Informatikunterricht

Ich will ja keinesfalls propagieren, dass Schüler immer recht haben. Oder immer etwas Interessantes sagen, wenn sie einen am Ärmel zupfen. Aber manchmal sollte man doch richtig zuhören.

Gestern im Informatikunterricht kurz vor Unterrichtsbeginn, ich war schon im Klassenzimmer, hatte eine Schülerin eine Frage zu den Diagrammen im Buch, die sie zu Hause gelesen hatte. Wir hatten sie an der Tafel in der Stunde zuvor besprochen. Um solche Diagramme ging es:

wiederhole.PNG
(Genauer, es ging darum, wie oft was wiederholt wird, je nachdem, ob die Anweisung innerhalb oder außerhalb der Schleife steht.)

Gleichzeitig wieselten andere Kinder um mich herum. Ich vertröstete die Schülerin einige Minuten später, versprach ihr, den Stoff ohnehin nochmal zu erklären, und mit der Klasse wiederholte ich dann auch den Stoff (mit Ausfragen, um Noten zu machen, mit selbst gemachten Folien). Danach war sie aber immer noch nicht ganz zufrieden. Und dann machte sie mir klar, dass es eigentlich nur darum ging, dass eines der drei gegenübergestellten Diagramme im Buch falsch war.
Und so war es dann auch.
Ich hätte es vielleicht gleich kapiert, wenn nicht in meiner Auflage des Buches alle Diagramme richtig abgedruckt wären.

Die Schülerin hat eine 1 bekommen und der Rest durfte mit Kugelschreiber in den Büchern den Fehler ausbessern. Ich denke, das macht immer besonders Spaß, wenn man ganz legal in Schulbücher schreiben darf. Und vielleicht gleich lernt, dass da auch mal Fehler drin sind.

Bildschirm statt Tafel

Erster Schultag nach den Schneeferien. Draußen ist noch alles weiß aufgetürmt, zwischendurch schneit es immer wieder, manchmal auch heftiger. In solchen Ausnahmesituationen macht der Unterricht gleich mehr Spaß, Schülern und Lehrern, denke ich.

Im Computerraum, in dem ich meine Informatikstunden gebe, haben wir ein Programm, mit dem man auf dem Monitor des Lehrer-Rechners sehen kann, was gerade auf den Monitoren der Schüler-Rechner läuft. Ich verwende das selten; es ist einfacher, im Raum herumzulaufen oder sich hinten an die Wand zu lehnen und den Schülern über die Schulter zu schauen. Noch besser wäre natürlich ein Computerraum mit Rechnern, die an allen Seiten des Zimmers stehen, so dass die Schüler zur Wand schauen. Ob das Feng-shui-mäßig in Ordnung geht, bezweifle ich, aber der freie Platz wäre schon praktisch. Beim Neubau dann.
— Vor allem nutzt man das Programm, um alle Schülerrechner kurz abzustellen, so dass man die volle Aufmerksamkeit der Schüler hat. Und noch mehr nutzt man es, um auf allen Schüler-Monitoren das zu zeigen, was man gerade am Lehrerrechner macht. „Demo-Modus“ heißt das und ist sehr praktisch, um die Benutztung von Programmen zu zeigen.

Heute habe ich zum ersten Mal mein Tafelbild mit Hilfe dieses Programms gemacht. Die Schüler in der einen Klasse hatten als Hausaufgabe aufgehabt, Vor- und Nachteile von E-Mail und Brief zu sammeln. Das hatten sie auch brav gemacht (bis auf die, die ihr Heft zu Hause vergessen haben; es sind jedesmal zuviele). Ich saß am Lehrerrechner, die Schüler sahen auf ihren Monitoren mein Word-Dokument, in dem ich die Vor- und Nachteile, die die Schüler nannten, in einer Tabelle zusammenschrieb. Am Schluss noch ein paar Sätze, dann wurde das ausgedruckt (papiersparend jeweils auf A5 verkleinert); das war dan der Hefteintrag dieser Stunde.
Das hatte ich so geplant; es lief aber so gut, dass ich das in der anderen Klasse spontan weitergeführt habe. Da ging es um Vektorgraphiken und Objektdiagramme. Texttechnisch etwas schwieriger, mit Rahmen und Pfeilen und Beschriftungen zu den Pfeilen. All das habe ich am Rechner gemacht; die Schüler schauten mir auf ihren Monitoren zu. Wir einigten uns auf Formulierungen, Schriftgröße, Zeichensatz; verglichen fett und kursiv miteinander (nachdem ich den Schülern gesagt hatte, dass nur Anfänger unterstreichen). Wir schauten meinen lustigen Tippfehlern zu und ich konnte die Schüler mit fortgeschrittenen Wordkenntnissen verblüffen – Autoformat, Einrückung, Rahmen. Ich mach ja eh alles mit der Tastatur und ohne Maus.
Das entstandene Tafelbild war zwar weniger bunt als ursprünglich geplant, aber die Schüler hatten dessen Entstehung mit weit mehr Aufmerksamkeit verfolgt als sonst. So kam es mir jedenfalls vor.

