Geschäftiges Wochenende mit Videokonferenzvorbereitung

  • Freitagnachmittag: Schulleitung meldet sich mit Texten, die ich schon mal für die Homepage vorbereiten soll, sobald das Landramtsamt die erwarteten A/B‑Wochen verkündet. Das geschieht dann auch noch am gleichen Abend.

  • Samstagvormittag: Anfrage wegen Elternbeirats-Projekt: Am Montag hätte eigentlich ein traditioneller Berufsinformationsabend stattfinden sollen, mit Referenten und Referentinnen, die in Zeit-/Raum-Slots ein Berufsbild vorstellen. Der fällt jetzt aus, wegen Alarmstufe 3 im Landkreis. Ob man den nicht über unser Videokonferenzsystem machen könnte?

Ich halte es für mutig, aber mutig ist gut. Also schnell ein paar Sachen zusammengetippt und online in unsere Cloud gestellt. Die Links verteilt, auch wenn die Dokumentation natürlich noch nicht fertig ist.

  • Samstagmittag: Frau Rau in der Reha besucht:
  • Samstagabend: Ein Elternteil macht bei der Technik mit und hat gleich mitgedacht und sich den passenden Account besorgt und geübt. Damit sind wir schon zwei feste Moderatoren. Im Idealfall gibt es für jeden Raum einen Moderator – an der Uni wäre das eine studentische Hilfskraft. Ich beginne damit, ein paar Schüler und Schülerinnen aus dem Technik-Team anzuwerben, auch wenn die etwas Umstände bei der Rechtevergabe erfordern und vor allem ja selbst Zuhörer in den Räumen sein sollen. Andere melden sich gleich freiwillig, weil sie davon gehört haben. Eine Lehrkraft gesellt sich auch noch dazu, damit sind wir halbwegs genug für die Moderation.

  • Sonntagvormittag: Ich erstelle Konferenzräume, kopiere die Referent:innen vom übersendeten Tabellendokument in eine Online-Tabellendokument und schicke den Link dazu herum. Später kommen dann noch Änderungen bei den Referent:innen und den Uhrzeiten, aber das ist für die Dokumentation halb so wild, weil das nun mal ein Online-Dokument ist und keine Datei, die in verschiedenen Versionen hin und her geschickt wird.

Typischer Ablauf: Schüler kommentiert im Onlinedokument (Kommentierung ist allen erlaubt, Bearbeitung nicht); mein Handy ist so eingestellt, dass es mir Bescheid gibt, ich kann gleich zur Seite und den Kommentar bearbeiten. Dazu parallele Kommunikation über E‑Mail und Schulcloud-Chat.

  • Sonntagnachmittag: Testlauf mit einigen Referent:innen und einigen Schülern. Probleme beim Hochladen und Integrieren mancher Dateiformate in den Präsentationsmodus. Zur Not geht aber immer auch, den Bildschirm oder ein Fenster zu teilen.

Dazwischen Unterricht für (fast) die ersten zwei Tage der Woche vorbereitet und Aufträge an die B‑Gruppe verteilt. Rest muss dann am Dienstagmorgen und ‑nachmittag kommen.

  • Montagnachmittag: Die Präsentationen der Referent:innen kommen nach und nach, ich lade sie in den für alle freigegebenen Online-Tauschordner hoch. Von dem aus müssen die Moderatoren sie später nach Eröffnung der Videokonferenz hochladen.
    Außerdem Update der Dokumente mit Aktualisierungen.
  • Montagabend: Etwa 200 Angemeldete (einschließlich der Refenten und Referentinnen und etwa fünfundzwanzig Mehrfachanmeldungen); in 10 Konferenzen, mit einer Handvoll Moderatoren. Vier Zeitschienen. Und alles funktioniert. (Schon vorher hatte ich mich gefragt, was ich hier wohl posten würde, wenn der Abend in die Hose gegangen wäre. Bei allen Berichten an survivorship bias denken.) Nächstes Mal kann man sicher noch einiges verbessern, aber das war doch schon ein höchst befriedigendes Gefühl. Es war auch schön, mit lauter Leuten – Eltern, Schülern – zusammenzuarbeiten, die gleichzeitig eingehende E‑Mails empfangen und beantworten und in einer Konferenz sein können. Und auch noch den Chat am Handy im Auge halten und den Chatverlauf in der Konferenz.
    Viel habe ich von den Vorträgen nicht mitgekriegt. Ich hatte einen Browser mit zehn Tabs offen, drei davon waren die mir zugeteilten Konferenzen, zwischen allen blätterte ich hin und her, um zu schauen, ob jemand Hilfe braucht. Ton war aus, beziehungsweise immer nur der einer Konferenz auf einmal war an. Zwischen den Schienenwechseln aß ich kalte Pasta und spazierte ein bisschen herum.

Für Schulen, die das vielleicht schon lange so machen, ist das alles wahrscheinlich unspektakulär. Aber bei uns, so zum ersten Mal und mit so wenig Vorbereitung, war das schon aufregend.

Erfahrung: Die Eltern sind recht fit. Ich neige zum lehrermäßigen Erklärmodus, damit ich auch wirklich alle mitnehmen, aber die können das eigentlich alleine. Sind wohl Videokonferenzen gewöhnt inzwischen. Dass die Schüler fit sind, wundert mich nicht (nicht die ganze Generation, keineswegs, aber die im Technikteam) – die haben alle mehr Monitore als ich und können damit umgehen.

