US-Fernseh-Debatten, und Comics

Ich lese gerne manche Comics; andere Comics lese ich allerdings überhaupt nicht. Jedenfalls treibe ich mich gerne auf amerikanischen WWW-Seiten zu bestimmten Comic-Serien herum. Dort werden die jeweils neuesten Ausgaben diskutiert (und so gründlich interpretiert wie niemals ein Gedicht an einer Schule), aber das lese ich so gut wie nie.

Was mich vielmehr interessiert, ist jeweils die Rubrik „Vermischtes“ oder „Politics and World Events“. Dort geht es gerade jetzt im Finale des Wahlkampfes hoch her. Außerdem erfahre ich dort eine Menge über amerikanisches Alltagsleben. Sehr erstaunt hat mich, wie routiniert die Teilnehmer an diesen Forums-Diskussionen mit Begriffen aus der Rhetorik umgehen. Sie scheinen das tatsächlich an der Schule zu lernen, und das wohl nicht nur im Rahmen von formalen Debates. (In debating societies übt man das rhetorisch geschickte Argumentieren, und dann wird öffentlich um Preise debattiert, mit Punktrichtern und vielen Zuschauern und allem drum und dran.) Begriffe wie „slippery slope“ und „straw man“ sind allen bekannt.

Natürlich kann man solche Kommentare auch in den Foren von amerikanischen Zeitungen verfolgen, so ähnlich, wie es bei uns bei Spiegel online ja auch ein Diskussionsforum gibt. Aber ich finde es bei den Comic-Fans gemütlicher. Sicher gibt es für andere Hobbies ähnliche Foren, in denen sich Briefmarkensammler oder was auch immer herumtreiben.

Peter David ist ein Comic-Autor, und in seinem Blog hat er die erste Fernsehdebatte von Bush und Kerry live und sehr ausführlich kommentiert, fast wie bei einem Boxkampf. Dazu kommen derzeit 104 Kommentare von Lesern seines Blogs, die einem einen interessanten Einblick in die amerikanische Gedankenwelt geben. Bei Peter David schaue ich eigentlich täglich vorbei, er schreibt viel über amerikanische Fernsehserien, die Comic-Industrie, den Wahlkampf, Medien.

Ein Comic-Forum gibt es zum Beispiel unter www.joequesada.com. Das ist die Seite von Joe Quesada, dem derzeitigen Chefredakteur von Marvel Comics. Die Startseite hat allerdings einen äußerst störenden Flash-Hintergrundsound, das Forum kann man aber auch direkt anspringen unter http://www.joequesada.com/cgi-bin/ikonboard/ikonboard.cgi. Dieses Forum ist vermutlich dann am interessantesten, wenn man keine Scheu vor Comic-Fans hat.


slippery slope: Um zu zeigen, dass eine Behauptung p inakzeptabel ist, baut man eine Folge von immer inakzeptabler werdenden Behauptungen auf, und zeigt, wie sie aus p folgen. Logisch nicht haltbar, ein Scheinargument.
Beispiele:

Man soll nie glücksspielen. Wenn man anfängt, kann man nicht mehr aufhören. Bald gibt man sein ganzes Geld nur für Glücksspiel aus, und irgendwann wird man kriminell, um sich das leisten zu können.

Wenn ich für dich eine Ausnahme mache, muss ich für jeden eine Ausnahme machen.

straw man: Man greift die Gegenseite an, indem man sich eine besonders schwache Fassung eines Gegenarguments heraussucht, und das bessere Argument der Gegenseite ignoriert. Ebenfalls ein Scheinargument.
Beispiele:

Wir brauchen die Wehrpflicht. Die Leute wollen nicht zum Militär, weil sie das unbequem finden. Aber es gibt schließlich Wichtigeres als Bequemlichkeit.

Die Leute, die gegen Bush jr. sind, stören sich ja nur daran, dass sein Vater bereits Präsident war. Es gibt aber keinen Grund, davon auszugehen, dass ein Sohn nicht ebenso gut oder noch besser dazu geeignet sein sollte, als sein Vater; das hat nichts mit Protektion zu tun.

