Martin Amis, Time’s Arrow (1991)

Titelbild Time's Arrow

Titelbild Time's Arrow

(Mit Spoilern, aber das Buch ist von 1991, die Spoiler sind hier nicht wichtig, und auf Spoiler kommt es eh nicht an.)

Die Handlung dieses Buches folgt dem Leben eines Mannes, Tod Friendly (ein etwas ungewöhnlicher, aber kein einzigartiger Name, denken wir an den Regisseur Tod Browning). Ein Ich-Erzähler begleitet dieses Leben, und zwar beginnt das Bewusstsein des Ich-Erzählers zu dem Zeitpunkt, als Friendly stirbt – das Buch ist, man merkt es bald, sozusagen rückwärts erzählt: Friendly stirbt in hohem Alter, und der Ich-Erzähler gewinnt zu diesem Zeitpunkt das Bewusstsein; Friendly wird von Medizinern behandelt, es geht Friendly schlecht, bald geht es ihm immer besser, bald kann er sein Bett verlassen, aus dem Haus gehen, seinen Beruf als Arzt ausüben. Der Ich-Erzähler weiß wenig über diese Welt, er lernt nach und nach die merkwürdige Sprache verstehen, die alle Menschen dort sprechen, und er versucht, sich einen Reim darauf zu machen, was er beobachtet. Der Ich-Erzähler ist quasi Passagier in Friendlys Kopf, er hört mit dessen Ohren und sieht mit dessen Augen, auch wenn er seine Aufmerksamkeit unabhängig davon auf einzelne Objekte der Außenwelt richten kann. Der Ich-Erzähler hat keinerlei Einblick in Friendlys Gedanken, aber er bekommt mit, wenn Friednly aufgeregt oder nervös ist, auch andere Stimmungen kann er deuten. Und so wird Friendly langsam immer jünger, und die Geschichte schreitet voran, oder zurück, je nachdem.

Das ist schon mal ein interessantes Gimmick. Viele Leser des Buches werfen diesem vor, dass das auch alles sei – kann sein, aber es ist schon mal interessant genug: Wo kommen alle schönen Dinge her, die der Mensch verwendet? Aus dem Müll, der von Müllmänner angeliefert und von Toiletten gespendet wird. Nicht jeder Mensch hat schöne Dinge, es gibt Klassenunterschiede:

It all comes down to the quality of your trash.

Der Ich-Erzähler hört Friendly fluchen und beschreibt das als: “[He] invokes human ordure, from which all good things come.” Übersetzt heißt das: Friendly flucht: “Shit.” Dieses Übersetzen ist ein Reiz des Buches – was der Ich-Erzähler beschreibt ist oft etwas anderes, als was aus Friendlys, sprich: unserer regulären Sicht geschieht. Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, zwei Geschichten gleichzeitig zu lesen, besonders bei manchen Dialogen, die ich quasi gleichzeitig von oben nach unten und von unten nach oben las.

Schnell vergehen die Jahre. Friendly ist dem Ich-Erzähler nicht unbedingt immer sympatisch; sie haben bei vielen Dingen andere Ansichten. Friendly behandelt seine Frauenbekanntschaften (leider kein besseres Wort gefunden) sehr schlecht. Einmal gibt es eine Art Dreiecksverhältnis: Der Ich-Erzähler liebt Irene, Irene den Friendly, und der eigentlich niemanden.

Das Schicksal ist unausweichlich. Am Braunwerden von Friendlys Haut erkennt der Erzähler, dass es bald auf eine Reise gehen wird. (So ist das in dieser Welt nun einmal, dass sich Reisen derart ankündigen.) Selbstmord existiert als Konzept, ist aber unmöglich: Jeder weiß genau, wie lange sein Leben dauern wird. Gewalt erzeugt Dinge, aus dem Feuer kommen viele Gegenstände, besonders Briefe.

Das hat etwas – auch in seiner Unausweichlichkeit – von der Unschuld eines Wales, der plötzlich in der Atmosphäre eines Planeten geboren wird, sich erst orientieren muss, dem Kitzeln am Bauch den Namen “Wind” gibt, und der nach und nach eine immer größer werdende Oberfläche auf sich zukommen sieht, die er mal probeweise “Boden” nennt und von der er sich freudig erwartungsvoll fragt, ob sie wohl nett zu ihm sein wird.

