Ich glaub mich laust der Affe! (Abizeitungen)

Ich glaube, ich muss mir einen lustigen Spruch zulegen. Ich werde nämlich nie in Schülerzeitungen oder Abizeitungen zitiert, wirklich nie. Wahrscheinlich bin ich nicht witzig. Hier sind so Sachen, die in der Abizeitung stehen:

Wer Jogginghosen draußen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Physik ist schön, man muss es halt können.

Wie seid ihr eigentlich in die 9. Klasse gekommen?

Zum Teil halten die Schüler und Schülerinnen diese Sprüche für witzig; sicher auch, weil sie sie – im Gegensatz zu Lehrern und Lehrerinnen – zum ersten Mal hören. Zum Teil sind sie sicher auch mit der Situation und dem Wesen der Lehrkraft verbunden und aus diesem Zusammenhang heraus erinnernswert oder witzig. Als Außenstehender kriegt man das nicht so mit.

Überhaupt, Außenstehender. Ich glaube, ich werde nächstes Jahr keine Abizeitung kaufen. Lehrer und Lehrerinnen sind nicht Adressaten, das sind alles Insidertexte und Insiderwitze, und dafür zahle ich keine 12 Euro. Da gebe ich diesem Tweet recht und ziehe halt die Konsequenz:

An jedem Gymnasium dürfte es etabliert sein, dass jeder Schüler und jede Schülerin zwei Seiten in der Abizeitung kriegt, eine mit Interviewfragen und Antworten, eine selbst oder von Freundinnen kreativ gestaltete, persönlichere Seite. Interessante Fragen sind die nach bester Schullektüre, was man in 12 Jahren Schule gelernt hat, was man nie verstehen wird, was einen vom Schulabbruch abgehalten hat, was man einem zukünftigen Fünftklässler/einer Fünftklässlerin raten würde. Interessante Antworten sind die, die Fragen ernst nehmen, die meisten sind allerdings aber nur launig-oberflächlich. Alle Fragen bis auf as Geburtsdatum betreffen die Schule, also nichts zu Hobbies (finde ich okay), aber auch nichts zu Instagram oder gar Twitter. Das machen sicher einige Schüler, aber nicht viele, und das ist wohl eher nichts, das man vorzeigen, für das man bekannt sein möchte.

Zu diesem Thema im Telegraph gelesen: Einer Studie zufolge wünschen sich viele Jugendliche, dass alle ihre Internaktivitäten, die sie getrieben haben, als sie noch keine 18 Jahre alt waren, mit der Volljährigkeit gelöscht werden sollten. Weil es so wichtig ist, Fehler zu machen und Dinge auszuprobieren, aber als Erwachsene soll das nicht mehr gegen sie verwendet werden können. Hm, ich sehe das anders.

Die meisten Abizeitungen werfe ich kurz nach dem Lesen weg. Ich würde sie schon aufheben, so als Forschungsgegenstand, wie ich überhaupt gerne alles archivieren würde, habe aber keinen Platz. (Und digital, gerne auch adaptiv statt pdf, ist noch keine Alternative.) Also weg damit, aber zwei oder drei Jahrgänge habe ich noch, darunter meinen eigenen. Hier eine kurze Gegenüberstellung:

1987:

  • Erster Satz: „Und hier in der Hallstraße, meine Damen und Herren, sehen Sie das Schmuckkästchen unserer schönen Fuggerstadt, ein Musterbeispiel abendländischer Kultur.“
  • 115 Seiten A5, DM 3,-
  • Fließtextseiten: 42
  • Motto: keines

2009:

  • Erster Satz: „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder, Was Sie hier in den Händen halten ist die Abiturzeitung des ersten Abiturjahrgangs des neuen Graf-Rasso-Gymnasiums.“
  • 307 Seiten A4, €5
  • Fließtextseiten: 18
  • Motto: abistokratie

2019:

  • Erster Satz: „Liebe Leser*innen, an unserer Verleihung wurden vermutlich genug kitschige Reden gehalten und unsere StufenkameradInnen haben durch die langen WhatsApp-Nachrichten in den letzten Wochen sicher auch erstmal genug von uns gehört.“
  • um die 300 Seiten A4 (keine Seitenzahlen), € 12,-
  • Fließtextseiten: 1
  • Motto: Westminster Abi – der Adel dankt ab

Das mit dem Fließtext ist auch bei dem Abijahrgang meines Neffen so, ebenfalls 2019. Schön gestaltete Abizeitung, aber keine Fließtexte; Beiträge zu Kursfahrten, aber nur als Fotocollagen. Daneben gibt es Balken- und Kreisdiagramme, Zitatschnipsel, Kurz- und Kürzesttexte.

Ich finde das schade und verspüre den Wunsch, darin den Untergang des Abendlandes zu sehen. Aber nun, Zeiten ändern sich. Gute Tweets mag ich selber, Texte diesseits des „erweiterten Textbegriffs“ der Lehrpläne schreiben macht Arbeit, und es verspüren wohl weder die Ersteller der Abizeitungen noch das Publikum ein Bedürfnis danach. Aber schade isses doch.

Können wir mal etwas Schwierigeres lesen?

Im Moment liest mein Kurs gerade Theodor Fontane, Irrungen, Wirrungen. Ein guter, nicht ausgelasteter Schüler fragte mich danach, ob wir nicht mal etwas Schwierigeres lesen könnten.

Leseempfehlungen gebe ich immer gerne, das geht hoffentlich allen Lehrern und Lehrerinnen so, insbesondere mit dem Fach Deutsch. Was heißt schwierig? Ist Irrungen, Wirrungen nicht schwierig genug? Faust ist schwierig und Iphigenie und Nathan, weil die Sprache den Schülern und Schülerinnen fremd ist, aber das war nicht gemeint.

Für die Schule musste ich vertrösten: Im bürgerlichen Realismus gibt es nichts, was sprachlich schwierig ist, da müsse er bis zur Moderne warten. Und dann, ja, Ulysses, Berlin Alexanderplatz, Lyrik des Expressionismus… aber war es das, was er meinte? Wann ist Literatur schwierig? „The past is a foreign country; they do things differently there“ ist der berühmte Anfangssatz von The Go-Between von L. P. Hartley. Die Vergangenheit verstehen, das ist doch immer schwierig; und jedes Werk der Literatur ist auch immer eine andere Welt, die fremd sein kann, auch wenn sie einfach ist.

Mit darstellender Kunst ist es doch auch so. Das hier ist einfach:

Dass ich das nicht malen könnte, darum geht es nicht; das Bild ist einfach zu verstehen. (Glaube ich.) Und trotzdem sehe ich mich nicht satt daran und es fordert mich heraus.