Wie man fürs Shakespeare-Jahrbuch schreibt

Gelegentlich bilde ich mich ja an der Uni weiter. So war das auch im Frühling letztes Jahr. Es ging um Shakespeare in der Schule – so ließ es der Titel der Ringvorlesung zumindest vermuten. Tatsächlich ging es dann nur um verschiedene Interpretationsansätze zu Coriolanus, und wie man die in der Schule verwenden kann. Aber wenn ich im Englischunterricht nur ein Shakespeare-Drama in der Schule lese, dann wird das sicher nicht Coriolanus sein.

Trotzdem konnte ich der Vorlesung Interessantes abgewinnen. Die Diskussion im Anschluss daran war lebhaft; Besucher der Ringvorlesung waren vor allem Lehrer und Lehramtsstudenten, also Praktiker. Der Lehrplan sieht die Lektüre eines Shakespeare-Dramas im Englisch-Leistungskurs vor. Die Schüler tun sich schwer mit der Sprache, aber dennoch ist das so etwas wie das Meisterstück eines Englischschülers. Ausgeklammert wurde die Frage, wie sinnvoll es überhaupt ist, Shakespeare zu lesen, solange die Schüler noch nicht mal hinreichend in der Fremdsprache kommunizieren können. Ich habe da meine Zweifel, bin aber dennoch froh, zu Shakespeare gezwungen zu sein – der macht mir nämlich sehr viel Spaß, und das kann ich den Schülern vielleicht auch vermitteln.

Jedenfalls saß ich ganz vorne und redete fleißig mit, immer nach einem kurzen Rundblick, ob ich die anderen auch zu Wort kommen lasse.

Und da saß dann eine selbstbewusst gekleidete Dame im Publikum, die ebenfalls mitredete, und danach für ein Jahrbuch oder so Beiträger suchte. Ich fühlte mich nicht angesprochen, ich habe ja auch nicht in München studiert und kenne da niemanden, und bin ohnehin eher Sprach- als Literaturwissenschaftler.
Aber danach kam die Dame noch einmal zu mir und fragte, ob ich nicht doch etwas für das Shakespeare-Jahrbuch schreiben würde. Sie wirkte ein kleines bisschen überrascht, dass ich sie nicht kannte (ich musste fragen, wie ich Kontakt zu ihr aufnehmen sollte).

Zu Hause hat mich dann meine Frau daran erinnert, dass Ina Schabert eine der Shakespeare-Königinnen Deutschlands ist. Und so stehe ich also mit folgendem Aufsatz im Shakespeare-Jahrbuch 2004.

Natürlich ist das keine Riesenleistung; man könnte viel öfter an den verschiedensten Zeitschriften mitarbeiten, angefangen mit den für den eigenen Beruf relevanten (wie Praxis Deutsch oder Der fremdsprachliche Unterricht oder so). Aber es ist mein erster Aufsatz seit der Uni. Ich musste wieder mal Korrekturabzüge lesen, nur diesmal nicht für den Prof, sondern für mich selber. Dann musste ich monierte Schwachstellen verbessern, und nicht monierte Schwachstellen ignorieren – inzwischen studierte ich Informatik und hatte nicht mehr viel Zeit.
Trotzdem habe ich mir gewiss Mühe gegeben mit dem Aufsatz, und er war mir auch ein Anliegen. Schließlich mag ich Shakespeare, und lese ihn gerne, und will meinen Schülern vermitteln, wie vergnüglich Shakespeare ist.

Für die alte Rechtschreibung kann ich nichts.

Spanisch-Kurs! (Und mehr.)

Eigentlich wollte ich nach den langen Posts der letzten Tage so schnell nichts mehr posten, aber aus Termingründen eine eilige Notiz.

