Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland

Überrascht hat mich folgendes Fundstück bei der Lektüre von Heinrich Heines Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, das zeigt, dass Heine Shelleys Frankenstein gelesen oder zumindest davon gehört haben muss:

Es geht die Sage, dass ein englischer Mechanikus, der schon die künstlichsten Maschinen erdacht, endlich auch auf den Einfall geraten, einen Menschen zu fabrizieren; dieses sei ihm auch endlich gelungen, das Werk seiner Hände konnte sich ganz wie ein Mensch gebärden und betragen, es trug in der ledernen Brust sogar eine Art menschlichen Gefühls, das von den gewöhnlichen Gefühlen der Engländer nicht gar zu sehr verschieden war, es konnte in artikulierten Tönen seine Empfindungen mitteilen, und eben das Geräusch der innern Räder, Raspeln und Schrauben, das man dann vernahm, gab diesen Tönen eine echtenglische Aussprache; kurz dieses Automat war ein vollendeter Gentleman, und zu einem echten Menschen fehlte ihm gar nichts als eine Seele. Diese aber hat ihm der englische Mechanikus nicht geben können, und das arme Geschöpf, das sich solchen Mangels bewusst worden, quälte nun Tag und Nacht seinen Schöpfer mit der Bitte, ihm eine Seele zu geben. Solche Bitte, die sich immer dringender wiederholte, wurde jenem Künstler endlich so unerträglich, dass er vor seinem eignen Kunstwerk die Flucht ergriff. Das Automat aber nahm gleich Extrapost, verfolgte ihn nach dem Kontinente, reist beständig hinter ihm her, erwischt ihn manchmal, und schnarrt und grunzt ihm dann entgegen: give me a soul! Diesen beiden Gestalten begegnen wir nun in allen Ländern, und nur wer ihr besonderes Verhältnis kennt, begreift ihre sonderbare Hast und ihren ängstlichen Missmut. Wenn man aber dieses besondere Verhältnis kennt, so sieht man darin wieder etwas Allgemeines, man sieht, wie ein Teil des englischen Volks seines mechanischen Daseins überdrüssig ist und eine Seele verlangt, der andere Teil aber aus Angst vor solcherlei Begehrnis in die Kreuz und die Quer getrieben wird, beide aber es daheim nicht mehr aushalten können.

Wie international die Bestseller auch damals waren, zeigt andersherum eine Stelle aus Frankenstein, die ich vor ein paar Monaten entdeckt habe. Das Monster, auf der Flucht und von seinem Schöpfer verlassen, lernt heimlich das Sprechen, indem er eine Familie belauscht und in deren Büchern liest. Darunter auch Goethes Werther:

One night during my accustomed visit to the neighbouring wood where I collected my own food and brought home firing for my protectors, I found on the ground a leathern portmanteau containing several articles of dress and some books. I eagerly seized the prize and returned with it to my hovel. Fortunately the books were written in the language, the elements of which I had acquired at the cottage; they consisted of Paradise Lost, a volume of Plutarch’s Lives, and the Sorrows of Werter. The possession of these treasures gave me extreme delight; I now continually studied and exercised my mind upon these histories, whilst my friends were employed in their ordinary occupations.
I can hardly describe to you the effect of these books. They produced in me an infinity of new images and feelings, that sometimes raised me to ecstasy, but more frequently sunk me into the lowest dejection. In the Sorrows of Werter, besides the interest of its simple and affecting story, so many opinions are canvassed and so many lights thrown upon what had hitherto been to me obscure subjects that I found in it a never-ending source of speculation and astonishment. The gentle and domestic manners it described, combined with lofty sentiments and feelings, which had for their object something out of self, accorded well with my experience among my protectors and with the wants which were forever alive in my own bosom. But I thought Werter himself a more divine being than I had ever beheld or imagined; his character contained no pretension, but it sank deep. The disquisitions upon death and suicide were calculated to fill me with wonder. I did not pretend to enter into the merits of the case, yet I inclined towards the opinions of the hero, whose extinction I wept, without precisely understanding it. (Anfang des 15. Kapitels, fehlt in der Übersetzung bei gutenberg.de)

Kein Wunder, dass das Monster am Leben, an sich, seinem Schöpfer und überhaupt verzweifelt, wenn er sich Werther als Vorbild nimmt.

