Doc Savage, der Mann aus Bronze

„Die Ausschreitungen unserer Phantasie und die Entartungen unserer Herzen, also Kunst“ (Hanns Dieter Hüsch) Hüsch hat bei dieser Zeile wohl kaum an Doc Savage, The Man of Bronze gedacht, aber wenn jemand unter diese Kategorie gehört, dann er. Doc Savage ist wohl der bekannteste pulp hero. Die pulps waren die billigen Magazine der 20er bis 40er Jahre, benannt nach dem schlechten Papier, das für sie verwendet wurde. Gegenstück: die slicks mit glattem, feinen Papier, etwa die Saturday Evening Post. Die slicks zahlten mehr, veröffentlichten aber keine: Western-, Science Fiction-, Horror-, Kriminal-, Abenteuer-, Flieger- und Liebesgeschichten. Dafür waren nur die pulps … Continue reading „Doc Savage, der Mann aus Bronze“

Lee Server, Danger Is My Business

Danger Is My Business. An illustrated history of the fabulous pulp magazines Lee Server Danger Is My Business. An illustrated history of the fabulous pulp magazines, 1896-1953. San Francisco: Chronicle Books 1993 144 pp. Wer heißt Clark mit Vornamen, hat eine Festung der Einsamkeit in der Arktis und wird in den stets nach Synonymen ringenden Zeitungen gern als Mann aus (einem bestimmten) Metall bezeichnet? Wem auf diese Frage nur eine Antwort einfällt, der sollte sich schleunigst wieder hinsetzen und seine Hausaufgaben machen. Hilfreich ist dabei dieses Buch. Es erzählt die Geschichte der amerikanischen pulp magazines, der mit billigsten Druckverfahren und … Continue reading „Lee Server, Danger Is My Business“

Boris Akunin: Fandorin

Ich habe anscheinend ein Faible für moderne Romane, die im 19. Jahrhundert spielen – wenn sie nur abenteuerlich genug sind (siehe meine Begeisterung für die Flashman-Serie). Boris Akunin, ein zeitgenössischer russischer Schriftsteller, schreibt unter anderem Kriminalromane um Erast Fandorin, einen aufstrebenden Kriminalpolizisten im Zarenreich; den ersten davon habe ich gelesen. Ein Student erschießt sich in Moskau im Jahr 1876 unter geheimnisvollen Umständen. Es gibt weitere Todesfälle und Erbschaften, geheimnisvolle und gemeinnützige Organisationen, Reisen nach England, Glückspiel und Frauen. Zugreisen mit viel Plüsch, Attentate, Bombenleger. Das Buch ist vergnüglich zu lesen und sehr spannend. Es ist kein historischer Roman, jedenfalls nicht … Continue reading „Boris Akunin: Fandorin“

War Sherlock Holmes Zen-Buddhist?

Jede-Minute-Zen Zen-Schüler bleiben mindestens zehn Jahre bei ihrem Meister, bevor sie es wagen können, andere zu belehren. Nan-in erhielt Besuch von Tenno, der, nachdem er seine Lehrzeit hinter sich gebracht hatte, ein Lehrer geworden war. Der Tag versprach regnerisch zu werden, darum trug Tenno Holzschuhe und hatte einen Regenschirm bei sich. Nachdem Nan-in ihn begrüßt hatte, bemerkte er: „Ich nehme an, du hast deine Holzschuhe im Vorraum gelassen. Ich möchte gerne wissen, ob dein Regenschirm rechts oder links von den Holzschuhen steht.“ Tenno wusste in seiner Verwirrung keine sofortige Antwort zu geben. Er erkannte, dass er nicht in der Lage … Continue reading „War Sherlock Holmes Zen-Buddhist?“

Kartenspiele

Mal mit einer 6. Klasse: Eine Spielanleitung (von Schülern verfasst). Das war ziemlich am Schuljahresende, und wie jedes Schuljahr kommt das Ende immer schneller, als man denkt – Bundesjugendspiele, Chorfreizeit, Ökumenischer Arbeitskreis, Orchesterproben, Kursfahrten: Schon Wochen vor dem Ende des Schuljahres unterrichtet man immer nur einen Teil seiner Klasse, weil der Rest unterwegs ist. Und dann sind plötzlich Notenkonferenzen und die letzten Stunden fallen auch noch aus. Jedenfalls konnte ich mit den Spielkarten dann nicht soviel machen, wie ich wollte. Vielleicht hole ich das noch einmal nach.

