Neues Lieblingsblog: Dilbert Blog

Neulich habe ich aus versehen ein neues Lieblingsblog versprochen, obwohl ich noch nicht so weit war. Hier ist es, gar nicht spekatukär: The Dilbert Blog, das Blog von Scott Adams, Erfinder von Dilbert. Um den Cartoon geht es aber gar nicht oft.

(Dilbert finde ich manchmal sehr lustig. Ich kenne ja Leute, die draußen arbeiten und nicht in der Schule. An Calvin & Hobbes habe ich mich sattgelesen, aber Gary Larson ist immer noch unvergleichbar und wohl mein Favorit. Auch wenn es keine sequential art ist.)

Scott Adams stellt sich als positiv eingestellter, zynischer Mensch dar. Eigentlich geht das gar nicht, ich weiß. Manchmal bin ich mir immer noch nicht sicher, wie ernst er seine Behauptungen meint. Ein Favorit von mir sind seine Gedanken zu Wahlmanipulationen.

Hier eine Fußnote zu Mensa:

Mensa meetings are the strangest experience. No one ever has to explain anything twice. That’s a bigger deal than you might think. Your typical day is full of moments where you ask for a cup of coffee and someone hands you a bag of nails. You don’t realize how much time you spend re-explaining things until you no longer need to. Mensa is very cool that way. (blog entry)

Neulich sehr interessantes: Scott Adams beantwortet Leserfragen aus den Kommentaren. Wie sein Tagesablauf aussieht, wie er arbeitet, was die Hauptstadt von Finnland ist, was sein Blog für ihn bedeutet: direkte Kommunikation mit seinen Lesern, ohne Redakteur dazwischen.

Immer wieder erfrischend, vielleicht ja ein Tipp.

Robert Anton Wilson

Gerade habe ich erst mitgekriegt, dass vor zwei Tagen Robert Anton Wilson gestorben ist. Bekannt ist vor allem die Illuminatus-Trilogie, die er zusammen mit Robert Shea geschrieben hat, und die ich als später Teenager oder früher Student mit Genuss und Belehrung gelesen habe.

Illuminatus! ist eine Geschichte um Weltverschwörung und Intrigen, Rockmusik, Psychoanalyse, den Weltuntergang, Rebellion und die Illuminaten. (Wenn ich mich recht erinnere, hat Wilson zusammen mit anderen in den 60er Jahren die bis dahin vergessenen Illuminaten erst wieder als Verschwörer ins Speil gebracht, und diese Fiktion war so erfolgreich, dass sie sich immer weiter verbeitet hat.) Besser als 23 und Dan Brown und was es sonst so gibt. Skuriller. Aber bloß nicht ernst nehmen.

Ich habe auch einige weitere Bände mit Aufsätzen von Wilson gelesen. Schräges Zeug, ich habe viel über alles mögliche gelernt dabei. Und Esoterik-Anhänger fand ich immer schon spannend, auch wenn ich den Kram selber für völligen Humbug halte.

Dritter Schultag nach den Ferien und neues Lieblingsblog

Nachtrag: Blog-Empfehlung kommt morgen, hab’s vergessen.

Bald höre ich auf mit diesem Zählen.

Wenig Schule heute; in der 11. Klasse habe ich bei der literarischen Erörterung an der Tafel die Kategorien:

  • Brot-und-Butter-Behauptung
  • Triviale Behauptung (Oblaten)
  • Überflüssige/nicht zum Thema gehörende Behauptungen (Alufolie, Gräten, abgeschnittene Fingerkuppen)
  • Kühne Behauptungen/Marzipan-Behauptungen (auch: Rosinen-Behauptungen)

eingeführt.

Brot-und-Butter-Behauptungen sind wenig spektakuläre, aber notwendige Behauptungen; wenn man genügend davon im Aufsatz hat und sonst nichts, ist das immer noch ausreichend, ansonsten mangelhaft. Triviale Behauptungen kosten nur Zeit, weglassen. Nicht zum Thema gehörende Behauptungen geben Abzug. Für sehr gute bis befriedigende Arbeiten braucht man Kühne Behauptungen. Ein Maß für die Kühnheit einer Behauptung, ist der Aufwand, den man beim Begründen der Behauptung treiben muss. (Hm. Vielleicht sollte ich auch noch Tollkühne Behauptungen einführen.)