Seit zehn Tagen kommt auf Bayern Alpha jeden Wochentag um 22.15 Uhr „Extra en español“ – ein fantastischer Spanischkurs, mit dem ich mein Spanisch ein bisschen aufpeppe.
Es geht um die Abenteuer von Lola und Ana, die sich in Barcelona eine kleine Wohnung teilen; gegenüber wohnt Pablo, und Gast aller ist der Amerikaner Sam – ein heimlich reicher Millionenerbe, den es nach Spanien verschlagen hat.
Das klingt nach Sitcom und ist auch eine, komplett mit Dosengelächter. Sonst hat das ganze kaum Merkmale von Schulfernsehen; die Leute sprechen halt etwas langsamer und nicht zu kompliziert. Aber die Handlung ist witzig; die Schauspieler dürfen wunderbar übertreiben. Sehr witzig; eine englische Produktion.

Und morgen, Samstag 4. September, werden auf Bayern Alpha von 11.15 bis 13.20 noch einmal die Folgen 8-12 gezeigt; die letzte der 13 Folgen gibt’s dann Montag nacht beziehungsweise am Samstag darauf. Wer Spanisch lernt, unterrrichtet, oder lernen will: Aufnehmen!.
Folge 3 gibt es auch morgen um 6.00 Uhr auf NDR, Folge 4 auf NDR um die gleiche Zeit am 11.9., und so weiter – wer also schnell reagiert, kann sich die Folgen 3-13 noch auf Video sichern.

Vermutlich hätte mich all das immer noch nicht dazu gebracht zu posten – aber ab Montag, 13.9. gibt es um 8.30-9.00 Uhr auf SWR Extra Deutsch, Folge 1: Sams Ankunft.
Ich nehme mal an, das sind die gleichen 13 Episoden, nur eben in Köln statt in Barcelona, oder was auch immer, und gedacht zum Deutsch lernen.
Der Channel-4-Webseite entnehme ich, dass es Extra auf Spanisch, Deutsch und Französisch gibt. Auf dieser Seite gibt es auch begleitendes Material zu Extra.

Ich meine, ich bin ja eh begeisterter Schulfernsehgucker, aber das finde ich brillant. Auf Extra Deutsch bin ich schon sehr gespannt.

My radio shows

Das ist keinesfalls eine Liste aller OTR Shows, die es gibt. Aber es ist eine Liste aller Sendungen, von den ich mindestens eine Episode habe (digital, Kassette oder Audio-CD). Irgendwann schreibe ich zu einigen davon noch einen Eintrag.