Also: Ich will das öfter machen, dass ich quasi Sekretär für die Stunde spiele. Die Schüler selber am Rechner schreiben zu lassen ist mir dann zu unsicher, wenn es um graphische Elemente, echte Tafelbilder geht; außerdem konzentrieren sich die Schüler dann aufs Schreiben und nicht auf den Inhalt. Andererseits Irgendwann müssen sie es ja lernen.
Und in einigen Jahren muss ich die Datei dann nicht mal mehr ausdrucken, sondern kann sie den Schülern nach Hause mailen. (Das geht jetzt natürlich noch nicht, weil nicht alle Schüler E-Mail haben.)

Und vielleicht kriegen wir in der neuen Schule sogar so etwas wie dieses schicke Whiteboard. Man schreibt mit Plastikstiftchen auf dem Board, der rote Stift macht rote Striche, der blaue blaue und so weiter. Das ganze geht natürlich nicht wirklich aufs Board, sondern in den Rechner, der dann den Beamer den Strich auf das Board projizieren lässt. Mit Texterkennung, und Speicherung des Bildes, Ausdruckmöglichkeit und viel Schnickschnack mehr. Das wär schön.
Allerdings wäre das auch wieder Tafelarbeit, also ganz anders als das Gefühl heute, gemeinsam ein Dokument zu erstellen.

Schüler-Wiki

Hier geht’s zum Wiki dreier meiner Klassen [Link gelöscht], das diese im Informatik-Unterricht gemeinsam angelegt haben. (Zu Hause durften sie natürlich auch daran arbeiten.) Ich habe gefragt, ob ich’s vorzeigen darf. Abnahme und Notenvergabe kommt erst noch; ich weiß noch nicht, wie genau sich die Schüler an die Vorgaben gehalten haben. Das Zeug wächst so schnell, dass man als Lehrer kaum Überblick behalten kann. Immerhin, was ich sehe, ist zum allergrößten Teil selbst produziert; der Tonfall ist freundlich; die Rechtschreibung noch verbesserungswürdig – aber sie wird auch immer weider verbessert.

Gerade das Urheberrecht ist ein Problem. Zwei Titelbilder von Büchern oder Plattencover pro Seite habe ich erlaubt, sofern die Bilder nicht zu groß sind; bereits das ist allerdings wohl schon eine Grauzone. Sicher weiß man das ja nie. Andere Bilder stammen aus der Wikipedia; und für ein Fußball-Bild hat ein Schüler extra beim Verein angerufen. Dort habe man ihm gesagt, er dürfe; man sehe sich solche Seiten aber immer regelmäßig an, auf dass kein Schindluder mit den Bildern getrieben werde. Da konnte ich doch nicht auf einer schriftlichen Erlaubnis des Vereins bestehen.

Entstanden ist das Wiki im Informatikunterricht; nächstes Jahr mache ich das wieder so ähnlich (wenn auch nicht unbedingt mit MediaWiki mit MediaWiki oder einer anderen Wiki-Software), werde aber mehr auf die Vorbereitung und Projektplanung achten. So haben die Schüler zuerst nur in Kleingruppen gearbeitet und erst nachträglich ihre Seiten verlinkt. Ich denke, auf diese Vernetzung sollte ich bereits vorher achten. Aber für den Anfang ist das schon ganz okay so.

Wiki in der Schule

Im Teilgebiet Informatik des Fachs Naturundtechnik sollen die Schüler Hypertext-Dokumente erstellen. In der 6. Klasse haben die Schüler hierarchische Strukturen kennen gelernt (Verzeichnisstruktur unter Windows, Wirbeltier-Taxonomie), jetzt sind es vernetzte Strukturen.