Auf weitere Nachfrage an einem anderen Tag präzisierte der Schüler: Ein Weltbild suche er, das ihn herausforderte, an dem er lernen könnte, und ein Buch präsentiere ja auch immer ein Weltbild. (Ich glaube, das habe ich denen letztes Jahr mal so gesagt, bin mir aber nicht mehr ganz sicher.)

Erzählende Literatur ist für mich zumindest außerhalb der Schule kein Werkzeug, um zu lernen; aber ein Mittel, sich zu bilden – im Sinn der Aufklärung – ist sie auf jeden Fall. Wenn mich Fontane und die von ihm beschriebene Welt auch heute reizen, als Schüler hätten sie mich gelangweilt, gebildet, geformt hätten sie mich nicht. (Unterhalten schon gleich gar nicht.) Das gilt übrigens nicht für den Schüler.

Welche schwierigen Bücher, anders schwierig als Fontane, empfehle ich jetzt dem jungen Mann? Am liebsten im Original auf Deutsch; mir fallen nur Übersetzungen ein. Kurz meine gelesenen Bücher der letzten Jahre durchgesehen:

  • Homer, Odyssee
  • Ted Chiang, Stories of Your Life and Others
  • Isak Dinese, Seven Gothic Tales
  • Charlotte Brontë, Jane Eyre
  • Salomon H. Mosenthal, Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben
  • Robert Menasse, Die Hauptstadt
  • Kazuo Ishiguro, The Remains of the Day
  • Rudyard Kipling, Stalky & Co
  • Ursula K. Le Guin, The Left Hand of Darkness
  • Philip K. Dick, Do Androids Dream of Electric Sheep?
  • Martin Amis, Time’s Arrow

Ja, wenig auf Deutsch. Max Frisch? Thomas-Mann-Novellen? Ich suche weiter.

Weitere Empfehlungen aus den Kommentaren zusammengetragen:

  • Gabriel García Márquez, Hundert Jahre Einsamkeit
  • Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini
  • Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter
  • Herta Müller: Atemschaukel
  • Saša Stanišić: Wie der Soldat das Grammofon repariert
  • Pia Ziefle: Suna
  • Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens
  • Stefan Zweig: Die Welt von Gestern
  • Arno Schmidt: KAFF auch Mare Crisium
  • Franz Kafka: Der Prozess
  • Jonathan Safran Foer
  • Christoph Hein
  • Raoul Schrott: Tristan da Cunha (Einsamste Insel der Welt, missglückter Roman rückwärts)
  • Matthias Politycki: Der Herr der Hörner (Voodoo in Santiago de Chile; hierzu auch Hubert Fichte?)
  • Chris Kraus: Sommerfrauen, Winterfrauen (Subjektive Perspektive auf die Filmavantgarde der 80er Jahre in New York und anderswo)
  • Josef Bierbichler: Mittelreich (Bayern Post 1945)
  • Herbert Achternbusch: Die Atlantikschwimmer
  • Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts (Post-DDR)
  • Seiler: Kruso (Wende und Post-DDR)
  • Thomas Hettche: Pfaueninsel (Vor-DDR Preußen)
  • Juri Brezan: Krabat oder Die Verwandlung der Welt (Sorbischer Mythos)
  • Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut (Minderjähriges Flüchtlingsmädchen in Wien)
  • Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste
  • Timothée de Fombelle: Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle.
  • Robert Musil, Die verwirrungen des Zöglings Törleß
  • Marlen Haushofer, Die Wand
  • Gabriele Tergit: Effingers
  • Andreas Moster: Wir leben hier, seit wir geboren sind (Wenn es ganz modern zugehen darf. Aber harter Stoff.)
  • Heimito von Doderer, Die Strudlhofstiege
  • Alexander Lernet-Holenia, Der Baron Bagge
  • Karl Philipp Moritz: Anton Reiser. Grosse Empfehlung.
  • Gottfried Keller, Das Meretlein
  • Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplicissimus
  • Günter Grass, Das Treffen in Telgte
  • Bettina Brentano: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde
  • Max Frisch, Homo Faber / Gantenbein / Montauk (keine „guten“ Bücher, aber mit Weltbild)
  • Fritz Zorn, Mars (siehe Frisch)
  • Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (siehe Frisch) (Ich rate ab. Auch, weil zu Gemisch aus Fiction und Nonfiction. Herr Rau)
  • Jeremias Gotthelf, Die schwarze Spinne
  • Albert Meyer, Berndeutsche Odyssee parallel zur klassischen deutschen Übersetzung
  • Walter Kempowski
  • Herbert Rosendorfer, Der Ruinenbaumeister
  • Steffen Mensching, Schermanns Augen

Bogenschießen 2019

Inzwischen Tradition: Um diese Zeit im Jahr fahre ich mit unserer Bogenschießen-Schulsportmannschaft (nur aus Frauen bestehend) zur Bayerischen Bogenschießen-Schulsportmeisterschaft. Diese Taghat etwas Meditatives. Um fünf Uhr aufstehen, Zug fahren, den Tag über zusehen, wie viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen schießen. (Ich habe das selber als Teenager gemacht.)

Neu ist nicht viel. Unsere Mannschaft hat den zweiten Platz gemacht, wir haben einige sehr gute Schützinnen dabei.

Der freundliche Wegweiser zum Schießplatz in Feucht
Am Anfang alles noch etwas trübe
Später viel sonniger
Dazwischen Mittagspause

Beim modernen Bogensport sind viele Hilfsmittel am Bogen zugelassen: Visier, Stabilisatoren, Tabs (ein lederner Schutz, damit die Fingerkuppen nicht unmittelbar an der Sehne ziehen, weil das weh tut), Klicker (eine Art Metallzunge an der Pfeilauflage, die die Kontrolle ermöglicht, den Bogen jedesmal exakt gleich weit anzuziehen, wenn man schießt). Diese Mittel nutzten die meisten Schützen; die Einsteiger dürfen aber noch nicht damit arbeiten. Außerdem verzichten Feld- und Jagdschützen darauf und andere Vertreter eines ursprünglicheren Bogenschießens. Ein paar hatten wir am Nebentisch, ohne Visier und sogar ohne Tab, dafür mit einem ganzen Handschuh an der Schusshand. Beim Feldschießen schießt man oft auch auf unbekannte Entfernungen oder leicht bergauf oder bergab.

Gerade bei Wikipedia gelesen: Gibt auch 3D- und 4D-Bogenschießen. Was alles gibt inzwischen, bei mir gab’s immer nur Regen am traditionellen 1.-Mai-Turnier.

Tag der Informatiklehrer und -lehrerinnen 2019

Seit zehn Jahren oder so gehe ich jedes Jahr auf den TdI an der LMU, eine familiäre Veranstaltung inzwischen. Seit acht Jahren habe ich zum ersten Mal keinen Workshop angeboten. Unüberraschend war das so viel entspannender, und ich konnte mit zwei Workshops anschauen.