2000 Plus
A Life In Your Hands
Abbott & Costello Show, The
ABC Radio Workshop
Academy Award Theater
Ace Williams, The Adventures Of
Adventures By Morse
Adventures In Research
Adventures of Hornblower
AFRS Radio Playhouse
Air Adventures Of Jimmy Allen, The
Al Jolson Show, The
Aldrich Family, The
American Trail
American Weekly
Amos & Andy
An American In England
Anderson Family, The
Answer Man, The
Arch Oboler’s Plays
Archie Andrews
Arthur Godfrey Time
Author, Author
Avenger, The
Babe Ruth, The Adventures Of
Baby Snooks Show, The
Barry Craig, Confidential Investigator
Batman Mystery Club, The
Behind the Mike
Behind the Scenes
Believe It Or Not
Beulah Show, The
Beyond Tomorrow
Bickersons, The
Big Story
Big Town
Bing Crosby Show, The
Black Castle, The
Black Chapel, The
Black Hood, The
Black Museum, The
Blondie
Bob & Ray
Bob Burns Show, The
Bob Hope Show, The
Bold Venture
Boris Karloff Show, The
Boston Blackie
Box 13
Broadway Is My Beat
Buck Rogers In the 25th Century
Burns & Allen
Camel Comedy Caravan
Campbell Playhouse
Campbell’s Short Short Story
Can You Top This
Candid Microphone, The
Candy Matson
Captain Midnight
Case Dismissed
Casey, Crime Photographer
Cavalcade of America
CBS Radio Workshop
Challenge Of The Yukon
Chandu the Magician
Charlie Chan
Cinnamon Bear
Cisco Kid, The
Clock, The
Columbia Masterworks
Columbia Workshop
Command Performance
Counterspy
Crime Club
Crisco Radio News
Curtain Time
Damon Runyon Theater
Danger, Dr Danfield
Dangerous Assignment
Danny Kaye Show, The
Dark Fantasy
Date With Judy, A
Defense Attorney
Dennis Day, A Day In the Life Of
Destination Freedom
Diary of Fate
Dick Tracy
Dimension X
Dinah Shore Show (Bird’s Eye Open House)
Don’t You Believe It
Dragnet
Duffy’s Tavern
Easy Aces, The
Eddie Cantor Show, The
Edgar Bergen Charlie McCarthy Show, The
Ellery Queen, The Adventures of
Escape
Exploring Tomorrow
Falcon, The
Family Theater
Fat Man, The
Father Knows Best
Favorite Story
Federal Agent
Fibber McGee & Molly
First Nighter Program, The
Fitch Bandwagon
Five Minute Mystery
Flash Gordon
Flywheel, Shyster & Flywheel / Five Star Theater
Ford Theater
Forecast
Frank Farrell, The Adventures Of
Frankenstein
Fred Allen Show, The
Free Company, The
Frigidaire Star Time
Frontier Gentleman
Frontier Town
G.I. Journal
Gangbusters
Ghost Corps, The
Globe Theater
Good News of 1939
Goon Show, The
Grand Central Station
Great Gildersleeve, The
Green Hornet, The
Green Valley Line
Guest Star
Guilty Party
Gunsmoke
Guy Lombardo
Hall of Fantasy, The
Hallmark Playhouse, The
Halls of Ivy, The
Haunting Hour, The
Have Gun, Will Travel
Henry Morgan Show, The
Hercule Poirot
Hermit’s Cave, The
High Adventure
Hobby Lobby
Hollywood Barn Dance
Hollywood Mystery Time
Hollywood On the Air
Hollywood Playhouse Of Romance
Hollywood Spotlight
Horace Heidt Show, The
House of Mystery
I Love a Mystery
I Love Adventure
I Was a Communist for the FBI
Incredible But True
Information Please
Inner Sanctum Mysteries
It Pays to be Ignorant
Jack Benny Program, The
Jane Endicott, Reporter
Jimmy Durante Show, The
Joe E. Brown Show
John Steel, Adventurer
Journey into Space
Kraft Music Hall, The
Land of the Lost, The
Last Man Out
Laurel & Hardy Show, The
Les Miserables
Let George Do It
Let’s Pretend
Life of Riley
Life With Luigi
Lights Out
Lineup, The
Lives of Harry Lime, The
Living 1949
Lone Ranger, The
Louella Parsons
Lum & Abner
Lux Radio Theater
Magic Island
Magic Key of RCA, The
Maisie
Majestic Master of Mysteries
Man Called X, The
Mandrake the Magician
Manhunt
Mark Trail
Martin & Lewis Show
Mayor Of The Town
Meet Corliss Archer
Meet the Meeks
Mel Blanc Show, The
Melody Ranch
Mercury Summer Theater
Mercury Theater of the Air
Milton Berle Show, The
Minnesota School of the Air
Molle Mystery Theater
Moon Over Africa
Movietown Radio Theatre
Mr and Mrs North
Mr District Attorney
Mr. Keene, Tracer of Lost Persons
Murder At Midnight
Murder By Experts
Murder Will Out
My Favorite Husband
My Friend Irma
My Little Margie
Mysterious Traveler, The
Mystery In The Air
National Barn Dance
NBC Presents Short Story
NBC University Theater
Nero Wolfe, The Adventures Of
New World A-Coming
New York Close-Up
Nick Carter, Master Detective
Night Watch
Nightbeat
Obsession
Old Gold Show
Omar, Wizard of Persia
On Stage
Operation Nightmare
Our Miss Brooks
Out Of The Night
Ozzie & Harriet, Adventures of
Pat Novak, For Hire
Pete Kelly’s Blues
Phil Harris & Alice Faye Show, The
Philip Marlowe, The Adventures Of
Philip Morris Playhouse
Quiet Please
Quiz Kids, The
Radio City Playhouse
Radio Guild
Railroad Hour, The
Red Skelton Show, The
Results, Inc.
Richard Diamond, Private Detective
Ripley‘ Believe It Or Not
Rocky Fortune
Rogue’s Gallery
Romance
Sad Sack Show, The
Saint, The
Sam Spade, The Adventures of
Screen Directors‘ Playhouse/Guild
Screen Guild Theater
Sealed Book, The
Sealtest Variety Theater
Sealtest Village Store
Shadow of Fu Manchu, The
Shadow, The
Sherlock Holmes
Six Shooter, The
Sky King
Sleep No More
Smiths of Hollywood, The
Spike Jones Show, The
Stan Freberg Show, The
Stars On Parade
Strange As It Seems
Strange Doctor Weird, The
Studio One
Superman, The Adventures of
Suspense
Tailspin Tommy
Tales Of The Texas Rangers
Tarzan
Terry and the Pirates
Texaco Star Theater
The Lives of Harry Lime
Thin Man, The
This Is My Best
This Is Your FBI
Time For Love, A
Troman Harper, Rumor Detective
True Detective Mystery
Truth Or Consequences
Twenty-First Precinct
Vic and Sade
Voyage Of The Scarlet Queen, The
Walter Winchell’s Jergen’s Journal
Wednesdays With You
Weird Circle, The
Which Is Which?
Whisperer, The
Whistler, The
Wild Bill Hickock
Witch’s Tale, The
Words At War
World Adventurer’s Club, The
X-1
You Are There
You Bet Your Life
Your Hit Parade
Yours Truly, Johnny Dollar
Zorro, Adventures of