Neil Gaiman: Coraline

Ich empfehle das Buch als Schülerlektüre ab der 9. Klasse oder späten 8. Klasse am Gymnasium. Ich habe nichts gegen für Sprachlerner bearbeitete Fassungen von Büchern und verwende sie selber auch häufig. Trotzdem suche ich ständig nach englischsprachigen Büchern, die ich in der Originalfassung verwenden kann. Dabei ist es schwer, ein Buch zu finden, das vom sprachlichen Schwierigkeitsgrad und vom Inhalt gleichzeitig passt. Das ist aber so eines. Coraline habe ich noch nicht mit einer Klasse gelesen, aber bereits fünf Schülern meiner aktuellen achten Klasse geliehen – starken und schwächeren, aber auf jeden Fall freiwilligen. Die Klasse ist sehr motiviert … Continue reading „Neil Gaiman: Coraline“

Roddy Doyle: The Giggler Treatment

Die Prämisse: Es gibt kleine Wesen, nicht unsichtbar, aber doch sehr gut im Tarnen und Verschwinden, die den Erwachsenen immer dann Streiche spielen, wenn diese ihre Kinder ungerecht behandelt haben. Mr Mack war garstig zu seinen Söhnen, und deshalb haben die Giggler unter Mitarbeit des Hundes der Familie ein schönes Hundehäufchen dort platziert, wo der Vater auf dem Weg in die Arbeit garantiert hintreten wird. Schon ist der arme Mann nur noch wenige Schritte davon entfernt. Da stellt sich die Kränkung als rasch bereutes Missverständnis und gar nicht so schlimm heraus. Wird es den Gigglern gelingen, den Mann vor dem … Continue reading „Roddy Doyle: The Giggler Treatment“

Erotische Anfänge von Erörterungen

Donnerstagabend. Das Ehepaar schmust leidenschaftlich auf der Aufziehcouch, er streicht ihr durchs Haar, sie schließt die Augen und genießt die Liebkosungen seiner Hände, die ihr nun über den Rücken fahren. Er küsst ihren Hals und murmelt etwas. Sie versteht es akustisch nicht. Aber das stört auch nicht weiter: Sie kann sich schon ungefähr denken, was er geflüstert hat, irgendetwas Liebevolles. Das war eine Einleitung aus meinem Leistungskurs zu dem (im Unterricht ein bisschen vorbereiteten) Thema: Das Medium ist die Botschaft (Titel eines medientheoretischen Buches von Marshall McLuhan). Stimmen Sie dem Satz zu? Da liest man doch gerne weiter.

Krazy Kat (& Ignatz)

Krazy Kat liebt Ignatz, die Maus. Ignatz liebt Krazy Kat nicht. Daraus macht man griechische Tragödien. Ignatz‘ Lebensinhalt ist es, mit einem Ziegelstein nach Krazy zu werfen. Mit einem richtigen, kantigen Ziegelstein. Krazy sieht jeden Ziegelstein als neuen Liebesbeweis von Ignatz. Es wird immer griechischer. („Switt hot“ heißt „Sweetheart“. Krazy spricht in eigenwilliger Rechtschreibung.) Die dritte Kraft ist Officer Pupp. Er sorgt für Recht und Ordnung in Coconino County und steckt Ignatz oft nach, gelegentlich auch vor einem Ziegelstein („love letters in ancient brick“) ins Gefängnis. Diese Zusammenhänge überwältigen Krazy. Hier fasst er das fast dramentheoretisch zusammen. (Übersetzt: „It commenced … Continue reading „Krazy Kat (& Ignatz)“