Frage: Muss das alles so sein? Gehört das zum Berufsbild des Lehrers? Vermutlich nicht. Eigentlich und in Zukunft will man für so etwas einen digitalen Hausmeister oder eine Hausmeisterin. “Wir brauchen bitte eine Konferenz an folgendem Datum zu folgenden Bedingungen.” So wie das Aufstuhlen in der Aula. Allerdings gibt es auch in der Aula das Technikteam der Schule aus Schülerinnen und Schülern, für die das eine Lerngelegenheit ist. – Aber so weit sind wir zum einen noch nicht. Zum anderen macht es mir Spaß, unsere Systeme auszuprobieren und mit Technik zu jonglieren. Es geht ja auch leicht, wenn man das schon einige Male gemacht hat. Selbst wenn das nicht zu unserem Berufsbild gehört.*

*Ich wollte ja mal nach dem Abi kurz in der Flugsicherung arbeiten, so im Tower, oder war zumindest auf einer Veranstaltung dazu. Sich mit Ton und Video kurz in laufende Konferenzen einklinken, um nach dem Rechten zu sehen, ans Ende zu mahnen, Präsentatorenrechte zu verteilen, sich dann zu verabschieden in den nächsten Raum, das hat schon was.

(Und alles ohne zentrale Produkte von Microsoft, Google, Apple – lokal verwenden selbstverständlich alle, was sie wollen.)

Wochenrückblick, Schulcontent

BigBlueButton getestet mit Freiwilligen aus meinem Oberstufenkurs, andere testeten gleichzeitig mit einem anderen Kurs. Nur mal so, sicherheitshalber.

Fortbildung zu BBB gegeben – was heißt Fortbildung: Eingeladen zu Sitzung, das war’s fast schon, alles weitere ist Bonus.

Fachsitzung gehabt, leider in Präsenzform, weil nicht jeder seine Post vom Kultusministerium liest, in der steht, dass vor allen Gremiensitzungen und ähnlichen zu prüfen ist, ob das wirklich in Präsenzform stattfinden muss.

Erklärvideo zu unserer Schulcloud erstellt. Würde gerne mehr Videos erstellen (erstellen mag ich, anschauen nicht), aber mir fehlt die Zeit.

Schülersprechstunde gehabt: Frau Rau hat, vermutlich bei einem Vorbild bei Twitter, mal erfahren, dass jemand seine oder ihre Schüler und Schülerinnen zu kurzen Sprechstunden-Gesprächen einlädt, ab Anfang des Schuljahrs, um sie ein bisschen kennenzulernen und Gelegenheit für Fragen zu bieten. Und das schlägt sie mir, behutsam, immer wieder mal vor, oder ich empfinde das so – jedenfalls habe ich das jetzt endlich gemacht und mache Termine mit allen aus meinem Elftklass-Deutschkurs aus. Stellt sich heraus: Bis jetzt machen alle anstandslos mit, und einige haben richtig Gesprächsbedarf. Und ich frage, wie sie zu meinem Fach stehen und zu anderen, wie’s in der Schule läuft, ob sie Zeit genug dafür haben, ob sie Pläne haben, alles hoffentlich freiwillig genug, so dass niemand antworten muss.

So sehe ich auf dem Weg zur Schule gerade aus:

Hat etwas düster Superheldenhaftes, finde ich, und jetzt verstehe ich, was die jungen Leute an Hoodies so finden.

Schönes Fundstück von Ludger Humbert, hier als Screenshot, da das Original inzwischen ausgebessert ist:

Es geht um die erste Zeile, wo “zehn Arten von Menschen” den Witz ja völlig kaputt macht. Denn es müssen “10 Arten von Menschen” sein, weil im Binärsystem die 10 die Zahl 2 (in unserem Dezimalsystem) repräsentiert. Aber ein wohlmeinender Redakteur hat die 10 in “zehn” umgewandelt, weil man im Deutschunterricht und vielleicht auch auf der Journalistenschule lernt, dass Zahlen unter 13 ausgeschrieben werden. Ich sehe das auch immer in Deutsch-Aufsätzen, wo den Schülern und Schülerinnen jede Zifferzahl unter 13 ausgebessert wird. Selber bin ich da flexibler, und selbst Wolf Schneider sieht das ebenso. Grundsätzlich stimmt die Regel natürlich schon. Aber bei einem Countdown finde ich Ziffern in Ordnung, und immer dann, wenn Exaktheit signalisiert wird, und “zehn bis 15 Minuten” zu schreiben finde ich affig.

Apropos Fundstücke, das folgende habe ich auch im Lehrerzimmer ausgeteilt. Ich weiß leider nicht mehr, bei wem auf Twitter ich das gefunden habe. Moniert wurde bald, dass Frostblumen ohnehin stets außen innen am Fenster sind.

Tatsächlich musste ich das Konzept “Pimmelnase” erklären, und wie Bingo geht. (Wer zuerst wahrheitsgemäß 5 in einer Reihe, orthogonal oder diagonal, angekreuzt hat, gewinnt.) Ich vergesse immer, dass nicht alle auf Twitter sind.