Ich war in einem Workshop zu Capture the Flag. Darunter versteht man Wettbewerbe aus dem Bereich Computersicherheit; man versucht den eigenen Server zu schützen und den der anderen Teams zu hacken, indem man Schwachstellen ausnützt. In einer anderen, häufigeren Variante erfüllt man verschiedene Aufgaben aus dem Bereich der Computersicherheit, die Hartnäckigkeit und Computer-Fachwissen erfordern – SQL-Injection, Quellcode analysieren, versteckte Botschaften finden, Programme decompilieren, verwundbaren Code erkennen.

Links zum Thema:

Wir haben das auch spielerisch ausprobiert, der Workshopleiter hatte auf einem Server ein paar Aufgaben für uns vorbereitet. Ganz wichtig für die Motivation: Es gab eine Highscoreliste, man sah also, wie weit die anderen (Teams) schon waren. Das spornt viele an, jedenfalls, ahem, wenn man gleich von Anfang vorne mitspielt. Zu den Aufgaben gehörten: Webshortener analysieren, Bilddateien mit Hexeditor betrachten, SQL-Injection, Java-Bytecode decompilieren, Cäsar-Chiffre und andere Codierungen (Base64) – lauter Sachen, die ich schon mal gemacht hatte, aber mir war nicht klar, dass ich dazu gar nicht meine Software brauche, sondern alles webbasiert zur Verfügung steht. Aber es waren natürlich alles simple Aufgaben, und alle haben wir auch nicht geschafft. Erinnert haben sie mich an diese wbbasierten Rätselspiele, die vor ein paar Jahren aufkamen: Notpron etwa, wo man von einer Seite aus jeweils zur nächsten kommen muss. Eigentlich auch nur eine Form von virtuellem Escape Room.

Und ich war in einem Workshop zu Snips (https://snips.ai/). Das ist eine Plattform, auf der man Apps erstellen kann, die dann zum Beispiel auf dem Raspberry Pi ausgeführt werden. Der Raspi kann danach Sprachanweisungen ausführen. Was der Raspi macht, programmiert man selber, in Python; mit der Webseite führt man die Komponente der Spracherkennung hinzu, also: welche Kommandos oder Varianten davon mit welchen Argumenten zu welchem Methodenaufruf führen sollen. Schwierig war an den Unirechnern, die App auf den Raspi zu kriegen, aber das interessiert mich eh weniger als die Softwareerstellung.

Kartoffelkistenwoche

Frau Rau ist derzeit nicht zu Hause und ich muss diese Woche alleine mit der heute abgeholten Kartoffelkiste zurechtkommen. Deshalb habe ich einen Plan gemacht, was ich die Woche über kochen werde. Mal sehen, was daraus wird; Bilder und Rezeptlinks reiche ich nach. Falls wer mal vorbeikommen möchte zum Essen: Jederzeit.

Donnerstag

Der schwierigste Tag, weil: Salat. Ich mag Salat in kleinen Portionen. Kleine Salatportionen gibt es bei uns nicht, selbst wenn ich mir den Salatkopf mit Frau Rau teile. Diesmal ist es ein ganzer Salatkopf nur für mich. Gibt also: Sandwiches (so viel Toast war noch da, von Experiment gestern) mit dick Mayonnaise und Käse und so viel Salat wie möglich.

Danach ein vielleicht etwas passiv-aggressiv geratener, aber nicht böse gemeinter grüner Salat auf Glasteller:

Nachtisch: Schokolade.

Freitag

Geplant: Zucchini aus der Kiste nach einem Rezept aus dem Guardian. Optional dazu noch Apfelkompott, selbst gekocht aus Schwiegergartenäpfeln, und Joghurt aus Kühlschrank, noch von Frau Rau. Zuzukaufen: Mozzarella, Ricotta.

– An Plan gehalten, Apfelmus und Joghurt war Frühstück, tagsüber Fortbildungstag an der Uni, abends dann den Auflauf:

Etwas zu viel Semmelbrösel oben, insgesamt aber schon okay. Aber mit Zucchini gibt es andere schöne Sachen. Ich habe nur die Hälfte des Rezepts gemacht, davon knapp die Hälfte gegessen, Rest für morgen tagsüber.

Samstag

Geplant: Dim Sum mit roter Beete aus der Kiste. Die tiefgefrorenen Teigblättchen müssen mal weg. Zuzukaufen: Frühlingszwiebeln. Speck? Tofu? Als Reserve Kartoffelrösti.

– An Plan gehalten. Den Tag über die Zucchinireste gegessen, abends eine Rote Bete gehackt, mit Frühlingszwiebeln, Ingwer, Fischsoße, Sesamkörnern, Honig, getrockneten Pilzen, Gewürzen (Chili, Five-Spice-Mischung, Piment, Kreuzkümmel, Koriander) zu einer Füllung verarbeitet. Kein Speck, kein Tofu. Rezept abgewandelt aus: Lee Anne Wong, Dumplings All Day Wong.

Sonntag

Geplant: Socca (so eine Art Kichererbsenpfannkuchen?) nach Ottolenghi mit Kombinats-Mangoldgemüse. Reserve wieder Kartoffelrösti. Kichererbsenmehl und Kichererbsen sind im Haus.

– Nicht ganz an Plan gehalten. Für morgen Reis gekocht; für irgendwann mal (Mittwoch?) aus den letzten Schinkenresten Brühe gekocht. Mit dem Socca-Rezept hatte ich pfannenmäßig meine Schwierigkeiten. (Die Kichererbsen-Zitronen-Salsa ist aber eine gute Idee.) Darüber habe ich dann ganz den Kombinatsmangold vergessen!

Die Rückseite sieht viel besser aus, ist aber etwas zu dunkel geworden. Insgesamt bleibe ich lieber bei meinem bisherigen Rezept, mit einer dickeren Socca/Farinata.

Montag

Geplant: Noch nicht sicher. Pasta mit chinesischer Keule aus der Kiste – heißt auch Spargelsalat und ich habe noch nicht viele Ideen, was ich damit machen kann.

– Statt Pasta Reis, gebratener Reis, weil Frau Rau sich nicht so viel aus Reis macht. Die chinesischen Keule geschält und in Stücke geschnitten, ist innen saftig und lindgrün; die Blätter kleingeschnitten und angebraten, später alles zu gebratenem Reis verarbeitet. Spätnachmittags gegessen, weil Mittagessen quasi ausfiel. (Joghurt und Kombinatsgurke.)

