Loben

Der Informatik-Professor, heißt es unter der Hand, sei sehr zufrieden mit uns.
Selbst so als unbestätigte Behauptung ist das wichtiger für mich, als ich dachte. Lob spielt doch eine große Rolle. Ich lobe sicher zu selten in meinem Unterricht. (Wobei sich die Schüler vielleicht tatsächlich nicht ganz so lobenswert verhalten wie unsere Informatikgruppe.)
Allerdings wird man als Lehrer auch wenig gelobt. Von den Schülern alle drei Jahre, von den Eltern einmal, von den Kollegen zweimal im Jahr, von der Schulleitung gar nicht (von Jahresanfangs- und -endfloskeln abgesehen.) Dabei geht es beim Loben gar nicht mal um eine Hackordnung.

Funktioniert das auch bei Männern?

Gestern Abend in der Fernsehwerbung: Damenbinden, mit denen man sich noch frisch fühlt, auch wenn man die halbe Nacht unterwegs war.
Das will ich auch haben.

(Nebenbei: Die Musterfrau, die die halbe Nacht unterwegs war, kommt nach Hause, als es bereits hell ist. Was hat sie also in der anderen Hälfte der Nacht gemacht?)

Öffentlicher Nahverkehr

„Sie fragen sich bestimmt, was da drin ist.“

Er saß mir im Zug gegenüber, 17 Jahre oder 18. Neben sich hatte er einen flachen roten Pappkarton, bedruckt. Ich war übernächtigt und auf dem Weg nach Hause und in ein Buch vertieft. Zumindest las ich darin.
Bei der ruckelnden Fahrt rutschte der Karton rutschte im Sitz gegenüber immer wieder herum. Der junge Mann (sauberes Erscheinungsbild, Brille, rasiert) entschuldigte sich.
Ich murmle irgendwas, nicht unfreundlich aber auch nicht kontaktwillig und verkrieche mich in mein Buch.

In Romanen heißt es dann immer „Er war seinem Blick gefolgt“ oder „Er hatte seinen Blick bemerkt“. Da war aber nichts zu bemerken gewesen. Trotzdem sagte der junge Mann plötzlich: „Sie fragen sich bestimmt, was da drin ist,“ und zeigte auf den Karton neben sich. Ich fragte mich nicht, schon gar nicht bestimmt.

Aber er wollte es mir sichtlich sagen. Also packte ich mein Buch weg. Der geheimnisvolle Inhalt des Kartons stellte sich als Zeichenbrett für das technische Zeichnen heraus. Der junge Mann war gerade im Begriff, Schreiner zu werden. Viel Arbeit, sei es, aber er habe sich den Beruf ja ausgesucht. Wenn ich mich recht erinnere, ging es um sein Gesellenstück. Er war sichtlich stolz und voller Mitteilungsdrang und fing das Gespräch auch keinesfalls aus Langeweile an; an einer der nächsten Stationen stieg er aus.

Eigentlich war es doch ein schönes Erlebnis gewesen.

That’ll teach them

Hausaufgabe vergessen? Eine Runde um den Sportplatz. Im Unterricht wiederholt nicht aufgepasst? Zehn Bahnen im eiskalten Pool, vor dem Frühstück, zum Aufwachen. Ein Deo benutzt? Eine Stunde Gedichte abschreiben.

„That’ll teach them“ ist eine Doku-Soap extra für Schüler und Lehrer. Im Jahr 2003 gingen 30 sechzehnjährige Schüler und Schülerinnen noch einmal einen Monat lang freiwillig in die Schule, um für die englische Mittlere Reife zu lernen. Genauer gesagt, es waren die „O-Levels“, die es schon lange nicht mehr gibt, und der Unterricht verlief nach dem Vorbild eines englischen Internats aus den 50er Jahren. Das galt für Lehrstoff, Lehrmethode, Ausstattung und Verhaltensregeln ebenso wie für die Verpflegung.
Ich habe leider nur eine einzige Episode gesehen. Dafür gibt es sehr viel auf den Channel-4-Seiten dazu:

That’ll teach them 2003: Grammar school

Dort erfährt man Einzelheiten über die Schule und die Fernsehproduktion. Außerdem kann man einen Online-Test machen, der auf einem Eignungstest aus den 60er Jahre basiert, wie sie 14- bis 15-Jährige an secondary modern schools und 13-Jährige an grammar schools machen mussten.
Für so einen Test hatten Schüler 45 Minuten Zeit, und die braucht man auch. Das ist zwar alles multiple choice, aber scho sehr geschickt gemacht, gerade die Rechenaufgaben. Sollte man mal ausdrucken und mitnehmen.
– Außerdem gibt es Wissenswertes über das Schulsystem der 50er Jahre und was sich seitdem alles verändert hat.

Dieses Jahr gab es die Fortsetzung:

That’ll theach them 2004: Secondary Modern

Auch sehr schön. Überhaupt, diese englischen Doku-Sendungen sind sehr gut. Hierzulande hilft mir im Deutschunterricht bei Effi Briest lediglich das heimische Leben im Gutshaus.

