgebenden, bekannt verfilmten Geschichte; insgesamt sind fünf recht lange Kurzgeschichten in dieser Sammlung.

„Don’t Look Now“

(Habe neulich schon von dieser Geschichte erzählt, daher kurze Doppelung.) Spielt in Venedig, und der Film heißt auf Deutsch „Wenn die Gondeln trauer tragen“, und natürlich habe ich das früher immer mit Thomas Manns „Tod in Venedig“ durcheinandergebracht. Und es gibt ja auch Gemeinsamkeiten: Ein Protagonist auf der Suche nach einer oder der Flucht nach einer anderen Sache in Venedig, die Farbe Rot als Symbol des Todes, ein gescheiterter Versuch, der Stadt zu entkommen. In beiden Geschichten halten die Autoritäten Wissen um eine Gefahr in der Stadt zurück – bei Mann die Cholera, und bei du Maurier… da ist es etwas schwieriger. Bei Mann passiert nichts Spektakuläres, die Geschichte lebt von der Erzählweise; bei du Maurier ist die Erzählweise solides Handwerk, aber nichts Besonderes, interessant ist da allerdings die Frage, was überhaupt Geschehen ist und warum. Die Hauptfigur sieht Dinge, die nicht da sind, oder nicht mehr, oder noch nicht, oder nur so ähnlich sind; gleichzeitig gibt es eine Reihe von Todesfällen in Venedig, die vermutlich nichts mit ihm und seiner Geschichte zu tun haben, eine zweite, verborgene Handlung. Die Geschichte weist Leerstellen auf, insbesondere die eine am Ende, und man hat kaum Chancen, sie befriedigend zu füllen.

„Not After Midnight“

Ähnlich ist das in der zweiten Geschichte. Auch sie enthält sinistre Elemente, erzählt wird sie rückblickend von einem in der Zwischenzeit in Ungnade gefallenen Schulmeister, und am Ende weiß man vielleicht, wie das kam. Dennoch bleiben wieder Fragen offen – nicht so wie beim üblichen offenen Ende, wo nicht klar gesagt wird, was nach dem Ende der erzählten Handlung passiert; es geht vielmehr darum, was während der erzählten Handlung eigentlich genau passiert ist. Der Schulmeister ist im Urlaub in Kreta, wird gestört von einem überzeichneten älteren amerikanischen Paar, das er gerne besuchen darf, aber nicht nach Mitternacht. Warum? Und was macht die ältliche reiche Amerikanerin wirklich nachts im Taucheranzug?

„A Border-Line Case“

Wenige Seiten der Einstieg: Eine junge Schauspielerin, in Trauer über den Tod ihres Vaters, will einem seiner alten Kriegskameraden und früheren Familienfreund einen Überraschungsbesuch abstatten. In Irland beginnt dann die eigentliche Geschichte, und zwar wie eine Rückbesinnung auf die weird menace der Pulps: Die Schauspielerin erfährt, dass der zu Besuchende auf einer Insel lebt, wird von Unterlingen dorthin entführt, auch noch auf einen Turm, mit einem charmanten älteren Gastgeber, der seine Insel militärisch streng führt und geheime Experimente macht. Ich habe beim Lesen wild spekuliert, wenn auch nicht so wild wie die Heldin, die zwischendurch enttäuscht auf die Lösung „They were all homos“ kommt. Die tatsächliche Auflösung (eine Gruppe von IRA-Terrroristen) war dann so enttäuschend, und die Auflösung nach der Auflösung so offensichtlich für alle außer der Heldin, dass ich vermutet habe, die Geschichte ist aus irgendeiner Absicht heraus schlecht gemacht. Vielleicht ist sie einfach nur aus der Zeit gefallen. (Immerhin gibt es eine Fahrt/Entführung zum verdeckten Einsatz im Wagen des örtlichen Bäckers, noch mit dem Backwerk des Tages beladen. Das kann keine ganz unbewusste Absurdität sein.)

„The Way of the Cross“

Eine kleine englische Reisegruppe ist auf einem Abstecher in Jerusalem, ersatzweise von einem unvertrauten Geistlichen geleitet: reicher Amerikaner mit Frau, alte Jungfer, jungverheiratetes Paar mit Eheproblemen, feine Leute mit altklugem Enkel. Alle haben verschiedene Probleme, die zum Ausbruch kommen – und hat mich an nichts so sehr erinnert wie einen Slasher-Film, sagen wir: Nightmare on Elm Street. Die Gruppe wird getrennt, die Paare werden aufgelöst, treiben durch eine – für sie – fast schon alptraumhaft fremde Stadt und erleiden jeweils ein ironisch passendes Schicksal. (Aber alle überleben.) Hat mir gefallen, auch weil ich die wechselnden Perspektiven mal in der Schule einsetzen kann.

„The Breakthrough“

Diese Geschichte hat bei mir am wenigsten Spuren hinterlassen. Ein Geheimlabor beschäftigt sich statt mit offizieller geheimer Forschung mit eigener geheimer Forschung, es geht darum, die Seele eines sterbenden messbar zu machen, vielleicht einzufangen. Auf für mich unbestimmte Art und Weise geht es daneben. Es blieben keine Fragen offen, die mich interessiert hätten, und ich habe nichts Neues gelernt.