Den gebratenen Reis habe ich so gemacht, wie mein Studienfreund Wai mir das in Brighton gezeigt hat: Reis vom Vortag; das Ei in der Mitte verquirlen und recht fest werden lassen, bevor man es dann in Stückchen unter den Rest verteilt. Und nicht zu viel Sojasoße! Nicht im Bild: Die süßscharfe chinesische Soße dazu. Macht man ja vielleicht nicht, aber Wai schon.

Nachtisch/zweites Abendessen: Käsesoße aus der Jamon-Brühe im Kühlschrank (statt Wasser), Käse und Natriumcitrat – da kommt dann so etwas heraus wie die Nachosoße im Kino. Warum? Weil ich’s kann. Dazu drei Weizentortillas, weil ich noch Hunger hatte.

Dienstag

Wahrscheinlich aushäusig. – Jawohl, Bogenschießen gewesen.

Mittwoch

Geplant: Tsatsiki. Joghurt und Knoblauch sind Haus, dazu Kombinatsgurke. Und spätestens jetzt Rösti aus Kombinatskartoffeln dazu.

– An Plan gehalten. Herr und Frau Hauptschulblues und Frau Klugscheißer waren da und halfen beim Bewältigen der Kartoffeln. Dazu den vergessenen Mangold (Kichererbsen am Vortag eingeweicht, gekocht; Knoblauch, scharfer geräucherter Paprika, Kreuzkümmel, Olivenöl, etwas Essig) und eine Salsa aus Petersilie und den just an diesem Tag zu öffnenden eingelegten Salzzitronen.

Ich hatte mich schon darauf gefreut, das als Museumsführung zu betrachten und darüber zu twittern: „Und hier sitzt Frau Rau immer und macht die Glastellerfotos.“ „Und da, da liegt immer ihre Süddeutsche.“ (Würde mir Attrappe besorgen müssen.) War dann aber gar nicht so.

Am Donnerstag kommt dann die nächste Kiste.

Amie Kaufman & Jay Kristoff, Illuminae

(Weitgehend frei von dem, was ich als Spoiler bezeichnen würde.)

Foto des Buches von der Seite, so dass man verschiedene Seitenfarben erkennt

Schon beim ersten Blick in Illuminae erkennt man ein Bauprinzip des Buchs: Der Roman ist quasi eine Art Briefroman, eine Sammlung von E-Mails, Interviews, gelegentlichen Postern, Funksprüchen, anderer Kommunikation, jeweils aufwendig grafisch gestaltet. Die Sammlung ist aber nicht zufällig entstanden, sondern kuratiert: In einem ganz kurzen Anschreiben zu Anfang des Textes erfahren wir, dass eine Partei für einen Auftraggeber alle Dokumente zusammengetragen hat, die mit dem Angriff auf eine illegale planetare Schürfoperation und dessen Folgen zu tun haben. Technisch handelt es sich also um einen geordneten Schuhkarton.

Das ist meine private kleine Terminologie. Ein Schuhkarton ist, zum Beispiel, ein Schuhkarton voller Material, das dem Betrachterzur Verfügung gestellt wird, und das in keiner vorgegebenen Reihenfolge rezipiert wird. Der Erzähler in H. P. Lovecrafts „The Call of Cthulhu“ findet im Nachlass seines Großonkels ein solches Konvolut – Briefe, Tagebücher, Zeitungsschnipsel, ein Relief – und macht sich einen Reim daraus, den er dem Leser präsentiert: Und diese Auswahl und Sortierung macht daraus einen geordneten Schuhkarton. Hier kann man für teuer Geld ein Faksimile der ursprünglichen Angell Box (benannt nach dem Großonkel) erwerben.

Ungeordnete Schukartons in der Literatur sind selten. Im Computerspiel (in Ermangelung eines besseren Worts) Her Story betrachtet man als Ermittler eine große Anzahl an Videoaufzeichnungen von Zeugenaussagen, und zwar in keinerlei vorgegebener Reihenfolge (sondern durch das Suchen nach Schlagwörtern) und muss daraus die Geschichte rekonstruieren. Und zwischen 1936 und 1939 erschienen vier crime dossiers von Dennis Wheatley und J. G. Links), 1984 als „DuMont’s Criminal-Rätsel“ auf Deutsch erschienen: Briefe, Umschläge, Zeitungsartikel, Fotos, als Faksimile oder sogar als feelie, also tatsächliche Beigabe oder Reproduktion. Die sind zwar linear angeordnet, aber zum Lösen des Falles (diese Aufgabe haben die Leser und Leserinnen) muss man sicher nicht linear lesen.

Illuminae jedenfalls ist vom fiktiven Redakteur in eine chronologische Ordnung gebracht. Und das ist auch sinnvoll; die Handlung wird als linear präsentiert. Verständlich, aber albern: Dem Wunsch des Auftraggebers entsprechend sind alle Flüche und Schimpfwörter geschwärzt. Ich verstehe, wenn man das Buch verkaufen möchte, ohne mit besorgten Eltern in Konflikt zu geraten, aber dann bitte gar keine Erklärung statt dieser unglaubwürdigen Legende.

Ganz durchgehalten wird das mit der Dokumentensammlung nicht; kurz vor Mitte des Buchs (S. 264) wird ein neuer Akteur mit neuem Tonfall aktiv, dessen Äußerungen formal als Dokument bezeichnet werden, aber da sind die Grenzen meiner Gutgläubigkeit erreicht. Auch andere Dokumente – zum Beispiel eine Art Countdown, jeweils einen für den Endgegner in der ersten Staffel (bis S. 294) und einen für den der zweiten Staffel – sind nicht glaubwürdig. Und schließlich verleitet die typographische Vielfalt der Formen an einigen Stellen dazu, die Fiktion ganz aufzugeben: Es wird fast eine Art konkrete Lyrik daraus, etwa wie Alfred Bester in Golem100 oder in Ansätzen in The Demolished Man – der Raumschiffe im All ziehen eine Spur von Wörtern hinter sich her (S. 281-289).

Die eigentliche Handlung ist Science-Fiction-Space-Opera mit jugendlichen Hauptpersonen. Nicht tief oder originell, aber durchaus interessant und zum Weiterblättern – die Handlung nimmt immer wieder kleinere oder größere unerwartete Wendungen. Gut gemacht. Deren Struktur hat mich an verschiedene Fernsehserien erinnert, aber tatsächlich ist wohl gerade ein Filmversion im Gespräch.