Der Leser weiß es vermutlich vom Klappentext her, oder er stolpert über den Namen “Tod Friendly”, oder ahnt es sonst: Das geht nicht gut aus. “Tod Friendly” wechselt mehrfach den Namen, in Mittelamerika sammelt er Goldmünzen, bis er sich schließlich auf eine Reise nach Deutschland macht, wo der Krieg vor kurzem begonnen hat. Er wird Arzt in Ausschwitz und Teil eines großes Projekts: Es gilt, die Juden aus den Lüften zu holen, aufzupäppeln, in die Gesellschaft zu integrieren. Das war grimmig und traurig und furchtbar zu lesen.

– Frau Rau hat das Buch als nett, aber nicht mehr als ein Gimmick in Erinnerung. Das deckt sich mit der Einschätzung vieler Kritiker. Bei Goodreads habe ich die Kommentare zum Buch gelesen; die klingen ähnlich oder weisen darauf hin, dass Martin Amis ja nicht der erste gewesen sei mit dieser Idee. Einer verweist auf eine Stelle aus Vonneguts Slaughterhouse Five mit einem rückwärts laufenden Film – Amis nennt Vonnegut selber als Anregung. Ein anderer nennt eine Geschichte von Jorge Luis Borges, “A Weary Man’s Utopia”. Man findet die Geschichte im Web, und sie enthält ähnliche Motive, also Vergangenheit und Zukunft, Zerstörung auf Aufbau, Hitler als Massenmörder oder Philantrop. Aber mehr Ähnlichkeit sehe ich nicht – zugegeben, bei Borges bin ich mir nie sicher, wieviel mir entgeht.

Es würde mich aber nicht wundern, wenn Borges tatsächlich so eine ähnliche Geschichte geschrieben hätte. Das passt zu ihm. Tatsächlich habe ich auch eine Anthologie herausgesucht (im Original von 1967), in der ich eine solche Geschichte vermutete, und während da auch ein Borges drin ist, so ist es doch ein anderer. Dafür enthält der Band die Kurzgeschichte “Divine Madness” von Roger Zelazny, die zum Großteil rückwärts erzählt wird – bis hin zu einer Situation, in der sich die Hauptperson gerne anders verhalten hätte, weil es schlimme Konsequenzen gab. Und ganz am Ende erhält die Hauptperson eine zweite Chance, und die Zeit läuft wieder vorwärts, jetzt aber in einer neuen Spur. – Was da aber fehlt, auch bei dem Borges, ist der Ich-Erzähler.

Fußnote: Nicht eigentlich rückwärts erzählt, aber doch mit ähnlichem Effekt ist dieses palindromische Gedicht von James A. Lindon.

Doppelgänger

by James A. Lindon

I

Entering the lonely house with my wife
I saw him for the first time
Peering furtively from behind a bush —
Blackness that moved,
A shape amid the shadows,
A momentary glimpse of gleaming eyes
Revealed in the ragged moon.
A closer look (he seemed to turn) might have
Put him to flight forever —
I dared not
(For reasons that I failed to understand),
Though I knew I should act at once.

II

I puzzled over it, hiding alone,
Watching the woman as she neared the gate.
He came, and I saw him crouching
Night after night.
Night after night
He came, and I saw him crouching,
Watching the woman as she neared the gate.

III

I puzzled over it, hiding alone —
Though I knew I should act at once,
For reasons that I failed to understand
I dared not
Put him to flight forever.

IV

A closer look (he seemed to turn) might have
Revealed in the ragged moon.
A momentary glimpse of gleaming eyes
A shape amid the shadows,
Blackness that moved.

V

Peering furtively from behind a bush,
I saw him for the first time,
Entering the lonely house with my wife.

Essay in Deutsch

Nächste Woche schreibt meine 9. Klasse eine Essay-Schulaufgabe. Ungewohnt für die Schüler ist, dass es für den Essay keine festen Regeln für den Aufbau gibt – von der Textanalyse, von der Erörterung her kennen sie das anders. Auch dort müssen sich die Schülerinnen nicht an unsere Regeln (sprich: die Gliederung) halten, aber wir empfehlen das sehr. Sicher könnte man auch die Möglichkeiten, ein Essay zu schreiben, auf vergleichbare Weise einschränken. Aber zum einen ist diese Festlegung auf einen bestimmten Aufbau beim Essay viel willkürlicher als bei anderen Textsorten: Die Erörterung gibt es in der Form, wie wir sie lehren, ja nur in der Schule. (Bei der Textanalyse passt unser Aufbau wenigstens zu Wikipedia-Einträgen.) Zum anderen ist es, glaube ich, Zeit, dass sich die Schülerinnen mal selber überlegen, wie sie ihren Text aufbauen – gerade weil die Gliederung jetzt de facto kein verpflichtender Teil des Aufsatzes mehr ist.