Kiste leeren, neue Kiste (KW 42)

Heute nur Bilder aus der Küche, pädagogischen Content gibt es morgen wieder. Sagt man überhaupt noch Content? Ich glaube, das war nur so eine Phase zwischendurch.

Zucchini verarbeiten:

Zucchini, Krabben, Ingwer, kleine rote Chilis, Fischsoße, Zitronensaft und ‑schale (weil die weg sollte, sonst wäre es Limette gewesen)

Lauch verarbeiten:

Schweinebauch gekocht, dann in Scheiben kross gebraten, dazu Lauch, Zwiebeln, fermentierte schwarze Bohnen

Ich versuche zwar, unter der Woche kein Fleisch zu essen, aber das war das, was mir das Web zu Lauch und schwarzen Bohnen anbot. (Alternative: Rindfleisch, mit mehr Chilis, ist mir erst danach eingefallen.)

Dazwischen: Pasta mit Käsesoße. Chilis gepickled; flapjacks gemacht. Die wurden nicht so, wie ich sie mag.

Und heute kam die neue Kiste:

Spinat, Radicchio, bunter Rettich, Äpfel, Wirsing, Ruccola, Chinakohl, Salat

Pläne:

  • DO: Salathälfte, dazu Käsereste zu Quesadillas verarbeitet
  • FR: Andere Salathälfte, dazu… weiß noch nicht.
  • SA: Radicchio zu Frau Rau vorbeibringen? Abends dann was mit Spinat?
  • SO: Wirsing mit Wurst?
  • MO: Chinakohl mit Lachs und Nudeln (Standardrezept)
  • DI: Chinakohl mit Hackfleisch, vage asiatisch?
  • Irgendwann mal den Rettich picklen, vermutlich. Ansonsten koche ich abends gerade meist so viel, dass das dann auch mein Mittagessen für die Schule am Tag darauf ist.

Nachtrag: Salat und Quesadillas, wie angekündigt. Solche Weizentortillas habe ich gerne mal im Haus für einen schnellen Snack, hier gefüllt mit den letzten eingelegten Selleriewürfelchen, Käse, eingelegte Jalapeños waren auch im Kühlschrank, ebenso eine scharfe rote Paste (in diesem Fall chinesisch und aus Bohnen, und etwas zu salzig, aber hey, passt). Ich habe gleich die ganze Packung Tortillas verarbeitet, dann habe ich morgen einen Snack für die Schule.

Wochenende mit Kiste und Arbeit

Am Freitag half mir ein lieber Gast, mit dem großen Schopf Endivie fertig zu werden. Es wurde aus der einen Hälfte eine Suppe (Zwiebel in Butter anschwitzen, Honig dazu, geschnittene Endivie dazu, mit Gemüsebrühe – tiefgekühltes Reste aufbrauchen! – füllen, köcheln, pürieren, Schmand dazu), aus der anderen Hälfte ein römisches Beilagengemüse, das mir auf Twitter gleich zweimal empfohlen wurde:

Essen mit Abstand: Endiviensuppe, Endiviengemüse, Spinat-Flammkuchen mit Tomätchen

Dazu Flammkuchen mit dem Spinat aus der Kiste. Von all dem aß ich noch am Samstag und Sonntag den Tag über, deswegen wurde Samstagabend nicht gekocht, sondern roh gegessen:

Käste, Chutney, Toast, schlampiger grüner Salat

Ein halber Salatkopf, das selbstgemachte Grüne-Tomaten-Chutney, Toast und Käse.

Projekt Austrinken: Bitte, keine Sorgen machen. Ich trinke gar nicht so viel, und wenn Frau Rau nicht da ist, mache ich auch keine Flasche Wein auf. Aber ich habe mir vorgenommen, die überflüssigen Likörflaschen auszutrinken. In der Bar stehen nämlich seit Jahren einige Flaschen, die alle ziemlich, aber eben nicht ganz leer sind, und die wir nicht brauchen. Die trinke ich jetzt aus, zur Note mit Tonic oder Ginger Beer: Kahlua, Eierlikör (gut, der steht noch nicht so lang), Crème de Cacao weiß (nur ein Finger hoch, wobei der tatsächlich für grasshoppers gebraucht wird – aber die neue Flasche steht schon lange daneben), ein Käuterlikör, Drambuie.

Mittagssnack am Sonntag, nach dem Laufen:

Schnelles Sandwich mit Käse und Chutney/Pickle.

Nachmittags Kommunion der jüngsten Nichte: Auf fünf Termine verteilt, Plätze in der Kirche streng limitiert. Kein Restaurantbesuch. Ich war nicht dabei, schaute nur zu Kaffee und Kuchen vorbei. Selbst da war mir nicht ganz wohl, auch wenn ich Distanz gehalten habe, wenn auch ohne Maske. Schade, denn ich hätte mich gerne mehr mit den beiden Schwestern unterhalten.

Ein Gast konnte nicht dabei sein, da seine Firma private Fahrten in Risikogebiete verhindern möchte. Und der betroffene Landkreis ist Risikogebiet. Es ist der Landkreis, in den ich jeden Wochentag zum Arbeiten fahre. Aber Maskenpflicht im Unterricht braucht es nicht, sagt das Gesundheitsamt, weil die Infektionen alle an anderen Schulen sind und nicht bei uns. Das ist mir herzlich egal, bei mir wird seit Mitte letzter Woche Maske getragen.