OTR

OTR heißt Old Time Radio und man meint damit die Zeit von den dreißiger bis zu den frühen fünfziger Jahren, als Radio die gleiche Rolle in den USA spielte wie heute das Fernsehen.
Es kam natürlich auch Musik im Radio. Aber es gab auch Quizsendungen und Bauchredner und Nachrichten und Theaterkritiken und Krimis und Western und Daily Soaps und Drama. Und Science Fiction und Abenteuergeschichten und Kochtipps und Sendungen für Kinder. Und Gruselgeschichten wie Inner Sanctum Mysteries mit der ewig quietschenden Tür.
Das waren keine Hörspiele, so wie das Wort heute verwendet wird – genauso wenig, wie das, was heute im Fernsehen kommt, Fernsehspiele sind. Also nichts Außergewöhnliches, sondern Radioserien, so wie es heute Fernsehserien gibt. Gute und schlechte, teure und billige.

Aufzeichnungen der Sendungen waren nicht die Regel, keinesfalls jedenfalls waren sie für die Aufführung gedacht: Sämtlicher Inhalt war live. Jede Soap wurde live gespielt und übertragen, häufig vor Publikum; jede Eröffnungsmelodie wurde live vom Studioorchester gespielt; das Geräusch jedes klingelnden Telefons und jedes zerbrechenden Glases in einer Situationskomödie wurde vom sound effects man live erzeugt. (Der war konsequenterweise auch in der Schauspielergewerkschaft Mitglied und hatte eine wichtigere Rolle zu spielen als heute der Geräuschemacher beim Film.) Tanzmusik war live und wurde gerne aus großen Hotels übertragen. Wenn es bei einer an der Ostküste produzierten Sendung eine zweite Ausstrahlung für das Publikum an der Westküste gab, dann trafen sich alle Teilnehmer vier Stunden später noch einmal im Studio und wiederholten die Sendung Wort für Wort.

Am 21. September 1939 wurden die gesamten Ausstrahlungen des Radiosenders WJSV in Washington, DC aufgezeichnet, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Dass ausgerechnet dieses Datum gewählt wurde, liegt wohl an der Ansprache des Präsidenten Roosevelt vor dem amerikanischen Kongress: Es ging darin darum, die strikte Neutralität der USA zu beenden und Waffenlieferungen an das Ausland, allen voran das Vereinigte Königreich, zuzulassen. Drei Wochen zuvor, am 1. September, war Deutschland in Polen eingefallen, am 3. September hatten Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg erklärt.