An Essay wie auch Erörterung stört mich, dass man mit einem Thema konfrontiert wird und gleich im Anschluss in 90 oder 180 Minuten den Aufsatz schreiben muss. So entstehen außerhalb von Zeitungen die wenigsten Texte. Man sollte das Thema eine Weile mit sich tragen können, dann fällt einem eher ein, was man dazu schreiben möchte. – In der Prüfungssituation geht das nicht; stattdessen gibt man inzwischen den Schülern Begleitmaterial zur Hand, das sie verwenden sollen. Das funktioniert nur so mäßig und ist nur so mäßig sinnvoll.

In meiner 9. mache ich das jetzt – nach Rücksprache mit den Schülerinnen und Schülern – so : Eine Woche vor der Prüfung kriegen sie 14 ganz kurz gehaltene Essay-Themen. Wir stimmen ab, welche 2 davon wir streichen. Über die restlichen 12 können sie dann schon mal nachdenken. Am Prüfungstag würfle ich dann 2 der Themen aus, und die werden dann gestellt. (Außerdem gibt es noch ein drittes, unbekanntes Thema mit Begleitmaterial.)

- Am einfachsten wäre es ja, wenn ich das Thema stellen könnte und die Schüler hätten eine Woche Zeit, den Aufsatz zu schreiben. In anderen Ländern ist das selbstverständlich; auch bei uns gab es Anfang des Jahrtausends noch die Deutsche Hausaufgabe in der 11. Klasse – eine große schriftliche Prüfung in Form eines zu Hause geschriebenen Aufsatzes. Warum ist das abgeschafft worden? Ich kann mir nur vorstellen, dass die Rechtsabteilung des Kultusministerium davor gewarnt hat, man könne ja nie sicherstellen, dass selber geschrieben usw. Denn das war eminent sinnvoll, und die meisten haben das auch selber geschrieben. Aber Hausaufgaben darf man nicht bewerten. Wenn ich eine Sache am Gymnasium ändern würde, dann das.

(Die Hausaufgaben zum Üben, die nicht. Aber Hausaufgaben zum Demonstrieren, was man kann, die schon.)

J. C. Wezel, Belphegor (1776)

Titelbild Belphegor

Titelbild Belphegor

Nach der Erstauflage 1776 blieb das Buch vergessen, bis Arno Schmidt es 1959 in dem Essay “Belphegor oder wie ich euch hasse” wieder in Erinnerung brachte. Hier ein Spiegel-Beitrag zur Neuveröffentlichung 1966. Inzwischen kann man Belphegor bequem als E‑Buch lesen, leider nur unbequem bei gutenberg.spiegel.de – weshalb man sich am besten mit geeigneter Software aus den einzelnen Webseiten dort eine epub-Version zusammenbauen lässt für das E‑Buch-Lesegerät der eigenen Wahl.

Arno Schmidt vergleicht das Buch mit Voltaires Candide und Gulliver’s Travels von Swift. Wie bei Voltaire verschlägt es ein kleines Häuflein von Helden quer durch die Welt: Belphegor, der zumindest am Anfang an das Gute im Menschen glaubt und stets bereit ist, für eine gute Sache zu kämpfen, und der stets dafür bestraft wird:

»Wohl einem Volke«, sagte Belphegor, »das für die Freiheit fechten kann! Keine Illusion ist glücklicher als die Illusion der Freiheit, wenn man ihr gleich jährlich etliche hundert Hirnschädel opfern müßte. Mein Blut schwillt in allen Adern empor und zersprengt fast mein Herz vor übereilter, zuströmender Bewegung, wenn ich nur den begeisternden Klang ‘Freiheit’ tönen höre. Komm! wir kehren zurück nach England: das einzige Land der Erde, wo ich von nun an wohnen will! Die Sonne muß dort erfreulicher wärmen, der Schatten viel erfrischender laben, weil er ein freyes Haupt erquickt. Freunde! wenn mein Leben nur noch in Einem Tropfen Blutes bestünde, gern wollte ich mir selbst die Ader zerschneiden und ihn herauströpfeln lassen, könnte ich durch diesen Tod eine Menge Menschen in die Illusion versetzen, sich für freyer als den Rest der Menschheit zu halten und dadurch glücklicher zu werden.«

Dann ist da Medardus, der das Glück im Kleinen sucht; ihm reicht ein Krug Apfelwein und er erträgt die Unbillen des Schicksals mit seinem Wahlspruch: “Wer weiß, wozu mirs gut ist?” Medardus glaubt an eine Vorsehung, die schon alles richten wird, am Ende.