Mittags gab’s die restliche Endiviensuppe, schmeckte sehr gut, abends den restlichen halben Salatkopf, dazu Mozzarella-Tomatenmark-Basilikum-Toasts aus der Pfanne:

Morgen dann Zucchini, am Dienstag Lauch? Dazwischen viel Arbeit. Und ja, das war ein bisschen viel Toastbrot auf den Bildern. Aber der Schwerpunkt lag halt darin, den Salat loszuwerden.

Verschnaufpause

Am Dienstag Big-Blue-Button-Fortbildung angeboten, sozusagen – aber was heißt schon Fortbildung? Zu einer BBB-Konferenz eingeladen und in der BBB vorgestellt – sich bei unserer BBB-Installationen einen Account geben lassen und einfach mal hingehen, das ist ja eigentlich schon alles. Danach einfach mal alle Knöpfe drücken.

(Und festgestellt, dass IOS mit Safari große Schwierigkeiten hat und macht.)

Danach Green Shakshuka nach diesem Rezept gemacht, auf Kommentatorin Annes Vorschlag hin:

War gut, aber mir fiel auf, dass das dann eigentlich auch nur Spinat mit Ei drauf ist, obwohl green shakshuka viel cooler klingt.

Am Mittwoch Klassenelternabend, nicht online, aber etwas reduziert: Sehr interessant. Die Eltern wollen – verständlicherweise – schon genau wissen, was im Winter, was bei der nächsten Schulschließung passiert.

An dem Tag war ich den ganzen Tag in der Schule, von acht bis halb zehn. Die letzte Stunde war aber Bonusrunde im Lehrerzimmer. Trotzdem war das ein anstrengender Tag, und die Ex, die ich morgen herausgeben wollte, muss jetzt noch ein Wochenende warten.

Gelernt: Ein Kollege bietet ein W‑Seminar an “Verschwörungstheorien nach 1945”. Klingt sehr spannend, ich habe auch schon damit spekuliert. Aber ohne Abbé Barruel ginge bei mir nichts, und die Protokolle sind sicher auch noch dabei.

Donnerstag Lyrik-Aufsätze in 10. Eine Doppelstunde nur Vorlesen: Im Buch sind sechs oder sieben moderne Gedichte, alle zum Thema Liebe, daneben bot ich noch einmal Sturm und Drang an. Alle Schüler und Schülerinnen mussten letzte Woche alle Gedichte überfliegen und sich eines aussuchen und das analysieren. Ziel: ein Aufsatz, den geübten Kriterien entsprechend. Und den so schreiben, dass sie ihn vortragen können und dass die anderen dem Gedankengang folgen können. Heute dann eben das Vorlesen begonnen, und es hörte sich alles sehr gut an. Die Klasse war interessiert und neugierig und wohlwollend und bekam dafür interessante und nachvollziehbare Gedanken. Auch ich kam eigentlich bei jedem Text auf neue Ideen, auch weil ich mich ja selber nicht so gründlich mit den Gedichten beschäftigt hatte.*

Donnerstag ebenfalls die neue Kartoffelkiste. Am Salat werde ich viel Essens haben:

Äpfel, Endivie, Feldsalat, Zucchini, Salat, Spinat, Lauch, Spaghettikürbis

Zum Abendessen aber nur ein bisschen Käse mit dem Grüne-Tomaten-Chutney von letzter Woche, dazu der Feldsalat:

*Nachtrag: Pädagogische Überlegungen, die ich mir vorher dazu gemacht hatte:

  • Ich habe eine Doppelstunde, die ich nicht groß vorbereiten muss.
  • Die SuS kriegen noch Rückmeldung zu einem Aufsatz, ohne dass ich den schriftlich korrigieren muss.
  • Die Sus kriegen viele Beispielaufsätze zu hören.
  • Die Schreibenden haben ein Publikum, für das sie verständlich schreiben müssen, und das dem Vortrag und Gedankengang folgen können muss, und erhalten Rückmeldung über das Gelingen.
  • SuS hören Texte über Gedichte, die sie nur oberflächlich kennen, und lernen dabei Neues: Interpretationen sind ja Gedichtvorstellungen, in dem man einem Publikum Dinge über ein Gedicht erzählt, auf die das Publikum allein nicht so schnell gekommen wäre.
  • (War dann auch gut, einen Podcast mit diesen Inhalten würde ich mir anhören!)

Strohsinglekochen Woche 1, weitere Fotos

Seit Anfang August wartete ich auf einen Blumenkohl in der Kartoffelkiste, um dieses Rezept auszuprobieren, und jetzt war ja endlich einer drin:

Weil mir zu Blumenkohl nicht viel einfällt und Frau Rau nicht alle Blumenkohlgerichte mag. (Außer mein Blumenkohlcurry, aber das kenne ich ja schon.) Und Käse, Käse geht eh immer. Also Blumenkohlröschen mit Currypulver, etwas Öl und Salz im Ofen garen. Eine Bechamel mit viel Käse (und Senf, Knoblauch) machen. Filo-Blätter buttern, Springform auslegen, mit Bechamel, Blumenkohl, Bechamel füllen, zuklappen.