Beispiele (zu Nathan der Weise), aus der Stunde heute:

“Die Christen im Stück können sich erst dann entwickeln, wenn sie ihre Religion abgelegt haben.” (Marzipan)
“Der Patriarch ist ein machtgieriger Mensch.” (Brot-und-Butter)
“Der Papst heute…” (gehörte nicht zum Thema)

Leider habe ich mir nicht mehr Schüler-Behauptungen merken können, da waren richtige gute dabei.
Wir haben zu einem gegebenen Nathan-Thema in kleinen Gruppen Behauptungen gesammelt und danach ein Los von vier Taschenbüchern versteigert, die ich zufällig dabei hatte und eigentlich dem Englisch-Leistungskurs andrehen wollte. Jede neue vorgetragene Behauptung sollte besser (kühner, interessanter) sein als die vorhergehenden. Die kühnste noch begründbare Behauptung erhielt den Zuschlag, ihre Begründung wurde Hausaufgabe, die Gruppe erhielt die Taschenbücher, die eher ein symbolischer Preis waren.

Also, mir hat’s Spaß gemacht.

Schüler ganzheitlich

Vor Weihnachten habe ich zweimal Schüler außerhalb der Schule gesehen, wo sie mir gut gefallen haben. Das war einmal beim Abschiedsessen mit den italienischen Austauschschülern (und, äh, ‑lehrern). Allein die Tatsache, dass ich die Schüler erfolgreich mit Messer und Gabel an einem gedeckten Tisch hantieren gesehen habe, hat sie gleich zwei Jahre älter gemacht. In der Schule traut man ihnen oft kaum mal den Umgang mit einem Lineal zu.
Und ein paar Tage später, andere Schüler, im Theater, schummriges Licht, keine Schultasche weit und breit – schon wieder zwei Jahre älter.
Schüler werden in der Schule schon recht jung gehalten von uns Lehrern, aber Schüler benehmen sich auch recht jung in der Schule, und das schaukelt sich gegenseitig hoch.

Mein zweiter Schultag

Heute erst zur dritten Stunde Unterricht gehabt, wie übrigens jeden Dienstag. Das gleicht den langen Montag aus. Mit der Sekretärin um schluchzenden Schüler gekümmert. Eine Stunde Unterricht, viel Hörverstehen laut Buch. Das Kapitel heißt “Talking about music”. Die Schüler bekamen unter anderem Musikbeispiele zu hören für Rock, Pop, Jazz, Football songs und Hip-hop. (Dave Brubeck und U2, sonst nur so modernes Zeug. Dass U2 sogar ein Lied für den Lara-Croft-Film gemacht haben, war auch erwähnt; Lara Croft kennen die Schüler aber nicht oder nicht mehr.)
Ich habe auch brav nach Vertretern dieser Musikrichtungen gefragt und mich extra ein wenig dumm gestellt. Immerhin, bei Jazz fielen in der 6. Klasse schon die Namen Louis Armstrong und Ray (“wie in diesem Film”).
Danach Freistunde im Sekretariat, werkeln am Rechner. Zwei Stunden Unterricht, Mittagspause. Gespräche: Einige Klassen müssen zumindest einige Zeit vertreten werden und man denkt dabei an mich. Ah-ja.

Nachmittagsunterricht im Englisch-Leistungskurs, nur etwas Wiederholung von Bedingungssätzen vor der Klausur in der nächsten Stunde. Einen guten Teil der Stunde habe ich damit verbracht, den Schülern das Lehrer-Bewertungsswesen zu erklären, und wie das mit den Beförderungen so läuft. Es war eine von diesen Stunden, die bei mir hoffentlich nur selten vorkommen, in denen der Lehrer sich verratscht und eher so geplaudert wird, mit Billigung oder auf Wunsch der Schüler. Das kann nachmittags schon mal passieren.

Danach bei der Schulleitung, mir meine Beurteilung der letzten vier Jahre abzuholen. (Später mehr.) Und danach wiederum war ich Gast bei drei Prüfungen zweier Englischlehrer der 11. Klassen: Die halten gerade mündliche Schulaufgaben ab, jeweils Paarprüfungen nach festem Schema. Interessante Sache.

Um sieben war ich zu Hause. Um acht dann Feierabend.

Mein erster Schultag

…nach den Weihnachtsferien. Als Stöckchen zugeworfen per E‑mail von Jochen, ausgegangen von der Schwellenpädagogik.

Früh ins Bett, zwar doch nicht um zehn, aber wenigstens um elf. Aufgestanden um kurz vor sechs, aus dem Haus um kurz nach halb sieben, dazwischen Zeit für Körperpflege und ein Glas Wasser, ein Stück Kuchenreste zum Frühstück, leider keine Zeit für Kaffee.