Und es gibt Fromal, nach dessen materialistischer Auffassung der Mensch nur den blinden Gesetzen der Natur gehorcht und im Übrigen skrupellos, gierig und neidisch ist:

Fromal fiel ihm ins Wort: »Du hast erfahren, Belphegor, daß die Menschen nicht das sind, wofür wir sie uns in dem ersten Rausche der Jugend ausgaben: keine friedlichen Geschöpfe, die vom Verlangen, wohl zu tun, glühn, die in Ruhe und Eintracht neben einander leben, sich über ihr wechselseitiges Glück freuen und heiter, froh, zufrieden den muntern Tanz des Lebens dahinhüpfen. Du hast sie gefunden, wie ich dir verkündigte – eine Heerde Raubthiere, die Eigennutz, Herrschsucht, Neid ewig zusammenhetzet, die sich in Truppe versammelten, um einander desto wirksamer befeinden zu können, durch ihre natürlichen Anlagen, durch die Oekonomie ihres Wesens zum immerwährenden Kriege bestimmt, den sie beständig in roher, grausamer oder minder grausamer oder verkleideter Gestalt fortsetzen, blutig oder unblutig, so wie Gesetze, Sitten und Verhältnisse es ihnen erlauben […] Die Maschine kann nichts mehr oder weniger und nichts anders thun, als wohin sie der Stoß der auf sie wirkenden Räder treibt, und wer sie aus ihrer Richtung herauslenken will, muß Kräfte genug zum Wiederstande haben, oder er bekömmt Stöße, wovon ihn vielleicht der erste schon zu Boden wirft.«

Vorherbestimmt ist nach beider Auffassung ohnehin alles. Am Ende, aber nicht ganz am Ende, begnügen sich alle wie Candide damit, ein kleines Gärtchen in Afrika zu bestellen – patriarchalisch über ihre Sklaven gebietend allerdings, denn selbst Belphegor entpuppt sich als allzu menschlich und findet sich auch immer wieder als Unterdrücker wieder.

Wie bei Swift reisen die Helden, allein oder getrennt, durch imaginäre Welten in Afrik- oder Amerika. Allerdings kapiert man schon nach den ersten Ländern, dass die Welt schlecht und alles eitel ist; es ist ein wenig ermüdend, dass immer wieder zu lesen. Gulliver landet wenigstens in vier deutlich verschiedenen Reichern; bei Belphegor ist alles gleich – und dass Buch ist unnötiger Weise viermal so lang wie Candide.

Charlotte Lennox, The Female Quixote (1752)

Titelbild The Female Quixote

Titelbild The Female Quixote Arabella wächst fernab von London in der Abgeschiedenheit des Anwesens ihres Vaters auf. Sie sie hat als Kind und Heranwachsende vor allem romances gelesen und nimmt deren Ereignisse für bare Münze, für Geschichtsschreibung. Alles, was ihr als junger Frau passiert, interpretiert sie vor diesem Hintergrund: Ein Gartenarbeiter, der ein wenig komisch schaut, ist für sie gleich ein verkleidetet Adliger, der sich unrettbar in sie verliebt hat und in die Bedienstetenrolle schlüpft, um heimlich in ihrer Nähe zu sein. (Als er beim Karpfenstehlen entdeckt wird, gelingt es ihr mit nur wenig Mühe, auch das in ihr Weltbild einzubauen.) Und fremde Berittene müssen immer gleich gedungene Entführer sein, die sie – im Auftrag eines verliebten Adligen, versteht sich – mit sich nehmen wollen.

Ihr Cousin Glanville wirbt um sie und versteht zuerst die Spielregeln nicht, die sie der Welt diktiert: Er darf ihr keineswegs seine Liebe gestehen, sonst wird er verbannt; erst nach vielen Jahren der Aufopferung, des unbemerkten Seufzens und Klagens darf es geschehen, dass die Geliebte quasi versehentlich von seiner Liebe erfährt, und dann ist ein “I do not hate him” das höchste der Gefühle, das er erwarten darf. Dann nochmal zehn Jahre werben, gepaart mit dem Erobern von Städten oder anderen Heldenleistungen zu ihren Ehren, dann darf es eine Hochzeit geben. (Dass die Heldin dann immer noch jugendliche zwanzig Jahre alt ist, ist halt so.)