Sieht am Ende nicht mehr ganz so gut aus wie am Anfang, hat aber sehr gut geschmeckt (Kunststück, Blumenkohl in Käsesoße ist halt auch Klassiker) und wird mir noch den einen oder anderen weiteren Tag schmecken.

Am Tag darauf keine Bolognese, nur um den Sellerie halbwegs loszuwerden. Wer soll denn das alles essen? Und eingefroren ist genug… heute brachte der Putzmann auch noch tiefgefrorene polnische Wurst vorbei. (Ich hatte ihm bei der Steuererklärung geholfen.) Also habe ich Eiersalat nach dem Rezept von Sabine gemacht und für diesen die Hälfte des Selleries eingelegt. Der wird dann zusammen mit der großen Paprika und dem Restsellerie mein Mittagessen in der Schule morgen:

Jetzt habe ich eingelegten Sellerie, und das immer noch besser, als nicht eingelegten zu haben, jedenfalls wenn man keine Bolognese will.

Aus dem restlichen Filoteig habe ich diese fancy bread sticks gemacht, weil ich die vor vierzehn Jahren schon mal gemacht hatte und wusste, dass ich das Rezept nicht gesichert hatte. Also gegoogelt und nachgeholt.

Schmeckten sehr gut, sehen aber lange nicht so aus, wie sie das vor vierzehn Jahren taten. Nach wiederholter Lektüre des Rezepts sah ich auch, das ich mich nicht ganz daran gehalten hatte, und will das beim nächsten Mal ändern.

Ist das viele Kochen ein wenig neurotisch? Ein bisschen vielleicht, aber ich bin alt genug, und habe meine kleinen Absonderlichkeiten im Griff.

Freie Fahrt für freie Lehrer: Twitterdiskussionen

Wenigstens weiß ich jetzt, was mich dazu bringt, mich auf Twitterdiskussionen einzulassen. Hintergrund ist vordergründig die Diskussion um den Datenschutz, im Mittelgrund geht es um die Frage, ob man an Schulen mit Microsoft Teams arbeiten soll oder nicht (in Bayern eine durch Entscheidungen des Kultusministeriums akute Frage), und tatsächlich geht es ums Rechthaben und Haltungen.

Auslöser war dieser Tweet des geschätzten Tobias Schreiner, Schulleiter, Bayern, mit digital sehr aktiver Schule:

Die Aufforderung, irgendetwas zu facen, reizt mich oft und reizte mich auch hier zum Widerspruch, und wir diskutierten mittel- oder vielleicht nur viertelheftig. (Also, eigentlich streitet man auf Twitter und diskutiert weniger, aber das Wort hält sich aus historischen Gründen.) Mich störte das pauschale: “Ohne die Nutzung kommerzieller Tools wäre das nicht möglich gewesen.” Wer weiß? Traue ich Tobias zu, das zu wissen? Es gibt gute Gründe, auf Microsoft oder Google zu setzen. Aber dass es ohne nicht geht, dass kann ich mir nicht vorstellen. Und ja, es stimmt auch: vom Temperament her mag ich mir das auch nicht vorstellen, und das Temperament kommt zuerst und danach die Rationalisierung. Aber wenn der Tweet gelautet hätte: “Da schaut her, was wir mit kommerziellen Lösungen schaffen”, dann hätte ich ihn vermutlich überlesen, oder neidvoll auf die Leistungen geschaut – die mich inspiriert hätten, es Tobias’ Schule gleich zu tun.

Tatsächlich reizen mich alle bildungspolitischen Vorschläge zum Widerspruch, die Alternativlosigkeit propagieren, und das oft nicht nur für die eigene Schule, sondern für das gesamte Schulwesen oder eine ganze Generation von Schülern und Schülerinnen oder Kollegien. Schulen sind aber unterschiedlich. An meiner Schule arbeiten wir seit zehn Jahren mit einem Onlinesystem zur Notenverwaltung und Kommunikation. Auch Mebis (und vorher Moodle) ist relativ stark vertreten, wir arbeiten mit Online-Vertretungsplan und ‑Absenzenverwaltung (in der Oberstufe). Und wir fluchen heftig über all diese Systeme, ich auch.

Aber das führt halt auch dazu, dass wir es halbwegs gewohnt sind, mit verschiedenen Systemen zu arbeiten. Je ein Passwort für Mebis, lokale Rechner/Schulcloud, Kommunikationsportal, Vertretungsplan… und die Schulhomepage hat auch noch eines… wir fluchen, aber es geht. Nach und nach geht man dazu über, die Passwörter halt doch irgendwo und irgendwie zu verwalten… uns kann man da vielleicht eher noch ein weiteres Passwort zumuten. Andere Schulen finden andere Lösungen: Gerne.

Ich halte das Umgehen mit verschiedenen Accounts übrigens für ein Kennzeichnen informatischer Bildung. In der Praxis habe ich auch kein Problem damit, im Web bei vielen verschiedenen Diensten und in vielen Foren angemeldet zu sein. Allerdings muss ich mich schon fragen, ob ich mich lediglich einem schlechten System angepasst habe, und ob nicht ein zentrales Identitätsmanagement mir lieber wäre. Ich denke noch darüber nach.