Tag der Ukulele 2012

Anlässlich des World Ukulele Day 2012 – jeder soll die Ukulele mit in die Arbeit nehmen, oder darüber bloggen, oder sonst etwas – wieder etwas öffentliches Üben:

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“Wildwood Flower” in einem Arrangement von Ken Middleton. (Forgive me, I’m a beginner.) Die Ukulele ist eine Konzertukulele, weil meine Sopran nicht sehr bundrein ist und man das an ein paar Stellen in diesem Stück deutlich hört.
Meine erste Ukulele habe ich vor einem Jahr gekauft, seit einem halben Jahr übe ich ernsthaft damit. Das Stück klingt an ein paar Stellen noch etwas mechanisch, und so richtig fließend ist der Rhythmus noch nicht – aber auch so macht die Ukulele schon großen Spaß.

Überstunden machen

Seit der Veröffentlichung einer Statistik, laut der im letzten Jahr an Bayerns Gymnasien zu viele Stunden unvertreten ausfallen, also jedenfalls deutlich mehr als an der Realschule, drängt das Kultusministerium, dass solche Statistiken in Zukunft nicht zustande kommen sollen. (Wir ignorieren die besondere Situation am Gymnasium mit dem doppelten Abiturjahrgang und anderen Fröhlichkeiten.) Also muss die Zahl der vertretenen Stunden steigen.

Meinen Plan, in den vermehrten Vertretungsstunden systematisch Verkehrserziehung mit alten FWU-Filmen aus dem letzten Jahrtausend zu treiben, habe ich leider noch nicht in die Tat umgesetzt. Aufgegeben habe ich ihn noch nicht; ich erinnere mich an regelmäßige Dienstvorschläge, man solle doch Vertretungsstunden dazu nutzen. (Das, und die Liebe zur bayerischen Heimat wecken, irgend so etwas.)

Zusätzliche Stunden werden Lehrern übrigens als Überstunden bezahlt. Viel Geld gibt es nicht dafür, fünfzehn Euro die Stunde, schätze ich mal – ich weiß es nicht, ich habe seit dem Referendariat keine Überstunden mehr gezählt und eingereicht. Das ändert sich jetzt natürlich, und ich hoffe, möglichst viele Kollegen am Gymnasium machen das so ähnlich und schreiben sich die Überstunden auf. Das ist zwar immer noch billiger, als ausreichend Lehrkräfte einzustellen, aber ganz so billig wie in den letzten Jahren will ich meine Arbeitskraft nicht mehr hergeben.

Bezahlt werden allerdings nicht alle dieser Stunden. Sondern:
1. Man muss mindestens vier Überstunden im Kalendermonat haben, erst dann werden – dann aber auch alle davon – bezahlt.
2. Wenn einem eine Stunde ausfällt, weil die Klasse etwa auf eine Exkursion ist und man stattdessen im Lehrerzimmer Kaffee trinkt, dann gilt das als Freizeitausgleich und wird mit der Anzahl an Überstunden in diesem Monat verrechnet.

(Außerdem zählt die fixe Präsenzstunde, die man wöchentlich an der Schule verbringt, nur dann als Überstunde, wenn man tatsächlich zur Vertretung eingesetzt wird.)

Im Januar habe ich netto 6 solcher Überstunden gehalten, die lasse ich mir jetzt auszahlen. Ich benutze natürlich ein schönes Formuler, “Für geleistete Dienste”, und: “erlaube ich mir zu berechnen”, auch wenn das nur zur Erheiterung von Sekretariat und Schulleitung dient. Heiterkeit ist ja nicht zu unterschätzen.