Das Buch ist auch als Hörbuch und E-Book erhältlich – in letzterem ist wohl viel eingescannt und als Grafik dargestellt, in ersterem gibt es mehrere Sprecher, nähert sich damit dem Hörspiel. Was ich eigentlich gerne hätte, wäre eine Dateisammlung, von mir aus alles pdfs, ein paar jpg dazwischen, ein paar andere Formate vielleicht noch, in einer zu navigierenden Ordnerstruktur; teils eingescannt, teils sauber erstellt. So wie man sich einen digitalen Schuhkarton vorstellt – aber da nähern wir uns dann vielleicht schon dem Genre „Escape Room“. Und vermutlich würde man sich beim Lesen verrennen. (Und alle Dateien nach Hinweisen auf Erstellungsdatum und Autor durchforsten, müsste man ja wohl auch faken.)

Mein schönstes Ferienerlebnis (Pfingsten 2019)

Frau Rau sagt, ich soll mal wieder etwas ins Blog schreiben. Ich sag, es war doch nichts los, und über den Rest steht schon was a.a.O. (am anderen Ort), aber sie meint, irgendwas werde mir schon einfallen. Na gut.

Essen: Chinesisch

In lauer Sommernacht (Fledermäuse, Glühwürmchen) zu chinesischer Tafel eingeladen gewesen. Das waren nur die ersten Gänge. Sehr lecker, sehr interessant.

Essen: Colcannon Pie

Colcannon ist vielleicht eines der irischen Nationalgerichte. Kartoffelbrei machen. Gleichzeitig Weißkraut (oder auch Wirsing) kleinschneiden, in Butter 8 Minuten braten. Mit dem Kartoffelbrei und vielleicht etwas Extrabutter mischen: Colcannon.

Auf den britischen Inseln gibt es außerdem Cottage Pie (Rind) oder Shepherd’s Pie (Lamm): gegartes Hackfleisch in Soße, vielleicht noch ein paar Erbsen dran, unter einer Decke, im Ofen mit einer Decke aus Kartoffelbrei überbacken. Ich bin sicher nicht der erste, der daraus Colcannon Pie gemacht hat: Kraut, Zwiebeln, etwas Schinken, sonstige Reste (hier: Kohlrabi) anbraten, mit Kartoffelbreidecke und Butterflöckchen in den Ofen.

Essen: Panisse

Nein, nicht „Penisse“. Panisse (Singular). Kennengelernt in Nizza, hat man aber wohl auch in Marseille und überhaupt in Südfrankreich. Gibt’s in Scheiben oder wie hier in Stiften: Aus Salz, Kichererbsenmehl, Butter (oder Öl) und Wasser eine Art Polenta kochen, zehn Minuten rühren und köcheln und dann erkalten lassen. Mindestens ein paar Stunden in den Kühlschrank, dann ist die Masse schön schnittfest, wenn auch wabbeliger als Polenta. In Stifte schneiden und in der Pfanne herausbraten oder – wie oben – in einem engen Topf in ein paar Zentimetern Öl frittieren. (Das Öl kommt danach gefiltert zurück in die Flasche.) Bei 120° C im Ofen warm halten, bis alle fertig sind. Mit Pfeffer und Salz würzen.

Das Ergebnis: Unglaublich lecker! Leicht und locker, außen knusprig, innen ganz saftig-weich. Das nächste Mal probiere ich ein anderes Rezept und die Pfanne, aber Panisse kommt sicher ins Repertoire.

Sachen für die Schule

Übungsaufsätze, Klausuren, Testvorbereitung. Ich weiß gar nicht mehr, was alles war, nur dass ich das meiste geschafft habe. Außerdem war Nifftenkochen: Frau Rau hat ihren drei Neffen und Nichten einen Kochkurs bei einem befreundeten Koch und Kochbuchautor geschenkt. Sie kauften am Markt ein und kochten stundenlang bei uns zu Hause; Eltern, Onkel und Tanten trafen dann beim Abendessen auf die Köche und Köchinnen.

Basteln am NAS

Endlich habe ich ein Problem mit meinem heimischen Netzwerkspeicher gelöst. (Einen Überblick über mein Heimnetz habe ich in einem alten Blogeintrag gegeben.) Diese NAS-Systeme werden langsam Mainstream, ich habe schon mindestens zwei Kollegen an der Schule, beide alles andere als technisch versiert, die sich so etwas zugelegt haben, zur kleineren oder größeren Zufriedenheit.

Mein NAS ist ein WD My Cloud Mirror, ein wohl eher günstigeres Produkt. Ich bin zufrieden damit: Das Gerät ist ausgesprochen leise; ein Kollege mit anderem Produkt klagt über die Lauflautstärke. Ich kann es aber nur eingeschränkt empfehlen: Der Support geht gegen Null, die Selbsthilfeforen sind voller Klagen. Größtes Manko: Es gibt keinen Ein- oder Ausschalter; wenn sich das Gerät aufgehängt hat und nicht reagiert, muss ich den Netzstecker ziehen, und so etwas mache ich nicht gerne.

Und das Gerät hängt sich gerne mal auf, und zwar beim ansonsten zuverlässigen und schnellen Backup der Inhalte auf eine externe USB-Festplatte, eine Funktion, die das NAS mitbringt. Um das Aufhängen zu vermeiden, muss man erstens vor dem Anschließen der Festplatte den Medienserver ausschalten: Der indiziert sonst alle Mediendateien, die ja bereits vom letzten Backup auf der externen Platte sind, und das dauert ewig. Meistens reicht das auch, aber manchmal nicht. Dann muss man den Prozess, der für das Erkennen von USB-Platten zuständig ist, manuell abbrechen – nachdem die aktuell verwendete Platte erkannt wurde, natürlich. Dazu mit PuTTY eine ssh-Verbindung zum NAS aufbauen, dann den Linuxbefehl top ausführen, der einem die laufenden Prozesse zeigt:

Den Prozess „wdnotifier“ muss man abbrechen, indem man „kill 6049“ ausführt – die Zahl istr die ID des Prozesses, die man oben ablesen kann oder mit „pidof wdnotifier“ erfragt. Danach kann man das Backup dann starten.

Markow-Ketten und Textgenerierung

Ich entschuldige mich dafür, dass ich das hier schreibe, weil es dazu so viel schon im Web gibt, und ich alles, was ich dazu wissen muss, in wenigen Minuten gefunden habe. Aber mein Blog ist ja auch Archiv.

Automatische Textproduktion ist wohl gerade ein Thema. Manche Leute haben Angst vor „social bots“, kleinen Programmen, die selbstständig und automatisch Nachrichten etwa bei Twitter verfassen, die klingen, als wären sie von einem Menschen geschrieben, und die zur politischen Einflussnahmen genutzt werden können. Anderswo heißt es, dass diese Angst völlig unbegründet ist, weil es solche Programme in der freien Wildbahn gar nicht gibt. Im Guardian stand neulich etwas über ein Programm, das so gut künstlichen Text (Sachtext oder fiktional) erzeugt, dass es nicht veröffentlicht wird.