Unabhängig davon halte ich die Möglichkeit, viele verschiedene Programme verwenden zu können, für wichtig:

Wenn ich ein Bild mal eben bearbeiten möchte, nehme ich GIMP oder Paint oder Picasa (so alt bin ich) oder was auch immer auf dem Handy gerade da ist. Für Spezialfälle habe ich spezielle Programme, und Vorlieben, aber ich käme nie auf die Idee, mir ein Programm zu wünschen, das alles kann, so dass ich dann nur dieses Programm brauche.

Hauptsache praktisch!

Die Frage ist nur, beim Identitätsmanagement wie bei den Programmen, wie man das auf die Schule herunterbrechen soll: Sollen die Schüler und Schülerinnen erst mal mit dem vorgegebenen Werkzeug möglichst schöne Sachen machen können, oder sollen sie möglichst unter verschiedenen Werkzeugen auswählen können? Man muss sicher keine Extremposition einnehmen, irgendwo dazwischen geht auch. Und auch wenn das Ziel die Souveränität über das Werkzeug ist, heißt das nicht, dass man nicht am Anfang die Auswahl eng beschneiden kann.

Freie Fahrt für freie Lehrer!

Tobias’ Tweet oben war ja eine Unterstützung von diesem Tweet:

Der vergleicht die Pingeligkeit mancher Lehrkräfte, was Datenschutz oder Markenabhängigkeit oder kommerzielle Software betrifft, mit der Automobilindustrie: Da wäre es absurd, ähnliche Bedenken zu tragen. Wenn man da auch diese Ansprüche hätte, gäbe es vielleicht sicherere Autos, aber viel zu wenige und zu spät; die Menschen müssten vorerst zu Fuß gehen und man könnte mit dem Auto nicht ins Ausland fahren.

Ich vermute, dass sich der Tweet über die Bedenkentragenden unter den Lehrkräften lustig macht? Ich bin aber nicht gut mit Ironie. Der Tweet liest sich dann so wie “Freie Fahrt für freie Lehrer”, wir brauchen keine Bevormundung durch Datenschutz und Besserwisser. Tatsächlich finde ich den Gedanken gar nicht so reizlos. Denn ja, ich glaube, wir denken immer noch zu wenig über Autos und Individualverkehr nach, und wenn wir mehr zu Fuß gingen – oder Fahrräder und ÖPNV nutzten -, dann wäre das vielleicht nicht die absurde Idee, als die sie hier dargestellt wird.

Worauf mit einem anderen Twitterer eine kurze, freundliche, friedliche Diskussion über die Zukunft des Individualvekehrs begann – friedlich wohl auch deshalb, weil beide alle Argumente schon gehört hatten und sie nicht wiederholen mussten und keiner Pauschalurteile treffen wollte. Aber da fiel mir die Ähnlichkeit zwischen Computernutzung an Schulen und Autos erst richtig auf, insofern ist der Ausgangstweet ein Glanzstück:

Ich habe und brauche … weil die so gelobten [Alternativen] .… in keinster Weise meinen Anforderungen und Fortbewegungsszenarien entsprechen. Deswegen könnte ich gar nicht darauf verzichten, selbst wenn ich wollte.

Das passt auf Alternativen zum Privat-PKW wie zu Alternativen für Schul-Microsoft. Ich will nämlich keinem sein Office 365 wegnehmen und keinem seinen Privat-PKW, ehrlich nicht! Manche brauchen das eine oder andere ganz sicher, und können nicht darauf verzichten! Aber ich habe den Verdacht, dass das nicht für alle Autobesitzer und Teamsbefürworter in meiner Umgebung gilt. Und ja, das bedeutet, dass man Städte anders planen und den ÖPNV verbessern muss (und ja, nochmal, ganz ehrlich, ihr dürft euer Auto behalten, wo der ÖPNV nicht funktioniert) und ja, auch seine Fortbewegungsszenarien anpassen muss. In beiden Fällen muss man wählen zwischen “Hauptsache praktisch” und einer Perspektive, die auch auf die Zukunft gerichtet ist. In beiden Fällen gehöre ich eher nicht zu den Pragmatikern – Temperamentsache, wieder.

(Microsoft und Teams steht hier nur stellvertretend für anderes auch, Google ist nicht besser; aber Teams ist halt gerade aktuell – das Kultusministerium hatte es freigegeben, während der Schulschließungszeit, für ein halbes Jahr, und jetzt wird gestritten, ob es trotz Datenschutzbedenken weiter zu verwenden ist oder nicht. Das war abzusehen.)

Strohsinglekochen Woche 1

Frau Rau ist operiert, es geht ihr gut.

Freitagabend ist Feierabend: Am Samstag und Sonntag muss ich ja doch immer arbeiten, dafür halte ich mir den Freitag frei, und da kaufe ich gerne ein und koche. Aus den grünen Tomaten aus der Kiste wurde Chutney:

Und zwar nach diesem Rezept (etwas kleinere Menge, längere Kochzeit; Apfelessig statt Malzessig). Neu war mir, dass man ganz anders einmacht, als ich das kenne. Zumindest in den USA gilt die open kettle method, wie ich sie auch bei meiner Orangenmarmelade benutze, als veraltet und brandgefährlich – im Nu holt man sich Botulismuskeime. Botulismus spielt in der amerikanischen Einmachkultur eine größere Rolle, zumindest ist mir der in Geschichten von O. Henry und so weiter (Unsere kleine Farm?) immer wieder mal begegnet, in deutscher Literatur nie. Frontier halt.