Zuerst wollte ich den Schüler quasi HTML-Grundwissen beibringen. Aber das brauchen die gar nicht. Je weniger Technik und Syntaxprobleme, desto besser. Informatik darf tatsächlich in der Unterstufe einfach sehr viel mit Information zu tun haben. Und das mache ich als Deutschlehrer doch sowieso.

Also habe ich Mediawiki installiert. Weil ich das bei Herrn typ.o so gesehen habe, ich geb’s zu. Das hat mir nämlich schon imponiert.
– Der Plan des Ganzen kommt am Anfang noch an die Pinnwand, mit angesteckten Objektdiagrammen der einzelnen Seiten (mit den Attributen Kurztitel, Autor und Inhalt) und Fäden zwischen den Seiten als Link.
Die selbst gewählten Themen der drei Klassen sind bislang „Berühmtheiten, die wir cool finden“, “ Musik und Sport – Interessen der 7a“ und „‚So ticken Schüler‘: Das Lösungsbuch für Lehrer“. Sobald genügend davon da ist, zeig ich’s auch mal her. Ich finde nämlich, dass Schüler eine Öffentlichkeit für ihre Projekte brauchen.

(Mehr zu Wikis in der Medienbox, bei Treffpunkt Deutsch und bei wiki.doebe.li.)

Erschöpft

Heute etwas frustrierend in der Schule. Ich würde gerne mehr machen, aber mir fehlt die Zeit.
Dafür kriege ich langsam den Informatikunterricht in den Griff. Die beste Informatikstunde sieht so aus, finde ich: Am Anfang kriegen die Schüler einen Auftrag, sie basteln daran herum, fragen zwischendrin nach Tipps, und kriegen manche Tipps, auch wenn sie nicht danach fragen, und ganz am Ende der Stunde gibt’s was ins Heft. (Auch wegen der Noten.)
Heute haben die Schüler schon mal zum Teil sehr schöne Vektorgraphiken erstellt. Ich muss mal ein paar davon zeigen. Ziel des Arbeitens mit Vektorgraphiken ist, dass die Schüler mit dem Objektbegriff vertraut werden. Objekte hat man gerade sehr in der Informatik, und zwar überall. Auf der Bedienerseite ist so ziemlich alles, was man am Computer ausschneiden und einfügen kann, ein Objekt oder eine Gruppe von Objekten. Viel wichtiger ist aber, dass man beim Entwerfen von Projekten, beim Modellieren einer Welt (und beim Programmieren) diese Modellwelt auch in Objekte ein und deren Beziehungen zueinander teilt. Bei Pacman ist jedes bewegte Männchen ein Objekt, bei einem Bankprogamm jedes Konto und jeder Kunde, und bei einem Textadventure jeder Gegenstand und jede Person. Objektorientiertes Programmieren ist übersichtlicher, als einfach drauflos zu schreiben. (Auch wenn es Einwände gibt und Aufgaben, für die anderes Vorgehen besser ist.)
Grummel. Erschöpft. Und die Maus ist auch kaputt, die Computermaus. Jedenfalls treibt sie all ihre grauen Freunde an den anderen Steckern zum Absturz. Ich tippe notdürftig mit der Windows-Tastaturmaus und mache glücklicherweise eh fast alles mit der Tastatur, aber lästig ist das schon.

Morgen Staatsexamen

Nachdem ich vorgestern, gestern und heute nochmal auf dem amtlichen Schreiben nachgeschaut habe, um sicher zu gehen, dass ich nicht plötzlich blöd geworden bin: Doch doch, morgen früh muss ich zum Staatsexamen Informatik (Lehramt vertieft).

Mit der Einführung des neuen Lehrplans für das G9 wurde nämlich auch das Pflichtfach Informatik eingeführt. Als Teilnehmer am Schulversuch „Europäisches Gymnasium III“ gab es das Fach an unserer Schule bereits zuvor als Pflichtfach. (Das EGy III hatte manche Vorteile und manche Nachteile. Es ist insofern ein gescheitertes Experiment, als keine Erkenntnisse daraus gewonnen und umgesetzt wurden.)*

Nur gab es noch keine Informatiklehrer, und es gibt auch jetzt nicht genügend. Das Studienfach ist nicht sehr attraktiv, und ohnehin dauert es Jahre, bis die ersten Studenten damit durch sind. Also gab es ein Programm, mit dem man in zwei Jahren Fernstudium mit Anwesenheitstagen (im ersten Jahr monatlich, im zweiten wöchentlich) die Lehrbefähigung erwerben kann.