Nach einiger Zeit ist Glanville der einzige, der ihre Weltsicht versteht und ihre Aussagen deuten kann, sogar ihre wortlosen Gesten, den Raum zu verlassen, an denen alle anderen Personen scheitern, mit denen sie das versucht. Dazu gehören vor allem Glanvilles Vater und Sir George Bellmour, der ebenfalls um sie wirbt, allerdings vor allem auf ihr Vermögen aus ist.

Bei einem Ausflug nach Bath erwirbt Arabella die Freundschaft einer Gräfin, die sie behutsam in die Realität holen will; die Gräfin wird dann aber recht unvermittelt aus dem Buch entfernt, und erst im letzten Kapitel überzeugt ein ebenso unvermittelt ins Buch eingeführter Gelehrter (ein bisschen wie Van Helsing in Dracula, obwohl das Vorbild wohl Dr. Johnson ist) in einem platonischen Dialog Arabella davon, dass ihre geliebten romances a) fiktional, b) absurd und c) schädlich sind. Von diesen drei Punkten überzeugt bietet Arabella imn letzten Kapitel dem Glanville die erwartete Heirat an.

- Der Roman ist zu lang, und der Schluss zu unvermittelt. Es ist recht klar, dass eigentlich die Gräfin eine größere Rolle spielen sollte, und die Entscheidung, das Buch in zwei statt drei Bänden erscheinen zu lassen, den zu plötzlichen Schluss mit dem gelehrten Doktor nötig machte. (Das Manuskript weithin zu überarbeiten war für eine Berufsschriftstellerin finanziell nicht lohnend.) Aber interessant ist das Buch schon:
Einmal wegen der Rolle der tatsächlich relativ machtlosen Frau, die trotzdem der Umwelt ihre eigene Weltsicht aufzwingt und selbst Regeln aufstellt.
Dann illustriert es schön die – vermeintliche – Gefahr der Lesesucht (Blogeintrag dazu, der schamlos die besten Zitate aus dem Wikipedia-Artikel dazu übernimmt). (Weibliche Quixotes gab es vorher übrigens auch schon, entnehme ich dem Vorwort, etwa in Richard Steeles Komödie The Tender Husband, or, The Accomplished Fools, zu der ich im gesamten Web keine Inhaltsangabe gefunden habe.)
Und zuletzt geht es um romances. Die englische Literaturtheorie unterscheidet novels und romances, überall sonst wird beides “Roman” genannt. Und das kam so: Epik kam ursprünglich in Versform. Geschichtsschreibung war in Prosa. Und im 17. Jahrhundert kam aus Frankreich die Mode, Epik in Prosa zu verfassen, wie Geschichtsschreibung, mit historischen Themen (altes Rom und so), aber voller Ritter, Prinzessinnen, Zauberei, Heldentaten, Schlachten (und historisch hanebüchen). Das hieß dann romance, so wie die höfische Epik davor auch, und wurde begeistert gelesen. Eine der wichtigsten Autorinnen war Madeleine (Mademoiselle) de Scudéry, genau die aus E. T. A. Hofmanns eponymer Novelle, unter der so viele Achtklässler leiden müssen. Von ihr stammt Artamène, mit etwa 2 Millionen Wörtern einer der längsten jemals erschienenen Romane, und Clélie, histoire romaine, an dem sich Arabella sehr orientiert.

Wäre eine moderne Adaption von The Female Quixote als Film oder Fernsehserie lohnend? Jemand hat in Folge eines bestimmten Medienkonsums ein verqueres Bild von der Welt, und scheitert an der wirklichen Welt, oder zwingt ihr den eigenen Willen auf? Vermutlich ist das verschwörungstheoretischer Alltag.

Urlaub: Mallorca zum Jahreswechsel

Kathedrale

Um der Kälte un den ganz kurzen Tagen zu entfliehen, sind Frau Rau und ich gerne mal jedes Jahr paar Tage weg, oder auch gut zwei Wochen, wie in Tel Aviv damals. Diesmal waren wir in Mallorca, wo Frau Rau schon mal war, ich aber noch nie. Es war hell und sonnig, viel wärmer als hier (aber noch nicht ganz warm genug für mich), und wir haben viel Leckeres gegessen. Das ist bei mir immer sehr wichtig; ich fotografiere das aber nicht, weil das Frau Rau schon tut.