Die Seite “The old British method of just “bottling” preserves is known to be unsafe now” klärt akribisch über die Hintergründe auf.

Danach gab es den restlichen Asiasalt mit Tomatenwürfeln und Essig und Öl krude darüber gelöffelt, und dazu Pizzette (nicht mein Wort) mit Lammhack, Koriander, Tomatenwürfeln:

Das Rezept habe ich aus dem Guardian, Granatapfelmelasse ist eh immer im Haus (bei Ihnen nicht?), Baharat zufälligerweise tatsächlich auch, ebenso Hefewürfelreste. Ich war sehr angenehm überrascht. Das will ich mal Frau Rau zeigen. Ich bin sonst mit den Hefeteigböden meiner pizzartigen Gerichte nicht sehr zufrieden, Flammkuchen ausgenommen – vielleicht war der Trick diesmal, dass der Belag relativ saftig war. So war der Boden fest, aber kein bisschen hart oder trocken.

In der Schule Unterricht gemacht, aktuelle Fassung meiner Präsentation zur Weimarer Klassik gezeigt. Nach der ersten Folie behauptete ich, ich hätte mich nicht für eine Schriftart entscheiden können – welche passe am besten für die Epoche der Klassik?

Darauf Diskussion über Typographie (ich) und Musik (Schüler und Schülerinnen). Ein Musikbegeisterter spielte Stücke von Beethoven, Bach, Mozart vom Tablet ab und wir ordneten Schriftarten zu. Mein Fazit: Das nächste Mal noch mehr Schriftwarten anbieten.

Kartoffelkiste, Woche 1 des Alleinessens

Heute morgen brach Frau Rau auf in eine Klinik, um sich dort ein neues Hüftgelenk einbauen zu lassen. Lange Geschichte, und dramatisch genug, aber davon erzählt Frau Rau selber a.a.O. (am anderen Ort). Hier geht es um mich, den für etliche Wochen Zurückgelassenen.

Unter anderem bin ich Bewahrer der wöchentlichen Kartoffelkiste, unserem Genossenschaftsanteil. Der kommt bei uns immer am Donnerstag und sieht für diese Woche so aus:

Grüne Tomaten, Paprika, Sellerie, Blumenkohl, Pak Choi, Salat, Asia-Salat

Auch auf Wunsch von Frau Rau – aber ebenso aus eigenem Interesse – will ich festhalten, was ich damit und mit den nächsten Kisten anstelle. Mein Plan für die Woche:

  • Donnerstag: grüner Salat (siehe unten)
  • Freitag: Chutney aus den grünen Tomaten (nicht zum Sofortessen); Asiasalat, dazu Lammhackpizza nach einem Guardian-Rezept, das ich mal heruntergeladen habe (und wenn ich das erst einmal getan habe, muss ich das auch zubereiten – einfach löschen geht nicht)
  • Samstag: Blumenkohl-Käsesoße-Filo-Pie (dito, aber mit mehr Erwartungen an das Ergebnis)
  • Sonntag: wenig einfallsreiche, aber gute Bolognesesauce aus aufgetauter Salsiccia, der Sellerie (für die fällt mir sonst wenig ein, eingefroren ist eh schon welche), der Paprika?, zuzukaufender Zwiebel – dazu die lang mal geplanten Flapjacks, oder habe ich es zu eilig damit, alle die Rezepte abzuarbeiten? Nachtrag: Dazu Eiersalat mit Sellerie.
  • Montag: Pak Choi – will mich noch nicht festlegen, wie. Vermutlich gebraten-gedämpft, dazu Reis, und mal wieder schwarze gesalzene Bohnen? Nachtrag: Das eher am Dienstag.
  • Dienstag: Reste. Irgendwas wird doch übrig geblieben sein. Oder einfaches Sushi, mit Paprika in der Mitte, wenn noch welche da ist? Nachtrag: Nein, stattdessen grüne Shakshuka, und zwar am Montag.
  • Mittwoch: Klassenelternabend. Was das für mein Essen heßt, weiß ich noch nicht

Heute jedenfalls erst einmal Salat. Der Salatkopf dazu war war erfrischend klein, so dass ich noch ein bisschen Asia-Salat darunter mischte. Das gibt es bei uns gerne im Winter in der Kiste, ist letztlich irgendwas Kohl-basierte.

Wir fragen uns manchmal, Frau Rau und ich, was aus uns geworden wäre, wenn wir nicht einander gefunden hätten. Bei mir sehe ich das relativ klar (es wäre lange nicht so schön, und weniger aufregend, obwohl Teil des Schönen ist, dass es gar nicht aufregend ist), aber jetzt kann ich wenigstens mal ausprobieren, was ich mache, wenn ich ein paar Wochen allein bin. Sonst bin ich ja allein mit Frau Rau und genieße das dann sehr, und das wird schon anstrengend für mich, so ohne sie.

Gulasch, Räuber, kommunikativer Sexismus

Abendessen war Wildschweingulasch, um die Heizperiode einzuleiten:

Dazu Böhmische Knödel, fast so gut wie in meiner Kindheit. Ich habe allerdings weniger Rollmuster innen in Erinnerung. Das Rote ist Moosbeerenmarmelade, gesammelt, gemacht und geschenkt bekommen vom lieben Kollegen.