Dazu gehört aber auch das Staatsexamen – zwei schriftliche, drei mündliche Prüfungen. Meine letzten derartigen Examina sind genau 10 Jahre her. Schon damals hatte ich mich danach gefreut: Nie wieder Prüfungen! Das hat dann gleich mehrfach nicht gestimmt. (Nach dem Abitur habe ich das nicht gedacht, das war ruhig und gelassen, viel harmloser als Universität oder Führerschein.)

Ich weiß noch nicht, ob ich mich damit brüsten soll, wie wenig ich in den letzten Wochen gelernt habe („Ach weißt du, wenn man’s einmal kapiert hat, braucht man sich’s eigentlich gar nicht nochmal anschauen“), oder um Mitleid und Schrecken buhlen soll mit anschaulichen Schilderungen klaglosen Leidens („Jeden Tag um sieben Uhr aufgestanden, Formeln angeschaut, bis einem der Kopf raucht“).
Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, jenseits der Mitte.

Ein bisschen aufgeregt bin ich aber wirklich.

*Im noch neueren G8 braucht man nicht ganz so viele Informatiklehrer, da das Fach in weniger Klassenstufen unterrichtet wird, und das teilweise einstündig, obwohl es das offiziell nicht mehr geben darf. Möglich macht das das zweistündige Fach „Natur und Technik“, mit einer Zeugnisnote, aber zwei Lehrern – einem in Biologie, einem in Informatik.

Termine Staatsexamen

Heute vormittag habe ich die Termine für die schriftlichen Prüfungen zum 1. Staatsexamen Informatik erfahren: 31.8. und 2.9. Inhalt: Theoretische Informatik, Datenbanken, Algorithmen und Datenstrukturen, Betriebssysteme, Programmieren, Netzwerke. Hab ich wenigstens genug zu tun.

Informatik-Klausur

Heute Informatik-Klausur geschrieben. Zwar nur zur Probe; die eigentlichen Prüfungen zum 1. Staatsexamen sind erst in zehn Monaten oder so. Ich war jede Stunde da, habe immer aufgepasst, die Hausaufgaben gemacht, meine Unterlagen dabei gehabt, selbstständig mitgeschrieben, und mir vor der Stunde eine Minute lang die Aufzeichnungen vom letzten Mal angeschaut. Dann klappt’s auch mit der Klausur. Aber erklär das mal einem Schüler.

Themen: Erreichbarkeitsgraph eines Petri-Netzes (mit Aushungern und Verklemmung); Synchronisieren und Erzeugen von Threads unter Java; Modellieren und Kontrollieren von nebenläufigen Aktionen durch Semaphore; funktionales Programmieren in Assembler; Seitenersetzungsstrategien (verschiedene Kachel-Seite-Zuordnungsmöglichkeiten).

TU München

Zahnpflege für Mammutstoßzähne?



Die Wahrheit ist noch unglaublicher: Im Mathematik- und Informatikgebäude der TU München in Garching gibt es einen großen überdachten Lichthof, um den wie in einer Galerie die einzelnen Hörsäle und Büros angeordnet sind. Unten lümmeln sich dann die Studenten an Tischen und Bänken, trinken Kaffee und krümeln Donuts in ihre Laptops.
Und von oben bis unten gibt es diese langen, gekrümmten, schwarzen Röhren, die vage nach Kunst aussehen, tatsächlich aber: Rutschen sind. Man setzt sich auf ein bereitgestelltes kleines Stück Teppich und rutscht hindurch und herunter.
Vielleicht traue ich mich nächstes mal ja. Wenn dann nicht wieder geputzt wird.

Nachtrag: Hier eine Videoaufnahme vom Durchrutschen.

Vorerst, weil ich so stolz bin, mein erstes Assemblerprogramm. Das lernen wir nämlich gerade in Informatik.

	SEG
init:
	MOVE W I 1, R0
	MOVE W I 1, R1
	MOVE W I 5, R2
	MOVE W I 2, R3
rechnen:
	SUB W R3, R2, R4
	CMP W R3, R4	
	JLT start
	MOVE W R4, R3
start:
	JUMP test
for:	
	SUB W R0, R2, R4
	ADD W I 1, R4
	MULT W R1, R4
	DIV W R0, R4, R1
step:
	ADD W I 1, R0
test:
	CMP W R0, R3
	JLE for
end:
	HALT
	END

Deswegen komme ich gerade auch so wenig zum Posten.