Hier kann man sich das Programm dieses Tages anschauen.

OTR Complete Radio Day

Am 21. September 1939 wurden die gesamten Ausstrahlungen des Radiosenders WJSV in Washington, DC aufgezeichnet, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Dass ausgerechnet dieses Datum gewählt wurde, liegt wohl an der Ansprache des Präsidenten Roosevelt vor dem amerikanischen Kongress: Es ging darin darum, die strikte Neutralität der USA zu beenden und Waffenlieferungen an das Ausland, allen voran das Vereinigte Königreich, zuzulassen. Drei Wochen zuvor, am 1. September, war Deutschland in Polen eingefallen, am 3. September hatten Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg erklärt.

Und so sah ein Radiotag aus:

06:30 Sundial with Arthur Godfrey (music)
08:30 Certified Magic Carpet (quiz show)
08:45 Bachelor’s Children (soap)
09:00 Pretty Kitty Kelly (soap)
09:15 The Story of Myrt & Marge (soap)
09:30 Hilltop House (soap)
09:45 Stepmother (soap)
10:00 Mary Lee Taylor (soap)
10:15 Brenda Curtis (soap, featuring Agnes Moorehead)
10:30 Big Sister (soap)
10:45 Aunt Jenny’s True Life Stories (soap)
11:00 Jean Abbey (news for women)
11:15 When a Girl Marries (soap)
11:30 The Romance of Helen Trent (soap)
11:45 Our Gal Sunday (soap)
12:00 The Goldbergs (comedy)
12:15 Life Can Be Beautiful (soap)
12:30 Road of Life (soap)
12:45 This Day Is Ours (soap)
1:00 Sunshine Report (news)
1:15 The Life & Love of Dr. Susan (soap)
1:30 Your Family and Mine (soap)
1:45 News (news)
2:00 President Roosevelt’s Address to Congress (speech)
2:40 Premier Edouard Daladier
3:00 Address Commentary (news)
3:15 The Career of Alice Blair (soap)
3:30 News (news)
3:42 Rhythm & Romance
3:45 Scattergood Baines
4:00 Baseball: Cleveland Indians at Washington Senators (sports)
5:15 The World Dances (music)
5:30 News (news)
5:45 Sports News (news)
6:00 Amos and Andy (comedy)
6:15 The Parker Family (comedy)
6:30 Joe E. Brown (comedy)
7:00 Ask-It Basket (quiz)
7:30 Strange as it Seems (true stories)
8:00 Major Bowes‘ Original Amateur Hour (variety)
9:00 The Columbia Workshop – „Now It’s Summer“ (drama)
9:30 Americans at Work (true stories)
10:00 News (news)
10:15 Music (music)
10:30 Albert Warner (news)
11:30 Teddy Powell Band (music)
12:00 Louis Prima Orchestra (music)
12:30 Bob Chester Orchestra (music)

OTR heißt Old Time Radio und man meint damit die Zeit von den dreißiger bis zu den frühen fünfziger Jahren, als Radio die gleiche Rolle in den USA spielte wie heute das Fernsehen. Erklärungen dazu gibt’s in einem anderen Eintrag.

Camel Case

Vielleicht bin ich noch nicht der letzte, der’s gemerkt hat: Neben „UPPER CASE“, also Großbuchstaben, und „lower case“, Kleinbuchstaben, gibt es auch Camel Case, oder anschaulicher: „CamelCase“.
Ein Wort ist in Camel Case geschrieben, wenn es vorne und vor allem in der Mitte einen Großbuchstaben hat, und sonst Kleinbuchstaben. Weil das Wort dann ein bisschen wie ein Kamel aussieht, mit dem Buckel in der Mitte.