Darum geht es heute nicht, sondern um eine ganz simple Methode, Text zu generieren, der nur auf den allerersten Blick natürlich wirkt, und auf schon auf den zweiten hofft man, dass vielleicht irgendwas ein bisschen Sinn macht, und beim dritten gibt man auf. Hier zwei Beispiele:

vollen Backen verzehren und mir antwortete:—ich fand ich mich auf mein Lieber, laß uns so schwach, alles Gewehr geht vorbei wie er gewartet, hätte mir mit mir selbst. Und da standen um mich, ob täuschende Geister um zweimal im Kreise seiner Ehren und meinen Sinnen, und da—wenn ich solle mit einer bräunlichen Farbe war, als das nicht zu rauben, das
(Goethe)

asked. They sat in the shadow the leaves.“ „Good night,“ the same.“ „You do not wish he likes it.“ „He’s lonely. I know.“ „I want to be unjust. He should have everything I have everything I have killed himself last week,“ he continued the wind. A clean, well-lighted cafe was not lonely. I’m not wish he said. Turning off the
(Hemingway)

Wie das geht: Man füttert den Algorithmus mit einem mehr oder weniger kurzen Text. Das folgende schöne Beispiel habe ich von dieser Seite geklaut, die das Thema für die Sprache Golang betrachtet:

I am not a number. I am a free man.

Dann geht der Algorithmus den Text Wort für Wort durch und legt für jedes Wort eine Liste an, die die im Text vorkommenden Folgewörter enthält. Für das Beispiel sieht das so aus:

I [ am am ]
am [ not a ]
not [ a ]
a [ number free ]
number. [ I ]
free [ man. ]
man. [ ]

Nach dem „I“ steht zweimal „am“, weil das Wort „I“ zweimal von „am“ gefolgt wird und sonst von nichts. Nach „man.“ steht nichts, weil im Ausgangstext nach diesem Wort nichts anderes mehr kommt. Bei längeren Texten ist das unwahrscheinlicher. Und dann nimmt man ein zufällig ausgewähltes Wort aus dieser Sammlung (oder, wie im folgenden Beispiel, man fängt gleich mit „I“ an) und wählt aus der Liste der Folgewörter zufällig eines aus. Und dann macht man mit diesem Folgewort weiter, sucht sich einen von dessen Nachfolgern aus, und so weiter, bis entweder ein Wort kommt, das keinen Nachfolger hat (selten, eher bei kurzen Eingabetexten) oder bis man die gewünschte Wortzahl zusammen hat. Heraus kommen dann zum Beispiel solche Texte:

I am a free man.
I am a number. I am not a free man.
I am a number. I am a free man.
I am not a free man.
I am not a number. I am a number. I am not a number. I am a free man.
I am not a number. I am not a free man.
I am not a number. I am a free man.
I am a number. I am a number. I am a free man.
I am a number. I am a number. I am not a free man.
I am not a number. I am not a number. I am not a free man.

Nach „man.“ hören die Texte jeweils auf – klar, da geht es nicht weiter. Nach „a“ kommt mit gleicher Wahrscheinlichkeit entweder „number“ oder „free“. Nach „I“ kommt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 „am“. (Tatsächlich wäre es vielleicht sauber, jede Instanz eines Folgewort nur einmal in einer Liste zu speichern, zusammen mit der relativen Wahrscheinlichkeit, wobei die Wahrscheinlichkeiten aller Wörter sich dabei zu 1 summieren müssten. Aber bei relativ kleinen Texten ist das so einfacher.)

Für Hemingways „A clean, well-lighted place“ sieht ein Teil des Wörterbuchs übrigens so aus:

Hail [ nothing ]
He [ would disliked smiled was was did can has drinks might sat put should ]
I [ am am have have." am wish have never should know." never ]
I'm [ not ]
In [ the ]
It [ was was was was was is is was ]
Look [ at ]
Many [ must ]
Nor [ can ]
Now, [ without ]
Our [ nada ]

Weil das so viele Wörter sind, gehen wir erst einmal zurück zu unserem kurzen Ausgangstext. Man kann die Information in dem Wörterbuch auch als Graph angeben:

Dabei ist jedes Wort, jeder Lexikoneintrag, ein Zustand des Systems, dargestellt als ein Knoten, verbunden mit den möglichen Folgewörtern durch gerichtete Kanten, die durch eine Gewichtung ausgezeichnet sind, die die Wahrscheinlichkeit des Übergangs angibt – es muss lediglich gelten, dass die Summe aller Kantengewichte, die von einem Knoten ausgehen, 1 ist.

Klar, schöner wäre es, wenn man von „free“ auch noch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu „number“ käme. Aber das kommt im – zugegeben sehr kurzen – Ausgangstext nun mal nicht vor. Eine Markow-Kette wäre das dann trotzdem.

Man kann die Übergangswahrscheinlichkeiten der Zustände auch als Tabelle angeben:

Was eine Markow-Kette nun genau ist, muss ein Mathematiker erklären. Hier geht es nur um die einfachen Fälle, mit endlich vielen Zuständen, und Übergangswahrscheinlichkeiten, die nur vom letzten Zustand abhängen. Man könnte ja auch die zwei vorhergehenden Wörter heranziehen, um das Folgewort zu ermitteln.

Markow-Ketten eignen sich wohl zur Simulation von Systemen, die sich damit gut simulieren lassen. :-) Wenn man für ein Computerspiel zum Beispiel zufälliges Wetter braucht, kann man entweder jeden Tag neues Wetter auswürfeln mit 50% Chance für Sonne oder Regen, oder man erstellt eine Markow-Kette, wo man vom Zustand Sonne aus am nächsten Tag mit 80% Wahrscheinlichkeit wieder im Sonnenzustand landet, aber mit 20% bei Regen – und der Zustand Regen funktioniert ähnlich. Dann ändert sich das Wetter auch ab und zu, und es gibt eben so viele Sommer- wie Regentage, aber es gibt längere Folgen und seltenere Wechsel.

