Noir

Gestern gesehen: “Touch of Evil” von Orson Welles. Klasse Film, und, was am besten ist, das kam sehr unerwartet. Ich hatte den Film vor einigen Jahren aufgenommen, aber nie angesehen; beim Digitalisieren der letzten VHS-Kassetten war er aber doch dran. Ich dachte mir, den könnte ich so nebenher anschauen, dabei ein bisschen am Laptop arbeiten. Ging aber nicht, ich musste dann doch konzentriert zusehen. Das fing mit der allerersten Einstellung an (die aber auch lang und berühmt ist, wie ich seitdem erfahren habe).

Ich hätte es mir eigentlich denken müssen. Buch und Regie Orson Welles, Charlton Heston und Welles als Hauptdarsteller, illustre Nebenrollen. Noch mal ein Höhepunkt der Schwarzen Serie, 1958, zum Ausklang. Die Entstehungsgeschichte ist interessant, siehe wikipedia und imdb; zur Handlung, zur Kamera, zur voll ausgenutzten Tiefe des Raumes will ich gar nicht viel sagen. Toller Film. Zwischendurch beklemmender, als ich gedacht hätte, vor allem die Szenen im Motel.

Viele schöne Erinnerungen weckt der Wikipedia-Artikel zu “film noir”. Es gab früher wenig Schöneres, als zufällig auf einen unbekannten Schwarzweißfilm zu stoßen (und damals waren alle unbekannt), der sich als Krimi herausstellte, bei dem die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwommen waren, bei dem man niemand trauen konnte (allenfalls, aber auch das nicht immer, dem eigenen Ehrenkodex), mit Regenmänteln. Drei bekannte: Out of the Past, The Maltese Falcon, The Big Sleep. Unbekannte B‑Filme: Die Whistler-Verfilmungen von William Castle. Als Blade Runner herauskam, war ich schon Noir-Experte.

Eine besondere Note gewinnen viele alte Filme für mich durch das Buch Suspects von David Thompson. Es besteht aus über 80 kurzen (2–3 Seiten langen) biographischen Einträgen, etwa zu Ilsa Lund (Ingrid Bergman in Casablanca), zu Casper Gutman (Sydney Greenstreet in The Maltese Falcon), Gilda Farrell (Rita Hayworth in Gilda). Harry Lime, Norman Bates, Susan Alexander Kane, und vielen anderen mehr.
Man erfährt Dinge aus der Vergangenheit dieser Filmcharaktere, erfährt, wie es mit ihnen nach Ende des Films weiter gegangen ist. Manchmal sind die Filme nur Episoden aus einem weit abenteurlicheren Leben. Für Rick Blaine (Humphrey Bogart in Casablanca) war das Café Americain nur eine Station von vielen.
Manchmal erfährt man Einzelheiten, die einen den Film in ganz anderem, teilweise düstereren Licht sehen lassen. Die Interpretationen aus Suspects (denn das sind sie letztlich) kann ich nicht mehr ignorieren, wenn ich Gilda oder Touch of Evil sehe.
Nach und nach stellt sich in Suspects heraus, dass viele der Charaktere sich kannten oder miteinander verwandt sind. Noah Cross (John Huston in Chinatown) und Norma Desmond (Gloria Swanson in Sunset Boulevard) kannten sich in den 20er Jahren, waren befreundet mit den Sternwoods aus The Big Sleep.
Was zuerst wie eine literarische Spielerei erscheint, bekommt Funktion: Irgendwann merkt man beim Lesen, dass diese Biographien von einem Erzähler verfasst werden, einer Person, die viele der Charaktere kannte, und die einen Grund hat, diese Geschichten zu erzählen. Düsterer, als ich es mir gewünscht hätte, aber trotzdem ein schönes, interessantes Buch – vielleicht sogar ein Roman.

Vorgriffsstunden in Nordrhein-Westfalen

In Bayern ist es ja so, dass die meisten Lehrer zumindest am Gymnasium zur Zeit eine unbezahlte Stunde mehr pro Woche geben. Irgendwann mal wird man diese Stunde zurückbekommen, also weniger arbeiten müssen, so die Versprechung. Ganz glauben kann ich das nicht; ich rechne schon damit, dass das parallel zu einer weiteren Stundenerhöhung geschehen wird. Aber vielleicht bin ich nur zu misstrauisch.

Auch in Nordrhein-Westfalen gab es eine ähnliche Regelung; bei TeachersNews habe ich folgende Informationen gefunden:

In NRW kriegt man die Stunden für die 6 Jahre Mehrarbeit zurück, und zwar 11 Jahre nach Beginn der Mehrarbeit, jeweils eine Stunde pro Jahr ab 2008/09 (wenn man seit 1997/98 dabei war).
Neu ist , dass man sich alle 6 Stunden auf einmal im Jahr 2014 anrechnen lassen kann, oder auch je 3 Stunden für 2013 und 2014, und so weiter.
(Quelle)