The Future Dictionary of America (McSweeney’s II)

„This dictionary was conceived as a way for a great number of American writers and artists to voice their displeasure with their current political leadership, and to collectively imagine a brighter future.“ Dieses fiktive Lexikon stammt aus der näheren Zukunft, einer schönen Zukunft, in der Bush nur Vergangenheit ist. Genauer: Es ist die 6. Auflage nach 2016. Es enthält kurze Lexikoneinträge wie den obigen, verfasst von knapp 200 Autoren und Zeichnern. Diejenigen davon, die ich kenne zumindest dem Namen nach kenne: Jonathan Ames, Paul Auster, Charles Baxter, T.C. Boyle, Peter Carey, Michael Chabon, Dave Eggers, Jefrey Eugenides, Jonathan Franzen, Glen … Continue reading „The Future Dictionary of America (McSweeney’s II)“

English as She is Spoke (McSweeney’s I)

Mein Luftkissenboot ist voller Aale? So ähnlich jedenfalls. English as She is Spoke – diesen Ausdruck hatte ich schon mehrfach da und dort aufgeschnappt. Jetzt weiß ich endlich, wo er herkommt: 1855 schrieb Pedro Carolino einen portugiesisch-englischen Sprachführer. Er konnte allerdings kein Englisch. Aber er hatte einen englisch-französischen Sprachführer, und ein französisch-portugiesisches Wörterbuch. Das musste reichen. Herausgekommen ist ein Klassiker des unfreiwilligen Humors, dessen englische Ausgabe eben English as She is Spoke lautet. Das Portugiesische schenke ich mir, hier nur ein paar Beispiele für die englischen Teile: Have you understand that y have said? Do is so kind to tell … Continue reading „English as She is Spoke (McSweeney’s I)“

Das Ende der Welt ist nah!

McSweeney’s Mammoth Treasury of Thrilling Tales enthält neu geschriebene Geschichten im Stil der alten Pulp-Erzählungen. Das Inhaltsverzeichnis passt im Stil dazu, und jede Geschichte wird von einer passend altmodisch-auftregenden Illustration eröffnet. Eine der Geschichten ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: „Otherwise Pandemonium“ von Nick Hornby. Ein männlicher Teenager kommt an einen gebrauchten Videorecorder. Durch Zufall stellt er fest, dass der Recorder auch funktioniert, wenn keine Kassette eingelegt ist – dass er das aktuelle Fernsehprogramm zeigt, aber mit der Möglichkeit, durch Vorspulen in die Zukunft zu schauen. Und so schaut sich der Held die Zukunft an. David Letterman, das Wetter, Verkehrsunfälle, … Continue reading „Das Ende der Welt ist nah!“

Ray Bradbury, Löwenzahnwein (mit Rezept)

Bradbury ist einer der ganz, ganz Guten. Dandelion Wine (dt. Löwenzahnwein) ist wie viele der Romane von Bradbury eigentlich eine thematisch verbundene Sammlung von Kurzgeschichten. Die Verbindung ist diesmal Douglas Spaulding, zwölf Jahre alt, und der Sommer, den er Anfang der 30er Jahre in Bradburys fiktiver Kleinstadt Green Town, Illinois erlebt. Er führt eine Liste, was er in diesem jahr, in diesem Sommer, alles zum erstenmal gemacht hat. Amazon.de drückt es gut aus: „Es ist ein Sommer voller Schrecken und Wunder, den der zwölfjährige Douglas Spaulding in Green Town, Illinois, erlebt. Es kommen vor: ein Trödler, der Leben rettet; ein … Continue reading „Ray Bradbury, Löwenzahnwein (mit Rezept)“

Sir James Frazer, The Golden Bough

Folgenden Text habe ich wohl 1988 geschrieben; ich stelle ihn unverbessert hierher. Mehr als überflogen habe ich ihn nicht, das wäre mir zu arg. „Abschnitte in solchen mythologischen und anthropologischen Quellenwerken wie Frazers Goldener Zweig“ H.P. Lovecraft, „Chulhus Ruf“ Sir James George Frazer The Golden Bough A Study in Magie and Religion Papermac/Macmillan Press Ltd 1987 £ 7,95 / DM 37,80 756 Seiten Mit dem Necronomicon des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred ist sicher jeder Lovecraft-Leser bestens vertraut, und von Junzts Unaussprechlichen Kulten vergißt er ebensowenig wie das De Vermiis Mysteriis von Ludvig Prinn. Weniger bekannt ist dagegen Der Goldene Zweig … Continue reading „Sir James Frazer, The Golden Bough“