Viele Wikis verknüpfen anscheinend automatisch alle Wörter, die in Camel Case geschrieben sind. Das weiß ich, seit ich auf die Suche nach einer geeigneten Wiki-Engine zum Herumspielen gegangen bin. Das Installieren von WordPress in den letzten Tagen ging so gut, dass ich mich dann auch gleich mal mit Wikis beschäftigen wollte.
Wehe! Die Liste verschiedener Wiki-Engines enthält Dutzende und Dutzende von Einträgen. Die Auswahl ist wesentlich größer als bei Blog-Software. Und die Wikis heißen dann auch so schön: ChikiWiki, GikiWiki, KwikiKwiki, PhikiWiki, PikiePikie, PikiPiki, QuickiWiki, QwikiWiki, StikiWiki, StrikiWiki, TipiWiki, TwiciWiki, UniWakka, VikiWiki, WalaWiki, WikkaWiki, YukiWiki und ZwiKi. Puh.

Da muss ich mir jetzt eine Engine aussuchen. Allerdings gibt’s auch für WordPress ein Plugin, das Wörter im Text eines Blogeintrags, wenn sie in Camel Case geschrieben sind, automatisch mit anderen Blogeinträgen verknüpft, die eine gleichlautende Überschrift (also ebenfalls in Camel Case) haben.

Links:
Wiki in der Schule
http://www.deutschesfleischforumwurstwiki.de/phpwiki/: „Die erste kreative deutsche Konsumenten Plattform im WikiFormat rund um Fleisch und Wurst.“

Umzug!

Ich ziehe gerade mit diesem Blog von Movabletype nach WordPress um. Der Auslöser waren technische Schwierigkeiten mit MT und dem Host. Die hätte ich vielleicht lösen können, wenn ich mich besser auskennte. Ich hatte aber auch schon vorher ein bisschen mit WordPress gespielt. Bis vor ein paar Monaten war Movabletype für den Privatgebrauch und für Schulen kostenlos; die neueste Version (und dann wohl auch alle kommenden) sind für Privatpersonen immer noch kostenlos, wenn auch etwas eingeschränkt. Für Schulen kostet die neue Version aber Geld.
Und da ich Blogs auch in der Schule verwenden möchte, gewöhne ich mich besser schon mal an WordPress.

Alle Links auf die MT-Seiten sollten immer noch funktionieren und automatisch zu den entsprechenden WordPress-Seiten umleiten.

Die nächsten Tage bin ich am basteln; es kann sein, dass immer mal was nicht funktioniert. Einige Einträge muss ich auch noch für WordPress formatieren.

Startadresse ist weiterhin: http://www.herr-rau.de. Am Design der Seiten werde ich in den nächsten Wochen noch herumbasteln.

War Sherlock Holmes Zen-Buddhist?

Jede-Minute-Zen

Zen-Schüler bleiben mindestens zehn Jahre bei ihrem Meister, bevor sie es wagen können, andere zu belehren. Nan-in erhielt Besuch von Tenno, der, nachdem er seine Lehrzeit hinter sich gebracht hatte, ein Lehrer geworden war. Der Tag versprach regnerisch zu werden, darum trug Tenno Holzschuhe und hatte einen Regenschirm bei sich. Nachdem Nan-in ihn begrüßt hatte, bemerkte er: „Ich nehme an, du hast deine Holzschuhe im Vorraum gelassen. Ich möchte gerne wissen, ob dein Regenschirm rechts oder links von den Holzschuhen steht.“
Tenno wusste in seiner Verwirrung keine sofortige Antwort zu geben. Er erkannte, dass er nicht in der Lage war, sein Zen in jeder Minute bei sich zu haben. Er wurde Nan-ins Schüler, und er studierte sechs weitere Jahre, um sein Jede-Minute-Zen zu vervollkommnen.

aus: Paul Reps, Ohne Worte, ohne Schweigen


„Quite so,“ he answered, lighting a cigarette, and throwing himself down into an armchair. „You see, but you do not observe. The distinction is clear. For example, you have frequently seen the steps which lead up from the hall to this room.“
„Frequently.“
„How often?“
„Well, some hundreds of times.“
„Then how many are there?“
„How many? I don’t know.“
„Quite so! You have not observed. And yet you have seen. That is just my point. Now, I know that there are seventeen steps, because I have both seen and observed.“

aus: Arthur Conan Doyle, „A Scandal in Bohemia“, in: Adventures of Sherlock Holmes