Es geht auch ohne Baumhaus (Jugendjahre)

Gestern Abend kam im Fernsehen ein Werbespot für irgendwas. Im Hintergrund lief eine Melodie, ein kurzes Instrumentalstück. „Patrizia“, sagte ich baff.

Ah, Patrizia. „Du-dum. Du-dum-du-du-du-du-dum. Zauberhafte reizende Patrizia. – Lang hatte ich nicht mehr an dich gedacht.“

In der sechsten Klasse hatte ein Mitschüler, dessen Eltern auf dem Gelände einer örtlichen Textilfabrik wohnten, Zugang zu einem Zimmer im Dachboden des Hauses. Man musste zuerst durch einen großen Dachboden, nur leicht vollgestellt, aber staubig. Dann öffnete man eine Tür und war in einem Raum: Unserem Clubraum. Zweieinhalb auf vier Meter, höchstens. In der sechsten Klasse war es noch gar kein richtiger Clubraum: Wir trafen uns zu tritt, um Plastik-Modellflugzeuge zusammenzubauen. Immerhin legten wir schon unser Geld zusammen, um die Modelle zu kaufen.

Im Jahr darauf hatten wir unseren ersten Science-Fiction-Club gegründet. Wir waren zu dritt, Michael, Norbert und ich. Und jetzt war das Zimmer ein echter Clubraum: Die Wände waren mit Postern tapeziert und mit herausgetrennten Zeichnungen aus Magazinen. Sämtliche Wände waren so dekoriert, nur die Decke war frei. Ein Schränkchen, dann ein Schrank, und nach und nach weitere Regale für unsere Flohmarktfunde: Dutzende, hunderte Taschenbücher und Romanhefte. Perry Rhodan, Utopia-Taschenbücher, Marvel-Comics. Von der Decke war bald das letzte Flugzeugmodell verschwunden.

Ein knappes Jahr später waren wir zu fünft: Unser Club hatte sich mit einem anderen Club zusammengeschlossen. „Fusioniert“ hieß das damals schon. Dirk und Jan waren die neuen und brachten ihr Magazin mit, Parsec, Ausgabe 3. Wir machten Parsec gemeinsam weiter; andere Magazine erschienen, solche zum Beispiel:

Nach wenigen Jahren war der Clubraum verlassen. Die einen hatten aufgehört mit solchem Kinderkram, die anderen hatten plötzlich einen Star-Wars-Club mit hundert zahlenden Mitgliedern am Hals, und eine ganz neue Geschichte begann.

Aber zurück zu Patrizia: In diesem Clubraum, unglaubwürdig wie das vielleicht klingen mag, gab es auch einen alten Plattenspieler – noch mit 33, 45 oder 78 Umdrehungen pro Minute. Und am unglaubwürdigsten war die Plattensammlung, die sich auf dem Dachboden fand: Etwa fünfzig oder sechzing Singles aus den 60er Jahren. Ah, „Das Geisterschiff von Ohio“! Ich kann den Text heute noch. „Der weiße Mond von Maratonga“: In Studientagen beim Scharadenspiel, als es darum ging, einen Liedtitel pantomimisch darzustellen, kam mir dieses Lied in den Kopf, und ich hatte meine rechte Mühe, den Mitspielern diesen Titel zu vermitteln. Ein Medley aus der West Side Story war auch dabei, einige wunderschöne Instrumentalstücke, deren Titel ich leider nicht mehr weiß, und eben auch: „Patrizia“. Du-dum. „Zauberhafte reizende Patri-zi-a, du-dum, gehen Sie nicht so an mir vorbei“. Goldene Zeiten.

Schüler treffen

Letzte Silvesterparty, eingeladen bei Bekannten von Frau Rau. Ich läute, die Tür geht auf, eine überraschte Stimme quietscht schulisch-tonlos „Guten Tag Herr Rau“. Ich ganz cool „Hallo Sabine“. Das war das erste Mal, dass ich auf einer privaten Party zusammen mit einer ehemaligen Schülerin als Gast war.

(Noch bin ich nicht in dem Alter, wo ich ehemalige Schüler als Kollegen habe. Das gibt’s ja auch häufig.)

US-Wahlen 2004

Eine Übersicht über die mehr oder weniger absehbar demokratischen bzw. republikanischen Staaten und über die swing states, bei denen noch nicht sicher abzusehen ist, wie sich die Mehrheit der Wähler dort entscheiden wird:
(Was ein swing state ist und was nicht, ist natürlich Ansichtssache.)

So haben die Staaten im Jahr 2000 gewählt:

ElectoralCollege2000-Large

Soviel Umschwung braucht es jeweils in den einzelnen Staaten, bis sich am Ergebnis etwas ändert:

Mackerras_2004_US_Election
(nach Professor Malcolm Mackerras, einem australischen Wahlforscher)

Alles gefunden in der Wikipedia unter http://en.wikipedia.org/wiki/U.S._presidential_election,_2004

Bei http://nationalatlas.gov/electionsprint.html gibt’s noch mehr Kartenmaterial zu den vergangenen Wahlen 1789-2000.