Vorbereitung in den Ferien

Ich weiß zwar noch nicht offiziell und endgültig, welche Klassen ich nächstes Jahr unterrichte, aber doch einige. Der Schwachpunkt: Letztes Jahr hatte ich nur eine einzige Stunde Englisch, Intensivierung in einer mir sonst fremden Klassen (wenig sinnvoll); dieses Jahr unterrichte ich gar kein Englisch mehr, nur Deutsch und Informatik. Ich sehe das ja ein, Informatiklehrer gibt es wenige, und wenn ich keine zwei Deutschklassen nehme, muss ein Kollege drei nehmen. Trotzdem schade. An der Uni war Englisch mit großem Abstand das Fach, in dem ich mehr gelernt habe und das mich mehr interessiert hat, in dem ich auch besser war. Im Referendariat hatte ich dann einen wesentlich besseren Deutsch-Ausbilder als in Englisch, das prägt. An der Schule hat mir dann Deutsch genauso gut gefallen.

Dann kam Informatik dazu. In diesem Fach macht die Vorbereitung am meisten Spaß und ich lerne am meisten Neues. Nächstes Jahr habe ich wohl wieder eine 10. Klasse, und mit der werde ich Peter Brichzins Kruemel-und-Monster-Konzept ausprobieren: das Buch nehme ich zur Ergänzung, ansonsten wird mit den pdf-Dateien des Konzepts gearbeitet. Schritt für Schritt bauen die Schüler ein (sehr einfaches) Computerspiel. Außerdem habe ich eine 11. Klasse, das heißt also, mit möglichem Abitur. Ich war schon auf einer Fortbildung zum Thema, und die war auch nötig. Außerde, bin ich die letzten Tage über den Stoff durchgegangen, habe die Aufgaben im Buch selber zu programmieren versucht, Schwierigkeiten und mögliche Lösungen entdeckt. Der Stoff von 11 ist schwierig, der von 12 anspruchsvoll. Was heißt schwierig: Wenn man das mit Rekursion und Parameterübergabe verstanden hat, dann nicht mehr. Aber so einfach ist das gar nicht. Vor allem wird viel programmiert, und das heißt: die Schüler müssen üben, üben, üben, auch zu Hause. Die Abituraufgaben sind ungewohnt; aber niemand muss ja, außerdem kann man das Fach auch für das mündliche Abitur wählen. Ich bin ja mal gespannt.

– Ansonsten lese ich gerade wieder mal Effi Briest. Das ist immer noch kein Lieblingsbuch von mir, aber jedes Mal wird es ein bisschen besser. Jeweils zwei, drei, vier, sechs Seiten herausgegriffen sind toll, aber gleich hunderte davon? Die Lektüre macht einigermaßen Spaß, allerdings fühle ich mich verpflichtet, mir jeweils Notizen zu machen, wenn mir etwas Interessantes auffällt, und das beschädigt das Lesevergnügen. Es gibt viel zu notieren.

Offene Frage: Wo liegt Kessin eigentlich? Oben an der Ostsee, auch wenn das Vorbild nicht das tatsächliche Kessin, sondern Swinemünde ist. Und wo liegt Hohen-Cremmen? Möglicherweise ist ein Ort Nennhausen Vorbild dafür; so oder so liegt es in der Mark Brandenburg, sicher westlich von Berlin und etwa auf der gleichen Höhe. Wieso sagt dann Instetten zu Effi, als sie in ihrem Kessin ankommen und sich Effi romantisch im hohen Norden wähnt: “Wir sind hier fünfzehn Meilen nördlicher als in Hohen−Cremmen, und eh der erste Eisbär kommt, musst du noch eine Weile warten” (6. Kapitel)?

Mir neu oder wieder vergessen: Elisabeth von Ardenne, historisches Vorbild für den Roman, starb erst 1952.

Nette Zitate, auch in diesem Buch zu finden: “ein Chinese ist schon an und für sich eine Geschichte”. Wohl weniger bekannt, aber nicht minder tief: “Erst Kunst und dann Nusseis, das ist die richtige Reihenfolge.” (Die Trippelli, als es darum geht, ob die Gesangseinlage vor oder nach dem Essen stattfinden soll.)

Trotzdem, ein vielleicht wichtiges, aber kein spannendes Buch.