Eine Erschütterung in der Macht

Oder: “Something has changed in the Neath”, wie es bei dem Spiel Sunless Sea heißt. Frau Rau meinte vor zwei Tagen früh am Morgen lapidar, sie würde jetzt erst einmal nicht mehr bloggen. Aus heiterem Himmel. Keine Sorge, ihr geht es gut, soweit ich weiß, und uns beiden geht es auch gut miteinander, soweit ich weiß, gar kein Grund zur Sorge; aber ein bisschen verunsichert bin ich schon.

Dazu muss man wissen, dass Frau Rau seit siebzehn Jahren bloggt, und seit vielen Jahren sogar so gut wie jeden Tag. Mit Fotos und Meinungen und Erinnerungen und Empfehlungen. Damit macht sie jetzt erst einmal, uh, Pause. Laden dichtgemacht, ohne Möglichkeit von closure. Ich bin vielleicht tatsächlich ein bisschen traumatisiert.

Dadurch merke ich erst, wie sehr ihr Blog Teil meiner Identität ist und ich mich in dessen Glanz sonnte. Immerhin tauchte ich da auch ab und zu auf. Aber gut. Persönlich halte ich das Innehalten für eine gute Idee. Vielleicht in Ermangelung dramatischerer Veränderungen – keine Rentenjahre in England dank Brexit, kein Umzug in Aussicht – ist das eine Möglichkeit, radikal etwas Neues zu machen, zu schauen, wie es mit einem weitergeht. Und, ehrlich gesagt, so ein Blog kostet auch sehr viel Zeit; ich kriegte das mit. Also persönlich: go for it.

Aber mehr so insgesamt betrachtet halte ich das für einen herben Verlust. (Hoffentlich nur einen zeitweiligen, aber wer weiß.) Das war ein Stück vom guten alten Internet, der letzte Saloon am Rande der Wüste, Siduris Schenke am Ende der Welt. Übertreibe ich etwas? Vielleicht, aber ich bin ja auch nicht völlig unvoreingenommen. Und wenn schon nicht national treasure, ein bisschen Kulturdenkmal ist so ein Blog allemal.