Rollenspielen 2011

Seit 2007 bin ich ja wieder aktiver Rollenspieler, wenn auch nur genau einmal im Jahr, immer zu Allerheiligen. Auch dieses Jahr wurde die Vorjahresrunde Call of Cthulhu fortgesetzt. Ich spiele dabei Nick Douglas, einen ehemaligen Stummfilmschauspieler, der den Sprung in den Tonfilm nicht geschafft hat und sich jetzt mit seinen bescheidenen Ersparnissen durchschlägt. Wir begannen 1932, schlugen uns mit Nazis und Hypnotiseuren herum; trieben 1933 unser Unwesen in Mandschuko auf den Spuren Dschingis Khans; und dieses Mal – 1934 – war der Südwesten der USA unser Schauplatz. Ein Todesfall in Kansas schickte uns – über das Kansas State Insane Asylum – nach New Mexico in den Gila National Forest, von dort nach Boulder City, Nevada. Diese Stadt wurde 1931 aus dem Boden gestampft, um die Arbeiter am nahegelegenen Boulder Dam unterzubringen. (Zugang nur mit Erlaubnisschein, kein Alkohol bis 1969, Glücksspiel bis heute nicht.) Stadt wie Damm waren ein Regierungsprojekt. Heute heißt der Damm Hoover Dam, und ich hätte gerne eine Foto gepostet, wie ich mit 17 Jahren darauf stehe – aber mein Abum ist leider zur Zeit bei meinen Eltern.

Uhm… Schulbezug und so…uhm… Live-Rollenspiel in der Schule?

2007 – nur eine Zeile nebenbei.
2008 – etwas ausführlicher, mit Bild.
2009 – nur eine Zeile nebenbei.
2010 – einigermaßen ausführlich.

Schulschnüffelschoftware

Angefangen hat das gestern bei netzpolitik.org: Alle Bundesländer haben mit Schulbuchverlagen und Verwertungsgesellschaften vertraglich beschlossen, dass stichprobenartig an Schulen Schnüffelsoftware installiert wird, die die Schulrechner nach urheberrechtsbrechendem Material durchsuchen und Fundsachen nach Hause funken. Das ist aus Datenschutz- und technischen Gründen dämlich, siehe Link.

Das ist kein Trojaner, darauf weist heise online hin, da das Programm ja mit Wissen und Hilfe des Kultusministeriums installiert wird. Das ist eher Arbeitsplatzüberwachung wie mit Videokameras an der Supermarktkasse. Trotzdem etabliert sich das Wort Schultrojaner dafür, auch wenn das verwässert den halbverstandenen Begriff des Trojaners verwässert.

Erlaubt ist das vermutlich aus mehreren Gründen nicht. Eine notwendige Voraussetzung dafür ist, dass Lehrer und Schüler die Schulrechner nicht privat nutzen. Weltfremd. Wenn meine Schüler sich Dateien nach Hause schicken, geht das über Facebook. Tatsächlich erklären wir unseren Schüler jetzt schon, dass sie die Schulrechner nicht privat nutzen dürfen; nur deshalb dürfen wir als Lehrer oder Systembetreuer ja auch Zugang zu deren Dateien haben und ihr Internetverhalten protokollieren. Aber dann müsste man das wohl endgültig durchsetzen – oder noch weiter mit frommen Lügen leben, zu denen uns Datenschutz und Urheberrecht zwingen. Wir lernen heucheln.

Netzpolitik legt mit weiteren Informationen und verfolgenswerten Links nach.

Die Verlage selber sehen verständlicherweise gar kein Problem: Stellungnahme des VdS Bildungsmedien zur Meldung auf netzpolitik.org: “Der Schultrojaner – Eine neue Innovation der Verlage”.

Und sie haben nicht völlig unrecht damit: Ich glaube selber, dass auf Schulrechnern – hundert Leute nutzen eine gemneinsame Festplatte zum Speichern von Material – viel liegt, das dort nicht liegen darf, darunter jahrealtes Zeug, von dem keiner mehr weiß, was es ist und wer es dorthin getan hat.

Bei den Lehrerbloggern hat das viele Reaktionen hervorgerufen. Lesenswert ein offener Brief von Herrn Larbig und vor allem Martin Kurz im Widerspiegel.

Mein Senf:

Was geschehen ist: die Exekutive hat wieder mal etwas unterschrieben, von dem sie keine Ahnung hat. Was mit Internetdings und so.

Was geschehen wird: die KMK wird zurückrudern, war alles nicht so gemeint, und am Schluss kommt irgendetwas heraus, das dafür sorgt, dass keiner sein Gesicht verlieren wird und jeder weiterwurschteln darf. Eventuell ein paar Extrakröten an die Verwertungsgesellschaften, so wie damals, als die – völlig zurecht – Kindergärten fürs Liedersingen abkassiert haben. So ist zwar das Recht, aber das soll niemandem so richtig bewusst werden.

Was geschehen müsste: Endlich eine Änderung des Urheberrechts, zefix! Oder zumindest eine Einsicht, dass die nötig ist. Das Urheberrecht ist so einschränkend, dass es die Entwicklung kultureller Güter und die aktive Teilnahme daran hemmt. (Gegenargument: dann müssen alle Künstler verhungern und wir haben gar keine Kultur mehr. Kann man diskutieren. Und das muss endlich mal diskutiert statt diktiert werden.) Außerdem ist es so undurchsichtig, dass Bürger nicht durchblicken und Politiker nicht und nicht der Börsenverein des deutschen Buchhandels.

Was außerdem geschehen müsste: Das, was Martin Kurz oben unter dem Link geschrieben hat. Freies, selbst erstelltes Bildungsmaterial. So wie bei OER Commons. (Die habe ich per RSS abonniert und kriege immer Bescheid, wenn neues Material dort steht. Ist halt alles auf Englisch und trifft häufig auch nicht meine Fächer.) Oder auch gemeinsam erstellte offene Schulbücher. Ich glaube, was man dazu bräuchte, wäre ein gemeinsames Format für Unterrichtsmaterialien, wohl als XML-Format. Dann kann man das Material zentral anbieten oder vereinzelt, dann gäbe es ein Youtube für Unterrichtsmaterial. Für meine Fächer ist das jedenfalls gut möglich.