Neil Gaiman, American Gods

Von Neil Gaiman habe ich schon Coraline gelesen, und die Sandman-Serie, Neverwhere und seine Koproduktion mit Terry Pratchett, Good Omens. Die Prämisse von American Gods ist folgende: Mit den Einwanderern kamen auch deren Götter nach Amerika, oder genauer: Die Götter wurden in Amerika noch einmal neu geboren. Diese Götter sind abhängig davon, dass an sie geglaubt wird. Und so fristen Odin, Anubis, irische Kobolde und eine Vielzahl von anderen Göttern ein meist eher kärgliches Dasein. Amerika sei kein gutes Land für Götter, meinen einige der Beteiligten. Vor allem gibt es eine Reihe von aufstrebenden neuen Göttern. American Gods ist die … Continue reading „Neil Gaiman, American Gods“

Lesetipp: Nur jedes zweite Kapitel

Viele Bücher, gerade im Abenteurergenre, haben zwei mehr oder weniger unabhängig voneinander agierende Heldentruppen. (Genre heißt für mich: Mein Interesse liegt nicht an der Sprache oder an den Charakteren, sondern am Fortgang der Handlung. Raymond Chandler gehört für mich also nicht zu Genreliteratur.) Die eine Gruppe versucht mit Elefanten und Lasern die Palastwache des Sultans abzulenken, und die andere gräbt mit Hilfe der Kobolde einen Geheimgang durch das Reich der Zwerge. Oder so ähnlich. Nachdem ich vor vielen, vielen Jahren schon einmal Mona Lisa Overdrive von William Gibson gelesen hatte, habe ich vor einigen Jahren das Buch noch einmal gelesen, … Continue reading „Lesetipp: Nur jedes zweite Kapitel“

Cabell, The Eagle’s Shadow

Ich bin gerade völlig entzückt von James Branch Cabells Frühwerk, The Eagle’s Shadow (1904). Das Buch ist eine nette, geistreichelnde Komödie um Erbschaft, Liebespaare, und ein Landhaus, in dem sich alle Beteiligten befinden: Bezaubernde junge Damen; Mütter, die ihre Töchter verheiraten wollen; alte Herren mit Zigarren; junge Dichter. Darüber Sonnenschein und darum ein weitläufiger Garten, und am Schluss haben sich doch die richtigen zwei Paare gefunden. Kurz: Die bezaubernde Margaret Hugonin hält Hof in ihrem Südstaatenanwesen. Sie ist nicht nur bezaubernd schön, sondern auch eine reiche Erbin, und seitdem wimmelt es bei ihr nur von heiratswilligen jungen Männern. Andere Leute … Continue reading „Cabell, The Eagle’s Shadow“

Geoffrey Chaucer, The Canterbury Tales

Als ich in der 11. Klasse war, hielt unser damaliger Englisch-Referendar Peter Ringeisen eine Stunde zu Geoffrey Chaucer. Eigentlich war es nur eine halbe Stunde: Ich habe gerade das Arbeitsblatt von damals herausgekramt; die linke Hälfte ist altenglisch, die rechte der Anfang eines mittelenglischen Chaucer-Textes, den ich heute noch auswendig kann. Das muss mich damals sehr beeindruckt haben. Ich hab dann auch später sowohl im Englisch- als auch im Deutsch-LK jeweils eine Stunde zu Chaucer gehalten, unter anderem mit den weiter unten stehenden Texten. Geoffrey Chaucer lebte von etwa 1340-1400 in England. Er arbeitete am Hof, war Page und beim … Continue reading „Geoffrey Chaucer, The Canterbury Tales“

Edwin Thomas, The Blighted Cliffs

Den Klappentext zieren stolz Pressestimmen: „At last, the nautical Flashman„. Ein anderer Rezensent meint: „“Will fill the gaping hole stoved in the timbers of the sea-saga genre by the sad death of Patrick O’Brian.“ Und das ganze heißt: „Book one of the reluctant adventures of Lieutenant Martin Jerrold“, und vorne ist ein lustig gezeichnetet Marineoffizier. Hm. Für all das kann der Autor nichts. Mich stört, wenn ein relativ frisch erschienener Roman (er kam im Jahr 2003 heraus) sich gleich als „Book One“ präsentiert. Der zweite Roman ist bereits als Hardcover erschienen. Mich stört, wenn der Held gleich gar so launig … Continue reading „Edwin Thomas, The Blighted Cliffs“