In der S‑Bahn die ersten Kollegen und Pendlerbekanntschaften getroffen, in der Schule das Kopiergerät kaputt, aber ich musste eh nicht kopieren. Viel Begrüßung, auch viel Händeschütteln. (War das schon immer so oder hat einfach nur einer damit angefangen?) Schauen, was es neues in meinem Fach gibt. Ah ja, die Beurteilungen werden in Bälde eröffnet. (Wir werden berichten.) Die ersten zwei Stunden Unterstufe, begrüßen, ein neuer Schüler in der Klasse. Alle da, alle gesund. Informatik und Intensivierung Englischunterricht, gleich im Computerraum geblieben. Okay, aber nur Übungsphase, nächstes Mal gibt es Theorie, da habe ich mehr zu tun.
Ausprobiert, ob das Zehnfinger-Programm von neulich im Computerraum bei mehreren Benutzern läuft. Nein, so zumindest nicht, schade; die Graphik wird zu langsam aufgebaut.

Danach zwei Stunden Oberstufe, beides vorbereiten auf schriftliche Prüfungen. In der zweiten Pause schon wieder müde. Danach Pesonalrat, Englisch in der Unterstufe, mit dem neuen Schüler geplaudert. Hunger, ein Happen beim schließenden Kiosk, dann angefangen einen neuen Rechner im Sekretariat aufzubauen. Darauf zwei Stunden Nachmittagsunterricht. Informatik Unterstufe. Zuerst habe ich die Noten für das Wikiprojekt bekannt gegeben, am Anfang nochmal auf die (seit Wochen bekannten) Kriterien hingewiesen, einige besonders gelungene Einträge hergezeigt, damit die Schüler ihre Noten vor diesem Hintergrund sehen können. Schließlich sind die bei einer 3 zum Teil schon zufrieden.
Textverarbeitung in der 6. Klasse: Die Klassen Absatz und Zeichen vorbereitet, “Karawane” von Hugo Ball vorlesen und nach Gusto formatieren lassen. Mich ehrlich gefreut über Schüler, die herausgefunden haben, wie man Schrift zum Blinken bringt, aber gezeigt, dass das für das Gedicht ungeeignet ist. Nächstes Mal muss ich den Schülern nicht nur sagen, was alles geht, sondern vor allem, was sie alles sein lassen sollen.

Irgendwann mittendrin mitgekriegt, dass ich schon wieder zuviel geredet habe, am ersten Tag nach dern Ferien kriege ich immer Halsweh. Viel Wasser getrunken, wenig Kaffee. Die Spülmaschine im Lehrerzimmer gefüllt und eingeschaltet. Wir haben zwar auch einen Küchendienst, aber die Maschine war nun mal leer und das schmutzige Geschirr reichlich.

Sieben Stunden plus einmal Personalrat. Müde nach Hause, in der S‑Bahn Podcasts gehört (Slate Gabfest, so eine Art freitäglicher journalistischer Frühschoppen, freue ich mich immer wieder drauf).

Zu Hause dann Entenreste gegessen, nur wenig Stunden vorbereitet, da ich dazu morgen früh Zeit habe und eh weiß, was ich machen will. Dafür an Schulaufgaben gebastelt. Abends dann vergessen, den hergerichteten Käse zu essen, stattdessen Schokolade. Endlich Blogeinträge nachgeholt.

Blut und Wasser (und Wein)

Die letzten Tage war ich in Berlin, familienfeiern. Das war sehr schön, auch wenn der Anlass eine Beerdigung war. Die Urne mit der Asche eines Onkels wurde beigesetzt. (Krebs, an dem auch schon zwei Geschwister gestorben sind. Ein weiteres hat eine Krebserkrankung überlebt, und bei meiner Mutter wurde letztes Jahr Krebs diagnostiziert und operiert, nach einigem Bangen sieht es jetzt gut aus. Genetisch habe ich also die besten Aussichten, selber mal Krebs zu kriegen – dieses Jahr werde ich 40, Zeit für Vorsorgeuntersuchungen.)

Ich komme aus einer großen und weit verteilten Familie – Onkels und Tanten in den USA, der Schweiz, Berlin und anderswo, jeweils mit Cousins und Cousinen. In meiner Kindheit waren Fahrten zu Verwandten ganz normal, im Urlaub, zu Hochzeiten oder einfach so. Und unsere Wohnung war andersrum auch immer voll mit Besuch, auf Sofas und Klappbetten. Besuch kriegen war immer schön, wegfahren war manchmal schön, manchmal lästig, je nachdem.