In der Wohnung:

Ferienwohnung in Mallorca

Vor der Wohnung:

Straße in Mallorca

Ja, tatsächlich wachsen da die Orangen auf er Straße:

Platz mit Orangenbäumen

Kathedrale von außen:

Kathedrale

Kathedrale von innen:

Kathedrale innen

Kathedrale von innen:

Kathedrale innen

Kathedrale von innen:

Kathedrale innen

Vor der Kathedrale:

Vor der Kathedrale

Hafen im Abendlicht:

Mallorca im Abendlicht

Burg Bellver auf einem Hügel in Mallorca:

Burg Bellver

Mühlen in Mallorca, wovon es immer wieder mal welche gibt:

Mühlen

Friedhof in Sóller:

Friedhof Soller

Hafen in Mallorca:

Hafenansicht

Mama Segelboot mit Kindern:

Segelboote

Und jetzt die üblichen Vögel. Einige kann ich nicht identifizieren. Einfach ist der Kormoran:

Kormoran

Und der Reiher:

Reiher

Und das hier, ist das einfach noch ein Reiher, nur zusammengekauert?

Vogel

Man sollte meinen, dieser kleine Bursche, in Wassernähe, sei ganz leicht zu identifizieren. Eine Strandläufer-Art vielleicht?

Vogel

Und dann sahen wir über dem Hafen noch einen Greifvogel kreisen. Er segelte auf der Thermik, größer als ein Falke, und viel ruhiger kreisend als ich das von den Falken hier kenne. Eine Rohrweihe? Doch ein Falke?

Greifvogel

Greifvogel

Bücher 2016

Meine gelesenen Bücher 2016. Zu einigen habe ich etwas gebloggt, zu anderen einen Podcast gemacht. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen. Ingesamt wieder nicht so viele Bücher wie früher. Am ergötzlichsten: Evelina und Jane Eyre.

  1. Salman Rushdie, Two Years Eight Months and Twenty-Eight Nights
  2. John Jakes, Schiff der Seelen (Podcast dazu)
  3. Andre Norton, Gefangene der Dämonen° (Podcast dazu)
  4. Robert E. Howard, Herrscher der Nacht° (Podcast dazu)
  5. J. J. Abrams, Doug Dorst, S.
  6. Freeman/Robson, Head First Design Patterns
  7. Slightly Foxed No. 49
  8. John Jakes, Tochter der Hölle (Podcast dazu)
  9. Umberto Eco, Der Name der Rose°
  10. Andrew Crumey, Mr Mee
  11. Tim O’Brien, July, July
  12. Michael Marshall Smith, The Servants
  13. Matt Ruff, Lovecraft Country
  14. Arthur Machen, The Three Impostors
  15. Charlotte Bronte, Jane Eyre
  16. Heinrich Steinfest, Der Allesforscher
  17. Evan S. Connell, Mrs Bridge
  18. Jane Austen, The History of England
  19. Jane Austen, The Beautifull Cassandra
  20. Fanny Burney, Evelina
  21. Slightly Foxed No. 50
  22. David Lodge, The Practice of Writing
  23. Randall Munroe, Thing Explainer
  24. Lesley Blanch, Round the World in 80 Dishes
  25. Henry Kuttner, Lord der Dunklen Welt (Podcast dazu)
  26. Andre Norton, Im Netz der Magie° (Podcast dazu)
  27. Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Band 1
  28. Jane Austen, Persuasion
  29. Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Band 2
  30. Terry Pratchett, The Shepherd’s Crown
  31. Marco Polo, The Travels of Marco Polo
  32. Han Kang, The Vegetarian
  33. Slightly Foxed No. 51
  34. John Lanchester, The Debt to Pleasure
  35. John Jakes, Das Mal der Dämonen
  36. Ilja Ilf, Jewgeni Petrow, Zwölf Stühle
  37. Hugh Walker, Reiter der Finsternis°
  38. Voltaire, Candid°
  39. Christopher Robinson & Gavin Kovite, War of the Encyclopaedists
  40. Slightly Foxed No. 52
  41. J. L. Carr, A Month in the Country
  42. Margery Allingham, The Crime at Black Dudley
  43. Katherine Dunn, Geek Love
  44. Manuel Gonzales, The Regional Office Is Under Attack!
  45. Charlotte Lennox, The Female Quixote
  46. G. K. Chesterton, Tremendous Trifles

(Bücher 2015.)
(Bücher 2014.)
(Bücher 2013.)
(Bücher 2012.)
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(Bücher 2010.)
(Bücher 2009.)