Zum Schluss noch ein Auszug aus der modifizierten Schulordnung für Gymnasien in Bayern:

zugelassener Hilfsmittel bei ausreichendem Leistungsstand in Latein mindestens zwei Ausbildungsabschnitten 12/1 ist, abgesehen vom Kurzreferat; 2. Nach Beginn der Gesamtnote „ausreichend“ oder staatlich genehmigten Ersatzschule abzunehmen, wenn nicht auf dem Abschlusszeugnis die Fortsetzung eines schulärztlichen Zeugnisses eine mindestens 1 und Schüler, die nach § 2 Satz 2 Satz 2, der mündlichen Prüfungen abgelegt und Gesellschaft. (3) Für Schulaufgaben in eine Änderung der Nachprüfung erfolgreich unterzogen haben, erhalten sie oder des Ausbildungsabschnitts 12/1 oder dem doppelt gewichteten Durchschnitt der Schulleiter kann für den Fächern Deutsch, Mathematik (Abiturprüfungsfächer 1 und 3. am Kolleg kann bei der Jahrgangsstufe mit der Übertritt in einem vom Staatsministerium gesondert fest. 2Schülerinnen und das Vorrücken gefährdet, so bemühen sich auf Ausschluss von Leistungsnachweisen und Recht sowie in der Hauptprüfung dauern in Anlage 9 nach dem gewählten Ausbildungsrichtung hat die zweite Fremdsprache 1 Punkt bewertet. 8. über das Ziel der Schulleiter festzusetzenden Frist, die sich auf einem Schüler während der Realschule, die Belegung und Worten) ausgedrückt, die Punktzahl der fünf Abiturprüfungsfächern wird ermittelt, indem die ihnen die Schule wird in Satz 1 genannte Zeitpunkt. (4) Während des Gymnasiums sind ferner am Musischen Gymnasien als Abiturprüfungsfächer ist und welche beiden Fächer (Abiturprüfungsfächer 4 erreicht haben sich die auch darauf

Links:

We’ll catch up some other time

(Bilder vom Fest weiter unten, erst Durcheinandereres.)

1. Ich und die Menschen

Ich habe das Glück, die Welt großartig finden zu können. Mindestens bis in die 5. Klasse hinein war ich verwundert und erstaunt und froh darüber, dass es überhaupt etwas gibt, statt nichts. Dann ließ das mit dem Philosophieren nach und das mit dem Sammeln von Comics und Lesen von Science Fiction begann.

Auch Menschen mochte ich schon immer. Aber ich wunderte mich nicht über sie, sie waren einfach da. Mit einem Zwillingsbruder und großer Verwandtschaft und häufigen Treffen war ich auch nie allein. Im Wohnblock waren es Rainer, Harald, Joachim, in der Grundschule dann Günter, mit dem ich Abenteuer erlebte, später Christian: Freunde. Zu all diesen verlor ich den Kontakt.

In den frühen Jahren des Fantasy-Rollenspiels und Science-Fiction-Fandoms waren es noch viel mehr Freunde: Norbert; Karl-Heinz, Michael, Robin, Joachim (ein anderer), Jürgen, Alexander; Dirk und Jan und Bernhard. Petra und Claudia und andere aus der Con-Szene. Ewig viel Zeit haben wir miteinander verbracht, und manchmal waren es doch nur zwei, drei, vier Jahre: So lange dauerte eine Ewigkeit damals. Ich nähre mich noch heute von den Erinnerungen. Mit den meisten dieser Freunde bin ich gerade mal bei Facebook befreundet, habe aber keinen Kontakt, auch weil ich Facebook nicht besuche. Wenn es hoch kommt, einmal im Jahr Grüße. Mehr will ich auch gar nicht, und doch ist es ein bisschen traurig.

Zwischen Schule und am Anfang des Studium traten Michael und Markus, Toni, Aldonna, vielleicht Christiane in mein Leben. Eine tolle Ewigkeit war das, unendlich viel gelernt und erfahren. Ich bin voller Dankbarkeit für diese Menschen und unsere Zeit zusammen. – Manche davon sehe ich alle zwei Jahre, andere gar nicht mehr. Ich könnte mehr Kontakt suchen, aber ich habe gar nicht das echte Bedürfnis.

Zu meinen späteren Studienzeiten trieb ich mich mit Gisi und Lisa herum, Frank, Uwe, Andrea, Inés,der späteren Frau Rau. Eine ist verschollen, einer weit weg, mit den anderen halte ich regelmäßig Kontakt. (Ja, weiß schon, mit Frau Rau natürlich auch.)

Und dann kam das Internet, also vor allem das Mitmachweb, die Bloggerei, später dann Twitter. Dieses Internet ist voller toller, kluger, witziger, menschlicher, freundlicher, guter Menschen. Die wenigstens davon kenne ich gut, manche ein bisschen besser, viele über Blogs, sehr viele über Frau Rau. Die Welt ist schön, also meine Welt (und ich weiß, dass ich das von einer sehr privilegierten Warte aus betrachten kann), und voller interessanter und bewunderswerter Menschen, oder einfach nur Menschen – wenn man sie kennt, müssen sie gar nicht erst klug oder interessant sein, sie sind allein schon kennenswert, weil sie Menschen sind, glaube ich; sie müssen nichts leisten. (Böse Menschen sind keine dabei. Die gibt es wohl schon auch. Aber es gibt so, so viele, die keine sind.)

Vor zwei Wochen traf ich auf unserem Fest – siehe unten – auf viele dieser Menschen. Mit ein paar konnte ich reden, mit vielen nur ein paar Worte wechseln, andere nur aus der Ferne bestaunen. Kontakt halten selbst zu denen, die ich kenne, ist schwierig, zur großen Verwandtschaft, zu Freunden von früher: Ich bin zu träge. Es gibt zu viele tolle Menschen.

Tatsächlich sitze ich sehr gerne alleine mit Frau Rau zu Hause. Wenn sie mich nicht ab und zu mitnehmen würde zu Abenteuern und Freunden, was würde ich alles verpasst haben. Vielen Dank. Ich lese gerne und viel, und bastle, programmiere, lerne, die Liste der Projekte, die ich mal angehen möchte, wird länger und länger: Ich kann mich gut allein beschäftigen und tue das oft. Für all die guten und lieben Menschen hat man ja später noch Zeit.

Allein, man hat sie nicht. Ein Mensch ist kurz nach dem Fest, hoffentlich nur vorläufig, ganz verschwunden; ein anderer, zwanzig Jahre nicht gesehen und ansonsten unverändert, konnte am Tag darauf wegen persönlicher Umstände plötzlich doch nicht mehr zum Plaudern vorbeikommen.

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This day was just a token
Too many words are still unspoken
Oh, well, we’ll catch up some other time
(mehr hier)

„Some Other Time“ aus Leonard Bernsteins On the Town (nicht vorhanden in der berühmten, aber enttäuschenden Filmfassung), Text von Betty Comden und Adolph Green, die auch in der Musical-Fassung zwei Rollen spielten und danach bei vielen, vielen anderen Produktionen als Autoren beteiligt waren. Hintergrund: Drei Matrosen auf Landgang, Abenteuer und Begegnungen in New York, und am nächsten Morgen müssen sie wieder an Bord sein.

– Ich sehe mich schon in fünfunddreißig Jahren auf der Couch sitzen, wie immer etwas sentimental, und vielleicht wird sich dann die kognitive Dissonanz auflösen, mit der ich lebe, dass es so viele liebe Menschen auf der Welt gibt, und dass ich nicht genug Zeit mit ihnen verbringe.