Als Teenager fing ich dann an, mich weniger am Familienleben zu beteiligen. Zog irgendwann mal in den Zwanzigern aus, und dann hörte das mit der vielen Verwandtschaft auf, von sporadischen Versuchen selbstgebastelter Weihnachtskarten abgesehen.
Auf der Hochzeit meines Bruders vor zweieinhalb Jahren habe ich dann wieder eine Ahnung davon bekommen, dass Verwandte gar nicht so übel sind. Danach habe ich sie mal da und dort gesehen, vor einem halben Jahr hat dann auch noch der andere Bruder geheiratet, und jetzt war die Beerdigung in Berlin.

Ich habe mit äußerst sympathischen kleinen Kindern gespielt, mit Erwachsenen gegessen und Geschichten ausgetauscht, mir Geschenkideen für meine Neffen und Nichten aus dem anderen Zweig der Familie notiert. Und am Abend waren die anwesenden Mitglieder meiner Generation nebst Partnern aus, einen trinken gehen. Die jungen Leute halt. (Im gleichen Alter hatten unsere Eltern schon ältere Kinder, oder überhaupt Kinder.) Wir waren erst in der Hausbar, Cocktails und Bier trinken, dann in der Alten Kabine Kantine in der Kulturbrauerei. Ein Rockschuppen. Nirvana habe ich sogar erkannt, auch wenn mir im Bierdusel nur noch der Name des Leadsängers einfiel.
Und das alles in meinem Alte. Um drei war ich zu Hause. Und ich bin sonst eher der Typ, dem schlag zehn Uhr abends die Augen zufallen. (Ja, auch in Gesellschaft.)

Ob es in Zukunft wieder so viel, oder wenigstens halbwegs so viel, Treffen gibt wie in meiner Kindheit, wird sich zeigen. Das liegt jetzt jedenfalls an meiner Generation.

Software-Nachtrag: Mein Vater, computermäßig so firm, dass ich mir Tipps von ihm hole, hat in Berlin auf allen greifbaren Rechnern der Verwandschaft ein Genalogieprogramm samt Daten installiert. (Auch auf meinem Laptop. Technofamilie.) Die Daten haben er und meine Mutter im letzten halben Jahr nach und nach eingegeben. Schon spannend.
Ich erwähne das deshalb, weil ich daraufhin gleich nach web-basierten Genealogie-Programmen gesucht habe. Sonst kann nur immer einer die Daten verwalten und muss die Datendatei per E‑Mail oder sonstwie an die Familienmitglieder verschicken.
Ich bin auch auf mehrere Programme gestoßen, etwa PhpGedView. Mit Passwortschutz (obwohl Daten auf gemieteten Servern natürlich nie völlig sicher sein können), schöner Benutzeroberfläche, differenzierter Rechtervergabe. Ich muss nur noch schauen, ob das Programm mich auch per E‑Mail über bevorstehende geburtstage informiert.

Hübsch jedenfalls.

Hm. Ich könnte ja mal meine Schüler die Mitglieder der englischen Königsfamilie von den Plantagenets bis zu den Windsors eingeben lassen. Zusammen mit Bar Mizvahs, Scheidungen, Einbürgerungen, Religion, Tauftermin, Hinrichtungen und so weiter (was halt alles eingegeben werden kann) – als eine andere Art der Geschichtsschreibung.

Man ist halt doch immer Lehrer.

Film-Kritiken

Eine vernichtende Kritik zu Eragon gibt es als Podcast bei Escape Pod. Dort ist alles gesagt, was man sich schon beim Ansehen des Buches oder Kinoplakats denkt. Meine Unterstüfler mögen’s mir verzeihen.

Eine schon ältere Kritik zu Casino Royale, ebenfalls als Podcast, gibt es hier bei Slate’s Spoiler Specials, “Bond Doesn’t Know Poker”. Der Rezensent konzentriert sich dabei auf die Pokerszenen und die Fehler, die es in Filmen allgemein bei Pokerszenen gibt.

10-Finger-Schreibtrainer

Gerade bei JochenEnglish gesehen: Tipp10. Ein kostenloses Open-Source-Programm zum Üben.

Ich schreibe ja im Vierfinger-System, und das so schnell, dass ich nie Lust hatte, umzulernen. Ich hatte mal ein Jahr Schreibmaschine-Wahlunterricht in der Schule, noch auf mechanischen Maschinen. Hat nicht viel Spaß gemacht.
Aber im Informatikunterricht fragen Schüler regelmäßig, ob sie auch das Zehn-Finger-System lernen. Nö, sage ich dann immer, und empfehle ihnen Programme zum Üben. Tipp10 macht soviel Spaß, dass ich es als Alternative zu Solitaire oder Minesweeper am Computer empfehlen kann. Das Programm ist simpel, übersichtlich, dabei formschön und voller kleiner Erfolgserlebnisse. Ob ich in Zukunft richtig mit System schreiben werde, wird sich zeigen.