So schlimm sind wir doch auch nicht

Aber ganz nebenbei, solche Schlagzeilen benutze ich in der 8. Klasse, wenn ich Adverbialsätze wiederhole oder ergänze. Eben weil in diesen Schlagzeilen zwei Sätze unverbunden nebeneinander stehen, so dass deren Zusammenhang erschlossen werden muss – sicher aus Platzgründen, aber auch, um Zusammenhänge zu suggerieren, die so gar nicht vorliegen: Polizei benutzt Schusswaffe – Kinder in Gefahr. Obwohl die Kinder in Gefahr sind? Weil? Während? So dass Kinder in Gefahr sind? Mutter feierte bis 4 Uhr früh. Ihre Kinder erstickten. Angedeutet wird ein kausaler Zusammenhang, möglicherweise liegt aber auch nur ein temporaler vor. Andererseits habe ich mich auch selbst ertappt, wenn … Continue reading „So schlimm sind wir doch auch nicht“

Bullshitbingo

Das Spiel kenne ich noch aus der Uni-Zeit, aber ein Beitrag in den Lehrerforen (auf den ich leider nicht direkt verlinken kann) hat das Thema wieder aufkommen lassen: Jeder Spieler kriegt, etwa während einer Lehrerkonferenz, ein 4×4 Feld mit Begriffen, die mehr oder weniger wahrscheinlich fallen werden. Natürlich sucht man sich die abgedroschensten heraus. Fällt ein Begriff tatsächlich, streicht man ihn durch. Gewonnen hat, wer als Erster vier durchgestrichene Begriffe in einer Reihe (orthogonal oder diagonal) hat. Und dann lauthals „Bullshit“ ruft, aber der Teil ist möglichwerweise optional. Eine Javascript-Version dafür hat die Lehrerrundmail. – Im Klassenzimmer hasse ich die … Continue reading „Bullshitbingo“

Neulich an der Uni

Da, wo die TU München in Garching-Hochbrück ist, ist sonst nichts. Man sollte meinen, da kommen nur Studenten und Professoren hin. Wer malt also die Bushaltestellen so schön an, dass man sich als Lehrer gleich heimisch fühlt? Doch bittebitte nicht die Studenten. Oder trifft sich die Landjugend nachts auf dem verlassenen Campus?

An der Uni

Heute wieder erfolgreich und produktiv an der Uni gewesen. In der Mittagspause eine Breze entknotet, ohne sie zu zerbrechen. Stolz meinen Kommilitonen gezeigt. Überwältigte Reaktionen blieben aus. Fühle mich verkannt.

Wintergrämlichkeit

Zur Zeit gibt’s leider kaum Einträge. In den Tagen vor der letzten Schulwoche vor den Weihnachtsferien habe ich noch die letzten Schulaufgaben geschrieben, damit ich über die Feiertage was zu tun habe. Manchmal schaffe ich es inzwischen tatsächlich, mir die Ferien, die Herbstferien etwa, frei zu halten. (Dabei verbringe ich natürlich auch einen Teil dieser Zeit damit, mich mit der Schule zu beschäftigen. Irgendwas gibt’s immer.) Und jetzt, wo der Druck der letzten Schulaufgaben weg ist, hänge ich etwas durch. Dazu das graue Wetter – aber das ist sicher eine Ausflucht: Mit besser Laune könnte ich auch dem Wetter mehr … Continue reading „Wintergrämlichkeit“

Loben

Der Informatik-Professor, heißt es unter der Hand, sei sehr zufrieden mit uns. Selbst so als unbestätigte Behauptung ist das wichtiger für mich, als ich dachte. Lob spielt doch eine große Rolle. Ich lobe sicher zu selten in meinem Unterricht. (Wobei sich die Schüler vielleicht tatsächlich nicht ganz so lobenswert verhalten wie unsere Informatikgruppe.) Allerdings wird man als Lehrer auch wenig gelobt. Von den Schülern alle drei Jahre, von den Eltern einmal, von den Kollegen zweimal im Jahr, von der Schulleitung gar nicht (von Jahresanfangs- und -endfloskeln abgesehen.) Dabei geht es beim Loben gar nicht mal um eine Hackordnung.

Funktioniert das auch bei Männern?

Gestern Abend in der Fernsehwerbung: Damenbinden, mit denen man sich noch frisch fühlt, auch wenn man die halbe Nacht unterwegs war. Das will ich auch haben. (Nebenbei: Die Musterfrau, die die halbe Nacht unterwegs war, kommt nach Hause, als es bereits hell ist. Was hat sie also in der anderen Hälfte der Nacht gemacht?)

Öffentlicher Nahverkehr

„Sie fragen sich bestimmt, was da drin ist.“ Er saß mir im Zug gegenüber, 17 Jahre oder 18. Neben sich hatte er einen flachen roten Pappkarton, bedruckt. Ich war übernächtigt und auf dem Weg nach Hause und in ein Buch vertieft. Zumindest las ich darin. Bei der ruckelnden Fahrt rutschte der Karton rutschte im Sitz gegenüber immer wieder herum. Der junge Mann (sauberes Erscheinungsbild, Brille, rasiert) entschuldigte sich. Ich murmle irgendwas, nicht unfreundlich aber auch nicht kontaktwillig und verkrieche mich in mein Buch. In Romanen heißt es dann immer „Er war seinem Blick gefolgt“ oder „Er hatte seinen Blick bemerkt“. … Continue reading „Öffentlicher Nahverkehr“

That’ll teach them

Hausaufgabe vergessen? Eine Runde um den Sportplatz. Im Unterricht wiederholt nicht aufgepasst? Zehn Bahnen im eiskalten Pool, vor dem Frühstück, zum Aufwachen. Ein Deo benutzt? Eine Stunde Gedichte abschreiben. „That’ll teach them“ ist eine Doku-Soap extra für Schüler und Lehrer. Im Jahr 2003 gingen 30 sechzehnjährige Schüler und Schülerinnen noch einmal einen Monat lang freiwillig in die Schule, um für die englische Mittlere Reife zu lernen. Genauer gesagt, es waren die „O-Levels“, die es schon lange nicht mehr gibt, und der Unterricht verlief nach dem Vorbild eines englischen Internats aus den 50er Jahren. Das galt für Lehrstoff, Lehrmethode, Ausstattung und … Continue reading „That’ll teach them“