Am liebsten wäre es mir einfach, wenn alle twitterten: Dann sehe ich, dass es ihnen gut geht (oder auch nicht). Das reicht mir schon für den Anfang.


2. Warum ich so wenig rede

Frau Rau erzählt ab und zu, wie sie mich, als ich noch nicht um sie zu werben begonnen, aber mich in ihrem Umkreis bemerkbar gemacht hatte, zu einem Frühstück mit ihren Freunden eingeladen hatte: Ich war wohl nur aufmerksam da gesessen und habe kaum ein Wort gesagt. So ist das heute noch manchmal. Heute kommt Faulheit dazu: Ich kann zur Not Konversation machen, kann Smalltalk, kann sogar einen gewissen Charme entwickeln – aber die tolle Frau Rau kann das noch viel besser als ich, und in gemeinsamer Runde lasse ich das oft sie bestreiten. Dazu kommt noch etwas, das früher noch viel mehr im Vordergrund stand, aber immer noch da ist: Ich bin immer davon überzeugt, dass andere Menschen viel interessantere Geschichten haben als ich und da will ich nicht stören. Frau Rau hat mir beigebracht, dass das nicht unbedingt stimmt, aber dennoch fällt es mir nicht gleich, Konversationssignale richtig zu deuten.


3. Das Fest

Frau Rau wollte schon seit vielen Jahren eine Feier für Freunde und Familie veranstalten, so richtig mit festlichem Rahmen. Und seit zwei oder drei Jahren wusste sie auch schon einen Ort dafür: Die alte Kongresshalle in München, gegenüber dem Verkehrsmuseum. Und da wir jedes Jahr den Beginn unserer Beziehung feiern und sich der der mehr oder weniger rund jährte, war das auch das Thema des Festes.

Normalerweise werde ich schlag zehn Uhr müde, an diesem Abend war ich munter bis zwei, verhältnismäßig munter bis drei Uhr. Ich habe versucht, mich mit allen, die ich kannte, kurz zu unterhalten, und habe das nicht einmal ansatzweise geschafft – aber es hat mich gefreut, wenn ich die Gäste aus der Ferne beobachtet habe. Es hat mich überhaupt alles gefreut, ich würde gerne sagen: Es war mir ein Vergnügen – das war es auch, aber diese Formulierung möchte ich Frau Rau vorbehalten lassen, der Hauptgastgeberin, sie trug den mental load der Organisation.

Alle die folgenden Fotos ©Smilla Dankert – vielen Dank der tollen Fotografin, die eine Woche nach dem Fest alles noch einmal hat auferstehen lassen. Es sind so viele Fotos von Frau Rau und mir, nicht weil ich eitel bin, sondern weil ich ohne Zustimmung der Gäste keine Fotos poste:

Die Alte Kongresshalle von außen.
Innen.
Frau und Herr Rau – ist sie nicht toll?
Frau und Herr Rau.
Herr und Frau Rau.
Frau und Herr Rau beim Foxtrott, auf meinen Wunsch hin.
Unten, von oben, mit bunten Gästen. Ein wunderbarer Anblick.
Vor dem Essen ein kurzer Videofilm.
Am mittleren Abend.

Mehr Fotos habe ich entdeckt bei Joel, Frau Brüllen, Miss Caro, und via Frau Mutti und Miriam Vollmer, bei Kluges & Scheiß. und im hermetischen Café.

Frau Rau und ich haben damals heimlich geheiratet; es gab keine Hochzeitsfeier. Also hatten wir auch keine Erfahrung mit Festen. Und wie bei allem, was man zum ersten Mal macht, lernt man sehr viel dabei:

  1. Mit Profis arbeiten, also einer Eventmanagement-Agentur. Man braucht eventuell: Catering, Musik, DJ, Dekoration, Blumenschmuck, Ausstattung, Haustechnik.
  2. Nicht verrückt machen lassen: Alles. Wird. Gut.
  3. Man freut sich über jede Zusage, die früh hereinkommt. Jetzt ist mir das enorm peinlich, wenn ich früher leichtfertig geschrieben habe: „Oh, ich habe den Termin ja übersehen, aber klar komme ich.“ Man glaubt ja sonst, dass keiner kommt.
  4. „Keine Geschenke“ heißt, dass Gäste trotzdem Geschenke bringen. Wir freuten uns darüber. Aber wir freuten uns auch über keine Geschenke – das größte Geschenk ist, da zu sein.
  5. Man braucht Tage, um wieder runterzukommen.
  6. Auch am letzten Tag gibt es noch Absagen und Planänderungen. Das ist okay.

Nachtrag: Noch mehr Bilder vom Fest in der Alten Kongresshalle (alle ©Smilla Dankert, und vielen Dank fürs Machen und Veröffentlichenlassen):

Turbulente Wochen, hm?

Mit heute Abend habe ich neun Tage hintereinander kein Abendessen gekocht. Es muss also Einiges los gewesen sein. Einmal Biergarten, einmal Wirtschaft, jeweils mit Besuch von außerhalb Münchens. Einmal Ukuleletreffen, einmal Einladung, einmal Reste, einmal Salat aus dem Ernteanteil. Zweimal kochte Frau Rau. Und einmal ein großes Fest von Frau Rau und mir, über das ich später noch einmal schreiben werde, wenn ich mit dem Verarbeiten fertig bin. Die Festnachwehen dauern noch an.

Ich konnte selber auch nicht kochen, weil ich sehr erschöpft und in Eile war. Die letzten schriftlichen Abiturkorrekturen nahmen mich mit, auch das Kolloquium. Ich bin wohl nicht mehr ganz so fit wie in jungen Jahren.

An einem Tag hatte ich dann in der Schule nicht nur Besuch von meinen zwei Praktikanten, sondern von der Tochter einer sehr alten Freundin, die mit dem Gedanken spielt, zwei meiner Fächer auf Lehramt zu studieren, und sich einmal eine echte Schule anschauen wollte. Ich fühlte mich bemüßigt, große Show zu machen.

Ansonsten… man wird sehen müssen.

5 Signs You’re Employed In A Toxic Workplace:

  1. There’s Emotional Manipulation („We’re Like A Family!“)
  2. Gratitude Is Expected From Employees
  3. Bullying And Humiliation Are Considered Motivation Tactics
  4. Public Reception Is More Important Than Fixing Problems
  5. There Is No Communication

Drei von Fünf sind okay, oder? Andererseits ist Punkt 4 so allgemeingültig und 5 immer Auslegungssache, so dass man das vermutlich immer mit einem Fug und etwas weniger Recht behaupten kann.