Als Nachtisch gab es doch noch Sommerliches: Zum ersten Mal Wassermelone aus dem Kartoffelkombinat, unserer Anbaugenossenschaft.

War sehr süß, sehr lecker.


In der Schule in der 10. Klasse Die Räuber gemacht. Eigentlich ist ja gerade Lyrik, aber da habe ich Übungsaufsätze gekriegt, und Drama kommt bei vielen besser an – ich finde das Stück auch sehr zugänglich. Erste Szene, Besetzungsfragen: der alte Moor klischeehaft dick (gemütlich, gutwillig) oder dünn (zerbrechlich, alt)? Der Schülervorschlag Leonardo di Caprio als Franz Moor wurde mehrheitlich abgelehnt, große Zustimmung dagegen für Tom Hiddleston (“Loki”). Kunststück: der intrigante, verschlagene, eifersüchtige Bruder ist ja fast die gleiche Konstellation. Als Nächstes wurde dann Wurmzunge aus dem Herrn der Ringe – und anscheinend auch der Hobbit-Verfilmung – vorgeschlagen, passt auch. (Wurm aus Kabale und Liebe habe ich für mich behalten.)


In Deutsch 11, auch als Vorbereitung auf die Dramenanalyse, Zeichen- und Kommunikationsmodelle gemacht. Angefangen mit der Bibel:

Denn als Gott der Herr gemacht hatte von der Erde allerlei Tiere auf dem Felde und allerlei Vögel unter dem Himmel, brachte er sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch allerlei lebendige Tiere nennen würde, so sollten sie heißen. Und der Mensch gab einem jeglichen Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen

(1. Mose 2)

Dann Probleme gezeigt, warum das so einfach nicht geht mit der 1:1‑Zuordnung von Dingen und Wörtern. Ganz kleiner Exkurs, man hat ja Bildungsauftrag: Da der Mensch näher mit den Goldfischen verwandt ist als die Goldfische mit den Haien, ist der Begriff “Fisch” allein schon nicht ganz einfach. Es gibt Knorpelfische (Haie, Rochen) und Knochenfische, und da wiederum Strahlenflosser (Goldfische) und Fleischflosser (Quastenflosser), und zu letzteren letztlich auch die Tetrapoden/Landwirbeltiere…

Organonmodell ganz kurz, Schulz von Thun, Roman Jakobson. Ist alles auch im Schulbuch, aber nicht sehr verständlich dort, finde ich. Und am Ende Sprechakttheorie nach Austin/Searle, erweitert um die phatische Funktion bei Jakobson. Das können die Schüler und Schülerinnen alles bei der Dramenanalyse heranziehen, wenn es sich anbietet, sie müssen aber nicht.

Mir war es wichtig, dass sie verschiedene Modelle gezeigt bekommen, auch wenn ein Arbeitsblatt am Schluss klar macht, welche Elemente ich für sie für die Schule für am geignetsten halte. Denn es ist ja nicht so, dass alle Nachrichten vier Seiten haben, sondern: nach dem Modell von, zum Beispiel, Schulz von Thun ist das jeweils der Fall. Andere Modelle machen das anders, und manche Modelle sind für manche Zwecke geeigneter als andere.

Vier Seiten einer Nachricht, Wikipedia, gemeinfrei
Roman Jakobson, Functions of Language, Wikipedia, gemeinfrei

Mit Schulz von Thun bin ich nie so recht warm geworden. Der Unterschied zwischen den Aspekten ist mir nicht immer klar, und die phatische Funktion fehlt. Außerdem sind die Standardbeispiele dann doch irgendwie sexistisch. “Was ist das Grüne in der Soße?”/“Mein Gott, wenn es dir nicht schmeckt, kannst du ja selber kochen.” Die Frau kocht für den Mann und ist auch noch zickig, weil sie seine harmlose Frage missversteht. Anderes Beispiel, bei dem ich nicht weiß, ob es von Schulz von Thun ist, aber es ist auch im Schulbuch: “Du, da vorne ist Grün!”/“Fährst du oder fahre ich?” Da ist es egal, wer am Steuer sitzt, Hauptsache, das eine ist ein Mann und das andere eine Frau.

Es hilft gar nicht, dass der unmittelbar folgende Abschnitt des Schulbuchs (2008) den unsäglichen Mario Barth und sein heiteres Wörterbuch “Deutsch-Frau, Frau-Deutsch” präsentiert. Die Arbeitsaufträge dazu sind nicht besonders kritisch:

  1. Der Autor karikiert das Verhalten eines Paares. Warum misslingt hier die Verständigung?
  2. Tragen Sie eigene Erfahrungen und Beobachtungen zum Gesprächsverhalten von Männern und Frauen zusammen. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse.

Da kann etwas Gutes herauskommen dabei, aber man müsste mindestens auch über die Gründe für das andere Gesprächsverhalten sprechen. Ich glaube übrigens nicht, dass Lehrer und Lehrerinnen sich da unterschiedlich im Klassenzimmer verhalten. Fachabhängige Unterschiede sehe ich eher, und dass Lehrer im Lehrerzimmer eher die Lehrerinnen unterbrechen als umgekehrt, das stimmt wohl schon.

(Nachtrag: Sprechaktanalyse dann geübt anhand von Loriotsketch.)